Ziegelwerk Zistersdorf

josef

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#1
Im "Eisenbahnforum Österreich" stellte @Landgraaf einige Aufnahmen von der Sprengung der Schlote des ehemaligen Ziegelwerkes Zistersdorf ein. Da er auch User unseres Forums ist, ersuchte ich Herbert, auch hier ein paar der historischen Fotos einzustellen. Darauf hin übersandte er eine ganze Serie der interessanten Bilder vom Zistersdorfer Ziegelwerk mit der Bitte um Veröffentlichung. Die Fotos stammen aus dem "Archiv bzw. Sammlung der Hohenauer Eisenbahner", welches von Herbert derzeit aufgearbeitet wird.

Besten Dank in die Niederlande an Herbert, vulgo @Landgraaf :bravo:

Habe die Fotos auf 4 Themenkreise aufgeteilt:

1. Ansichten der Ruinen des ehemaligen Ziegelwerkes vor der Sprengung im März 2007:
 

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josef

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#2
Ziegelwerk Zistersdorf - Vorbereitung zur Sprengung

2. Vorbereitungsarbeiten zur Sprengung durch die Sprenggruppen des NÖ Landesfeuerwehrverbandes Gänserndorf und Melk:

Dazu eine Reportage des Pressedienstes der Stadtfeuerwehr Gänserndorf LM Mario Krammel & OBI Christian Koller:
"Kontrollierte Sprengung zweier Kamine am Gelände des ehemaligen Ziegelwerks in Zistersdorf", so lautete die nicht alltägliche Aufgabenstellung für die Sprenggruppen des NÖ Landesfeuerwehrverbandes Gänserndorf und Melk.
Ziel des Einsatzes war eine kontrollierte „Abbruchsprengung der zwei Kamine“ ohne Beschädigung der umliegenden Objekte – angrenzende Kläranlage. Anfang des Jahres wurde das Gelände von der Firma ASA angekauft und der Abbruchsauftrag an die Firma Alpine Mayreder übergeben. Bauleiter Ing. Gernot Steinberger der auch Sprengbefugter der Sprenggruppe 12 Melk ist, kontaktierte die Sprenggruppe 04 Gänserndorf wegen der Sprengung der beiden Kamine.

Mit dem Landessprengbefugten wurde folgende Vorgehensweise festgelegt:
1) Der Kamin mit einer Höhe von ca. 18 Metern wird der Sprenggruppe 12 Melk zur Sprengung zugewiesen.
2) Der Kamin mit einer Höhe von ca. 40 Metern wird gemeinsam der Sprenggruppe 04 Gänserndorf, sowie der Sprenggruppe 13 Mistelbach zugewiesen.

Vorbereitungen für die Sprengung:
10. März 2007 - Die Vorarbeiten für die Sprengung beginnen. Vor Ort wurden 2 Fallschlitze in den 40 m Kamin eingeschossen und der Schutt mit 2 Bohrhämmern ausgebrochen. Dabei wurde festgestellt, dass der Kamin keinen Kühlmantel hat, sondern voll ausgemauert ist. Beim 18 m Kamin wurde von der Sprenggruppe 12 ein Probeloch gebohrt und dabei festgestellt, dass ebenfalls kein Kühlmantel vorhanden ist und er voll ausgemauert ist. Von der Sprenggruppe 12 wurden nun die Vermessungsarbeiten für den Sprengplan durchgeführt.

11. März 2007 - Die Vermessung des 40 m Kamins, der Sprengplan und die Berechnungen für die Sprengung werden von HBI Raynoschek erstellt.
Textquelle mit weiteren Fotos: http://www.fireworld.at/cms/review.php?id=126

Nachstehende Fotos: @Landgraaf aus dem "Archiv bzw. Sammlung der Hohenauer Eisenbahner"
 

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josef

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#3
Ziegelwerk Zistersdorf - Schlotsprengung 17.03.2007

3. Sprengung der 2 Schlote durch die Sprenggruppen des NÖ Landesfeuerwehrverbandes Gänserndorf, Melk und Mistelbach:

Dazu eine Reportage des Pressedienstes der Stadtfeuerwehr Gänserndorf LM Mario Krammel & OBI Christian Koller:

In den frühen Morgenstunden des 17. Aprils war es dann soweit. Die örtlich zuständige Sprenggruppe 04 (Gänserndorf) wurde von der Sprenggruppe 13 (Mistelbach) unter der Leitung von OBI Lorenz Höfling und der Sprenggruppe 12 (Melk) unter der Leitung von BM Rudolf Harrer unterstützt. Insgesamt waren 25 Feuerwehrmänner an dem Sprengeinsatz beteiligt.

