Israel greift Iran an
Israel hat in der Nacht auf Freitag den Iran angegriffen. Bei dem Großangriff wurden auch der Kommandant der mächtigen Revolutionsgarde und der Armeechef getötet, wie iranische Staatsmedien bestätigten. Ein israelischer Militärvertreter sagte: „Wir sind im Krieg.“ Der oberste Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, drohte Israel mit einer „starken Reaktion“.
Online seit heute, 6.04 Uhr (Update: 7.54 Uhr)
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„Sind im Krieg“: Israel greift Iran an
Israel hat in der Nacht auf Freitag den Iran angegriffen. Bei dem Großangriff wurden auch der Kommandant der mächtigen Revolutionsgarde und der Armeechef getötet, wie iranische Staatsmedien bestätigten. Ein israelischer Militärvertreter sagte: „Wir sind im Krieg.“ Der oberste Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, drohte Israel mit einer „starken Reaktion“.
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Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach vom Start einer gezielten Militäroperation, „um die iranische Bedrohung für das Überleben Israels zurückzudrängen“. Der Iran kündigte Vergeltung an. Die USA sind der Regierung zufolge nicht an dem Angriff beteiligt.
Generalmajor Hossein Salami sei bei einer Attacke auf das Hauptquartier des Oberkommandos der Revolutionsgarde getötet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim, die als Sprachrohr der iranischen Elitestreitmacht gilt. Salami galt bis zuletzt als einer der mächtigsten Männer in der Islamischen Republik. Auch Armeechef Mohammed Bagheri wurde laut dem Staatsfernsehen getötet, nachdem es zunächst geheißen hatte, er sei nach dem Angriff wohlauf und in Sicherheit.
APA/AFP/Atta Kenare
Erste Bilder von Schäden nach israelischen Luftangriffen
Bestätigt wurde von Tasnim zudem die Tötung zweier bekannter Atomwissenschaftler, Mohammed Mehdi Teherantschi und Feredun Abbasi-Dawani. Der Iran ernannte unterdessen Freitagvormittag den früheren Innenminister Ahmad Wahidi zum Nachfolger Salamis als Chef der Revolutionsgarde.
Iran kündigt Gegenschlag an
Die iranischen Streitkräfte kündigten eine „starke Reaktion“ an. Israel bereitet sich nach den Angaben zweier Behördenvertreter auf einen Gegenangriff des Iran in den nächsten Stunden vor. Teil eines Vergeltungsschlags könnten Hunderte ballistische Raketen sein, sagten sie. Netanjahu warnte die Bevölkerung, dass die Menschen möglicherweise längere Zeit in Schutzräumen verbringen müssten. Sie sollten sich nach den Vorgaben des Militärs richten. Laut Israel starteten mittlerweile rund 100 Drohnen vom Iran aus. Der Irak und Jordanien schlossen ihren Luftraum.
Ein israelischer Militärvertreter sagte im regierungsnahen TV-Sender Kanal 14: „Wir sind im Krieg.“ Israel habe einen „breit angelegten Angriffsplan für die kommenden Tage“.
Israel ruft Ausnahmezustand aus
Israel hatte gleich nach Beginn seines Großangriffs wegen erwarteter Gegenangriffe aus dem Iran den Ausnahmezustand verhängt. „Diese Operation wird so viele Tage andauern, wie es braucht, um diese Bedrohung zu beseitigen“, so Netanjahu in einer aufgezeichneten Rede. „Wir haben das Herz der iranischen Kernwaffenanreicherung getroffen.“ Israelische Piloten hätten die iranische Hauptanreicherungsanlage Natans beschossen. Der Schlag gegen den Iran werde der Atominfrastruktur und der militärischen Stärke des Landes schaden, so Netanjahu weiter.
Verteidigungsminister Katz: „Präventivschlag“
Israels Generalstabschef Ejal Samir beschrieb den Großangriff als Notwendigkeit. „Wir haben diese Operation begonnen, weil die Zeit gekommen ist – wir befinden uns an einem Punkt ohne Wiederkehr“, sagte Samir nach Angaben der Armee. Verteidigungsminister Israel Katz sprach zuvor von einem „Präventivschlag“. Laut Geheimdienst sei der Iran im Atomprogramm nahe einer unumkehrbaren Schwelle, hieß es in Israel.
Dutzende von Kampfflugzeugen hätten „die erste Phase“ des Einsatzes abgeschlossen, teilte das israelische Militär auf Telegram mit. Es seien Dutzende militärische Ziele, darunter auch nukleare Ziele in verschiedenen Regionen des Iran, attackiert worden, hieß es.
APA/AFP/Atta Kenare
Ein vom israelischen Angriff beschädigtes Wohngebäude in Teheran
Laut Teheran auch Wohngebiete getroffen
Das iranische Staatsfernsehen berichtete, dass Israel bei seinen Angriffen auch Wohngebiete in Teheran und anderen Städten getroffen habe. Dabei seien auch Kinder getötet worden. Außerdem sei das Hauptquartier der Revolutionsgarde getroffen worden. Iranische Medien zeigten Bilder zerstörter Häuserfassaden in Teheran. In Videos war zu sehen, wie Rettungskräfte unter Trümmern nach Verschütteten suchen. Der Luftraum des Landes wurde gesperrt. Bereits zuvor war der Betrieb im Hauptstadtflughafen in Teheran eingestellt worden.
