Ybbsitz im niederösterreichischen Teil der "Eisenwurzen" - Besuch der "Schmiedemeile"

josef

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#21
Firma Welser - Bericht über einen weiteren Ybbsitzer Traditionsbetrieb im ORF NÖ.:

„Aus dem Nichts“
Hyperinflation, Firmenpleiten, Massenarbeitslosigkeit – die Zeit von 1918 bis 1939 war durchgehend von Krisen geprägt. Während viele Großbetriebe um ihre Existenz kämpften, legten Firmen wie Welser Profile den Grundstein für den heutigen Erfolg.
Online seit heute, 14.34 Uhr
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„Man musste aus dem Nichts etwas machen“, erzählt Thomas Welser, der den bereits 1664 gegründeten und mittlerweile zum internationalen Konzern aufgestiegenen Betrieb aus Ybbsitz (Bezirk Amstettten) in elfter Generation führt, „aber Not macht bekanntlich erfinderisch“. Im Gegensatz zu heute war der Betrieb damals noch eine kleine Schmiede mit „einer Handvoll Mitarbeiter“, nebenbei führte man eine Landwirtschaft.
Bis zum Ersten Weltkrieg produzierte die Firma vor allem Pfannen, die bereits im 18. Jahrhundert bis nach Japan exportiert wurden. Nach dem Krieg musste man jedoch „wieder bei null angefangen“, erzählt der Firmenchef. Durch die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Familie, wie viele andere in Österreich, ihr Geld. Man wurde zum „Selbstversorger“ und produzierte, was in der Region gebraucht wurde, „um über die Runden zu kommen“.
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Die Wurzeln von Welser liegen im Jahr 1664 im Ybbsitzer „Haus in der Au“ unweit des heutigen Welser-Technologiezentrums

„Eine einzige Krisenregion“
„Niederösterreich war damals eine einzige Krisenregion“, erzählt der Wirtschafts- und Sozialhistoriker Roman Sandgruber mit Blick auf den Beginn der Ersten Republik. Zwar blickte das Land bis dahin auf eine stolze Industriegeschichte zurück. In der Habsburgermonarchie war es bis zum Schluss auch das größte Industrieland, „aber umso schwerer vom Zerfall betroffen“, so Sandgruber.

Der Wirtschaftsraum war mit einem Schlag von der weitläufigen Monarchie mit ihren 52 Millionen Einwohnern auf den Kleinstaat Österreich mit sieben Millionen Menschen geschrumpft. Absatzmärkte in Europa brachen zusammen, ebenso der Zugang zu den Rohstoffgebieten der ehemaligen Kronländer. Niederösterreich war zwar weiter das Zentrum der Spinnereien, doch die Webereien lagen in Mähren und Schlesien.

Kein Bedarf mehr für Rüstungsbetriebe
Gleichzeitig wurde dem Land durch den Friedensvertrag von Saint-Germain die Produktion von Waffen verboten. Dadurch kam die im Ersten Weltkrieg mächtig ausgebaute Rüstungsindustrie im Raum Wiener Neustadt zum Erliegen. „Für das einstige Zentrum der Munitionserzeugung mit riesigen Betrieben war nach dem Ersten Weltkrieg überhaupt kein Bedarf mehr da“, merkt der Historiker an.

Andere Branchen wie die Papier- oder Kunstfaserindustrie hätten zwar zunehmend eine Rolle gespielt, „die Transformation war aber schwierig und lief zäh“, meint Sandgruber. Wegen der zunächst hohen Inflation und später wegen hoher Zinsen bei konstanten Preisen war es für Unternehmer „kaum oder gar nicht möglich, neue und gute Betriebe aufzubauen“.

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Die Inflation der Nachkriegsjahre ließ den Geldwert so rasch sinken, dass die Druckerpressen der Nationalbank die benötigte Banknotenmenge nicht mehr bereitstellen konnten. Auch in Ybbsitz musste die Kommune zur Ausgabe von „Notgeld“ schreiten.

