Wechsel- Eisenbahntunnel - FHQ "Frühlingssturm"

#1
Hallo!

Ich hatte vor kurzem mit einem Eisenbahnfreund ein interessantes Gespräch.
Der "Hartbergtunnel" vor Mönichwald an der Aspangbahn, war ja bekanntlich
der Befehlsstand für den Jugosawienfeldzug. Damals war die Strecke nach Hartberg, bzw Wr.Neustadt einen Monat gesperrt. Man hatte damals den "Kommando"-Waggon im Tunnel abgestellt.
Nun habe ich erfahren, das sich im Tunnel selbst ein vermauerter Eingang zu einem seitlichen Bunker (???) befinden soll, der aber zugemauert ist. Im zuge von Renovierungsarbeiten, hatten Arbeiter versucht diesen "Eingang" freizumachen, aber ohne Erfolg.
Anscheinend ist dieser Eingang ordentlich mit Beton vermauert worden.

Weis hier im Forum vielleicht jemand mehr darüber ?

Frohe Weinachten allerseits!!!
 

josef

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#2
FHQ "Frühlingssturm" während des deutschen Einmarsches in Jugoslawien

Hallo @guru:

Ich erlaube mir, so weit bekannt, einige Ergänzungen:

Das mobile FHQ mit Decknamen "Fühlingssturm" bestand nicht aus einem Kommandowagen sondern aus 3 Sonderzügen mit je 14 Vierachsern:

1. Hitlers Führersonderzug Deckname "Amerika" stand im Bahnhof Mönichkirchen vor dem Nordportal des "Großen Hartbergtunnels",

2. Der Befehlszug von Keitel mit dem Wehrmachtsführungsstab, Deckname "Atlas" stand vor dem Südportal des gleichen Tunnels und

3. Der Luftwaffenkommandozug von Göring, Deckname "Asien" stand einige Kilometer südlicher, vor dem Westportal des "Wiesenhöftunnels".

Die Begleittruppen wurden in den angrenzenden Hotels und Gasthöfen untergebracht. Die Kommandozüge waren ständig mit je 2 unter Dampf stehenden Lokomotiven gekuppelt und sollten durch diese nur bei feindlichen Fliegerangriffen in die Tunnels geschoben werden. Neben den Fernsprechverbindungen sorgten auch Draisinen für die Verbindung zwischen den einzelnen Zügen. Die Züge von Göring und Keitel trafen am 11.4.41, der von Hitler am 12.4.41 auf der Aspangbahn ein. Alle 3 Züge fuhren am 27.4.41 wieder ab. In der Literatur wird über die Errichtung von hölzernen Plattformen zum besseren Ein- und Aussteigen aus den Wagen, sowie der Installierung von Wasseranschlüssen und Abflüssen für die Abortanlagen berichtet. Von Einbauten usw. in den Hartbergtunnel wird nichts erwähnt.

Genaueres dazu bei:

Slezak "Kanal-Nostalgie-Aspangbahn", ISBN 3-85416-153-0 Seite74-88 mit ca. 10 Seiten Fotos (Hitler feierte dort seinen 52. Geburtstag) und Karte und bei

F.W.Seidler, D.Zeigert "Die Führerhauptquartiere - Anlagen und Planungen im 2. WK", ISBN 3-7766-2154-0, Seite 130-134.

lg
josef
 
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josef

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#3
Noch ein paar ergänzende Daten:

Die Länge der beiden Tunnels:

Gr.Hartbergtunnel 2.477 m
Wieshöftunnel 1.212 m


Weiters waren zur gleichen Zeit noch Himmlers Sonderzug "Heinrich" am Bahnhof in Bruck an der Mur und der Sonderzug von Ribbentrop "Westfalen" am Wiener Südbahnhof abgestellt/stationiert.

Das OKH benutzte die Militärakademie Wiener Neustadt als Feldquartier. Die Nachrichten-/Fernsprechvermittlung wurde in Kirchberg am Wechsel installiert.

