Anstieg des Meeresspiegels könnte die Hochwassergefahr in den Küstenregionen drastisch steigern

josef

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#1
Hochwassergefahr an Nordeuropas Küsten könnte drastisch steigen
Starkniederschläge und Sturmfluten dürften im Norden künftig häufiger gemeinsam auftreten, berichten Klimaforscher
Graz – Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Küstennähe. Extreme Ereignisse wie Sturmfluten oder Starkniederschläge verursachen in den besiedelten Gebieten heute schon immer wieder beträchtliche Schäden. Forscher rechnen damit, dass solche Extremereignisse in Nordeuropa künftig öfter gemeinsam auftreten werden und damit die Hochwassergefahr steigen könnte.


Extremwetterereignisse nehmen durch den Klimawandel zu. In Nordeuropa dürften Küstengebiete davon künftig verstärkt betroffen sein.
Foto: APA/AFP/GLYN KIRK

Bisherige Abschätzungen für die Hochwassergefahr an Europas Küsten betrachten Sturmfluten und Starkniederschläge unabhängig voneinander, sagte Douglas Maraun vom Wegener Center der Universität Graz. Oft werden diese Extremereignisse jedoch durch die gleiche Wetterlage ausgelöst und treten daher immer wieder auch gleichzeitig auf. Das verschärft die Problematik: Sturmfluten treiben große Wassermengen auf die Küstenregion zu. Dadurch wird vor allem in Flussmündungen das abfließende Wasser des Starkregens aufgestaut und der Wasserspiegel steigt noch mehr.
Modellierte Meeresoberfläche
Maraun war Teil einer internationalen Forschergruppe, die für den europäischen Küstenbereich untersucht hat, wie sich das Hochwasserrisiko, das gemeinsam von Starkregen und Sturmfluten verursacht wird, durch den künftigen Klimawandel verändern könnte. Die Ergebnisse der Zukunftsprognose wurden im Fachblatt "Science Advances" publiziert.

Für ihre Studie nutzten die Forscher ein mathematisches Modell der Meeresoberfläche, das die Entwicklung künftiger Sturmfluten im Rahmen der bisherigen Klimaerwärmung modellierte. Diese Ergebnisse hat die Grazer Forschergruppe mit Niederschlagssimulationen zusammengeführt und in einem komplexen statistischen Modell analysiert. Verglichen wurden Daten aus der Zeitspanne von 1970 bis 2004 mit dem Zeitraum von 2070 bis 2099.


Treten Sturmfluten und Starkniederschläge gleichzeitig auf, staut sich das abfließende Regenwasser an der Küste.Grafik:
Maraun/Uni Graz

"Es zeigt sich, dass in Nordeuropa die Niederschläge intensiver werden, so dass die Gefahr von gleichzeitig auftretenden Starkniederschlägen und Sturmfluten tendenziell steigen könnte", fasste Maraun zusammen. In Küstengebieten könnte es dann im Bereich von Flussmündungen verstärkt zu Hochwasserereignissen kommen.

Rückgang in Südosteuropa
Für die Westküsten Großbritanniens, Nordfrankreichs, der Ost-und Südküste der Nordsee sowie der östlichen Hälfte des Schwarzen Meeres sei unter der Annahme einer weiteren Klimaerwärmung von einer starken Zunahme eines Überschwemmungsrisikos auszugehen. Der Bristol-Kanal und die britische Küste von Devon und Cornwall sowie die niederländische Nordseeküste dürften den Modellierungen zufolge Brennpunkte werden, an denen die "Compound Events" mehr als einmal innerhalb von sechs Jahren auftreten.

In Noorderzijlvest in den Niederlanden dürfte sich das Überschwemmungsrisiko durch das Zusammenwirken der Ereignisse demnach verdreifachen, nahe Bergen an der norwegischen Küste könnte es sich möglicherweise gar verfünffachen. Für Südosteuropa ändert sich das Bild auch – zum Besseren: "Hier dürfte die Zahl der Sturmfluten abnehmen, wodurch die Gefahr gleichzeitiger Extremniederschläge insgesamt eher sinken sollte", so der Klimaforscher.
(red, APA, 22.9.2019)

Abstract
Science Advances: "Higher probability of compound flooding from precipitation and storm surge in Europe under anthropogenic climate change"
Hochwassergefahr an Nordeuropas Küsten könnte drastisch steigen - derStandard.at
 

