Wollwarenweberei Günselsdorf

Bunker Ratte

Well-Known Member
#1
Es war ein Abenteuer, die alten Fabriksgebäude zu besuchen. Wild durchs dickicht und zahlreichen Brennesseln und dann noch über einen kleinen Bach östlich der Fabrik, wo es keine Brücke gab. Jedoch konnte ich mit mehreren kleinen Holzstämmen den Bach überqueren ohne nass zu werden:p. Meine Mühen war nicht umsonst, für das was ich dann zu sehen bekam. Teile des Geländes werden nachgenutzt, von der Fa.Feller, die Alten Fabrikgebäude östlich gelegen jedoch nicht.
Dadurch die Ausbeute an Informationen meinerseits relativ gering ausfällt, wäre ich über jede weitere Info über die Ehemalige Weberei dankbar!
Mechanische Weberei Günselsdorf
Vereinigte Österreichische Textilindustrie AG (1926)
Wollwaren-Verkauf- Aktiengesellschaft (1959)
heute: Fa. Feller GmbH
Branche: Textilindustrie, Mechanische Weberei
Betriebsdauer: <1925 – > 1959
Produkte: Textilien
Status: erhalten, Gebäude nachgenutzt
Quelle: Industrieviertel NÖ

14.jpg
 

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HF130C

Well-Known Member
#5
Danke für den spannenden Bericht. Sehr interessant finde ich, dass eine Chemnitzer Firma den Schlot bzw. Rauchfuchs gebaut hat. Das verwundert mich etwas, sollte doch das Wissen über den Bau von Schloten auch hierzulande vorhanden gewesen sein.

Es spricht allerdings für die Chemnitzer Firma, dass der Zustand des Schlotes noch ausgezeichnet zu sein scheint ..... obwohl: die etwas unterschiedliche Farbe der Ziegel könnte auch auf eine zwischenzeitliche Erneuerung hinweisen. Konntest du da irgendwelche Hinweise finden?
 

Bunker Ratte

Well-Known Member
#6
Danke für den spannenden Bericht. Sehr interessant finde ich, dass eine Chemnitzer Firma den Schlot bzw. Rauchfuchs gebaut hat.
Hallo HF130C,
danke für die Blumen:). Ja, mich faszinieren die alten Dinger! Jedoch konnte ich keine Hinweise, oder eine andere Beschilderung identifizieren die darauf hinweist, daß am Schornstein etwas erneuert wurde. Hmmm, die unterschiedliche Farbe der Ziegel konnte ich bei anderen Schornsteinen ebenfalls erkennen. Ich würde selbst gerne mehr über die Hintergründe der Ehem. Weberei erfahren(über Gründung, historische Aufnahmen usw.), doch sind die Angaben im Netz eher ernüchternd.

Lg
Michi
 

HF130C

Well-Known Member
#7
Hmmm, die unterschiedliche Farbe der Ziegel konnte ich bei anderen Schornsteinen ebenfalls erkennen.
Nach einigem Nachdenken vermute ich doch eine Erneuerung. Die Abwitterung der Ziegel ist doch zu unterschiedlich.

Wegen dem Wehr noch die Frage: Da muss es ja auch einen Kanal oder Rohrleitung zu einer Turbine oder einem "Mühlrad" geben / gegeben haben, ich nehme an, das Wasser wurde in irgendeiner Form (direkt über Transmissionen oder indirekt über Stromerzeugung) zum Antrieb der Maschinen genützt. Gibt es zu der Wasserführung oder dem Turbinenhaus noch irgendwelche Spuren? Zumindest sollte man vom Wehr weg erahnen können, wie der Wasserweg weitergegangen ist.
Durchaus ist es möglich, dass es auch eine Umstellung auf externe Elektrizität gegeben hat und die Wehranlage schon vor Betriebsende der Werkes ohne Funktion war. Allerdings ist es unwahrscheinlich, da man kaum auf billige selbst erzeugte Energie verzichtet haben wird ...
 

