Gustloff-Werke in Hirtenberg (Stammwerk , Werk Lindenberg und Kottingbrunn) sowie Enzesfelder Metallwerke

josef

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Leobersdorf
Gewerbepark auf KZ-Areal geplant
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In Leobersdorf (Bezirk Baden) soll auf dem Areal des ehemals zweitgrößten Frauen-Konzentrationslagers in Österreich ein Gewerbepark gebaut werden. Vom Verkauf des Grundstücks soll laut „Falter“ und „Wiener Zeitung“ der Bürgermeister profitiert haben.
Online seit heute, 14.20 Uhr (Update: 14.28 Uhr)
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Auf der 81.000 Quadratmeter großen Wiese am Ortsrand von Leobersdorf erinnert heute nichts mehr an den Stacheldraht, die Baracken und das Leid der Frauen, die in der Zeit des Nationalsozialismus hier untergebracht waren, um in der nahen Munitionsfabrik für das Dritte Reich zu schuften. Schon bald sollen hier Baumaschinen auffahren, berichtete die ORF-Sendung „Report“ am Dienstag. Die Wiener Firma TRA LEO will auf der Fläche Gewerbehallen errichten. Die Baugenehmigung liegt schon vor.

In den Lagern starben laut dem Lokalhistoriker Erich Strobl von der Initiative Gedenken KZ Hirtenberg zwischen Mitte 1943 und Anfang 1945 fast 200 Menschen, darunter 59 Kinder. „Es ist ein Verdrängen der Geschichte im Zusammenhang mit Geschäftemacherei“, so Strobl, „der Profit ist wichtiger als die Natur und die Vergangenheit.“

Erich Strobl
Auf dem Gelände befand sich einst das zweitgrößte Konzentrationslager für Frauen in Österreich

Wie Recherchen von Helga Lazar und Alexander Sattmann für „Report“ gemeinsam mit der Wochenzeitung „Falter“ und der „Wiener Zeitung“ online ergaben, geht es nicht nur um moralische Komponenten, sondern auch um ein zweifelhaftes Geschäft. Das Gelände hatte bis vor Kurzem noch einer Immobilienfirma des Bürgermeisters von Leobersdorf gehört. Diese verkaufte es an den aktuellen Investor, der Gemeinderat widmete Teile des Areals von öffentlich auf privat um.

Die Firma des Bürgermeisters soll daraufhin eine „Kaufpreisbesserung“ kassiert haben. Eva Konzett, Leiterin des Politikressorts im „Falter“ spricht von einer „satten Prämie von mehr als einer Million Euro“.

Bürgermeister: „Keine Funde mehr“
Bürgermeister Andreas Ramharter, der seit zwölf Jahren mit einer eigenen Bürgerliste Ortschef von Leobersdorf ist, und der Investor wollten auf Anfrage des „Report“ kein Interview zu den Vorwürfen geben. Ramharter teilte via schriftlicher Stellungnahme mit, dass es auf dem Gelände „keine Funde“ mehr gebe, eine „Befangenheit der Organe der Gemeinde“ sei „nicht gegeben“. Auf Zahlungen ging er nicht ein.

Das Bundesdenkmal sieht keine Möglichkeit, einzugreifen. Unter der Erde gebe es zwar noch Fundamente und vereinzelt Alltagsutensilien, das reiche allerdings nicht aus, um das Gelände unter Schutz zu stellen. „Die Stätte an sich hat eine zeitgeschichtliche Brisanz, das wissen wir“, sagte Petra Weiss, Fachdirektorin im Bundesdenkmalamt, im Interview mit dem „Report“. Man sei deshalb bereits mit allen Stakeholdern und Behörden in Kontakt getreten, um zu informieren und aufmerksam zu machen. Auf die mögliche Bebauung und die Flächenwidmung habe man „keinen Einfluss, leider“, so Weiss.

Kritik von Opposition
Die SPÖ-Sprecherin für Erinnerungskultur, Sabine Schatz, bezeichnete die Baupläne am Mittwoch als „unerträgliche Geschichtsvergessenheit“ und forderte einen Stopp des Projekts. „Die historische Verantwortung gegenüber den Opfern der NS-Zeit verlangt einen respektvollen Umgang mit diesen Orten“, teilte die Nationalratsabgeordnete in einer Aussendung mit. Sie verlangte ein Eingreifen des Bundes, um das Gelände langfristig als Gedenkstätte zu sichern.

