Das Partisanendenkmal vor dem Museum Peršman wurde ursprünglich bereits 1947 in Völkermarkt aufgestellt. 1954 wurde es von Unbekannten gesprengt, seit 1983 steht es am Peršmanhof.
Johannes Puch
Kurz nach der Machtergreifung der Nazis, im August 1938, gab Alois Maier-Kaibitsch, Leiter der "Volkstumsstelle" des Gaus Kärnten, eine Studie in Auftrag: Drei deutschnationale Kärntner Wissenschafter rund um Herbert Paschinger sollten Gemeinde für Gemeinde durchforsten, um "Nationalslowenen" zu identifizieren. Deutschnationale – die durch das NS-Regime auch in staatliche Machtpositionen gespült wurden – bezeichneten mit diesem Begriff slowenischsprachige Kärntnerinnen und Kärntner, die nicht bereit waren, sich unterzuordnen oder eindeutschen zu lassen. Sie galten als "fremdvölkisch", als Feinde.
1645 Personennamen und die Größe ihres Besitzes wurden auf die Liste gesetzt. 285 Namen waren mit Zusätzen wie "gefährlich", "verbissen" oder "eingefleischter Hetzer" versehen. Als erste Maßnahme schlugen die Studienautoren vor, gegen slowenische Priester vorzugehen, die als "Intellektuelle" galten und eine wichtige Rolle bei der Bewahrung der slowenischen Sprache spielten. Diese systematische Erhebung sollte vielen zum Verhängnis werden. Rund 70 Prozent der später von Deportationen betroffenen slowenischen Familien finden sich auf dieser Liste, wie der Historiker Peter Pirker, tätig im Kärnten-Museum und an der Uni Innsbruck, gemeinsam mit dem Studenten David Ressmann herausgefunden hat. Herbert Paschinger, Autor der Liste und NSDAP-Mitglied, verfolgte übrigens nach dem Krieg noch eine lange Uni-Karriere.
Die Listen von "Nationalslowenen", die bereits 1938 von den Nazis erstellt wurden, sind nun öffentlich zugänglich in der Sonderschau im Kärnten-Museum, jeder kann sich die Dokumente auch mitnehmen.
Johannes Puch
Das Dokument, auf das Pirker erst vor kurzem in der Universitätsbibliothek Innsbruck gestoßen ist, ist derzeit vollständig zu sehen in der Ausstellung
Hinschaun! Poglejmo. Kärnten und der Nationalsozialismus. Koroška in nacionalsocializem in Klagenfurt. Noch bis 26. Oktober richtet die Ausstellung im Kärnten-Museum den Blick auf viele bisher kaum aufgearbeitete Facetten der Kärntner Geschichte, unter anderem auch auf das
NS-Massaker am Peršmanhof, der kürzlich
Schauplatz einer umstrittenen Polizeiaktion war. "Es gab einige sehr emotionale Situationen, als Menschen die Namen ihrer Familien auf den Listen gefunden haben", erzählt Pirker, der die Ausstellung kuratiert, im Gespräch mit dem STANDARD. "Viele wussten nicht, warum sie deportiert wurden, die Studie war eine der Grundlagen dafür."
Zu Staatsfeinden erklärt
Im April 1942 wurden knapp 1100 Kärntner Sloweninnen und Slowenen als "Volks- und Staatsfeinde" enteignet und gewaltsam in Lager nach Deutschland gebracht, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Zusätzlich wurden mehr als 60.000 Slowenen aus den besetzten Gebieten Oberkrain und Untersteiermark deportiert. Diese Erfahrung massiver Verfolgung führte dazu, dass sich auch die Stimmung unter vielen Menschen im zweisprachigen Gebiet, die sich zuvor noch loyal dem NS-Regime gegenüber gezeigt hatten, radikal änderte. Die Bereitschaft zum Widerstand wuchs.
Immer mehr Kärntner Slowenen schlossen sich der Slowenischen Befreiungsfront (OF) an, die ab 1942 auch in Kärnten aktiv war. "Die Partisanen boten eine Alternative zu Verfolgung, Zwangsarbeit und Einberufung zur Wehrmacht. Deserteure und Angehörige von Deportierten versteckten sich in den Wäldern oder begannen, die Partisanen zu unterstützen", schildert Pirker. Bis 1945 befanden sich etwa 3000 organisierte und bewaffnete Partisanen in Südostkärnten, etwa ein Drittel von ihnen aus Kärnten, etwa zehn Prozent waren Frauen.
Unter den etwa 1000 Kärntner Partisanen waren rund 100 Frauen. Die Nazis verunglimpften sie als "Flintenweiber".