Bunker Ratte

Well-Known Member
#11
Nach einigem Nachdenken vermute ich doch eine Erneuerung. Die Abwitterung der Ziegel ist doch zu unterschiedlich.
Hallo HF130C,
ich denke auch, daß es so gewesen sein könnte.
Wegen dem Wehr noch die Frage: Da muss es ja auch einen Kanal oder Rohrleitung zu einer Turbine oder einem "Mühlrad" geben / gegeben haben, ich nehme an, das Wasser wurde in irgendeiner Form (direkt über Transmissionen oder indirekt über Stromerzeugung) zum Antrieb der Maschinen genützt. Gibt es zu der Wasserführung oder dem Turbinenhaus noch irgendwelche Spuren? Zumindest sollte man vom Wehr weg erahnen können, wie der Wasserweg weitergegangen ist.
Durchaus ist es möglich, dass es auch eine Umstellung auf externe Elektrizität gegeben hat und die Wehranlage schon vor Betriebsende der Werkes ohne Funktion war. Allerdings ist es unwahrscheinlich, da man kaum auf billige selbst erzeugte Energie verzichtet haben wird ...
In Beitrag#1 Bild17, vor dem Gebäude verläuft der Werkskanal, der am rechten Bildende in das Maschinenhaus oder den Generatorraum verläuft. Hier wird anscheinend noch Strom erzeugt, leider konnte ich nicht näher ran um es genau unter die Lupe zu nehmen. Ob hier ein Wasserrad einen Generator antreibt, konnte ich nicht erfahren. Jedoch konnte ich Geräusche von Maschinen in diesem sogenannten "Maschinenhaus" wahrnehmen. Die Bilder in Beitrag#4 habe ich bei einem im östlichen Bereich der Fabrik verlaufendem Bach, den ich überqueren musste aufgenommen. Meine Frage stellt sich hier: Ob hier eine Wehr gewesen ist aufgrund der Beton bzw. Fundamentreste? Vorallem zu welchen Zweck? Der Bach zweigt jedenfalls vom Werkskanal südlich der Fabrik ab.

Lg
Michi
 

HF130C

Well-Known Member
#13
vor dem Gebäude verläuft der Werkskanal, der am rechten Bildende in das Maschinenhaus oder den Generatorraum verläuft. Hier wird anscheinend noch Strom erzeugt, leider konnte ich nicht näher ran um es genau unter die Lupe zu nehmen.
Danke für die Info, das müsste der Kanal sein, der auch auf Google Maps gut ersichtlich ist. Interessant, dass das Kraftwerk (was anderes wird es nicht sein) noch in Betrieb ist. Möglicherweise ist sogar noch alte Technik verbaut, das wäre natürlich spannend.

Meine Frage stellt sich hier: Ob hier eine Wehr gewesen ist aufgrund der Beton bzw. Fundamentreste? Vorallem zu welchen Zweck?
Also die Betonreste in #4 sind auf jedem Fall ein Wehr, sogar mit einem größeren Stauraum. Irgendwo sollte hier ein Wasserlauf abgezweigt sein. Das kann natürlich auch eine hözerne Rinne oder eine Rohrleitung gewesen sein, die es nicht mehr gibt. Möglicherweise war hier noch eine Fabrik bzw. ein Kraftwerk?

Mit dem Kanal in Teesdorf wird es wohl nichts zu tun haben? Dort gibts die tolle Kanalbrücke, hast du diese etwa auch besucht? Absolut sehenswert! Eine der seltenen erhaltenen mehrbögigen Kanalbrücken, siehe unter Gemeinde Teesdorf | Mapio.net

Fragen über Fragen ... Ev. weiß Josef wieder mehr dazu?
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#16
...
Mit dem Kanal in Teesdorf wird es wohl nichts zu tun haben? Dort gibts die tolle Kanalbrücke, hast du diese etwa auch besucht? Absolut sehenswert! Eine der seltenen erhaltenen mehrbögigen Kanalbrücken, siehe unter Gemeinde Teesdorf | Mapio.net

Fragen über Fragen ... Ev. weiß Josef wieder mehr dazu?
Leider fand ich zu einem Kraftwerk oder einer Mühle in Günselsdorf nichts mehr!
Zur Trogbrücke (Werkskanalbrücke) über die Triesting in Teesdorf
gibt es im gleichen Buch wie unter Beitrag #8 zitiert auf Seite 778 folgenden Unterabschnitt zur Kanalbrücke (beim Hauptthema ehem."Baumwollspinnerei Teesdorf"):

1529843574418.png
 

Bunker Ratte

Well-Known Member
#17
Hallo Josef danke für die Informationen und deine Mühe. Ich finde es ganz toll , weil zu so einen Gebäude gehört einfach seine Geschichte dazu .
Lg
Michi
 
