"Apollo 11" - Mondlandung vor 50 Jahren

josef

Administrator
Mitarbeiter
#1


„Apollo 11“ im Technischen Museum
Im Technischen Museum ist ab sofort die neue Schau „High Moon“ zu sehen. Sie behandelt vor allem den Flug der Apollo 11 von der Erde zum Mond. Eines der Highlights ist echtes Mondgestein. Heuer jährt sich die Mondlandung zum 50. Mal.
Die einzelnen Stationen der Mondreise sind in der kleinen Sonderschau einem großen Achter nachempfunden. So sah einst die Flugroute der Reise der Apollo 11-Mission zwischen der Erde und dem Mond. Bis Anfang Oktober können Besucherinnen und Besucher den weiten Weg im Zeitraffer begehen.


Technisches Museum Wien/APA-Fotoservice/Hörmandinger
Die Zeit läuft bei der Mondmission

Mondmission 1969 im Wohnzimmer
Die Ausstellung lässt die Besucherinnen und Besucher stilecht in einem nachempfundenen Wohnzimmer von 1969 eintauchen. Es ist etwa mit 60er-Jahre-Möbeln und Röhrenfernseher ausgestattet. Auszüge aus damaligen Übertragungen des ORF, des WDR und von CBS können über Kopfhörer gehört werden. Der Eingang gibt einen Einblick in den Beginn des „Space Race“ zwischen den USA und der Sowjetunion, laut Kurator und Projektleiter Christian Klösch. Das Erbe jener Nazi-Forscher, derer man sich auf beiden Seiten ungehemmt bediente, ist ebenso beleuchtet.

Anschließend geht es zum Mond. Auf dem Weg dorthin beleuchtet die Ausstellung den bedeutenden Beitrag von Frauen am Erfolg des Apollo-Programms. Außerdem zeigt die Schau die Auswahl der letztendlich ausschließlich männlichen, weißen 25 Apollo-Astronauten auf. Der Weg ist gesäumt von Großmodellen, wie etwa des Landemoduls „Eagle“. Bevor es wieder Richtung Erde geht ist der einstige Landeplatz im „Meer der Stille“ im Panoramabild zu sehen und Gespräche zwischen der Crew und „Houston“ zu hören.

Mondgestein und neue Sichtweise auf die Welt
Neben Gestein brachte die Mission eine neue Sichtweise auf die Welt. Der auf Bild festgehaltene Blick zurück auf die Erde habe verändert und möglicherweise auch dazu beigetragen, dass sich die Raumfahrt nicht unmittelbar auf den Weg zum Mars gemacht hat, sondern stark in Richtung Erdbeobachtung und die Einrichtung von Raumstationen in Erdnähe gegangen ist, so Klösch. Der sogenannte „Blue Marble Effekt“ hätte in den 1970er-Jahren auch die Umweltschutzinitiativen und das Bewusstsein, „dass es nur eine einmalige und zerbrechliche Erde gibt“, stark befördert.

Veranstaltungshinweis
Sonderschau „High Moon“, von 28.5 bis 6.10, Technisches Museum
In der Ausstellung ist außerdem jene österreichische Flagge zu sehen, die mit Apollo 11 zum Erdtrabanten geflogen ist. Ein weiteres Highlight sind kleine Mondgesteinsfragmente, die der einstige Bundespräsident Franz Jonas 1971 dem Museum schenkte. Er hatte sie vorher von US-Präsident Richard Nixon bekommen. Rückschauen gibt es auch auf Ausstellungen, die 1969 und 1971 in Wien zu sehen waren.

Mit Archivaufnahmen zur Raumfahrtgeschichte lanciert die zum Museum gehörende Österreichische Mediathek ihre Onlineausstellung „Fly me to the Moon“. So geht es auch akustisch Richtung Mond.

Link:
Publiziert am 28.05.2019
„Apollo 11“ im Technischen Museum
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
50 JAHRE MONDLANDUNG
Wernher von Braun: Raketenmann mit Makeln
Wernher von Braun gilt als der Vater der Mondlandung, der zuvor tief ins NS-Regime verstrickt gewesen war. Kürzlich kamen neue Vorwürfe hinzu


Mehr Marketing- als Konstrukteursgenie? Wernher von Braun vor einem Bild der Mond-Landekapsel und neben Raketenmodellen.
Foto: Nasa
Unter den 400.000 Personen, die durch ihre Mitarbeit am Apollo-Programm die Mondlandung möglich machten, kam Wernher vor Braun eine besondere Bedeutung zu. Unter der Leitung des Raketeningenieurs wurde die gewaltige Saturn V gebaut, die mit einer Höhe von rund 110 Metern bis heute unübertroffen ist und Neil Armstrong und Edwin Aldrin sicher zum Mond brachte. Von Apollo-Programmleiter Sam Phillips ist das Zitat überliefert, dass die USA den Mond ohne die Hilfe von Brauns wohl eher nicht erreicht hätten – jedenfalls nicht so schnell.

Der Spross einer adeligen deutschen Familie hatte freilich bereits zuvor Wegweisendes vollbracht: Unter seiner Leitung entstand die Jupiter-Rakete, die den ersten US-amerikanischen Satelliten ins All brachte. Er spielte aber auch als früher Visionär und Propagandist einer Reise zum Mond eine zentrale Rolle, die ihm zudem enorme Popularität einbrachte.

Charismatischer Kommunikator
"Dr. von Braun Says Rocket Flights Possible to Moon" titelte eine Zeitung bereits im Jahr 1950. Fünf Jahre später trat der charismatische Kommunikator in zwei TV-Dokumentationen Walt Disneys auf. Der erste Film "Man in Space" ist bis heute die zweiterfolgreichste Sendung der US-Fernsehgeschichte. Mit "Man and the Moon", ebenfalls 1955, nahm von Braun nun auch für das Fernsehpublikum die erste bemannte Reise zum Mond vorweg.


Erfolgreiche Kooperation – auch dank ideologischer Affinitäten? Walt Disney (links) und Wernher von Braun (rechts).
Foto: Nasa

Hatte bis zu dieser Zeit die nötige Unterstützung gefehlt, diese Pläne zu verwirklichen, änderte sich die Lage mit dem Sputnik-Schock Ende 1957 schlagartig: Ein Jahr später wurde die US-Weltraumagentur Nasa gegründet, und schon 1959 wechselten von Braun und sein riesiges Team, das mit der Redstone die erste atomar bestückte Mittelstreckenrakete der Welt entwickelt hatte, von der U.S. Army zur Nasa. Fortan sollten sie für die US-Raumfahrtbehörde an Trägerraketen arbeiten, mit denen schließlich die Mondlandung möglich wurde.

