Mal wieder was zur CZ-Landbefestigung...

Dieter

Ehrenchefchen
Mitarbeiter
#1
Unter http://www.zeitung.org/zeitung/809451-100,1,0.html zu finden und hier als Sicherungskopie zu lesen. Nicht ganz ohne Eigennutz, schließlich kommen wir drin vor... :D

Bunker-Boom im Böhmerwald

Gefechtsstände zu verkaufen: Tschechien will seine alten Befestigungsanlagen los werden

Karlsbad. Schmuckes Appartement in Dalmatien gefällig? Oder ein Wochenendhäuschen in der Toskana? Wieso in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt: Im Böhmer- und im Kaiserwald sind jetzt Bunker der tschechischen Landesbefestigung günstig zu erwerben.

Die tschechische Armee verkauft die Gefechtsstände, die in den 30er Jahren in einem rund 2800 Kilometer langen Ring rund um die damalige Tschechoslowakei angelegt wurden. "Allerdings noch nicht an Deutsche", weiß Wolf-Dieter Holz, der die Landesbefestigung wie seine Westentasche kennt. Wohnen in einem solchen Bunker? "Das können sie getrost vergessen", sagt der Hauptkommissar aus Zittau und öffnet die Stahltür eines Unterstandes der Bauart "A 180".

Sieben Mann Besatzung

Drinnen ist es stockfinster - schon der Einstieg ein gruseliges Unterfangen. Die Bretter an den Wänden sind angekokelt. Nur durch ein paar Schlitze dringen dünne Lichtstrahlen in den Innenraum, kaum größer als ein Campingzelt. Schwer vorstellbar, dass sieben Soldaten hier aus allen Rohren gegen den herannahenden Feind feuern sollten. Die Scharten für die Maschinengewehre sind noch gut erhalten. Durch die Decke ragt ein Rohr für ein Periskop. Mittels eines Handlüfters sollte frischer Sauerstoff in das Kabuff gepumpt werden. Für den Fall, dass sich der Feind bis an die Außenwand vorkämpfte, gibt es wenige Zentimeter über dem Boden Klappen, aus denen Handgranaten kullern sollten.

Die Vorrichtungen kamen nie zum Einsatz. Mit dem Münchner Abkommen 1938 eignete sich Hitler-Deutschland das Sudetenland einfach an und besetzte 1939 das restliche Tschechien widerstandslos. Von den vorgesehenen 16 000 Bunkern leichterer Bauart waren bis dahin nur etwa 9500 fertiggestellt. Den Deutschen fielen Tschechien und damit auch die geheimen militärischen Unterlagen über die Bunker in die Hände.

Eine Auswertung dieser Dokumente hat Wolf-Dieter Holz bei seiner Spurensuche immer dabei - die "Denkschrift über die tschechoslowakische Landesbefestigung", erstellt vom Oberkommando des Heeres 1941. Mit ihnen kann er Bauart und vorgesehene Ausstattung bestimmen. Zur Orientierung dienen Landkarten aus der Prager Universität und ein Satellitennavigationsgerät. Ohne die Daten aus dem Weltall ginge im Dickicht des Kaiserwaldes nichts. Sie führen den Forscher punktgenau zum nächsten Objekt - nur 150 Meter entfernt, aber von Weitem kaum auszumachen.

Kein ernstes Hindernis

"Das hier ist ein Ohrenstand", sagt Holz. Ohrenstand deswegen, weil die Frontwand bei diesen Bunkern an den beiden Seiten verlängert ist. Zwischen Cheb und Domazlice sind diese Wände gen Westen gerichtet. Die beiden "Ohren" sollten Schutz gegen Flachfeuer des Feindes bieten. Dass sie ein ernsthaftes Hindernis dargestellt hätten, bezweifelt Holz. Die Bunker verfügten kaum über Fundamente und hätten leicht kippen können, wenn sie "unterschossen" worden worden wären.

Wieso er sich für diese militärischen Relikte interessiert? "Weil es um europäische Geschichte geht", sagt der 46-jährige Polizeibeamte. Er engagiert sich in der "Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt und zum Schutz von Stollen- und Bunkeranlagen", die die noch bestehenden Bauwerke, zusammen mit tschechischen Partnerorganisationen, dokumentiert. Die Bunker im Westen Böhmens gehören da noch zu den kleineren Herausforderungen. "Richtig interessant wird es, wenn es um die Anlagen am Oderdurchbruch geht", sagt Holz. "Die sind durch Stollen miteinander verbunden." Zum Wohnen eigneten aber auch sie sich nicht.

Autor: Uli Piehler

Gruß

Dieter
 

otto

Reiseleiter
Mitarbeiter
#3
Ich kann hier mal mit einer Verlinkung aushelfen.
Habe da zwar auch ein großes Sprachproblem :huch aber mit den bunten Bildern kommt man recht gut klar.
Etwas tiefer finden sich die entsprechnden Locations samt Rißzeichnungen.
Die Seiten sind so ziemlich das Beste was das Netz in dieser Richtung zu bieten hat.

Gruß
Gerd
 

Varga

Mann aus den Bergen
Mitarbeiter
#4
Hallo Dieter

Gratuliere dir zum Einsatz zur Erhaltung der Anlagen. Sollte dir die Arbeit ausgehen, bei uns in CH gibt es noch einiges zu tun. So zum Beispiel auf der Linie zwischen Basel bis Chur.

Gruss
Varga
 

Dieter

Ehrenchefchen
Mitarbeiter
#5
Ich glaub nicht, das uns da die Arbeit ausgeht. Ca. 9500 wurden gebaut, ca. 3200 Einzelkoordinaten haben wir, fehlt noch bißchen....

Befremdlich finde ich immer, daß es irgendein Ereignis geben muß, um diese Befestigungslinie ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Die CZ-Landbefestigung ist die größte weitgehend erhaltene Befestigungslinie Europas. Doch kaum einer nimmt davon Notiz. Erst als jetzt paar Bunker verschenkt wurden, kam auch das Medieninteresse.

Was die Erhaltung betrifft, haben wir natürlich null Einfluß. Wir versuchen es trotzdem.

Arbeit gibt es also noch zu Hauf. Viele Objekte müssen noch lokalisiert werden, Fehler bereinigt werden. Allein das Aufspüren der Kabelschächte um Nachod ist eine Lebensaufgabe. Die Schweiz wird also warten müssen :D

Gruß

Dieter
 
B

bunkersachse

Guest
#6
hallo dieter und die anderen
hat sich in diese richtung schon etwas bewegt???
wir haben dieses jahr die "benes-linie" für ein paar tage erkundet. was hier tschechische clubs und teilweise privatpersonen unternehmen ist erstaunlich. einige bunker und anlagen werden sogar mit hilfe des tsch. militärs wieder hergerichtet.
viele grüße axel
 

Dieter

Ehrenchefchen
Mitarbeiter
#7
Getan hat sich schon etwas, es ist nur noch nicht fertig. Lange noch nicht. Es greift eines ins andere, mit dem Besuch von den Objekten und in Archiven bezüglich der Grundlagen ist es ja nicht getan. Insbesondere die Topokarten bereiten in der Veröffentlichung Probleme. Sind aber für die Darstellung unverzichtbar. Wir arbeiten dran.

Gruß

Dieter
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#9
Der " Tschechoslowakische Wall" - Artikel-Serie in "ÖBH-Truppendienst"

Bunker gegen Hitler
GEROLD KEUSCH


(FOTO: REDTD/MICHAEL BARTHOU)
Nach der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 begann die tschechoslowakische Armee ab dem Jahr 1935 mit dem Bau ortsfester Vereidigungsanlagen an der Grenze zu Deutschland und später zu Österreich. Diese Anlagen wurden nach dem französischen Vorbild der Maginotlinie errichtet und waren das Rückgrat der tschechoslowakischen Landesverteidigung. Durch den Anschluss des Sudetenlandes 1938 wurde dieses Fortifikationssystem nutzlos, da es sich nun im Deutschen Reich befand. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Bunkeranlagen aus den 1930er-Jahren in die tschechoslowakische Verteidigungsdoktrin des Kalten Krieges eingewoben. Bis in die 1990er bildeten sie erneut das Rückgrat gegen eine militärische Bedrohung aus dem Westen, wenn auch unter anderen Vorzeichen.

Diese Artikelserie thematisiert die politischen und militärischen Hintergründe, die für den Bau des Tschechoslowakischen Walls ausschlaggebend waren sowie die Umsetzung der tschechoslowakischen Verteidigungsstrategie. Darüber hinaus werden die historischen Entwicklungen, die zur Annexion des Sudetenlandes und in weiterer Folge zur Zerschlagung der restlichen Tschechoslowakei geführt haben, aber auch deren Auswirkungen für den Beginn des Polenfeldzuges und somit des Zweiten Weltkrieges erörtert. Der örtliche Fokus liegt auf den südmährischen Verteidigungsanlagen des Tschechoslowakischen Walles, die ein Teil dieses Befestigungsgürtels an der Grenze und im Hinterland waren.