#19
ich greife den faden nach wirklich langer zeit wieder auf, denn zu dem was Josef schreibt
"Leider fand ich zu einem Kraftwerk oder einer Mühle in Günselsdorf nichts mehr!"
kann ich zur alten mühle ein wenig beitragen:
  • 1778 „Planner Mühle“. Der pächter Planner verkauft neun überländgrundtstücke (also grundstücke die nicht zur herrschaft gehörten und frei verkauft werden konnten).
  • 1779 der Pächter Joh. Georg Planner stirbt.
  • 1781 Übernahme durch Müllermeister Mathias Seltner und Frau Maria gb. Schöner / Scheiner / Schenner, einer Müllerstochter aus Weissenbach an der Triesting.
  • 1781 Übernahme Maria Seltnerin Wittib allein, davor sie und ihr Ehewürth Math. Seltner.
  • 1781 Die Witwe Maria Seltner heiratet Joseph Mayer, einen der söhne des mühlpächters Joh. Georg Mayr der „Unteren Mühle“ in Ebenfurth und übernimmt mit ihm die mühle.
  • 1788 auf alle fälle bis in das jahr betreiben die beiden die mühle. In diesem jahr stirbt ihr jüngerer sohn mit 3 jahren. Der ältere stirbt
  • 1803 knapp 20-jährig in Wr. Neustadt, dem damaligen wohnort der eltern.
  • 1807 bis 1823 Karl Schmid und Anna gb. Mayer. Sie ist das einzige überlebende kind von Joseph und Maria.
  • 1823 Karl Schmid allein eigentümer, da Anna im laufe einer nicht näher spezifizierten epidemie stirbt.
  • 1830 Lizitation der mühle:
Licit. Mahlmühle, Freyüberlände und Fahrnisse

Von der Herrschaft Schönau wird Hiermit bekannt gemacht: Es sey auf Ansuchen der Vormünder der m. Carl Schmid'schen Erbsinteressenten, in die öffentliche Feilbiethung nachstehender Verlassenschafts=Realitäten und Fahrnisse, gewilliget worden, als: der an der Triesting, gleich bey der Straße sub Nr. Consc. 48 in Ginselsdorf befindlichen, bey der k. k. privil. Wechselseitigen Brandschaden – Versicherung=Anstalt mit 8000 fl. C. M. versicherten Mahlmühle, bestehend aus vier unterschlächtigen Mahlgängen, dann einer separirten kleinen Mühle mit einem unterschlächtigen Gange, sammt dem dazu gehörigen Halblehen mit 18 Joch und 466 Quadratklafter Hausgründen nach der neuen Vermessung, nämlich : Aecker, Wiesen und Weingärten, gerichtlich geschätzt auf 13000 fl. C. M., dann nachstehender freyen Ueberlände, nähmlich: 1 Joch Acker in Stubenfeld, zur Herrschaft Kottingbrunn dienstbar, gerichtlich geschätzt auf 120 fl. C. M., 2 Joch Acker in Besuch, gerichtlich geschätzt auf 40 fl. C. M., 1 Tagwerk Wiesen am Schleifer pr. 120 fl. C. M., beyde zur Herrschaft Schönau dienstbar, 3/4 Joch Acker in Neufeld pr. 32 fl. C. M., wieder 3/4 Joch Acker in Neufeld pr. 32 fl. C. M. und 3/4 Joch Acker in Neufeld pr. 32 fl. C. M., diese drey letzten Freyüberlände sind zur Herrschaft Enzesfeld dienstbar; dann der sämmtlichen Fährnisse, als: Einrichtungsstücke, Mühl- und Wirthschaftsgeräthschaften, der Wagen, Caleschen, Pferde und sonstigen Viehes, so wie der gedroschenen und ungedroschenen heurigen Körner und des Heues. Die Licitation der Realitäten wird den 31. August l.J. vormittags um 9 Uhr beginnen, zur Versteigerung der beweglichen Sachen wird jedoch der 31. August und 1. September l.J. mit dem Bemerken bestimmt, daß die Vornahme derselben nur dann Statt finden kann, wenn die Mühle bey der ersten Feilbiethung an Mann gebracht seyn wird. Die Bedingnisse sind in der Amtskanzley dieser Herrschaft einzusehen.

Justizamt der Herrschaft Schönau am 1. August 1830.
Wiener Zeitung vom 12.8.1830
  • 1830-11-30 wird "J: (ohann) M: (ichael) Ennser Verwalter zu Frohsdorf" im Gewährbuch als eigentümer eingetragen.
  • 1831 ist Joseph Schmid, einer der söhne von Karl Schmid und Anna gb. Mayr dort mühlpächter (mit 22 jahren)
  • 1831 bis 1834 Joseph Schmid mit seiner frau Anna gb. Eipeldauer. Ab 1835 sind sie für ca. 3 Jahre mühlpächter in Leesdorf, bis sich mit der taufe eines kindes in St. Pölten ihre spur verliert.
  • 1845 Verkauf der mühle an A. Giradoni, Beginn der Industrialisierung.
 
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