Sieding (NÖ) - Rund um die Burg Stixenstein

#1
Die Webseite Burgen, Schlösser & Ruinen in Österreich hat mein Interesse an einem Objekt in Sieding geweckt:
Bezirk Neunkirchen – Google My Maps
Daher beschloss ich, dieses einer genaueren Untersuchung zu unterziehen.

Die Anlage befindet sich auf einem Höhenzug, welcher der Burg Stixenstein vorgelagert ist und eine Übersicht über das gesamte Talbecken bietet.
Dies ist von Bedeutung, da die Burg Stixenstein – welche das Sierningtal sperren kann - versteckt zwischen zwei Bergen liegt und von der Ferne nicht erkannt werden kann. Deshalb benötigte auch die Burg Stixenstein selbst Beobachtungsposten, um eine Annäherung eines eventuellen Feindes zeitgerecht erkennen zu können.

Hier die Tal-Anfahrt nach Sieding.
1=niedere Erhebung, ohne Spuren
2=höhere waagrechte Erhebung, mit Spuren
3=Burg Stixenstein

Anmerkung: Bild 3 ist von Google Maps - das Google Logo im Bild wurde beim Kopieren abgeschnitten.
20250919_170253.jpg
20250919_170133.jpg Sieding Stixenstein.png Laserscan Sieding.png
 
Zuletzt bearbeitet:
#3
eine mögliche Erklärung findet sich bei "Wehrbauten und Adelssitze Niederösterreichs Band 1":
"Stixenstein was schon 1556 Zufluchtsort....1663 wird die Veste als "Berghaus" mit Klamm zwischen zwei Bergen beschrieben, auf die man neue Blockhäuser gesetzt habe, die den Paß flankierend bestreichen könnten....."

Auf jeden Fall verläuft der Weg von Punkt 2 ziemlich waagrecht bis in die Nähe der Burg Stixenstein, und wird noch heute teilweise als Jagdzugang genutzt. Der vergessene Münzschatz wurde auch schon ausgegraben.;)
20250919_134132.jpg
20250919_133133.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
#4
In weiterer Bearbeitung des Gebietes waren im Laserscan bei Punkt 4 große Vertiefungen feststellbar. Diese können vermutliche Abbauzonen für Material und auch zusätzlich als Riesen für gefällte Bäume von der Hochfläche zum Sägewerk im Tal gedient haben.
Laserscan 2.png

Für Punkt 5 habe ich fix mit Granatwerferkratern gerechnet, da bei der Burg Stixenstein in WKII ein größerer Kampf stattfand. Details zu den Kämpfen später.
 
Zuletzt bearbeitet:
#5
Ich bin also in freudiger Erwartung bei der Burg vorbei, nachdem mich zuvor eine rücksichtslose Autolenkerin einer Hochzeitsfeier in riesige Staubwolken gehüllt hat (vermutlich die Braut). Die Burg, zu der man heute auch Schloss sagt, besitzt nun eine eigene Wasserversorgung, nachdem eine unzureichende Wasserversorgung jahrhundertelang die Schwachstelle bildete.
Die Familie Hoyos war vor ca. 100 Jahren gezwungen, die durch Spielschulden und/oder Spekulationen verursachten Verluste, mit den Verkauf von großen Ländereien abzutragen. Dadurch gelangte der Besitz zur Gemeinde Wien.
Übrigens fand hier im Mai 1939 der erste Parteitag der NSDAP des Kreises Neunkirchen statt, unter der Führung des später wegen der Massaker in Schwarzau im Gebirge hingerichteten Kreisleiters Johann Braun. 20250920_124547.jpg 20250920_124557.jpg 20250920_124915.jpg 20250920_125358.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
#6
Und was habe ich gefunden?
Jede Menge Krater durch entwurzelte Bäume, die nicht mehr vorhanden sind und bereits durch Jungwald verdeckt werden.
So kann man sich täuschen und ich erinnerte mich an die lebhafte Forumsdiskussion mit dem leider bereits verstorbenen @fkv.
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
#7
Beim "Umherstreifen" habe ich auch jede Menge anderer Waldobjekte entdeckt, welche auf eine jahrhundertelange Fähigkeit der örtlichen Bevölkerung zum Befestigungsbau hindeutet.
Auf der Straße bin beim Stollen vorbei, in welchem gehofft wurde auf Kohle zu stoßen. Ein Stollen-Video gibt es auch Hier.
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
#8
Am Ende dieser Tage, einige Meter beim Stollen vorbei, erspähte ich Bau-Reste mit einem dazugehörigem "Alpin-Steig" von 2003. Diesen bin ich nur kurz gefolgt, weil es bereits kurz vor der Dunkelheit war und die Steigspuren nur sehr schwach erkennbar waren.

Zu Hause angekommen, wollte ich etwas über den angelegten Steig erfahren und stieß mit Verwunderung wieder auf unseren @fkv.
Dieser hatte von dieser Gegend umfangreiche Kartierungen in der Openstreetmap durchgeführt. Lt. seinen Aufzeichnung war die verfallene Hütte die Siaswirzlwold-Hittn.

