Bis zu 100.000 Stellen weg?
Bestürzung nach Bericht über Volkswagen
Europas größter Autohersteller Volkswagen (VW) steht laut einem Bericht des „Manager Magazins“ vor einem weiteren großen Stellenabbau. In den nächsten Jahren sollen im Konzern weltweit bis zu 100.000 der aktuell rund 657.000 Arbeitsplätze wegfallen, so das Blatt am Freitag unter Berufung auf Insider. Auch Schließungen von Werken seien möglich. Gewerkschaften und Politik sind alarmiert. Die Pläne seien ein „Frontalangriff“ auf die VW-Beschäftigten.
Online seit heute, 14.28 Uhr (Update: 15.33 Uhr)
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Bis zu 100.000 Stellen weg?: Bestürzung nach Bericht über Volkswagen
Bestürzung nach Bericht über Volkswagen
Europas größter Autohersteller Volkswagen (VW) steht laut einem Bericht des „Manager Magazins“ vor einem weiteren großen Stellenabbau. In den nächsten Jahren sollen im Konzern weltweit bis zu 100.000 der aktuell rund 657.000 Arbeitsplätze wegfallen, so das Blatt am Freitag unter Berufung auf Insider. Auch Schließungen von Werken seien möglich. Gewerkschaften und Politik sind alarmiert. Die Pläne seien ein „Frontalangriff“ auf die VW-Beschäftigten.
Online seit heute, 14.28 Uhr (Update: 15.33 Uhr)
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VW-Chef Oliver Blume habe seine Pläne für das Sanierungskonzept dem Vorstand vorgestellt. Wie genau sich die Zahl zusammensetze, sei noch nicht klar. In dem Papier stehe bewusst keine eindeutige Zahl, sagte ein weiterer Insider. Der Verlust so vieler Arbeitsplätze entspreche einer Verdoppelung des bisherigen Abbauziels, das in seiner Radikalität schon beispiellos gewesen sei, schrieb das „Manager Magazin“ weiter.
Bis 2030 hatte Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt, davon 35.000 bei der Kernmarke VW.
VW-Chef will „jeden Stein umdrehen“
Blume hat in den vergangenen Monaten wiederholt erklärt, dass das bisherige Geschäftsmodell von VW so nicht mehr funktioniere, der Konzern sich neu aufstellen müsse und die Kosten weiter sinken müssten. „Wir werden jeden Stein umdrehen“, hatte Blume bereits im Frühjahr angekündigt. Bisher hatte er es aber vermieden, Details zu möglichen Einsparungen zu nennen.
Ein Sprecher des Konzerns sagte, man kommentiere interne, vertrauliche Unterlagen nicht. Die zugrunde liegenden Sachverhalte würden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. Diesem Prozess solle nicht vorgegriffen werden. „Richtig ist, dass die gesamte Automobilindustrie und die Volkswagen Group eine tiefgreifende Transformation durchlaufen“, sagte er.
Der gesamte VW-Konzern einschließlich der Marken und Gesellschaften müsse sich tiefgreifend verändern. Der Konzernvorstand habe in den vergangenen Monaten intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens gearbeitet. „Es geht darum, das Unternehmen insgesamt effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen.“ Der Aufsichtsrat soll am 9. Juli über das Thema beraten.
Werksschließungen möglich
Offen ist, wie die Pläne dort insbesondere bei den Arbeitnehmervertreterinnen und -vertretern sowie beim Bundesland Niedersachsen, wo der VW-Stammsitz ist, ankommen. Die beiden Gruppen stellen im Aufsichtsrat gemeinsam die Mehrheit. Das Land ist zudem mit 20 Prozent der Stimmrechte an VW beteiligt.
„Das Land Niedersachsen wird keiner Entwicklung zustimmen, die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt oder die bewährte Mitbestimmung infrage stellt“, teilten Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne) mit.
Dem Bericht zufolge könnten mittelfristig vier Werke in Deutschland geschlossen werden. Mit dem Auslaufen der dort aktuell gefertigten Modelle werde die Produktion dem Plan zufolge gestoppt werden.
