Russlands Armee zum Aufblasen...

josef

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Satte Umsätze für Ballonfirma
Mit Heißluftballons hat sich das russische Unternehmen Rusbal einst einen Namen gemacht - satte Umsätze werden mittlerweile aber mit Panzern, Kampfflugzeugen und Raketenabwehrsystemen gemacht. Zentraler Abnehmer des aufblasbaren Kriegsgeräts ist das russische Militär, das offenbar verstärkt auf eine an sich altbekannte Kriegstaktik setzt.
„Mit List gewinnt man immer“
Im Sortiment finden sich MiG-Kampfjets, Panzer aus der T-Reihe, Truppentransporter und S-300-Raketenabwehrsysteme - schweres Gerät sucht man bei Rusbal aber vergeblich. Das nahe Moskau gelegene Unternehmen ist vielmehr spezialisiert auf aufblasbare Attrappen und sorgt als Ausrüster des russischen Militärs für Aufsehen.


Einst für die Herstellung von Heißluftballons gegründet, hat Rusbal sein Sortiment zwar auch um Hüpfburgen, Zelte und selbst aufblasbare Matrjoschkas erweitert - mit dem Nachbau von Kriegsgeräten konnte man mittlerweile aber Russlands Militärstrategen überzeugen. Rusbal-Direktorin Maria Oparina blieb gegenüber der „New York Times“ („NYT“) zwar Details über die genaue Auftragslage schuldig. Sehr wohl verwies Oparina auf eine seit einigen Jahren stark gestiegene Produktion und die von 50 auf 80 Mitarbeiter aufgestockte Belegschaft, die sich nun größtenteils Russlands aufblasbarer Aufrüstung widmet.

Militärakademie sorgt für Details
Ungeachtet der vereinbarten Geheimhaltungspflicht ist das militärische Rusbal-Sortiment allein mit Blick auf die Firmenwebsite und auf YouTube publizierte Videos weitgehend bekannt. Zu den Bestsellern zählt laut „NYT“ etwa das „Standardprodukt“ T-80. Der rund 70 Kilogramm schwere Panzer wird der Zeitung zufolge um umgerechnet rund 15.000 Euro verkauft. Dieser kann wie die rund 250 Kilogramm schwere MIG-31 in wenigen Minuten aufgeblasen werden und ist - einmal gefüllt - auf den ersten Blick kaum noch vom Original zu unterscheiden. Dafür sorgt laut „Neuer Zürcher Zeitung“ („NZZ“) auch eine Kooperation mit der Moskauer Militärakademie, welche die Rusbal-Designer auf dem neuesten Stand der Entwicklung halten.


Von russischen Militärvertretern wird immer wieder auf die neuesten faltbaren und aufblasbaren Errungenschaften in den eigenen Arsenalen verwiesen, so wie im Vorjahr vom Sprecher der strategischen Raketentruppen, Igor Jegorow, dem zufolge seitdem auch Attrappen der Interkontinentalraketen Topol-M und Jars im Einsatz sind.

Beim damals ersten Testlauf seien „mobile Raketenkomplexe“ über Nacht durch aufblasbare Imitate von Raketen und Versorgungsfahrzeugen ersetzt worden. Wo sich die echten Raketen und wo sich die Attrappen befanden, sei dann kaum mehr festzustellen gewesen, so Jegorow, der laut Medienberichten nicht ohne Stolz gleichzeitig den weiteren Ausbau der „neuartigen Täuschungstechnik“ ankündigte.

Boulevard spottet über „Gummiarmee“
Während die russische „Gummiarmee“ etwa beim britischen Boulevardblatt „Daily Mail“ bereits für zynische Kommentare sorgte, ortet die „NYT“ auch handfeste militärische Hintergründe. Hinweise auf eine verstärkt auf Täuschung setzende Militärdoktrin werden der Zeitung zufolge etwa in der Ostukraine geortet, wo in den vergangenen Jahren immer wieder über den mutmaßlichen Einmarsch russischer Truppen spekuliert wurde und mysteriöse Truppenmanöver im Grenzgebiet für Schlagzeilen sorgten.