Die Datenerhebung für diese Artikelserie, die in gekürzter Version im TRUPPENDIENST 367 (Ausgabe 1-2019) erschien, erfolgte durch den Besuch der Bunkermuseen in Slavonice und Satov und der mehrfachen Erkundung vor Ort an diversen Abschnitten an der tschechisch-österreichischen Grenze sowie im Hinterland. Zusätzlich wurde Fachliteratur gesichtet, aber auch Fotografien, Karten, Grafiken, diverse Websites sowie Primärquellen wie Protokolle, Verträge etc. ausgewertet. Darüber hinaus unterstützten das Sprachinstitut des Bundesheeres und Dr. Prokop Tomek vom Militärhistorischen Museum in Prag die inhaltliche Bearbeitung dieser Artikelserie.

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch, BA ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

Fortsetzung in 6 Teilen

Bunker gegen Hitler | Truppendienst
 

josef

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#10
Bunker gegen Hitler - Teil 1
GEROLD KEUSCH

(FOTO: BUNDESARCHIV, BILD 183-58507-003/CC-BY-SA 3.0, REDTD BARTHOU; MONTAGE: KEUSCH)
Hintergründe und Ausgangslage
30. September 1938: Europa jubelt, dass der Frieden erhalten bleibt. In Berlin, Rom, Paris und London sind Zehntausende auf den Straßen und feiern ihre Staatsführer. Der britische Premierminister Neville Chamberlain hält ein Stück Papier in die Kameras der Wochenschauen - das „Münchner Abkommen“. Dieses sollte sicherstellen, dass Deutschland und Großbritannien nie wieder Krieg gegeneinander führen würden.

Mit dem Münchner Abkommen konnte der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler die mehrheitlich deutschsprachigen Sudetengebiete, die bis 1918 ein Teil der k.u.k. Monarchie und danach der Tschechoslowakischen Republik (CSR) waren, dem Deutschen Reich einverleiben. Ein diplomatischer Sieg, der nach dem Anschluss Österreichs im März der zweite Gebietsgewinn des Jahres 1938 für Deutschland war. Im Gegenzug versprach Hitler keine weiteren territorialen Forderungen zu stellen.


DIE STAATSCHEFS, DIE DAS „MÜNCHNER ABKOMMEN“ IM SEPTEMBER 1938 AUSHANDELTEN (V.L.N.R.): NEVILLE CHAMBERLAIN (GB), EDOUARD DALADIER (F), ADOLF HITLER (D) UND BENITO MUSSOLINI (I).
(FOTO: BUNDESARCHIV, BILD 183-R69173/CC-BY-SA 3.0)

Politischer Feldzug
Am 1. Oktober 1938 marschierte die Deutsche Wehrmacht in die Sudetengebiete ein. Die Bürger der Tschechoslowakei und die sudetendeutschen Gegner der Nationalsozialisten waren geschockt. Sie fühlten sich von ihren Schutzmächten (Großbritannien und Frankreich) verraten. Schließlich mussten sie das Ergebnis von Verhandlungen akzeptieren, an denen ihre Regierung nicht teilnehmen durfte, und die Abtretung eines Fünftels des Staatsgebietes, in dem etwa ein Fünftel der Bevölkerung lebte, zur Kenntnis nehmen.

Die tschechoslowakische Armee war zwar mobilisiert und hatte ihre Verteidigungsstellungen an der Grenze bezogen. Aufgrund der fehlenden Unterstützung ihrer Alliierten verzichtete sie aber auf eine militärische Verteidigung. Die CSR verfügte zu diesem Zeitpunkt über eine stark ausgebaute Grenzbefestigung und eine modern ausgerüstete Armee mit einer Stärke von über einer Million Soldaten. Ohne die Unterstützung der Westmächte wäre ein Krieg gegen die Deutsche Wehrmacht jedoch nicht zu gewinnen gewesen. Da auf politisch-diplomatischer Ebene bereits Tatsachen geschaffen worden waren, wäre ein militärisches Kräftemessen auch nicht mehr zielführend gewesen.

Möglich wurde dieser „politische Feldzug“ durch die Appeasement-Politik, der außenpolitischen Leitlinie von Großbritanniens Premierminister Neville Chamberlain gegenüber dem NS-Regime. Durch Zurückhaltung, Zugeständnisse und politisches Entgegenkommen wollte man Hitler beschwichtigen und einen Krieg vermeiden. In der Praxis wurde dadurch die Verteidigung der CSR außer Kraft gesetzt, der Staat politisch und militärisch de facto handlungsunfähig und die Vorausetzungen für dessen endgültige Zerschlagung geschaffen.

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Bedrohungslage
Die CSR wurde 1918 gegründet. Sie war ein Nachfolgestaat der k.u.k. Monarchie und ein Zusammenschluss der ehemals österreichischen Kronländer Böhmen und Mähren sowie der Slowakei, die davor zur ungarischen Reichshälfte gehört hatte. In Böhmen und Mähren lebten mehrheitlich Tschechen sowie knapp drei Millionen Deutschsprachige (Sudetendeutsche), die zum Großteil in den nördlichen, westlichen und südlichen Grenzgebieten und teilweise im Landesinneren beheimatet waren.
Der Staat ging nach seiner Gründung von einer grundsätzlichen Gefährdung seines Territoriums durch Deutschland, Ungarn, Österreich sowie Polen aus. Ungarn und Österreich deshalb, da diese Staaten nach dem Ersten Weltkrieg Gebiete an die CSR abtreten mussten und in den Grenzgebieten Bevölkerungsgruppen dieser Staaten in teilweise homogenen Siedlungsgebieten lebten. Diese Gefahr wurde jedoch als relativ gering beurteilt, da diese Staaten wirtschaftlich geschwächt und ihre Streitkräfte durch die Pariser Vororteverträge zerschlagen waren.


KONRAD HENLEIN, DER FÜHRER DER SUDETENDEUTSCHEN PARTEI. (FOTO: UNBEKANN/GEMEINFREI)

Hauptgefahr aus Deutschland
Relevanter war die potenzielle militärische Gefahr, die von Deutschland ausging. Obwohl es nach 1918 keine grundsätzlichen Gebietsansprüche gab, waren die großdeutschen Bestrebungen - alle Deutschsprachigen in einem Reich zu vereinen - eine latente Bedrohung. Diese Bedrohung verstärkte sich durch das Anwachsen der Nationalsozialisten, die zunächst ein Großdeutschland schaffen und danach in den Osten expandieren wollten. Am 30. Jänner 1933 kam Hitler in Deutschland an die Macht, der die Theorie der NS-Ideologie nun schrittweise in die Praxis umsetzte.
Ab der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Sudetendeutsche Partei von Konrad Henlein zur Sammelpartei der Sudetendeutschen. Ihre Rhetorik wurde immer aggressiver und ab 1937 bekannte sie sich offen zum Nationalsozialismus. Früher oder später mussten die Entwicklungen, die von NS-Deutschland angestoßen wurden, zu einer Konfrontation zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland führen. Dass diese eine militärische werden würde, war allen Beteiligten klar und auch in der Logik der Zeit verankert.

Eigene Lage
Die CSR war ein Binnenstaat mit etwa 15 Millionen Staatsbürgern und einer Staatsfläche von etwa 140 500 km². Die Ost-West-Ausdehnung betrug knapp 900 km, die Nord-Süd-Ausdehnung zwischen 270 und 140 km (Böhmen und Mähren) und 70 bis 90 km (Ostslowakei). Die Grenzlinie zu Deutschland betrug etwa 1 100 km, zu Österreich etwa 400 km, zu Ungarn etwa 600 km, zu Rumänien etwa 200 km und zu Polen etwa 700 km. Die langgestreckte, schmale Form des Staates und die lange Grenzlinie waren ein militärisches Risiko, weil dadurch eine Trennung des Territoriums relativ einfach möglich war.
Die Tschechoslowakei war zwischen 1918 und 1939 eine Demokratie, deren Bevölkerung über einen relativ hohen Wehrwillen verfügte. Sie hatte eine leistungsfähige Industrie, die moderne Waffen- und Rüstungsgüter herstellte. Gemeinsam mit Rumänien und Jugoslawien bildete die CSR seit den frühen 1920er-Jahren die Kleine Entente und war durch den französisch-tschechoslowakischen Vertrag von 1924 in das französische Bündnis- und Sicherheitssystem eingebunden. Zusätzlich gab es seit 1935 einen militärischen Beistandspakt mit der Sowjetunion.

