Kärnten: Römerstraße und Höhensiedlung ober Irschen entdeckt

josef

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#1
Römerstraße ober Irschen entdeckt

In Irschen finden derzeit Ausgrabungen statt. Ein Innsbrucker Archäologenteam sucht nach einer Siedlung an einer Römerstraße. Die erste Grabung verlief vielversprechend. Initiiert wurde sie von einem Drautaler Amateurforscher, der jahrelang nicht locker ließ.

Am Burgbichl, südwestlich von Irschen, sind mitten im Wald seit zwei Wochen die Archäologen aus Innsbruck an der Arbeit. Grabungsleiter Gerald Grabherr folgte der Theorie des einheimischen Hobbyarchäologen Dietmar Simoner, der auf einem etwa einen Hektar großen Areal spätantike Reste vermutete. Tatsächlich wurde eine Höhensiedlung aus der Zeit zwischen dem vierten und dem sechsten Jahrhundert entdeckt.

„Sie ist zum Tal hin ausgerichtet und mit einer Umfassungsmauer abgeschlossen. Sie war also gut gesichert. Auf dem höchsten Punkt befindet sich auch eine frühchristliche Kirche. Wir haben Glück, denn die Reste sind recht gut erhalten“, so Grabherr. Teile der Kirchenmauern konnten bereits freigelegt werden, ebenso ein Wohnhaus unterhalb der Kirche, wo Keramikreste gefunden wurden.

Hobbyarchäologe forschte 20 Jahre
Simoner stammt aus der Gegend und hatte sich mehr als zwei Jahrzehnte damit beschäftigt, die Römerstraße im Drautal zu finden. Obwohl er von seinen Landsleuten und Archäologen eher belächelt wurde, ließ er nicht locker.

„Ich näherte mich dem Ganzen vom Gesamten her. Ich sagte mir, jetzt ist die Straße da, jetzt habe ich hier Straßenknoten - da muss ein Kultplatz sein“, so Simoner. Die erste Grabung verlief vielversprechend. Sowohl Dietmar Simoner, wie auch die Archäologen hoffen nun, dass die Mittel für eine zukünftige große Grabung zur Verfügung gestellt werden.
Text u. Bilder: http://kaernten.orf.at/news/stories/2787301/
 

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#2
Grabungen in Irschen werden fortgesetzt

Spätantike Höhensiedlung freigelegt

Die archäologischen Grabungen in Irschen (Oberkärnten) werden fortgesetzt. Forscher der Uni Innsbruck fanden eine spätantike Höhensiedlung, freigelegt wurden auch Reste einer großen frühchristlichen Kirche aus dem 3. Jahrhundert.

„Die bisherigen Funde sind wirklich etwas Besonderes. Der Platz bietet ein extremes Potenzial. Der Erhaltungszustand ist sehr gut“, sagt Grabungsleiter Gerald Grabherr. Das Besondere ist laut Grabherr, dass der Fund bisher unbekannt war, also gänzlich neu ist und so auch etwas gänzlich Unberührtes erforscht werden könne. Die bisherigen Freilegungen erfolgten im Rahmen einer Lehrveranstaltung des Instituts für Archäologien, Fachbereich Archäologie der Römischen Provinzen, unter der Leitung Grabherrs. Initiiert wurden die Grabungen vom Drautaler Amateurforscher Dietmar Simoner, der jahrelang nicht locker ließ.

Die Siedlung am Burgbichl in Irschen südlich der Drau lag zwischen Teurnia im Osten (bei Spittal) und Aguntum im Westen (bei Lienz/Osttirol) und war rund einen Hektar groß. Zu welchem Bistum sie gehörte, ist unklar. Die Niederlassung dürfte auch mit einer wichtigen Römerstraße zusammenhängen. Diese führte von Aquileia in Oberitalien über den Plöckenpass ins Gailtal und von dort über den Gailberg ins Drautal - und eben von dort weiter über Teurnia nach Osten oder auch nach Salzburg oder von Aguntum Richtung Brenner, erklärte Grabherr.

Kirche für 100 Besucher
Die Kirche der Höhensiedlung bot rund 100 Menschen Platz. Das Gebäude muss nach 265/266 nach Christus errichtet worden sein - denn auf diese Zeit datiert Grabherr eine in Rom geprägte Münze, die unter den Mauern freigelegt wurde. Die Umfassungsmauer der Kirche sei mit 140 Zentimetern Stärke „die stärkste, die wir überhaupt kennen“.

Dass Siedlungen in der Spätantike gut gesichert waren, sei eine Notwendigkeit gewesen, so der Grabungsleiter: „Rom war nicht mehr in der Lage, ausreichend für Sicherheit zu sorgen, es gab viele umherziehende Räuberbanden.“ Auch das Mauerwerk der Kirche selbst sei sehr gut erhalten. Die Kirche ist rund 11,5 Meter breit und etwa 18,5 Meter lang. Auch eine Metallverarbeitung und Zisternen für die Wasserversorgung wurden nachgewiesen.

