Krieg in Europa: Angriff Russlands auf die Ukraine

josef

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TECH KRIEG
Russland baut Kamikaze-Drohnen aus Hoverboards
Die sogenannte kämpfende Kakerlake soll 100 Kilogramm bis zu zwei Kilometer weit transportieren können. Neu ist die Idee aber nicht

Hoverboards werden in Russland zu Kamikaze-Drohnen upcycelt.
Two Majors

Die russische Gruppierung "Two Majors" stellte kürzlich eine Drohne vor, die aus zwei ausrangierten Hoverboards bestand. Hoverboards sind jene elektrisch angetriebenen Rollbretter, die vor fast zehn Jahren ihre Blütezeit hatten und von vielen Jugendlichen als Fortbewegungsmittel auf der Straße oder in Parks benutzt wurden.

Die nun präsentierte Allraddrohne mit dem Namen "kämpfende Kakerlake" soll für offensive und defensive Zwecke eingesetzt werden, berichtet NewScientist. Nicht nur Kamikaze- und Rauchbombenangriffe, sondern auch der Transport von Nachschub sollen mit dem Gerät möglich sein. Bereits im Mai rief die Gruppierung die russische Bevölkerung auf, alte Hoverboards zu spenden, um mehr von den Drohnen bauen zu können. Anfang Juli zeigte Two Majors in Videos die fertigen UGVs (Unmanned Ground Vehicles) und Teile des Zusammenbauprozesses. "Die Drohnen sind bereits bemalt und zum Einsatz an der Front bereit."

Zwei Kilometer, 100 Kilogramm
Die "kämpfende Kakerlake" sei im Gegensatz zu eigens hergestellten UGVs recht schnell zusammengebastelt, heißt es bei NewScientist. Ein weiterer Vorteil: der Preis. Im Neuzustand kosten Hoverboards keine 200 Euro, gebrauchte Modelle sind noch um einiges günstiger. Damit kostet die Drohne einen Bruchteil von üblichen Bodendrohnen. Solche Eine-Million-Euro-Maschinen werden stellenweise im Ukrainekrieg eingesetzt.

Die Drohne soll aus bis zu zwei Kilometern Entfernung gesteuert werden können. Die "kämpfende Kakerlake" ist ansonsten recht einfach gehalten; Kamera wurde etwa keine verbaut. Diese Aufgabe sollen zusätzliche Luft-Drohnen übernehmen.

Die Nutzlast gibt Two Majors mit 100 Kilogramm an. Das sei durchaus glaubwürdig, erklärt der Analyst Samuel Benett NewScience. Hoverboards seien schließlich darauf ausgerichtet, einen Erwachsenen zu tragen. Trotzdem seien die elektrischen Rollbretter nicht ganz ideal. "Hoverboards sind dafür gedacht, auf ebenen Flächen wie Asphalt betrieben zu werden. Das bedeutet, dass der fertige Entwurf manche, aber eben nicht alle Geländetypen bewältigen kann."

Nicht neu
Während die "kämpfende Kakerlake" keinen Erwachsenen tragen dürfte, ist genau das die Idee von Bastlern, die lange vor Russland Hoverboards zweckentfremdet haben: Aus zwei davon entstanden so etwa Go-Karts oder ferngesteuerte Autos. Letztere dienten Two Majors wohl als Vorlage.

Ebenfalls nicht neu ist Russlands Einsatz von Kamikaze-Drohnen. Bereits 2022 wurden für die Angriffe auf Kiew bevorzugt unbemannte Luftfahrzeuge eingesetzt. Diese stammen mit hoher Sicherheit aus dem Iran. Teheran dementierte – übrigens auch im Mai dieses Jahres, als in einem Reuters-Bericht behauptet wurde, Russland beziehe auch Boden-Boden-Raketen aus diesem Land.

Die Kamikaze-Drohnen, so sie wirklich aus dem Iran stammen, sind vom Typ Schahed-136. Sie sind sogenannte Deltaflügler, 200 Kilogramm schwer und haben an der Spitze einen Sprengkopf. Mit 2500 Kilometer Reichweite kann man sie nicht mit der "kämpfenden Kakerlake" vergleichen, allerdings auch nicht hinsichtlich des Preises: Obwohl sie im Vergleich zu Raketen mit einem Preis von rund 20.000 Euro pro Stück billig ist, kommt sie nicht an die wenigen 100 Euro des Hoverboard-Verschnitts heran. Reguläre Bodendrohnen werden bereits verstärkt eingesetzt.

Minipanzer gegen Kakerlake?
Auf günstige Bodendrohnen setzt auch die Ukraine. Im April stellte die ukrainische Armee den Minipanzer Ljut vor, der ein wenig an ein ferngesteuertes Rennauto erinnert. Ljut, was so viel wie Wut heißt, ist mit dem PKT ausgerüstet – dem leichten Standardmaschinengewehr der ukrainischen und russischen Armee.

Die Drohne soll als mobile Feuerplattform eingesetzt werden und Angriffe auf russische Stellungen vortäuschen, wo der Einsatz von Soldaten zu riskant wäre. Anders als die "kämpfende Kakerlake" ist in Ljut eine Kamera verbaut. Doch ein Vergleich der beiden Gefährte hinkt, da es sich bei der Drohne um ein eigens entwickeltes Design zu handeln scheint – und nicht um zwei zusammengeschraubte Hoverboards.
(Jakob Sapototzky, 19.7.2024)
Russland baut Kamikaze-Drohnen aus Hoverboards
 
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