Krieg in Europa: Angriff Russlands auf die Ukraine

josef

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Militärtechnik
RCH 155: Ukraine erhält teilautonome Panzerhaubitze
Das Artilleriesystem aus Deutschland kann als Erstes weltweit während der Fahrt präzis feuern. Das passiert vollautomatisch

Die RCH 155 ist eine Kombination aus dem Geschütz der Panzerhaubitze 2000 und der Boxer-Plattform. Dazu kommt moderne Hard- und Software und ein fernsteuerbarer Turm.
KNDS

Die Ukraine hat ihre erste von Deutschland gelieferte Panzerhaubitze RCH 155 erhalten und wird damit zum ersten Betreiber des Waffensystems weltweit. Die RCH 155 hat einen vollautomatischen Turm. Zwei Besatzungsmitglieder können den Job von fünf Personen übernehmen. Künftig soll das Waffensystem autonom betrieben werden können.

Die Zeit der Artillerieduelle auf dem Schlachtfeld sollte eigentlich nur noch in Geschichtsbüchern über den Ersten Weltkrieg vorkommen. Eigentlich, denn in der Ukraine ist nicht nur der Grabenkrieg zurückgekehrt. Die Artillerie dominiert das Schlachtfeld. Laut The National Interest ist davon auszugehen, dass 80 Prozent der Verluste auf ukrainischer wie russischer Seite auf Artilleriebeschuss zurückzuführen sind.

Üblicherweise folgt auf einen Artillerieschlag einer Seite schon bald ein Gegenangriff. Spezialisierte Radarsysteme oder Aufklärungsdrohnen orten den Abschussort, woraufhin die Artillerie der Gegenseite das Feuer eröffnet. Gegenbatteriefeuer wird das genannt. Um dem zu entgehen, müssen Bedienmannschaften die Position ihrer Haubitze nach der Schussabgabe wechseln. Mit der RCH 155 soll dieses Problem gar nicht entstehen: Sie ist das erste selbstfahrende Artilleriegeschütz, das aus der Bewegung präzis feuern kann.

Artillerie wird dringend gebraucht
Auf dem Gebiet der Artillerie ist Russland zumindest auf dem Papier übermächtig, der Ukraine ist es aber gelungen, das Verhältnis von sieben russischen Artilleriesystemen gegen ein ukrainisches auf fünf zu eins zu drücken. Das liegt unter anderem daran, dass die Ukraine durch internationale Militärhilfen ein breites Arsenal an großkalibrigen Geschützen und Raketenwaffen erhalten hat. Am bekanntesten dürfte das M142 High Mobility Artillery Rocket Systems (Himars) sein.


Die Boxer-Plattform ist eine modulare Basis für eine Vielzahl an Waffensystemen. Hier bei einer Leistungsschau der australischen Armee in Melbourne.
AFP/WILLIAM WEST

Dazu kommen noch M270 Raketenwerfer, M109 Panzerhaubitzen, wie sie auch das österreichische Bundesheer verwendet, die auf Lastwagen montierten Archer- und Ceasar-System aus Großbritannien beziehungsweise Frankreich sowie die deutsche Panzerhaubitze 2000. Aber auch gezogene Geschütze wie die M777 sind darunter. Dazu kommt noch Spezialmunition wie die weitreichenden M982-Excalibur-Granaten, ATACMS und fernverlegbare Minen wie die M718. Den meisten dieser Systeme ist aber gemein, dass sie schon einige Jahre auf dem Buckel haben.

Panzerhaubitze 2000 und Boxer
Die RCH 155 ist hingegen eine völlige Neuentwicklung – eine Kombination aus zwei in Deutschland entwickelten Waffensystemen: nämlich der 155-mm-Kaliber-L52-Kanone der Panzerhaubitze 2000 und des Antriebsmoduls des Radschützenpanzers Boxer 8×8.

Dabei verfügt die RCH 155 schon jetzt über moderne fernsteuerbare Systeme, daher auch der Name Remote Controlled Howitzer. Der Geschützturm des Waffensystems ist nämlich unbemannt und wird ferngesteuert. Daraus können ferngesteuert bis zu neun Geschoße pro Minute auf eine Reichweite von 40 Kilometern mit Standardmunition abgefeuert werden. Werden Artilleriegeschoße wie die Excalibur verwendet, erhöht sich die Reichweite auf bis zu 54 Kilometer. Später soll die RCH 155 ganz autonom und ohne Besatzung eingesetzt werden können.

Modulare Munition
An Munition werden 30 bezünderte Geschoße sowie 144 modulare Treibladungen mitgeführt. Je nach gewünschter Reichweite werden mehr oder weniger Treibladungen eingesetzt. Diese modernen Artillerieladungen ersetzen die herkömmlichen Taschen mit Treibladungen, wie sie etwa bei der M109 eingesetzt werden. Geladen wird die Waffe automatisch. Damit kann die RCH 155 mit einer Mannschaft von zwei Personen betrieben werden. Zum Vergleich: Die Panzerhaubitze 2000 ist auf eine Besatzung aus fünf Personen angewiesen, bei der M109 sind es sechs.

Hergestellt wird das System vom deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS. Die Ukraine ist das erste Land, das über das neue System verfügt. Die Ukraine soll 54 RCH 155 erhalten, genug für drei Artilleriebataillone. Eine kleine Zahl an Fahrzeugen verbleibt vorerst aber zur Mannschaftsausbildung in Deutschland.

Schießen und abhauen
Das Boxer-Chassis erreicht auf der Straße eine Geschwindigkeit von über 100 km/h, was die Haubitze ideal für sogenanntes "shoot and scoot" (dt. etwa "schießen und abhauen") macht. Nach der Schussabgabe kann das Fahrzeug sofort die Position wechseln, sofern nicht ohnehin aus der Bewegung geschossen wird. Das macht ein modernes computerunterstütztes Stabilisierungssystem möglich. Es überwacht ständig die Bewegung und die Position des Rohrs und gleicht Schwankungen durch das Gelände oder Vibrationen aus. Damit kann das Geschütz immer aufs Ziel gerichtet bleiben. Die Schussabgabe erfolgt zum richtigen Zeitpunkt automatisch. Die Zünder der Geschoße werden per Induktion direkt am Rohr der Waffe programmiert.


Eine Panzerhaubitze 2000 der ukrainischen Streitkräfte beim Feuern. Die 155-mm-Hauptwaffe kommt auch bei der RCH 155 zum Einsatz.
REUTERS/Viacheslav Ratynskyi

Die neue Panzerhaubitze kann auch mehrere Geschoße so abfeuern, dass sie nahezu zeitgleich im Ziel einschlagen. Multiple Rounds Simultaneous Impacts (MRSI) nennt sich diese Technik. Dabei werden Geschoße in unterschiedlichen Winkeln mit unterschiedlichen Treibladungen abgefeuert. Das soll dem Gegner die Ausweichmöglichkeit nehmen.

Im Notfall ein Panzerjäger
Diese Automatisierung hat den Vorteil, dass die Mannschaft nur noch sicherstellen muss, dass freie Schussbahn herrscht. Außerdem werden so Kapazitäten frei, um besser auf das umliegende Gelände und nahe Bedrohungen achten zu können.

Sollte doch eine Bedrohung im Nahbereich auftauchen, verfügt die RCH 155 über eine für ein solches Waffensystem eher ungewöhnliche Hunter-Killer-Eigenschaft für direktes Richten. Das heißt: Die Haubitze kann auch Ziele im Nahbereich bekämpfen, indem die Waffe nicht im Steilfeuer zum Einsatz kommt, sondern direkt auf eine Bedrohung feuert. Im "Panzerjäger-Modus" kann der Kommandeur ein Ziel auswählen, das vom 155-mm-Hauptgeschütz automatisch bekämpft wird.

Auch Deutschland hat bereits 80 Stück der RCH 155, und auch Großbritannien möchte die alten AS90-Haubitzen durch das deutsche Waffensystem ersetzen. Ebenso hat die Schweiz Interesse bekundet, wobei sie das Geschütz nicht auf die Boxer-Plattform setzt, sondern die Eigenproduktion Mowag Piranha IV zum Einsatz kommen soll.

Die ersten RCH 155 für die Ukraine bleiben vorerst in Deutschland, wie das Verteidigungsministerium bekanntgab. An ihnen werden ukrainische Soldaten ausgebildet. Wann die RCH 155 tatsächlich an der Front eintreffen wird, ist noch unklar. Laut The War Zone könnte dies aber bereits im April 2025 geschehen.
(Peter Zellinger, 25.1.2025)
RCH 155: Ukraine erhält teilautonome Panzerhaubitze
 

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Ukrainekrieg
In der Ukraine droht eine verheerende Kettenreaktion
Weil Russland langsam, aber stetig vorrückt, droht die Front im umkämpften Donbass zu kollabieren. Für neue Offensiven fehlen Kiew der Rückhalt aus dem Westen und vor allem Soldaten
Analyse

Noch können die ukrainischen Truppen die Bergbaustadt Pokrowsk halten – wie lange noch, ist unsicher.
Foto: REUTERS/Inna Varenytsia

Beinahe wäre die Pressemeldung im Nachrichtenstrom untergegangen, die der ukrainische Stahlkonzern Metinvest vor zwei Wochen in die Welt sandte. Dabei macht sie deutlich, wie effektiv Russlands Krieg die Ukraine nach und nach zerstört. Die größte Kokskohlemine der Ukraine nahe der Frontstadt Pokrowsk, heißt es dort, musste ihren Betrieb einstellen. Zu gefährlich sei die Lage für die Kumpel geworden. Bis auf zwei Kilometer waren die russischen Truppen da an die Schächte herangerückt. Die Eisenbahnlinie, die das wertvolle Gut bisher in Richtung Westen transportiert hatte, hatten sie kurz zuvor gekappt.

Schicht im Schacht – mit verheerenden Folgen für die Ukraine. Weil die Mine nun stillsteht, dürfte die ukrainische Stahlproduktion, die von der Kokskohle abhängig ist, auf ein Viertel des Vorjahresniveaus sinken, heißt es aus Branchenkreisen. Nach Weizen ist Stahl der zweitwichtigste Exportposten des klammen Landes. Mit den Deviseneinnahmen sinkt auch die Hoffnung der Ukraine, den Krieg noch zu gewinnen.

Kiews einst so selbstbewusst zur Schau gestellter Optimismus ist deshalb düsteren Prognosen gewichen. "Wir werden diesen Krieg verlieren, wenn sich die derzeitige Entwicklung nicht ändert", sagte Anfang Jänner etwa der ehemalige Außenminister Dmytro Kuleba. Bald drei Jahre nach Beginn der Vollinvasion sind es aber nicht etwa spektakuläre Geländegewinne oder erfolgreiche Feldschlachten, die den Krieg langsam, aber stetig zugunsten Russlands drehen. Auf den ersten Blick machen die Eroberer in dem riesigen Land schließlich kaum Fortschritte. Zu dem guten Fünftel der Ukraine, das Russland seit mehr als zwei Jahren besetzt, sind 2024 gerade einmal 4200 Quadratkilometer dazugekommen. Und das auch nur unter monströsen Opferzahlen: 420.000 russische Soldaten wurden – laut ukrainischen Angaben – im vergangenen Jahr getötet, verwundet oder gefangen genommen.

Sprungbrett für weitere Vorstöße
Trotzdem könnten die Kämpfe um Pokrowsk eine für die Ukraine verheerende Kettenreaktion in Gang setzen: Fällt die Bergbaustadt, Dreh- und Angelpunkt der russischen Offensive in diesem Winter, droht ein operativer Durchbruch – Dnipro, die viertgrößte Stadt der Ukraine, geriete dann ins Visier russischer Stoßtrupps. Und auch die Oblast Donezk könnte bald ganz unter russischer Besatzung stehen. Noch ist es nicht soweit. Doch: "Sie versuchen, Pokrowsk möglichst unbeschadet in die Hände zu bekommen, weil sie sich davon ein Sprungbrett in Richtung Westen und Norden versprechen", sagt Markus Reisner, Analyst an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt, dem STANDARD.


