Vor ca. 11,5 Millionen Jahren mündete das Delta der "Ur-Donau" im Bereich von Mistelbach, Zistersdorf, Aderklaa bis Wien in den riesigen "Pannon-See"

josef

Administrator
Mitarbeiter
#1
Ur-Donau-Delta im Norden von Wien entdeckt
1644935993736.png

Vor rund 11,5 Millionen Jahren ist erstmals durch das österreichische Alpenvorland die Ur-Donau geflossen. Forscher konnten ihr Delta nun mit Hilfe modernster Technik der OMV in mehr als 600 Meter Tiefe präzise lokalisieren.
Online seit heute, 13.06 Uhr
Teilen
Der Paläontologe Mathias Harzhauser vom Naturhistorischen Museums Wien entdeckte es gemeinsam mit Fachleuten der OMV und der Universität Graz im Norden Wiens. 3-D-Seismik der OMV ermöglicht eine virtuelle Reise in das späte Miozän, als sich von Mistelbach über Zistersdorf bis Aderklaa (Niederösterreich) und die Wiener Stadtgrenze im Süden das Delta der Ur-Donau erstreckte, heißt es in einer NHM-Aussendung.

Zahlreiche Funde von Fossilien
Den Verlauf der Ur-Donau kennt man schon länger, Zeuge davon ist ein über 80 Kilometer langer, bis zu 14 Kilometer breiter Geländerücken im zentralen Weinviertel (NÖ). Durch sogenannte Reliefumkehr finden sich Schotter und Sande, die sich ursprünglich im Flussbett der Paläo-Donau abgelagert hatten, heute auf diesem Höhenrücken, etwa am Spielberg bei Großriedenthal. In Schottergruben in der Region werden immer wieder fossile Knochen von gewaltigen Elefanten und hornlosen Nashörnern oder Zähne von Dreizehen-Pferden gefunden.


NHM Wien, Mathias Harzhauser
Ausdehnung des Deltas der Ur-Donau vor 11,5 Millionen Jahren

Zu dieser Zeit mündete die Ur-Donau in den riesigen Pannon-See, der große Teile Ostösterreichs, Ungarns, Kroatiens und Rumäniens bedeckte. Die ehemaligen Deltakörper kartierten die Forscher im Fachmagazin „Global and Planetary Change“ und zeichneten die Evolution des Deltas nach.

Den Forschern zufolge verlagerte die Ur-Donau etwa alle 40.000 Jahre ihre Mündungsarme und baute nach und nach bei Großengersdorf, Aderklaa, Markgrafneusiedl, Matzen und Zistersdorf ihre Deltakörper vor. Durch das allmähliche Absinken des Untergrunds des Wiener Beckens wurden die Schotter und Sande der Ur-Donau immer weiter abgesenkt und unter jüngeren Sedimenten begraben. So wurden in hunderten Metern Tiefe die Mäander einzelner Flussläufe konserviert und auf den Deltaflächen blieben ausgedehnte Dünenfelder erhalten.

NHM Wien, Mathias Harzhauser
Die Seismik zeigt Sanddünen und ehemalige Flussläufe in mehr als 600 Metern Tiefe begraben

Kleiner als heutiges Donaudelta
Mit einer Fläche von 850 Quadratkilometer war das Urdonau-Delta rund sechs Mal kleiner als das der heutigen Donau, was gut zu dem deutlich kürzeren Verlauf passt. Weit in das Wiener Becken vorbauen konnte sich das Delta aufgrund des trocken-heißen Klimas. Der Pannon-See hatte einen extrem niedrigen Wasserspiegel. Während die vielen Flussarme und Deltaseen von dichtem Auwald mit Wassernüssen, Sumpfzypressen und Amberbäumen gesäumt waren, prägten offene Landschaften das Hinterland.