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Politische Absicht und militärstrategischer Entschluss
Die Tschechoslowakische Republik hatte die Absicht, ihren Staat in den Grenzen von 1918 aufrechtzuerhalten. Ihre Führung war entschlossen, alle politischen, militärischen und diplomatischen Schritte zu setzen, um das auch zu bewerkstelligen. Eine personell und materiell möglichst starke und moderne Streitmacht sollte mit einem auf Feste Anlagen abgestützten Verteidigungssystem dem Gegner bei einem Angriff hohe Verluste zufügen und ihn so von einem Angriff abhalten.

Militärstrategisches Konzept
Hinsichtlich des Gesamtverteidigungsplanes war ein hinhaltender Kampf, vom Westen Richtung Osten bis zur Slowakei, vorgesehen. Die nördliche Verteidigungslinie (Grenze zu Deutschland) und die südliche Verteidigungslinie (Grenze zu Österreich) sollten die Flankenbedrohungen absichern. An der mährisch-slowakischen Grenze hätte die Armee starke Verteidigungsstellungen beziehen und den Vormarsch stoppen sollen. Danach sollte ein Gegenangriff mit Unterstützung britischer, französischer und sowjetischer Kräfte erfolgen, um den Aggressor aus dem Staatsgebiet zu werfen und wieder die Kontrolle über das eigene Territorium zu erlangen.
Der Ausbau der Verteidigungswerke und der Aufbau der Armee sollten mit Masse bis zum Jahr 1945 abgeschlossen sein und schrittweise so erfolgen, dass man so früh wie möglich abwehrbereit war. Spätestens in den 1950er-Jahren hätte die CSR voll abwehrbereit und die Landesbefestigung fertig ausgebaut sein sollen. Zusätzlich wurden die Produktionszahlen der tschechoslowakischen Rüstungs-, Waffen- und Munitionsindustrie schrittweise erhöht, um die Ausrüstung und Ausstattung der Streitkräfte sicherzustellen.

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Bunker gegen Hitler - Teil 1 | Truppendienst
 

josef

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#11
Bunker gegen Hitler - Teil 2
GEROLD KEUSCH

(

FOTO: MILITÄRHISTORISCHES MUSEUM PRAG, REDTD BARTHOU; MONTAGE: KEUSCH)
Organisation der tschechoslowakischen Landesverteidigung
Der Bau des Tschechoslowakischen Walls war das Ergebnis der militärstrategischen Überlegungen der Tschechoslowakei. Er war eine territoriale militärische Landesbefestigung, die aus Verteidigungslinien an der Grenze und im Hinterland bestand. Die Verteidigungslinie an der südmährisch-österreichischen Grenze - die in dieser Artikelserie behandelt wird - bestand aus einer bis vier Reihen von MG-Bunkern, die schachbrettartig angeordnet waren. Wie viele Reihen errichtet wurden, hing von der Beurteilung des Geländes ab.
Der Bau der Verteidigungsanlagen erfolgte in Anlehnung an das Gelände, um natürliche Hindernisse auszunützen. Er wurde nach dem französischen Vorbild der Maginot-Linie errichtet, was aufgrund des französisch-tschechoslowakischen Bündnisses von Vorteil war. Offiziere und Ingenieure der CSR fuhren nach Frankreich, um die dortigen Anlagen kennen zu lernen - die Franzosen kamen in die CSR, um die Planung und den Bau zu unterstützen. Der Baubeginn der ersten Fortifikationen erfolgte im Frühjahr 1935 in Nordmähren, wo sich das Schwergewicht der Verteidigung befand.
Die Bunker wurden je nach Typ entweder von zivilen Firmen, speziellen Abteilungen der Armee oder in Kooperation erbaut. Hinsichtlich der Bunkertypen gab es
  • leichte Bunker (Modell 37),
  • leichte Bunker (Modell 36),
  • schwere Bunker,
  • Artilleriewerke und
  • Werksgruppen.
Die Masse der schweren und leichten Werke (Modell 37) wirkte flankierend vor die Nachbarstellung entlang von Sperren. Zusätzlich gab es MG-Bunker (Modell 36), die frontal wirkten und die Schussfelder verdichteten. In Südmähren gab es keine Artilleriewerke und Werksgruppen, weshalb sie in diesem Beitrag nicht behandelt werden.
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BAUSTELLE EINES SCHWEREN WERKES VOR EINEM LEICHTEN MG-BUNKER.
(FOTO: BUNDESARCHIV BILD 146-2003-0038/CC-BY-SA 2.0)

Anordnung der Verteidigungsanlagen
Je nach Gelände wurden die leichten und schweren Werke so erbaut, dass möglichst wenige schusstote Räume bestanden und es eine Sichtverbindung zwischen den Bunkern gab. An besonders gefährdeten Punkten wie Bewegungslinien ergänzten schwere Anlagen die leichten. Für die Unterstützung mit Steilfeuer waren Artilleriewerke vorgesehen, die ebenfalls in das Schwergewicht wirken sollten und in dessen Umfeld erbaut wurden.
Im gesamten Verteidigungsbereich waren Panzer- und Infanteriesperren errichtet worden. Im Panzergelände befanden sich Sperren in Form von Panzerigeln, Steck- und Betonsperren, Panzergräben und Minenfeldern, um die Bewegung mechanisierter Kräfte zu erschweren und zu kanalisieren. Zusätzlich waren im Infanteriegelände der Wälder Sperren in Form unterschiedlicher Drahthindernisse wie Spanische Reiter, Flandernzäune oder Stolperdrahthindernisse errichtet, die entlang von Schießschneisen angelegt waren.
In den Gefechtsstreifen waren kleinere Kasernen mit Unterkünften, Versorgungseinrichtungen (Verpflegung, Sanität etc.) und Gefechtsständen sowie Lager für Munition, Verpflegung und sonstige Versorgungsgüter. Darüber hinaus gab es bei manchen Grenzübergängen Zollhäuser mit Schießscharten, die im Keller oder unter dem Eingangsbereich angelegt waren. Diese stellten zwar keine Verteidigungseinrichtung im eigentlichen Sinn dar, dienten jedoch als Gefechtsvorposten, die einen Grenzübertritt für mehrere Stunden hätten verzögern können.


DER PRINZIPIELLE AUFBAU EINER VERTEIDIGUNGSLINIE DES TSCHECHOSLOWAKISCHEN WALLES. DIE ANLAGEN WURDEN AN DAS GELÄNDE ANGEPASST UND WICHEN DESHALB DEUTLICH VON DER IDEALVORGABE DER SKIZZE AB.
(GRAFIK: REDTD/GEROLD KEUSCH)

Einsatzführung aus dem Bunker
Die leichten Werke befanden sich in einem Normabstand von etwa 200 m im Wald und etwa 600 m im freien Gelände. Das bewaldete Gelände wurde nicht für einen Hauptstoß beurteilt, musste jedoch gesichert und verteidigt werden, um feindliche Bewegungen darin zu verhindern. Die Hauptschussrichtung der MG-Bunker 37 war in den Wäldern so angelegt, dass sie entlang einer etwa zehn Meter breiten Schießschneise wirkten, wo Infanteriesperren aufgebaut waren. Bei dem Versuch diese zu überwinden, sollten die Angreifer unter Feuer genommen und abgewehrt werden.

Die Reihen der leichten Werke auf den freien Flächen waren in einem Tiefenabstand von etwa 200 m angeordnet. Sie verfügten über die gleiche Bewaffnung (7,92-mm-MG) wie jene in den Wäldern. Das begründete sich darin, dass zum Zeitpunkt ihrer Errichtung die Deutsche Wehrmacht lediglich etwa 2.000 Panzer (Panzerkampfwagen I und II) hatte. Diese verfügten nur über eine 5 bis 15 mm starke Stahlpanzerung, die mit einem 7,92-mm-MG durchschlagen werden konnte. Durchschlagskräftigere 4,7-cm-Panzerabwehrkanonen gab es nur in den schweren Anlagen, da bekannt war, dass neue Panzertypen mit stärkerer Panzerung und Bewaffnung - sowohl im Deutschen Reich als auch in der CSR - entwickelt wurden.

Die schweren Anlagen verdichteten die Waffenwirkung der MG-Bunker, die sich auf den freien Flächen befanden. Sie wurden vor allem in jenen Geländeabschnitten erbaut, in denen mit dem Durchstoß mechanisierter Verbände gerechnet wurde. In der Verteidigungslinie sollten, neben den Kräften in den Werken, auch bewegliche infanteristische und mechanisierte Komponenten bzw. Panzerabwehr- und Artilleriekräfte eingesetzt werden, um diese zu verdichten.

