Wehrkirchen in Österreich

Bunker Ratte

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#43
"Wehrkirche Friedersbach" Gemeinde Zwettl:
Die Hft. samt zugehöriger Eigenpfarre wurde durch die Hrn. v. Rauheneck noch vor 1159 errichtet. 1248 bestätigt Hugo d. Turs v. Lichtenfels die Pfarrstiftung mit dem ehem. Herrenhaus. 1335 fällt die Hft. an den Landesfürsten. 1623 verkauft der K. die Hft. dem Hans Unterholzer, der sie mit der Hft. Rastenberg vereinigt.
Das ausgedehnte Ensemble, bestehend aus Pfk., Pfarrhof, Karner und Friedhof, liegt 7,9 km ostsüdöstl. des Stadtzentrums von Zwettl auf einer hochgelegenen Terrasse im S des Dorfes Friedersbach. Von N, von der Zufahrt betrachtet, vermittelt der Pfarrhof mit der dahinter aufragenden Kirche ein wehrhaftes Bild. Im Bereich von Kirche und Pfarrhof wird der Sitz der Rauhenecker aus der Zeit der Herrschaftsgründung um die M. d. 12. Jhs. angenommen. Eine ehem. Befestigung des Areals erscheint aufgrund der dominanten Lage wahrscheinlich, wobei künstliche Annäherungshindernisse nur an der O-, S- und allenfalls an der W-Seite nötig waren und der nördl. Steilabfall ausreichend Schutz bot. Der weitläufige, auf einer tieferen Terrasse situierte Pfarrhof, der einen eigenen Hof umschließt, zeigt nach Umbauten des 17. Jhs. noch Bauteile des späten Mittelalters (ein Fenster bezeichnet mit „1437"), enthält aber keine Bauteile des Hochmittelalters. Die Pfk. auf dem zentralen Plateau im S ist ein im Kern hma. Bau. Das rom. Langhaus ist im N und S durch Seitenkapellen mit Halbkreisapsiden erweitert. Der rom. W-Turm zeigt ein primäres, vermauertes Rundbogenportal und im Glockengeschoß Biforen. Die Apsis des Kernbaues, 2006 archäologisch freigelegt und dokumentiert, wurde 1408 durch einen got. Polygonalchor ersetzt. Weitere Zubauten erfolgten während des 15.–19. Jhs. Die südl. Seitenkapelle versuchte man, mit der Pfarrgründung im Jahr 1159 in Verbindung zu bringen. Dies kann aufgrund der Bauabfolge berichtigt werden, die bei Restaurierungsarbeiten an der Außenmauer sowie den archäologischen Grabungen im Inneren sichtbar wurde. Auch das lagerhafte Bruchsteinmauerwerk der S-Kapelle deutet erst in das späte 12./frühe 13. Jh. Der Karner weist hingegen frühes Kompartimentmauerwerk auf, das in Verbindung mit den Fensterformen eine Errichtung in der 2. H. d. 13. Jhs. indiziert. An der Kirchhofummauerung sind im O, S und W tlw. quaderhafte, lagige Strukturen und 2 vermauerte, quadergerahmte Portalöffnungen zu sehen, sodass Teile der Mauer dem 12./frühen 13. Jh. zugewiesen werden können. Friedersbach wird allgemein jenen frühen Burganlagen zugerechnet, die in Siedlungsnähe und in Verband mit einer Kirche errichtet wurden und als „Burg-Kirchen-Anlage" angesprochen werden. Nachdem der Pfarrhof als möglicher Standort der Burg ausscheidet, ist diese entweder unmittelbar westl. des Kirchhofs am westl. Ende der Terrasse oder innerhalb der rom. Kirchhofmauer (Bering?) im SW des heutigen Friedhofes zu suchen.
Quelle: Friedersbach Burgen Online

Der Karner von Friedersbach befindet sich neben der Kirche!

