Norwegen: Militärisch ausgebildeter Weißwal vor der Küste aufgetaucht

josef

Administrator
Mitarbeiter
#1
Offenbar militärisch ausgebildeter Weißwal vor Norwegen aufgetaucht

Der Beluga trug eine Art Geschirr und steuerte gezielt Fischerboote an. Experten gehen davon aus, dass er einem russischen Militärprogramm entstammt
Fischer sind vor der Küste Norwegens auf einen Weißwal gestoßen, der womöglich militärisch trainiert und ausgerüstet wurde. Das Tier, das eine Art Geschirr trug, sei vergangene Woche aufgetaucht und habe mehrere Fischerboote angesteuert. Meeresbiologen nehmen an, dass der Beluga von der russischen Marine ausgebildet wurde.


foto: ap/joergen ree wiig
Der Weißwal, auch Beluga genannt, vor der norwegischen Küste.

"Wir waren gerade dabei, Netze auszubringen, als wir den Wal zwischen unseren Booten bemerkten", sagte der Fischer Joar Hesten zum norwegischen staatlichen Rundfunk NRK. Er kam auf uns zu, und wir sahen, dass er so etwas wie ein Geschirr trug."


foto: ap/joergen ree wiig
Nahaufnahme des Wals.

Zielstrebiger Wal
Der Beluga habe keinerlei Scheu gezeigt und sei gezielt auf die Boote zugeschwommen. Dann habe er immer wieder versucht, an Seilen und Riemen der Fischerboote zu ziehen. Das Geschirr am Körper des Tieres wirkte den Augenzeugenberichten zufolge wie eine Vorrichtung, an der Geräte angebracht werden können – etwa Kameras oder Waffen.

dagbladet
Videoaufnahme von einem Fischerboot aus.

Der Wal ließ sich Hesten zufolge auch mit Futter anlocken und reagierte zahm auf den Kontakt mit Menschen. Dem Fischer gelang es, dem Tier das Geschirr abzunehmen, auf der Innenseite sei "St. Petersburg" vermerkt gewesen, so Hesten.

Militärisches Programm?
Es sei bekannt, dass in Russland Wale zu Forschungszwecken in Gefangenschaft leben und manchmal auch wieder freigelassen würden, sagte Audun Rikardsen von der Arctic University of Norway in Tromsø zu NRK. Diese Tiere würden zurück in freier Wildbahn häufig Kontakt zu Booten und Menschen suchen.


foto: ap/joergen ree wiig
Den Fischern gelang es, das Tier von seinem Geschirr zu befreien.

Rikardsen glaubt aber nicht, dass das nun gesichtete Tier aus einer wissenschaftlichen Einrichtung kommt. Er habe russische Kollegen kontaktiert, diese hätten nichts von laufenden Studien gewusst. "Sie sagten, das Tier stamme höchstwahrscheinlich vom Marinestützpunkt Murmansk."

Ganz normale Kampfdelfine
Der russische Militärexperte Wiktor Baranez bezeichnete den Verdacht, der Beluga stehe im Dienst des Militärs, indes als "Unsinn". Dass Delfine von der Marine eingesetzt würden, sei hingegen bekannt. "Daraus machen wir auch kein Geheimnis", sagte Baranez zum Radiosender "Goworit Moskwa". "Das ist absolut nichts Ungewöhnliches."


foto: ap/joergen ree wiig
Auf der Innenseite des Gurts sei "St. Petersburg" vermerkt gewesen, so der Fischer Joar Hesten.

"Assistenztiere" der Marine
Der Einsatz von Meeressäugern zu militärischen Zwecken ist alles andere als neu. Russland verfügte (wie etwa auch die USA) zu Zeiten des Kalten Krieges über ein umfangreiches militärisches Delfin-Programm. Die schlauen Tiere wurden vor allem zu Aufklärungszwecken ausgebildet – zur Suche nach Waffen, zum Patrouillieren vor Häfen und Schiffen, aber auch zur Begleitung von Tauchern.

2017 berichteten russische Medien, dass die Marine künftig Belugas, Delfine und Seehunde als "Assistenztiere" im arktischen Polarmeer einsetzen wolle. Demnach sollte geprüft werden, ob sich Belugas zur Bewachung und Verteidigung von Marinebasen eignen würden. Erste Versuche hätten jedoch gezeigt, dass sich Delfine besser trainieren ließen als Belugas.
(dare, 29.4.2019)
Offenbar militärisch ausgebildeter Weißwal vor Norwegen aufgetaucht - derStandard.at
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
Russlands Militärbelugas angeblich auf Satellitenbildern entdeckt

Norwegische Fischer fanden im April einen Weißwal, der ein Gurtgeschirr trug
Ende April fanden Fischer vor der Küste Norwegens einen Weißwal, der womöglich militärisch trainiert und ausgerüstet worden war. Der Meeressäuger trug ein Gurtgeschirr, das mit "St. Petersburg" beschriftet war, weshalb vermutet wird, dass das Tier von einem russischen Marinestützpunkt in der Nähe von Murmansk gekommen ist. Bis heute hat sich kein Besitzer des Tieres gemeldet.