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Einsatzführung der Regimenter und Bataillone
Die ortsfest eingesetzten Regimenter und Bataillone hatten mit den ihnen unterstellten Kräften den stationären Einsatz in einem zusammenhängenden Gelände zu führen und waren de facto unbeweglich. Die Grenzjäger-Regimenter stellten jene Größenordnung dar, unterhalb derer das „tatsächliche Gefecht“ stattfinden sollte. Ihre Kräfte waren im Kampf aus den Bunkeranlagen bzw. im Zwischengelände geschult und auch im Frieden so organisiert, dass sie nach nur wenigen Stunden den Abwehrkampf hätten aufnehmen können.
Die Grenzjägerregimenter (zwei bis vier Bataillone) waren die wesentliche Organisationseinheit der tschechoslowakischen Verteidigungsbemühungen. Sie hatten ein lückenloses Zusammenwirken der Kräfte für das Sperrfeuer (frontal, flankierend und mittels Steilfeuer) zu gewährleisten und führten die Masse der Versorgungs-, Unterstützungs- und Führungsaufgaben durch. Die Anzahl der Regimenter war im Frieden und im Einsatz gleich, um den Abwehrkampf jederzeit rasch aufnehmen zu können. Im Einsatz wurden ihnen zusätzliche Kräfte unterstellt, um Lücken zu schließen und über Kräfte (Reserven) für eine bewegliche Kampfführung zu verfügen.
Die Bataillone hatten je nach Einsatzraum einen besonderen Auftrag in einem taktisch zusammenhängenden Gelände zu erfüllen. Deshalb variierten sie in ihrer Zusammensetzung und verfügten über eine unterschiedliche Anzahl von Kompanien. Die Organisation des Feuerkampfes konnten die ortsfesten Bataillone nur begrenzt durchführen, da sie über keine Steilfeuerelemente verfügten und auch keine beweglichen Kräfte einsetzen konnten. Neben den ortsfest eingesetzten Bataillonen gab es Bataillone im Zwischengelände, um Lücken in der ortsfesten Verteidigung zu schließen oder Gegenangriffe durchzuführen.


SOLDATEN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN STREITKRÄFTE MIT EINEM MG 26 BEI EINER ÜBUNG. (FOTO: UNBEKANNT, GEMEINFREI)

Einsatzführung der Kompanien, Züge, Gruppen und Trupps
Die Kompanien, die den Bataillonen und Regimentern unterstellt waren, sind eher als Verbindungs- und Versorgungsebene zu verstehen, jedoch weniger als Führungsebene. Die Hauptlast des Gefechts lag auf dem jeweiligen Werk, weshalb die Kompaniekommandanten - bis auf den Zeitpunkt der Feuereröffnung - kaum einen Entscheidungs- oder Handlungsspielraum hinsichtlich der Kampfführung hatten. Ihre Aufgabe lag vielmehr in der Überwachung aller notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen, wie dem Ausbau der Sperren, dem Vorüben der geplanten Kampfführung etc. Die Züge waren entweder geschlossen in einem schweren Werk oder auf sieben MG-Bunker (Gruppen) verteilt eingesetzt.
Die Züge in den schweren Werken waren geschlossene Elemente, in denen der Zugskommandant alle für das Gefecht notwendigen Tätigkeiten zu koordinieren und befehlen hatte, und somit die Beobachtung, die Koordinierung des Feuers sowie die Versorgung sicherstellen musste. Die Züge, die sich in mehreren MG-Bunkern befanden, waren - ähnlich wie die Kompanien - eher hierarchische, denn tatsächliche Führungselemente. Die konkrete Kampfführung fand somit auf der Gruppenebene statt. Dort waren es die Trupps, die von ihrem Gruppenkommandanten geführt, die Geschütze und Waffen der MG-Bunker bzw. eines schweren Werks bedienten.

Der Gruppenkommandant, aber auch jeder einzelne Schütze, hatte eine entscheidende Rolle für das Funktionieren der tschechoslowakischen Verteidigungsbemühungen. Sie sollten den Kampfauftrag der jeweiligen Anlage umsetzen, das Gelände beobachten und den Feuerkampf führen. Ihr Ausfall hätte eine Lücke gerissen, die von anderen Bunker übernommen werden musste. Dieser Umstand zeigt den Vorteil der schachbrettartigen und flankierenden Anordnung der Anlagen, weil dadurch mögliche Lücken auch ohne Reservekräfte relativ einfach geschlossen werden konnten.




Bunker gegen Hitler - Teil 2 | Truppendienst
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#12
Bunker gegen Hitler - Teil 3
GEROLD KEUSCH

(FOTO: REDTD/GEROLD KEUSCH, MICHAEL BARTHOU; MONTAGE: KEUSCH)
Die leichten Bunker des Walles
Die leichten Bunker der tschechoslowakischen Landesbefestigung wirkten im Verbund und standen, bis auf jene in den Waldstellungen, hinter den schweren Werken, die die erste Verteidigungsreihe bildeten. Sie lassen sich in die beiden Basismodelle 36 und 37 einteilen, von denen es wiederum verschiedene Bunkertypen gab, die hinsichtlich ihrer Bauform die Geländegegebenheiten berücksichtigten.

Die Bunker vom Modell 36 wurden im Jahr 1936 als Auffangstellungen für die Grenztruppen errichtet. Sie wirkten frontal auf den Feind und boten nur wenig Schutz gegenüber feindlichem Flach- und Steilfeuer. Das Modell 37 war eine Evolution des Modell 36 und wirkte, ähnlich wie die schweren Bunker, flankierend. Von den insgesamt 10.000 leichten Anlagen, wurde etwa ein Drittel vom Modell 36 (ca. 3.600 Stück) und die restlichen zwei Drittel vom Modell 37 errichtet; in Südmähren gab es insgesamt 1.500 Bunker, wobei der Anteil des Modells 36 deutlich geringer war. Die MG-Bunker vom Modell 37 wurden, falls sie vorhanden waren, (feindseitig betrachtet) vor den Bunkern des Modells 36 errichtet und so in das Befestigungssystem integriert. Dadurch wurde das Flankenfeuer durch eine frontale Komponente erweitert und das Schussfeld verdichtet.

Leichter Bunker Modell 37


Von dem leichten MG-Bunkermodell 37 gab es fünf verschiedene Typen mit der Bezeichnung A, B, C, D, E. Der Typ A war die Standardausführung. Alle Bunker des Modells 37 wurden nach demselben Bauprinzip errichtet und wirkten flankierend, wodurch sie nach vorne „blind“ und auf die Unterstützung der Nachbarn angewiesen waren. Die Seitenteile wiesen, je nach den tatsächlichen Geländegegebenheiten und den daraus resultierenden Feuerbereichen, unterschiedliche Winkel auf. Die Typen B bis E waren Adaptionen, die entweder nur eine oder zwei Schießscharten hatten, von denen eine in die Flanke, die andere frontal wirkte.
Bauliche Ausführung
Ein Kleinbunker hat eine Gesamtfläche von etwa 12 m², einen Eingangsbereich (1 m²), zwei Kampfräumen (je 2,5 m²) und einen Verbindungsraum (1 m²). Die Stärke der Stahlbetonwände beträgt seitlich 50 cm, an der Stirnseite 80 cm. Zusätzlich ist der Bunker durch einen Erdwall mit Zerschellerschicht an der Feindseite geschützt. Die Stirnseite überragt den eigentlichen Baukörper, begrenzte das Schussfeld der eigenen MG und minderte die feindliche Waffenwirkung. Die Betondecke des Bunkers hat eine Stärke von 60 cm, die mehrere Treffer von 10-cm-Artilleriegranaten widersteht und eine zusätzliche Erdaufschüttung.
Mannschaft
Die Besatzung eines leichten Bunkers vom Modell 37 bestand aus sieben Soldaten und setzte sich zusammen, aus: zwei MG-Trupps mit je drei Personen („Richtschütze“-MG1, „Ladeschütze“-MG2 und Truppkommandant, der über ein Periskop verfügte) sowie einem Soldaten, der für die Belüftung zuständig war. Einer der beiden Truppkommandanten war der Bunkerkommandant. Dieser war zumeist ein „einfacher Soldat“ ohne spezielle Führungsausbildung, da es nicht genügend Unteroffziere für diese Aufgabe gab.













Bewaffnung, Munition und Ausrüstung
In den Kampfräumen befanden sich zwei unterschiedliche MG-Typen vom Kaliber 7,92 mm: das MG 26 und das sMG 37. Welcher MG-Typ eingesetzt wurde, hing von der militärischen Beurteilung ab. Das MG 26 hatte ein 20-Schuss-Magazin, beim sMG 37 wurde die Munition mit einem Gurt zugeführt. Zwischen 7 000 und 14 000 Patronen befanden sich in einem Bunker, wobei die Zuweisung der Munitionsmenge von der Lage des Werkes abhing.