Ein verkohlter Wohnblock in Pokrowsk.
Foto: REUTERS/Inna Varenytsia

Um doch noch eine Wende herbeizuführen, wechselte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag den Kommandanten für den besonders umkämpften Frontabschnitt aus – zum dritten Mal innerhalb eines Jahres. Erfolgsaussichten: mau. Denn immer öfter können die Verteidiger in ihren Stellungen weder vor noch zurück – und drohen von den personell überlegenen russischen Truppen eingekesselt zu werden.

Nicht stark genug für Offensive
Das ukrainische Drama: Nach der gescheiterten Gegenoffensive im Sommer 2023 hatten Kiews Strategen 2024 als Jahr der Defensive eingepreist. 2025 wollte man wieder in den Angriff übergehen. Daraus wird nun nichts. Weil die westlichen Partner mehr und mehr auf die Bremse steigen, was weitere Hilfen betrifft, schrumpft der Spielraum für das angegriffene Land immer weiter. Ein fataler Dominoeffekt.

"Es gibt einfach nicht die Ressourcen, um wieder in die Offensive zu gehen", sagt Reisner. Aus der – nach wie erbittert geführten – Defensive heraus kann die Ukraine den Krieg aber trotz ihrer vergleichsweise erfolgreichen, wenngleich kostspieligen Vorstöße in die russische Region Kursk nicht gewinnen. "Egal, wie lange man verteidigt, am Ende wird man sich zurückziehen müssen", sagte Armeechef Oleksandr Syrskyj vergangene Woche.


Der Ukraine gehen langsam die Soldaten aus. An Offensivoperationen ist nicht mehr zu denken.
Foto: EPA/Maria Senovilla

Bloß: Weil zu wenig Material aus dem Westen geliefert wurde und unklar ist, wie es unter Donald Trump in den USA weitergeht, ist an große Angriffe nicht zu denken. Im Gegenteil: "In Pokrowsk ist man mittlerweile in eine Verzögerungstaktik übergegangen. Weil es nicht genügend Luftabwehr gibt, wird die ukrainische Armee langsam, aber sicher zermürbt", sagt Reisner.

An den anderen Abschnitten sieht es kaum besser aus. Etwa in Welyka Nowosilka, einem wichtigen Glied der Verteidigungskette zwischen Donezk und Saporischschja: Nach drei Monaten heftiger Kämpfe steht die Ortschaft kurz vor dem Fall. Zuletzt vermochten sich die ukrainischen Truppen laut Schätzung des US-Institute for the Study of War gerade einmal noch in einem Zehntel der völlig zerstörten Siedlung zu verschanzen. Die drohende Einkesselung sollen sie bisher aber verhindert haben. Fällt Welyka Nowosilka, hätte Kiew nach dem Verkehrsknoten Kurachowe heuer bereits den zweiten wichtigen Stützpunkt verloren.


Anfang Jänner wurde Kurachowe von russischen Truppen eingenommen, die Ukraine hat dies bestätigt.
Grafik: APA

Auch in Torezk und Tschassiw Jar stehen die letzten Verteidiger in den von der russischen Artillerie zerschossenen Orten auf verlorenem Posten. Weiter nördlich, in der Region Charkiw, rückten Moskaus Truppen am Dienstag zudem in Richtung des strategisch wichtigen Flusses Oskil vor – Kupjansk, ein stark befestigter ukrainischer Stützpunkt, gerät zunehmend in Gefahr. So droht die Front für die Ukraine nach und nach zu kollabieren.

Zu wenige Soldaten
Ein Hauptgrund für die ukrainische Misere: Personalmangel. Verzweifelt versucht die Armeeführung, die Lücken in den ausgedünnten Reihen ihrer Truppe zu schließen. "Das Problem der Mobilisierung ist nach wie vor ungelöst", sagt Reisner. Auch deshalb, weil das politische Kiew bisher davor zurückschreckt, wie von den USA gefordert nun auch die ganz Jungen an die Front zu schicken – noch. Entsprechende Pläne sollen aber bereits in der Schublade liegen.

Ohne neue Waffenlieferungen sei es aber sinnlos, weitere junge Männer an die Front zu schicken, heißt es immer wieder. Mindestens 25 Jahre alt müssen Männer sein, um zu kämpfen. Das Durchschnittsalter der ukrainischen Soldaten liegt laut den Behörden inzwischen bei 43 Jahren. Donald Trumps Sicherheitsberater Mike Waltz hält eine Senkung auf 18 Jahre für sinnvoll, weil so "hunderttausende neue Soldaten" zur Verfügung stünden.

Populär wäre das in der erschöpften – und von Fluchtwellen und Kämpfen schon jetzt empfindlich dezimierten – Bevölkerung ganz und gar nicht. Zudem sieht sich die Armeeführung schon heute mit einer immer größeren Zahl an Deserteuren konfrontiert. Laut der Kiewer Generalstaatsanwaltschaft wurden bisher bereits 95.000 entsprechende Verfahren geführt – ein Zehntel der insgesamt eine Million seit Kriegsbeginn eingerückten Männer dürfte demnach die eigene Einheit unerlaubt verlassen haben.

Ein Dilemma für die Ukraine: Einerseits werden gerade junge, mit moderner Technologie vertraute Männer an der Front gebraucht, etwa für die Drohnenkriegsführung. "Die Mobilisierungskapazität reicht nicht aus, um unseren Bedarf zu decken", warnte Armeechef Syrskyj kürzlich.

Andererseits läge es gerade an dieser jungen Alterskohorte, das Land nach dem Krieg wieder aufzubauen – oder das, was davon noch übrig ist. Fest steht: Mit jedem jungen Ukrainer, der stirbt, kommt Russland seinem Kriegsziel einen Schritt näher, das Nachbarland nachhaltig zu zerstören. (Florian Niederndorfer, 29.1.2025)
In der Ukraine droht eine verheerende Kettenreaktion
 
@struwwelpeter: Wenn du nur die Hälfte der Statistik postest, sieht es aus als wäre Österreich der viertgrößte Unterstützer der Ukraine.
Mein Beitrag beginnt mit "Von Österreich", deshalb habe ich nur den unteren Teil mit Österreich gepostet, weil ich nicht die ganze Tabelle kopieren konnte wegen der Größe und Lesbarkeit (bei meinem früheren Post Hier waren es noch 17 Länder, jetzt 26) und weil ich den unteren Teil anzeigen wollte mit dem Text: "Bilaterale Unterstützung in Milliarden Euro".
In deinem Posting stehen z.B. nur Werte und es nicht erkennbar, welche es sind.
Weiters dachte ich, Österreich ist interessant (und nicht so die anderen Länder) und die Quelle ist sowieso hinzugefügt zum Nachlesen.
 
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Ukrainekrieg
In der Ukraine droht eine verheerende Kettenreaktion
Weil Russland langsam, aber stetig vorrückt, droht die Front im umkämpften Donbass zu kollabieren. Für neue Offensiven fehlen Kiew der Rückhalt aus dem Westen und vor allem Soldaten
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In der Ukraine droht eine verheerende Kettenreaktion

Kein Wunder daß denen Soldaten fehlen, wenn sich bei uns in Deutschland allein 200.000 Drückeberger aufhalten die allesamt großzügig durchgefüttert werden. Man kann nur hoffen, daß Donald dem bald ein Ende macht.
 

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Militärtechnik
Ukraine bestätigt den Einsatz von Laserwaffen im Kampf gegen Invasoren
Laserwaffen werden aktuell zur Abwehr von Shahed-Drohnen eingesetzt. Auch die USA melden Fortschritte bei der Entwicklung von Energiewaffen

Der britische Dragonfire bei Tests zur Drohnenabwehr.
via REUTERS/UK MINISTRY OF DEFENCE

Die Ukraine hat mit dem Einsatz von Laserwaffen gegen russische Streitkräfte begonnen. Die Technologie treffe bereits feindliche Ziele, erklärte Wadym Sucharewskyj, der Befehlshaber der Streitkräfte für unbemannte Systeme.

In einem Interview mit Radio Free Europe/Radio Liberty bestätigte Sucharewskyj, dass das Hauptaugenmerk der militärischen Entwicklung aktuell auf der Abwehr feindlicher Flugzeuge und unbemannter Flugzeuge (Unmanned Aircraft System, UAS) liege. Dies schließe insbesondere die iranische und in Russland unter Lizenz produzierten Shahed-Drohnen mit ein: "Lasertechnologien treffen bereits bestimmte Ziele in bestimmten Höhen", sagte Sucharewskyj.

Damit meint der Offizier das in der Ukraine entwickelte Lasersystem namens Tryzub, auf Deutsch Dreizack. Dieses ist laut Berichten in der Lage, feindliche (Kleinst-)Fluggeräte wie Drohnen in einer Höhe von mehr als zwei Kilometern abzuschießen.

Gerüchte über Dragonfire
Nähere Details über das Waffensystem sind bis heute nicht bekannt. Es ist aber möglich, dass es sich beim Tryzub um eine lokal produzierte Variante des britischen Dragonfire handeln könnte, zumindest legen dies Berichte von Mitte Dezember nahe. Beim Dragonfire handelt es sich um ein Lasersystem, das aktuell in Großbritannien erprobt wird.

Ob es wirklich in der Ukraine zum Einsatz kommen kann, ist aber unklar, denn dazu gibt es widersprüchliche Angaben: Die britische Regierung hat bereits in Aussicht gestellt, der Ukraine die Waffe zur Drohnenabwehr zur Verfügung zu stellen. Laut dem ehemaligen britischen Verteidigungsminister Leo Docherty sei das System aber noch nicht einsatzbereit. Großbritannien selbst will den Laser aber 2027 bei den Streitkräften einführen.

Wettlauf um Energiewaffen
Egal, welches System tatsächlich zum Einsatz kommt: Laut ukrainischen Angaben sei man das fünfte Land, das derartige Laserwaffen aktiv einsetze. Zu den bekannten Nutzerstaaten zählen aktuell die USA, Großbritannien, Israel und Russland. Auch in Deutschland, Frankreich, China, Indien und Pakistan wird an sogenannten gerichteten Energiewaffen gearbeitet. Die Türkei und der Iran geben beide an, derartige Waffen im Einsatz zu haben, unabhängige Bestätigungen stehen aber noch aus.

Laserwaffen wie der Dragonfire gelten als billige Alternative zur Drohnenabwehr. Ein Schuss soll nur wenige Euro kosten. Angeblich ist der Laser in der Lage, Ziele von der Größe einer Münze zu treffen. Außerdem sollen anfliegende Mörsergranaten abgefangen werden können. Auch der israelische Iron Beam soll über diese Fähigkeit verfügen.


Die USS Preble beim Einsatz des Helios-Lasers.
The Office of the Director, Operational Test and Evaluation

USA melden erfolgreiche Tests
Auf dem Gebiet der Energiewaffen schreitet die Entwicklung jedenfalls rasant voran. Die US-Streitkräfte haben in der Vorwoche den erfolgreichen Test einer Helios-Laserwaffe (High Energy Laser and Integrated Optical Dazzler and Surveillance) auf einem Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse vermeldet. Im Rahmen des bereits im Jahr 2024 abgehaltenen Tests ist es der USS Preble gelungen, eine Drohne erfolgreich abzuwehren.

