josef

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#21
Brauereimuseum

In einem Teilabschnitt der großen Kelleranlagen des Schlosses Weitra ist ein Brauereimuseum untergebracht. Es sind hauptsächlich historische Gerätschaften und Werkzeuge der "Braukunst" ausgestellt, mit Hauptaugenmerk auf die ehemaligen "Fürstenbergschen Brauereien" in Tschechien...

Nachfolgend ein kleiner Überblick anhand von 2 unkommentierten Fotobeiträgen:

Teil 1:
 

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Zuletzt bearbeitet:
#23
Aktualisierung im November 2018;)

Josef: Eigenartiges am Dachboden des Schlosses Weitra:

Am Weg zum Turm kam ich am Dachboden des Schlosses an einer eigenartigen Einrichtung vorbei:
Auf 2 gemauerten Sockeln steht eine rechteckige Blechwanne, darin steht eine große Schüssel und ein Topf sowie eine weitere kleine Blechwanne. Kann mir nicht erklären, zu welchem Zweck das dienen soll(te)? Wird ja wegen der Brandgefahr kaum eine offene Feuer- (Herd-) Stelle mitten am Dachboden gewesen sein...?

Kann vielleicht wer eine Antwort dazu geben?




Laut der Dame von der Information im Schloß Weitra sind das doch nur Gefäße zum Unterstellen, weil es früher reingeregnet hat!
Anscheinend werden diese jetzt nicht mehr benötigt, da das Dach inzwischen dicht gemacht wurde. So hat man diese Blechwanne und die Gefäße einfach nur zusammengestellt und am Dachboden belassen.
LG
Woodquarter
 

MHSTG44

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#24
Kann vielleicht wer eine Antwort dazu geben?
Kann man hierzu einen grösseren Ausschnitt des Bildes betrachten? Aus welchen Material sind Topf und Schüssel? Die Frage ist, ob dies der ursprüngliche Standort für das Abstellen dieser Wanne ist. Doch ein wenig eigenartig, vor allen sehen diese Betonsockel, was man auf dem Bild verkennen kann aus als wurden diese nachträglich errichtet worden sein.
 

Geist

Worte im Dunkel
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#25
Kann man hierzu einen grösseren Ausschnitt des Bildes betrachten? Aus welchen Material sind Topf und Schüssel? Die Frage ist, ob dies der ursprüngliche Standort für das Abstellen dieser Wanne ist. Doch ein wenig eigenartig, vor allen sehen diese Betonsockel, was man auf dem Bild verkennen kann aus als wurden diese nachträglich errichtet worden sein.
@MHSTG44: Woodquarter hat in seinem Beitrag den Text von Josefs Beitrag 18 in schräggestellter Schrift kopiert. Darunter befindet sich in normaler Schrift die Antwort.
 

josef

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#26
Aktualisierung im November 2018;)

Josef: Eigenartiges am Dachboden des Schlosses Weitra:




Laut der Dame von der Information im Schloß Weitra sind das doch nur Gefäße zum Unterstellen, weil es früher reingeregnet hat!
Anscheinend werden diese jetzt nicht mehr benötigt, da das Dach inzwischen dicht gemacht wurde. So hat man diese Blechwanne und die Gefäße einfach nur zusammengestellt und am Dachboden belassen...
Danke für die Aufklärung!
Die Errichtung der beiden Sockel mit einer darauf angepassten Blechwanne mit Gefäßen war als Übergangslösung sicher billiger als eine komplette Dachsanierung :)
 

josef

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#27
Dauerausstellung „Schauplatz Eiserner Vorhang“

Entdeckte noch nicht veröffentlichte Fotos von der Dauerausstellung „Schauplatz Eiserner Vorhang“.

Dazu nachfolgen eine kleine Bildauswahl der hauptsächlich aus großformatigen Fotos und Modellen bestehenden Exponate,
Teil 1 von 4:

1. - 3. Wie das Braumuseum befinden sich die Ausstellungsräume in den riesigen Gewölbekellern unter dem Schloss.
4. Karte des Grenzverlaufes - Trennlinie zwischen Ost und West von der Ostsee zur Adria bzw. Mittelmeer.
5. Über längere Zeit waren diese beiden Herren die Hauptakteure...

Beginnend mit der ehemaligen Grenze BRD - DDR:
6. Aufbau der DDR - Grenzsicherungsanlagen
7. - 10. DDR - Anlagen, teilweise ergänzt durch eigene Fotos, aufgenommen im Oktober 2013 im Grenzbereich in der Rhön zwischen Hessen und Thüringen.
 