In seinem Profil bei Openstreetmaps steht noch:
"Update Jan 2021: Just out of the hospital after surgery. Looks like I’m going to survive (unless the tumor returns once again), but it has been a horrible time and I’m still not well. I had to think a lot about death recently. It’s obvious that when I leave this world all of the work I have contributed in more than a decade will gradually be destroyed by morons within a few years. That’s how things come and go. Nothing is made for eternity. I am glad that at least I was able to do something useful in my life and people have benefitted from my work."
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
#9
Im Posting #7 habe ich jetzt für die Riesen folgende Erklärung gefunden:
das lokale Sägewerk von Hoyos-Sprinzenstein verwendete vor WKII schon maschinelle Geräte von Cleveland mit dem Namen Cletrac zur Holzbringung.
Quelle
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
#10
Im Gebiet zwischen Puchberg und Sieding ist gegen Kriegsende ein gut dokumentierter Einsatz deutscher Soldaten zur "Frontkorrektur" durchgeführt worden.
Der Auftrag dazu wurde vom 31 jährigen SS-Sturmbannführer Karl Heinz Keitel (6. SS-Panzerarmee) - Sohn des bekannten Wilhelm Keitel - dem 24 jährigen SS-Untersturmführer Willi Gemmer befohlen.

Zwischenablage_12-21-2025_01.jpg

Am 6. April 1945 versammelten sich gegen 21.00 168 Männer in einer Scheune in der Nähe von Puchberg (Schwarzengründe). Am nächsten Tag um 5.00 erfolgte der Aufbruch, geführt von zwei einheimischen Jägern. Alle Munition und Waffen mussten getragen werden, da keine Transportmittel zum Einsatz kamen.
Über den Rohrbachgraben, Gahnsbauer und Sierningtaler Hütte ging es auf 1.100m Höhe waagrecht bis zum "Hals" und danach leicht bergab zum Haus Bürg Nr. 7 (Gruber), welches als Nachtquartier benutzt wurde. Es gab leichten Regen und Schneefall und es war sehr kalt. Am nächsten Tag um 5.00 war der Aufbruch zum 4km entfernten Sieding, der Angriff um 6.30 geplant.

Zeitgleich sollten von einer anderen Einheit bei Ödenhof die russischen Linien angegriffen werden, diese sollten vorstossen und sich mit der Einheit von Gemmer bei Sieding verbinden und eine neue Frontlinie bilden.

Lt. den Aufzeichnungen von Gemmer (Willi Gemmer, Jugendzeit 1921-1949 Vom Hitlerjungen zum Kriegsgefangenen) und Brettner (Die letzten Kämpfe des II, Weltkrieges im südlichen Niederösterreich) wurde im Zuge der Gefechte ein russischer Panzer vernichtet und eine Brücke gesprengt.
Das angestrebte Angriffsziel wurde von beiden Einheiten erreicht, musste jedoch am späten Nachmittag wieder aufgegeben werden, da die Russen rechts und links vorbeistoßen konnten. Am Abend wurde wieder die Ausgangsstellung (Ödenhof) erreicht und gehalten.

Der Kampf dauerte 13 Stunden mit 20 deutschen und 10 russischen Verlusten. Ausschlaggebend für die rasche russische Abwehr war auch die Verwendung des Schlosses Stixenstein als russische Mannschaftsunterkunft mit 200-300 Soldaten, welche sofort in den Kampf eingreifen konnten.

Willi Gemmer wurde in Sieding schwer verwundet, bewusstlos und kam erst wieder auf einem Donau-Schiff zu sich. Er überlebte und starb 2021 im 99. Lebensjahr in Klingelbach Parte Willi Gemmer.

Anmerkung: nach dem Studium seines Buches hat er sich von einem jugendlichen Nazi-Anhänger aufgrund der Kriegserfahrungen später zu einem Gegner von Kriegen gewandelt. In einem seiner Bücher (Wir wollen Steine sammeln und Brücken bauen) hatte er auch eine Verbindung zu einem russischen Soldaten hergestellt und die gemeinsamen Schicksale geschildert.
 
Zuletzt bearbeitet:
#12
Arbeitslager:
Ende 09/2044 wurden (jüdische) Häftlinge von der Bodenwiese am Gahns zum Schloss Stixenstein überstellt.
Einsatz der Häftlinge bei der Forstverwaltung.
Schließung Februar 1945.
Quelle

Aufbewahrungsort für Kulturgüter
Weiters war das Schloss während der Kriegszeit einer von insgesamt 16 Bergungsorten der Wiener Städtischen Sammlungen in Niederösterreich.
....Die Einlagerungen begannen wie in den anderen Bergungsorten im August 1943, nachdem das Museum infolge des Luftangriffs auf Wiener Neustadt für die Dauer des Krieges geschlossen worden war. In der Burganlage waren drei Stockwerke mit einer großen Vielfalt an Objekten belegt: Möbel, Musikinstrumente, Ölbilder, Messgeräte, Büsten, Glasfenster, Porzellan, Truhen, Miniaturen, Fahnen, Rüstungen, Tartschen sowie Kisten mit Büchern der Stadtbibliothek. Zur Bewachung stand Forstpersonal der Stadt Wien zur Verfügung.
....Durch Plünderungen von Sowjetsoldaten und der einheimischen Bevölkerung war es allerdings zu großen Verlusten gekommen. Zudem hatte die Sowjetverwaltung 20 Gemälde zur Ausschmückung des Offizierskasinos in Neunkirchen beschlagnahmt, die erst nach Abschluss des Staatsvertrages 1955 in den Besitz des Museums zurückkamen.
Quelle
 
Zuletzt bearbeitet:
Oben