Die von Lockheed-Martin hergestellte Laserkanone soll darüber hinaus in der Lage sein, kleine Angriffsboote und Raketen abzuwehren. Es verfügt über zwei Modi: Hardkill bedeutet, dass das anfliegende Ziel zerstört wird. Beim Softkill werden die Sensoren des Ziels gestört. Im Idealfall werden so Drohnen einfach lahmgelegt. Beim Helios-Laser handelt es sich um eine Waffe der 60-Kilowatt-Klasse. Zum Vergleich: Der britische Dragonfire verfügt über 50 Kilowatt Leistung. Laut Lockheed Martin soll die Laserkanone aber künftig bis zu 120 Kilowatt leisten können, wie aus dem Operational Test & Evaluation Report des Pentagon hervorgeht

In dem Bericht werden aber auch die Einschränkungen der Waffe betont: Der Laser ist auf eine leistungsfähige Stromversorgung angewiesen, die auf vielen älteren Schiffen aber fehlt. Gleichzeitig werden Laserwaffen durch Rauch, Regen oder Nebel beeinträchtigt, weshalb die Ära der klassischen Abwehrraketen noch lange nicht zu Ende sein dürfte.
(pez, 6.2.2025)
Ukraine bestätigt den Einsatz von Laserwaffen im Kampf gegen Invasoren
 

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Trump und Putin vereinbaren Verhandlungen
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In die Bemühungen um Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine kommt Bewegung. US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin haben am Mittwoch telefoniert und dabei vereinbart, dass Verhandlungsteams beider Staaten „unverzüglich“ Gespräche aufnehmen sollten, um Wege zur Beendigung der Kämpfe auszuarbeiten. Ein direktes Treffen zwischen den Staatschefs soll in Saudi-Arabien stattfinden, wie Trump sagte.
Online seit gestern, 21.51 Uhr (Update: heute, 8.39 Uhr)
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Eine Waffenruhe in der Ukraine könne „in nicht allzu ferner Zukunft“ erreicht werden, ließ Trump Medienleute im Weißen Haus nach seinem Telefonat mit Putin wissen. Er wolle einen stabilen Frieden und keinen, bei dem nach sechs Monaten die Kämpfe wieder losgehen. Weiter erklärte Trump, sein Finanzminister sei in die Ukraine gereist, um sicherzustellen, dass die USA ihr Geld zurückbekommen. Er betonte, die Ukraine müsse Frieden schließen, es sei aber unwahrscheinlich, dass die Ukraine all ihr Territorium zurückerhalten werde.

Trump telefonierte kurz nach seinem Gespräch mit Putin auch mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj. Auch dieses Gespräch sei „sehr gut“ verlaufen, teilte der US-Präsident auf seiner Onlineplattform Truth Social mit. Selenskyj wolle – „wie Präsident Putin“ – „Frieden“ schließen. Selenskyj selbst nannte sein Gespräch mit Trump „bedeutend“. „Wir glauben, dass die Stärke Amerikas groß genug ist, um gemeinsam mit uns und unseren Partnern Russland und Putin zu Frieden zu zwingen“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache.

Telefonat „lang und hochproduktiv“
Sein vorheriges Telefonat mit Putin beschrieb Trump als „lang und hochproduktiv“. Sie seien sich einig gewesen, dass das Sterben von „Millionen“ von Menschen im Ukraine-Krieg beendet werden soll. „Wir haben vereinbart, sehr eng zusammenzuarbeiten, wozu auch Besuche in unseren jeweiligen Nationen gehören“, schrieb Trump weiter. Auch habe er mit Putin vereinbart, dass „unsere jeweiligen Teams unverzüglich die Verhandlungen beginnen“. Er gehe „stark“ davon aus, dass diese Verhandlungen erfolgreich sein werden.

Nach Angaben des Kremls dauerte das Telefonat der beiden Präsidenten nahezu eineinhalb Stunden. Der US-Präsident habe in dem Gespräch dafür plädiert, „das Problem mit friedlichen Mitteln zu lösen“, teilte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow unter Bezug auf den Ukraine-Konflikt mit.

Russland mit Vorbedingungen
Putin habe seine Bereitschaft erklärt, Repräsentanten des Weißen Hauses in Russland zu empfangen – auch zur Lösung des Ukraine-Konflikts, sagte Peskow. „Putin und Trump haben auch die Fortführung persönlicher Kontakte verabredet, darunter auch die Organisation eines persönlichen Treffens.“ Putin habe Trump nach Moskau eingeladen.

Peskow verwies in dem Telefonat aber darauf, dass Russland auf einer Beseitigung der Ursache des Konflikts bestehe. Nach Darstellung Moskaus wurde der russische Angriffskrieg durch das Streben der Ukraine in die NATO und die angebliche Unterdrückung der russischsprachigen Minderheit verursacht. In der Ukraine wächst somit die Sorge, dass sie infolge von Trumps Bestrebungen für ein zügiges Ende des Krieges zu erheblichen Konzessionen an Russland gezwungen werden könnte.

Trump teilte ferner mit, dass er US-Außenminister Marco Rubio, den Nationalen Sicherheitsberater Mike Waltz, seinen Nahost-Sonderbeauftragten Steve Witkoff sowie den Direktor des Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, damit beauftragt habe, die Ukraine-Verhandlungen zu leiten. Der US-Präsident kündigte an, dass Rubio wie auch US-Vizepräsident JD Vance am Freitag mit Selenskyj am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz am Wochenende zusammentreffen würden.

Hegseth: Rückkehr zu Grenzen vor 2014 „unrealistisch“
Der neue US-Verteidigungsminister Pete Hegseth nannte unterdessen bei einem Treffen mit Vertretern der Ukraine-Kontaktgruppe in Brüssel eine Rückkehr zu den Grenzen der Ukraine vor 2014 – also vor Annexion der Krim-Halbinsel durch Russland – „unrealistisch“. Auch eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine sei aus US-Sicht kein „realistisches Ergebnis einer Verhandlungslösung“.

Trumps Regierung bekenne sich zum transatlantischen Militärbündnis, fordere aber eine andere Lastenteilung unter den Mitgliedern. „Die Vereinigten Staaten werden ein unausgewogenes Verhältnis nicht mehr tolerieren“, sagte Hegseth. Die NATO-Partner müssten deutlich mehr in ihre Verteidigung investieren.

Und: Die europäischen Verbündeten müssten die Verantwortung für die Sicherheit auf ihrem Kontinent übernehmen. Hegseth kündigte an, Europa müsse künftig den überwiegenden Teil der militärischen Hilfen für die Ukraine stemmen. Die USA hätten sich auf andere Herausforderungen zu konzentrieren – etwa darauf, die eigenen Grenzen zu sichern und einen Krieg mit China zu verhindern.

Rutte: Friedensverhandlungen müssen „dauerhaft“ sein
NATO-Generalsekretär Mark Rutte forderte am Donnerstag eine „enge Beteiligung“ der Ukraine an möglichen Friedensverhandlungen. Zudem müsse eine Friedensvereinbarung „dauerhaft“ sein, sagte er bei einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel.
Europäische Außenminister betonten indessen die Bereitschaft, ihre Unterstützung für die Ukraine zu verstärken. „Wir teilen das Ziel, die Ukraine so lange zu unterstützen, bis ein gerechter, umfassender und dauerhafter Frieden erreicht ist“, erklärten die Außenminister aus Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien und Großbritannien nach Beratungen mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas sowie dem ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha.

Dabei gehe es um einen Frieden, der die Interessen der Ukraine und die europäischen Interessen garantiere. „Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unseren amerikanischen Verbündeten das weitere Vorgehen zu erörtern“, hieß es weiter. Gemeinsames Ziel sollte es sein, die Ukraine in eine Position der Stärke zu bringen. Die Ukraine und Europa müssten an den Verhandlungen beteiligt sein, hieß es in der gemeinsamen Erklärung mit Blick auf den Vorstoß von Trump.
13.02.2025, red, ORF.at/Agenturen

Ukraine: Trump und Putin vereinbaren Verhandlungen
 

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Sarkophag von AKW Tschernobyl beschädigt
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Der Sarkophag des havarierten Atomkraftwerks in Tschernobyl ist dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge bei einem russischen Drohnenangriff in der Nacht auf Freitag erheblich beschädigt worden. Der Drohneneinschlag habe ein Feuer verursacht, das inzwischen aber gelöscht sei. Die Strahlenbelastung habe Stand Freitagfrüh nicht zugenommen, so Selenskyj.
Online seit heute, 9.57 Uhr (Update: 13.35 Uhr)
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Eine Drohne mit einem „hochexplosiven Sprengkopf“ habe die Abdeckung des zerstörten vierten Reaktors getroffen. Laut ukrainischen Luftstreitkräften griff Russland in der Nacht mit mehr als 100 Drohnen an. Besonders betroffen waren Regionen im Norden des Landes, in denen auch das Kernkraftwerk Tschernobyl liegt.

„Es gibt ein Land in der Welt, das solche Objekte attackieren kann, das die Territorien von Atomkraftwerken besetzt und Kampfhandlungen durchführt, ohne überhaupt über die Konsequenzen nachzudenken – und das ist das heutige Russland“, so Selenskyj. Sein Stabschef Andrij Jermak veröffentlichte Fotos der beschädigten Schutzhülle.


State Emergency Service of Ukraine
Die Beschädigung von innen gesehen

2022, kurz nach Beginn des von dem russischen Präsidenten Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieges, besetzten russische Truppen das Gelände des AKW. Sie mussten sich aber später wieder zurückziehen.

EU sieht Russland hinter Attacke
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas geht davon aus, dass die Beschädigungen des AKW auf einen gezielten Angriff Russlands zurückzuführen sind. „Wir haben heute gesehen, dass Russland das Atomkraftwerk bombardiert“, sagte Kallas bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Solche Angriffe auf zivile nukleare Anlagen seien nicht hinnehmbar. Kallas wertete das Ereignis zudem als Beleg dafür, dass Russland nicht ernsthaft an den von US-Präsident Donald Trump gewünschten Verhandlungen für eine Beendigung des Krieges in der Ukraine interessiert ist.

IAEA beobachtet Situation
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) äußerte sich generell alarmiert. „In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar, gegen 01:50 Uhr hörte das IAEA-Team auf dem Gelände von Tschernobyl eine Explosion“, teilte die in Wien ansässige Behörde im sozialen Netzwerk X mit. Diese habe einen Brand verursacht.

Brandschutzpersonal und -fahrzeuge seien innerhalb weniger Minuten an Ort und Stelle gewesen. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine Anzeichen für einen Bruch des inneren Sicherheitsbehälters. Die Strahlungswerte innerhalb und außerhalb bleiben normal und stabil.“

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Die IAEA beobachte die Situation weiter. IAEA-Direktor Rafael Grossi sagte, dass der Zwischenfall in Tschernobyl und die jüngste Zunahme militärischer Aktivitäten in der Umgebung des Kernkraftwerks Saporischschja die anhaltenden Risiken für die nukleare Sicherheit unterstreichen. „Die IAEA bleibt in höchster Alarmbereitschaft“, sagte er.