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josef

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#28
„Schauplatz Eiserner Vorhang“ - Teil 2 von 4:

11. Dienstkoffer von "Passkontrolleinheiten" der "Stasi" - Ministerium für Staatssicherheit der DDR zur Feststellung von gefälschten Reisedokumenten (ca. 1980).
12. Auszeichnung (Medaille) für Angehörige der DDR-Grenztruppen .
13. Originaler Ledermantel eines "Stasi-Mitarbeiters"
14. Skizze einer "Selbstschussanlage SM-70", die zwischen 1971 - 1984 an den Grenzsperrzäunen der DDR montiert waren.

An der brisanten "Nahtstelle" zwischen West und Ost entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze patrouillierten neben West- und Ostdeutschen Grenzsicherungsorganen auch US-Einheiten direkt an der Grenze, während die in der DDR stationierten Sowjettruppen sich im Hinterland aufhielten. Nachfolgende, das Thema ergänzende, Bilder stammen vom Besuch des ehemaligen Grenzstreifens bei der "Gedenkstätte Piont Alpha" (Hessen/Thüringen).
15. Schlechte Aufnahme einer Bildtafel mit mobilem sowjetischen A-Waffenträger.
16. Sowjetische Militärkarte.
17. US-Beobachtungstrupp direkt an der Grenze.
18. Beobachtungsturm am Gelände des US-Stützpunktes "Pint Alpha".
19. Adjustierungs- und Bewaffnungsdarstellung der US-Beobachtungstruppen...
20. ...und des deutschen "Bundesgrenzschutzes".
 

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josef

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#29
„Schauplatz Eiserner Vorhang“ - Teil 3 von 4:

Es folgt nun der Grenzabschnitt zwischen BRD bzw. Österreich zur ehemaligen Tschechoslowakei, wobei ich nur Fotos der Grenze A/CSSR verwende:

21. Soldaten der tschechoslowakischen Grenzwache mit Hund auf Beobachtungsposten.
22. Typischer "CSSR-Wachturm" der älteren Bauart.
23. Tschechoslowakische "Grenzsicherung" im Bereich Dobersberg im Waldviertel.
24. Hinweisschild.
25. Die bekannte Grenzbrücke über die Thaya bei Hardegg.
26. Original tschechoslowakischer Grenzbalken.
27. "CSSR-Wachturm" neuerer Bauart. (Fotos 26.u.27. von der NÖ. Landesausstellung 2009 in Raabs)
28. Skizze eines "Minenriegels", der von 1959 - 1965 zwischen den Zäunen verlegt war.
29. "Spitzel-Buch" mit Eintragungen von Beobachtungen (Überwachung...) des tschechoslowakischen Bahnpersonals am Grenzbahnhof České Velenice (ehemaliger Hauptbahnhof Gmünd).
30. Übersetzung aus einer tschechoslowakischen Dienstanweisung zur Grenzüberwachung aus 1953.
 

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josef

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#30
„Schauplatz Eiserner Vorhang“ - Teil 4 von 4:

Den Anschluss Richtung Osten und Südosten bildete die Grenze Österreich-Ungarn, Österreich-Jugoslawien und Jugoslawien-Italien:

31. - 32. Signalgerät sowjetischer Herkunft, welches mittels elektrischer Impulse Bewegungen von Menschen und Tieren im Grenzstreifen erfasst und in den Stützpunkten der Überwachungstruppen anzeigte. Eingesetzt ab 1967 in den ungarischen Grenzabschnitten.
33. Modell eines Grenzzaunabschnittes der zwischen 1980 und 1989 zur Schulung der ungarischen Grenztruppen Verwendung fand.
34. Uniform eines Soldaten der "Jugoslawischen Volksarmee" aus ca. 1980. Jugoslawien überwachte zwar die Grenzabschnitte genau, hatte aber keine ausgefeilten Sperranlagen wie die übrigen Staaten.