Helga Krismer, Klubobfrau der Grünen in Niederösterreich, ortete in der Causa ein „erschreckendes Beispiel dafür, wie mit historisch sensiblem Boden umgegangen wird, wenn wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen.“ Zudem kritisierte sie die Flächenversiegelung in Leobersdorf. Die Grünen würden in Folge derzeit einen Antrag zur Änderung des NÖ Raumordnungsgesetzes vorbereiten, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung. Darin fordere man ein Bebauungsverbot für historisch belastete Grundstücke.

Kritik kam auch von NEOS-Landeschefin Indra Collini. Die Causa offenbare „nicht nur den enormen Handlungsbedarf bei den Kontrollmechanismen innerhalb von Gemeinden – insbesondere bei denen mit absoluten Mehrheiten –, sondern auch die Notwendigkeit, über einen strengeren Wertekompass für Bürgermeister nachzudenken.“ Im aktuellen Fall sei jedenfalls zu prüfen, „was der Gemeinderat in dieser komplexen Umwidmungsabstimmung genau wusste und was vielleicht auch nicht.“

WWF kritisiert Raumordnung
„Die fragwürdigen Grundstücks-Deals zeigen erneut, dass es in der Raumordnung massive strukturelle Probleme gibt“, forderte WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories in einer Aussendung Kompetenz-Reformen sowie schärfere Gesetze und Kontrollen. Zudem müsse ausgeschlossen werden, dass Bürgermeister gleichzeitig in der Immobilien- oder Bauwirtschaft tätig sein dürfen, weil das potenziellen Unvereinbarkeiten bei Umwidmungen Tür und Tor öffne.
13.11.2024, red, noe.ORF.at

Links:
„Falter“-Artikel
Gewerbepark auf KZ-Areal geplant
 

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Das wird aber auch von den Journalisten gesagt, dass das Gelände seit langem zur Bebauung gewidmet ist. Es geht aber auch darum, dass sich die Sensibilität gegenüber derartigen Flächen, in denen sehr wohl, obwohl der Bürgermeister das Gegenteil behauptet, noch Fundamente vorhanden sind und Funde aus der NS-Zeit gemacht werden könnten, in den letzten Jahren deutlich erhöht hat. Dass bei dem Bürgermeister nur der Euro zählt, geht schon aus seiner Reaktion hervor, die er gegenüber dem Memorial Mauthausen gezeigt hat, als er sich gegen eine Erinnerungstafel oder ein Denkmal ausgesprochen hat, nicht nur an dieser Stelle, sondern auch in Hirtenberg.
 

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Es kommt Bewegung in die Angelegenheit.

Initiative: Gedenkstätte statt Gewerbepark

Dass auf dem Areal des zweitgrößten Frauenkonzentrationslagers in Leobersdorf (Bezirk Baden) ein Gewerbepark gebaut werden soll, sorgt für große Empörung. Nun setzt sich eine Initiative dafür ein, stattdessen einen Gedenkort zu schaffen.

Mindestens 400 Frauen wurden im Konzentrationslager in Leobersdorf von den Nazis interniert, viele davon auch ermordet. Wie vor Kurzem bekannt wurde, soll an jenem Ort nun ein Gewerbepark errichtet werden. Mit dem Deal soll der Bürgermeister der Gemeinde Millionen verdient haben – mehr dazu in Gewerbepark auf KZ-Areal geplant (noe.ORF.at; 13.11.2024).

Das sorgt für Empörung, etwa beim Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, dem Mauthausen Komitee und bei der Direktorin des Mauthausen Memorial. Sie wollen versuchen, auf dem Areal einen Gedenkort zu schaffen – eine Initiative, die vom Innenministerium Rückendeckung erhält. Dieses ist auch für Gedenkstätten zuständig. Auf Nachfrage von Ö1 heißt es dort inoffiziell, dass das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen sei.

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Die Israelitische Kultusgemeinde weist zudem darauf hin, dass es nicht um jüdische NS-Opfer gehe, sondern um mehr als 400 Frauen vor allem aus der damaligen Sowjetunion, aus Polen und aus Italien. „Es muss sichergestellt werden, dass auf dem Areal des ehemaligen KZ in öffentlichkeitswirksamer Weise an dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte erinnert wird und es nicht mit einem Shoppingcenter überdeckt wird“, so der Präsident der Israelitische Kultusgemeinde, Oskar Deutsch.

