Umstrittener Polizeieinsatz an der Gedenkstätte Peršmanhof in Bad Eisenkappel / Železna Kapla

josef

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#2
Polizeieinsatz bei Antifa-Sommercamp
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Beim Museum Peršmanhof in Bad Eisenkappel findet ein antifaschistisches Sommercamp statt. Wegen illegalen Campierens habe ein Einsatz mit Bezirkshauptmannschaft und Bundesamt für Asyl und Fremdenwesen stattgefunden, so die Polizei. Der massive Polizeieinsatz sorgt für Kritik, es wird Aufklärung gefordert.
27. Juli 2025, 17.48 Uhr (Update: 27. Juli 2025, 19.18 Uhr)
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Am Peršmanhof treffen einander derzeit rund 60 Personen des antifaschistischen Camps, alles junge Erwachsene aus Österreich, Italien und Slowenien. Das Camp beschäftige sich mit Themen anlässlich des 80. Gedenkjahres an das Ende des Zweiten Weltkrieges. Dabei seien in Form von Vorträgen und Workshops sowohl die Rolle des Antifaschismus in Österreich und Europa, als auch Formen des würdigen Gedenkens diskutiert worden, so der Verein Peršmanhof. Veranstaltet wird das Camp vom Club Slowenischer Studierender in Wien.

Beim Versuch, die Identitäten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer festzustellen, seien die einschreitenden Polizeibediensteten von den Teilnehmern teils körperlich bedrängt worden, heißt es im Polizeibericht. Da sämtliche anwesenden Personen ihre Verpflichtung verweigerten, an der Identitätsfeststellung mitzuwirken, seien vorsorglich weitere Polizeikräfte zur Unterstützung angefordert worden, so die Polizei.

Ein Leichtverletzter
Als die Polizei das Museumsgebäude betreten wollte, hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Camps versucht, sie daran zu hindern. Letztlich gelangten die Polizeibediensteten in das Gebäude, wobei einige Personen versuchten, ebenfalls in das – zu diesem Zeitpunkt überfüllte – Gebäude einzudringen. Sie seien mehrmals aufgefordert worden, zurückzutreten, ließen aber nicht von ihrem Vorhaben ab, so die Polizei.

ORF Archiv
Der Peršmanhof ist sehr abgelegen

Bei dem Versuch der Polizei, die Eingangstüre zu schließen, wurde eine Person leicht verletzt und von der Rettung ambulant versorgt. Der Mann wird wegen des Verdachts des Widerstands gegen die Staatsgewalt bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt angezeigt.

Mehrere Anzeigen erstattet
Es wurden drei Menschen nach dem Fremdenpolizeigesetz festgenommen. Bei einer Person konnte nach der Identitätsfeststellung die Festnahme sofort wieder aufgehoben werden. Zwei weitere Personen wurden auf die Polizeiinspektion Bad Eisenkappel gebracht, wo ihre Identität ebenfalls festgestellt und die Festnahme aufgehoben wurde. Es ergehen mehrere Anzeigen nach diversen Kärntner Verwaltungsgesetzen. Das Sommercamp fand bereits im Vorjahr statt, damals gab es keine Beanstandungen.

ORF
Gedenkstatue am Hof

Schauplatz von NS-Massaker
Der Bergbauernhof Peršmanhof der Familie Sadovnik war ab 1942 ein wichtiger Stützpunkt der Widerstandsbewegung, die sich von Jugoslawien ausgehend auch in Kärnten stark verbreitet hatte. Kurz vor Kriegsende, am 25. April 1945, verübten Angehörige des SS- und Polizeiregiments 13 ein Massaker am Peršmanhof. Elf Personen, alles Angehörige der Familien Sadovnik und Kogoj, wurden erschossen. Heute ist der Peršmanhof nicht nur einer der wichtigsten Erinnerungs- und Gedenkorte der Kärntner Sloweninnen und Slowenen, sondern auch ein musealer Lernort.

Sadovnik: Erschüttert von massivem Polizeieinsatz
Bernard Sadovnik, Bürgermeister von Globasnitz und Obmann der Gemeinschaft der Kärntner Slowenen und Sloweninnen, sagte gegenüber dem ORF, er sei erschüttert und überrascht von diesem massiven Polizeieinsatz. Man sei nicht sensibel vorgegangen, diese jungen Menschen betreiben am Hof Gedenkkultur. Man habe wohl zu wenig nachgedacht, was dieser Einsatz auslöse. Er fordert Aufklärung über die Hintergründe, warum es zu so einem massiven Auftreten der Polizei gekommen sei.