Die MG 26 wurden mit einem Sporn oder einer Lafette fixiert. Die Feuerbereiche wurden mit einem Nagelholz in der Bunkerinnenseite begrenzt, was eine Kampfführung bei Nacht oder Nebel ermöglichte. Das sMG 37 hatte eine Lafette, die eine Besonderheit aufwies: Sie war mit dem MG mittels einer Vorrichtung verbunden, die auf einer Metalltafel die Position des MG-Laufes mit einer Nadel anzeigte. Auf diese Tafel wurde eine Geländeskizze (mit Zielpunkten bzw. der Geländetaufe) gezeichnet. Deshalb musste der MG-Schütze das Ziel nicht direkt anvisieren, sondern konnte vom Truppkommandanten „blind“ geführt werden. Um die giftigen Gase, die beim Feuerkampf entstehen, aus dem Kampfraum abzublasen, gab es einen händisch betriebenen Ventilator, damit diese über die Schießscharten oder andere Öffnungen entweichen konnten. Zur Bunkernahverteidigung gab es Handgranatenschächte.

Leichter Bunker Modell 36


Die Bunker dieses Modells waren die ersten leichten Befestigungswerke und wurden in den Jahren 1935 und 1936 errichtet. In Südmähren waren sie zunächst als Auffangstellungen der Grenztruppen geplant und wurden später als hinterste Reihe in die Grenzbefestigung integriert. Es gibt drei Varianten: den dreischartigen Typ C und die zweischartigen Typen A und B, die sich insofern unterscheiden, dass der Typ B zehn Zentimeter stärkere Mauern aufweist. Alle Typen dieses Bunkermodells wirkten frontal bzw. schräg zum Feind. Ab dem Jahr 1937 wurden sie vom neueren Bunkermodell 37 abgelöst.
Bauliche Ausführung
Das Modell 36 ist aus Stahlbeton gefertigt und hat nur einen Kampfraum, der von der Freundseite zu betreten ist. Der Kampfraum der Typen A und B hat eine Fläche von etwa 5 m², jener vom Typ C ist knapp 9 m² groß. Die Decken und Wände sind zwischen 30 und 70 cm stark. Zusätzlich befindet sich eine etwa einen Meter starke Zerschellerschicht um den Baukörper. Aufgrund der relativ großen Schießscharten war bei diesem Modell keine Lüftungsanlage notwendig.
Mannschaft und Bewaffnung
Die Typen A und B hatten ein bis zwei MG 26 und eine Besatzung von vier Mann (je zwei MG-Schützen 1 und MG-Schützen 2). Im Typ C befanden sich bis zu drei MG 26 und eine Besatzung von sechs Mann. Als Waffenauflage dienten Holztische.

Leichte Bunker - Allgemein
Die Bunker waren durch diverse Maßnahmen wie aufgeschüttete Erde, Sträucher oder Holzverschalungen getarnt. Das Modell 37 hatte einbetonierte Tarnhaken, um Tarnnetze oder Seile daran befestigen zu können. Die Tarnmaßnahmen waren aufwändig und aufgrund der Größe der Anlagen - zumindest des Modells 37 - kaum zielführend, da die Bunker als solche erkennbar blieben.
Die leichten Bunker waren nicht ständig besetzt. Nach dem Befehl zum Beziehen, fasste die Bunkerbesatzung Waffen, Munition und Gerät aus und verlegte zu ihrer Anlage. Diese wurde nur für die unmittelbare Kampfführung bezogen, da sie für einen Aufenthalt zu eng war. Aus diesem Grund lagerte die Besatzung im Angelände in Zelten. Eine Strom- oder Wasserversorgung war weder installiert noch vorgesehen.

Die Verbindung zwischen den Werken erfolgte mit Flaggen und Signalmunition. Jeder Kleinbunker hatte einen Kampfauftrag, mit dem die Feuerbereiche und die Feuereröffnung geregelt waren und wäre im Kampf weitgehend auf sich allein gestellt gewesen. Die Besatzung hatte nur den Auftrag, den Feuerkampf zu führen. Für Gegenstöße, Aufklärung etc. wäre sie nicht eingesetzt worden.





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#13
Bunker gegen Hitler - Teil 4
GEROLD KEUSCH


(FOTO: REDTD/GEROLD KEUSCH, MICHAEL BARTHOU; MONTAGE: KEUSCH)
Die schweren Bunker des Walles
Die Einsatzführung in den Grenzzonen der Tschechoslowakei war auf das Zusammenwirken mehrerer leichter und schwerer Anlagen im Verbund ausgerichtet. Die schweren Festungswerke der tschechoslowakischen Landesbefestigung waren als Kernelemente eines Abschnittes geplant und standen grundsätzlich an der vordersten Reihe einer Verteidigungslinie.

Die schweren Bunker waren als selbstständige Werke mit beidseitigen Verteidigungs- und Wirkungsbereichen konzipiert, weshalb sie auch als Einzelwerke bezeichnet werden. Von den schweren Werken wurden insgesamt 256 errichtet, wobei die wenigsten komplett eingerichtet und ausgerüstet werden konnten. In Südmähren konnten von den geplanten 45 nur sechs Anlagen fertiggestellt werden, von denen nur fünf auch teilweise ausgerüstet werden konnten. Anmerkung: Die 8,5-cm-Panzerabwehrkanonen die auf den Fotos dieses Artikels zu sehen sind wurden erst in den 1960er-Jahren eingebaut, da die schweren Werke in der Zeit des Kalten Krieges erneut ein Teil der militärischen Grenzbefestigung wurden.

DAS STANDARDMODELL EINES SCHWEREN BUNKERS ALS SCHNITTMODELL MIT DEM ERD- UND DEM UNTERGESCHOSS IN DER SEITENANSICHT (OBEN) UND IM GRUNDRISS (UNTEN). (GRAFIK: GEMEINFREI/MONTAGE RIZZARDI)

Bauliche Ausführung
Die schweren Bunker hatten eine Ausdehnung von etwa 30 x 15 m. Sie wurden nach dem gleichen Bauschema errichtet, an das Gelände angepasst und wirkten in die Flanke und den Rücken eines Angreifers. Die schweren Werke verfügten über sämtliche Einrichtungen für die Unterbringung der Mannschaft und das Führen des Gefechtes. Die Besatzung bestand - je nach Werk - aus einem Offizier und 30 bis 35 Soldaten. Im Obergeschoß ist der Zugangsbereich, der Gefechtsstand, ein Sanitätsraum, ein Lagerraum und das Herzstück der Anlage - die beiden Kampfräume. Im Untergeschoß sind die Schlaf- und Sanitärräume, die Küche, ein Maschinenraum und das Betriebsmittellager. Der höchste Teil des Bunkers sind die Beobachtungskuppeln, die zwei Ebenen über dem Erdgeschoß liegen, eine Rundumbeobachtung ermöglichen und in manchen Werken auch als MG-Stellung dienten.

Die Stärken der Stahlbetonelemente unterscheiden sich von Werk zu Werk. In der Regel betrugen sie an der Stirnseite etwa 230 cm, an der Flanke (Schartenseite) etwa 130 cm und bei den Innenwänden etwa 100 cm. Die Stirnseite hatte eine zusätzliche Zerschellerschicht, die vier Meter stark war. Die Decke mit einer Stärke von etwa 250 cm Stahlbeton bot Schutz vor Artillerietreffern bis zu einem Kaliber von 30,5 cm. Die Beobachtungstürme bestehen aus 20 cm starken Panzerstahl und wiegen 21 Tonnen.








Bewaffnung, Munition und Ausrüstung
In jedem schweren Werk befanden sich zwei 4,7-cm-Panzerabwehrkanonen, zwei Zwillings-sMG 37 und vier bis sechs MG 26. Zusätzlich war die persönliche Ausrüstung der Mannschaft - Gewehre, Pistolen, Leuchtpistolen etc. - in der Anlage. Die Munition und die restlichen Versorgungsgüter in den Einzelwerken waren für neun Kampftage ausgelegt.
Die 4,7-cm-Panzerabwehrkanone wurde speziell für den Einsatz in Festen Anlagen entwickelt. Sie verfügte über eine Selbstladeautomatik und hatte eine theoretische Schussfolge von 40 Schuss/Minute. Für die Kanone gab es Spreng- und Panzergranaten, die 40 mm starken Panzerstahl auf eine Entfernung von 1 000 m durchschlagen konnten. Das Zwillings-sMG 37 war die Zweitbewaffnung der schweren Anlagen. Es wurde von zwei Soldaten bedient und verfügte neben der mechanischen Zieleinrichtung über eine Notvariante (siehe Modell 37). Die Läufe des MG waren versetzt so eingerichtet, dass sie ab einer Entfernung von 100 m auf das Fahrwerk und den Turm eines Panzers gewirkt hätten. Zum Schutz des unmittelbaren Umfeldes und gegen feindliche Infanterie waren MG 26 in den Anlagen, die auf einbetonierten Lafetten aufgesetzt wurden. Neben den beiden MG 26 in den Kampfräumen befand sich je eines im Gang zwischen den Kampfräumen und den Beobachtungstürmen, falls diese ebenfalls mit einem MG bestückt waren.