Initiative will Überzeugungsarbeit leisten

Die Initiative für eine Gedenkstätte wurde von Barbara Glück, der Direktorin des Mauthausen Memorial, ins Leben gerufen. Deutsch unterstützt diese, ebenso wie Willi Mernyi vom Mauthausen Komitee. Gemeinsam wollen sie in der Gemeinde und beim Grundeigentümer Überzeugungsarbeit leisten.

„Die Idee ist, dass wir einen Appell an die Gemeinde Leobersdorf und den Bürgermeister richten, dass wir uns gemeinsam mit ihnen zusammensetzen und ausverhandeln: Wie kann Gedenken heute vor Ort stattfinden und wie können wir die Geschichte in Leobersdorf aufarbeiten?“, so Glück im Gespräch mit Ö1-Redakteur Stefan Kappacher.

Recherchen von „Wiener Zeitung“ und „Falter“ hatten aufgedeckt, dass das Gelände bis vor Kurzem noch einer Immobilienfirma des Bürgermeisters von Leobersdorf gehört hatte, die er schließlich an den aktuellen Investor verkauft hatte. Der Gemeinderat hatte Teile des Areals von öffentlich auf privat umgewidmet. Will die Republik die KZ-Gründe nun zurückkaufen?

Glück meint dazu: „Ein Kauf alleine schafft kein Bewusstsein. Eine Unterschutzstellung alleine schafft kein Bewusstsein und kein miteinander Auseinandersetzen. Gedenken ist heute immer ein Prozess, und wenn wir diesen Prozess starten, wissen wir oft gar nicht, wo es uns am Ende des Tages hinführt.“

„Begreifen, dass es nur gemeinsam geht“

Als Beispiel nennt Glück das ehemalige KZ Gusen in Oberösterreich. Dort gab es für die Weiterentwicklung der Gedenkstätte einen Beteiligungsprozess, die Republik kaufte dafür in den Jahren 2021/22 Grundstücke an. Wie lange kann so ein partizipativer Prozess in Leobersdorf dauern?

„In Gusen haben wir uns eineinhalb Jahre Zeit genommen“, sagt die Direktorin des Mauthausen Memorial. Man könne die Orte aber nicht miteinander vergleichen. Der wichtigste Schritt sei „für uns alle, einmal zu begreifen und zu verstehen, dass es nur gemeinsam geht und dass wir die Bereitschaft haben, uns gemeinsam an einen Tisch zu setzen“.

APA/Mauthausen Memorial/Bernhard Mühleder
Beim ehemaligen KZ Gusen gab es für die Weiterentwicklung der Gedenkstätte einen Beteiligungsprozess

Die Unterstützung der Politik sei da, aber das allein reiche eben nicht aus, sagt Glück. Ihr Mitstreiter Oskar Deutsch hat in puncto Gedenkarbeit noch eine Forderung an die Politik, wie er gegenüber Ö1 sagt: Sie müsse von vornherein auch kleinere Gemeinden in die Pflicht nehmen und mehr Sensibilität im Umgang mit Orten nationalsozialistischer Verbrechen einfordern.

Stefan Kappacher, Ö1, und red, noe.ORF.at
Quelle: Initiative: Gedenkstätte statt Gewerbepark
 

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Keine Erinnerung an ehemaliges Frauen-KZ?

Neuerlicher gemeinsamer Appell von der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, dem Mauthausen Komitee Österreich, der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und der Lokalinitiative KZ-Gedenkstätte Mauthausen-Außenlager Hirtenberg für ein würdiges Gedenken am Ort des einstigen zweitgrößten Frauen-KZ

Am ehemaligen Areal des Mauthausen-Außenlagers Hirtenberg auf Gemeindegebiet Leobersdorf haben angesichts umfangreicher Materiallieferungen offensichtlich die Vorbereitungen für den Bau von drei Gewerbehallen begonnen.

Mit Entsetzen haben die KZ-Gedenkstätte Mauthausen, das Mauthausen Komitee Österreich, die Israelitische Kultusgemeinde Wien, Niederösterreich und Burgenland und die Lokalinitiative KZ-Gedenkstätte Mauthausen-Außenlager Hirtenberg vom bevorstehenden Baubeginn am Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Hirtenberg erfahren.