APA-Images/dpa/Jan Woitas
Vier Volkswagen-Werke könnten schließen, so der Bericht
Sparen will der Konzern dem „Manager Magazin“ zufolge auch bei der Modellpalette: Die Zahl der Fahrzeugmodelle im Konzern solle von bisher 150 auf weniger als 100 sinken. Auch ein mögliches US-Werk von Audi würde dem Rotstift zum Opfer fallen. Stattdessen solle Audi bei der neuen US-Marke Scout unterkommen.
Zudem solle der Konzern völlig neu sortiert werden, hieß es in dem Bericht weiter. So sollten sowohl die Kernmarke Volkswagen als auch die Komponententochter aus dem Konzernverbund herausgelöst und in eigene Gesellschaften eingebracht werden. In dieser Logik könnten auch einzelne abgespaltene Marken einfacher auf dem Kapitalmarkt platziert werden.
Scharfe Kritik von Gewerkschaft und Betriebsrat
Die Gewerkschaft IG Metall und der VW-Betriebsrat übten scharfe Kritik an den möglichen Plänen. „Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern“, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme von IG-Metall-Chefin Christiane Benner, Bezirksleiter Thorsten Gröger und Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Die deutsche Regierung wollte den Bericht am Freitag nicht kommentieren. „Wir versuchen, jede Schließung von Standorten in Deutschland natürlich zu verhindern“, so ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. „Am Ende sind das doch aber Entscheidungen der Unternehmen, die sie betriebswirtschaftlich treffen müssen.“
„Darf sich so nicht realisieren“
Einzelne Politiker aber drückten ihre Bestürzung aus: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte etwa: „Das darf sich so nicht realisieren. Deutschland darf sich nicht herunterfahren.“ Volkswagen gehöre zum Markenkern Deutschlands, so Kretschmer weiter: „Wenn dieses Unternehmen aufgibt, dann ist das fatal für unser ganzes Land.“
Der SPD-Politiker Adis Ahmetovic übte scharfe Kritik. „Sollte die jüngste Meldung stimmen, wäre sie ein Frontalangriff und eine deutliche Kampfansage“, so der Chef der SPD Hannover am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Das Volkswagen-Management scheint sich inzwischen vor allem mit Ankündigungen zum Stellenabbau profilieren zu wollen.“ Den nötigen Aufschwung erreiche man nicht durch Kahlschlag.
Abbau von 37.000 Stellen fix
„Der geplante Stellenabbau bei VW ist eine bodenlose Sauerei“, sagte Linken-Vorsitzende Ines Schwerdtner. Zuletzt war es bei VW 2024 zum heftigen Tarifstreit gekommen. Mehrmals legte die IG Metall mit Warnstreiks die Produktion lahm. Erst kurz vor Weihnachten kam es nach einem einwöchigen Verhandlungsmarathon zum Kompromiss. Betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen, der Stellenabbau erfolgt vor allem über Altersteilzeit und Abfertigungsprogramme. Konzernweit haben bereits mehr als 37.000 Beschäftigte unterschrieben.
26.06.2026, red, ORF.at/Agenturen
Links:
VolkswagenDeutscher Bundestag
„Manager Magazin“-Artikel
Bis 2030 hatte Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt, davon 35.000 bei der Kernmarke VW.
VW-Chef will „jeden Stein umdrehen“
Blume hat in den vergangenen Monaten wiederholt erklärt, dass das bisherige Geschäftsmodell von VW so nicht mehr funktioniere, der Konzern sich neu aufstellen müsse und die Kosten weiter sinken müssten. „Wir werden jeden Stein umdrehen“, hatte Blume bereits im Frühjahr angekündigt. Bisher hatte er es aber vermieden, Details zu möglichen Einsparungen zu nennen.
Ein Sprecher des Konzerns sagte, man kommentiere interne, vertrauliche Unterlagen nicht. Die zugrunde liegenden Sachverhalte würden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. Diesem Prozess solle nicht vorgegriffen werden. „Richtig ist, dass die gesamte Automobilindustrie und die Volkswagen Group eine tiefgreifende Transformation durchlaufen“, sagte er.