Kreml dementiert
Der Kreml dementierte hingegen einen russischen Angriff auf das AKW. Er kenne zwar nicht die genauen Umstände, „ich weiß aber eines: Es kann nicht sein, dass Schläge gegen irgendwelche Objekte der atomaren Infrastruktur oder der Infrastruktur der Atomenergie geführt werden“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Daher seien alle solchen Anschuldigungen falsch. „Das russische Militär tut so etwas nicht.“

Klimaschutzministerium: Keine Gefahr für Österreich
Klimaschutzministerin ‪Leonore Gewessler (Grüne) betonte, dass es aktuell keine Berichte über erhöhte Strahlenwerte gebe. „Für Österreich besteht keine Gefahr“, schrieb die Ministerin am Freitagvormittag auf der Plattform Bluesky. „Die Ereignisse in der Ukraine zeigen uns einmal mehr: Atomkraft bleibt ein unkontrollierbares Risiko und kann niemals eine sichere Energiequelle sein.“

Das Klimaschutzministerium stehe im Austausch mit den Behörden und der IAEA. „Es sind derzeit keine Auswirkungen außerhalb der Anlage zu erwarten“, erklärte das Ministerium auf X. Der Bereitschaftsdienst der Abteilung Strahlenschutz verfolge die weitere Entwicklung und werde weiter informieren.
Ukraine fordert harte Antwort
Das österreichische Außenministerium äußerte sich „sehr beunruhigt“ über Russlands fortgesetzte Angriffe gegen die Ukraine, insbesondere den Angriff auf das Atomkraftwerk.

Der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko forderte eine „sofortige und äußerst harte“ Antwort. Die internationale Gemeinschaft müsse die „Bemühungen intensivieren, um Russland zu zwingen, terroristische Angriffe auf Atomanlagen einzustellen“. Russische Angriffe auf kritische Energieinfrastrukturen, insbesondere auf kerntechnische Anlagen, seien „völlig inakzeptabel“.

Katastrophe am 26. April 1986
Nach der Kernschmelze von 1986 war ein Sarkophag über der AKW-Ruine errichtet worden, der den Austritt von Radioaktivität verhindern soll. Alle Reaktoren sind inzwischen stillgelegt. Auf dem Gelände lagern aber noch ausgebrannte Brennstäbe.

APA/AFP/Vladimir Repik
Ein Blick auf den zerstörten Reaktorblock vier des AKW 1986

Nach einer Explosion im Reaktor Nummer vier nach einem fehlgeschlagenen Leistungstest am 26. April 1986 wurde eine riesige radioaktive Wolke freigesetzt. Der Unfall wurde jedoch erst öffentlich, als in Nordeuropa erhöhte Radioaktivität gemessen wurde.

Tausende Tote, Hunderttausende verstrahlt
Nach halbamtlichen Angaben starben mehr als 25.000 Menschen, Hunderttausende Menschen wurden laut Schätzungen verstrahlt, vor allem in den damaligen Sowjetrepubliken Ukraine, Belarus und Russland. Zehntausende wurden aus dem Gebiet um das AKW zwangsumgesiedelt.
Bei Einsatzkräften kam es zu Krebs, Schlaganfällen, Infarkten, Erblindung und anderen strahlungsbedingten Krankheiten. Bis heute gelten weite Landstriche in den betroffenen Gebieten der Ukraine und Russlands als verstrahlt.

Größte Katastrophe ziviler Nuklearnutzung
Das Unglück, das etwa 100 Kilometer nördlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew geschah, gilt als die größte Atomkatastrophe der zivilen Nutzung der Kernkraft. Laut INES-Skala bedeutete Tschernobyl die höchste Stufe sieben, nämlich einen katastrophalen Unfall (Super-GAU), wobei GAU für „größter anzunehmender Unfall“ steht.

Betonsarkophag als Provisorium
Nach der Katastrophe wurde beschlossen, einen Betonsarkophag zu errichten. Bei diesem bildeten sich mehr als 100 Risse, tragende Wände drohten einzustürzen.
APA/AFP/Sergey Supinski
Ein Sicherheitsmann verscheucht 1995 Fotografen

Erst Ende 2000 ging der letzte Reaktorblock drei vom Netz. Für die Stilllegung von Tschernobyl bekam die ukrainische Regierung knapp 1,6 Milliarden Euro von der EU. 2012 begann schließlich der Bau einer Stahlhülle über dem mehrfach sanierten Sarkophag. Die Kosten wurden auf gut 2,1 Milliarden Euro geschätzt.

Riesige Stahlhülle
Im November 2016 begannen Arbeiter an der Ruine des AKW mit dem spektakulären Transport des riesigen neuen Schutzmantels. Auf Spezialschienen wurde die mehr als 36.000 Tonnen schwere Konstruktion langsam zu dem etwa 330 Meter entfernten Reaktor geschoben.
2016 schließlich wurde die Hülle in Anwesenheit des damaligen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko offiziell übergeben. Der 108 Meter hohe Mantel soll laut den Angaben 100 Jahre lang schützen.
14.02.2025, red, ORF.at/Agenturen

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Nuklearkatastrophe von Tschernobyl (Wikipedia)
IAEA

Klimaschutzministerium

Selenskyj: Sarkophag von AKW Tschernobyl beschädigt
 

josef

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Geschmolzene Brennstäbe
Das komplexe Innere des Sarkophags von Tschernobyl
Ein Drohnenangriff traf die Schutzhülle der Reaktorruine. Ein Versagen der Struktur könnte Staub freisetzen und neue Kernreaktionen auslösen

Das Innere des neuen Sarkophags im Jahr 2024 bei einem Besuch von Vertreterinnen und Vertretern des ukrainischen Umweltministeriums und einem Team einer internationalen Arbeitsgruppe zu den ökologischen Folgen des Ukrainekriegs. Die riesige Struktur wurde über der alten Schutzhülle errichtet.
Helena Lea Manhartsberger

In der Nacht auf Freitag traf eine mit einem Sprengkopf bestückte Drohne die oft als Sarkophag bezeichnete Schutzhülle über der Reaktorruine des Atomkraftwerks Tschernobyl. Der Bau einer solchen Hülle war nach der beispiellosen Katastrophe im Jahr 1986 nötig geworden, bei der es zu einer Kernschmelze und einer damit verbundenen Explosion des damaligen sowjetischen Atomkraftwerks gekommen war. Die Hülle, die vor einigen Jahren um 2,1 Milliarden Euro erneuert worden war, wurde bei dem jüngsten Angriff laut Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj "erheblich beschädigt". Die Attacke war laut der ukrainischen Luftwaffe Teil einer russischen Angriffswelle mit 100 Drohnen.

Laut Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hielt die Hülle dem Angriff aber stand, erhöhte Strahlenwerte wurden nicht gemessen. Das bestätigt auch Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne), die auf Bluesky schreibt, dass derzeit keine erhöhte Strahlung feststellbar sei und für Österreich keine Gefahr drohe.


Eine Drohne beschädigte in der Nacht auf Freitag den Sarkophag der Kraftwerksruine von Tschernobyl.
Foto: AFP/International Atomic E

36.000 Tonnen
Der Sarkophag, der nun beschädigt wurde, besteht aus 36.000 Tonnen Beton und Stahl, die sich auf 162 Meter Länge 108 Meter hoch über die Reste des Reaktorblocks 4 spannen. Das ist groß genug, um Platz für die Kathedrale Notre-Dame in Paris zu bieten. Erbaut wurde die Struktur, die auch Funktionen für Wartungsarbeiten wie einen Kran im Inneren bietet, von den französischen Unternehmen Bouygues und Vinci. Die aktuelle Schutzhülle wurde dabei über die alte geschoben, nachdem diese Lücken bekommen hatte.

Die Situation im Inneren ist kompliziert und muss laufend überwacht werden. Die Ruine des Reaktorblocks 4, der vor fast 40 Jahren explodierte, wurde nicht nur bei der Katastrophe verstrahlt, in den vor Ort verbliebenen Resten des Brennstoffs des Kraftwerks finden nach wie vor Kernreaktionen statt, die einem Glutnest ähneln.

Das problematische Material heißt Corium. Es handelt sich um eine lavaartige, erstarrte Verschmelzung von Uranbrennstäben, Teilen des Reaktors und dem Sand, der bei Löschversuchen in den Reaktor geschüttet worden war. In den Kellerräumen der Reaktorhalle liegen riesige Mengen des Materials, in dem in Summe 170 Tonnen Uran enthalten sind.


Das Kernkraftwerk Tschernobyl anderthalb Jahre nach dem Reaktorunfall. Im Vordergrund ist der beschädigte Block 4 sichtbar
.IMAGO/Igor Kostin

Regenwasser als Problem
Die Kernreaktionen in dem Material lassen mit der Zeit im Allgemeinen nach, das Glühen erlischt also nach und nach. Doch damit das so bleibt, muss die Hülle dicht sein. Was geschehen kann, wenn der Sarkophag beschädigt ist, zeigte sich in Tschernobyl immer wieder nach starken Regenfällen. Dabei wurde ein Anstieg der Neutronenstrahlung beobachtet.

Neutronen sind Bausteine von Atomkernen, die bei radioaktivem Zerfall freigesetzt werden können. In Kernreaktoren kommt Neutronenstrahlung zentrale Bedeutung zu: Neutronen aus der Spaltung von Atomkernen können auf weitere Atomkerne treffen und diese ebenfalls spalten. Es kommt zu einer Kettenreaktion, die in Kernkraftwerken sorgfältig ausbalanciert werden muss, um eine konstante Energieproduktion und keine Explosion zu bewirken.


Die neue Reaktorhülle nach ihrer Fertigstellung im Jahr 2022.
Foto: AFP/DIMITAR DILKOFF

Die Schwelle, ab der sich eine Kernreaktion auf diese Weise selbst am Leben erhalten kann, nennt sich Kritikalität. Was gefährlich klingt, ist für den Betrieb eines Atomkraftwerks eine völlig normale Voraussetzung. Die Überreste der Brennstäbe von Tschernobyl sollten sich inzwischen eigentlich unterhalb dieser kritischen Schwelle befinden.

Doch wenn Regenwasser eindringt, wie es bei dem alten, undichten Sarkophag aus den 1980er-Jahren passierte, werden die Neutronen zum Teil abgebremst. Das kann – anders als vielleicht intuitiv anzunehmen – bewirken, dass mehr Neutronen auf spaltbare Atomkerne treffen und das Glühen wieder aufflammt. Derartiges könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass instabile Gebäudeteile im Sarkophag einstürzen und sich das Innere mit radioaktivem Staub füllt.

Gefahr durch Staub
Bis es so weit kommt, würde aber einiges an Zeit vergehen. Ein akuter Effekt eines Versagens des Sarkophags wäre wohl die Freisetzung von radioaktiv belastetem Staub, der vom Wind davongetragen werden könnte. Der österreichische Radioökologe Georg Steinhauser erklärte dazu vor einiger Zeit gegenüber dem STANDARD, dass das europäische Messnetz das Eintreffen einer solchen Wolke in Europa sofort feststellen würde, weil die Signatur der radioaktiven Stoffe aus der Sperrzone gut bekannt sei. Er hält die Zwischenlager für radioaktives Material im Umfeld von Tschernobyl für gefährlicher als die vom Sarkophag geschützte Reaktoranlage selbst.

Der Behälter soll jedenfalls nicht nur die Außenwelt schützen, sondern auch die Ruine vor äußeren Einflüssen, die Veränderungen des zum Teil instabilen Inneren bewirken könnten. Hundert Jahre soll der Sarkophag hier Sicherheit bieten und dabei Temperaturunterschieden von fast hundert Grad und Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h widerstehen. Dass er zum Spielball eines bewaffneten Konflikts werden könnte, war bei dieser Rechnung aber nicht einkalkuliert.
(Reinhard Kleindl, 14.2.2025)
Das komplexe Innere des Sarkophags von Tschernobyl
 

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Militärtechnologie
Gravehawk: Neue Frankenstein-Rakete für die Ukraine
Container-Flugabwehrsystem mit umgebauten Sowjet-Raketen verstärkt die Luftverteidigung der Ukraine

Das in Großbritannien entwickelte Gravehawk-System nutzt modifizierte Wympel-Raketen. Diese stehen der Ukraine in großer Zahl zur Verfügung.
British MOD

Die Ukraine erhält ein neues britisches Boden-Luft-Raketensystem, das eines der größten Probleme Kiews lösen soll – den Mangel an Fliegerabwehr.