Sadovnik wandte sich in einem Schreiben auch an die Bundesregierung mit der Bitte, für Aufklärung zu sorgen. „Als Nachkomme der am Peršmanhof ermordeten Familie Sadovnik und jemand, der seit Jahren gemeinsam mit den höchsten politischen Repräsentant:innen der Republik das Gedenken mitträgt, empfinde ich diesen Einsatz aufgrund von angeblichen Verwaltungsübertretungen als unverhältnismäßig, respektlos und retraumatisierend. Dieses Vorgehen reißt alte Wunden auf. Es erschüttert mein Vertrauen – nicht nur in die Sensibilität staatlicher Organe, sondern auch in das ehrliche Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus“, heißt es in dem Schreiben.

Verein Peršmanhof: Fehlende Sensibilität
Laut Aussendung des Vereins Peršmanhof habe es ein Großaufgebot an Polizisten und Polizistinnen mit sieben Polizeifahrzeugen gegeben, teils waren die rund 30 Einsatzkräfte schwer bewaffnet. Im Einsatz seien auch ein Polizeihubschrauber, Drohnen und eine Polizeihundestaffel gewesen.
Markus Gönitzer, Obmann Društvo Verein Peršman, sagte, das Vorgehen der Behörden und der Exekutive zeuge von großer Ignoranz und fehlender Sensibilität gegenüber dem sensiblen historischen Kontext, in dem das Museum Peršmanhof arbeite. Im Erinnerungsjahr 2025 sei ein solches Vorgehen an einem ehemaligen NS-Tatort nicht nur eine schmerzliche Erfahrung für das Museum, sondern für alle Gedenkstätten und -initiativen des Landes.

„Zelte auf Privatgrund“
Eva Hartmann vom Verein Peršmanhof sagte es handle sich um ein internationales Treffen von jungen Erwachsenen zum Thema Erinnerungskultur. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmern seien selbst Nachkommen von NS-Opfern. Zum Vorwurf des illegalen Campens sagte sie, die Zelte stehen alle auf dem Privatgrund des Hofs.

Team Kärnten forderte Aufklärung
Die Vorfälle am Peršmanhof, einer zentralen Gedenkstätte in Kärnten, müssen lückenlos aufgeklärt und aufgearbeitet werden fordern Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer und der TK-Volksgruppensprecher im Landtag, Franz Josef Smrtnik, in einer gemeinsamen Stellungnahme. Es müsse beleuchtet werden, welchen Einfluss das Land und insbesondere die Bezirkshauptmannschaft hier hatten und welche Hintergründe genau vorlagen. Smrtnik, Vizebürgermeister der Marktgemeinde Eisenkappel-Vellach, sieht offene Fragen bezüglich der Verhältnismäßigkeit, vom Verwaltungsaufwand bis hin zu den Kosten der Amtshandlung.

Kaiser für Zusammenarbeit und Gespräch
Zum Polizeieinsatz sagte Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) in einer Aussendung, noch ohne alle Details zum Polizeieinsatz am Peršmanhof zu kennen, rufe er alle Beteiligten zur Zusammenarbeit und zum Gespräch auf. Er nehme diesen Zwischenfall zum Anlass, um erste Schritte einzuleiten, um solche Eskalationen künftig zu verhindern. „Der Peršmanhof ist ein Ort des Gedenkens. Ein Ort der uns daran erinnern soll, dass Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft keinen Platz haben dürfen.“ Nach Beendigung des Camps werde Kaiser die Museumsleitung, Vertreter des Verfassungsschutzes, der Bezirkshauptmannschaft und der Gemeinde zu einem Gespräch einladen.

Der Vorsitzende der Enotna Lista, Gabriel Hribar, zeigte sich erschüttert über den in keiner Relation stehenden Polizeieinsatz inklusive Cobra und Hubschrauber wegen angeblicher Verwaltungsübertretungen. Ein derart massiver Einsatz erfordere Planung und sei aus Sicht der EL eine gezielte Aktion, die enormes Potenzial habe, wieder Unfrieden ins Land zu bringen.
red, kaernten.ORF.at