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Bunker Ratte

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#51
Wehrkirche Maria Anzbach "Mutter der Barmherzigkeit":
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche zur "Mutter der Barmherzigkeit" ist eine alte Wehrkirche. Es kann angenommen werden, dass schon die Herren von Amizinesbach, welche ausstarben, eine Kirche errichtet haben und einen Priester nach Anzbach holten. Sichere Kunde gibt es von einem Pfarrer aus dem Jahre 1311.
Die Kirche ist ein dreischiffiger vierjöchiger Staffelbau aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, mit Stein- und Rippengewölben. Das Nord- und Südportal sind spätgotisch und weisen die Jahreszahlen 1468 und 1491 auf, außerdem die gotische Inschrift über dem nördlichen, außen "MATER MISERICORDIE 1471", Mutter der Barmherzigkeit. An der südwestlichen Außenecke, neben dem Turm, sehen wir noch die Giebelmauer der Kirche mit einem langen Hauptschiff aus dem 14. Jhdt. 1529 wurde die Kirche von Türken total zerstört und erst 100 Jahre später, 1629 durch die Besitzerin von Neulengbach, Freiin von Khuen, wieder hergestellt und gleichzeitig der Turm (Höhe 50m) als Befestigungsanlage eingerichtet.
1683 warfen die Türken eine brennende Fackel in die hölzerne Kanzel, doch diese erlosch und es entstand kein Feuer. Nach der Pestzeit 1683, die eine der schlimmsten Folgen der Türkeneinfälle war, wurde das Gebiet fast ausgerottet. In dieser Zeit entstanden die jährlichen Wallfahrten der Orte Ollern und Langenrohr, die noch heute eingehalten werden. Die Pest-Exvoto-Bildnisse, die Marmortafeln und zwei Wachskerzen bestätigen dies.
Am Feste Maria Geburt 1669 hielt der kaiserliche Hofprediger ABRAHAM A SANTA CLARA in der Pfarr- und Wallfahrtskirche die berühmt gewordene Predigt "Der glückliche Fischzug aus Anzbach". Neue Ansiedler nach der Türken- und Pestzeit kamen aus Oberösterreich, Bayern, Salzburg und der Pfalz und bevölkerten das Gebiet wieder. Der barocke Hochaltar wurde 1771 errichtet. Mittelpunkt ist die fast lebensgroße Gnadenstatue. Sie stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jhdt. und ist aus Holz gearbeitet. Seltsamerweise hat sie alle Kriegswirren und die Zerstörung der Kirche 1529 überdauert. Auf dem Hochaltar befinden sich noch 4 Holzplastiken. Links: der hl. Erzengel Michael und der hl. Josef. Rechts: der hl. Erzengel Raphael und der hl. Joachim. Im Presbyterium sind an den Wänden Kunstschätze angebracht. Links: der hl. Leopold (gotisch), am Presbyteriumpfeiler innen der Reliquienschrein mit der erloschenen Türkenfackel und außen der hl. Antonius. Rechts innen, Reliquienschrein mit unbekannten Reliquien und außen der hl. Josef. Die Seitenaltäre wurden 1785 aus anderen Kirchen übertragen. Der rechte Kreuzaltar zeigt ein geschnitztes Kruzifix mit dem Gekreuzigten, zur Seite seine Mutter Maria und seinen Lieblingsjünger Johannes. Der linke Seitenaltar zeigt in der Mitte den hl. Sebastian, rechts von ihm den hl. Rochus und links den hl. Florian. 1790 wurde vom Tischler Franz Kraft eine neue Kanzel samt Stiege angefertigt. Die Orgel wurde 1990-91 neu errichtet -das neugotische Prospekt blieb erhalten.. Der Turm beherbergt 5 Glocken - 4 davon wurden 1945 geweiht, die Vorgänger mussten für Kriegszwecke im 2. Weltkrieg abgeliefert werden und nur die Neunerin blieb wegen ihres schönen Klanges in den beiden Weltkriegen verschont. In den Jahren 1977-1982 wurde der Innenraum der Kirche, sämtliche Figuren, sowie die Kanzel und auch die Martinikapelle restauriert. Im Jahr 2009 fand eine neuerliche Restaurierung des Innenraums der Kirche statt. Dabei wurden neben einer Vergrößerung der Orgelempore, auch die Bänke im Hauptschiff aus ca. 1630 generalsaniert bzw. die Bänke in den Seitenschiffen neu angefertigt.
Quelle: Pfarrgeschichte Maria Anzbach

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#54
Wehrkirche Maria Anzbach "Mutter der Barmherzigkeit" Teil4:
ein weiterer Auszug der Pfarrgeschichte:
Die Martinikapelle befindet sich rechts vom Eingang in den ehemaligen Friedhof, der rund um die Kirche angelegt war. Diese Kapelle ist ein gotischer Bau aus der Zeit um 1400 und hat an der der Kirche zugewandten Seite einen sehenswerten gotischen Erker. Im Karner der Kapelle sind die Gebeine aus dem aufgelassenen Friedhof aufbewahrt. Südlich der Kirche befindet sich eine Gedenkstätte für die Gefallenen beider Weltkriege, die auf dem Boden einer vormaligen Gruftkapelle errichtet wurde.

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