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Einzig der Agrarsektor konnte sich in der Umstellungskrise wirtschaftlich besser behaupten. Vor allem der Wegfall der ungarischen Konkurrenz verschaffte der heimischen Landwirtschaft eine Atempause. Der größte Anteil der Landarbeit wurde noch mit der Hand erledigt. Daher bestand auch ein großer Bedarf an Zugtieren wie Ochsen, Kühen und Pferden. Auch Welser erkannte die Zeichen der Zeit und setzte erneut auf unentbehrliche Produkte für den Landwirt, wie etwa den Viehstriegel.

Pressen statt schmieden
Dem damals 30-jährigen Josef Welser I. gelang es damit, einen neuen Weg einzuschlagen. Von der jahrhundertealten Pfannenproduktion ging er ab. Völlig neu war diese Striegelerzeugung für den Betrieb Welser nicht, denn schon seit etwa 200 Jahren hatte es Striegel auch aus dem Welser-Werk gegeben. Aber diese wurden künftig nun nicht mehr geschmiedet, sondern auf Pressen hergestellt.

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Das Sortiment von Welser für den Alltag aus dem Jahr 1880 reicht vom Maurerpfandl bis zur Frittatenpfanne und zum Waschkessel
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Der größte Anteil der Landarbeit musste damals noch mit der Hand bzw. Tieren erledigt werden

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Ein Angebot von Welser aus dem Jahr 1931 über verschiedene Pferde- und Rinderstriegel

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Ein Brand zerstört im Jahr 1934 das Wirtschaftsgebäude bis auf die Grundfesten

1924 wurden Teile des alten Werks abgerissen. Anstelle der Mühle wurde eine Francis-Turbine eingebaut und auch eine Verzinnerei errichtet. Damit lief die Striegelerzeugung an. Bald zählte Josef Welser I. zu den größten Betrieben dieser Art und belieferte neben zahlreichen Händlern im nunmehr klein gewordenen Österreich auch Abnehmer im Ausland.

Goldgräberstimmung mit fatalen Folgen
In dieser Zeit – nachdem die hohe Inflation durch Währungsreformen gestoppt worden waren – setzte nicht nur im Mostviertel, sondern weltweit eine Erholung ein, aber mit fatalen Folgen. Denn im wirtschaftlichen Aufschwung sahen immer mehr Menschen – vor allem in den USA – im Aktienkauf das schnelle Geld. Die Realwirtschaft hinkte der Goldgräberstimmung an den Börsen aber hinterher. Ein durch Massenproduktion gesättigter Markt, Entlassungen und Kurzarbeit übertrugen sich schnell in Schwankungen der Aktienkurse.

Dies führte zu einer regelrechten Verkaufshysterie an der Börse, was am „Schwarzen Freitag“, dem 25. Oktober 1929, zum Zusammenbruch der New Yorker Börse führte. Dieses Finanzdebakel nahm auch auf Österreich großen Einfluss. Der Schilling wurde enorm entwertet, es folgte eine Reihe von Konkursen und die Arbeitslosigkeit stieg rasant an. „Das war der Gipfelpunkt“, sagt Sandgruber, emeritierter Professor der Johannes Kepler Universität Linz.

Die folgenden Jahre waren durch „Lethargie, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung“ sowie „einer Suche nach dem Schuldigen“ geprägt. Denn vor allem für Mitarbeiter größerer Betriebe hatte die Schließung zur Folge, dass sie nicht nur den Arbeitsplatz, sondern auch die Wohnung und Einkaufsmöglichkeiten verloren. Diese Umstände trugen schließlich zur Demokratiekrise in Österreich bei und trieben die politische Radikalisierung weiter voran.