Links:
Museum Peršmanhof
KSSD

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#3
„Runder Tisch“
Peršmanhof: Erste Entschuldigungen
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Nach dem umstrittenen Polizeieinsatz am Peršmanhof am Sonntag, hat am Mittwochnachmittag ein Runder Tisch in der Landesregierung mit Vertretern der Polizei, der Behörden sowie der Kärntner Slowenen stattgefunden. Man wolle Dialogbereitschaft aufrechterhalten. Es gab erste persönliche Entschuldigungen.
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Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sagte nach dem Runden Tisch vor der Presse, dass dieser Polizeieinsatz am vergangenen Sonntag Folgen haben werde. Aufklärung bis Ende August sei gefragt: „Dafür wird nach den gestrigen Gesprächen, die ich mit dem Bundesministerium für Inneres und mit dem Staatsschutz geführt habe, eine entsprechende Kommission beim Bundesministerium für Inneres eingerichtet werden. Sie wird alle Aspekte, die in diesem Fall von Bedeutung sind, behördlich, rechtlich, aber auch gedenkkulturmäßig und psychologisch bearbeiten.“

Bezirkshauptmann Gerd Klösch antwortete nach dem Runden Tisch auf die Frage des ORF, ob die Behörde alles richtig gemacht habe: „Ich gehe davon aus, ja.“

Polizei und Staatsschutz entschuldigen sich
Der Obmann der Gemeinschaft der Slowenen und Sloweninnen, Bernard Sadovnik, der außerdem Vorsitzender des Volksgruppenbeirates ist, ging sehr betroffen aus der Sitzung. Er sagte, er hoffe, dass so etwas nie mehr vorkomme. Er sei entsetzt über das, was in den sozialen Medien geschrieben wird und sprach davon, dass sich sowohl der Leiter des Kärntner Staatsschutzes als auch der stellvertretende Landespolizeidirektor bei ihm entschuldigt haben: " Das ist ja nicht nur eine Entschuldigung gegenüber meiner Person. Ich habe es auch heute beim runden Tisch angeführt. Es sind ja sehr viele junge Menschen betroffen."

Der Verein Peršmanhof, der dieses antifaschistische Treffen mitorganisiert hat, war heute nicht beim runden Tisch. Man sei noch zu betroffen heißt es.

FPÖ: „Nicht Aufgabe des Landeshaupmanns“
Die Freiheitliche Partei kritisierte heute den runden Tisch, es sei nicht Aufgabe des Landeshauptmannes, den Polizeieinsatz zu diskutieren, so FPÖ- Parteiobmann Erwin Angerer.
30.07.2025, red, kaernten.ORF.at

Links:
Einsatz beim Peršmanhof wohl vorgeplant
Landesregierung will Dialog herstellen

Peršmanhof: Erste Entschuldigungen
 

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#5
Erinnerungskultur
Verdrängter Widerstand gegen das NS-Regime: Wer waren die Kärntner Partisanen?
Im zweisprachigen Kärnten entwickelte sich eine einzigartige Widerstandsbewegung. Der Peršmanhof, Stützpunkt der Partisanen, ist bis heute Ziel von Revisionisten

Das Partisanendenkmal vor dem Museum Peršman wurde ursprünglich bereits 1947 in Völkermarkt aufgestellt. 1954 wurde es von Unbekannten gesprengt, seit 1983 steht es am Peršmanhof.
Johannes Puch

Kurz nach der Machtergreifung der Nazis, im August 1938, gab Alois Maier-Kaibitsch, Leiter der "Volkstumsstelle" des Gaus Kärnten, eine Studie in Auftrag: Drei deutschnationale Kärntner Wissenschafter rund um Herbert Paschinger sollten Gemeinde für Gemeinde durchforsten, um "Nationalslowenen" zu identifizieren. Deutschnationale – die durch das NS-Regime auch in staatliche Machtpositionen gespült wurden – bezeichneten mit diesem Begriff slowenischsprachige Kärntnerinnen und Kärntner, die nicht bereit waren, sich unterzuordnen oder eindeutschen zu lassen. Sie galten als "fremdvölkisch", als Feinde.

1645 Personennamen und die Größe ihres Besitzes wurden auf die Liste gesetzt. 285 Namen waren mit Zusätzen wie "gefährlich", "verbissen" oder "eingefleischter Hetzer" versehen. Als erste Maßnahme schlugen die Studienautoren vor, gegen slowenische Priester vorzugehen, die als "Intellektuelle" galten und eine wichtige Rolle bei der Bewahrung der slowenischen Sprache spielten. Diese systematische Erhebung sollte vielen zum Verhängnis werden. Rund 70 Prozent der später von Deportationen betroffenen slowenischen Familien finden sich auf dieser Liste, wie der Historiker Peter Pirker, tätig im Kärnten-Museum und an der Uni Innsbruck, gemeinsam mit dem Studenten David Ressmann herausgefunden hat. Herbert Paschinger, Autor der Liste und NSDAP-Mitglied, verfolgte übrigens nach dem Krieg noch eine lange Uni-Karriere.