Das neue System namens Gravehawk wurde in nur 18 Monaten entwickelt und soll zur Bekämpfung russischer Flugzeuge, Raketen und Drohnen eingesetzt werden, wie die britische Militärseite Forcesnews berichtet. Bei der Gravehawk von einer Neuentwicklung zu sprechen wäre aber eine Übertreibung: Im Kern steckt nämlich eine alte Infrarotlenkrakete aus Zeiten der Sowjetunion. Diese wurde nun so modifziert, dass sie von einem Schiffscontainer aus gestartet werden kann. Dafür wurde das System mit modernen Sensoren ausgestattet.

Diese Form der Wiederverwertung alter Fliegerabwehrraketen aus Sowjetzeiten hat mittlerweile einen Namen: Sie werden Franken-SAMs genannt, wobei SAM für Surface-to-Air-Missile steht, als für Boden-Luft-Rakete.

Rakete im Standard-Container
In dem Bericht aus Großbritannien wird die Gravehawk als "höchst innovativ, relativ billig und tödlich" beschrieben. Neu ist tatsächlich, dass die Rakete nun von einem Standard-ISO-Container abgefeuert werden kann. Das wiederum macht es möglich, dass das Waffensystem mit einem Lastwagen schnell verlegt werden kann. Ob die Rakete auch vom Lastwagen aus abgefeuert werden kann oder zuvor abgeladen werden muss, ist nicht bekannt.


Zum Einsatz kommt die R-73 Wympel (Nato-Bezeichnung: AA-11 Archer). Dabei handelt es sich eigentlich um eine Kurzstreckenlenkrakete aus den frühen 80ern. Diese war ursprünglich als Luft-Luft-Rakete konzipiert und wurde von Jets wie der Su-27 oder der Mig-29 gestartet. Die infrarotgelenkte Rakete wurde aber auch von den iranischen Streitkräften so modifiziert, dass sie von F-14 Tomcats abgefeuert werden kann. Die Rakete erreicht Spitzengeschwindigkeiten von Mach 2,9 und hat eine für Kurzstreckenraketen relativ große Reichweite von 40 Kilometern bei frontaler Annäherung des Ziels und 14 Kilometer, wenn das Ziel von hinten anvisiert wird.

Die Wympel steht den ukrainischen Streitkräften in großer Zahl zur Verfügung. Die Ukraine hat aber zu wenige Flugzeuge, um die Waffe auch effektiv einsetzen zu können. Deshalb haben britische Ingenieure das System nun so umgebaut, sodass es vom Boden aus abgefeuert werden kann.

Geborgte Teile alter Flieger
Die Startschienen wurden von älteren sowjetischen Fliegermodellen wie der Su-27 Flanker "ausgeborgt". Einmal am Boden aufgestellt, wird der Container weggerollt, um das Waffensystem freizugeben. Ansonsten ist die Gravehawk von außen nur an der Sensoreinheit am Dach zu erkennen.

Ein besonderer Vorteil ist der sehr bewegliche Suchkopf der R-73, der Ziele in einem großen Winkelbereich von 75 Grad erfassen kann. Dies macht die Rakete auch in der bodengestützten Version zu einer effektiven Waffe gegen bewegliche Ziele.

Das System wurde hauptsächlich zur Abwehr russischer Kampfdrohnen und Marschflugkörper entwickelt. Es kann aber auch Flugzeuge und Hubschrauber bekämpfen. Gravehawk ähnelt dabei einem anderen britischen "FrankenSAM"-System für die Ukraine, das AIM-132-ASRAAM-Raketen verwendet. Beide Systeme nutzen offenbar ähnliche Sensortechnik.

Für Sensoren unsichtbar
Obwohl nicht so mobil wie andere Systeme, bietet die Container-Bauweise von Gravehawk große Flexibilität bei der Positionierung. Zudem ist es während des Transports weniger auffällig als andere Luftabwehrsysteme. Die passiven Infrarotsensoren machen Gravehawk zudem unanfällig für russische elektronische Kampfführung, anders als radargestützte Systeme.

Die Entwicklung des Waffensystems hat nur 18 Monate gedauert und ist mit Stückkosten von einer Million Pfund (rund 1,2 Millionen Euro) vergleichsweise günstig. Die Hälfte der Entwicklungskosten hat Dänemark übernommen. Zwei Stück sind bereits in der Ukraine im Einsatz, 15 Gravehawk-Systeme sollen in den kommenden Monaten noch ausgeliefert werden.
(pez, 15.2.2025)
Gravehawk: Neue Frankenstein-Rakete für die Ukraine
 

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Kriegshilfe nur gegen Rohstoffe
USA setzen Ukraine unter Druck
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US-Präsident Donald Trump knüpft die Hilfe für die Ukraine im Krieg gegen Russland an den Zugang zu den Rohstoffen des Landes. Ein Abkommen über die Nutzung von Seltenerdmetallen ohne Sicherheitsgarantien wollte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jedoch nicht unterzeichnen – nun steigt der Druck aus Washington.
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Die Ukraine verfügt über große Lithium- und Titanvorkommen, die für die Luft- und Raumfahrt sowie für den Bau von Elektrofahrzeugen von großer Bedeutung sind. Trumps Forderung lautet ein Äquivalent von 500 Milliarden Dollar an Metallen der seltenen Erden, im Gegenzug würden die USA Kiew gegen Moskau verteidigen. Selenskyj bezeichnete diese Forderung als „unseriös“ und betonte: „Wir sind bereit für ein ernsthaftes Dokument, aber wir brauchen Sicherheitsgarantien.“

AP/Efrem Lukatsky
Die Ukraine verfügt über ein großes Vorkommen von Seltenerdmetallen – verlockend für Russland und die USA

Bodenschätze als strategisches Ziel Russlands
Laut Selenskyj weiß Russland aus geologischen Untersuchungen aus der Sowjetzeit genau, wo die wichtigen Bodenschätze der Ukraine sind. Es gibt nur wenige zuverlässige Schätzungen darüber, welchen Anteil davon Russland bereits kontrolliert. Unbestritten ist jedoch, dass die Ukraine allmählich die Kontrolle über ihre Bodenschätze verliert – und auch wenn diese nicht das Hauptziel Russlands sind, sind sie zumindest ein strategisches.

Seit Wochenbeginn hatte sich der Ton zwischen Trump und Selenskyj verschärft: Trump gab dem ukrainischen Präsidenten zunächst in öffentlichen Äußerungen faktisch die Verantwortung für den russischen Angriffskrieg gegen sein Land. Selenskyj erwiderte, Trump sei ein Opfer russischer Desinformation – woraufhin Trump Selenskyj als „Diktator ohne Wahlen“ bezeichnete.

US-Sicherheitsberater: „Deal unterzeichnen“
Die Regierung in Kiew müsse „ihren Ton mäßigen“ und das von der Trump-Regierung vorgelegte Abkommen über die Nutzung von Seltenerdmetallen „genau ansehen und den Deal unterzeichnen“, sagte Trumps Nationaler Sicherheitsberater Mike Waltz am Donnerstag im TV-Sender Fox News. Die Kritik aus der Ukraine an den USA sei „inakzeptabel“. Waltz fügte an, das Rohstoffabkommen sei für die Ukrainer „die beste Sicherheitsgarantie, die sie sich erhoffen können, besser als eine weitere Palette Munition“. Die USA hätten durch das Abkommen eine wirtschaftliche Verbindung mit der Ukraine.

Der Sicherheitsberater wies zudem Vorwürfe zurück, die Ukraine und andere europäische Staaten seien aus den Verhandlungen zwischen der Trump-Regierung und Russland ausgeschlossen worden. Der Plan zur Beendigung der Kampfhandlungen beruhe auf „gesundem Menschenverstand“. Er fügte an: „Er mag ihnen nicht gefallen, aber wir werden ihn vorantreiben, und alle werden aufhören zu quengeln, wenn die Kämpfe enden.“

Gespräch Selenskyjs mit US-Sondergesandtem Kellogg
Die Äußerungen von Waltz in der Pressekonferenz des Weißen Hauses erfolgten kurz nach dem Abschluss des Treffens zwischen Selenskyj und dem US-Sondergesandten für die Ukraine, Keith Kellogg, in Kiew, bei dem auch das Rohstoffabkommen Thema gewesen sein dürfte.

Eine Pressekonferenz im Anschluss an das Treffen Selenskyjs mit Kellogg wurde zwar abgesagt, der ukrainische Präsident schrieb danach auf X, dass das Gespräch „gut“ und „detailliert“ gewesen sei. Die Ukraine sei bereit, schnell und unermüdlich an einem starken und nützlichen Abkommen über Investitionen und Sicherheit mit den USA zu arbeiten. „Wir müssen und können dafür sorgen, dass der Frieden stark und dauerhaft ist – damit Russland nie wieder mit Krieg zurückkehren kann.“

Reuters/Thomas Peter
Selenskyj und Kellog gaben – anders als geplant – keine gemeinsame Pressekonferenz

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hatte Kellogg zuvor ebenfalls empfangen. Dabei habe er über Wege zu einem gerechten und dauerhaften Frieden im Konflikt mit Russland gesprochen, teilte Sybiha mit. „Ich habe die Bereitschaft der Ukraine bekräftigt, durch Stärke Frieden zu erreichen und unsere Vision für die notwendigen Schritte dargelegt“, schrieb er auf der Onlineplattform X. Er habe zudem betont, dass die Sicherheit der Ukraine und des transatlantischen Raums „untrennbar“ seien.

Medien: London und Paris planen Hilfstruppe
Derzeit kontrolliert Russland knapp ein Fünftel der Ukraine. Die weitere militärische Unterstützung der Ukraine durch den Westen ist unklar. Medienberichten zufolge steht die Schaffung einer Hilfstruppe für die Ukraine im Raum.

Die britischen Zeitungen „Times“ und „Guardian“ berichteten, Großbritannien und Frankreich trieben die Diskussion über eine europäische Truppe zur Absicherung eines Friedensabkommens in der Ukraine voran. Ein solcher Verband könne weniger als 30.000 Soldaten umfassen, schrieben die Zeitungen unter Berufung auf Militärkreise. Russland ist laut Kreml-Angaben besorgt wegen einer möglichen Entsendung von Soldaten aus NATO-Staaten in die Ukraine.

Der Chef des ukrainischen Militärgeheimdiensts GRU, Kyrylo Budanow, hält indes eine Waffenruhe in diesem Jahr für möglich. Die meisten ukrainischen Politiker lehnen die Idee einer Waffenruhe ab und warnen, dass diese Russland nur Zeit geben würde, wieder aufzurüsten und sich auf weitere Aggressionen vorzubereiten.

Rutte: Europäische Sicherheitsgarantien nur mit USA
Mögliche Sicherheitsgarantien der Europäer für die Ukraine sind nach Einschätzung von NATO-Generalsekretär Mark Rutte nur mit Rückendeckung der USA denkbar. „Starke Sicherheitsgarantien“ von europäischen Ländern müssten „von den USA unterstützt werden“, sagte Rutte am Donnerstag bei einem Besuch in der Slowakei.
Im Falle eines Friedensabkommens mit Russland sei die Unterstützung der USA unabdingbar, um über genug Abschreckung zu verfügen, sagte Rutte. Es gehe nicht um den Einsatz von Bodentruppen, „aber wir brauchen trotzdem generell die Unterstützung der USA, um sicherzustellen, dass die Abschreckung da ist“, betonte der NATO-Generalsekretär.
21.02.2025, red, ORF.at/Agenturen

Kriegshilfe nur gegen Rohstoffe: USA setzen Ukraine unter Druck
 

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Drei Jahre Krieg
Erfolge und herbe Rückschläge für Ukraine
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Am Montag jährt sich der Überfall Russlands auf die Ukraine zum dritten Mal. Ein „gerechter Frieden“, wie er von dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefordert wird, ist nach wie vor nicht in Sicht, eher im Gegenteil, blickt man auf die von US-Präsident Donald Trump propagierten Verhandlungslösungen. Eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse des Krieges.
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Am 24. Februar 2022 kündigte der russische Präsident Wladimir Putin eine „militärische Spezialoperation“ im Nachbarland an. Zur Begründung sagte er, die Ukraine müsse „entnazifiziert“ und die russischsprachigen Menschen im östlichen Teil des Landes vor einem „Völkermord“ geschützt werden. Moskau startete daraufhin eine großangelegte Invasion mit Raketenangriffen auf ukrainische Städte.