Der im April entdeckte Beluga fühlt sich offenbar wohl in seiner neuen Heimat: "Hvaldimir" (eine Kombination aus "Wal" und "Wladimir"), wie er nach einer Abstimmung im norwegischen Fernsehen benannt wurde, weigert sich, den Hafen von Hammerfest zu verlassen.

1558990667371.png
Der britische Marinehistoriker H.I. Sutton, der sich auf russische Unterseeboote spezialisiert hat, will nun auf einem aktuellen Satellitenbild die Gehege entdeckt haben, in denen die Wale gehalten werden. Die Unterwasserkäfige sind in der Nähe des russischen Marinestützpunkts in der Olenya-Bucht nahe der Grenze zu Norwegen verankert.

1558990848005.png
1558990894680.png

Sie haben einen Durchmesser von knapp 20 Metern, daneben sind kleinere Käfige zu sehen, in denen möglicherweise Seehunde gehalten werden, die auch von der russischen Marine verwendet werden. Auf Bildern aus dem Vorjahr sind die Gehege noch nicht zu sehen.


grafik: google earth/screenshot: der standard
Die runden Gehege in der Barentssee.

Unmittelbar daneben liegt das 2015 in Dienst gestellte Spionageschiff Jantar, das als Mutterschiff für zwei Kleinst-U-Boote verwendet werden kann. Dieses ist offiziell zur Erforschung der Tiefsee und für Rettungseinsätze gedacht, war aber auch bei der Bergung geheimer Geräte aus den Wracks zweier vor der syrischen Küste abgestürzter russischer Kampfflugzeuge im Einsatz.


foto: ap/joergen ree wiig/norwegian direcorate of fisheries sea surveillance unit
Hvaldimir mit seinem Gurtgeschirr.

Eine andere Theorie hat das Fachmagazin "Fiskeribladet" ("Fischereiblatt"): Reporter Morten Vikeby will in Hvaldimir den Therapiebeluga Semion erkannt haben, der in einem 2008 gedrehten Video ein Boot mit einer Schülergruppe an Bord zieht. Der Film entstand in einer Einrichtung in der Arktisprovinz Karelien, die sich auf das russische Äquivalent der Delfintherapie spezialisiert hat. (bed, 27.5.2019)

morten vikeby
Russlands Militärbelugas angeblich auf Satellitenbildern entdeckt - derStandard.at
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#3
Die Spione, die aus dem Meer kommen
Dass Tiere für militärische Zwecke genutzt werden, hat Tradition. Neu ist der Versuch, das Verhalten von Fischschwärmen und Garnelen für Unterwasserwarnsysteme einzusetzen. Die Forschung zeigt sich hoffnungsvoll.
Auf Twitter teilen
Seit den 1960er Jahren bildet die US Navy Delfine zum Aufspüren von Minen und zur Rettung von Marineschwimmern aus. Russland hält es ebenso. Erst Ende April stießen Fischer vor der Küste Norwegens auf einen Weißwal, der eine Art Geschirr trug, das mit „St. Petersburg“ beschriftet war. Außerdem war an einem Riemen eine Kamerahalterung befestigt. Es wurde vermutet, dass das Tier von einem russischen Marinestützpunkt in der Nähe von Murmansk gekommen ist.

Auch Abhörversuche mit Ratten und Tauben wurden wiederholt durchgeführt – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Nun begibt man sich auf völlig neues Terrain: Die US-Verteidigungsbehörde Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) versucht, Wasserlebewesen – von großen Fischen bis zu einzelligen Organismen – als Bewegungssensoren einzusetzen. „Wir wollen herausfinden, was diese Lebewesen über die Präsenz und die Fortbewegung von Unterwasserfahrzeugen im Ozean aussagen können“, wurde Projektleiterin Lori Adornato in einem BBC-Beitrag zitiert.