Die Listen von "Nationalslowenen", die bereits 1938 von den Nazis erstellt wurden, sind nun öffentlich zugänglich in der Sonderschau im Kärnten-Museum, jeder kann sich die Dokumente auch mitnehmen.
Johannes Puch

Das Dokument, auf das Pirker erst vor kurzem in der Universitätsbibliothek Innsbruck gestoßen ist, ist derzeit vollständig zu sehen in der Ausstellung Hinschaun! Poglejmo. Kärnten und der Nationalsozialismus. Koroška in nacionalsocializem in Klagenfurt. Noch bis 26. Oktober richtet die Ausstellung im Kärnten-Museum den Blick auf viele bisher kaum aufgearbeitete Facetten der Kärntner Geschichte, unter anderem auch auf das NS-Massaker am Peršmanhof, der kürzlich Schauplatz einer umstrittenen Polizeiaktion war. "Es gab einige sehr emotionale Situationen, als Menschen die Namen ihrer Familien auf den Listen gefunden haben", erzählt Pirker, der die Ausstellung kuratiert, im Gespräch mit dem STANDARD. "Viele wussten nicht, warum sie deportiert wurden, die Studie war eine der Grundlagen dafür."

Zu Staatsfeinden erklärt
Im April 1942 wurden knapp 1100 Kärntner Sloweninnen und Slowenen als "Volks- und Staatsfeinde" enteignet und gewaltsam in Lager nach Deutschland gebracht, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Zusätzlich wurden mehr als 60.000 Slowenen aus den besetzten Gebieten Oberkrain und Untersteiermark deportiert. Diese Erfahrung massiver Verfolgung führte dazu, dass sich auch die Stimmung unter vielen Menschen im zweisprachigen Gebiet, die sich zuvor noch loyal dem NS-Regime gegenüber gezeigt hatten, radikal änderte. Die Bereitschaft zum Widerstand wuchs.

Immer mehr Kärntner Slowenen schlossen sich der Slowenischen Befreiungsfront (OF) an, die ab 1942 auch in Kärnten aktiv war. "Die Partisanen boten eine Alternative zu Verfolgung, Zwangsarbeit und Einberufung zur Wehrmacht. Deserteure und Angehörige von Deportierten versteckten sich in den Wäldern oder begannen, die Partisanen zu unterstützen", schildert Pirker. Bis 1945 befanden sich etwa 3000 organisierte und bewaffnete Partisanen in Südostkärnten, etwa ein Drittel von ihnen aus Kärnten, etwa zehn Prozent waren Frauen.


Unter den etwa 1000 Kärntner Partisanen waren rund 100 Frauen. Die Nazis verunglimpften sie als "Flintenweiber".
Slowenisches wissenschaftliches Institut

Dazu kam ein großes Unterstützungsnetzwerk von Helferinnen und Helfern, die nicht im Untergrund lebten, aber essenziell für die Partisanen waren – so wie die Familien am Peršmanhof, die am 25. April 1945 grausam von SS-Polizisten ermordet wurden. Auf den zum Teil isoliert gelegenen Bauernhöfen in den Karawankengräben konnten sich die Partisanen ausruhen, kochen, Kleider waschen, Besprechungen durchführen. Daneben gab es auch Skepsis in den zweisprachigen Gebieten, betont der Historiker, unter anderem weil sich die Partisanen immer wieder Güter aneigneten – ein solcher Fall dürfte Auslöser für die Anzeige wegen Viehdiebstahls gewesen sein, die dann in das Massaker am Peršmanhof mündete.

Dämonisierte Partisanen
Von den Nationalsozialisten wurden die Partisanen "dämonisiert", sagt Pirker. Das Bild der Partisanen als "Landräuber" und "Banditen" passte in die antislowenische Propaganda, die ihre Wurzeln im Kärntner "Abwehrkampf" nach dem Ersten Weltkrieg hatte und für das NS-Regime ein zentraler Mobilisierungsfaktor im Grenzgebiet war. Polizeiprotokolle zeigten, dass Frauen in den Partisaneneinheiten besonders verhasst waren und als "Flintenweiber" herabgewürdigt wurden, erläutert Pirker.