Ab September 1944 wurden mehr als 400 Frauen, die meisten aus Auschwitz kommend, in dem KZ Hirtenberg interniert. Unter unvorstellbarem Leid mussten die Frauen in der angrenzenden Munitionsfabrik am Lindenberg täglich Zwangsarbeit leisten. Seit mehreren Jahren setzen sich die KZ-Gedenkstätte Mauthausen und das Mauthausen Komitee Österreich gemeinsam mit der Lokalinitiative KZ-Gedenkstätte Mauthausen-Außenlager Hirtenberg um Erich Strobl für ein Gedenken an die Opfer des zweitgrößten Frauen-KZ in Österreich ein.

Seit 2021, unmittelbar nach Bekanntwerden der geplanten Verwertung des historisch belasteten Areals zu gewerblichen Zwecken, machte die KZ-Gedenkstätte Mauthausen auf die Problematik einer kommerziellen Überbauung aufmerksam und war bemüht, die Entscheidungsträger über die Geschichte des KZs zu informieren und zu sensibilisieren. Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen hatte umgehend Kontakt mit den Eigentümern der Liegenschaft und dem Bundesdenkmalamt aufgenommen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten, jedoch letztlich erfolglos, versucht, für das Areal des ehemaligen Frauen-KZ Hirtenberg und die darauf befindlichen baulichen Relikte eine ihrer historischen und moralischen Bedeutung angemessene Bewertung zu erwirken.

Am 22. November richteten wir einen Appell an Bürgermeister Ramharter, aktiv an der Aufarbeitung der NS-Geschichte der Region mitzuwirken. Er kündigte an, gesprächsbereit zu sein. Das Angebot, einen konstruktiven Weg zu beschreiten und gemeinsam gelebtes Gedenken an die Opfer des KZ Hirtenberg vor Ort zu etablieren, erging auch an den Eigentümer Dr. Rattensperger. Es blieb bis dato unbeantwortet.

Wir appellieren erneut und mit der gebotenen Dringlichkeit daran, die Bauabsichten hintanzustellen und umgehend mit allen Beteiligten und Interessensvertretern in einen Dialog zu treten, um gemeinsam zu erarbeiten, wie die Geschichte des Ortes sichtbar und ein angemessenes, würdiges Gedenken an die Opfer des Frauen-KZ Hirtenberg vor Ort möglich gemacht werden kann.

Ein aufrichtiger Umgang mit der Geschichte und der Verantwortung, die sich daraus ableitet, dient der Zukunft. Wir betonen dies gerade in Hinblick auf andere vergleichbare Orte, an denen wir heute mit den Versäumnissen und Fehlentscheidungen der Vergangenheit und längst überwunden geglaubten Praktiken der Auslöschung von Erinnerung ringen und diese wettzumachen versuchen.
Quelle: Mauthausen Memorial / KZ-Gedenkstätte
 

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Gewerbepark auf KZ-Areal: Arbeitsgruppe geplant

In Leobersdorf (Bezirk Baden) soll auf einem ehemaligen KZ-Areal ein Gewerbepark gebaut werden. Damit verbundene Umwidmungen sowie die moralische Komponente sorgten zuletzt für Aufregung. Nun soll sich eine Arbeitsgruppe mit dem geplanten Projekt beschäftigten.

Das KZ Hirtenberg war einst das zweitgrößte Frauen-Konzentrationslager in Österreich, nun soll auf der 81.000 Quadratmeter großen Wiese am Ortsrand von Leobersdorf ein Gewerbepark entstehen. Die Baugenehmigung liegt bereits vor. Das Projekt sorgte zuletzt für Aufregung – unter anderem soll der Leobersdorfer Bürgermeister Andreas Ramharter (Liste Zukunft Leobersdorf) mit dem Grundstücksverkauf mehr als eine Million Euro verdient haben – mehr dazu in Gewerbepark auf KZ-Areal geplant (noe.ORF.at, 13.11.2024).

Zumindest in Bezug auf die moralische Komponente ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. In der heuer letzten Gemeinderatssitzung wurde nach einem Appell des Mauthausen Memorials einstimmig eine Arbeitsgruppe beschlossen. Darin soll über Gedenkmöglichkeiten diskutiert werden – unter anderem mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinde, dem Mauthausen Memorial und Historikerinnen und Historikern – mehr dazu in Initiative: Gedenkstätte statt Gewerbepark (noe.ORF.at; 23.11.2024).