APA/AFP/Jorgen Ree Wiig
Ende April wurde vor der Küste Norwegens ein Weißwal mit einer Art Geschirr entdeckt

Biolumineszenz als Beispiel
Organismen reagieren auf verschiedene Weise auf die Anwesenheit von Fahrzeugen. Eines davon nennt sich Biolumineszenz – einige Meereslebewesen reagieren auf Strömungsveränderungen mit der Aussendung von Licht. „Wenn sich etwa eine Leuchtqualle an der Meeresoberfläche und ein Unterwasserfahrzeug nahe der Oberfläche befindet, ist dieses aufgrund des Biolumineszenzstreifens von der Luft aus zu sehen“, sagte Adornato.
Doch die Forscherinnen und Forscher von DARPA erhoffen sich weitaus detailliertere Ergebnisse: „Wir versuchen herauszufinden, ob sich anhand der Reaktion von Organismen feststellen lässt, wodurch diese ausgelöst wurde. Also ob eine natürliche oder eine künstliche Quelle beziehungsweise welche dahintersteckt", sagte Wissenschaftler Vern Boyle.

Das Dröhnen der Zackenbarsche
Die Forschungsteams untersuchen verschiedene Lebens- und Verhaltensweisen. Goliath-Zackenbarsche zum Beispiel, die bis zu 2,5 Meter lang werden können, geben bei Annäherung von Tauchern ein dröhnendes Geräusch von sich und reagieren neugierig auf Eindringlinge in ihren Lebensraum. Die akustische Reaktion der Fische deutet also auf das Vorhandensein einer potenziellen Bedrohung hin oder zumindest darauf, dass in ihrer Umgebung etwas Ungewöhnliches abläuft.
„Wir befinden uns noch in der Anfangsphase des Projekts. Wir sind kürzlich von einer Reise auf die Jungferninseln zurückgekehrt, wo wir die Geräuschkulisse unter Wasser einmal in Gegenwart eines Fahrzeugs und einmal ohne aufgezeichnet haben. Wir beginnen jetzt damit, diese Daten zu analysieren“, sagte Alison Laferriere von dem Projektpartner Raytheon BBN Technologies.

Reuters/Christa Cameron
Aus dem Verhalten von Barschen können Forscher Rückschlüsse ziehen

Seebarsche auf Tauchgang
Auch aus nicht akustischem Verhalten von Fischen versuchen Forscher Rückschlüsse zu ziehen. Beispielsweise wurde beobachtet, dass Seebarsche auf den Meeresgrund tauchen, wenn sie ein lautes Geräusch wahrnehmen. Ebenso könnten sie sich verhalten, wenn sie auf ein Unterwasserfahrzeug stoßen – würden die Fische mit winzigen Tiefseepeilern versehen, könnte ihre Lage in Echtzeit beobachtet werden. So erhielte man unverzüglich Auskunft über potenzielle Gefahren.
Ein Schwarm von Schwarzmeerbarschen, argumentieren die Wissenschaftler, könnte so als kostengünstiges Warnsystem vor feindlichen U-Booten fungieren. Die jetzigen Überwachungssysteme würden sehr teuer sein und vergleichsweise wenig Material liefern, das „Fischsystem“ dagegen ermögliche Aufschluss über Monate hinweg.

Schnappgarnelen senden Schallsignale
Und es gibt eine andere, noch bizarrer erscheinende Methode, mit der Meereslebewesen Unterwasserfahrzeuge aufspüren könnten: Schnappgarnelen – auch Pistolengarnelen genannt –, die in der ganzen Welt in flachen Gewässern auf Breitengraden unter 40 zu finden sind, erzeugen durch das Schließen und Öffnen ihrer Klaue ein konstantes Signal, das von umgebenden Objekten zurückgeworfen wird.
Wie bei herkömmlichen Sonarsystemen kann die Messung der Zeit bis zur Rückkehr des Schallsignals und seiner Stärke Größe, Form und Entfernung von Unterwasserobjekten zeigen. „Das Konzept beruht nicht darauf, dass die Garnelen ihr Verhalten bei Annäherung an das Fahrzeug ändern, sondern einzig auf dem von ihnen erzeugten Geräusch“, sagte die Forscherin Laferriere. „Es ist ein passives System. Es läuft stromsparend und ist in der Lage, selbst die leisesten Fahrzeuge zu erkennen.“
„Die Arbeit mit Tieren zur Fernerkundung wird weltweit forciert, sowohl im Fall frei lebender Tiere als auch in der Landwirtschaft und Aquakultur“, zitierte die BBC Thomas Cameron, Dozent an der biowissenschaftlichen Schule der Essex University. Das Tier- und Pflanzenreich könne ebenso ein Teil der „Big-Data-Revolution“ sein wie der Mensch.
aloh, ORF.at

Links:
Fische und Garnelen: Die Spione, die aus dem Meer kommen
 
Oben