Bereits Ende 1942 wurden rund 200 Menschen wegen ihrer Widerstandstätigkeit verhaftet, 13 davon später hingerichtet. Der Zustrom zu den Partisaneneinheiten riss aber nicht ab, es kam zu Sabotageakten und Überfällen, etwa auf Polizeistationen und kriegswichtige Betriebe, ab Juni 1944 unterstützt durch die Briten. Im Frühjahr 1944 ordnete der Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, an, dass das 13. SS-Polizeiregiment, das auch für das Massaker am Peršmanhof verantwortlich war, von der Ostfront nach Südkärnten verlegt werden sollte. Kärnten wurde zum "Bandenkampfgebiet" erklärt. Mit einer großangelegten Offensive sollten die Karawanken "gesäubert" werden.

Insgesamt zählte der slowenische Historiker Marjan Linasi 800 Kämpfe und Auseinandersetzungen zwischen Partisanen und NS-Kräften in Kärnten. Es waren riskante Unterfangen. Etwa 600 Widerstandskämpferinnen und -kämpfer erlebten das Kriegsende nicht. "Die Kärntner Partisanen waren die einzige bewaffnete und dauerhaft organisierte Widerstandsbewegung innerhalb des Deutschen Reichs", betont Pirker. "Dieses Alleinstellungsmerkmal wird bis heute in der Geschichtsschreibung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus übersehen." Sowohl in Österreich und Deutschland als auch in Slowenien werde der Kärntner Partisanenwiderstand meist nur am Rande erwähnt.

NS-Kontinuitäten nach 1945
"Auch wenn sie keine existenzielle Bedrohung für den NS-Staat darstellten, haben sie doch beträchtliche militärische Kräfte gebunden", sagt Pirker. Die Beteiligung am Widerstandskampf habe außerdem das politische Selbstbewusstsein der Kärntner Slowenen gestärkt. Die Anerkennung für den Kampf gegen das NS-Regime währte aber nur kurz.


Am 8. Mai 1945 trafen britische Soldaten in Feistritz im Rosental unvermutet auf Häftlinge, die im KZ Loibl zur Zwangsarbeit beim Tunnelbau eingesetzt worden waren. Slowenische Partisanen hatten die Häftlinge kurz zuvor aus der Gewalt der SS befreit. Das Foto zeigt den französischen Widerstandskämpfer Louis Balsan mit anderen Häftlingen vor einem Ehrenspalier der Partisanen.
Sammlung Alain Lavigne / kärnten.museum

"Die antifaschistische Abgrenzung gegenüber dem Nationalsozialismus hat sich nach 1945 rasch abgeschliffen", sagt Peter Pirker. "Bald wurden wieder deutschnationale Organisationen gegründet, die zum Teil starke personelle Kontinuitäten in die Vorkriegszeit hatten, aber auch vielen Nationalsozialisten wieder ein politisches Betätigungsfeld boten. Diese Organisationen waren vor allem aktiv im Kampf gegen die Umsetzung von Minderheitenrechten."

Deutschnationale Verbände wie der 1957 gegründete Kärntner Heimatdienst und der "Schulverein Südmark" setzten eine Abschaffung der zweisprachigen Volksschule, die kurz nach Kriegsende 1945 eingeführt worden war, durch. Besonders markant ist die praktisch nahtlose Kontinuität vom Abwehrkampf bis nach 1945 bei der Erinnerungskultur der Wehrmachts- und SS-Veteranen: "Spätestens ab 1955 werden Wehrmachtssoldaten vielfach gewürdigt für ihren angeblichen Einsatz für Heimat und Vaterland", betont Pirker. Ab 1959 trafen sich am Ulrichsberg ehemalige Nationalsozialisten und hochrangige Offiziere, die zum Teil nun beim Bundesheer tätig waren. Erst 2009 entzog der damalige Verteidigungsminister Norbert Darabos dem Ulrichsbergtreffen die Unterstützung des Bundesheers.

Revisionistische Tendenzen
Seit den 1990er-Jahren rückten die Opfer des Nationalsozialismus, in Kärnten zum Großteil Kärntner Sloweninnen und Slowenen, in den Fokus der Erinnerungskultur, auch dank vieler Initiativen aus dem zweisprachigen Gebiet und neuer Forschungsarbeiten. Und dennoch werden alte Narrative immer noch weitergetragen: Besonders der Peršmanhof ist bis heute Anknüpfungspunkt für historischen Revisionismus.

"Dieser Revisionismus war vor allem darum bemüht, den Befreiungskampf der Kärntner Slowenen mit den Partisanen zu delegitimieren und den Befreiungskampf als Gewaltorgie darzustellen, die sich gegen die deutschsprachige Bevölkerung gerichtet hätte", sagt Pirker. Nach wie vor wird von einschlägigen Rechten in Zweifel gezogen, dass das Massaker vom April 1945 von SS-Polizisten durchgeführt wurde – auch wenn solche Behauptungen längst widerlegt sind.