Auch das Ende dieses Ur-Donaudeltas konnten die Forscher entschlüsseln. Nach nur 200.000 Jahren – in geologischen Zeiträumen ein Wimpernschlag – stieg der Wasserspiegel des Pannon-Sees um mehrere Zehnermeter an und drängte das Delta weit in das Alpenvorland zurück. Das Delta und seine Aulandschaften wurden rasch geflutet. Schuld an der Katastrophe war ein Klimawandel, der zu verstärkten Regenfällen führte.
15.02.2022,red, science.ORF.at/Agenturen
Ur-Donau-Delta im Norden von Wien entdeckt
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
PALÄONTOLOGIE
Uralte „Methanfresser“ im Untergrund Wiens entdeckt
1687187689811.png

Die Bauarbeiten zur U-Bahn in Wien führen immer wieder zu überraschenden Entdeckungen. In Bohrkernen haben Fachleute nun winzige, elf Millionen Jahre alte Mineralröhrchen entdeckt. Sie stammen von Mikroben, die sich von Methan ernährten.
Online seit heute, 12.08 Uhr
Teilen
Dies berichtet ein Team um Mathias Harzhauser, Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung am Naturhistorischen Museums Wien (NHM), im Fachblatt „Communications Earth & Environment“.

Urzeitlicher Pannon-See
Der Hintergrund: Vor elf Millionen Jahren bedeckte der sogenannte Pannon-See das gesamte Pannonische Becken und reichte von der heutigen Tschechischen Republik bis Serbien. Wien lag am westlichen Ufer des Sees. In den mehr als fünf Mio. Jahren seiner Existenz entstanden mächtige Tonablagerungen dieses Sees, in denen sich zahlreiche fossile Schalen von Muscheln und Schnecken finden, die eine detaillierte Rekonstruktion der Lebensräume erlauben.

NHM Wien, Mathias Harzhauser

Allerdings fehlen in meterlangen Abschnitten der Bohrkerne, die aus dem Untergrund Wiens genommen wurden, solche Fossilien völlig. Mathias Harzhauser und sein Team entdeckten in diesen Bereichen allerdings bisher unbekannte Strukturen: winzige, nur wenige Millimeter lange Röhrchen, die aus winzigen Kugeln aus dem Mineral Pyrit zusammengesetzt sind. Diese bildeten sich vor rund 11,3 Mio. Jahren im Frühstadium des Pannon-Sees, als die Seeoberfläche kleiner war und große Inseln aufwies.

Mikroben verursachten Pyrit-Kügelchen
Gemeinsam mit Zhiyong Lin von der Universität Hamburg identifizierte Harzhauser Mikroorganismen als Verursacher dieser Pyrit-Kügelchen. Die Mikroben ernährten sich von Methan, das zuvor von einer anderen Gruppe von Mikroorganismen gebildet wurde. Die röhrenförmigen Strukturen entstanden wahrscheinlich entlang winziger Kanäle, an denen das Gas durch den Schlamm nach oben drang.

NHM Wien, Mathias Harzhauser
Die winzigen Röhrchen aus Pyrit unter dem Mikroskop

Diese Lebensgemeinschaft von Mikroorganismen dürfte der Grund gewesen sein, warum das damals ohnehin schon warme Klima nicht noch weiter kippte. Denn Methan zählt zu den stärksten Treibhausgasen. „Die Mikroorganismen verhinderten Schlimmeres, indem sie das Methan auffraßen“, so Harzhauser in einer Aussendung.

Voraussetzung dafür ist ein völlig sauerstofffreier Lebensraum. Manche Mikroben können in einer solch lebensfeindlichen Zone bei Vorhandensein von Sulfat Methan oxidieren, um Energie zu gewinnen. Dabei entstanden die nun entdeckten Pyrit-Kügelchen. „Das waren Verwandte von Schwefelbakterien, die man auch heute noch findet“, sagte Harzhauser.
19.06.2023, red, science.ORF.at/Agenturen

Mehr zu dem Thema
Uralte „Methanfresser“ im Untergrund Wiens entdeckt
 
Oben