Das 1.157 Mann starke "Führer-Begleitbataillon" war wie folgt untergebracht:

Stab => Bahnhof Mönichkirchen, Hotel Mönichkirchner Hof,
Stabskompanie => Hotel Lang und Gasthof Hofer in Mönichkirchen,
1. Kp. => Gutshof Mitteregg und Hotel Hochwechseln in Mönichkirchen,
2. Kp. => Hotel Lang in Mönichkirchen,
3. Kp. => Hotel Schwarzer Adler in Mönichkirchen.

Fieseler-Storch Landekommando 1 => in der Pappefabrik Aspang,
Fieseler-Storch Landekommando 2 => im Gasthof Waldheim an der Straße Mönichkirchen-Aspang,
Flak-Batterie => im Hotel Schwarzer Adler,
"Graue Kolone" (die 6-Rad PKW's von Hitler) => im Hotel Hochwechsel und die
"Führerkurierstaffel" => in einer Kaserne in Wiener Neustadt.

lg
josef
 
#4
Danke für die Informationen !
Ich werde nochmal nachfragen, um was es sich bei der ominösen vermauerten
Tür im Hartbergtunnel handeln könnte. Mir wurde gesagt das es eben nur mit dieser Begebenheit zusammenhängen kann...
 

josef

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#5
Hartberg-Tunnel

Hallo @guru,

ich will nicht behaupten, dass da nichts war, nur in den mir zur Verfügung stehenden Unterlagen ist nichts ersichtlich. Vielleicht kannst Du über "Bahninsider" die Sache aufklären...

lg
josef
 
#7
In den Eisenbahntunnels sind immer in gewissen Abständen Nischen für Streckenarbeiter, wo die sich dann zurückziehen können, wenn ein Zug kommt.
Im gr.Hartbergtunnel soll am Scheitelpunkt (also in der Mitte) eine grössere Nische sein. Hier soll es einen Durchgang zu einem Raum(Bunker,..??) gegeben haben. Nach dem Abzug der Waggone ist der Eingang vermauert worden.
Das ist alles was ich erfahren habe.
 

josef

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#8
Hallo guru,

besten Dank für die Info, solche größere Nischen, zusätzlich zu den in regelmäßigen Abständen vorhandenen Fluchtnischen gibt es in allen längeren Tunnels. Darin können sich die Rottenarbeiter zurückziehen bzw. dienen auch zur Materiallagerung usw., sind meistens auch mit Fernsprecheinrichtungen ausgerüstet. Kann schon sein, dass da noch zusätzlich ein Schutzraum angebaut wurde.

lg
josef
 
P

Patrick

Guest
#9
Meines Wissens wurde der Durchgang zum Bunker erst im Jahre 1993 zu betoniert! Habe auch vor kurzem mit einem Bahninsider gesprochen!

Der sagte, dass sich sogar Sanitär -und Bettanlagen im Bunker befanden!
Kann mir jemand darüber mehr sagen?!
Danke


Mfg
Patrick
 
P

Patrick

Guest
#10
Hallo!

Es gibt diesen Bunker wirklich! Vom Zug aus kann man den Durchgang zum Bunker erkennen. Es gibt 48 Nischen pro Seite im Tunnel und von Wien aus kommend in Fahrtrichtung auf der rechten Seite die 24. Nische befindet sich der Durchgang zum Bunker!

mfg
Patrick
 

Bunker Ratte

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#11
passend zum Thema hier:
Der Mönichkirchner Hof beim ehem. Bahnhof Mönichkirchen:

Der Mönichkirchner Hof ist einer von mehreren eindrucksvollen Hotelbauten, die um die Wende zum 20. Jahrhundert entstanden sind. Das herrschaftliche Anwesen wurde 1910/11 als Hotel und Gaststätte gebaut, dürfte aber nie wirklich floriert haben. Im Buch „Frühlingssturm – Ein Führer-Hauptquartier in Niederösterreich“ der ARGE Zeitsprünge, erschienen im Kral-Verlag, werden auch der Mönichkirchner Hof und seine Entwicklung im Laufe der Jahre umrissen. Der Beherbergungsbetrieb wurde nach mehreren Besitzerwechseln zwischenzeitlich auch als Erholungsheim genutzt, bevor er wieder als Gasthaus betrieben wurde. Die Gästeflaute hielt aber an, und schließlich wurden hier ab dem Jahr 1985 Asylwerber beherbergt.