Die Sonderaustellung zum Erinnerungsjahr im Klagenfurter Kärnten-Museum schaut genau hin, auch auf Praktiken der Erinnerungskultur.Johannes Puch
"Auf der anderen Seite sind die Verschleppungen von Kärntner Nationalsozialisten im Mai 1945 durch Geheimpolizeieinheiten der jugoslawischen Armee Gegenstand eines langen geschichtspolitischen Disputes", sagt Pirker. Der Diskurs entzündet sich immer wieder an dem 2002 vom Kärntner Abwehrkämpferbund initiierten Denkmal, auf dem die Partisanen als Mörder verunglimpft werden. Eine künstlerische Intervention, die die Schuldzuweisungen in ein allgemeines Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs verwandelt und im Zuge der aktuellen Ausstellung vor dem Landesmuseum gezeigt wird, wurde vom Kärntner Heimatdienst und der FPÖ heftig kritisiert.

Der Fall Peršmanhof
Mit dem Polizeieinsatz am Peršmanhof, einem zentralen Ort der Erinnerung für Kärntner Sloweninnen und Slowenen, kommen für viele lange verdrängte Traumata wieder zutage. Einen Tag nach dem Vorfall hielt Peter Pirker am Peršmanhof einen Vortrag über neue Forschungsergebnisse zur einzigen Verurteilung eines am Massaker 1945 beteiligten Polizisten in Ungarn – was in Österreich nie öffentlich wurde. Die aktuelle Polizeiaktion fand auch schon Eingang in die Ausstellung im Kärnten-Museum, als Teil einer langen Geschichte.

Pirker hofft auf eine rasche Aufklärung der Vorfälle – und auch, dass die Aufmerksamkeit zu einer langfristigen finanziellen Absicherung des zum Großteil ehrenamtlich betriebenen Museums Peršman führt. "Dieses Museum sollte die Bedeutung bekommen, die es verdient, als der einzige Ort im deutschsprachigen Raum, wo Repression und Verfolgung der Kärntner Slowenen und der antifaschistische Widerstand ausführlich dargestellt sind."
(Karin Krichmayr, 9.8.2025)

Ausstellungstipp
Hinschaun! Poglejmo. Kärnten und der Nationalsozialismus. Koroška in nacionalsocialize. Ausstellung im Kärnten-Museum.
Bis 26. Oktober. Geöffnet Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr (Donnerstag bis 19 Uhr), Sonntag 11 bis 16 Uhr.
Begleitet wird die Schau von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit kuratorischen Führungen, Exkursionen und Diskussionen.

Buchtipp
Marija Wakounig, David Ressmann, Simon Urban (Hrsg.), "Spurensuche zwischen den Zeilen. Zum Schicksal der Kärntner Slowen*innen im 20. Jahrhundert". 280 Seiten / 32 €. Hermagoras-Verlag, 2025.

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#6
Keine Anzeigen wegen Camps auf Peršmanhof
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Der Polizeieinsatz an der NS-Gedenkstätte/Museum Peršmanhof in Bad Eisenkappel, wo im Juli ein antifaschistisches Bildungscamp junger Erwachsener stattgefunden hatte, ist laut Behörden wegen Verstößen gegen das Naturschutzgesetz erfolgt. Drei Monate später gibt es dazu aber keine Anzeigen.
Online seit heute, 6.05 Uhr
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Ende Juli sorgte der Polizeigroßeinsatz an der NS-Gedenkstätte, einem zentralen Erinnerungsort der Kärntner Slowenen, für viel Kritik und grobe diplomatische Verstimmungen mit Slowenien. Ende dieser Woche will die Kommission des Innenministeriums ihren Endbericht dazu veröffentlichen.

Von der Landespolizeidirektion Kärnten heißt es nach ihrem Einsatz zu allen Anfragen in der Causa weiterhin, man kommuniziere dazu nicht. Das gilt auch für die ebenfalls zuständige Bezirkshauptmannschaft Völkermarkt. Eine Anfrage beim Innenministerium blieb ergebnislos.