Arbeitsgruppe soll nach Gemeinderatswahl starten

Die Gruppe soll ihre Arbeit aber erst nach der Gemeinderatswahl im Jänner aufnehmen. Erst dann sei klar, wer auch künftig in der Gemeinde noch vertreten sei, so Ramharter im Gespräch mit noe.ORF.at. Die Gemeinde sei zwar offen für die Gespräche, aber derzeit nur mehr „eingeschränkt handlungsfähig“. Auch eine an ihn zuletzt oft gerichtete Forderung nach einer Um- bzw. Rückwidmung sei nicht möglich. Zum einen könne er das nicht allein entscheiden, zum anderen brauche das eine längere Vorarbeit, so der Bürgermeister.

Beim Mauthausen Memorial wird die Zustimmung für die Arbeitsgruppe jedenfalls begrüßt. Mit dem Start nach der Wahl würde man die Diskussion jedoch aufschieben, meint Ute Bauer-Wassmann vom Gedenkbüro. Bis dahin könnten bereits andere Diskussionsvoraussetzungen herrschen, schließlich wurde der Bau des Gewerbeparks bereits genehmigt. An den Gesprächen halte man in jedem Fall fest, unter anderem weil zahlreiche Menschen in der Region an einer Aufarbeitung interessiert seien. Zu der Arbeitsgruppe habe man auch den neuen Eigentümer des Areals geladen – bisher habe man aber keine Antwort erhalten.

red, noe.ORF.at
Quelle:Gewerbepark auf KZ-Areal: Arbeitsgruppe geplant
 
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Eine Sauerei ist das – die Rechte der Bürgermeister gehören deutlich beschnitten.
Laut Falterbericht 47/24 vom 20.11.2024 sagt der niederösterreichische Finanzlandesrat Ludwig Schleritzko betreffend Verkauf des historisch belasteten Grundstücks im Jahr 2021 sowie zweier nachträglicher Umwidmungen, die dem Bürgermeisters Immobilienunternehmen zusätzlich Geld einbrachte: „Die Regelungen über die Befangenheit von Gemeindeorganen haben sich bisher bewährt.

Der Gemeindebundpräsident Johannes Pressl mahnt zum besagten Grundstücksverkauf in Leobersdorf am 19.11.2024 in der SN: „Für persönliche Befangenheit gibt es klare Regeln, die auch in der Gemeindeordnung definiert sind.“

Das ist gelebter österreichischer Förderalismus ...
 
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Leobersdorf
Gewerbepark auf KZ-Areal geplant
Bezüglich Bürgermeisters Aussage: „Keine Funde mehr.“ Bürgermeister Andreas Ramharter, der seit zwölf Jahren mit einer eigenen Bürgerliste Ortschef von Leobersdorf ist, und der Investor wollten auf Anfrage des „Report“ kein Interview zu den Vorwürfen geben. Ramharter teilte via schriftlicher Stellungnahme mit, dass es auf dem Gelände „keine Funde“ mehr gebe. Die entsprechenden Untersuchungen sind aber diesbezüglich klar:


Bericht zur geophysikalischen Prospektion - Weinberglager KG Leobersdorf (Juli 2020)
(20.01 Bericht Geophysikalische Prospektion - Untersuchungszeitraum: 06.07.2020–13.07.2020;
ARDIG-Archäologischer Dienst GesmbH)

Der Bericht zur geophysikalischen Prospektion aus dem Juli 2020 stellt eine zentrale wissenschaftliche Grundlage für die Beurteilung des Areals dar. Durch den Einsatz nicht-invasiver Messmethoden konnten trotz späterer Geländeüberformungen wesentliche Erkenntnisse über die historische Nutzung und die im Boden erhaltenen Strukturen gewonnen werden.

1. Anlass und Rahmenbedingungen der Untersuchung
Der Bericht nennt auf den Seiten 2 und 3 ausdrücklich als Anlass der Maßnahme die „geplante Aufschließung“ des Areals.
Damit wird deutlich, dass die archäologische Untersuchung im Kontext konkreter baulicher Entwicklungsabsichten durchgeführt wurde. Ziel war es, vor einer möglichen Umwidmung oder Bebauung den Bestand an archäologischen Relikten fachlich zu erfassen.

Diese Ausgangslage erklärt, warum der Bericht in der öffentlichen Diskussion besondere Aufmerksamkeit erlangt hat: Er steht im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Nutzungsinteressen und der Verantwortung gegenüber einem historisch belasteten Ort.