International wurde der Angriff scharf kritisiert. Zugleich saß der Schock tief: In der westlichen Öffentlichkeit hatten viele einen Krieg im Jahr 2022 nicht für möglich gehalten. Dennoch gelang es dem Westen binnen weniger Wochen, beispiellose Sanktionen gegen Russland zu verhängen.

Reuters/Umit Bektas
Mehr als zehn Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer befinden sich seit Beginn des Krieges auf der Flucht

Größte Flüchtlingsbewegung der Nachkriegszeit
Die EU und die USA unterstützen die Ukraine seitdem mit Waffen und Hilfsgütern. Vor allem Europa nahm einen Großteil der geflohenen Menschen auf, löste der Angriffskrieg doch die schlimmste Flüchtlingskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg aus.


Debatte
Was braucht es für Frieden in der Ukraine?


Mehr als zehn Millionen Menschen trieb der Angriffskrieg in die Flucht – vor allem Frauen und Kinder, da militärtauglichen Männern mit wenigen Ausnahmen die Ausreise untersagt wurde.

Sie stellten sich wehrhaft der russischen Armee entgegen – was dazu führte, dass die als übermächtig eingeschätzte russische Armee mit dem Versuch eines Blitzkriegs scheiterte. Zwar gelang es den russischen Streitkräften, schnell Fortschritte zu erzielen, so besetzten sie etwa das Kernkraftwerk Saporischschja, dennoch konnten sie weder Kiew umzingeln noch die zweitgrößte Stadt Charkiw im Nordosten einnehmen.

APA/AFP/Ronaldo Schemidt
Ein zerstörtes Gebäude in Butscha – Hunderte Leichen wurden 2022 hier und in weiteren Orten gefunden

Massaker in Butscha stoppte Verhandlungen
Am 2. April 2022 entdeckten Reporter nach dem Rückzug der russischen Truppen aus der Kiewer Vorstadt Butscha auf einer Zufahrtsstraße die Leichen von mindestens 20 Zivilisten. In den folgenden Tagen wurden Hunderte weitere Leichen gefunden. Später wurden auch in anderen ukrainischen Orten, aus denen russische Soldaten zurückgedrängt wurden, grausame Verbrechen offenbar. Weltweit war das Entsetzen groß, Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen wurden eingeleitet, doch Moskau wies jede Verantwortung zurück. Die bereits Ende Februar gestarteten Friedensverhandlungen wurden daraufhin auf Eis gelegt.

APA/AFP/Bulent Kilic
Feierlichkeiten nach der Rückeroberung von Cherson im November 2022

Ukrainische Gegenoffensive nach Mariupol-Einnahme
Auch eine zweite Stadt wurde später zum Symbol für die Gräuel des Krieges: Die südostukrainische Hafenstadt Mariupol wurde von russischen Truppen von Beginn an beschossen. Mehrere Wochen tobte noch ein Kampf um das Stahlwerk Asow-Stahl, in dem sich ukrainische Kämpfer verschanzten, ehe auch sie aufgaben. Zehntausende flüchteten aus der einstigen 400.000-Einwohner-Stadt. Und wie viele Tausende Menschen in der Stadt starben, ist bis heute unklar.

Ende August 2022 startete die Ukraine eine Gegenoffensive in der südlichen Region Cherson und eine weitere Offensive Anfang September in der Region Charkiw. Es gelang der Ukraine, große Teile ihres Territoriums zurückzuerobern und am 11. November die Stadt Cherson zu befreien. Angesichts der ukrainischen Erfolge ordnete Putin am 21. September eine Teilmobilisierung an, etwa 300.000 Männer wurden eingezogen.

APA/AFP/24th Mechanized Brigade Of Ukrainian Armed Forces
Kämpfe bei Donezk – mittlerweile betrachtet Russland die ukrainische Region als sein Staatsgebiet

Bomben auf Energieversorgung, Waffen aus dem Westen
Den ganzen Winter lang bombardierte Moskau die Energieversorgung der Ukraine. Für internationale Besorgnis sorgten auch immer wieder die Gefechte rund um das von russischen Truppen eingenommene Atomkraftwerk Saporischschja.

Im Jänner 2023 ging die russische Armee, verstärkt durch die paramilitärische Gruppe Wagner, im Donbas erneut in die Offensive. Kiew erhielt schließlich von seinen Verbündeten moderne schwere Panzer, im Mai genehmigte Washington zudem die Lieferung von F-16-Kampfflugzeugen. Dennoch gelang es Russland nach monatelangen Kämpfen, die Stadt Bachmut einzunehmen.

APA/AFP/@ Razgruzka_vagnera/Telegram
Er war Putins „Mann fürs Grobe“ – ehe er den Aufstand gegen Moskau anzettelte. Wenige Wochen später starb Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz

.Wagner-Aufstand und Prigoschin-Tod
Gut einen Monat später kam es zu einer unerwarteten Wende: Am 24. Juni 2023 führte Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin eine Meuterei gegen Moskau an. Er und seine Kämpfer zogen sich aber nach Vermittlung von Belarus zurück. Zwei Monate später starb Prigoschin bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz.

Das Jahr 2024 war geprägt von russischen Geländegewinnen – vor allem an der Front im Osten. Am 17. Februar 2024 eroberten russische Streitkräfte etwa die Industriestadt Awdijiwka im Osten der Ukraine. Im Frühjahr begann die russische Armee zudem eine überraschende Bodenoffensive in der Region Charkiw und nahm mehrere Dörfer ein.

APA/AFP/Mandel Ngan
Staats- und Regierungsspitzen der G-7 sprachen der Ukraine ein neues Darlehen in der Höhe von 50 Milliarden Dollar zu

Hilfspakete in Milliardenhöhe
Der ukrainischen Armee mangelte es indes an Truppenstärke und Munition, kaum ein Tag verging, an dem Selenskyj nicht an seine Verbündeten appellierte und mehr Unterstützung forderte. Am 23. April genehmigte Washington ein lange verzögertes Hilfspaket in Höhe von 61 Milliarden Dollar für die Ukraine.

Kurz darauf einigten sich auch die Staats- und Regierungsspitzen der G-7 auf ein neues Darlehen in Höhe von 50 Milliarden Dollar für die Ukraine – finanziert aus den Gewinnen eingefrorener russischer Vermögenswerte. Zudem bekräftigten Dutzende Staats- und Regierungsspitzen aus aller Welt auf einem Gipfeltreffen in der Schweiz die Forderung nach der Unabhängigkeit und territorialen Integrität der Ukraine.

APA/AFP/Governor Of Kursk Region
Im August 2024 startete die Ukraine einen Überraschungsangriff auf die russische Region Kursk

Überraschende Invasion in der russischen Region Kursk
Am 6. August startete die ukrainische Armee einen Überraschungsangriff auf die russische Region Kursk. Den überrumpelten Russen gelang es bisher nur langsam, die Gebiete teilweise zurückzugewinnen. Auch die Unterstützung durch rund 10.000 nordkoreanische Soldaten brachte keine wesentlichen Fortschritte. Damit hat die Ukraine weiterhin einen Faustpfand zum Gebietsabtausch bei potenziellen Friedensverhandlungen.
Moskau antwortete zudem mit einer Reihe tödlicher Angriffe und verstärkte gleichzeitig seinen Vormarsch im Donbas. Im Herbst des Vorjahres gelangen den Russen erhebliche Gebietsgewinne.

Am 1.000. Tag der Invasion, am 19. November, feuerte die Ukraine erstmals Langstreckenraketen aus den USA und später aus Großbritannien auf russisches Territorium ab. Moskau griff die Ukraine mit der neuen russischen Hyperschallrakete Oreschnik an. Und Putin drohte erneut mit einem weltweiten Krieg.

APA/AFP/Andrew Caballero-Reynolds
Trump ist zuversichtlich, dass schon bald ein Friedensabkommen im Ukraine-Krieg erreicht werden kann – ob mit der Ukraine, scheint fraglich

Trump-Regierung spricht mit Russland – ohne die Ukraine
Kurz vor Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident kündigte sein Vorgänger Joe Biden noch weitere Militärhilfe für Kiew an. Nach seinem Amtsantritt telefonierte Trump wiederum mit Putin und versprach ein rasches Ende des Krieges. Das Ziel der Ukraine, die besetzten Gebiete zurückzuerhalten und der NATO beizutreten, bezeichnet die neue US-Regierung allerdings als unrealistisch.

Am 18. Februar fand ein erstes Treffen zwischen den Außenministern Russlands und den USA in Saudi-Arabien statt – die Ukraine und Europa blieben Zuschauer. Trump behauptet, Russland habe bei Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskrieges in der Ukraine „die Karten in der Hand“, und gab Selenskyj die Schuld an dem Krieg.

Selenskyj spricht bei einem möglichen Kriegsende mittlerweile zwar weniger oft von einem „Sieg“ der Ukraine und mehr von einem „gerechten Frieden“, betont zugleich aber auch immer, dass eine Verhandlungslösung nur mit seinem Land gemeinsam gefunden werden könne.


23.02.2025, sita (Text), lenz (Lektorat), beide ORF.at/Agenturen

Links:
Ukrainische Regierung
Russisch-Ukrainischer Krieg (Wikipedia)
Ukraine Support Tracker zu Hilfsgeldern

UNHCR

Drei Jahre Krieg: Erfolge und herbe Rückschläge für Ukraine
 

josef

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Schicksal offen, Vorzeichen düster
Ukraine tritt in viertes Kriegsjahr ein
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Drei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges ist die Lage der Ukraine so düster wie nie zuvor. Seit Russlands Staatschef Wladimir Putin seinen Truppen am 24. Februar 2022 den Befehl zum Einmarsch gegeben hat, ist nicht nur die Existenz der Ukraine bedroht, sondern auch die Sicherheitsarchitektur von ganz Europa. Leidtragende sind vor allem die Menschen in der Ukraine – sie hoffen darauf, „endlich aus dem Alptraum aufzuwachen“, wie es gegenüber ORF.at heißt.
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Die USA waren bisher größter Unterstützer der Ukraine. Doch sie suchen unter dem neuen Präsidenten Donald Trump einen Ausgleich mit Russland und wollen ein rasches Ende der Kämpfe, womöglich sogar ohne die Ukraine am Verhandlungstisch – mit entsprechenden Folgen.

Die europäischen Länder befinden sich indes im Krisenmodus und suchen eine Antwort auf die Frage, wie sie der Ukraine helfen und zugleich auf Amerikas schwindenden Schutz reagieren sollen. Bisher ebenso noch ohne großen Erfolg.