Weiter Suche nach Römerstraße
Bei den weiteren Ausgrabungen würde der Fachmann gerne Befunde für die Wohnbebauung finden. Die Wissenschaftler suchen zudem Nachweise für die Römerstraße. Dass diese im Umkreis der Siedlung gefunden wird - und damit auf einer anderen Trasse als in der Jetztzeit - ist laut Grabherr wahrscheinlich. Denn die Römer bauten Bergstraßen gerne ohne Kehren, die damals Monumentalbauten waren, so der Wissenschaftler.

Hoffen auf weitere Förderungen
Die bisherigen Grabungen wurden von der Gemeinde Irschen, der Universität Innsbruck und vom Bundesdenkmalamt gefördert. Weitere Grabungen sind gesichert, allerdings in kleinerem Ausmaß. Um Höhensiedlung und Römerstraße ausreichend zu erforschen sind laut Grabherr rund 350.000 Euro nötig, eine für Archäologen in Österreich schwer aufbringbare Summe.

In Kürze wird eine Antrag beim Forschungsförderungsfonds gestellt, der größte Fördertopf in Österreich, gespeist aus öffentlichen und privaten Geldern. Die Bewilligungsquote, so Grabherr, liegt allerdings nur bei rund 15 Prozent.
Text u. Bilder: http://kaernten.orf.at/news/stories/2810706/
 

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#3
Der Burgbichl in Irschen – ein archäologisches Highlight in Oberkärnten

Die frühchristliche Basilika auf dem höchsten Punkt des Berges ist außergewöhnlich gut ausgestattet, zahlreiche Funde erfreuen die Grabungsleitung
Bereits zum zweiten Mal finden diesen Sommer im Kärntner Irschen archäologische Ausgrabungen auf dem Burgbichl, einem circa 170 Meter hohen Hügel an der Südseite der Drau, statt. 2016 konnte die Vermutung bestätigt werden, dass es sich bei den über Tage sichtbaren Mauern um die Überreste einer spätantiken Siedlung (5. beziehungsweise 6. Jahrhundert n. Chr.) handeln könnte.

Seit 2017 wird die Grabung vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck gemeinsam mit dem Institut für Kulturgeschichte der Antike an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt. Finanzielle Unterstützung gibt es auch vonseiten des Bundesdenkmalamts und der Gemeinde Irschen. An den Ausgrabungen beteiligen sich engagierte Asylsuchende aus der Umgebung. Die Forschungen in Irschen stießen bereits im vergangenen Jahr auf großes Interesse bei der lokalen Bevölkerung.

Entdeckungen und Erwartungen
Nach den Ergebnissen des Vorjahres sind die Erwartungen auch dieses Jahr sehr hoch. 2016 konnte die Umfassungsmauer der Höhensiedlung freigelegt werden. Es handelt sich dabei um eine massive Struktur, die noch bis in eineinhalb Metern Höhe erhalten ist und die Siedlung talseitig gegen unbefugten Zutritt sicherte.

Auf dem höchstgelegenen Plateau des Burgbichls wurde das religiöse Zentrum der Siedlung vermutet. Dies konnte in mehreren Flächen nachgewiesen werden, da sich hier die Relikte einer frühchristlichen Kirche abzeichneten. Ein Abschnitt der Apsis wurde ebenso freigelegt wie Teile des Zentralraumes. Der Erhaltungszustand der Mauerstrukturen war überraschend gut, und es wurden Reste des antiken Bodens dokumentiert. Als Besonderheit kam ein als Stufe wiederverwendeter Marmorblock zutage.

Exzeptionell ausgestattete Kirche
Angrenzend an den im Vorjahr ergrabenen Abschnitt der Umfassungsmauer wird heuer der Torbereich erforscht, der sich an der topografisch plausibelsten Stelle der Höhensiedlung befindet. Bereits jetzt zeichnet sich mindestens eine Erhaltungshöhe von eineinhalb Metern ab.

Eine weitere Zielsetzung der diesjährigen Kampagne besteht darin, die Eingangssituation der Kirche sowie das Aussehen des Altarraumes zu klären. Beide Erwartungen konnten erfüllt werden: Der Eingang zum Zentralraum erfolgte über eine Schwelle aus zwei bearbeiteten Marmorblöcken. Neben dem Verlauf der Apsismauer zeichnet sich im Altarraum bereits eine freistehende gemauerte Priesterbank ab. Ebenso wurde ein marmornes Kapitell, das eventuell Teil der Altarschranke ist, gefunden. Bisher kann bereits festgehalten werden, dass die Ausstattung der Kirche aufgrund der großen Anzahl an Marmorfragmenten exzeptionell ist.

Außerordentlich gut erhaltenes Wohngebäude
Am Ostrand der Siedlung, etwas versteckt, hat das Archäologenteam mehrere Mauerstrukturen freigelegt, die sich bereits unter dem Bewuchs abzeichneten. Die Erhaltungsbedingungen in diesem Bereich sind außerordentlich gut, sodass es hier den Ausgräbern sogar möglich war, Wandverputz flächig zu dokumentieren. Eine Verbindung der bisher ausgegrabenen Räume ist durch die Entdeckung mehrerer Durchgänge nachgewiesen. Neben den massiven Steinmauern dürfte der Bau auch über Holzstrukturen verfügt haben.

