Schiffswerft Korneuburg

josef

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#24
Neues Wohnen in alter Werft Korneuburg
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1993 verließ das letzte in Korneuburg gebaute Schiff die Werft. Danach diente das Areal u.a. als Veranstaltungsort. 2019 erwarb die SIGNA-Group Teile des Geländes. Nun wurden Entwürfe für ein Gewerbe-, Wohn- und Erholungsgebiet präsentiert.
Online seit heute, 19.03 Uhr
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Rund um das Herzstück der alten Industrieanlage – die denkmalgeschützten Werfthallen und der historische Kran im Zentrum – entsteht ein gemischt genutztes Quartier mit Wohnen, Arbeiten, Kultur, vielfältiger Gastronomie und hoher Lebens- und Freizeitqualität für rund 1.400 bis 1.700 Bewohnerinnen und Bewohner. Der am Donnerstag vorgestellte neue Stadtteil an der Donau war aus dem Bürgerbeteiligungsprojekt „Alte Werft – neue Ideen“ hervorgegangen. Die Bürger und die Stadtpolitik haben sich für eine gemischte Nutzung ausgesprochen.

SIGNA Österreich
Boulevard im Zentrum des neuen Stadtteils auf dem Werksgelände

Auf der Donau-Halbinsel entstehen die mehrgeschossigen Wohnhäuser. Derzeit ist festgelegt, dass zumindest 20 Prozent dieser Eigentumswohnungen als leistbares Wohnen, also als geförderte Eigentumswohnungen für Korneuburgerinnen und Korneuburger reserviert werden. Die Stadt wünscht sich mindestens 30 Prozent, doch darüber wird mit dem beteiligten Immobilienentwickler SIGNA noch verhandelt. 15 Hektar groß ist der neue Stadtteil, für die „Spielwiese Wasser“ sind fünf Hektar vorgesehen.
Für die Vielfalt im möglichst einheitlichen Erscheinungsbild sorgen sechs Architektenteams, die zusammenarbeiten sollen. „Wir haben herausgefunden, dass man in Skandinavien mit dem Bauen am Wasser sehr große Erfahrung hat und dass dort tolle Ideen umgesetzt wurden. In diesen Ländern ist man in vielen Bereichen weiter in der Entwicklung als bei uns. Daher haben wir drei skandinavische und drei österreichische Architektenbüros eingeladen, gemeinsam die architektonische Umsetzung zu übernehmen“, erläuterte Christoph Stadlhuber, der Geschäftsführer der Firma SIGNA Österreich das Konzept. Allein beim Gebäude an der Spitze der Hafenhalbinsel soll es einen Wettbewerb geben. Hier will man einen „Hingucker“ entwerfen lassen. Für die vielen Freiflächen ist ein eigenes Raumplanungsteam vorgesehen.

SIGNA Österreich
Mögliches Aussehen des neuen Stadtteils aus dem Masterplan heraus

Viele Zusatzbauten begleiten das Projekt
Viele begleitende Infrastruktur-Arbeiten kommen auf die investierende Immobilienfirma und vor allem auf die Gemeinde zu: Kanal, Wasser, Straßenbeleuchtung, Parks, Ausbau der Kindergärten, aber auch eine neue Durchfahrt unter der Autobahn für Fußgänger und Radfahrer in Richtung Bahnhof ist geplant. Ein neuer Bahnhofszugang wurde mit den ÖBB bereits abgesprochen, dazu kommt noch eine neue Autobahnabfahrt „Korneuburg Mitte“.

Es gibt also viele zusätzliche Beteiligte an diesem großen Projekt, gibt Korneuburgs Bürgermeister Christian Gepp zu: „Ja, mit dabei sind die ASFINAG, die ÖBB, das Land und die Gemeinde, weil wir eine Autobahnabfahrt geplant haben, die aber nicht ausschließlich für das Werftgelände geplant ist, sondern für Korneuburg ab dem Bahnhof. Da laufen die Verhandlungen bereits seit zwölf Jahren.“ 26 Millionen Euro sind für die begleitenden Maßnahmen budgetiert. Ein städtebaulicher Vertrag wird mit SIGNA Österreich gerade verhandelt.

ORF
Die ehemaligen Werfthallen und der historische Kran stehen unter Denkmalschutz

Schonendes Bauen und nachhaltiger Betrieb geplant
Beim Errichten der Gebäude will die Firma SIGNA soviel wie möglich über die Donau und den Hafen anliefern und abtransportieren lassen. Der Stadtteil soll im Endeffekt möglichst nachhaltig und CO2-neutral betrieben werden. Es wird Energie-Autarkie angestrebt.