Sinnvolles Konzept fehlt noch
Knapp zehn Jahre später kaufte schließlich die Sozialhilfeeinrichtung „Grüner Kreis“ das Haus, in dessen Besitz es bis heute ist. Seit bereits zehn Jahren steht es allerdings leer. Eine zündende Idee, wie man die historischen Gemäuer am sinnvollsten und wirtschaftlich rentabel nutzen kann, gibt es aber bis heute nicht.
Seitens des „Grünen Kreises“ heißt es, man habe zwischenzeitlich geplant, Kleinwohungen für ehemalige Patienten einzurichten, damit diese nach der Therapie Wohnmöglichkeiten finden. Allerdings ist der Standort sehr entlegen, selbst am Bahnhof Mönichkirchen, gleich neben dem Hotel, halten keine Züge mehr.
Zudem müsste das Hotel umfassend saniert werden, was eine große finanzielle Herausforderung wäre und ein sinnvolles Nutzungskonzept voraussetzen würde. Derzeit werden nur laufend kleine Erhaltungsarbeiten von Patienten durchgeführt, ansonsten steht das Hotel leer und ist ungenutzt.

Küchenhilfen im Führerhauptquartier
Das war aber nicht immer so. Das weiß Markus Steinbichler aus erster Hand. Großmutter Theresia Mayer ist in einem „Kleinhäusl“ bei Mitteregg aufgewachsen – gleich in der Nähe des Hotels. Großmutter und Urgroßmutter haben in den 1940er-Jahren als Küchenhilfen im Hotel gearbeitet – auch zu der Zeit, als hier das „Führerhauptquartier“ für den Jugoslawien-Feldzug Einzug hielt (11. bis 25. April 1941).
Aus dieser Zeit sind ein paar alte Schwarz-Weiß-Fotos der Küchenbelegschaft vor dem Hotel und ein spezielles Rezept geblieben, das bis heute als Familienerbstück weitergegeben wird: die Blättertorte, eine Variante der bekanntesten ungarischen Torte – der Dobostorte (ungarisch: Dobostorta).
Diese wird seither traditionell und mit viel Aufwand für Familienfeiern zubereitet und ist bei keinem Geburtstag in der Familie Mayer/Steinbichler wegzudenken.
Quelle: Bote aus der Buckligen Welt

die ersten Bilder meiner Begegnung:
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Bunker Ratte

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#13
Der naheliegende ehem. Bahnhof Mönichkirchen mit seinem Wärterhaus und der Große Hartbergtunnel:
zur Geschichte der Wechselbahn aus Wiki:
Der Bau der Wechselbahn fand im Zuge des Baues der „Neuen Alpenbahnen“ statt, mit denen der Staat Österreich-Ungarn versuchte, das Transportmonopol der privaten Südbahngesellschaft nach Triest zu brechen. Die Bahnstrecke wurde am 11. Oktober 1910 eröffnet[1] und am folgenden Tag dem Verkehr übergeben. Beim Bau kamen 16 Arbeiter ums Leben, mehr als 1600 Personen wurden verletzt.
Die Hartbergtunnel bei Mönichkirchen dienten dem beweglichen Führerhauptquartier „Frühlingssturm“ vom April 1941 als Ort zur Leitung des Balkanfeldzugs.