Belastende Vorgeschichte
Diese Heldensage vom genialen Raketenmann war schon damals ein wenig von seinem Vorleben in Nazideutschland überschattet. Schließlich war von Braun NSDAP- und SS-Mitglied gewesen und im Jahr 1937 mit nur 25 Jahren zum technischen Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Ostseeinsel Usedom aufgestiegen. Dort hatte er das Aggregat 4 mitentwickelt: jene Rakete, die als V2 (V wie Vergeltungswaffe) rund 8.000 Menschen tötete, die meisten davon Zivilisten in London und Antwerpen.

Als von Braun mit seinem Team von über 100 Experten im Rahmen der geheimen "Operation Paperclip" 1945/46 in die USA verfrachtet wurde, waren die NS-Verstrickungen Wernher von Brauns in das NS-Regime vom Geheimdienst zwar geprüft worden, doch das nützliche Wissen der damals weltweit führenden Raketentechniker wog schwerer als deren politische Gesinnung und mögliche Verwicklungen in Verbrechen gegen die Menschlichkeit.


Das Peenemünde-Team mit über 100 Raketeningenieuren 1946 in den USA. Der siebente von rechts in der ersten Reihe ist Wernher von Braun.
Foto: Nasa

Selektive Erinnerung
Wernher von Braun und seine Kollegen hatten sich denn auch längst ihre eigene Version der Geschichte zurechtgelegt. Sie redeten sich damit heraus, dass sie von der SS zwangsweise in das Raketenprogramm der Nazis eingebunden worden seien und eigentlich immer nur die Raumfahrt im Auge gehabt hätten. Und sie hätten in Peenemünde, wo sie ihre Pläne zeichneten, von den unmenschlichen Bedingungen bei der Raketenmontage, die in einer unterirdischen Stollenanlage des KZ Mittelbau-Dora in Thüringen erfolgte, nichts mitbekommen. "Ich möchte nachdrücklich feststellen, dass ich während meiner Besuche nie einen Gefangenen sah", gab von Braun noch im Jahr 1966 zu Protokoll.

Das wahre Ausmaß seiner aktiven Beteiligung am NS-System kam erst ans Tageslicht, nachdem Wernher von Braun im Jahr 1977 gestorben war und nachdem wenig später Arthur Rudolph, einer seiner engsten Mitarbeiter, wegen der möglichen Beteiligung an NS-Verbrechen seine US-Staatsbürgerschaft verlor und nach Deutschland zurückkehrte.
Wie der deutsche Politikwissenschafter Rainer Eisfeld 1996 in seinem Buch "Mondsüchtig" zeigte, hatte sich von Braun gegenüber Hitler mehrfach dienstbar gemacht. Und der Ingenieur war bei der Auswahl der Häftlinge eingebunden, von denen bis zu 20.000 einen grausamen Tod starben – viele von ihnen erst unmittelbar vor der Befreiung des Konzentrationslagers.


Tote Häftlinge in den Häftlingsbaracken Mittelbau-Dora, aufgenommen am 11. April 1945 nach der Befreiung des Lagers durch die US-Alliierten.
Foto: Library of Congress

Zudem kamen im Lager Redl-Zipf in Oberösterreich, wo ebenfalls an Teilen der V2 gearbeitet wurde, 267 KZ-Insassen ums Leben. Die Rakete wurde damit zu jener Waffe, deren Produktion mehr Opfer forderte als ihre Einsätze, wie der US-Wissenschaftshistoriker Michael Neufeld trocken bilanzierte, der die bisher umfangreichste Biografie über von Braun ("Visionär des Weltraums – Ingenieur des Krieges", dt. 2009) vorlegte.

Verdacht der Hochstapelei
Dass mit diesen Arbeiten tatsächlich schon alles über die dunklen Flecken des Raketenmanns bekannt ist, darf freilich bezweifelt werden. So hat der ehemalige deutsche Politiker Christopher Lauer (Piratenpartei, SDP) für seine im Vorjahr abgegebene Bachelorarbeit (hier als PDF abrufbar) in Wissenschafts- und Technikgeschichte den Karrierebeginn von Brauns genauer unter die Lupe genommen und auch noch den Mythos vom "Raketenwunderkind" entzaubert.
Lauer, der seine Recherchen Anfang des Jahres in einem langen Essay in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" präsentierte, stieß bei seinen Recherchen nämlich auf zahlreiche Unregelmäßigkeiten rund um von Brauns Studium, die den Biografen bisher entgangen waren. Die neuen Dokumente legen in der Interpretation Lauers nämlich nahe, dass die technischen Fähigkeiten des jungen Raketenenthusiasten bisher deutlich überschätzt worden sind, dass seine Dissertation 1934 zum Teil plagiiert ist und überhastet mit der damaligen Bestnote beurteilt wurde.

Karriere dank väterlicher Interventionen?
Lauers Schlussfolgerungen: Der Beginn der Karriere von Brauns dürfte weniger auf seine angebliche Genialität zurückgehen als auf Interventionen seines Vaters, der Minister in der Weimarer Republik war, sowie auf Fürsprachen von Mitarbeitern des Heereswaffenamts, für das er in dieser Zeit tätig war. Die Legende vom genialen Raketenkonstrukteur ist damit für Lauer ebenso wenig haltbar wie die vom unpolitischen Ingenieur, der nichts vom Sterben in den KZ-Außenlagern wusste.
Was also bleibt von Wernher von Braun? Dass er ein exzellenter Forschungsmanager und Kommunikator war, wird man dem Raketenmann schwer absprechen können. Aber eben: mit Makeln.
(Klaus Taschwer, 12.7.2019)
Wernher von Braun: Raketenmann mit Makeln - derStandard.at
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#3
BLICK IN DIE VERGANGENHEIT
Wo die Reise zum Mond ihren Anfang nahm
Das Mission Control Center in Houston wurde restauriert und in den historischen Originalzustand zurückversetzt
Es ist ein historischer Ort wie selten einer auf dieser Erde. Vor 50 Jahren war das Mission Control Center (MCC) der US-Raumfahrtbehörde Nasa in Houston, Texas, das Epizentrum eines historischen Ereignisses: Von hier aus wurden im Juli 1969 Neil Armstrong und Buzz Aldrin im Rahmen der Apollo-11-Mission als erste Menschen zum Mond geleitet.
Lange Jahre nach dieser Hochzeit der Raumfahrt standen die Bedienungspulte und Bildschirme ungenutzt herum. Nun endlich wurden die Anlagen, die seit 1985 unter Denkmalschutz stehen, anlässlich des besonderen Jubiläums komplett renoviert. Die Arbeiten zur Rekonstruktion des Zentrums dauerten mehrere Jahre.