Slowenisches wissenschaftliches Institut
Dazu kam ein großes Unterstützungsnetzwerk von Helferinnen und Helfern, die nicht im Untergrund lebten, aber essenziell für die Partisanen waren – so wie die Familien am Peršmanhof, die am 25. April 1945 grausam von SS-Polizisten ermordet wurden. Auf den zum Teil isoliert gelegenen Bauernhöfen in den Karawankengräben konnten sich die Partisanen ausruhen, kochen, Kleider waschen, Besprechungen durchführen. Daneben gab es auch Skepsis in den zweisprachigen Gebieten, betont der Historiker, unter anderem weil sich die Partisanen immer wieder Güter aneigneten – ein solcher Fall dürfte Auslöser für die Anzeige wegen Viehdiebstahls gewesen sein, die dann in das Massaker am Peršmanhof mündete.
Dämonisierte Partisanen
Von den Nationalsozialisten wurden die Partisanen "dämonisiert", sagt Pirker. Das Bild der Partisanen als "Landräuber" und "Banditen" passte in die antislowenische Propaganda, die ihre Wurzeln im Kärntner "Abwehrkampf" nach dem Ersten Weltkrieg hatte und für das NS-Regime ein zentraler Mobilisierungsfaktor im Grenzgebiet war. Polizeiprotokolle zeigten, dass Frauen in den Partisaneneinheiten besonders verhasst waren und als "Flintenweiber" herabgewürdigt wurden, erläutert Pirker.
Bereits Ende 1942 wurden rund 200 Menschen wegen ihrer Widerstandstätigkeit verhaftet, 13 davon später hingerichtet. Der Zustrom zu den Partisaneneinheiten riss aber nicht ab, es kam zu Sabotageakten und Überfällen, etwa auf Polizeistationen und kriegswichtige Betriebe, ab Juni 1944 unterstützt durch die Briten. Im Frühjahr 1944 ordnete der Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, an, dass das 13. SS-Polizeiregiment, das auch für das Massaker am Peršmanhof verantwortlich war, von der Ostfront nach Südkärnten verlegt werden sollte. Kärnten wurde zum "Bandenkampfgebiet" erklärt. Mit einer großangelegten Offensive sollten die Karawanken "gesäubert" werden.
Insgesamt zählte der slowenische Historiker Marjan Linasi 800 Kämpfe und Auseinandersetzungen zwischen Partisanen und NS-Kräften in Kärnten. Es waren riskante Unterfangen. Etwa 600 Widerstandskämpferinnen und -kämpfer erlebten das Kriegsende nicht. "Die Kärntner Partisanen waren die einzige bewaffnete und dauerhaft organisierte Widerstandsbewegung innerhalb des Deutschen Reichs", betont Pirker. "Dieses Alleinstellungsmerkmal wird bis heute in der Geschichtsschreibung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus übersehen." Sowohl in Österreich und Deutschland als auch in Slowenien werde der Kärntner Partisanenwiderstand meist nur am Rande erwähnt.
NS-Kontinuitäten nach 1945
"Auch wenn sie keine existenzielle Bedrohung für den NS-Staat darstellten, haben sie doch beträchtliche militärische Kräfte gebunden", sagt Pirker. Die Beteiligung am Widerstandskampf habe außerdem das politische Selbstbewusstsein der Kärntner Slowenen gestärkt. Die Anerkennung für den Kampf gegen das NS-Regime währte aber nur kurz.
Am 8. Mai 1945 trafen britische Soldaten in Feistritz im Rosental unvermutet auf Häftlinge, die im KZ Loibl zur Zwangsarbeit beim Tunnelbau eingesetzt worden waren. Slowenische Partisanen hatten die Häftlinge kurz zuvor aus der Gewalt der SS befreit. Das Foto zeigt den französischen Widerstandskämpfer Louis Balsan mit anderen Häftlingen vor einem Ehrenspalier der Partisanen.
Sammlung Alain Lavigne / kärnten.museum
"Die antifaschistische Abgrenzung gegenüber dem Nationalsozialismus hat sich nach 1945 rasch abgeschliffen", sagt Peter Pirker. "Bald wurden wieder deutschnationale Organisationen gegründet, die zum Teil starke personelle Kontinuitäten in die Vorkriegszeit hatten, aber auch vielen Nationalsozialisten wieder ein politisches Betätigungsfeld boten. Diese Organisationen waren vor allem aktiv im Kampf gegen die Umsetzung von Minderheitenrechten."
Deutschnationale Verbände wie der 1957 gegründete Kärntner Heimatdienst und der "Schulverein Südmark" setzten eine Abschaffung der zweisprachigen Volksschule, die kurz nach Kriegsende 1945 eingeführt worden war, durch. Besonders markant ist die praktisch nahtlose Kontinuität vom Abwehrkampf bis nach 1945 bei der Erinnerungskultur der Wehrmachts- und SS-Veteranen: "Spätestens ab 1955 werden Wehrmachtssoldaten vielfach gewürdigt für ihren angeblichen Einsatz für Heimat und Vaterland", betont Pirker. Ab 1959 trafen sich am Ulrichsberg ehemalige Nationalsozialisten und hochrangige Offiziere, die zum Teil nun beim Bundesheer tätig waren. Erst 2009 entzog der damalige Verteidigungsminister Norbert Darabos dem Ulrichsbergtreffen die Unterstützung des Bundesheers.