Im Herbst werden die konkreteren Pläne dem Gemeinderat vorgelegt und erneut wird auf die Bevölkerung zugegangen, so Bürgermeister Gepp. Es habe, erläuterte der Bürgermeister bei der Präsentation, bisher keinen Sinn ergeben, die Korneuburgerinnen und Korneuburger weiter einzubinden, weil man erst etwas sehen können muss, um darüber zu diskutieren. Nun werde man das Projekt den Bürgerinnen und Bürgern erneut vorstellen.
Mehr als 150 Jahre verstand sich Korneuburg als Werft-Stadt. Das Schulschiff für die Stadt Wien wurde mit der offiziellen Baunummer 799 als letzter Auftrag 1993 zu Wasser gelassen. Ein wichtiger Teil der Geschichte Korneuburgs wird aus der Vergangenheit in die Zukunft geführt. 2023 könnte mit dem Bau der ersten Häuser begonnen werden.
23.07.2021, red, noe.ORF.at

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#25
Werft diente fast 145 Jahre lang dem Schiffsbau
NÖN-Korneuburg, 04. JULI 2022,
Herwig Mohsburger

Die Werft in den 1920er Jahren

Die Werft in den 1920er-Jahren, als auf dem Gelände noch Vollbetrieb herrschte und man mit dem Bau von Lastkähnen fast nicht nachkam.
Fotos Stadtmuseum Korneuburg

Von Lastkähnen bis zu Hochseeschiffen – alles wurde in der Werft Korneuburg gebaut. Nun sollen die denkmalgeschützten Hallen und die Werftinsel ein eigener Stadtteil werden.
Was derzeit ein Badeparadies ist und wo bald Wohnungen und Geschäfte entstehen sollen, war einst ein großes Werftgelände. Sogar Hochseeschiffe wurden dort gefertigt. Als Reste sind im Werftbad neben den denkmalgeschützten Hallen und dem Kran noch die Schienenanlagen des Schiffsaufzugs deutlich sichtbar.

Um 1849 bekam die Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (DDSG) das Angebot des Korneuburger Gemeindevorstands, künftig Instandhaltungen durchzuführen. 1852 wurde die Werft als Schleppbauwerft, Reparatur- und Winterabstellplatz für die Schiffe am linken Donauarm auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern errichtet, man fand mit 60 Mitarbeitern das Auslangen. Innerhalb von rund 30 Jahren wurde das Werftareal auf 28.000 Quadratmeter und eine Wasserfläche von 25.000 Quadratmeter erweitert.

Nach dem Ersten Weltkrieg war die DDSG-Flotte arg dezimiert. Für die Schiffswerft Korneuburg bedeutete das Vollbeschäftigung für mehrere Jahre. Alleine von 1920 bis 1923 wurden 38 Tank- und Güterkähne gebaut. Die Wirtschaftskrise machte sich dann auf der Donau bemerkbar, 1931 gab es nur mehr für 170 von über 400 Beschäftigten Arbeit.

Mit dem Anschluss 1938 wurde die Werft in die Reichswerke AG für Binnenschifffahrt „Hermann Göring“ eingegliedert und massiv vergrößert. Arbeit gab es für etwa 1.300 Personen, 1941 und 1942 waren zusätzlich 400 holländische Schiffsbauer im Einsatz. Neben dem Werft-Gelände entstand ein Barackenlager für Arbeiter und Kriegsgefangene. Nach dem Krieg wurde die Werft beschlagnahmt und Teil der USIA-Betriebe. Arbeiten wurden ausschließlich für die Sowjetunion durchgeführt. Einzige Ausnahme war der Nachbau der Rollfähre, da das Original von den Deutschen gesprengt worden war.

Ab 1959 wurde die Korneuburger Schiffswerften AG als Staatsbetrieb geführt. Sogar Hochseeschiffe wurden gebaut. Zusätzlich entstanden Passagierschiffe für die Donau und innerrussische Flüsse. 1974 folgte der Zusammenschluss mit der Linzer Werft.

Fehlende Subventionen und die Abhängigkeit von Aufträgen aus der Sowjetunion führten zum Niedergang. Ende 1992 wurden die letzten Schiffe fertiggestellt, die Werft wurde 1993 mit der Lieferung der schwimmenden Schule „Bertha von Suttner“ nach fast 145 Jahren geschlossen. 2005 fand erstmals das Hafenfest statt. Seit 2013 können die „Niederösterreich“ und die „Oberst Brecht“, beide im Auftrag des Bundesheers in Korneuburg entstanden, besichtigt werden.

2019 erwarb ein Tochterunternehmen der Signa Holding 45 Prozent des Areals. Auf der Werftinsel sollen Wohnungen für rund 1.500 Menschen errichtet werden, ein neuer Stadtteil mit Betrieben und einem Hotel soll entstehen. Einstweilen ist die Insel noch immer eine Brachlandschaft.
Werft diente fast 145 Jahre lang dem Schiffsbau
 
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