Salzburger Altstadt: Reste einer mehr als 500 Jahre alten Brauerei gefunden

josef

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Reste einer uralten Brauerei entdeckt
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Bei der Neugestaltung des Kajetanerplatzes in der Salzburger Altstadt sind Mauerreste entdeckt worden, die bis zu 500 Jahre alt sind. Sie stammen laut Archäologen aus dem Spätmittelalter sowie früher Neuzeit bzw. Barock. Hofbräuhaus und Schmiede wurden unter Erzbischof Leonhard von Keutschach gebaut – die Vorläufer des heutigen Justizgebäudes.

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Salzburger haben laut Historikern schon immer gerne Bier getrunken und viel gebraut. Ein weiterer Beweis zeigt sich nun hier beim Kajetanerplatz.

Schluss mit Genuss
Das „Stockhaus“ aus dem Spätmittelalter beherbergte von 1498 bis 1562 das „Salzburger Hofbräuhaus“, eine Gründung des Erzbischofs Leonhard von Keutschach – einst auch bekannt als „Kaltes Brauhaus“ am Kai. Johann Jakob Kuen von Belasy begann mit dem Umbau zum Gefängnis, das Wolf Dietrich und Paris Lodron erweitern ließen, auch um mehr Protestanten einzusperren.

1562 wurden die seit älteren Zeiten hier existierende Brauerei und ihr Wirthaus auf erzbischöflichen Befehl in ein Gefängnis umgebaut – die so genannte Frohnveste bzw. Fronfeste oder „Criminalhaus“. In Neumarkt (Flachgau) gibt es bis heute einen ähnlichen Zweckbau eines Ex-Gefängnisses, den man Fronfeste nennt. Der Abriss in der Stadt Salzburg folgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, um dem bis heute dort stehenden Justizgebäude Platz zu machen, schildert Archäologin Ulli Hampel: „Es gibt von diesen historischen Gebäuden sogar noch Fotos, weil sie erst 1909 abgerissen wurden.“

In der Salzburger Altstadt sei der Platz immer schon knapp gewesen, erzählt die Archäologin: „Für das neue Justizgebäude war es dann unabdingbar, dass man Platz schafft. Aber es wurde auch sehr beklagt. In den Zeitungen sprach man wörtlich von einem grässlichen Schandfleck. Der Abriss der alten Fronfeste wurde medial sehr bedauert.“

Justizgebäude ein „grässlicher Schandfleck“
Wie ist es aus heutiger Sicht zu bewerten, dass noch 1909 wertvolle Bauten alter Zeiten so brutal verschwanden? „Ach“, seufzt die Expertin: „Das hat schon im 19. Jahrhundert im Klassizismus so begonnen. Es wurde ja auch das mittelalterliche Wien fast komplett zerstört für den Bau der Ringstraße. Und in Salzburg beklagten Medien und Zeitungsleute den Abbruch des Michaelstors, großer Teile der alten Stadtmauer und des Äußeren Linzer Tors.“


Karl Hintner, 1907 – Archiv der Universitätsbibliothek
Frohnveste bzw. „Stockhaus“ aus der Zeit von Erzbischof Wolf Dietrich im Salzburger Kaiviertel, das dem Justizgebäude weichen musste. Es erinnert architektonisch an den kleinen Palast der habsburgischen Grafen im Zentrum von Arco, Trentino.

Widersprüche, Rückblicke, Sinnfragen
Bedauert Hampel selbst auch, dass die viel älteren Gemäuer nicht mehr stehen? Ein schwieriges Thema, sei das: „Mittlerweile ist das Justizgebäude ja auch längst ein historisches Gebäude, bei dessen Umbau wir tätig waren. Und eine Stadt muss ja auch leben. Aber natürlich ist es wünschenswert, wenn wir unsere historische Substanz bewahren könnten. Gerade das ist der Charakter von Salzburg.“

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Verena Markov

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Römer müssen hier noch lange warten
In Expertenkreisen ist schon länger bekannt, dass auch beim Kajetanerplatz unter den nun wieder „entdeckten“ Mauern noch viel ältere Reste liegen – sogar im Rückblick von zwei Jahrtausenden. Wäre es nicht sinnvoll und wünschenswert, nun gleich die Chance zu nutzen und bis zu diesen römischen Mauern der antiken Stadt Iuvavum hinunterzugraben?

Ulli Hampel betont, die Römerfunde liegen eineinhalb Meter tiefer. Für sie würden Geld und Zeit fehlen, weil die architektonische Neugestaltung des Kajetanerplatzes lange verzögert würde. Und diese sei politisch gewollt: „Und als Archäologen müssen wir unsere Neugier ein wenig zähmen. Künftige Forscher sollen auch noch interessante Jobs haben.“ Die unberührten Bodenschichten weiter unten seien der beste Schutz für diese antiken Kulturgüter, sagt die Expertin.

Bauarbeiten nicht verzögert
Die Bauarbeiten beim Kajetanerplatz sollen durch die Funde nicht verzögert werden. Sie werden dokumentiert, und dann werde im Zeitplan weitergearbeitet, heißt es von der Stadt Salzburg.
23.04.2021, Katharina Garzuly, Gerald Lehner - Radio Salzburg, salzburg.ORF.at

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