Fotostrecke
AP/Roman Chop
Durch Verbesserungen bei Kampfdrohnen konnte die ukrainische Armee im vergangenen Jahr auch Erfolge erzielen
Reuters/Gleb Garanich
Russische Drohnenangriffe über der ukrainischen Hauptstadt Kiew gehören längst zum Kriegsalltag

APA/AFP/Genya Savilov
Rückkehr in Trümmer nach einem Raketeneinschlag in Dnipro, im Osten des Landes

AP/Efrem Lukatsky
Am 14. Februar wurde laut Selenskyj der Sarkophag des havarierten Atomkraftwerks in Tschernobyl bei einem russischen Drohnenangriff beschädigt

AFP/Genya Savilov
Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen einen Brand nach einem Raketenangriff in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk

APA/AFP/Genya Savilov
Gleichzeitigkeit von Alltag und Krieg in den Straßen Lymans nahe der Frontlinie

Ein Fünftel der Ukraine unter russischer Kontrolle
Dass rasches Handeln mehr denn je gefragt wäre, zeigt nicht zuletzt ein Blick auf die Landkarte. Knapp ein Fünftel der Ukraine ist bereits unter russischer Kontrolle. Die ukrainische Armee befindet sich seit Herbst 2023 auf dem Rückzug. Sie steht vor allem im Osten im Gebiet Donezk unter Druck.



Russland betrachtet Donezk, die Halbinsel Krim und die ukrainischen Regionen Luhansk, Saporischschja und Cherson als sein Staatsgebiet. Auch gewinne Russland, so die BBC, derzeit „so schnell an Boden wie noch nie“ seit Beginn der Invasion.
Dennoch haben die ukrainischen Streitkräfte diese Vorstöße „so langsam und schwierig wie möglich“ gemacht, wie die BBC schreibt, und zudem eine Gegenoffensive auf russisches Territorium begonnen. Erfolge konnte die Ukraine ebenso mit der Verbesserung ihrer Kampfdrohnen und innovativer Taktik erzielen.

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: ISW

Ungleiches Kräfteverhältnis
Zu schaffen machen der ukrainischen Seite indes die Übermacht des Gegners sowohl was die Truppenstärke als auch die Kriegstechnik betrifft, wie der Einsatz von Gleitbomben mit hoher Reichweite. Auch kämpft die ukrainische Armee mit Fahnenflucht in den eigenen Reihen und schleppender Mobilmachung.

Ebenso belegen die Zahlen das Ungleichgewicht zwischen Ukraine und Russland. Die Ukraine bezog von Verbündeten in den vergangenen drei Jahren militärische, humanitäre und budgetäre Hilfsgelder in der Höhe von rund 267 Milliarden Euro. Russland gibt laut Medienberichten rund 135 Milliarden Euro für Militär und Sicherheit aus – alleine in diesem Jahr.




APA/AFP/ Maxar, APA/AFP/ Maxar
Satellitenbilder zeigen Teile der Stadt Awdijiwka im Gebiet Donezk 2019 und 2024

Zehntausende Tote, Millionen Geflüchtete
Bei der Zahl der Getöteten gibt es hingegen keine genauen Angaben, je nach Quelle geht sie in die Zehntausenden, womöglich sogar Hunderttausenden. Klar ist jedenfalls: Drei Jahre Krieg haben tiefe Spuren in der ukrainischen Gesellschaft hinterlassen.

Humanitäre Hilfe
Die Stiftung Nachbar in Not bittet weiterhin um „dringend benötigte“ Spenden für die humanitäre Hilfe in der Ukraine – mehr dazu in nachbarinnot.ORF.at

Im Osten und Süden sind viele Städte durch die russischen Angriffe schwer verwüstet und vermint. Ein großes Problem im täglichen Leben stellt auch die zerstörte Energieinfrastruktur des Landes dar.

So sind Stromausfälle laut UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) auch einer der Hauptgründe für die Flucht vieler Ukrainerinnen und Ukrainer dar. Mehr als zehn Millionen befinden sich derzeit auf der Flucht, rund 13 Millionen Menschen, ein Drittel der ukrainischen Bevölkerung, brauchen der UNHCR zufolge humanitäre Soforthilfe.

APA/AFP/Roman Pilipey
Auch zerstörte Energieinfrastruktur und damit verbundene Stromausfälle machen der Bevölkerung in der Ukraine zu schaffen

Hartes Überleben
Was das in der Realität bedeutet, weiß Sarah Easter. Als Referentin für Nothilfekommunikation bei der Hilfsorganisation CARE war sie seit Ausbruch des Angriffskriegs mehrere Male in der Ukraine. Im Gespräch mit ORF.at erzählt sie von Trinkwasser, das mit Leichenteilen verseucht ist. Von Supermärkten, die zu Museen geworden sind, in die manche nur noch gehen, um sich die Produkte anzuschauen, aber kein Geld mehr haben, um sie tatsächlich zu kaufen. Und von Menschen in ständiger Alarmbereitschaft.

CARE/Sarah Easter
„Jeden Tag werden die Preise in den Geschäften höher. Ich gehe jetzt in den Supermarkt wie in ein Museum. Ich gehe hinein, sehe mir die Ausstellungen an, tue so, als wäre ich satt, und gehe, ohne etwas zu kaufen“, sagt die Ukrainerin Tamara gegenüber CARE.

Wenn der Handyton zum Alarmsignal wird
So bekämen die Ukrainerinnen und Ukrainer durch diverse Applikationen und Messengergruppen Benachrichtigungen über Bedrohungen direkt aufs Handy. „Es ist konstant Alarm. Bis zu 15-mal am Tag. Und jede Nacht heulen die Sirenen“, sagt Easter. Jedes Mal, wenn das Handy piepst, würden die Erwachsenen zusammenzucken und die Kinder sich verstecken. „Was früher ein Zuhause war, ist jetzt ein Ort der Zerstörung.“
Dazu kommt: Nach drei Jahren Krieg merke man, dass die Spendenbereitschaft und damit auch die humanitäre Hilfe finanziell stark zurückgehe. Entsprechend groß sei die Angst, „dass eines Tages niemand mehr da ist, um zu helfen“, so Easter. Der sehnlichste Wunsch unter der Bevölkerung sei Frieden und ein Leben in Sicherheit. Eine Ukrainerin habe ihr erzählt, sie hoffe einfach nur, eines Tages aus diesem Alptraum aufzuwachen und ihr normales, altes Leben weiterführen zu können.

CARE/Sarah Easter
Wer nahe der Front lebt, habe sich daran gewöhnt, Explosionen zu hören – und zu unterscheiden, um welche Art der Bedrohung es sich handelt, erzählt die 61-jährige Ukrainerin Olga

„Österreich ist für uns zu einer zweiten Heimat geworden“
Ein neues Leben hat indes Angela begonnen. Seit drei Jahren lebt die 40-jährige Ukrainerin nun schon mit ihren beiden Kindern in Wien. „Wir sind nach Wien gekommen, weil meine Tochter hier im Basketballteam spielen konnte und mein Sohn und ich einfach noch ein paar Monate warten wollten, bis der Krieg vorbei war. Damals dachten wir, dass das bald passieren würde“, erzählt sie im Gespräch mit ORF.at. Die 18 Jahre davor habe sie mit ihren Kindern und ihrem Mann in Dnipro gelebt. „Der Ausbruch des Krieges in der Ukraine war für uns alle ein Schock.“ In Österreich, für die Familie mittlerweile zu einer „zweiten Heimat“ geworden, habe sie aber vom ersten Tag an Unterstützung von allen Seiten gespürt. Familie und Freunde in der Ukraine würden indes tagtäglich mit ständigem Beschuss, Ausgangssperren und Stromausfällen zu kämpfen haben, erzählt die Ukrainerin. Dennoch: „Meine Familie und ich unterstützen (Präsident Wolodymyr) Selenskyj und unsere Armee.“

Reuters/Valentyn Ogirenko
Selenskyj wird nach wie vor von mehr als der Hälfte der Ukrainerinnen und Ukrainer unterstützt

Von Sieg zu gerechtem Frieden
Und damit Ist die Ukrainerin nicht alleine. So steht laut Umfragen des Internationalen Instituts für Soziologie Kiew (KIIS) nach wie vor mehr als die Hälfte der Ukrainerinnen und Ukrainer hinter Selenskyj. Ebenso gibt es auch weiterhin eine Mehrheit gegen Gebietsabtretungen und andere Zugeständnisse gegenüber Russland.

Zugleich steigt aber der Anteil jener, die sich ein Ende des Krieges über Verhandlungen und Kompromisse wünschen. Auch Selenskyj selbst spricht weniger oft von einem Sieg und mehr von einem gerechten Frieden. Ob das vierte Kriegsjahr diesen bringen kann, ist genauso offen wie das Schicksal der Ukraine selbst.

Das scheint auch Angela zu wissen. Am Ende des Gesprächs sagt sie: „Meine Familie und ich planen, vorerst in Österreich zu bleiben. Ich möchte, dass mein Sohn hier seine Ausbildung abschließt. Wir hoffen, dass der Krieg endet und sich das Leben in der Ukraine verbessert. Aber es wird Jahre dauern.“
24.02.2025, Tamara Sill (Text), Harald Lenzer (Lektorat), beide ORF.at/Agenturen

Links:
Ukrainische Regierung
Russisch-Ukrainischer Krieg (Wikipedia)
Ukraine Support Tracker zu Hilfsgelder
UNHCR
CARE
BBC-Artikel

KIIS-Umfrage

Schicksal offen, Vorzeichen düster: Ukraine tritt in viertes Kriegsjahr ein
 
Aufgrund der Forumsregeln unterlasse ich hier jeden politischen Kommentar - aus Dokumentationsgründen sollte dieses Posting aber erhalten bleiben.

Ein Versuch, Frieden zu schaffen - ein entscheidendes Treffen:
Hier ist das Live aufgenommene, gesamte Meeting Trump-Selenskyi von VOX im Oval Office, USA.
Hier eine spätere TV Diskussion von CNN mit Marco Rubio (Außenminister USA).
Die Interpretation der Ereignisse durch die Presse/TV in Europa bitte selbst studieren.
 
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josef

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Russische Armee
Hoher Preis für überschaubare Erfolge
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Russland auf dem Vormarsch und die bange Frage, wie lange die Ukraine die Fronten noch verteidigen kann: So wurde am dritten Jahrestag des Angriffskriegs Russlands häufig die derzeitige militärische Lage beschrieben. Auch US-Präsident Donald Trump skizzierte dieses düstere Bild beim Eklat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Freitag in Washington. Tatsächlich ist die Ukraine auf Waffen aus den USA angewiesen. Doch auch die russische Armee musste für die letzten Erfolge einen hohen Preis zahlen – und steht ebenfalls vor großen Problemen.
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In einem täglichen Report analysiert der US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW) penibelst die Kämpfe an allen Frontabschnitten. Man greift dafür nicht nur auf offizielle Militärquellen zurück, sondern analysiert auch Einträge von russischen Militärbloggern und Social-Media-Inhalte, die verifiziert werden können.

In einem diese Woche veröffentlichten Sonderreport zeichnet das ISW ein größeres Bild und analysiert den Verlauf des dritten Kriegsjahrs: Wiewohl Russland im Herbst größere Gebietsgewinne verbuchen konnte, musste man dafür mit enormen Verlusten von Soldaten und Kriegsmaterial einen hohen Preis zahlen. Von großen Erfolgen auf dem Schlachtfeld könne keine Rede sein.

Ukraine nicht „gebrochen“
Russland habe es nicht geschafft, die Ukraine zu „brechen“: „Das tatsächliche Scheitern dieser großen und kostspieligen russischen Offensivoperationen verdeutlicht die Möglichkeiten, die die Ukraine hat, um Russland ernsthaftere Niederlagen auf dem Schlachtfeld zuzufügen. Das könnte Putin dazu zwingen, seinen Ansatz für den Krieg und für Verhandlungen zu überdenken, wenn die Vereinigten Staaten und der Westen weiterhin wesentliche Unterstützung leisten“, heißt es in dem Report.