Vom Handwerks- zum Industriebetrieb
Wirtschaftlich harte Zeiten, die erneut auch Welser trafen. Die Striegelproduktion trug aber auch vor und während der folgenden Kriegsjahre einen wesentlichen Teil zum wirtschaftlichen Überleben der Familie bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste man sich mit den sowjetischen Besatzungssoldaten „arrangieren“, wie Thomas Welser es formuliert, so wurden etwa auf speziellen Wunsch Sterne für deren Uniformen produziert. „Man hat erneut das Beste daraus gemacht.“

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Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen weltweit etwa 2.350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Ab 1960 wuchs das Unternehmen endgültig vom Handwerks- zum Industriebetrieb, vor allem durch die Profilierung, der heutigen Basistechnologie. Heute beschäftigt der Hersteller von u.a. Spezialprofilen oder geschweißten Profilrohren weltweit etwa 2.350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu den Herausforderungen zählen heute nicht mehr fehlende Absatzmärkte oder die Finanzierung, sondern der Fachkräftemangel.

Ein Überbleibsel aus der Zwischenkriegszeit, wie Thomas Welser stolz hinzufügt, ist ein mit Spezialitäten gefülltes Weihnachtspackerl: „Wenn man es sich einigermaßen leisten konnte, hat man den Mitarbeitern über die Feiertage etwas zukommen lassen, um ihnen eine Freude zu machen.“ Aber auch „an einem Strang zu ziehen“ und „gemeinsam innovativ zu sein“ würden das Familienunternehmen „bis heute prägen“.
21.01.2022, Stefan Schwarzwald-Sailer, noe.ORF.at

Link:
„Aus dem Nichts“ zum Weltmarktführer
 

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#22
1977 am Prochenberg gefunden:
Original im NHM-Wien, Abguss im Museum FeRRUM in Ybbsitz

Der Meteorit von Ybbsitz
Der zweitgrößte jemals in Österreich gefundene Meteorit wurde vor 45 Jahren am Prochenberg entdeckt.
NÖN-Ybbstal, 30. JANUAR 2022, |NÖN Redaktion

Bürgermeister Gerhard Lueger ist froh, im FeRRUM einen naturgetreuen Abguss des Himmelskörpers zu besitzen.
FOTO: Lugmayr

Ein aufgrund seines unauffälligen Äußeren von Museumsbesuchern gerne übersehenes Ausstellungsstück im FeRRUM gehört dank seiner Rarität zu den interessantesten Exponaten des Museums.

Es handelt sich dabei um den Ybbsitzer Meteoriten, der durch eine Verkettung von Zufällen im September 1977 von Geologen am Prochenberg sichergestellt worden war.

Ursprünglich dürfte dieser Meteorit aufgrund einer Kollision aus dem Asteroidengürtel unseres Sonnensystems geschlagen worden sein. Er war laut einer Einschätzung des Naturhistorischen Museums Wien, wo sich das 11,9 Kilogramm schwere Hauptbruchstück im Original befindet, dann 1,5 bis 1,7 Millionen Jahre unterwegs, um in den 50er-Jahren auf einer Seehöhe von 650 Metern auf eine Flanke des Prochenbergs einzuschlagen.
Der Aufschlag selbst dürfte von zwei Ybbsitzern wahrgenommen worden sein, die zum selben Zeitpunkt eine ähnliche Beobachtung gemacht haben: Leopold Teufel (gestorben 1972) vom zwei Kilometer vom Fundort entfernten Hof Aigen und Johann Six-Hönigl vom Hof Klein-Haselstein, 1,3 km von der Fundstelle entfernt, berichteten gleichzeitig von einer um 6 Uhr abends wahrgenommenen „äußerst grellen Lichterscheinung am Himmel“.

Für Wolfgang Schnabel von der Geologischen Bundesanstalt wäre das eine Fallzeit, die mit den Ergebnissen der Isotopenmessung und dem Verwitterungszustand des Meteorits gut zusammenpassen könnte.
Der Meteorit von Ybbsitz
 
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