Anwalt: „Keine Anzeige eingetroffen“
Rudi Vouk, der Anwalt der jungen Erwachsenen, die am antifaschistischen Bildungscamp auf dem Peršmanhof teilnahmen, sagte: „Es gibt bisher keine einzige Anzeige, die mir bekannt wäre. Ich habe eigentlich an Ort und Stelle erklärt, dass ich alle Beteiligten vertreten werde und dass Anzeigen an meine Kanzlei zugeschickt werden. Bisher ist kein einziges Blatt gekommen. Ich gehe davon aus, dass, wenn es nach drei Monaten noch nichts gibt, es wahrscheinlich auch in Zukunft nichts mehr geben wird.“

Das betrifft die mutmaßlichen Vergehen, die vom Einsatzleiter an der Gedenkstätte von Beginn an als Grund für den Einsatz angeführt wurden, nämlich Vergehen gegen das Naturschutzgesetz wegen Campierens und Anstandsverletzungen. Was es im Zuge des Einsatzes bzw. nach dem Einsatz gab, sind zwei Vorfälle, die Anzeigen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt nach sich zogen. Das bestätigte auch Vouk.

Društvo von Verein Peršman: „Perfider Diskurs“
Das Camp, an dem viele junge Nachfahren von durch die Nationalsozialisten verfolgten Kärntner Slowenen und Widerstandskämpfer teilnahmen, fand in Absprache mit der Gedenkstätte statt. Zum Vorwurf der Anstandsverletzung sagte Markus Gönitzer, Obmann von Društvo/Verein Peršman: „Nachfahren von Widerstandskämpferinnen und NS-Opfern sind noch immer in unseren Vorständen vertreten, in unserem Museum vertreten, gestalten diesen Ort mit. Und denen jetzt vorzuschreiben, wie Gedenken auszuschauen hat in einer Gedenkstätte, das finde ich einen der perfidesten Diskurse an dieser ganzen Sache.“

Ende dieser Woche will die Kommission des Innenministeriums, die die Causa durchleuchtete, ihren Endbericht veröffentlichen. Darin werden Planung und Durchführung des Polizeieinsatzes Thema sein und Schlussfolgerungen daraus abgeleitet. Erwartet wird zudem eine Reihe von Empfehlungen an Bund und Land. Der Einsatzleiter wurde bis auf Weiteres einer anderen Dienststelle zugewiesen.

Ortstafeln besprüht
In der Nacht auf Samstag wurden im Bezirk Völkermarkt auf mehreren zweisprachigen Ortstafeln die slowenischen Ortsbezeichnungen übersprüht, darunter in Bad Eisenkappel-Vellach/Železna Kapla-Bela und Koprain/Koprivna, recht entlegene Ortschaften auf Weg zum einstigen Bergbauernhof Peršmanhof – mehr dazu in Zweisprachige Ortstafeln besprüht.
20.10.2025, Tanja Malle, oe1.ORF.at
Keine Anzeigen wegen Camps auf Peršmanhof
 

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#7
Peršmanhof-Einsatz
Polizeiaktion war laut Kommission rechtswidrig
Der Polizeieinsatz am Peršmanhof war in mehrfacher Hinsicht unverhältnismäßig, rechtswidrig und zweifelhaft. Zu diesem Schluss kommt die vom Innenministerium eingesetzte Analysekommission in ihrem am Donnerstag präsentierten Abschlussbericht.
Online seit heute, 9.40 Uhr
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Kritisiert wird vor allem das Verhalten des stellvertretenden Leiters des Landesamts Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE), der den Großeinsatz bei einem antifaschistischen Camp angeordnet und geleitet hat.

Einsatz ohne Abstimmung mit Vorgesetzten initiiert
Der mittlerweile einer anderen Dienststelle zugewiesene Beamte habe den Einsatz ohne Abstimmung mit Vorgesetzten initiiert und polizeilich geleitet, „obwohl er dafür weitgehend nicht zuständig war“, heißt es in dem Bericht. Fehlverhalten wird aber auch dem Bezirkshauptmann und dem Leiter der Außenstelle Kärnten des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl (BFA) attestiert.

Der vierstündige Großeinsatz an einer wichtigen Gedenkstätte für den Widerstand slowenischer Partisanen gegen das NS-Regime hatte für massive Kritik – auch aus dem slowenischen Nachbarland – gesorgt. Grundlage für den Einsatz, an dem Beamte von Polizei, LSE und BFA, Mitglieder der Schnellen Interventionsgruppe (SIG), eine Diensthundeführerin sowie ein Polizeihubschrauber beteiligt waren, war der Verdacht von Verwaltungsübertretungen durch falsch aufgestellte Zelte.
23.10.2025, red, kaernten.ORF.at/Agenturen
Polizeiaktion war laut Kommission rechtswidrig
 