Das Ergebnis ist ein lebendiges museales Erlebnis, das einen mitten in die Anfänge der Raumfahrtära versetzt: Kaffeetassen stehen herum, Akten liegen auf Pulten – gerade so, als ob sie jeden Moment jemand benötigen wird. Die großen Bildschirme komplettieren den Eindruck, dass hier etwas wirklich Dramatisches im Gange ist.


Hier wurde Geschichte geschrieben: Das Mission Control Center (MCC) der Nasa in Houston.
Foto: Getty Images

Erste Schritte ins All
Das Mission Control Center belegt den dritten Stock des Gebäudes 30 im Johnson Space Center der Nasa in Houston. Von diesem vergleichsweise unscheinbaren Ort aus wurden Missionen geplant und ausgeführt, die die Menschheit erstmals über die Grenzen der Erde hinausgeführt haben und letztlich die ersten Schritte auf einem anderen Himmelskörper ermöglicht haben.

Das MCC war bereits während des Gemini-Programms der gerade erst geborenen Nasa gefordert, als es darum ging, Astronauten und Raumschiffe erstmals mit den harschen Bedingungen des Weltraums vertraut zu machen. Die Apollo-Missionen folgten, und nach diesen wurde von hier aus auch Skylab koordiniert. Schließlich leitete das MCC eine Zeitlang auch das alles verändernde Spaceshuttle-Programm.

Bedrohte Raumfahrtgeschichte
1992 wurde das Center schließlich aufgrund einer Kombination von Budgetproblemen und Veralterung der Technik aufgegeben. Vieles dort verkam in den folgenden Jahren. 2015 war die historische Anlage so weit verfallen, dass sie vom National Park Service tatsächlich als "bedroht" eingestuft werden musste.


Die Technik von damals mag einfach erscheinen – und doch verhalf sie zwischen 1969 und 1972 zwölf Menschen zum Mond und wieder zurück.
Foto: AP/Michael Wyke

Letztlich benötigte es fünf Jahre und die Sammlung von fünf Millionen US-Dollar, um das ambitionierte Projekt zur Rettung des MCC auf die Beine zu stellen. Im Oktober 2018 begann die Arbeit mit dem Ziel, das Mission Control Center wieder in seinen Originalzustand zu versetzen.

Um dies zu ermöglichen, wurden Zeitzeugen interviewt, Fotos analysiert, Videos und zahllose andere Archivmaterialien untersucht, und letztlich wurde alles versucht, um das Mission Control Center so authentisch wie möglich wiederherzustellen.
Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, die Räume in jenen Zustand zu versetzen, in dem sie sich im Juli 1969 befanden, als Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond betraten, während Michael Collins über ihren Köpfen im Kommandomodul Columbia den Erdtrabanten umkreiste. Die einzigen Elemente dieses historischen Raums, die verändert wurden, sind jene Konsolen, die an die Apollo-15-Missionen angepasst wurden.
(Thomas Bergmayr)

Link
Lyndon B. Johnson Space Center

Wo die Reise zum Mond ihren Anfang nahm - derStandard.at
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#4
Als der Mond ins Wohnzimmer kam...
Es mag nur ein „kleiner Schritt“ für den US-Astronauten Neil Armstrong gewesen sein, als er vor 50 Jahren als erster Mensch den Mond betrat, doch die Landung auf dem Erdtrabanten war zweifellos ein großer Sprung für die Medien - und die Politik. Schon der Start von Apollo 11 am 16. Juli 1969 wurde von Millionen Menschen im Fernsehen verfolgt, die Landung zog die ganze Welt in den Bann. Nicht zuletzt deshalb steht der Mond ein halbes Jahrhundert später erneut im Mittelpunkt.
Am 20. Juli 1969, kurz nach 21.17 Uhr, vermeldet Armstrong die erfolgreiche Landung der Mondlandefähre per Funk: „The Eagle has landed.“ Schon Stunden vor dem Ausstieg aus dem engen Gefährt ist das „Space Race“, das Rennen ins All zwischen der Sowjetunion und den USA inmitten des Kalten Kriegs, damit entschieden.

AP/NASA
„The Eagle has landed“: Am 20. Juli, dreieinhalb Tage nach dem Start in Florida, setzte die Mondlandefähre auf der Oberfläche auf

Im Missionsablauf von Apollo 11 der US-Raumfahrtbehörde (NASA) ist für Armstrong und die Nummer zwei auf dem Mond, Edwin „Buzz“ Aldrin, nach der Landung eigentlich eine mehrstündige Schlafpause eingeplant, doch dazu kommt es nicht: Stattdessen bereiten die beiden ihren Ausstieg aus der Fähre vor. Die Luke der Landefähre „Eagle“ wird um 3.39 Uhr geöffnet, durch die sich Armstrong in seinem Raumanzug anschließend mit viel Anstrengung zwängt.
Armstrong, der nur noch wenige Sprossen einer Leiter von der Mondoberfläche entfernt ist, öffnet zunächst eine Klappe des Mondlandemoduls. Dahinter ist neben Instrumenten für die bevorstehenden Forschungsarbeiten auf dem Mond auch eine Kamera angebracht, damit der Ausstieg auf der Erde live mitverfolgt werden kann.

NASA
Vor dem Abflug trainierten Armstrong und Aldrin die Abläufe auf der Oberfläche

AP/NASA
Eine Kamera war an der Seite der Mondlandefähre angebracht, um Armstrong und Aldrin beim Ausstieg zu filmen

NASA
Buzz Aldrin beim Verlassen der Mondlandefähre, fotografiert von Neil Armstrong mit einer Mittelformatkamera


Auf der Oberfläche wurden zahlreiche Experimente durchgeführt


Insgesamt zweieinhalb Stunden verbrachten die Astronauten auf der Oberfläche


Auch zahlreiche Fotos wurden geschossen und zur Erde zurückgebracht


AP/Ted Shaffrey
Der Flugplan von Apollo 11 enthält den genauen Ablauf der Mondmission

Dann steigt der Astronaut die Leiter hinab: Vor der letzten Stufe testet Armstrong noch, ob er auch wieder hinaufklettern kann, dann pausiert er kurz, um der Zentrale in Houston und dem versammelten internationalen Fernsehpublikum die Beschaffenheit des Mondsandes zu beschreiben. Schließlich, um 3.56 Uhr MEZ, pünktlich zur besten Sendezeit in den USA, betritt Armstrong als erster Mensch den Mond.