2. Historische Einordnung des Areals
Der Bericht bestätigt auf Seite 7 die historische Nutzung des Geländes als Lagerkomplex.
Struktur des Lagers: Das Areal umfasste ein Kriegsgefangenenlager, ein Zwangsarbeiterlager sowie – ab 1944 – ein KZ-Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen. Die Anlage war mit Stacheldraht umzäunt.
Lage: Das Gelände befindet sich östlich des Friedhofs Hirtenberg, liegt jedoch verwaltungstechnisch auf dem Gebiet der Katastralgemeinde Leobersdorf („Weinberg“).
Diese Feststellungen basieren auf historischer Forschung und werden durch die geophysikalischen Messungen zusätzlich untermauert.

3. Archäologische Befunde
Trotz erheblicher Überdeckungen durch Bauschutt (u. a. infolge des Autobahnbaus in den 1960er-Jahren) konnten mittels Geomagnetik und Georadar eindeutige Strukturen im Untergrund identifiziert werden (S. 23–24):
Barackenfundamente: Nachgewiesen wurden Reste von Beton-Streifenfundamenten ehemaliger Holzbaracken.
Lagerinfrastruktur: Es konnten drei unterschiedliche Barackentypen festgestellt werden, die auf verschiedene Nutzungen (Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge) hinweisen.
Splitterschutzgräben: Im östlichen Bereich wurden noch erhaltene, zickzackförmige Gräben erkannt, die dem Schutz vor Luftangriffen dienten.
Abgrenzungen: Hinweise auf Metallsteher deuten auf Zaunanlagen hin, die einzelne Lagerbereiche voneinander trennten.


Zusammenfassende Bewertung
Der Bericht belegt eindeutig, dass sich auf den Parzellen 1296/12, 1296/13 und 1296/14 weiterhin substanzielle bauliche Überreste des ehemaligen KZ-Außenlagers und Zwangsarbeiterlagers im Boden befinden.
Damit wird wissenschaftlich bestätigt, dass das Areal keineswegs als „befundfrei“ zu betrachten ist. Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass eine mögliche Bebauung in der öffentlichen Debatte kritisch gesehen wird, da sie mit einem irreversiblen Verlust historischer Substanz verbunden wäre.
Der Bericht liefert somit eine wichtige fachliche Grundlage für die gesellschaftliche und politische Diskussion über den zukünftigen Umgang mit diesem sensiblen Erinnerungsort.


Archäologische Voruntersuchung im Bereich des ehemaligen KZ-Außenlagers Hirtenberg (KG Leobersdorf), Oktober 2022
(04018.22.01 Bericht Archäologische Voruntersuchung - Untersuchungszeitraum: 12.09.2022–15.09.2022, ARDIG-Archäologischer Dienst GesmbH)


Der archäologische Voruntersuchungsbericht aus Oktober 2022 (Sondagen/Grabungen) stellt im Vergleich zur Georadar-Untersuchung von 2020 einen wesentlichen Erkenntnisfortschritt dar. Er liefert erstmals konkrete physische Befunde und ermöglicht damit eine fundierte wissenschaftliche sowie rechtliche Bewertung des Areals.

1. Wissenschaftliche und materielle Ergebnisse
Bestätigung erhaltener Bausubstanz: Die Grabungen belegen eindeutig die in situ erhaltene bauliche Substanz des ehemaligen KZ-Außenlagers. Dokumentiert wurden unter anderem Betonfundamente von Baracken, Betonböden sowie Kanalschächte. Teile dieser Strukturen liegen lediglich 20–40 cm unter der Oberfläche, im nordwestlichen Bereich treten sie stellenweise sogar sichtbar zu Tage.
Sachzeugnisse des Lageralltags: Gefundenes Metallgeschirr, Porzellanfragmente, Medikamentenfläschchen – die auf eine medizinische Versorgung unter Mangelsituationen hindeuten – sowie Projektile und Munition verleihen dem Ort eine hohe historische Authentizität. Diese Funde verdeutlichen die Funktion des Areals als Ort von Zwang, Gewalt und Leid.
Einordnung als Rechtsdenkmal: Der Bericht klassifiziert die Befunde ausdrücklich als „Rechtsdenkmal“ (S. 2). Damit wird das Gelände rechtlich aus der Kategorie gewöhnlicher Bauflächen herausgehoben und erhält einen besonderen Schutzstatus.

