Japan: Erfolgreicher Test einer Railgun die Projektile mit elektromagnetischen Kräften abfeuert

josef

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Militärtechnik
Japan testet erfolgreich Railgun auf Kriegsschiff
Premiere auf dem Meer: Erstmals trifft eine elektromagnetische Kanone ein echtes Zielschiff. Damit sind aber noch längst nicht alle Probleme gelöst

Erstmals hat Japan erfolgreich eine Railgun eingesetzt. Grundlegende Probleme wie die kurze Lebensdauer der Rohre bleiben aber noch.
ATLA

Japan hat einen wichtigen Meilenstein in der Militärtechnik erreicht. Die japanische Beschaffungs- und Logistikagentur ATLA gab bekannt, dass erstmals weltweit eine auf einem Schiff montierte Railgun erfolgreich ein echtes Zielschiff getroffen hat. Die Tests fanden zwischen Juni und Anfang Juli auf dem für derartige Experimente vorgesehenen Kriegsschiff JS Asuka statt.

Eine Railgun ist eine Waffe, die Projektile nicht mit herkömmlichen Treibladungen, sondern mit elektromagnetischen Kräften abfeuert. Dadurch können Geschoße mit enormer Geschwindigkeit verschossen werden – bis zu 8000 Kilometer pro Stunde, etwa sechseinhalbmal schneller als der Schall.

Durchbruch auf See
Das 6200 Tonnen schwere Testschiff JS Asuka der japanischen Marine (sie wird in Japan als Meeresselbstverteidigungsstreitkräfte bezeichnet) diente als Plattform für die historischen Tests. Die Railgun war in einem Geschützturm auf dem Flugdeck am Heck des Schiffes installiert. Erstmals veröffentlichte Bilder zeigen die Waffe beim Abfeuern sowie ein Zielschiff im Fadenkreuz des Zielsystems.

Das Zielschiff, höchstwahrscheinlich ein alter Schlepper, war mit deutlich sichtbaren Zielscheiben an den Seiten und am Heck ausgestattet. Obwohl ATLA bisher keine Aufnahmen des tatsächlichen Einschlags veröffentlicht hat, bestätigt die Behörde den erfolgreichen Treffer, wie The War Zone berichtet.

Japan arbeitet bereits seit Mitte der 2010er-Jahre an Railgun-Technologie und hat auch Tests an Land durchgeführt. Die japanischen Ingenieure konnten dabei Geschwindigkeiten von rund 8000 Kilometern pro Stunde mit einer Energieladung von fünf Megajoule erreichen.

Vorteile gegenüber herkömmlichen Waffen
Die Vorteile einer einsatzbereiten Railgun wären erheblich. Sie könnte Ziele zu Wasser, an Land und in der Luft bekämpfen – besonders interessant für die Abwehr von Hyperschallraketen. Da die Munition klein und günstig ist, könnten Schiffe deutlich mehr Geschoße mitführen als bei teuren Raketen. Auf Kriegsschiffen, wo jeder Quadratmeter wertvoll ist, wäre das ein enormer Vorteil.

USA gaben auf, Japan macht weiter
Während Japan die Entwicklung vorantreibt, hat die US-Marine ihre Railgun-Entwicklung 2022 eingestellt. Trotz einiger Fortschritte erwiesen sich die technischen Hürden als zu hoch. Geplante Tests auf See wurden immer wieder verschoben, bis das Programm schließlich beendet wurde.

Die größten Herausforderungen sind der enorme Energiebedarf, die notwendigen Kühlsysteme und der schnelle Verschleiß der Rohre. Die hohen Geschwindigkeiten führen zu starker Abnutzung, was Reichweite und Genauigkeit beeinträchtigt.

Das ist nach wie vor ein Problem, das auch die Japaner nicht lösen konnten. Nach wie vielen Schüssen die Rohre abgenutzt sind, ist unklar. Aber eines der erklärten Ziele der ATLA gibt Aufschluss, dass es nicht allzu viele sein dürften. Man will die Lebensdauer nämlich auf 120 Schuss erhöhen. Außerdem müsse man künftig den Energiebedarf reduzieren, heißt es von offizieller Seite.

Internationale Konkurrenz
Japan steht nicht allein da. China experimentiert bereits seit den 1980er-Jahren mit Railgun-Technologie und präsentierte 2018 eine auf einem Kriegsschiff montierte Version. Auch die Türkei arbeitet an entsprechenden Projekten. Im vergangenen Jahr unterzeichneten Japan und Frankreich ein Kooperationsabkommen für die gemeinsame Railgun-Entwicklung.

Mehr Details im November
ATLA plant, die neue Technologie in künftige japanische Kriegsschiffe zu integrieren. Computersimulationen zeigen bereits mögliche Installationen auf dem geplanten 13DDX-Zerstörer und bestehenden Maya-Klasse-Zerstörern. Die Railgun-Türme sollen dabei deutlich schlanker werden als der aktuelle Prototyp. Im November will ATLA auf einem Verteidigungstechnik-Symposium weitere Details zu den erfolgreichen Tests preisgeben.
(pez, 13.9.2025)
Japan testet erfolgreich Railgun auf Kriegsschiff
 
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