„Die Grundlage für eine erfolgreiche Sprengung liegt in der Positionierung, Dimensionierung und zeitlich richtigen Zündung der Sprengladungen“ – so BR Heinrich Koller, Kommandant der Sprenggruppe 04 im Interview.

Basierend auf Sprengtabellen nach „Karl Schnait“ wurden Bohrlochtiefe / Ladeabstand / Lademenge und Zündzeitpunkt ermittelt. Einsatzleiter BR Koller überprüfte nochmals die Berechnungen seiner Mannen - dann ging es den zwei Türmen „an den Kragen“.

17. März 2007 – Es ist soweit, die Sprengung steht unmittelbar bevor.

07:00 Uhr – Treffpunkt am Ziegelwerk.
Der Sprengplan wird in die Tat umgesetzt. Die Sprengbefugten beginnen mit dem Bohren der Löcher zum Einbringen der Sprengladungen. Insgesamt über 88 (!) Löcher mussten etwa 57 cm tief in das Mauerwerk gebohrt werden.

11:00 Uhr – Einbringen der Sprengladungen
Die von den zahlreich anwesenden Sprengbefugten vorbereiteten Sprengladungen, wurden unter der strengen Aufsicht des Einsatzleiters in die Bohrlöcher eingebracht.
Um das Besetzen (Auffüllen der geladenen Bohrlöcher) zu beschleunigen bzw. den Explosionsdruck optimal zu nutzen wurde Brunnenschaum verwendet. Zum Schutz der Umgebung werden Abdeckplanen montiert und mit Stroh abgedeckt.

12:15 Uhr – Räumen des Sicherheitsbereiches
Das Gelände wird geräumt, die Absperrmaßnahmen werden von der FF Zistersdorf nach der Anweisung des Sprengbefugten HBM Raimund Hermann durchgeführt. Nach insgesamt 4 Stunden Vorbereitungszeit wurde eine Sicherheitsunterweisung mit allen Beteiligten durch den Einsatzleiter durchgeführt und die Bedeutung der Sprengsignale erklärt.

13:30 Uhr – Messung des Zündkreises

Nach Räumung des Streubereiches wird das erste Sprengsignal für den 18 m Kamin gegeben und der Zündkreis durchgemessen.

13:33 Uhr – Schuss für den 18 m Kamin
Das zweite Sprengsignal: „Achtung Sprengung steht unmittelbar bevor!“ Nochmaliges Durchmessen des gesamten Zündkreises, die Schießleitung wird an die Zündmaschine angeschlossen – nach Abtun des Schusses waren alle Augen auf das Objekt gerichtet. Oh Schreck der Kamin fällt nicht.

13:35 Uhr – Schuss für den 40 m Kamin
Das zweite Sprengsignal für den 40 m Kamin erfolgt, danach wird der Schuss abgetan und der Kamin fällt wie berechnet in die gewünschte Richtung um. Danach wird eine Besprechung durchgeführt und festgelegt wie der 18 m Kamin nun gesprengt wird. Es wird entschieden eine geballte Anlegeladung einzubringen und mit einem Sandsack zu verdämmen. Dies führte dann beim zweiten Sprengversuch zum gewünschten Erfolg.

Nach Überprüfung der Schuttkegel durch die verantwortlichen Sprengbefugten Steinberger und Raynoschek konnte das 3. Sprengsignal „zur Freigabe der Sprengstelle“ gegeben werden.