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#8
Verwaltungsgericht
Peršmanhof: Polizei räumt Fehler ein
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Der Polizeieinsatz auf dem Peršmanhof ist am Donnerstag Thema im Landesverwaltungsgericht gewesen. Drei Frauen hatten eine Maßnahmenbeschwerde eingebracht, mit der sie sich gegen die Identitätsfeststellung durch die Polizei zur Wehr setzen. Die Landespolizeidirektion räumte Fehler ein, so „Der Standard“ (Freitag-Ausgabe).
Online seit heute, 12.29 Uhr
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Eine ehrenamtliche Museumsmitarbeiterin und zwei Frauen, die beim antifaschistischen Camp auf dem Peršmanhof im Juli 2025 dabei waren, brachten die Beschwerden ein. Bei der Verhandlung musste auch der Einsatzleiter erstmals öffentlich aussagen, so "Der Standard“. Er hätte sich wegen eines anderen Verfahrens der Aussage entschlagen können, worauf den Richter Burghard Rulofs ausgerechnet der Anwalt der drei Frauen, Clemens Lahner, hinwies. Doch der nach dem Einsatz versetzte Beamte wollte reden – in Repräsentationsuniform.

Angebliche Verstöße gegen Campingordnung
Grund für den Großeinsatz auf dem Hof waren laut Polizei und Bezirkshauptmannschaft Völkermarkt angebliche Verstöße gegen Campingverordnung und Naturschutzgesetz. Damit habe man auf Anzeigen aus der Bevölkerung reagiert. Der Einsatz sei „teilweise rechtswidrig, unverhältnismäßig und zweifelhaft“ gewesen, heißt es im Abschlussbericht der vom Innenministerium beauftragten Analysekommission – mehr dazu Polizeieinsatz war teilweise rechtswidrig . Kürzlich wurde bekannt, dass es zu dem Einsatz auch keinerlei Aufzeichnungen in der Bezirkshauptmannschaft gibt – mehr dazu in BH: Keine Aufzeichnungen zu Peršmanhof .

Der Einsatzleiter habe alle Anwesenden aufgefordert, sich auszuweisen und die Ausweise fotografiert, schildert eine der Frauen, die gegen die Identitätsfeststellung Beschwerde eingelegt haben, so die Zeitung. Später, als sie mit den Autos wegfuhren, seien sie von der Polizei ein weiteres Mal kontrolliert worden. Der Anwalt der drei Frauen kritisiert das pauschale Vorgehen der Polizei gegen alle im Museum anwesenden Personen.

Polizei: Fehler bei Identitätsfeststellung
Der Einsatzleiter verteidigte am Donnerstag sein Vorgehen damit, dass es sich bei dem antifaschistischen Bildungscamp um ein „geheimes Treffen“ gehandelt hätte. Als Zeuge geladen war auch ein Jurist der Landespolizeidirektion. Er räumte in einem Nebensatz ein, so der „Standard“ dass „Fehler passiert“ seien. Auf Nachfrage des ORF hieß es am Freitag von der Öffentlichkeitsarbeit der Polizei, dass sich der Beamte mit dieser Aussage auf den Abschlussbericht der Analysekommission des Ministeriums und die Identitätsfeststellung bezogen habe, aber nicht auf den gesamten Einsatz am Peršmanhof. Darüber können nur die Gerichte urteilen, so die Polizei.

Schauplatz von NS-Massaker
Der Bergbauernhof Peršmanhof der Familie Sadovnik war ab 1942 ein wichtiger Stützpunkt der Widerstandsbewegung, die sich von Jugoslawien ausgehend auch in Kärnten stark verbreitet hatte. Kurz vor Kriegsende, am 25. April 1945, verübten Angehörige des SS- und Polizeiregiments 13 ein Massaker am Peršmanhof. Elf Personen, alles Angehörige der Familien Sadovnik und Kogoj, wurden erschossen. Heute ist der Peršmanhof nicht nur einer der wichtigsten Erinnerungs- und Gedenkorte der Kärntner Sloweninnen und Slowenen, sondern auch ein musealer Lernort.

Voglauer: Niemand will Verantwortung übernehmen
In einer Reaktion sagte die Grünen-Landessprecherin Olga Voglauer, selbst Kärntner Slowenin, die Verhandlung habe erneut gezeigt, dass niemand Verantwortung übernehmen wolle. Die Einsatzleitung habe nicht erklären können, auf welcher Grundlage die Identitäten der anwesenden Personen festgestellt wurden und wer die Entscheidungen getroffen habe. "Welche Rolle der Bezirkshauptmann dabei spielte, ist auch sieben Monate nach dem Einsatz weiterhin völlig unklar.“
06.03.2026, red, kaernten.ORF.at
Peršmanhof: Polizei räumt Fehler ein
 
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