Österreichs Überwachung und Sicherung der Ostgrenzen:
35. Neben der Grenzgendarmerie oblag der Hauptanteil der österreichischen Grenzüberwachung der Zollwache
36. Bei Konflikten in den östlichen Nachbarstaaten wurde auch das Bundesheer zu Sicherungsaufgaben herangezogen. Im Bild Soldaten vor M60 Panzer im Waldviertel während der Besetzung der Tschechoslowakei durch die WAPA-Armeen 1968.
37. - 38. Als permanente Verteidigungsanlagen gegen militärische Angriffe wurden die "Festen Anlagen" errichtet. Die Bilder zeigen Objekte der gegen einen Angriff aus Richtung Ungarn errichteten Anlage "Ungerberg" bei Bruck an der Leitha.

Da Ende des "Eisernen Vorhangs" 1989:

39. Die damaligen Außenminister Mock (Österreich) und Gyula Horn (Ungarn) durchtrennen gemeinsam am 27.06.1989 den Stacheldrahr an der ungarischen Grenze...
40. ...und am 17.12.1989 Mock mit dem tschechoslowakischen Amtskollegen Jiri Dienstbier beim symbolhaften Akt an der CSSR- Grenze...
 

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Senator74

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#31
Habe seinerzeit auf Einladung der CDU ein politisches Seminar in Königslutter und Berlin West mitgemacht.
Von Helmstedt aus konnte man miitels eines Turms eines Kohlekraftwerks die DDR-Grenzanlagen von oben besichtigen.
2 Tage später dann der Grenzübertritt am Bahnhof Friedrichsrasse, mt allen verbalen Schikanen. Kann ich nicht vergessen.
Auch nicht die Geschichte meiner Großcousine, die ihre 2 Brüder (sie hatten Dienst an der Westgrenze zur bösen BRD) fragte:
Wenn ich da unten zwischen den Minenfeldern mit meinem Kind unterm Arm losrenne, weil ich von unserer "schönen DDR" die Schnauze voll habe, schießt ihr dann auf mich? Ja, sagte der Ältere, schiessen muß ich, da habe ich den Befehl dafür. Aber ich würde mir ins Bein schiessen, damit ich dich nicht treffe. ...
Das kann ich auch nicht vergessen.
 

josef

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#33
Ergänzung zur Dauerausstellung „Schauplatz Eiserner Vorhang“


Gesucht: Objekte aus der „Eisernen Vorhang“-Zeit
Heuer jährt sich zum 30. Mal der Fall des „Eisernen Vorhangs“. In Weitra (Bezirk Gmünd) gibt es eine Ausstellung über die Welt hinter und entlang des „Eisernen Vorhangs“, die nun neu gestaltet wird und für die Exponate gesucht werden.
Unter dem Begriff des „Eisernen Vorhangs“ versteht man jene Grenzbefestigungen, Mauern und Zäune, welche die Menschen in Osteuropa bis 1989 gehindert haben, ihre Heimatländer zu verlassen. Dieser „Eiserne Vorhang“ war zwischen Niederösterreich und der damaligen Tschechoslowakei 414 Kilometer lang.


ORF
Alois Mock und Siegfried Ludwig (v.l.) schneiden am 17. Dezember 1989 bei Kleinhaugsdorf den „Eisernen Vorhang“ durch

Am 17. Dezember 1989 durchschnitten der österreichische Außenminister Alois Mock, Niederösterreichs Landeshauptmann Siegfried Ludwig und der tschechoslowakische Außenminister Jiri Dienstbier bei Kleinhaugsdorf (Bezirk Hollabrunn) den „Eisernen Vorhang“. Danach begann der Abbau dieser jahrzehntelangen Grenze zwischen Ost und West, der „Kalte Krieg“ zwischen den USA und dem Westen auf der einen, der Sowjetunion und dem Osten auf der anderen Seite ging seinem Ende zu.

Leben entlang des „Eisernen Vorhangs“
Seit 15 Jahren gibt es in der Grenzstadt Weitra die Ausstellung „Schauplatz Eiserner Vorhang“. Im Schloss wird gezeigt, wie diese unüberwindbare Grenzbefestigung das Leben der Menschen jahrzehntelang beeinflusst hat. Es waren Zeiten des Misstrauens, der Angst, der Zensur, der Überwachung und der Perspektivenlosigkeit.

Diese Aspekte werden bei der Neugestaltung der Ausstellung besonders herausgearbeitet. „Wir werden verschiedene Symbole der untergegangenen Regime präsentieren. Das ist eigentlich auch ein schöner Blick auf die Vergänglichkeit von Macht. Selbst Dinge, die sehr gefürchtet waren, werden irgendwann als mehr oder weniger wertvolle Schaustücke enden“, sagt Ausstellungskurator Christoph Benedikter.