Über den Einsatz von Russlands aufblasbarer Armee gibt es dennoch nur Spekulationen. So werden die „Gummipanzer“ zwar immer wieder als Übungsgeräte abgetan - 2008 seien Attrappen von Kriegsgerät aber auch beim Krieg gegen Georgien eingesetzt worden, wie russische Medien berichteten.

Dass die an sich altgediente Kriegstaktik auch für moderne Waffengänge taugt, steht indes bei Rusbal außer Frage. So seien etwa Drohnen noch leichter zu täuschen als das menschliche Auge. „Mit List gewinnt man immer“, sagte dazu der Leiter der militärischen Rusbal-Abteilung, Alexej Komarow, gegenüber der „NYT“ und teilt damit wohl die Ansicht vieler Militärs auf der ganzen Welt.

Die letzte Einheit der DDR-Volksarmee
Der Fokus auf Tarnen und Täuschen ist jedenfalls so alt wie die Kriegsführung selbst. Ob während der beiden Weltkriege, der US-Invasion im Irak oder dem Jugoslawien-Krieg - immer wieder kamen mehr oder weniger erfolgreich Attrappen zum Einsatz. Wahre Meister der Tarnung fanden sich auch in der DDR, und auf diese wird bis heute nicht verzichtet: Laut Deutscher Welle (DW) hat die dafür zuständige Abteilung als einzige die Nationale Volksarmee überlebt.
Text u. Fotos: Aufrüstung „light“: Russlands Armee zum Aufblasen
 

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#2
Nun täuschen die Ukrainer die Russen ebenfalls mit aufblasbaren Panzer-Dummys:

Tschechische Produktion
Wie aufblasbare Panzer den Feind täuschen sollen


Ein mit Luft gefüllter Panzer: Rund 35 Attrappen von schweren Militärfahrzeugen kann die tschechische Firma Inflatech pro Monat herstellen.
(Quelle: Michael Heitmann/dpa/dpa-bilder)

Inflatech hat als Garagenfirma begonnen. Mittlerweile rechnet der tschechische Hersteller von aufblasbaren Panzern mit einem Umsatz in Millionenhöhe.
Wenn auf dem Schlachtfeld ein US-Raketenwerfer gesichtet wird, dann kommt er vielleicht aus einer Fabrik in Tschechien – und ist nur eine Kopie.
In einer Halle in der Grenzstadt Decin sitzen Näherinnen an Maschinen, um grüne Stoffbahnen zusammenzufügen. Sie arbeiten für die Firma Inflatech, die aufblasbare Attrappen von schweren Militärfahrzeugen herstellt. Seit einem Jahr, also seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, hat man hier mehr Arbeit als ohnehin schon.

Vieles ist streng geheim. Monatlich könne seine Firma rund 35 Attrappen herstellen, sagt Geschäftsführer Vojtech Fresser. Die Vorteile der Täuschungstechnik liegen für ihn auf der Hand. Seine Produkte wie aufblasbare Kampf- und Schützenpanzer kosteten umgerechnet zwischen rund 10.000 und 100.000 Euro. Die Attrappen könnten gegnerisches Feuer provozieren und den Feind verleiten, um ein Vielfaches teurere Raketen sinnlos zu verschießen.