2. Politische und ethische Dimension
Der Bericht widerlegt zentrale Argumente jener Akteure, die eine bauliche Nutzung des Areals befürworten.
Dokumentierte Planungsabsicht: Als Anlass der Untersuchung wird ausdrücklich die „geplante bauliche Nutzung des Areals“ genannt. Dies zeigt, dass seitens der Gemeinde im Jahr 2022 konkrete Überlegungen zur Bebauung bestanden, trotz bekannter historischer Belastung des Standorts.
Fehlende Möglichkeit einer schonenden Bebauung: Angesichts der geringen Tiefe der Fundamente – teils unmittelbar unter der Grasnarbe, teils sichtbar – ist eine bauliche Nutzung ohne substanzielle Eingriffe faktisch nicht realisierbar. Jede Bautätigkeit würde zwangsläufig in die historischen Strukturen eingreifen.
Spannungsfeld zur Erinnerungskultur: Die wissenschaftlich bestätigten Lagerreste machen das Areal zu einem authentischen Erinnerungsort. Eine Umwidmung in ein Gewerbegebiet würde daher in einem sensiblen Spannungsverhältnis zur gesellschaftlichen Verantwortung im Umgang mit NS-Tatorten stehen.

3. Rolle des Bundesdenkmalamtes (BDA)
Funktion als fachliche Instanz: Das BDA ordnete die Untersuchung als Voruntersuchung bzw. Rettungsgrabung an, ein übliches Verfahren, um Befunde vor möglichen Eingriffen zu dokumentieren.
Unterschied zwischen Dokumentation und Schutz: Obwohl der beauftragte Fachbericht die Strukturen als Rechtsdenkmal einstuft, wurde nach Medienberichten Ende 2024 keine dauerhafte Unterschutzstellung ausgesprochen.

Folgen der Entscheidung: Durch die Nicht-Erteilung eines langfristigen Schutzstatus – unter Bezugnahme auf eine enge juristische Auslegung des Denkmalbegriffs – entstand für andere Akteure die Möglichkeit, auf die formale Erfüllung denkmalrechtlicher Auflagen zu verweisen. Gleichzeitig bleibt damit die Frage offen, wie ein angemessener Umgang mit den belegten historischen Strukturen langfristig sichergestellt werden kann.


Bezüglich der weiteren Stellungnahme des Bürgermeisters Ramharter, wo er von Kontakt mit dem Mauthausen Memorial und dem Bundesdenkmalamt sprach: „Wir haben das sauber abgearbeitet und immer die Kooperation gesucht.“

Dazu hat die Kommunikationsleiterin Valerie Seufert der KZ-Gedenkstätte Mauthausen folgende richtiggestellt:

"Bürgermeister Ramharter hat seinerseits nie proaktiv Kontakt zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen gesucht. Der aktuelle Eigentümer des KZ-Areals wurde von der KZ-Gedenkstätte Mauthausen umfassend über die KZ-Geschichte des MauthausenAußenlagers Hirtenberg informiert. Auf telefonische und schriftliche Anfragen und Gesprächsangebote der Gedenkstätte, gemeinsam Möglichkeiten des Gedenkens an die Opfer des Außenlagers Hirtenberg zu erörtern, reagierten Bürgermeister Ramharter bzw. seine Prisma GmbH nicht oder ablehnend."

Konkret wandten wir uns 2021 an Prisma und schilderten
  • die historische Vergangenheit der Baugründe
  • den gesetzmäßigen Auftrag der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
  • den Wunsch mit den Beteiligten in einen konstruktiven Dialog zu treten
  • den konkreten Vorschlag eines gemeinsamen Ortstermins
Unsere Bemühungen, ein Gedenken gemeinsam auf den Weg zu bringen, wurden zwar angehört, ein Treffen wurde jedoch abgelehnt. Neuerliche Versuche der Kontaktaufnahme blieben erfolglos. Auch unsere neuerliche Gesprächseinladung 2023 lehnte BM Ramharter ab. Die Zuständigkeit befände sich laut Prisma GmbH bei der Gemeinde Hirtenberg bzw. der ehemaligen Hirtenberger Patronenfabrik. Resümierend kann dies nicht als jene Aufarbeitung oder Kooperation gewertet werden, die Bgm. Ramharter aktuell gegenüber den Medien kolportiert. [...]

(siehe: Leobersdorfer Bauvorhaben: KZ-Gedenkstätte Mauthausen klärt auf)
 
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Gewerbepark statt KZ-Gedenkstätte
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Auf dem Areal des zweitgrößten ehemaligen Frauenkonzentrationslagers in Österreich in Leobersdorf (Bezirk Baden) wird ein Gewerbepark errichtet. Eine Gedenkstätte, wie von vielen gefordert, solle es nicht geben. Es könnte aber ein Gedenkweg errichtet werden.
Online seit heute, 11.58 Uhr (Update: 16.22 Uhr)
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„Alle Bewilligungen liegen vor“, sagte Bürgermeister Andreas Ramharter (Liste Zukunft Leobersdorf) dazu am Dienstag auf Anfrage. Die Pläne für einen Gewerbepark auf dem Areal des einstigen Frauenkonzentrationslagers waren Ende 2024 medial publik geworden.