AP/NASA

In dem Moment, als er den Mond betritt, übermittelt Armstrong in Richtung Erde wohl eine der bekanntesten Aussagen des 20. Jahrhunderts: „That's one small step for (a) man, one giant leap for mankind“ - „ein kleiner Schritt für den Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit“. Knapp zwanzig Minuten später folgt ihm Kopilot Aldrin, der den Mond als „großartige Trostlosigkeit“ beschreibt.

Armstrongs erste Schritte
Zweieinhalb Stunden dauerte der Spaziergang auf dem Mond insgesamt, das Programm war dicht: So hüpfte Aldrin etwa über die Oberfläche, um die Bewegungsabläufe im Hinblick auf die geringere Schwerkraft einerseits, die größere Last durch den Raumanzug andererseits zu testen. Medienwirksam erklärte er vor laufender Kamera jeden Schritt. Auch das Sammeln von Gesteinsproben, insgesamt rund 25 Kilo, war Teil der Mission, genauso wie ein Experiment zur Untersuchung des Sonnenwindes.

Reuters/NASA
Eines der bekanntesten Fotos der Raumfahrtgeschichte zeigt Buzz Aldrin, Neil Armstrong spiegelt sich in dessen Visier

Aber vor allem die politischen Statements von der Mondoberfläche blieben über die Jahrzehnte im Gedächtnis. Schon beim Verlassen des „Eagle“ wurde eine Gedenktafel enthüllt: „An dieser Stelle betraten erstmals Menschen vom Planeten Erde den Mond. Juli 1969. Wir kamen in Frieden für die gesamte Menschheit“, stand auf ihr geschrieben. Aldrin und Armstrong verlasen die Botschaft. Es wird vermutet, dass sie in diesem Moment über eine halbe Milliarde Menschen hören konnten, die das Ereignis im Fernsehen verfolgten.

Als ikonisch gilt auch das Bild der US-Flagge auf der Mondoberfläche. Laut NASA eineinhalb mal einen Meter groß, angebracht an einem Mast aus Aluminium, an der Oberseite verstärkt, damit sie im „Vakuum des Mondes ausgerollt“ bleibt, heißt es im Missionsbericht. Sie ist ebenso Motiv auf Filmaufnahmen wie auf zahlreichen Fotos, die auf dem Mond von den Astronauten gemacht wurden. Die Botschaft ist klar: Was den Russen bisher verwehrt geblieben war, hatten die USA nun erreicht.

AP/NASA
Buzz Aldrin neben der amerikanischen Flagge

Unterstrichen wurde die Botschaft von einem Anruf aus dem Weißen Haus, den Armstrong auf der Mondoberfläche entgegennahm. „Hallo, Neil und Buzz. Ich spreche hier aus dem Oval Office des Weißen Hauses. Und das muss gewiss der historischste Anruf aller Zeiten sein. Für jeden Amerikaner muss das der stolzeste Tag in unserem Leben sein. Und Menschen rund um den Globus, da bin ich mir sicher, werden Amerika für diese immense Leistung anerkennen“, so US-Präsident Richard Nixon.

APA/ORF.at

„Während ihr aus dem Meer der Ruhe ('Sea of Tranquility') zu uns sprecht, sind wir inspiriert, unsere Bemühungen zu verdoppeln, Ruhe und Frieden auch auf die Erde zu bringen. Für einen unbezahlbaren Moment in der Geschichte der Menschheit sind alle Menschen auf der Erde wirklich eins: eins in ihrem Stolz auf das, was ihr getan habt, und eins in unseren Gebeten, dass ihr sicher zur Erde zurückkehrt.“

Kennedys Plan geht knapp auf
Für diese acht Tage, in denen Apollo 11 von der Erde zum Mond und zurück flog, waren die USA tatsächlich im Zentrum der Aufmerksamkeit - für US-Präsident Nixon eine willkommene Abwechslung inmitten von Rassenunruhen innerhalb der USA, dem Vietnam-Krieg und dem Kalten Krieg. Dass die USA das Rennen ins All „gewinnen“, galt jedoch lange Zeit alles andere als gesichert.

Denn bis dahin beherrschten die Russen das Geschehen im Weltall: Erst hatten sie mit Sputnik den ersten Satelliten im All, im April 1961 war mit Juri Gagarin auch ein Russe der erste Mensch im Weltraum. Der damalige Präsident John F. Kennedy erkundigte sich daraufhin bei seinem Vize Lyndon B. Johnson, wie man die UdSSR schlagen könne, etwa ob eine Mondlandung das „Space Race“ entscheiden würde. Johnson bejahte.


AP/NASA
Der Satellit „Sputnik 1“ wurde 1958 von den Russen als erster Satellit ins Weltall befördert

Schon im Mai 1961 trat Kennedy daraufhin vor den Kongress und gab ein ambitioniertes Ziel vor: Noch „vor dem Ende des Jahrzehnts“ wolle man einen „Menschen zum Mond schicken und ihn wieder zurück zur Erde holen“. In die Reise auf den Mond wurden 25 Milliarden US-Dollar investiert, die NASA schätzt, dass rund 400.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an dem Vorhaben beteiligt waren.

APA/NASA
Die Crew von Apollo 1 konnte nie ins All starten

Im Rahmen des Apollo-Programms der NASA wurde fortan daran gearbeitet, eine bemannte Mondlandung zu bewältigen - mit zahlreichen Anlaufschwierigkeiten: So wurde die im Nachhinein in Apollo 1 umgetaufte erste bemannte Mission noch vor dem Start den drei beteiligten Astronauten zum Verhängnis. Sie kamen bei einem Brand, der bei einem Testlauf entstanden war, ums Leben - für das Apollo-Programm ein herber Rückschlag.

Die Mischung aus politischem Zweck, reichlich Geld und wohl auch Leichtsinn führte letztlich dazu, dass sich das Apollo-Programm bis zur geglückten Mondlandung im Juli 1969 doch noch zum Erfolg entwickelte. Mit der „Saturn V“-Rakete wurden Kommando-, Service- und Mondmodul zuerst in den Erdorbit und später in den Mondorbit befördert, ehe sich die Mondlandefähre vom Rest abkoppelte.

Der unsichtbare Dritte
Während Armstrong und Aldrin an Bord des „Eagle“ und anschließend auf der Mondoberfläche Geschichte schrieben, blieb der dritte Astronaut der Apollo-11-Mission, Michael Collins, im Kommandomodul und kreiste um den Mond. Dass er alleine auf der dunklen Seite des Mondes war, vom Funkverkehr mit der Erde abgeschnitten und ohne seine Kollegen, brachte ihm den Titel des „einsamsten Menschen aller Zeiten“ ein.