Tempo der Vorstöße seit Herbst verlangsamt
Russland habe mit enormem Einsatz versucht, das Tempo der Offensive zu erhöhen, und tatsächlich gab es vor allem im Herbst des Vorjahrs größere Gebietsgewinne. Allerdings: Die eroberten Orte Awdijiwka, Selydowe, Wuhledar und Kurachowe, die vom Kreml als große Erfolge gefeiert worden seien, seien Kleinstädte mit maximal 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern vor dem Krieg.

Und seit Herbst habe sich das Tempo der Eroberungen deutlich verlangsamt: Im November hätten die russischen Truppen durchschnittlich 28 Quadratkilometer erobert, im Dezember und Jänner seien es nur noch 18 bzw. 16 gewesen, berichtet das ISW in einem anderen Bulletin.
Mit dem überraschenden Gegenangriff auf die russische Region Kursk im Sommer habe es die Ukraine auch geschafft, Truppen des Feindes dort zu binden, die nun an anderen Frontlinien fehlen würden. Detailliert zeichnet der Bericht die Entwicklung an jedem einzelnen Frontabschnitt nach.

Schwieriger Materialnachschub
Der Kreml habe jedenfalls „noch nicht herausgefunden, wie er seine zahlenmäßige Überlegenheit in entscheidende Gewinne auf dem Schlachtfeld umwandeln kann“, heißt es in dem Bericht. Die russischen Angriffe seien trotz der „schockierenden Missachtung der Verluste an Menschen und Ausrüstung“ durchgeführt worden, heißt es von dem Institut. Daher rechnet es mit „materiellen und personellen“ Engpässen bei der russischen Armee heuer. In dem Bericht wird daran gezweifelt, dass die russische Rüstungsindustrie den Bedarf an gepanzerten Fahrzeugen und an Artilleriegeschoßen decken kann.

Reuters
Recht früh im Krieg setzte Russland uralte Panzer ein

95.000 tote Russen namentlich erfasst
Vor allem aber die personellen Verluste sind riesig. Die Kriegsparteien selbst hüllen sich über ihre Verluste in Schweigen. Die russische Website Mediazona und der russische Dienst der BBC führen eine Liste, mit der getötete Soldaten anhand von Social-Media-Einträgen, Regionalmedienberichten und anderen öffentlich zugänglichen Dokumenten eindeutig verifiziert und identifiziert werden können.

Die Zahl der erfassten Personen liegt derzeit bei 95.000. Allerdings geht man von insgesamt 165.000 getöteten russischen Soldaten aus. Diese Zahl ergebe sich aus Schätzungen und offiziellen Statistiken zu Sterbefällen. Zudem sind in der Zählung die Gefallenen, die für die prorussischen Milizen der russisch kontrollierten Oblasten Donezk und Luhansk kämpfen, nicht erfasst. Allein dort wird mit rund 25.000 Toten gerechnet, heißt es von der BBC.

Offensive ohne weitere Mobilisierung kaum möglich
Mit einer hohen Dunkelziffer rechnet man auch bei den in Gefängnissen rekrutierten Kämpfern. Und Militärexperten verweisen auch darauf, dass die Bergung von Leichen vom Schlachtfeld in dem immer mehr von Drohnen geprägten Krieg häufig als zu gefährlich erachtet wird. Damit steige die Zahl der Vermissten. Dazu kommt eine hohe Zahl an Verwundeten. Aus Erfahrungen aus anderen Kriegen geht man landläufig davon aus, dass auf jeden gefallenen Soldaten rund drei verwundete kommen – das wären dann eine halbe Million.

Ohne weitere Teilmobilisierung, vor welcher der russische Präsident Wladimir Putin aber offenbar zurückschreckt, sei unklar, wie der Kreml seine Offensive weiter führen kann. Mehrere Medien berichten, dass in der Mediazona-Zählung zuletzt die Zahl der getöteten Soldaten in einem Alter über 50 Jahre stark gestiegen sei. So wie die laut Berichten anstehende weitere Entsendung von nordkoreanischen Soldaten in den Krieg deutet auch das auf große Rekrutierungsprobleme hin.

APA/AFP/Yan Dobronosov
Der vermehrte Einsatz von Drohnen sorgte für große Verluste

Große Verluste auch für die Ukraine
Umgekehrt geht es der Ukraine aber nicht viel besser. Bundesheeroberst und Historiker Markus Reisner betonte in der Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“ am Samstag, dass die Ukraine aus mehreren Gründen derzeit im Nachteil sei – vor allem die Zerstörung der kritischen Infrastruktur mache dem Land zu schaffen. Allerdings sei das Land im Laufe des Krieges von mehrmals abgeschrieben worden – und habe es dennoch immer wieder geschafft.

Allerdings sei die ukrainische Armee personell ausgedünnt, so Reisner. Seit Monaten wird in Kiew überlegt, wie man das Rekrutierungsproblem lösen kann. In einer seltenen öffentlichen Schätzung sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj unlängst dem US-Sender NBC, dass mehr als 46.000 ukrainische Soldaten getötet und etwa 380.000 weitere verwundet worden seien.

Die Website Ukraine Losses, die ähnlich wie Mediazona Daten von Getöteten erhebt, kommt derzeit auf rund 70.0000 gefallene Ukrainer plus mehr als 50.000 Vermisste. Die Dunkelziffer soll hier aufgrund besserer Dokumentation sehr niedrig sein. Das ISW schreibt von einem „düsteren“ Kriegsjahr für die Ukraine. Dieses Bild würde aber häufig die „wichtige Realität“ verdecken, dass es eben Russland nicht gelungen sei, den Widerstand der Ukraine zu brechen. Man warnt allerdings auch, dass ein Ende der westlichen Unterstützung „zu einem relativ schnellen Zusammenbruch der ukrainischen Verteidigung“ führen könnte.
02.03.2025, ckör (Text), lenz (Lektorat), beide ORF.at
Russische Armee: Hoher Preis für überschaubare Erfolge
 

josef

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Amnesty-Bericht
Russland foltert ukrainische Kriegsgefangene
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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht Russland Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Konkret würden russische Behörden ukrainische Kriegsgefangene in Isolationshaft festhalten, sie systematisch foltern und verschwinden lassen.
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In dem 32-seitigen Bericht mit dem Titel „Ohrenbetäubende Stille“ dokumentiert Amnesty, wie Kriegs-, aber auch zivile Gefangene oft jahrelang bewusst von der Außenwelt abgeschnitten werden und dabei Folter, Misshandlungen sowie rechtswidrigen Tötungen ausgesetzt sind. „Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein systematisches Vorgehen, das gegen das Völkerrecht verstößt“, so die Internationale Generalsekretärin von Amnesty International, Agnes Callamard.

Laut Angaben von Amnesty basiere der Bericht auf Interviews, die im vergangenen Jahr mit 104 Personen in der Ukraine durchgeführt worden seien – darunter ehemalige Gefangene und deren Angehörige. Wie viele Gefangene derzeit von Russland festgehalten werden, sei zwar nicht bekannt, doch gehe man von „Tausenden“ aus.

Reuters/Thomas Peter
Menschen zünden in Kiew bei einer Gedenkveranstaltung Kerzen für gefallene Soldaten an

Folter in allen Phasen der Gefangenschaft
Die meisten ukrainischen Kriegsgefangenen hätten keinen Kontakt zur Außenwelt, auch ihre Familien würden nur wenige bis gar keine Informationen über deren Lage, Status oder Aufenthaltsort erhalten. Zugleich hätten die russischen Behörden ebenso internationalen Organisationen den Zugang zu Gefangenen verweigert, wie es seitens Amnesty heißt.

Die Insassen wiederum seien weit verbreiteter Folter ausgesetzt, die „systematisch und in allen Phasen der Gefangenschaft“ stattfinde, zitiert Amnesty hier ehemalige Kriegsgefangene. Zudem habe Amnesty dokumentiert, dass Kriegsgefangenen medizinische Behandlung verweigert werde. Würden Schmerzmittel in akuten Notsituationen verweigert, handle es sich ebenso um Folter, so Amnesty.

Mehr als 60.000 Vermisste
Neben den Kriegsgefangen behandelt der Bericht auch Personen, die als „unter besonderen Umständen vermisst“ eingestuft werden. So sei es wahrscheinlich, dass sich diese entweder in russischer Haft befänden oder möglicherweise getötet worden seien.
Auch unter der Zivilbevölkerung gebe es eine „beträchtliche Anzahl von Personen“, die dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sein sollen. Laut einem Artikel der BBC werden seit Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022 mehr als 61.000 Menschen vermisst, sowohl Soldaten als auch Zivilisten und Zivilistinnen.

IMAGO/SOPA Images/Ana Fernandez
„Respektiert Internationale Gesetze“ und „Stoppt russische Angriffe“, heißt es auf Plakaten bei einer Amnesty-Demonstration in Amsterdam

Verstoß gegen Genfer Konventionen
Laut Amnesty setzt Russland „seit Langem willkürliche Festnahmen, Folter und die Praxis des Verschwindenlassens ein, um die Zivilbevölkerung in den von ihm kontrollierten Gebieten einzuschüchtern“. Solche Handlungen stellten Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.

Humanitäres Völkerrecht regelt Krieg
Kommt es zu einem bewaffneten Konflikt, sind Kriegshandlungen in weiterer Folge auch nur dann zulässig, wenn sie den humanitären völkerrechtlichen Vereinbarungen entsprechen – den Kern bilden hierbei die Genfer und Haager Abkommen.
Folter und unmenschliche Behandlung seien indes „unter allen Umständen nach den internationalen Menschenrechten und humanitärem Völkerrecht verboten“. Wenn sie im Rahmen eines bewaffneten Konflikts begangen werden, stellen diese Kriegsverbrechen dar.
Das Vorgehen Russlands verstoße zudem gegen die Genfer Konventionen, die Kriegsgefangenen das Recht auf regelmäßigen Schriftverkehr, Zugang zu medizinischer Versorgung und Besuche internationaler Organisationen garantieren.

Appell an internationale Gemeinschaft
Anlässlich des Berichts richtete Amnesty Appelle an die internationale Gemeinschaft, aber auch an Russland selbst. Russland müsse sein Vorgehen gegen ukrainische Gefangene sofort beenden. Konkret heißt es dazu: „Dies umfasst Folterungen, das Verschwindenlassen und die Inhaftierung ohne Kontakt zur Außenwelt. Die russischen Behörden müssen außerdem die zuständigen Stellen über den Status aller ihrer Kriegsgefangenen informieren und internationalen humanitären Organisationen ungehinderten Zugang zu ihnen gewähren.“

Zudem solle die internationale Gemeinschaft „all ihren Einfluss und sämtliche ihr zur Verfügung stehenden Mechanismen gegen Russland einsetzen, um diese abscheulichen Verbrechen nach internationalem Recht zu stoppen und sicherzustellen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“ – einschließlich des Internationalen Strafgerichtshofs, wie es in dem Bericht in den Schlussfolgerungen heißt. Denn ohne Gerechtigkeit werde sich das Leiden der ukrainischen Kriegsgefangenen, Zivilpersonen und ihrer Familien nur weiter verschlimmern“, so Callamard.
In der Vergangenheit hatte sich Amnesty auch kritisch gegenüber der ukrainischen Kriegstaktik geäußert – so würden ukrainische Streitkräfte ebenso gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen. Der Bericht zog scharfe Kritik nach sich – nicht zuletzt von Präsident Wolodymyr Selenskyj selbst. Die Ukraine-Chefin von Amnesty, Oxana Pokaltschuk, trat wegen des Berichts daraufhin zurück. Er sei ein Propagandageschenk für Moskau, sagte sie im August 2022.
04.03.2025, sita (Text), lenz (Lektorat), beide ORF.at

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Amnesty-Bericht
BBC-Artikel

Amnesty-Bericht: Russland foltert ukrainische Kriegsgefangene
 
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