Revisionistische Tendenzen
Seit den 1990er-Jahren rückten die Opfer des Nationalsozialismus, in Kärnten zum Großteil Kärntner Sloweninnen und Slowenen, in den Fokus der Erinnerungskultur, auch dank vieler Initiativen aus dem zweisprachigen Gebiet und neuer Forschungsarbeiten. Und dennoch werden alte Narrative immer noch weitergetragen: Besonders der Peršmanhof ist bis heute Anknüpfungspunkt für historischen Revisionismus.
"Dieser Revisionismus war vor allem darum bemüht, den Befreiungskampf der Kärntner Slowenen mit den Partisanen zu delegitimieren und den Befreiungskampf als Gewaltorgie darzustellen, die sich gegen die deutschsprachige Bevölkerung gerichtet hätte", sagt Pirker. Nach wie vor wird von einschlägigen Rechten in Zweifel gezogen, dass das Massaker vom April 1945 von SS-Polizisten durchgeführt wurde – auch wenn solche Behauptungen längst widerlegt sind.
Die Sonderaustellung zum Erinnerungsjahr im Klagenfurter Kärnten-Museum schaut genau hin, auch auf Praktiken der Erinnerungskultur.Johannes Puch
"Auf der anderen Seite sind die Verschleppungen von Kärntner Nationalsozialisten im Mai 1945 durch Geheimpolizeieinheiten der jugoslawischen Armee Gegenstand eines langen geschichtspolitischen Disputes", sagt Pirker. Der Diskurs entzündet sich immer wieder an dem 2002 vom Kärntner Abwehrkämpferbund initiierten Denkmal, auf dem die Partisanen als Mörder verunglimpft werden. Eine künstlerische Intervention, die die Schuldzuweisungen in ein allgemeines Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs verwandelt und im Zuge der aktuellen Ausstellung vor dem Landesmuseum gezeigt wird, wurde vom Kärntner Heimatdienst und der FPÖ heftig kritisiert.
Der Fall Peršmanhof
Mit dem Polizeieinsatz am Peršmanhof, einem zentralen Ort der Erinnerung für Kärntner Sloweninnen und Slowenen, kommen für viele
lange verdrängte Traumata wieder zutage. Einen Tag nach dem Vorfall hielt Peter Pirker am Peršmanhof einen Vortrag über neue Forschungsergebnisse zur einzigen Verurteilung eines am Massaker 1945 beteiligten Polizisten in Ungarn – was in Österreich nie öffentlich wurde. Die aktuelle Polizeiaktion fand auch schon Eingang in die Ausstellung im Kärnten-Museum, als Teil einer langen Geschichte.
Pirker hofft auf eine rasche
Aufklärung der Vorfälle – und auch, dass die Aufmerksamkeit zu einer langfristigen finanziellen Absicherung des zum Großteil ehrenamtlich betriebenen
Museums Peršman führt. "Dieses Museum sollte die Bedeutung bekommen, die es verdient, als der einzige Ort im deutschsprachigen Raum, wo Repression und Verfolgung der Kärntner Slowenen und der antifaschistische Widerstand ausführlich dargestellt sind."
(Karin Krichmayr, 9.8.2025)
Ausstellungstipp
Hinschaun! Poglejmo. Kärnten und der Nationalsozialismus. Koroška in nacionalsocialize. Ausstellung im Kärnten-Museum.
Bis 26. Oktober. Geöffnet Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr (Donnerstag bis 19 Uhr), Sonntag 11 bis 16 Uhr.
Begleitet wird die Schau von einem umfangreichen
Rahmenprogramm mit kuratorischen Führungen, Exkursionen und Diskussionen.
Buchtipp
Marija Wakounig, David Ressmann, Simon Urban (Hrsg.),
"Spurensuche zwischen den Zeilen. Zum Schicksal der Kärntner Slowen*innen im 20. Jahrhundert". 280 Seiten / 32 €. Hermagoras-Verlag, 2025.
Mehr zum Thema
NS-Massaker an einer Familie auf dem Peršmanhof: Was am 25. April 1945 geschah
Causa Peršmanhof: Wie der Schrecken wieder hochkommt
Peršmanhof: Es bleibt eine seelische Schramme
Wie der umstrittene Polizeieinsatz an der NS-Gedenkstätte Peršmanhof ablief
Wild gewordene Behörden in der NS-Gedenkstätte
Peršmanhof-Einsatz: Kommission soll bis Oktober Klarheit bringen