Neben den Stellungen für die MG 26 befinden sich Handgranatenauswurfschächte zur Bunkernahverteidigung. Im Fall eines direkten Angriffes hätte man entsicherte Handgranaten durch diese fallen lassen können, die außerhalb der Anlage detoniert wären. Die Beobachtung des Angeländes um die schwere Anlage erfolgte mit Periskopen in den Wänden und den Schlitzen der Beobachtungstürme, wodurch eine Rundumsicht gewährleistet war. Die verschiedenen Systeme garantierten, dass eine feindliche Annäherung genauso erkannt werden konnte, wie feindliche Kampffahrzeuge oder Infanteristen, die den Bunker stürmen wollten.









Inneneinrichtung
Im Erdgeschoss befinden sich die Kampfräume. Der Eingangsbereich ist zweimal gebrochen, um nicht von außen in die Anlage wirken zu können. Zusätzlich ist dieser Bereich mit einer Luftschleuse und einer Schießscharte versehen, um Eindringlinge abzuwehren. Die Betonwände waren mit Blechtafeln ausgestattet, um bei Artillerietreffern das Absplittern von Betonteilen zu verhindern. Im Fernmelderaum saß ein Funker, der die Verbindung zu anderen Werken und zur nächsten Kommandoebene hielt. Die Waffenkammer diente zur gesicherten Lagerung von Waffen sowie als Werkstätte und Kommandoraum.
Die Anlagen sollten ständig besetzt und innerhalb weniger Stunden einsatzbereit sein, um einen überraschenden Angriff so lange abwehren zu können, bis die leichten Bunker, in denen sich keine permanente Mannschaft befand, bezogen worden wären. Deshalb, aber auch um die Durchhaltefähigkeit im Gefecht zu gewährleisten, gab es eine einfache, dem Zweck entsprechende „Wohninfrastruktur“ im Untergeschoss der schweren Werke mit Sanitär-, Unterkunfts- und Aufenthaltsräumen und einer Küche. Zusätzlich gab es Lagerräume für Lebensmittel und die Betriebsmittel des Notstromaggregates und einen Brunnen zur autarken Wasserversorgung. Der Unterkunftsbereich bestand aus je einem Raum für den Kommandanten, die Unteroffiziere und die Mannschaft.

Jeder Bunker hatte ein Luftfiltersystem, das über ein Aggregat oder händisch betrieben wurde. Damit konnte frische Luft von außen zugeführt und verteilt sowie verbrauchte Luft nach außen transportiert werden. Zusätzlich wurde ein Überdruck erzeugt, damit weder Luft, Rauch, künstlicher Nebel noch Kampfstoffe in den Bunker eindringen konnten. Die Soldaten in den Kampfräumen hätten im Gefecht mit Schutzmasken und Schläuchen mit sauberer Luft versorgt werden sollen, um nicht von den Gasen der Granaten und Patronen vergiftet zu werden.



DAS SCHWERE WERK BEI SATOV BEFINDET SICH AUF EINER FREIEN FLÄCHE IM PANZERGELÄNDE UND IST HEUTE EIN MUSEUM, DAS DEN ZUSTAND DES BUNKERS DER 1980ER-JAHRE ZEIGT. (FOTO: REDTD/GEROLD KEUSCH)
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Bunker gegen Hitler - Teil 5
GEROLD KEUSCH


(FOTO: BUNDESARCHIV, BILD 183-H13396/CC-BY-SA 3.0, REDTD/MICHAEL BARTHOU; MONTAGE: KEUSCH)
Politisch-militärische Entwicklungen zwischen 1938 und 1939
Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 stieg in der CSR die Nervosität, da der Griff nach dem Sudetenland als nächster Schritt Deutschlands beurteilt wurde. Ende März traf Hitler den Führer der Sudetendeutschen Partei, Konrad Henlein. Dieser erhielt die Weisung, eine Krise mit der tschechoslowakischen Regierung heraufzubeschwören. Mit politischen Forderungen, die Prag nicht akzeptieren konnte, sollten Spannungen herbeigeführt werden, die Deutschland einen Angriffsgrund geben würden.

Ein Ausdruck dieser Nervosität war die Mai- oder Wochenendkrise im Jahr 1938. Der tschechoslowakische Geheimdienst erhielt den Hinweis über deutsche Truppenbewegungen, die für einen bevorstehenden Angriff an die Grenze verlegt werden würden. Zwei Tage später wurden etwa 200 000 Mann einberufen, wodurch die tschechoslowakische Armee einen Präsenzstand von 370 000 Soldaten aufwies. Die Informationen, die zu dieser Teilmobilmachung führten, waren falsch. Sie zeigten jedoch, wie schnell, stark und entschlossen die CSR ihr Territorium verteidigen würde. Das machte wiederum Hitler „nervös“, der nach der Maikrise den Entschluss zur raschen Zerschlagung der CSR fasste.

Der Plan von Hitler und Henlein ging auf und die Krise in den Sudetengebieten spitzte sich schrittweise zu. Anfang September drohte Hitler öffentlich mit dem Einmarsch. Die Reaktion der CSR war die zweite Teilmobilmachung der Streitkräfte im September 1938. 1,2 Millionen Mann wurden einberufen, von denen 1,1 Millionen tatsächlich einrückten, da sich etwa 100 000 Sudetendeutsche der Einberufung entzogen. Nun war das gesamte Feldheer mit etwa 200 Soldaten/Kilometer eingesetzt, das sich im gesamten Grenzabschnitt zur Verteidigung einrichtete.




Ausbaustand der Landesbefestigung im September 1938
Bis zur Annexion der Sudetengebiete an das Deutsche Reich waren in der CSR etwa 10.000 Kleinbunker sowie 256 schwere Anlagen, vor allem an der Nordgrenze (250 Stück), erbaut worden. Neben den Anlagen an der Staatsgrenze waren auch die Verteidigungslinien im Hinterland (z. B. bei Prag) bereits teilweise errichtet. Zusätzlich waren Sperren in Form von Panzergräben, Panzersperren etc. angelegt, die Masse der Grenzzonen befestigt und die Armee de facto abwehrbereit. Für eine erfolgreiche Einsatzführung im Sinne des ursprünglichen Planes wäre jedoch eine lückenlose Befestigung notwendig gewesen, wofür die Zeit nicht ausreichte.

In Südmähren gab es etwa 1.500 leichte und sechs schwere Bunker (fünf davon waren ausgerüstet), wobei in der ersten Linie etwa 1.000 Objekte standen. Von diesen waren bis Ende 1937 etwa 600 Anlagen fertiggestellt worden, 200 Bunker folgten bis zum Anschluss Österreichs, 200 weitere Objekte - unter ihnen die schweren Anlagen - wurden nach dem Anschluss Österreichs erbaut. Von diesen konnten nicht alle fertiggestellt und ausgerüstet werden, auch weil die Rüstungsindustrie die benötigten Güter (Waffen, Munition, Ausrüstung etc.) nicht mehr produzieren konnte, obwohl sie an der Kapazitätsgrenze arbeitete.

KARTE MIT DEM EINSATZ DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN ARMEE BEI SLAVONICE IM SEPTEMBER 1938. (FOTO: REDTD/GEROLD KEUSCH)

Einsatz der Kräfte in Südmähren
Nach der Mobilmachung der CSR-Streitkräfte am 23. September 1938 standen insgesamt 40 Divisionen im Feld. Der Einsatz entlang der Staatsgrenze der Tschechoslowakei zum Großdeutschen Reich folgte grundsätzlich nach dem gleichen Schema. Als Beispiel wird der Einsatz der Kräfte in Südmähren im Abschnitt Slavonice-Iglau und die geplante Kampfführung im Bereich der ortsfesten Anlagen in Slavonice beschrieben.
Abschnitt Slavonice-Iglau
Die Ortschaft Slavonice befindet sich an der böhmisch-mährischen Grenze am südlichen Ausläufer des böhmisch-mährischen Höhenzuges inmitten eines freien Geländestreifens (Panzergelände), der westlich und östlich mit Waldgebieten (Infanteriegelände) begrenzt ist. Dieser Korridor ist etwa vier km breit, zieht sich bis zur Stadt Iglau etwa 50 km nördlich von Slavonice und ermöglicht das rasche Durchstoßen mechanisierter Kräfte bis dorthin. Mit der Inbesitznahme von Iglau kann die Bewegungslinie Prag - Brünn gesperrt werden und die Voraussetzung für einen Vorstoß Richtung Nord bzw. Nordost für die nächste Angriffsstaffel geschaffen werden. Diese könnte sich in weiterer Folge mit den Angriffskräften, die von Norden aus dem Bereich Breslau nach Süden stoßen, vereinen und Mähren an einer seiner engsten Stellen (etwa 140 km) teilen.
Auf der freien Fläche rund um Slavonice befand sich etwa eineinhalb Kilometer nördlich der Staatsgrenze die erste Befestigungslinie mit MG-Bunkern in drei Reihen. In den Waldstücken östlich und westlich befinden sich einreihige Waldstellungen. Ende September 1938 hatten die mobilgemachten Kräfte ihre Bunker und sonstigen Stellungen bezogen, die Panzer- und Infanteriesperren errichtet bzw. verstärkt und zusätzliche Kampf- und Verbindungsgräben ausgehoben. Der Feuerstellungsraum der Artillerie, mit Geschützen der Kaliber 7,5 bis 15 cm, befand sich im Raum Pec etwa 7 km nördlich von Slavonice. In der Ortschaft Dacice, etwa 10 km nordöstlich von Slavonice waren Infanteriekräfte eingesetzt, um als bewegliche Komponente der Verteidigung bzw. Reserve einen Durchstoß zu verhindern. Südlich von Telc befand sich die zweite Verteidigungslinie, die jedoch nur entlang der Stoßrichtung mit MG-Bunkern ausgebaut war und in ihrem damaligen Ausbauzustand kein ernstzunehmendes Hindernis war.