ORF
Die Ausstellung „Schauplatz Eiserner Vorhang“ im Schloss Weitra wird neu gestaltet

„Eiserner Vorhang“ soll nie in Vergessenheit geraten
„Der ‚Eiserne Vorhang‘ war über mehr als vier Jahrzehnte lang bestimmender Teil der österreichischen und der europäischen Geschichte. Man darf ihn nicht in Vergessenheit geraten lassen. Man muss auch die Ereignisse, die sich in dieser Region abgespielt haben und von denen Menschen betroffen waren, immer wieder in Erinnerung rufen. Auch unter dem Motto ‚Der Zukunft zeigen, was in der Vergangenheit geschehen ist bzw. was sie auch der Vergangenheit verdankt‘“, erklärt Herbert Vytiska, ehemaliger Pressprecher von Alois Mock und Generalsekretär des Vereins zur Dokumentation der Zeitgeschichte, der als Veranstalter der Ausstellung „Schauplatz Eiserner Vorhang“ fungiert.

Der Bürgermeister von Weitra, Raimund Fuchs, ergänzt: „Weitra als ehemalige Grenzstadt mit historischer Bedeutung ist ja geradezu prädestiniert, der Standort für eine Ausstellung zum Thema ‚Eiserner Vorhang‘ zu sein.“

Gesucht werden Filme, Fotos und Erinnerungsstücke
Für die Ausstellung in Weitra werden nun neue Exponate gesucht. Das können sowohl Erinnerungsstücke aus den 1980er Jahren und früher sein, als auch andere „Andenken“, die vielleicht von Privatsammlern aufgehoben werden.


ORF
In vielen Privatsammlungen und -haushalten liegen interessante Objekte, die man in Weitra zeigen könnte, sind die Ausstellungskuratoren überzeugt

"Ich kenne Personen, die in Oberösterreich am ‚Eisernen Vorhang‘ gelebt haben, die dann Isolatoren vom Zaun abmontiert haben oder ein Stück vom Zaun oder eine Tafel mit „Pozor!" mitgehen ließen. Wir suchen solche Sachen, persönliche Erinnerungsstücke, Andenken, Zeitungen und Briefe. Oder Fotos und Filme, die man damals gemacht hat - entweder von der österreichischen Seite aus oder in der Tschechoslowakei, wenn einen Besonderes fasziniert hat“, so Kurator Christoph Benedikter.

Wohin kann man sich mit seinen Objekten wenden?
Die neu gestaltete Ausstellung „Schauplatz Eiserner Vorhang“ auf Schloss Weitra wird am 1. Mai eröffnet. Wer Objekte für die Ausstellung „Schauplatz Eiserner Vorhang“ zur Verfügung stellen möchte, kann sich an das Stadtamt im Rathaus von Weitra (Telefon 02856/5006-0) oder per Mail an Christoph Benedikter wenden.

Reinhard Linke, noe.ORF.at

Links:
Publiziert am 22.02.2019
Gesucht: Objekte aus der „Eisernen Vorhang“-Zeit
 

josef

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#34
700 Jahre Braurecht für Weitras Bürger
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In diesem Jahr feiert die Stadt Weitra (Bezirk Gmünd) ein besonderes Jubiläum: Vor 700 Jahren, also anno 1321, wurde den Bürgern vom Landesfürsten das Privileg zum Bierbrauen verliehen. Damit darf sich Weitra als „älteste Braustadt Österreichs“ bezeichnen.

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Weitra ist eine Stadt mit wunderschönen Bürgerhäusern aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock. Sie verdankt ihren sichtbaren Wohlstand unter anderem dem Privileg der Bürger, in ihren Häusern Bier brauen und ausschenken zu dürfen. Im Rathaus von Weitra wird die 700 Jahre alte Urkunde aufbewahrt, in der all das ins schönster historischer Schrift verbrieft ist. In der Urkunde gewährt Friedrich der Schöne 1321 den Bürgern von Weitra besondere Vorrechte und Freiheiten.

„Zu Beginn bedankt sich Friedrich bei den Bürgern für ihre Treue und dann wird es interessant: ‚Zur Förderung und Besserung der Stadt‘ erteilt er wörtlich diese Privilegien“, erläuterte Wolfgang Katzenschlager, der Stadtarchivar von Weitra den Text der Urkunde gegenüber noe.ORF.at.