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#2
Forscher warnen vor drastischem Anstieg der Weltmeere
Selbst bei Einhaltung der Pariser Klimaziele zwischen 2016 und 2030 würde der Meeresspiegel bis ins Jahr 2300 um einen Meter ansteigen

Eisberg in Grönland: ein Symbol des Klimawandels
Foto: imago

Potsdam – Die gegenwärtigen Klimaschutzverpflichtungen weltweit reichen Wissenschaftern zufolge nicht aus, um den Anstieg des Meeresspiegels aufzuhalten. Selbst wenn sich die Länder im Zeitraum von 2016 bis 2030 an die Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen, aus dem die USA am Montag offiziell austraten, hielten, würde dies den Meeresspiegel bis zu diesem Zeitpunkt um 20 Zentimeter ansteigen lassen. Bis zum Jahr 2300 wäre mit einem Anstieg um einen Meter zu rechnen, heißt es in einer aktuellen Studie, die im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" veröffentlicht wurde.

Die Autoren bestätigen damit mehrfach publizierte Studienergebnisse, wonach die globale Erwärmung aufgrund der Eisschmelze zu einem Anstieg des Meeresspiegels führt und in zwei- bis dreihundert Jahren bedrohliche Ausmaße für Küstenregionen haben könnte. Auch der jüngste Bericht des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) vom vergangenen September warnte vor einem dramatischen Anstieg des Meeresspiegels.

Die fünf großen Verursacher von Emissionen
Die vorliegende Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte des erwarteten Meeresspiegelanstiegs auf die fünf größten Verursacher von Treibhausgasemissionen zurückzuführen wäre: China, USA, EU, Indien und Russland. Auf das Konto dieser Länder würden zwölf der 20 Zentimeter des erwarteten Anstiegs gehen – und dies für den Fall, dass sie die Klimaziele aus dem Pariser Abkommen bis 2030 einhalten. Werden diese verfehlt, könnte das in einem noch höheren Anstieg der Meere resultieren.

Erstellt wurde die Studie von Forschern der Climate Analytics in Berlin und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Sie zeigt den Autoren zufolge erstmals die konkreten Auswirkungen der bisher vereinbarten Vorhaben der einzelnen Länder zur Emissionsreduktion im Rahmen des Pariser Klimaabkommens mit Blick auf den längerfristigen Meeresspiegelanstieg. "Was wir heute tun, wird einen großen Einfluss bis zum Jahr 2300 haben", erklärt Alexander Nauels von Climate Analytics, Hauptautor der Studie. Und warnt eindringlich: "20 Zentimeter sind keine kleine Zahl, das entspricht grob dem bisher im gesamten 20. Jahrhundert beobachteten Meeresspiegelanstieg."

Durch das langsame Tempo, mit dem der Ozean, die Eisschilde und Gletscher auf die globale Erwärmung reagieren, "entfalten sich die wahren Folgen unserer Emissionen für den Meeresspiegelanstieg erst über Jahrhunderte", sagt er. "Je mehr Kohlendioxidemissionen jetzt freigesetzt werden, desto stärker bestimmen wir auch bereits den Meeresspiegelanstieg der Zukunft." (red, APA, 5.11.2019)

Studie:
PNAS
Weiterlesen
:
Weltklimarat warnt vor Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Zentimeter jährlich
Der Planet im Teufelskreis

Forscher warnen vor drastischem Anstieg der Weltmeere - derStandard.at
 
#6
Solange Helgoland nicht überflutet wird ist es doch egal.:eek::cool:
Scheint wohl nicht zu befürchten zu sein. ;)
Forscher warnen vor drastischem Anstieg der Weltmeere
Selbst bei Einhaltung der Pariser Klimaziele zwischen 2016 und 2030 würde der Meeresspiegel bis ins Jahr 2300 um einen Meter ansteigen

Entwarnung für Austria: Die Friesen werden doch nicht kommen... :cool:
 

josef

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#7
ZEITALTER IM VERGLEICH
Antarktis-Schmelze ließ den Meeresspiegel schon einmal stark steigen
In der letzten Warmzeit vor der heutigen stieg der Pegel um sechs bis neun Meter an – trotz einer Meereserwärmung von weniger als zwei Grad

Das Camp der Wissenschafter in der "Patriot Hills Blue Ice Area".
Foto: AntarcticScience.com

Um zu prognostizieren, wie sich ein Abschmelzen mächtiger Eisschilde wie denen von Grönland oder der Antarktis auf den Meeresspiegel auswirken wird, kann man auch einen Blick in die Vergangenheit werfen. Ein internationales Forscherteam hat dies getan und die letzte Warmzeit vor der aktuellen näher untersucht, wie die Universität Bonn berichtet. In dieser über 100.000 Jahre zurückliegenden Ära stieg der Meeresspiegel beträchtlich.