AP/NASA
Ein Blick auf das Kommandomodul „Columbia“ aus Perspektive der Mondlandefähre

Collins selbst sah das naturgemäß anders. Zwar soll er in der Kapsel notiert haben: „Ich bin jetzt wirklich alleine und absolut alleine von jeder bekannten Lebensform.“ Doch über seine Gefühlslage schrieb er in seiner Autobiografie: „Bewusstheit, Erwartung, Zufriedenheit, Vertrauen, fast schon Jubel“. Eines, worauf Collins oft hinwies, ist jedenfalls unumstritten: Er war für den Erfolg der Mission wesentlich - immerhin war es seine Aufgabe, Armstrong und Aldrin „abzuholen“.


AP/NASA
Michael Collins blieb während Armstrongs und Aldrins Mondspaziergang im Kommandomodul

Damit war vor allem der psychische Stress für Collins enorm, wie er danach schrieb. Denn was wäre passiert, wären Armstrong und Aldrin auf der Mondoberfläche nicht erfolgreich gewesen? Von einem Fehler bei der Landung bis hin zu Komplikationen beim Andockmanöver war das Fehlerpotenzial enorm. Die Angst davor, alleine zurückzukehren und die beiden Astronauten auf dem Mond zurückzulassen, habe ihn monatelang begleitet, so Collins.

„Im Falle eines Mondunglücks“
Auf einen Fehlschlag von Apollo 11 bereitete sich auch der US-Präsident vor - ein Memo mit dem Titel „Im Falle eines Mondunglücks“, datiert auf den 18. Juli, also nur zwei Tage vor der Landung, enthält eine fertige Rede, die praktisch das Ableben von Armstrong und Aldrin verkündet. „Das Schicksal hat bestimmt, dass die Menschen, die zum Mond geflogen sind, um ihn in Frieden zu erforschen, auf dem Mond bleiben werden, um dort in Frieden zu ruhen“, so die einleitenden Worte. Ein Vermerk darunter empfiehlt Nixon, er solle „die künftigen Witwen anrufen“.
Dazu kam es jedoch nicht: Die Mondlandefähre konnte von der Oberfläche abheben, das Andocken verlief erfolgreich. Collins, Armstrong und Aldrin waren im Kommandomodul „Columbia“ wiedervereint. Am 24. Juli, drei Tage nachdem der „Eagle“ angedockt hatte, kehrte die Apollo-11-Mannschaft in die Erdatmosphäre zurück und schlug mit ihrer Kapsel im Pazifik ein - nur wenige Kilometer vom Flugzeugträger „USS Hornet“ entfernt, der die Astronauten in Empfang nahm.

AP/NASA
Die drei Apollo-11-Astronauten Aldrin, Armstrong und Collins vor dem Kommandomodul „Columbia“

Ehe die drei zu Paraden rund um den Globus geladen wurden, wurden sie von den USA zuerst jedoch unter Quarantäne gestellt: 21 Tage mussten sie von der Außenwelt abgeschottet verbringen, um auszuschließen, dass sich auf dem Mond Krankheitserreger eingeschlichen haben. Erst spätere Apollo-Missionen verzichteten auf diese Phase.

Rückkehr unter Quarantäne
Die Begrüßung der drei Astronauten an Bord der „Hornet“ durch Präsident Nixon war damit ein seltsamer Anblick: Armstrong, Aldrin und Collins lächelten aus der kleinen Kabine, während Nixon den Einsatz der Mannschaft lobte. „Als Ergebnis dessen, was ihr getan habt, war die Welt noch nie so nah beieinander wie jetzt“, so Nixon. Noch einmal war der Blick des Publikums, das Apollo 11 über mehr als eine Woche vor allem im Fernsehen verfolgte, auf die USA gerichtet - mit der Rückkehr der Astronauten ging schließlich auch das bis dato größte Medienereignis, unter Regie der USA, zu Ende.
50 Jahre Mondlandung: Als der Mond ins Wohnzimmer kam
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#5
1563296507292.png
28 Stunden und 18 Minuten: So lange begleitete der ORF die Mondlandung im Fernsehen. Weltweit sollen nach Schätzungen insgesamt rund 600 Millionen Menschen das Ereignis verfolgt haben. Für die USA war die Mondlandung damit nicht nur ein großer Sprung für die Raumfahrt, sondern eine gute Gelegenheit, den eigenen Erfolg international zu vermarkten.
Die Mondlandung ist damit auch gleichzeitig ein Stück Fernsehgeschichte, nicht zuletzt in Österreich. 1969 stand zwar erst in rund der Hälfte der heimischen Haushalte ein Fernseher, dennoch waren mehr als zehnmal so viele Geräte angemeldet als Ende der 1950er. In den USA war der Siegeszug des Fernsehens schon weiter voran: Anfang der 1960er war bereits in 90 Prozent der Haushalte ein Fernsehgerät vorhanden.

Große Spannung in Österreich
Für die NASA war die Mission ins All immer auch PR: So war bereits 1968 Apollo 8 ein enormes Medienspektakel - es blieb das größte bis Apollo 11. Das erste bemannte Raumschiff, das den Mond umkreiste, startete am 21. Dezember, die Fernsehübertragung zu Weihnachten wurde rund um den Globus ausgestrahlt. Mit dem „Earthrise“-Foto, das die Erde hinter der Mondoberfläche zeigt, gelang der NASA das vielleicht einflussreichste Foto, das die Raumfahrt je hervorgebracht hat. Seither war das Apollo-Programm fixer Teil des US-Fernsehprogramms.

NASA/Bill Anders
„Earthrise“, aufgenommen vom Astronauten Bill Anders im Zuge von Apollo 8, ist eines der bekanntesten Fotos aus dem All

Schon der Start von Apollo 11 in Cape Canaveral in Florida, obwohl unter der Woche und an einem Vormittag, stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Rund eine Million Menschen verfolgten den Start auf Stränden, Park- und Campingplätzen in der Nähe der Startplattform. Gäste der NASA waren Politiker aus den USA, Dutzende Botschafter - und noch deutlich mehr Medienvertreter aus zahlreichen Ländern, die ihre Mikrofone und Kameras auf den Start der „Saturn V“-Rakete richteten.

Reuters
„Lift-off“: Die „Saturn V“-Rakete bringt Apollo 11 ins All

Auch die NASA selbst dokumentierte jeden einzelnen Schritt der Mission, die Behörde war „immer sehr transparent“, so der Historiker Christian Klösch, der im Technischen Museum Wien die Ausstellung „High Moon“ kuratiert. Damit standen die USA im Kontrast zur Sowjetunion, die meist „erst im Nachhinein Vollzugsmeldungen“ zu ihren Errungenschaften im All gebracht habe, so Klösch.