Der gesamte VW-Konzern einschließlich der Marken und Gesellschaften müsse sich tiefgreifend verändern. Der Konzernvorstand habe in den vergangenen Monaten intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens gearbeitet. „Es geht darum, das Unternehmen insgesamt effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen.“ Der Aufsichtsrat soll am 9. Juli über das Thema beraten.
Werksschließungen möglich
Offen ist, wie die Pläne dort insbesondere bei den Arbeitnehmervertreterinnen und -vertretern sowie beim Bundesland Niedersachsen, wo der VW-Stammsitz ist, ankommen. Die beiden Gruppen stellen im Aufsichtsrat gemeinsam die Mehrheit. Das Land ist zudem mit 20 Prozent der Stimmrechte an VW beteiligt.
„Das Land Niedersachsen wird keiner Entwicklung zustimmen, die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt oder die bewährte Mitbestimmung infrage stellt“, teilten Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne) mit.
Dem Bericht zufolge könnten mittelfristig vier Werke in Deutschland geschlossen werden. Mit dem Auslaufen der dort aktuell gefertigten Modelle werde die Produktion dem Plan zufolge gestoppt werden.
Vier Volkswagen-Werke könnten schließen, so der Bericht
Sparen will der Konzern dem „Manager Magazin“ zufolge auch bei der Modellpalette: Die Zahl der Fahrzeugmodelle im Konzern solle von bisher 150 auf weniger als 100 sinken. Auch ein mögliches US-Werk von Audi würde dem Rotstift zum Opfer fallen. Stattdessen solle Audi bei der neuen US-Marke Scout unterkommen.
Zudem solle der Konzern völlig neu sortiert werden, hieß es in dem Bericht weiter. So sollten sowohl die Kernmarke Volkswagen als auch die Komponententochter aus dem Konzernverbund herausgelöst und in eigene Gesellschaften eingebracht werden. In dieser Logik könnten auch einzelne abgespaltene Marken einfacher auf dem Kapitalmarkt platziert werden.
Scharfe Kritik von Gewerkschaft und Betriebsrat
Die Gewerkschaft IG Metall und der VW-Betriebsrat übten scharfe Kritik an den möglichen Plänen. „Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern“, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme von IG-Metall-Chefin Christiane Benner, Bezirksleiter Thorsten Gröger und Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Die deutsche Regierung wollte den Bericht am Freitag nicht kommentieren. „Wir versuchen, jede Schließung von Standorten in Deutschland natürlich zu verhindern“, so ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. „Am Ende sind das doch aber Entscheidungen der Unternehmen, die sie betriebswirtschaftlich treffen müssen.“
„Darf sich so nicht realisieren“
Einzelne Politiker aber drückten ihre Bestürzung aus: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte etwa: „Das darf sich so nicht realisieren. Deutschland darf sich nicht herunterfahren.“ Volkswagen gehöre zum Markenkern Deutschlands, so Kretschmer weiter: „Wenn dieses Unternehmen aufgibt, dann ist das fatal für unser ganzes Land.“
Der SPD-Politiker Adis Ahmetovic übte scharfe Kritik. „Sollte die jüngste Meldung stimmen, wäre sie ein Frontalangriff und eine deutliche Kampfansage“, so der Chef der SPD Hannover am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Das Volkswagen-Management scheint sich inzwischen vor allem mit Ankündigungen zum Stellenabbau profilieren zu wollen.“ Den nötigen Aufschwung erreiche man nicht durch Kahlschlag.
Abbau von 37.000 Stellen fix
„Der geplante Stellenabbau bei VW ist eine bodenlose Sauerei“, sagte Linken-Vorsitzende Ines Schwerdtner. Zuletzt war es bei VW 2024 zum heftigen Tarifstreit gekommen. Mehrmals legte die IG Metall mit Warnstreiks die Produktion lahm. Erst kurz vor Weihnachten kam es nach einem einwöchigen Verhandlungsmarathon zum Kompromiss. Betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen, der Stellenabbau erfolgt vor allem über Altersteilzeit und Abfertigungsprogramme. Konzernweit haben bereits mehr als 37.000 Beschäftigte unterschrieben.
26.06.2026, red, ORF.at/Agenturen
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