Vor etwa 2,7 Millionen Jahren begann das Eiszeitalter, in dem wir immer noch leben. Trotz seines Namens ist es von extrem wechselhaften Bedingungen geprägt: In einer steten Pendelbewegung haben seit seinem Beginn Warmzeiten, auch Interglaziale genannt, mit etwa zehnmal so langen Kaltzeiten gewechselt, in denen es zu massiven Vergletscherungen kam. Die gesamte menschliche Zivilisation seit der Jungsteinzeit, in der Ackerbau und Viehzucht aufkamen, fällt in ein solches Interglazial.

Die Eem-Warmzeit
Das letzte Interglazial davor war die sogenannte Eem-Warmzeit, die vor etwa 129.000 bis 116.000 Jahren für lauschige Bedingungen sorgte. Europa war damals von Neandertalern besiedelt, die Jagd auf Waldelefanten machten. Steigende Meerestemperaturen trieben indes das Abschmelzen der antarktischen Eisschilde an und verursachten einen Anstieg des Meeresspiegels um sechs bis neun Meter. Und es brauchte weniger als zwei Grad Celsius bei der Erwärmung der Ozeane, um zu diesem extremen Anstieg zu führen.

"Damals war der Verlust am westantarktischen Eisschild nicht nur sehr groß, sondern dies geschah auch sehr früh während des letzten Interglazials", sagt Chris Turney von der University of New South Wales, der Hauptautor der Studie. Die Westantarktis gilt auch heute als brisante Region, denn die dortigen Eismassen sind vergleichsweise anfällig.

Problemregion Westantarktis
Der Grund: Im Gegensatz zum höher gelegenen ostantarktischen Eisschild ruht der westantarktische Schild auf dem Meeresboden. Er ist von großen Flächen von schwimmendem Eis, dem so genannten Schelfeis, gesäumt, das den zentralen Teil des Schildes schützt. Wenn das wärmere Meerwasser in die Hohlräume unter dem Schelfeis eindringt, schmilzt das Eis von unten. Dadurch wird das Schelfeis dünner und die zentrale Eisdecke sehr anfällig für die Erwärmung der Meerestemperaturen.

Um zu seinen Daten zu kommen, entnahm das Team einen horizontalen Eiskern in der "Patriot Hills Blue Ice Area" am Rande des westantarktischen Eisschildes. Anstatt kilometerweit ins Eis hineinzubohren, entnahmen sie ihre Proben von einer blauen Fläche, in der jahrtausendealtes Eis an die Oberfläche fließt.

Wiederholt sich die Geschichte?
Die Forscher hoffen, ihre Studie künftig noch ausweiten zu können, um ein noch umfassenderes Bild davon zu erhalten, wie lange das Abschmelzen in der Eem-Warmzeit dauerte und welche Gebiete in der Antarktis am stärksten betroffen waren. Der Blick zurück bleibt aber untrennbar von dem nach vorne: Das damalige Szenario ist auch heute in seinen Grundzügen beobachtbar, sagt Michael Weber vom Institut für Geowissenschaften der Uni Bonn. Es lassen sich daraus also Schlüsse ziehen, wie die zukünftige globale Erwärmung die Eisdynamik und den Meeresspiegel beeinflussen könnte.
(red, 15. 2. 2020)

Abstract
PNAS: "Early Last Interglacial ocean warming drove substantial ice mass loss from Antarctica"
Mehr zum Thema
Wie stark wird die Schmelze in der Antarktis den Meeresspiegel steigen lassen?