Sehr zur Freude der Grabungsleitung wurden bereits in den ersten zwei Wochen zahlreiche Fundstücke geborgen, darunter Münzen, Bronzefibeln und einige andere Metallgegenstände sowie Keramikbruchstücke und Knochen. Darunter befinden sich auch Funde aus dem 2. und 3. Jahrhundert n. Chr., die auf eine frühe Nutzung des Burgbichls in der römischen Kaiserzeit deuten.

Für die ausstehenden eineinhalb Wochen hoffen die Archäologen noch weitere aufschlussreiche Strukturen freizulegen und zahlreiche Funde zu bergen – und natürlich blicken wir schon gespannt auf den nächsten Sommer auf dem Berg.
(Katharina Blasinger, Sarah Defant, Felix Kainrath, 3.8.2017)

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Der Burgbichl in Irschen


foto: universität innsbruck
Ausgrabungen im Torbereich


foto: sarah defant
Marmorschwelle im Eingangsbereich der Kirche


foto: universität innsbruck
Marmornes Säulchenfragment mit Kapitell aus dem Altarraum


foto: universität innsbruck
Ausgrabungen im Wohngebäude

derStandard.at
 

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#4
Burgbichl Irschen: Fenster zur Vergangenheit
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Am Burgbichl in Irschen forschen Archäologen der Universität Innsbruck und der Akademie der Wissenschaften seit 2016 an einer spätantiken Höhensiedlung samt frühchristlicher Kirche. Die Siedlungsreste zählen zu den besterhaltenen im ländlichen Raum.
Online seit heute, 18.52 Uhr
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Der Burgbichl südlich der Drau in Irschen ist nur von Norden her auf einem steilen Weg zu erklimmen. Die Bewohner der spätantiken Höhensiedlung haben sich im 5. und 6. Jahrhundert mit einer breiten Mauer vor Eindringlingen geschützt.

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Der Burgbichl von Oben betrachtet

Ausgrabung befördert immer Neues zu Tage
Neben ihr haben Archäologen mit Freiwilligen und Studierenden aus Österreich, Italien, Slowenien und Griechenland weitere Besonderheiten zutage gefördert: Etwa eine 2,80 Meter tiefe Zisterne, einst ein Regenwasserspeicher. Grabungsleiter Gerald Grabherr von der Universität Innsbruck sagte: „Wenn man als Archäologe einmal vor so erhaltenen Mauern steht, dann ist das auch für den Fachmann ein beeindruckendes Erlebnis und Gefühl.“

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Junge Archäologin in der gefundenen Zisterne

Weitere Gräber in frühchristlicher Kirche freigelegt
Am höchsten Punkt stand einst die frühchristliche Kirche. Wo die Forscher eine Vorhalle vermuteten, wurden nun weitere Gräber freigelegt. Grabherr: „Der Befund mit dem Stiftergrab ist einzigartig. So etwas kennen wir nirgends. Das ist schon eine Topgeschichte für uns und freut uns natürlich dann umso mehr, wenn man die Möglichkeit hat, so etwas auszugraben.“

„Wichtiger Schritt in wissenschaftliches Neuland“
Die Wohnhäuser waren auf Terrassen angelegt. Dieses ist für die damalige Zeit besonders groß und luxuriös gewesen, weiß Christian Gugl vom Österreichisch-Archäologischen Institut: „Das findet man in der Form nur an seltenen Plätzen in unserer Region, also würde ich schon meinen, dass wir hier einen wichtigen Schritt in wissenschaftliches Neuland getan haben.“

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Die Dimension der Wohnhäuser überrascht die Forscher

Gefunden wurden für die Spätantike typische Bronzefibeln, Spangen oder Gürtelschnallen. Dieses Fibelfragment ist noch wesentlich älter, aus der Hallstattzeit Mitte des ersten Jahrtausends vor Christus. Schon damals könnte sich auf dem Burgbichl ein Heiligtum befunden haben, wird vermutet.

Themenerlebnisweg und „Burgbichl-App“ geplant
Möglich ist das Grabungsprojekt dank EU-Förderungen. Mit ihnen plant die Gemeinde Irschen nun einen Themenerlebnisweg auf den Burgbichl.
Projektkoordinatorin Martina Linzer: „Es werden Informationstafeln da sein, die dann analog auch die wichtigste Information wiedergeben, aber dementsprechend kombiniert mit einer App, wo man die ‚erweiterte Realität‘ erleben kann und der Römer Gaius Julius uns erzählt, was hier vor 2.000 Jahren Sache war.“
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Am Freitag haben sich rund 100 Einheimische ein Bild von den Ausgrabungen gemacht. Diese werden kommende Woche beendet, doch auch in den nächsten Jahren gibt es am Burgbichl noch viel zu erforschen.
30.07.2021, red, kaernten.ORF.at

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Burgbichl Irschen: Fenster zur Vergangenheit
 
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