Reuters
Selbst auf Stränden rund um Cape Canaveral versammelten sich Tausende Menschen, um den Start von Apollo 11 mitzuverfolgen

www.picturedesk.com/Ullstein Bild
Der ehemalige US-Präsident Lyndon B. Johnson und der damalige Vizepräsident Spiro Agnew waren beim Start von Apollo 11 anwesend

NASA
Armstrong, Aldrin und Collins, gemeinsam mit Ex-Astronaut Donald „Deke“ Slayton, beim letzten Frühstück vor dem Start der Mission


NASA
Prominentes Motiv im Fernsehen war die NASA-Kommandozentrale in Houston, die den Flug durchgehend überwachte

Während der Westen im Juli 1969 die Augen kollektiv auf den Mond richtete, war das auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs keine Selbstverständlichkeit. Zwar berichtete die Sowjetunion „intensiv“, so Monika Bernold, Dozentin am Institut für Zeitgeschichte der Uni Wien. Livebilder seien aber nur „einem kleinen Kreis an politischen Eliten“ zugänglich gewesen. In China wurde über die Mondlandung gar nicht berichtet, so Bernold - während hingegen Polen auch hinter dem Eisernen Vorhang Apollo 11 live übertrug.

Das lange Warten
In Österreich entwickelte sich die heiße Phase von Apollo 11 unterdessen zum ersten Fernsehmarathon der Geschichte. Die von Peter Nidetzky, Hugo Portisch, Othmar Urban und dem „Mond-Pichler“, Herbert Pichler, moderierte Sendung begleitete die Mondlandung. Im improvisierten Studio gleich neben dem Wiener Tiergarten Schönbrunn saßen mit Ingrid Kurz und Erich Simak auch zwei Dolmetscher, die regelmäßig die Funksprüche übersetzten - sofern es Berichtenswertes gab.

Denn nachdem die Mondlandung am Abend österreichischer Zeit über die Bühne ging, mussten danach für das Fernsehpublikum viele Stunden Wartezeit überbrückt werden. Portisch, als Chefkommentator des ORF, bewertete zwischendurch die Situation aus außenpolitischer Sicht. Mit seiner Sendung „Der Mensch im Raum“ war unterdessen der „Mond-Pichler“ bereits in den Jahren zuvor als Experte fürs All bekannt - auch während der Mondlandung erklärte er für das Fernsehpublikum die Vorgänge im All.
Nidetzky erzählte später, dass man zwar viel Material aus den USA vorbereitet hatte, für eine derart lange Zeitstrecke reichte dieses aber nicht aus, weswegen vor allem in den Nachtstunden auch improvisiert wurde. Dazwischen informierte Dolmetscherin Kurz über den aktuellen Stand der Dinge im All und in den USA, das Fernsehsignal zeigte lange Zeit nur die Kommandozentrale in Houston. Die Botschaften aus dem All waren dazu nicht leicht verständlich: Einerseits verwendete man zur Kommunikation mit der Erde eine Vielzahl an Fachausdrücken, andererseits musste das Signal einen langen Weg zurücklegen, die Tonqualität ließ dementsprechend zu wünschen übrig.

ORF
Vor dem Bau des ORF-Zentrums in den 1970ern wurde in temporären Studios am Rande des Schönbrunner Schlossparks gefilmt

ORF
ORF-Chefkommentator Hugo Portisch kommentierte das Ereignis im Fernsehen

ORF
Das mehrköpfige ORF-Team, bestehend aus Portisch (hinten rechts), Herbert Pichler (hinten links), Peter Nidetzky (vorne links) und Othmar Urban (vorne rechts)

In den USA moderierte Nachrichtensprecher Walter Cronkite im Fernsehsender CBS die Mondlandung, dem es im Moment der Landung die Sprache verschlug, ehe er „Ein Mensch auf dem Mond, oh Junge, wow!“ ins Mikrofon sagen konnte. Die US-Fernsehsender arbeiteten mit der NASA zusammen - CBS hatte für das Ereignis etwa Simulationen vorbereitet, die statt des eher statischen Blicks auf die Kommandozentrale das momentane Geschehen im All abbilden sollte, um so die Zeit zu überbrücken.

www.picturedesk.com/Everett Collection
Walter Cronkite moderierte für den US-Fernsehsender CBS die Mondlandung

Dass die USA das Publikum in Europa bis zur besten Sendezeit auf ihrem Kontinent warten ließen, glaubt Klösch nicht. Viel mehr sei der Ausstieg durch die ausgelassene Schlafpause „so hingerutscht“, so Klösch. In den öffentlich abrufbaren Protokollen der Mission lässt sich nachlesen, dass man sich des guten Sendetermins jedenfalls bewusst war: „Ihr Burschen bekommt einen Platz zur besten Sendezeit“, so die Nachricht der Bodenstation an die Mondlandefähre.

Im heimischen Fernsehen war der Ausstieg um kurz vor 4.00 Uhr zu verfolgen, die Marathonsendung damit an ihrem Höhepunkt mitten in der Nacht angekommen. Für das Fernsehen war die Mondlandung nicht nur das erste Großereignis, gleichzeitig auch die beste Werbung für das Medium: Ein knappes Jahrzehnt später gab es eine Million angemeldete Fernsehgeräte mehr in Österreich.

ORF
Zum Zeitpunkt der Mondlandung gab es in rund jedem zweiten Haushalt einen Fernseher

Hartnäckige Verschwörungstheorien
Schon bald nach der Mondlandung wurden unterdessen Zweifel an der Echtheit geäußert - die Verschwörungstheorien rund um Apollo 11 halten sich bis heute hartnäckig. Die amerikanische Flagge habe geweht, obwohl es keinen Wind gab, die Strahlung würde die Astronauten töten, bei der Übertragung soll gar für einige Sekunden eine Cola-Flasche zu sehen gewesen sein, so die Behauptungen der Verschwörungstheoretiker.
Vom Winde verweht
Fünf der im Zuge der Apollo-Missionen aufgestellten sechs USA-Flaggen befinden sich noch auf dem Mond, wie Aufnahmen aus dem Jahr 2012 zeigen. Ausgerechnet die erste, von den Apollo-11-Astronauten aufgestellte Fahne ist darauf jedoch nicht zu sehen - laut Aldrin ist sie beim Abflug durch den Ausstoß des Triebwerks der Mondlandefähre umgefallen.

Mit jeder widerlegten Theorie tauchte in den Jahrzehnten nach Apollo 11 eine neue auf - nur um wenig später ebenfalls widerlegt zu werden. Selbst Regisseur Stanley Kubrick wurde vorgeworfen, an der angeblichen Fälschung der Mondlandung mitgewirkt zu haben - ein Gerücht, das selbst seine Tochter erst vor wenigen Jahren erneut zurückweisen musste.