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Im Rathaus wird die 700 Jahre alte Urkunde aufbewahrt

Niemand soll Bier brauen, außer er ist Bürger Weitras
Der Punkt drei der Urkunde aus dem Jahr 1321 betrifft das Bierbrauen: „Es soll auch niemand kein Bier brauen in einer Meil um die Stadt, es sei denn ein Bürger.“ „Das heißt, die Bürger bekommen das Bier-Monopol für die Stadt und für eine Meile um die Stadt. Eine Meile beträgt umgerechnet etwa neun Kilometer“, führte Katzenschlager weiter Wortlaut des historischen Dokuments aus.

Die Urkunde enthält allerdings keine Angaben dazu, wie das Bier zusammengesetzt sein soll. So etwas wie das „Reinheitsgebot von 1516“, auf das man in Bayern sehr stolz ist, geht aus dem Brief Friedrichs des Schönen nicht hervor. Man weiß aber, dass das Bier in so genannter offener Gärung gebraut wurde. Ein Brauverfahren, dass heute noch in Weitra zu Anwendung kommt. Historisch spätere Dokumente verweisen auf die profunde Ausbildung, die die Braumeister der Stadt vorzuweisen haben. Die Brauer- und Mälzerzunft in Weitra genoss über Jahrhunderte großen Einfluss im Land. So musste lange Zeit jeder angehende Brauer Ostösterreichs ins Waldviertel pilgern, um hier seine Meisterprüfung abzulegen.

Braurecht musste über Jahrhunderte verteidigt werden
Die Originalurkunde ist im entscheidenden Passus zum Bierbrauen beschädigt, doch konnte der Text beim Restaurieren leicht ergänzt werden. Das Archiv der Stadt verfügt über verschiedene Abschriften, weil die Bürger von Weitra dieses gewinnbringende Privileg vor allem gegen den Adel der Region durch die Jahrhunderte vor Gericht verteidigen mussten und deshalb den Text vervielfältigt hatten. So gab es zur Hochblüte um 1650 insgesamt 35 Brauhäuser, davon 33 bürgerliche Häuser mit Braurecht, ein städtisches und ein herrschaftliches Hofbräuhaus. In diesem Haus, das heute als Hotel geführt wird, wird heute noch wie damals Bier gebraut.

Doch nicht nur das Brauen an sich brachte Geld in die planmäßig um einen Dreiecksanger angelegte Stadt, sondern auch die Verlegung der Handelsroute von Südböhmen nach Wien als Weg direkt durch die Stadt. „Es wäre einfacher gewesen für die Reisenden, wenn sie dem mittelalterlichen Weg hätten folgen können. Aber das Privileg aus 1321 bestimmte, dass die Straße durch den Ort Weitra führen musste. Hier musste Handel getrieben werden, hier machten somit wohl auch die Händler und Reisenden Rast und konnten sich am Bier der Stadt erfreuen“, erzählte Thomas Samhaber vom Autorenteam „700 Jahre Braustadt Weitra“.

Jubiläum im Zeichen von Hopfen, Wasser und Malz
Seit ungefähr drei Jahren bereitet im Rathaus ein Team aus Historikern, Autoren, Mitarbeitern der Stadt sowie Bier-Unternehmern der Region die Aktivitäten zum Jubiläumsjahr 2021 vor. So soll es in der Altstadt eine „Bier-Erlebniswelt“ geben, eine sogenannte Biermeile. An neun Stationen wird Wissenswertes rund um das Thema Bier geboten. Neun Miniaturhopfengärten werden in der Stadt angelegt, freut sich Patrick Layr, der Bürgermeister der Stadt Weitra .

Den Höhepunkt soll der Bierkirtag vom 12. bis 18. Juli bilden. Bis dahin hofft das Team, dass die Pandemie den Plänen keinen Strich durch die Rechnung macht. Unterdessen ist die Überarbeitung des Biermuseums im Schloss Weitra voll in Gang.

Ein kurzer Vorgriff: in 39 Jahren gibt es wieder ein 700-Jahr-Jubiläum: denn in einer weiteren Urkunde, dieses Mal aus dem Jahr 1360, wird den Bürgern von Weitra das Privileg, Wein auszuschenken, gewährt. Weinanbau ist in Weitra derzeit noch nicht lohnend, aber wer weiß, was der Klimawandel noch mit sich bringt.
14.01.2021, Hannes Steindl, noe.ORF.at

Links:
700 Jahre Braurecht für Weitras Bürger
 
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