Fahrzeuge
Seit Anfang 2005 werden auf der Strecke im Personenverkehr die Triebwagen ÖBB 5022 (Desiro) von Siemens und VT 5047, bei lokomotivbespannten Zügen (zum Großteil City-Shuttle-Garnituren) die Baureihe 2016 Hercules eingesetzt. Güterzüge sind meist ebenfalls mit diesem Typ bespannt. Bis zu diesem Zeitpunkt fuhren auf der Strecke die VT 5047 und VT 5147 sowie die Lokomotiven der Reihe 2143 beziehungsweise 2043.

der ehem. Bahnhof Mönichkirchen:
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Bunker Ratte

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#14
Der naheliegende ehem. Bahnhof Mönichkirchen mit seinem Wärterhaus und der Große Hartbergtunnel Teil2:
Bild17&18 das ehem. Wärterhaus wird als Ferienhaus benutzt.
Bild20-25 Nordportal des Großen Hartbergtunnels nahe ehem. Bahngebäude Mönichkirchen


Das ehem. Wärterhaus Bild17
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Tunnelportal Bild20
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Oberhalb des Portals Blickrichtung ehem. Bahnhof Mönichkirchen:
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19sra86

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#15
Hallo Bunker Ratte!
Hast du auch den "Bunker mit Mahnmal" auf halben Weg zwischen Bahnstadion und Tunnel im Wald entdeckt?
Da bin ich zufällig drüber gestolpert als ich austreten musste! Hier Bilder vom September 2017.
Mfg Stefan
 

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Bunker Ratte

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#17
Bahnhof Tauchen Schaueregg an der Wechselbahn Teil1:
bei meiner Tour im Wechselland einen weiteren Bahnhof an der Wechselbahn besucht!

ein kleiner geschichtlicher Auszug zu Tauchen am Wechsel aus Wiki:
Das Aufnahmsgebäude des Bahnhofs des Ortes (649 m ü. A.) steht unter Denkmalschutz. Es stammt noch aus der Erbauung der Wechselbahn in den 1900er Jahren (Einweihung 12. Oktober 1910), und ist ein repräsentativer Vertreter der Österreichisch-Ungarischen Bahnhofsarchitektur. Kennzeichnend ist die späthistoristische Formensprache der ausgehenden Gründerzeit. Das Gebäude zeigt profilierte Vordachsteher, Laubsäge-Zierrat und die kleinfacettierten Fensterflächen, wie es auch für die Sommerfrischen-Häuser des Heimatstils mit ihren Veranden typisch ist.

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josef

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#19
Danke Michi für die tolle Fotodokumentation!

Noch eine Ergänzung zum Bahnhof Tauchen-Schaueregg:

Der Bahnhof liegt bereits in der Steiermark, knapp hinter der Landesgrenze zu Niederösterreich und ist 1,9 km vom Südportal des "Großen Hartbergtunnels" entfernt. Dort stand, wie bereits im Beitrag #2 berichtet, der Befehlszug von Keitel mit dem Wehrmachtsführungsstab, Deckname "Atlas". Bei der am Nordkopf des Bahnhofes befindlichen Brücke über den "Grenz- bzw. Tauchenbach" war ein Feuerwehr-Spritzenwagen postiert, der das "Speisewasser" für die beiden ständig unter Dampf stehenden Lokomotiven des Befehlszuges vom Bach zu den Loks hochpumpte. (Quelle: Slezak, Kanal-Nostalgie-Aspangbahn, Wien 1990, Bildtext S.86).
 

josef

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#20
Situation des FHQ "Frühlingssturm"

Position der Befehlszüge:
"Amerika" -> Hitler
(Nordportal Großer Hartbergtunnel - Bahnhof Mönichkirchen, Hotel "Mönichkirchner Hof")
"Atlas" -> Keitel mit Wehrmachtsführungsstab (Südportal Großer Hartbergtunnel - Nähe Bahnhof Tauchen-Schaueregg)
"Asien" -> Göring Luftwaffe (Westportal Wiesenhöftunnel)

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