Abgesehen von unzähligen Beweisen spricht für viele Expertinnen und Experten vor allem ein Argument gegen eine Fälschung: Inmitten des Kalten Krieges hätte die Sowjetunion eine mögliche Vortäuschung einer Mondlandung wohl am ehesten ausgeschlachtet, ist sich auch der Historiker Klösch sicher. Doch selbst Moskau zweifelte nicht an der Landung. Die „Prawda“ berichtete auf der Titelseite über die Geschehnisse, die Sowjetunion gratulierte den USA gar zum Erfolg. Zweifler wurden dadurch - weit über das Ende des NASA-Mondprogramms hinaus - jedoch nicht besänftigt.

Kein Medienspektakel seit Apollo 11
Apollo 11 bleibt bis heute der mediale Höhepunkt der Raumfahrt - die Nachfolgemission Apollo 12 im November des Jahres, die zweite bemannte Mondlandung, ist kaum mehr als eine geschichtliche Fußnote. Charles „Pete“ Conrad, der dritte Mann auf dem Mond, stieg unter der Woche und für die USA sehr früh aus der Mondlandefähre, um den Mond zu betreten. „Hui, das war vielleicht ein kleiner Schritt für Neil, aber für mich ist das ein ganz schön großer!“, kommentierte Conrad seine Schritte. Die NASA hatte erstmals eine Farbkamera an Bord, doch Alan Bean, der vierte Mann auf dem Mond, richtete sie direkt auf die Sonne - und zerstörte sie dadurch.

AP/NASA
Apollo 17 hatte einen Mondrover, ein Gefährt, um die Mondoberfläche zu erkunden, an Bord - es war die letzte Mondmission der NASA

Am 7. Dezember 1972 startete Apollo 17 als letzte der NASA-Missionen, um noch einmal Menschen auf den Mond zu bringen - es war eine Mission der Superlative: Es war die längste der Missionen, mit den längsten Arbeiten auf der Mondoberfläche und mit der größten Menge an Mondgestein, die auf die Erde zurückgebracht wurde. Das Fernsehpublikum konnte man dadurch kaum noch vor die Bildschirme locken. Das einst prestigeträchtige, aber nun vor allem teure Apollo-Programm wurde anschließend beendet. 1975 war der Wettlauf ins All endgültig vorbei: Im Juli, rund sechs Jahre nach der Mondlandung, starteten die Sowjetunion und die USA eine erste gemeinsame Mission - es war gleichzeitig das letzte Mal, dass ein Apollo-Modul ins All gebracht wurde.
50 Jahre Mondlandung: Als der Mond ins Wohnzimmer kam (Teil 2)
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#7
Warum die USA den Wettlauf zum Mond gewannen
Dank Sputnik und Juri Gagarin hatten die Sowjets im Weltraum zunächst die Nase vorn. Umso dringender wollte US-Präsident J. F. Kennedy den Wettlauf zum Mond gewinnen.
Bauplanen verhüllen die Fassade, es staubt. An der Eingangstür blättert die Farbe, auf einem Messingschild neben der Türklinke steht, dass Unbefugte keinen Zutritt haben. Aber auch sonst würden die meisten wohl achtlos vorbeilaufen an dem dreistöckigen Gebäude mit der Adresse 1520 H Street NW in Washington. Dafür ist es zu unscheinbar, liegt es zu eindeutig im Schatten des Weißen Hauses. Was zufällige Besucher nicht ahnen: Dies war das Hauptquartier der National Aeronautics and Space Administration, 1958, als die Nasa gegründet wurde.


"That's one small step for man, one giant leap for mankind": Neil Armstrongs Worte sind berühmt geworden
NASA

John F. Kennedy, damals Senator, gehörte zu den eifrigsten Fürsprechern. Voller Sarkasmus attackierte er Dwight Eisenhower, den Amtsinhaber im Oval Office. In seiner gemächlichen Art, spottete er, finde es der Präsident offenbar beruhigend, dass die Sowjets zwar den ersten Satelliten ins All geschickt, die Amerikaner aber das "Auto der Zukunft" entwickelt hätten, in Form des Edsel, der sich als Flop erweisen sollte. Kennedy dagegen beschwor einen Kraftakt. Massive Staatsinvestitionen, um Weltraumraketen zu bauen. Um die UdSSR zu überholen, brauche man eine Regierung, die sich der Sache ernsthaft annehme.

Inbegriff jugendlicher Dynamik
Dass Eisenhower es gelassener sah, stand in den Augen des Aufstrebenden für alles, was schieflief im Weißen Haus. Und JFK suchte den Kontrast, schon mit Blick auf die Wahl von 1960. Trotz eines Rückenleidens der Inbegriff jugendlicher Dynamik, würde er die Behäbigkeit des gealterten Weltkriegsgenerals durch jenes uramerikanische Gefühl ersetzen: Die Zukunft ist grenzenlos. Er würde unbekümmerter dafür stehen, als es sich sein Widersacher Richard Nixon, Eisenhowers Parteifreund, traute.


John F. Kennedy bei seiner berühmten Rede am 25.5.1961: Dahinter mit gestreifter Krawatte sitzt Lyndon B. Johnson.
Getty

Vorausgegangen war, am 4. Oktober 1957, der Sputnik-Schock. Während der erste Satellit, gebaut in der Sowjetunion, die Erde umkreiste, musste sich das Weiße Haus darauf beschränken, die siebzigtausend Amateurfunker des Landes um Mithilfe zu bitten, damit die Signale der Kugel geortet werden konnten. Was folgte, war eine Sinnkrise, gepaart mit Panik. Nun hätten die Russen im All Fuß gefasst, warnte Lyndon B. Johnson, Senator aus Texas, "und bald werden sie aus dem Weltraum Bomben auf uns werfen wie Kinder, die von Autobahnbrücken Steine auf Autos fallen lassen". Am 12. April 1961 dann der Kosmosflug Juri Gagarins, des ersten Menschen im Orbit, während die von der CIA eingefädelte Schweinebucht-Invasion mit einem Fiasko endete. Der junge US-Präsident, schreibt Historiker Douglas Brinkley in seinem Buch American Moonshot, musste das Blatt wenden. Er suchte die Rückkehr zu den optimistischen Tönen, mit denen er ins Amt gezogen war. Sobald aber jemand den Namen Gagarin erwähnte, soll er gereizt reagiert und weitere Fragen gestellt haben. "Können wir den Mond umkreisen, bevor sie es tun? Können wir vor ihnen einen Menschen auf dem Mond landen lassen? Wann sind wir bereit für den Saturn?"

