@Luther stellte im Beitrag über "Flugbeobachtungsbunker Niederabsdorf" die Frage:
Da diese Frage sowohl das Ölgebiet als auch die Raffinerien betrifft, mache ich ein eigenes Thema daraus:
Soweit mir bekannt ist, waren die österreichischen Ölfelder eigentlich kein Primärziel der alliierten Bomberverbände. Sehrwohl aber Operationsgebiet der Jabos (Volksmund => Tiefflieger). Ziel der Bomber war die ölverarbeitende Industrie, also die Raffinerien in und um Wien (Floridsdorf, Kagran, Lobau, Vösendorf, Schwechat, Korneuburg, Moosbierbaum) und die Lager- und Umschlagseinrichtungen an der Donau (WIFO-Lager Lobau, Ölhafen Lobau, Tanklager Praterspitz, div. Lager am Handelskai, Tanklager und Umschlagslände Korneuburg, Umschlagslände Pischelsdorf usw.). So gab es zwischen Juni 44 und März 45 29 Großangriffe nur auf die Raffineriewerke, wobei alleine am 31.1.45 bei einem Angriff auf Moosbierbaum 823 Bomber zum Einsatz kamen.
Die heimische Rohölbasis konnte die Verarbeitungskapazität der ständig ausgebauten und erweiterten Raffinerien bei weitem nicht decken. So kamen am Wasserwege über die Donau große Mengen von rumänischen Erdöl zu den Wiener Verarbeitungsstätten. Aber auch bereits in rumänischen Raffinerien zu Rohbenzin raffinierte Vorprodukte kamen nach Moosbierbaum, um dort zu hochwertigem Flugbenzin weiterverarbeitet zu werden. Durch die ständigen Bombenangriffe in den letzten Kriegsmonaten wurden die Anlagen laufend beschädigt aber durch spezielle Reparaturtrupps konnte meistens innerhalb einiger Tage oder Wochen zumindest ein eingeschränkter Notbetrieb wieder aufgenommen werden. Die Ölverarbeitung zu Kraft- und Schmierstoffen ging zwar erheblich zurück, was katastrophale Folgen für die Versorgung der kämpfenden Truppen hatte, kam aber nie gänzlich zum Erliegen.
Das Kernproblem lag neben Ausfällen bzw. eingeschränktem Betrieb an den Raffinerieanlagen in weiterer Folge bei der Zerstörung der Transportwege. Ständig flogen die Jabos die Eisenbahnstrecken ab und zerstörten durch Beschuss unzählige Kesselwagenzüge, sowohl bei der Anlieferung von Rohöl zu den Raffinerien als auch beim Abtransport von Fertigprodukten an die Front. Weiters wurden die wichtigsten Bahnknoten durch Bombenangriffe zerstört.
Auch beim Schiffstransport von rumänischen Öl auf der Donau gab es beträchtliche Schwierigkeiten. In Nachteinsätzen verminte die RAF die Wasserstraße von Rumänien stromaufwärts bis in den Raum Pressburg. Die abgeworfenen Magnetminen führten ab April 44 zum Verlust von 270 Schiffen aller Art. Als Gegenmaßnahme wurden die Tank- und Schleppschiffe innerhalb bestimmter Zeitintervalle entmagnetisiert. Solche Entmagnetisieranlagen befanden sich in den Häfen Wien-Albern, Belgrad und Russe. Durch den Einsatz von Flussräumbooten und Wasserflugzeugen wurden über 600 Minen geräumt. Die Wasserflugzeuge waren im Hafen Wien-Freudenau (damaliger „Winterhafen“) stationiert. In den letzten paar Kriegsmonaten fiel die rumänische Ölbasis dann durch das Vorrücken der Sowjettruppen gänzlich aus, schließlich blieb nur mehr das Gebiet um Zistersdorf übrig…
lg
josef
-> wie oft und wie schwer wurden eigentlich die Ölfelder aus der Luft angegriffen ?
Soweit mir bekannt ist, waren die österreichischen Ölfelder eigentlich kein Primärziel der alliierten Bomberverbände. Sehrwohl aber Operationsgebiet der Jabos (Volksmund => Tiefflieger). Ziel der Bomber war die ölverarbeitende Industrie, also die Raffinerien in und um Wien (Floridsdorf, Kagran, Lobau, Vösendorf, Schwechat, Korneuburg, Moosbierbaum) und die Lager- und Umschlagseinrichtungen an der Donau (WIFO-Lager Lobau, Ölhafen Lobau, Tanklager Praterspitz, div. Lager am Handelskai, Tanklager und Umschlagslände Korneuburg, Umschlagslände Pischelsdorf usw.). So gab es zwischen Juni 44 und März 45 29 Großangriffe nur auf die Raffineriewerke, wobei alleine am 31.1.45 bei einem Angriff auf Moosbierbaum 823 Bomber zum Einsatz kamen.
Die heimische Rohölbasis konnte die Verarbeitungskapazität der ständig ausgebauten und erweiterten Raffinerien bei weitem nicht decken. So kamen am Wasserwege über die Donau große Mengen von rumänischen Erdöl zu den Wiener Verarbeitungsstätten. Aber auch bereits in rumänischen Raffinerien zu Rohbenzin raffinierte Vorprodukte kamen nach Moosbierbaum, um dort zu hochwertigem Flugbenzin weiterverarbeitet zu werden. Durch die ständigen Bombenangriffe in den letzten Kriegsmonaten wurden die Anlagen laufend beschädigt aber durch spezielle Reparaturtrupps konnte meistens innerhalb einiger Tage oder Wochen zumindest ein eingeschränkter Notbetrieb wieder aufgenommen werden. Die Ölverarbeitung zu Kraft- und Schmierstoffen ging zwar erheblich zurück, was katastrophale Folgen für die Versorgung der kämpfenden Truppen hatte, kam aber nie gänzlich zum Erliegen.
Das Kernproblem lag neben Ausfällen bzw. eingeschränktem Betrieb an den Raffinerieanlagen in weiterer Folge bei der Zerstörung der Transportwege. Ständig flogen die Jabos die Eisenbahnstrecken ab und zerstörten durch Beschuss unzählige Kesselwagenzüge, sowohl bei der Anlieferung von Rohöl zu den Raffinerien als auch beim Abtransport von Fertigprodukten an die Front. Weiters wurden die wichtigsten Bahnknoten durch Bombenangriffe zerstört.
Auch beim Schiffstransport von rumänischen Öl auf der Donau gab es beträchtliche Schwierigkeiten. In Nachteinsätzen verminte die RAF die Wasserstraße von Rumänien stromaufwärts bis in den Raum Pressburg. Die abgeworfenen Magnetminen führten ab April 44 zum Verlust von 270 Schiffen aller Art. Als Gegenmaßnahme wurden die Tank- und Schleppschiffe innerhalb bestimmter Zeitintervalle entmagnetisiert. Solche Entmagnetisieranlagen befanden sich in den Häfen Wien-Albern, Belgrad und Russe. Durch den Einsatz von Flussräumbooten und Wasserflugzeugen wurden über 600 Minen geräumt. Die Wasserflugzeuge waren im Hafen Wien-Freudenau (damaliger „Winterhafen“) stationiert. In den letzten paar Kriegsmonaten fiel die rumänische Ölbasis dann durch das Vorrücken der Sowjettruppen gänzlich aus, schließlich blieb nur mehr das Gebiet um Zistersdorf übrig…
lg
josef
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