Geplante Einsatzführung im Raum Slavonice
Der Raum von der ersten Verteidigungslinie bis zur Staatsgrenze war mit vorgeschobenen Einheiten der Grenzregimenter besetzt. Diese waren dafür zuständig die Armeeführung vor dem eigentlichen Angriff mit Informationen bzw. Aufklärungsergebnissen zu versorgen und sollten dem Angreifer einen ersten Widerstand entgegensetzen. Zusätzlich sollten sie Pioniertätigkeiten ausführen und dabei Brücken sprengen, Eisenbahnstrecken zerstören, das Gelände mit Sperren ungangbar machen, Minen verlegen aber auch Dämme (z. B. über die Thaya, jedoch nicht in Slavonice) sprengen, um Überflutungen herbeizuführen. Beim eigentlichen Angriff sollten sie zunächst den Verzögerungskampf führen und dann die ortsfesten Kräfte in der ersten Verteidigungslinie oder in der Tiefe verstärken.

Der Angreifer sollte bereits ab dem Überschreiten der Staatsgrenze, eineinhalb Kilometer bevor er auf die mit Bunkern verstärkte Verteidigungslinie getroffen wäre, zunächst mit Granatwerfer und sobald er etwa einen Kilometer vor den Stellungen war, mit Maschinengewehren bekämpft werden. Damit wollte man ihm bereits schwere Verluste zufügen, bevor er die erste Bunkerlinie erreicht hätte. In der Zwischenzeit sollten die Verteidiger ihre Werke bezogen haben, um aus diesen den Feuerkampf zu führen, sobald der Feind innerhalb ihres Wirkungsbereiches war. Je nach Ablauf der Gefechte wären die Angreifer liegen geblieben oder nach einem verlustreichen Kampf mit der nächsten Staffel durchgestoßen. Diese sollten auf die nächste Verteidigungslinie auflaufen, in der der Kampf ähnlich ablaufen sollte oder auf dem Weg dorthin in Kämpfe mit den beweglichen Kräften verwickelt werden.

EIN PANZERSPÄHWAGEN (SD.KFZ.222) DER DEUTSCHEN WEHRMACHT VOR EINEM MG-BUNKER 37 MIT VERBINDUNGSGRABEN IM OKTOBER 1938. (FOTO: BUNDESARCHIV, BILD 183-H13396/CC-BY-SA 3.0)

Anschluss des Sudetenlandes
Der britische Premierminister Neville Chamberlain trat im September 1938 als Vermittler in der Sudetenkrise auf. Nachdem er die Abtretung des Sudetengebietes an das Deutsche Reich bereits Mitte des Monats grundsätzlich akzeptiert hatte, drohte Hitler mit dem sofortigen Einmarsch. Der Krieg schien unvermeidbar. Als letzten Ausweg sah der britische Premierminister eine Konferenz über die Zukunft der CSR. Durch Vermittlung des italienischen Diktators Benito Mussolini trafen sich die Staatschefs von Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich am 29. September in München. Am 30. September waren die Verhandlungen beendet und das Münchener Abkommen unterzeichnet. Am 1. Oktober 1938 begann die Besetzung des Sudetenlandes, die bis zum 10. Oktober abgeschlossen war. Ein Gebiet in der Größe von etwa 28 000 km² mit knapp drei Millionen Sudetendeutschen und etwa 700 000 Tschechen, von denen mehr als die Hälfte die Region verließ, wurde in das Deutsche Reich eingegliedert.
Mit dem Einmarsch in das Sudetenland waren die Landesbefestigungen ein Teil des Dritten Reichs. Das Rückgrat der tschechoslowakischen Verteidigung wurde durch eine politisch-diplomatische Aktion zerschlagen. Die Waffen wurden zwar ausgebaut und in das Landesinnere gebracht, um nicht der Wehrmacht in die Hände zu fallen. Die militärstrategischen und operativen Überlegungen waren jedoch obsolet, da sie nicht schnell adaptiert oder neu entwickelt werden konnten und die CSR in absehbarer Zeit nicht mit einer Unterstützung ihrer „Alliierten“ rechnen konnte.


DEUTSCHE PANZER FAHREN AM 15. MÄRZ 1938 DURCH PRAG. (FOTO: UNBEKANNT/GEMEINFREI)

Zerschlagung der CSR
Nach dem Anschluss des Sudetenlandes 1938 begannen die deutschen Planungen für die Operation gegen Böhmen und Mähren, die im Frühjahr 1939 ausgeführt werden sollte. Erneut wurden politische Intrigen gesponnen und ein Druckszenario aufgebaut, das zum Ziel hatte, die Tschechoslowakei in einen tschechischen und einen slowakischen Staat zu spalten.
Am 14. März 1939 erklärte die Slowakei ihre Selbstständigkeit und wurde unter dem römisch-katholischen Priester Jozef Tiso zum NS-Satellitenstaat. Am gleichen Tag wurde der tschechoslowakische Staatspräsident Emil Hacha nach Berlin bestellt. Hitler stellte ihn vor die Wahl, Böhmen und Mähren entweder anzugreifen oder "freiwillig" ein Protektorat des Deutschen Reiches zu werden. In den Morgenstunden des 15. März 1939 marschierte die Wehrmacht in Böhmen und Mähren ein. Nun gab es keine Mobilmachung mehr und keinen militärischen Widerstand, obwohl die überwiegende Mehrheit der Bewohner die Besetzung ablehnte. Mit der Zerschlagung der CSR und der Errichtung des Protektorates Böhmen und Mähren war die Appeasement-Politik endgültig gescheitert. Sie musste durch eine andere, nun militärische Antwort auf die Aggressionspolitik Hitlers, ersetzt werden.
Schritt zum Weltkrieg
Die Zerschlagung der CSR war ein folgenschwerer - vermutlich unbeabsichtigter - Schachzug: Man hatte den Staat militärisch bedroht und dadurch „gezwungen“ massiv aufzurüsten. Zusätzlich wurde durch den Bau der Landesbefestigung die Qualität der CSR-Armee wegen des massiven Personaleinsatzes für die Baumaßnahmen geschwächt. Ein Vorteil, der jedoch zeitlich begrenzt war und die Wehrmacht zum raschen Handeln zwang. Nachdem mit dem Anschluss des Sudetenlandes die Territorialverteidigung ausgeschaltet und die Armee de facto lahmgelegt worden war, konnten Böhmen und Mähren relativ einfach besetzt werden. Dadurch fielen riesige Mengen von Waffen, Munition und Kampfmitteln in die Hände derer, gegen die sie produziert worden waren. Das war wiederum eine wesentliche Voraussetzung, um im September 1939 Polen anzugreifen und den Zweiten Weltkrieg entfesseln zu können.




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Bunker gegen Hitler - Teil 6
GEROLD KEUSCH

(FOTO: REDTD/GEROLD KEUSCH, MICHAEL BARTHOU; MONTAGE: KEUSCH)

Die Bunker heute
Nachdem das Protektorat Böhmen und Mähren errichtet worden war, wurden die Bunker von der Wehrmacht teilweise bei Beschuss- und Sprengtests zerstört. Dabei wurden neue Granaten und Kampfverfahren zur Bunkerbekämpfung getestet, und sie dienten als Übungsobjekte für die Eroberung der Maginot-Linie vor dem Westfeldzug 1940.

Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurden einige Bunker im Hinterland zerstört, um nicht von Aufständischen genutzt werden zu können. Andere wurden abgebaut und Teile davon beispielsweise am Atlantikwall installiert. Im Frühjahr 1945 wurden manche Bunker tatsächlich benutzt. Ironischerweise von denen, gegen die sie erbaut wurden - von Einheiten der Wehrmacht. Diese verwendeten sie bei den Rückzugsgefechten gegen die Rote Armee. Dabei zeigte sich, wie effizient die Anlagen und die mit ihr verbundenen Kampfverfahren waren. 47 Tage konnten die schweren Werksgruppen bei Ostrau dem Angriff standhalten. Geräumt mussten die - noch weitgehend intakten - Anlagen erst werden, nachdem die Rote Armee sie umgangen hatte.