Eine Näherin produziert einen aufblasbaren Panzer: Zwischen rund 10.000 und 100.000 Euro kostet eine solche Attrappe.
(Quelle: Michael Heitmann/dpa)


Was einfach aussieht, ist in Wirklichkeit Hightech
"So gewinnen wir auf dem Schlachtfeld auch wirtschaftlich", sagt Fresser. Zwei seiner Mitarbeiter tragen eine große schwarze Tasche auf den Hof vor dem Firmengebäude. Mit wenigen Handgriffen falten sie eine Kampfpanzer-Attrappe US-amerikanischer Bauart wie ein Schlauchboot auseinander. Ein Kompressor bläst Luft hinein, schon reckt sich das Gefährt aus Kunstseide in die Höhe. Eine Metallstange gibt der Kanone die nötige Stabilität, während manche Anwohner etwas verwundert dreinblicken.
Doch was einfach aussieht, ist in Wirklichkeit Hightech. "Wenn man kein Fernglas zur Hand nimmt, kann man aus 150 bis 200 Metern Entfernung nicht mehr unterscheiden, ob es sich um echte Technik oder eine Attrappe handelt", sagt Fresser.

Viel wichtiger sei es indes, die Wärme- und Radarsignatur vorbildgetreu nachzuahmen. Wie genau das geschieht, will er nicht verraten. Nur so viel: Eine eigens konstruierte Vorrichtung sorge dafür, dass die Bereiche warm seien, die warm sein sollten.

Zeitweise produzierte die Firma Kinder-Hüpfburgen
Angefangen hatte das Unternehmen 2014 als Garagenfirma, die zeitweise auch Hüpfburgen für Kinder herstellte. Dass zwei seiner Mitgründer ursprünglich aus Russland stammen, sieht Fresser nicht als Problem an. Sie seien längst in Tschechien integriert.

Geliefert wird an Nato-, EU- und Partnerstaaten. Inzwischen habe die Firma 20 Mitarbeiter – bald sollten es doppelt so viele sein. Für dieses Jahr rechne man mit einem Umsatz von mindestens 150 Millionen Euro. In der strukturschwachen Region an der Grenze zu Sachsen ist das viel Geld.


Die Hülle einer Panzer-Attrappe: Was hier wie ein überdimensioniertes Zelt in Tarnfarben aussieht, wird mit Luft gefüllt zum aus der Ferne täuschend echt wirkenden Mehrfachraketenwerfer. (Quelle: Michael Heitmann/dpa)

Auch Russland nutzt aufblasbare Attrappen
Im Ukraine-Krieg sind aufblasbare Militärfahrzeuge auch auf der russischen Seite bekanntes Know-how zur Täuschung des Gegners. Bereits 2009 berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Ria Nowosti über Attrappen von russischen Kampfpanzern der Typen T-72 und T-80, vom Flugabwehrsystem S-300 und Su- und MiG-Kampfjets. Auch strategische Raketensysteme wie Iskander oder Topol-M versucht Moskau demnach mit den Nachbildungen zu schützen.

Russische Militärblogger berichteten, dass es spezielle Einheiten in der russischen Armee gebe, die sich auf solche Täuschungsmanöver spezialisiert hätten. Auch im Krieg würden die Geräte eingesetzt.
Ende Januar teilte der ukrainische Generalstab mit, dass die russischen Truppen im Gebiet Saporischschja versuchten, mit aufblasbaren Panzern eine größere Präsenz vorzutäuschen.

Tschechien zählt zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine
Im Kampf gegen die russische Invasion zählt Tschechien zu den wichtigen Unterstützern der Regierung in Kiew. Die Liste dessen, was die Regierung in Prag und Rüstungskonzerne bisher an echtem Militärgerät geliefert haben, ist lang: 89 Kampfpanzer, 226 Schützenpanzer, 33 Mehrfachraketenwerfer – und vieles mehr.

"Vom ersten Moment an wussten wir – auch aufgrund unserer eigenen historischen Erfahrungen –, dass wir uns für die Ukraine einsetzen müssen", sagte jüngst Ministerpräsident Petr Fiala. Die Warschauer-Pakt-Staaten waren im August 1968 in die damalige sozialistische Tschechoslowakei einmarschiert, um die Demokratiebewegung Prager Frühling niederzuschlagen. Die letzten russischen Soldaten zogen erst im Juni 1991 ab.
Von der Hüpfburg zum Luft-Panzer: Wie aufblasbare Panzer der Ukraine gegen Russlands Angriff helfen
 
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