Rede für die Geschichtsbücher
Sechs Wochen nach Gagarins Premiere, am 25. Mai 1961, hielt Kennedy vor beiden Kammern des Kongresses eine Rede, die in die Geschichtsbücher einging. Wolle man die Schlacht zwischen Freiheit und Tyrannei gewinnen, sollte Gagarins Flug wie schon zuvor der des Sputnik klargemacht haben, welchen Einfluss derartige Ereignisse auf Menschen hätten, wenn sie zu entscheiden versuchten, welchen Weg sie einschlagen sollten. "Ich glaube, diese Nation sollte sich dem Ziel verpflichten, noch vor Ende der Dekade einen Mann auf dem Mond landen zu lassen und ihn sicher zur Erde zurückzubringen." Damit hatte Kennedy den Mond zu einer Art Weltpokal im Ringen des Kalten Krieges erklärt. Mag sein, dass es seiner Überzeugung entsprach. Sicher war es ein schlauer Schachzug, um dem Kongress astronomisch anmutende Summen für das Mondabenteuer abzuringen. Er wusste, selbst konservativen Hardlinern würde es schwerfallen, ihm zu widersprechen, wenn er die Expedition in den Kontext des Systemwettbewerbs stellte.


Juri Gagarin (mit Nikita Chruschtschow) war der erste Mann im Orbit.
Picturedesk

Skeptiker verhöhnte er mit den Worten, sie könnten sich einreihen in die Reihe derer, die sich schon gegen die Pferdekutsche oder Kolumbus' Entdeckungsfahrt über den Atlantik gewehrt hätten. Die Mondlandung, schärfte er dem Nasa-Direktor James Webb ein, habe absolute Priorität, selbst wenn man andere Vorhaben aufschieben müsse. Nicht jeder ließ sich vom Fieber des "Race to the Moon" anstecken. An kritischen Stimmen herrschte kein Mangel. John Williams, ein republikanischer Senator aus Delaware, versuchte es mit bissigem Humor: "Mit dem ausufernden Budget der Nasa dürften die Schulden den Mond erreichen, bevor wir es tun." Joseph Kennedy, der Vater des Präsidenten, soll Vertrauten sein Leid geklagt haben. Und Whitney Young, Direktor der National Urban League, einer Bürgerrechtsorganisation, verwies auf irdische Probleme. "Es kostet 35 Milliarden Dollar, zwei Männer auf dem Mond landen zu lassen. Schon zehn Milliarden würden reichen, um jede arme Person in diesem

Echte Wirkung erzielten die Warnungen nie. Hatte das Budget der Nasa in deren Gründungsjahr noch 100 Millionen Dollar betragen, so stieg es bald rasant an. 1964 lag es um 300 Prozent höher als 1962. Mitte der Sechziger flossen rund fünf Prozent des Gesamthaushalts allein ins "Project Moon", was von den Relationen her etwa einem Drittel des heutigen Verteidigungsetats entspricht. Cape Canaveral, am Rande schlangenverseuchter Sümpfe an der Atlantikküste Floridas gelegen, wurde zum Synonym für technische Weltspitze. Aus Houston wurde "Space City U.S.A."


Synonym für technische Spitze: Die Saturn-Rakete auf der Abschussrampe in Florida
Foto: Nasa

Vizepräsident Lyndon B. Johnson verstand sich darauf, seinen Heimatstaat Texas mehr als jeden anderen von der Reise zum Mond profitieren zu lassen. Kennedy ließ es geschehen, was wohl auch mit wahlpolitischem Kalkül zu tun hatte. Wollte er 1964 im Amt bestätigt werden, brauchte er die Demokraten des Südens, die rassistischem Dünkel noch lange nicht abgeschworen hatten und auf Distanz zu ihm gingen, weil er mit dem Bürgerrechtsprediger Martin Luther King sympathisierte. Das Apollo-Programm aber unterstützten sie, indem Kennedy den Nutzen desselben für die Südstaaten beschwor, versuchte er, sie bei der Stange zu

Alternativen zum kosmischen Duell
1963, in einer Uno-Rede, ließ er erkennen, dass er sich Alternativen zum kosmischen Duell mit Moskau vorstellen konnte. Ernüchtert durch den Nervenpoker der Kubakrise, schien er um Annäherung bemüht. Es gebe Spielraum für Kooperationen. Da im All keine Nation territoriale Ansprüche stelle: "Warum sollte der erste Flug eines Menschen zum Mond eine Sache nationaler Konkurrenz ein?" Das vage Angebot reichte, um bei der Betonfraktion auf Capitol Hill die Alarmglocken läuten zu lassen.Prompt bastelte sie an Gesetzentwürfen, die es der Nasa verboten, im Falle einer gemeinsamen Mondmission mit der Sowjetunion amerikanische Steuergelder zu verwenden. Nikita Chruschtschow wiederum beantwortete Kennedys Offerte in Pokermanier, indem er vorgab, überhaupt kein Interesse an einer Landung auf dem Mond zu haben. Was ihm die Amerikaner nicht glaubten, womit sie richtig liegen sollten: Erst Jahre später, als die Trägerrakete N1 kurz nach dem Abheben in Baikonur explodierte, sollte sich abzeichnen, wer als Erster durchs Ziel kommen würde.


Neil Armstrong, Michael Collins und Buzz Aldrin werden nach der Rückkehr zur Erde von US-Präsident Richard Nixon begrüßt.
NASA

Und dann der Schock. Lee Harvey Oswalds Schüsse in Dallas. Am wichtigsten sei jetzt, dafür zu sorgen, dass Webb dranbleibe, drängte Wernher von Braun, der nicht als Hitlers Raketenbauer, sondern als Spiritus Rector des Apollo-Kraftakts in die Annalen eingehen wollte. Die Sorge, der Nasa-Direktor könnte nach dem Mord an Kennedy an politischem Rückhalt verlieren, erwies sich indes als unbegründet. Johnson, der Nachfolger im Weißen Haus, gab nicht nur Rückendeckung, er schmetterte Zweifel resolut ab. Wann immer welche laut wurden, rief er die Schwankenden zur Ordnung – nach der Devise, dass keiner es wagen möge, am Vermächtnis einer Legende zu rütteln. So paradox das klingen mag, sagt Historiker Brinkley, der Tod des kompromisslosen Antreibers hat den Erfolg der Mondmission erst recht garantiert.
(Frank Herrmann, 20.7.2019)
Warum die USA den Wettlauf zum Mond gewannen - derStandard.at
 
Oben