Technische Daten:
Verwendeter Sprengstoff:
Austrogel G1, UNNummer 0081, Detonationsgeschwindigkeit 6000 m/s
Sprengstoffmenge: 17,978 kg
Zünder: 26 Stk. Zünder Stufe 0, 62 Stk. Millisekundenverzögerungszünder
Zündverzögerung: 20 ms Zündstufe 1-21

Zum Objekt:

40 m Kamin - 8 eckige Bauart voll durchgemauert ohne Kühlmantel - Wandstärke 95 cm - Bohrlochtiefe 57 cm - 3 Heberschüsse 45 Grad 80 cm tief

18 m Kamin - 4 eckige Bauart voll durchgemauert ohne Kühlmantel
Textquelle mit weiteren Fotos: http://www.fireworld.at/cms/review.php?id=126

Nachstehende Fotos: @Landgraaf aus dem "Archiv bzw. Sammlung der Hohenauer Eisenbahner"
 

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josef

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#5
Kurze Geschichte der Ziegelei Zistersdorf

1898 investierte Johann Krammer das Geld, welches er als Armeelieferant (Erdäpfel und Gemüse) verdiente, in die Errichtung eines Ziegelofens in Zistersdorf.

Als Nachfolger übernahm sein Sohn Martin den Betrieb. Zwischen 1943 und 1947 ruhte der Betrieb.

Während des Krieges wurden Objekte der Ziegelei von der Wehrmacht als Munitionsdepot genutzt.

1949 starb Martin Kramer und der Besitz ging an seine Witwe über. Das Werk war an einem Wiener Rechtsanwalt verpachtet. Der große Bedarf an Ziegeln nach dem Krieg brachte vorerst eine gute Auslastung der Ziegelei. Die totale Überalterung des Maschinenparks und der fehlende Wille zur Modernisierung zwangen anfangs der Sechzigerjahre des vorigen Jahrhunderts zur Einstellung des Betriebes.

Das außerhalb von Zistersdorf, an der Straße nach Gösting liegende Ziegelwerk umfasste einen Ringofen mit Schlot, ein Maschinenhaus mit angeschlossenem Kesselhaus und Schlot, 23 Trockenschuppen aus Holz, einem Verwaltungsobjekt, ein Gasthaus, Arbeiterwohnhäuser und div. Nebengebäude.
Nach der Betriebseinstellung verkam das Gelände zusehends zur Industriebrache.

1992 vernichtete ein, durch zigarettenrauchende Schüler ausgelöster, Großbrand die Reste des Betriebes bzw. verwandelte die Objekte endgültig zu Ruinen. Die Baureste wurden allmählich abgetragen und die Schornsteine 2007 gesprengt.

Auf dem Gelände wurde eine moderne Müllverbrennungsanlage errichtet.


Zusammenfassung aus: Gerhard A. Stadler; „Das industrielle Erbe Niederösterreichs“; Wien 2006; S. 903-905

Beitrag über die ehemalige Feldbahn des Ziegelwerkes siehe hier: http://www.unterirdisch-forum.de/forum/showthread.php?p=69863#post69863

1. Alter, in Zistersdorf gebrannter, Ziegel mit den Initialen J. K. (Johann Krammer).
2. Baureste nach dem Brand von 1992, vor der Abtragung bzw. Sprengung.
3. und 4. Die Industriebrache... heute Standort einer Müllverbrennungsanlage.

Fotos von: @Landgraaf aus dem "Archiv bzw. Sammlung der Hohenauer Eisenbahner"
 

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Harald 41

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#6
:danke Josef und @ Landgraaf;
Für den super Fotobeitrag,die heutige Müllverbrennungsanlage kenne ich,auch die beiden Schlote kommen mir aus meiner Moped bzw. (Lehrzeit) bekannt vor bin damals sicher einige male vorbeigefahren,aber drinnen war ich nie.:motzen:
Hier gibt es auch noch Bilder.
http://schlotforum.wordpress.com/?s=Zistersdorf

LG Harry
 

josef

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#7
Gelände ex Ziegelwerk Juli 2008

Bei einer "Weinvierteltour" machte ich im Mai 2008 die Bilder von der Müllverbrennungsanlagen-Baustelle am Gelände des ehemaligen Ziegelwerkes Zistersdorf.

Am 2. Foto ist die in Bau befindliche Normalspur-AB zu erkennen - Abzweigung von der Strecke Drösing-Zistersdorf.
 

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josef

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#9
Danke Herbert :bravo:

Das Foto zeigt eigentlich 2 historische Motive:
Sehr schön ist noch die Bauform des Ringofens zu erkennen und
den "Blaue Blitz" (Dieseltriebwagen ÖBB Rh 5045/5145) noch mit 4-fenstriger Ausführung des Führerstandes...

lg
josef
 
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