Die Bunker im Kalten Krieg
Bei den Parlamentswahlen 1946 wurden die Kommunisten die stärkste politische Kraft, die beim Februarputsch 1948 die Macht im Staat übernahmen. Durch die Installierung eines Regimes nach stalinistisch-sowjetischer Prägung schottete sich die CSR (ab 1960 CSSR - Tschechoslowakische Sozialistische Republik) gegen den Westen ab und reaktivierte Teile des Tschechoslowakischen Walles. Die militärische Bedrohung der CSSR im Kalten Krieg durch den Westen wurde ähnlich beurteilt wie jene durch das Dritte Reich, wenn auch mit anderen politischen Vorzeichen. Die Anlagen an der ideologischen Ost-West-Grenze wurden erneut zum Rückgrat der tschechoslowakischen Verteidigungsdoktrin, obwohl die CSSR-Armee grundsätzlich offensiv ausgerichtet war.
Da die Bunker aus den 1930ern die gleichen blieben, mussten sie auch de facto gleich verwendet werden. Veränderungen waren nur in der Ausrüstung, Einrichtung, Bewaffnung und der Besatzung möglich. Als eine der ersten Maßnahmen erhielten die Bunkeranlagen ab 1951 den charakteristischen Tarnanstrich. 1959 war die erste Phase der Reaktvierung abgeschlossen und die adaptierten Grenzbefestigungen einsatzbereit. Während des Kalten Krieges waren 28 Soldaten (ein Offizier, sieben Unteroffiziere und 20 Chargen/Rekruten) in einem schweren Werk stationiert. Diese waren nicht ständig besetzt und wurden nur bei Übungen bezogen, die bis in die 1990er-Jahre regelmäßig stattfanden. In den leichten MG-Bunkern wäre die Besatzung bei einer Aktivierung mit sieben Mann so stark gewesen, wie in den 1930er-Jahren


DIE 8,5-CM-KANONE, DIE HEUTE IN DEN BUNKERN EINGEBAUT IST, WURDE IN DEN 1960ER-JAHREN NACHGERÜSTET. DAS ZWILLINGS-SMG37 AUS DEN 1930ER-JAHREN (RECHTE SCHIESSÖFFNUNG) BLIEB UNVERÄNDERT IN DEN ANLAGEN.
(FOTO: REDTD/GEROLD KEUSCH)

Bewaffnung, Munition und Ausrüstung
Die Bewaffnung der leichten Bunker blieb mit den MG 26 und sMG 37 unverändert. Die Panzerabwehrkanonen der schweren Anlagen wurden ab den 1960er-Jahren - der zweiten Phase der Aktivierung der Werke - durch die modernen und durchschlagskräftigen 8,5-cm-Panzerkanonen ersetzt. Diese hatten eine Einsatzschussweite von 1.500 m und konnten 100 mm Panzerstahl auf eine Entfernung von 1.400 m durchschlagen. Das Zwillings-sMG 37 und das MG 26 blieben ein Teil der Bewaffnung, wobei das Kaliber von 7,92 mm auf 7,62 mm geändert wurde. Die MG waren in Lager versperrt und wurden erst bei Bedarf ausgefasst und in die Anlagen gebracht. Die Panzerkanonen verblieben im Werk, waren jedoch ausgebaut und so gelagert, dass sie in etwa 20 Minuten feuerbereit gewesen wären. In einem schweren Bunker befanden sich 1.200 Stück 8,5-cm-Granaten für die Panzerabwehrkanonen (600 pro Kanone), 200.000 Patronen für die Maschinengewehre, 400 Panzerminen und 300 Handgranaten. Das entsprach dem berechneten Kampftagesverbrauch für 14 Tage. Solange hätte eine schwere Anlage ein Gefecht ohne Anschlussversorgung führen und durchhalten sollen.

„Eiserner Vorhang“
Die militärische Grenzbefestigung der CSSR, in die die Bunker der 1930er-Jahre involviert waren, darf nicht mit der politischen Grenzbefestigung - dem „Eisernen Vorhang“ - verwechselt werden. Im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg geht der Begriff (obwohl er bereits davor existierte) auf den britischen Premiereminister Winston Churchill zurück, der damit die Trennung zwischen Ost und West bezeichnete. In weiterer Folge wurde der Grenzzaun zwischen Ost und West als Eiserner Vorhang bezeichnet. Er hatte jedoch keinen militärischen Nutzen und sollte die Staatsbürger der CSSR sowie anderer ehemaliger Ostblock-Staaten daran hindern, in den Westen zu flüchten. Dieser Zaun mit seinen baulichen Einrichtungen, der für mehrere Jahr sogar vermint war, wurde zum Symbol der "Unfreiheit" der Staaten, die damit vom Westen abgeschottet waren und zum Schauplatz unzähliger menschlicher Tragödien.












Aktuelle Verwendung
Die Bunkeranlagen waren bis zum Ende des Kalten Krieges (konkret bis 1990) ein Teil der aktiven Landesverteidigung der CSSR und wurden auch noch danach von der Armee gewartet. Die Bewaffnung und Einrichtung der Bunker wurde abgebaut und eingelagert. Seit dem Jahr 2006 werden die Anlagen aus dem Bestand der Armee ausgeschieden und verkauft. Aufgrund der hohen Identifikation weiter Bevölkerungsteile im heutigen Tschechien mit der Armee und der Landesverteidigung nehmen viele Vereine, Einzelpersonen und Unternehmen dieses Angebot an. Manche Bunker wurden zu Lagerräumen, Keller oder sogar zu Unterkünften für Abenteuertouristen umfunktioniert.

Für Personen, die sich mit dem tschechoslowakischen Wall vertieft auseinandersetzen wollen, gibt es eine Vielzahl an privaten und staatlichen Museen, die diese Epoche thematisieren. Manche bestehen nur aus einem leichten Bunker, andere zeigen schwere Werke oder im Norden Tschechiens ganze Werksgruppen. Deshalb sind das Wissen über den Tschechoslowakischen Wall und der Bestand vieler Werke für die nächsten Jahrzehnte gesichert. Die Originalgegenstände der Zwischenkriegszeit bzw. des Kalten Krieges vermitteln dort ein realistisches Bild der damaligen Zeit. Die Waffen wurden jedoch unbrauchbar gemacht und sind somit nicht mehr einsetzbar. Darüber hinaus gibt es einige Webseiten, die den tschechoslowakischen Wall thematisieren und eine Online-Datenbank, auf der beinahe jeder Bunker mit Skizze, Wirkungsbereich etc. beschrieben wird.





Auf einen Blick
Die Verteidigungsbemühungen der CSR zeugen von der Entschlossenheit, mit der man in den 1930er-Jahren die Souveränität des Staates verteidigen wollte. Das zeigt sich in der Aufstellung der in Relation zur Bevölkerung vermutlich stärksten Verteidigungs-Streitkraft, die jemals in „Friedenszeiten“ aufgestellt wurde und im Bau des Tschechoslowakischen Walles. Dieser war das größte staatliche Bauprojekt der CSR und das vermutlich modernste Fortifikationssystem seiner Zeit. Seine Ausschaltung durch den Anschluss des Sudetenlandes war ein wesentlicher Schritt, um die CSR zu besetzen, in weiterer Folge Polen anzugreifen und die Welt in den Zweiten Weltkrieg zu stürzen.

Dass die Verteidigungswerke effizient waren, bewiesen sie im Frühjahr 1945. Ob, wie lange und in welchem Ausbauzustand sie einem Angriff der Deutschen Militärmaschinerie standgehalten hätten, lässt sich nicht beantworten. Dass sie ein ernsthaftes Hindernis waren und die Angreifer vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt hätten, ist unbestritten. Auch weil die Deutsche Wehrmacht hinsichtlich der Qualität und Quantität ihrer Waffensysteme am Vorabend des Weltkrieges nicht so hoch gerüstet war, wie man das heute gemeinhin annimmt.
Offiziersstellvertreter Gerold Keusch, BA ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

Links:

Bunkermuseum Satov
Bunkermuseum Slavonice
Bunkermuseen in Ostböhmen (Nordtschechien)
Interaktive Karte des Tschechoslowakischen Walls

Datenbank und Fotoarchiv zum Tschechoslowakischen Wall


DAS BUNKERMUSEUM IN SATOV MIT EINEM MASSIVEN GRENZBALKEN UND WEITHIN SICHTBAREN GRENZPFAHL, WIE SIE IN DEN 1930ER-JAHREN VERWENDET WURDEN. (FOTO: REDTD/GEROLD KEUSCH)
Bunker gegen Hitler - Teil 6 | Truppendienst
 
#16
Dort wo ich öfters durch einen Teil des Isergebirges fahre, sind die Bunker so zwischen die dort herumliegenden Findlinge gebaut, das man schon genau hinschauen muß um die diese zu Unterscheiden. mfg.kallepirna
 
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