Der Lkw-Transitverkehr rollt und rollt. Seit dem Jahr 1990 stieg der Durchzugsverkehr über die Brennerstrecke und die Autobahn A13 um knapp 200 Prozent. Ein Drittel davon ist Umwegverkehr, weil diese Strecke im Vergleich zu anderen Alpenübergängen billiger ist. Die Verlagerung auf die Schiene wurde hingegen zu einem jahrzehntelangen zahnlosen politischen Schlagwort.
Allheilmittel sollte der Brenner-Basistunnel sein. Die Baukosten belaufen sich auf 10,5 Milliarden Euro. Das Mega-Projekt wird 2032 fertig, kann aber erst mit den wichtigen Zulaufstrecken aus Italien und Bayern seine volle Kapazität entfalten. Das dürfte wohl erst 2050 der Fall sein – sofern die benachbarten Länder in die Gänge kommen und die erforderlichen Baumaßnahmen für die Trassen in die Wege leiten.
Erster internationaler Durchbruch im BBT
Der Erkundungsstollen des BBT verläuft auf einer Länge von 57 Kilometern parallel zu den Hauptröhren auf tieferer Lage. Die Durchschlagsstelle liegt unter rund 1.420 Meter Gebirgsgestein und befindet sich fast unter der Geigenspitze und rund zwei Kilometer Luftlinie vom Brenner nach Südosten.
Zu diesem historischen Anlass kündigten sich namhafte Politikerinnen und Politiker der vom Verkehr betroffenen bzw. an dem Projekt beteiligten Länder an. Von der österreichischen Bundesregierung nehmen Bundeskanzler Christian Stocker und Verkehrsminister Peter Hanke an den Feierlichkeiten teil.
Meloni und Salvini angekündigt
Von italienischer Seite kündigte Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (Fratelli d’Italia) offiziell ihr Kommen zur Durchschlagsfeier an. Eine entsprechende Mitteilung wurde am Mittwoch auf der Regierungswebsite veröffentlicht. Melonis Besuch auf dem Festgelände auf einem Lkw-Parkplatz vor dem Plessi-Museum an der Brennerautobahn dürfte sehr kurz ausfallen.
An der Besichtigung der Durchschlagsstelle des im Bau befindlichen Brennerbasistunnels wird sie APA-Informationen zur Folge jedenfalls bereits nicht mehr teilnehmen.
Auch Verkehrsminister und Transit-Hardliner Matteo Salvini (Lega) wird zu dem Festakt kommen. Die Stimmung zwischen Österreich und Italien ist wegen der Transit-Klage des südlichen Nachbarn vor dem Europäischen Gerichtshof angespannt.
Keine Vertreter aus Deutschland
Aus Deutschland wird zu den Feierlichkeiten keine politische Vertretung erscheinen. Im Juli kam Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach Wien. Dabei wurde auch über die Zulaufstrecken gesprochen.
Es sei auch eine Priorität Bayerns sowie der deutschen Bundesregierung, für die notwendigen Bereiche den Zulauf zu ermitteln, meinte Söder damals bei einer Pressekonferenz. Die Strecken sollten geplant werden, um auch das Geld zu priorisieren.
Fotostrecke
APA/EXPA/JOHANN GRODER
Schon das eine oder andere Mal wurde ein Durchschlag bzw. ein Vordringen im Brennerbasistunnel gefeiert, bisher aber noch nicht zwischen Österreich und Italien
BBT SE
Die unterirdischen Arbeiten für das Mega-Projekt sind enorm aufwändig
Herrenknecht AG
Auch die Tunnelbohrmaschinen sind überdimensional groß
BBT SE / Hetfleisch
Am Ende soll der Tunnel von Personen- und Güterzügeb benützt werden
BBT SE
BBT SE
Die Baustelle für den Brennerbasistunnel im Tiroler Wipptal
APA
ORF
v.l.: Tirols Landeshauptmann Anton Mattle, Verkehrsminister Peter Hanke, EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas und Verkehrslandesrat René Zumtobel beim landesüblichen Empfang am Mittwoch in Innsbruck
EU-Kommissar bei Feier dabei
Der Festakt wird um 13.00 Uhr südlich der Brennergrenze neben der Brennerautobahn beginnen. Meloni soll laut Mitteilung um 13.30 Uhr eintreffen und ein kurzes Grußwort abgeben. Ob sich im Rahmen der Feier ein Vieraugengespräch etwa mit Bundeskanzler Christian Stockerausgehen wird oder ein solches beabsichtigt ist, blieb vorerst offen.
Die Wogen zwischen den beiden Ländern glätten könnte EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas – so lautet zumindest die Hoffnung bei einzelnen politischen Vertreterinnen und Vertretern. Tzitzikostas reiste bereits am Mittwoch nach Tirol an und nahm bei einem landesüblichen Empfang vor der Innsbrucker Hofburg teil. Darüber hinaus gab es mit ihm am Abend eine Diskussionsveranstaltung zu den Einheimischentarifen – mehr dazu in
Kommissar soll Einheimischentarife retten.
Gespräche im Landhaus
Im Vorfeld der Feier ist um 9.00 Uhr ein einstündiges Gespräch im Innsbrucker Landhaus geplant, gefolgt von einer gemeinsamen Pressekonferenz. Daran werden Verkehrsminister Hanke, Tirols Landeshauptmann Anton Mattle und der EU-Kommissar teilnehmen. Im Anschluss daran geht es für die Delegation per Sonderzug hinauf auf den Brenner.
Auf südlicher Seite findet der Festakt mit symbolischer Betätigung eines Knopfes für den Tunneldurchschlag statt. Danach besichtigen einige politische Vertreter den Stollen.
Mattle: Hohe Erwartungen
Für Tirols politische Vertreter wird der Brenner-„Gipfel“ im Kern ein Werben bei EU-Kommissar Tzitzikostas für die Anti-Transitmaßnahmen in Tirol und die notwendige Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Das bekräftige Landeshauptmann Mattle am Rande des landesüblichen Empfangs am Mittwochabend vor der Hofburg.
Land Tirol/Sedlakv.l.:
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, Landeshauptmann Anton Mattle, Verkehrsminister Peter Hanke, EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas
„Wesentlich ist, dass wir beim Herrn EU-Kommissar auch das notwendige Verständnis erwecken, dass er die Haltung Tirols und die Position der Tirolerinnen und Tiroler entsprechend mitnimmt“, meinte Mattle gegenüber dem ORF Tirol.
Es gehe darum, Rückendeckung für den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und der Infrastruktur zu bekommen. „Und in weiterer Folge soll er natürlich auch an einer Verlagerung mitarbeiten“, so Mattle.
Mega-Projekt zwischen Tirol und Südtirol
Der Brennerbasistunnel verläuft auf 55 Kilometern zwischen Innsbruck und Franzensfeste und gilt als Kernelement der neuen Bahnverbindung von München bis Verona.
Nach geplanter Fertigstellung im Jahr 2031 und Inbetriebnahme im Jahr darauf wird der flach verlaufende Eisenbahntunnel mit 64 Kilometern laut Angaben der ÖBB die „längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt“ sein. Der Tunnel bildet zudem ein Kernstück des TEN-V-Kernnetzkorridors Skandinavien-Mittelmeer.
18.09.2025, red, tirol.ORF.at
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