Die Immobilienfirma von Bürgermeister Ramharter soll früheren Medienberichten zufolge Gründe um 15,25 Millionen Euro verkauft und durch Umwidmungen 1,34 Millionen extra erhalten haben. Kritik am Ortschef gab es in der Folge u. a. von der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG).
Ramharter verteidigte das Vorgehen und äußerte sich nicht zu Kaufpreisen. Eine Befangenheit ortete er nicht – mehr dazu in Kritik um KZ-Areal: Ramharter bleibt Bürgermeister (noe.ORF.at; 25.2.2025). Laut „Kronen Zeitung“ starteten in der Vorwoche Baggerarbeiten für den umstrittenen Gewerbepark.

Wunsch nach Gedenkstätte vorhanden
Die Lokalinitiative NS-Zwangsarbeit Leobersdorf hätte sich eine Gedenkstätte gewünscht. Ähnlich äußerte sich im Vorjahr auch der IKG-Präsident Oskar Deutsch, der medial ein Erinnern an „dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte“ eingefordert hatte.

Kommen könnte nun ein Gedenkweg am Rand des Areals, der vom Grundstückseigentümer zur Verfügung gestellt wird, berichtete die „Kronen Zeitung“. Geplant sei zudem ein weiterer Gedenkweg in Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden.

Denkmalschutz ist für das Areal nicht vorgesehen. Vorhanden sind auf den Gründen in Leobersdorf, auf dem das KZ-Außenlager Hirtenberg stand, u. a. Fundamente von Baracken. „Aus derzeitiger Sicht sind diese Reste – auch im Vergleich mit anderen ehemaligen, archäologisch feststellbaren Lagern, die unter Denkmalschutz stehen – im Sinn des Denkmalschutzgesetzes nicht ausreichend, um sie unter Denkmalschutz zu stellen“, hieß es im Vorjahr vom Bundesdenkmalamt.

Kritik von Grünen
Es sei „empörend“, dass auf dem Gelände des zweitgrößten ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Österreichs ein Gewerbepark errichtet werden soll, reagierte Nationalratsabgeordneter Lukas Hammer, gedenkpolitischer Sprecher der Grünen, in einer Aussendung. Das Areal müsse „als historischer Ort geschützt und durch eine würdige Gedenkstätte sichtbar gemacht werden“.
26.08.2025, red, noe.ORF.at/Agenturen
Gewerbepark statt KZ-Gedenkstätte
 
Neuester Zwischenstand zu NS-Zwangslager "Am Weinberg" - KZ Hirtenberg (KG Leobersdorf):

Die Planungstätigkeiten des Unternehmens von Dr. Thomas Rattensperger schreiten weiterhin zügig voran.
Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass die Planungen für ein Kühl- und Tiefkühllager konkretisiert werden. Offensichtlich entsteht auf dem Gelände ein moderner Tiefkühllogistik-Hub für einen großen Lebensmittelkonzern, der sich öffentlich zu Verantwortung und Menschlichkeit bekennt.

Laut internen Informationen sollen die ersten Baumaßnahmen in absehbarer Zeit starten. Die Überbauung des historisch belasteten Areals wird offenbar von diesem Lebensmittelhandelskonzern mitgetragen. In diesem Zusammenhang stellt sich jedoch die grundsätzliche Frage, wie verantwortungsvolles Handeln aussieht, wenn ein Lebensmittellogistik-Hub direkt auf dem Gelände des ehemaligen zweitgrößten Frauen-Konzentrationslagers errichtet wird.

Ein solches Vorgehen wirkt geschichtsvergessen und steht im klaren Widerspruch zu international etablierten Standards der Erinnerungskultur. Anstatt Orte des Leids und der Verbrechen sensibel zu behandeln, entsteht wiederholt der Eindruck, dass wirtschaftliche Interessen über historische Verantwortung gestellt werden. Dies wirft ernsthafte Fragen nach ethischem Bewusstsein, Respekt gegenüber den Opfern und gesellschaftlicher Verantwortung auf.
 

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