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#8
Ungewöhnliche Hitzewelle in der Antarktis besorgt Forscher
In der Casey-Forschungsstation wurden Ende Jänner Hitzewellen mit Rekordwerten aufgezeichnet

Die australische Casey-Station im östlichen Teil der Antarktis lieferte im Jänner besorgniserregende Daten.
Foto: Reuters/AUSTRALIAN ANTARCTIC DIVISION

Außergewöhnliche Wärme in der Antarktis bereitet Wissenschaftern sorgen. Angesichts einer im Jänner erstmals an der Casey-Forschungsstation in der Ostantarktis gemessen Hitzewelle, warnten die Experten vor drastischen Folgen für regionale und globale Ökosysteme. Vergleichbare Hitzewellen seien bisher selten in der Antarktis gemessen worden.

Als Hitzewellen bezeichnen Forscher gewöhnlich eine Aneinanderreihung von mindestens drei Tagen mit extrem hohen Temperaturen. Auch auf der Antarktischen Halbinsel seien Rekordtemperaturen festgestellt worden, hieß es in einem am Montag im Fachmagazin "Global Change Biology" veröffentlichten Bericht. Die Autoren sind Forscher mehrer australischer Universitäten sowie der Australian Antarctic Division der Regierung.

Weitreichende Folgen
An der Casey-Station wurden Ende Jänner – im antarktischen Sommer – an drei Tagen Extreme bei den Höchst- und Tiefstwerten aufgezeichnet. Während die Temperaturen im Minimum jeweils über Null Grad blieben, wurde es am 24. Jänner in der Spitze bis zu 9,2 Grad Celsius warm. Dieses Temperaturmaximum sei fast sieben Grad wärmer als der durchschnittliche Höchstwert an der Station in den vergangenen 31 Jahren.

Die Wissenschafter gehen davon aus, dass abnorm warme Sommer eine Vielzahl von biologischen Auswirkungen haben werden, die noch gar nicht alle abgeschätzt werden können. Der Klimawandel beeinflusse selbst die entlegensten Gebiete des Planeten. Was in der Antarktis passiere, habe Auswirkungen etwa auf Ozeanströmungen und damit auf das Klima in vielen Erdregionen, schreiben die Autoren.
(red, APA, 31.1.2020)

Studie
Global Change Biology: "The 2019/2020 summer of Antarctic heatwaves"

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#9
WARNUNG
Meeresspiegel könnte bis zum Jahrhundertende um einen Meter steigen
Experte: "Was wir heute innerhalb weniger Jahrzehnte tun, bestimmt den Meeresspiegelanstieg für viele Jahrhunderte"
Feuchter Kirchgang im Norden Portugals.
Foto: REUTERS/Jose Manuel Ribeiro

Potsdam – Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) präsentierte diese Woche die Ergebnisse einer Umfrage unter gut hundert Experten für die Entwicklung des Meeresspiegels, wie sie die Zukunft einschätzen. Deren Prognose ist erwartungsgemäß wenig erfreulich: Sollten weiterhin so viele Treibhausgas ausgestoßen werden wie bisher, werde der globale mittlere Anstieg des Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 etwa einen Meter betragen – mit entsprechenden Folgen für heutige Küstengebiete, die teilweise dicht besiedelt sind.

Die neuen Risikoabschätzungen liegen im Schnitt höher als die bisher vom Weltklimarat (IPCC) veröffentlichten, die Schwankungsbreite reicht von 0,6 bis 1,3 Meter. Die Wissenschafter zeigen die verbleibenden Unsicherheiten auf, halten aber zugleich frühere Schätzungen des Meeresspiegelanstiegs für zu niedrig. Ihre Prognose basiere auf zunehmendem Wissen über Ozeane, Eismassen und Wasserkreisläufe.

Für das Jahr 2300 – eine Zeit, an die freilich noch die wenigsten denken dürften – prognostizieren sie im schlimmsten Fall sogar einen mehr als fünf Meter höheren Meeresspiegel, wenn sich nichts ändert. Doch auch für diese ferne Zukunft würden die Weichen bereits heute gestellt. "Was wir heute innerhalb weniger Jahrzehnte tun, bestimmt den Meeresspiegelanstieg für viele Jahrhunderte, das zeigt die neue Analyse deutlicher als je zuvor", erklärte Stefan Rahmstorf vom PIK.

Das sei aber auch eine gute Nachricht, so Rahmstorf. "Wir haben es beim Ausstoß von Treibhausgasen selbst in der Hand, wie stark wir die Risiken für Millionen von Menschen an den Küsten der Welt ansteigen lassen."
(red, APA, 9. 5. 2020)
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