UNO ruft beide Seiten zu Mäßigung auf
UNO-Generalsekretär Antonio Guterres forderte sowohl Israel als auch den Iran zu äußerster Mäßigung auf. Es müsse um jeden Preis verhindert werden, dass die Lage in der Region in einen noch heftigeren Konflikt abgleite, sagte Guterres laut einem Sprecher. US-Präsident Donald Trump betonte in einer erste Reaktion, er hoffe, dass der Iran nach den israelischen Angriffen an den Verhandlungstisch zurückkehren werde. Die sunnitischen Länder Saudi-Arabien und Oman verurteilten die israelischen Angriffe.
USA laut Regierung nicht an Angriff beteiligt
Die USA sind Regierungsangaben zufolge nicht an dem israelischen Angriff beteiligt. Es handle sich um eine unilaterale Aktion, sagte Außenminister Marco Rubio. Israel habe die USA darüber informiert, dass es diese Aktion für seine Selbstverteidigung für notwendig halte. Die oberste Priorität der USA sei der Schutz der eigenen Truppen und Einrichtungen in der Region, sagte Rubio – verbunden mit einer Warnung an Teheran, keine US-Ziele anzugreifen.
Iran macht USA verantwortlich
Der Iran hat den USA vorgeworfen, von den israelischen Angriffen auf sein Staatsgebiet gewusst zu haben. Die Angriffe hätten „nicht ohne die Koordinierung und Genehmigung der Vereinigten Staaten ausgeführt worden sein“ können, erklärte das Außenministerium in Teheran. Das Ministerium machte die USA direkt „für die gefährlichen Auswirkungen und Folgen des Abenteurertums des zionistischen Regimes verantwortlich“, hieß es unter Verwendung der iranischen Bezeichnung für den Staat Israel.
Trump warnte Iran
Fachleute gehen davon aus, dass Israel ohne stillschweigende Zustimmmung der USA, seines wichtigsten Verbündeten, nicht angegriffen hätte. Die USA hatten am Donnerstag unter Verweis auf erhöhte Spannungen in der Region Teile ihres Botschaftspersonals abgezogen. Trump hatte von einem möglichen unmittelbar bevorstehenden Angriff Israels auf den Iran gesprochen. Für das Wochenende war bis zuletzt eine weitere Verhandlungsrunde im Atomstreit der USA mit dem Iran geplant.
Der Westen will seit Jahrzehnten verhindern, dass der Iran Atomsprengköpfe produziert und zur Atommacht wird. Teheran bestreitet eine solche Absicht – hat aber als einzige Nichtatommacht Uran in einem Maß angereichert, dass es mittlerweile beinahe waffentauglich ist. Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hatte am Donnerstag auf Betreiben der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands auf Basis eines IAEA-Berichts in einer Resolution festgestellt, Teheran verletze seine Verpflichtungen. Der Iran reagierte und kündigte eine weitere Urananreicherungsanlage an.
Direkte Angriffe nach 7. Oktober
Teil der iranischen Staatsideologie ist die Zerstörung Israels, weshalb dieses in Teheran eine existenzielle Bedrohung sieht. Der beispiellose Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wurde rasch zum Stellvertreterkrieg zwischen den beiden Staaten, da sämtliche mit dem Iran verbündeten Milizen Israel angriffen.
In einem Mehrfrontenkrieg fügte Israel den Huthis, irakischen schiitischen Milizen und vor allem der Hisbollah im Libanon schwere Schläge zu. Der Iran selbst griff Israel in zwei Angriffswellen mit Hunderten Raketen und Drohnen an, zugleich gab es israelische Luftschläge auch direkt im Iran. Dabei sollen laut dem Militärexperten der liberalen israelischen Tageszeitung „Haaretz“, Amos Harel, die Luftabwehrfähigkeiten des Iran schwer getroffen worden sein.
13.06.2025, Guido Tiefenthaler, ORF.at/Agenturen
Generalmajor Hossein Salami sei bei einer Attacke auf das Hauptquartier des Oberkommandos der Revolutionsgarde getötet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim, die als Sprachrohr der iranischen Elitestreitmacht gilt. Salami galt bis zuletzt als einer der mächtigsten Männer in der Islamischen Republik. Auch Armeechef Mohammed Bagheri wurde laut dem Staatsfernsehen getötet, nachdem es zunächst geheißen hatte, er sei nach dem Angriff wohlauf und in Sicherheit.
Erste Bilder von Schäden nach israelischen Luftangriffen
Bestätigt wurde von Tasnim zudem die Tötung zweier bekannter Atomwissenschaftler, Mohammed Mehdi Teherantschi und Feredun Abbasi-Dawani. Der Iran ernannte unterdessen Freitagvormittag den früheren Innenminister Ahmad Wahidi zum Nachfolger Salamis als Chef der Revolutionsgarde.
Iran kündigt Gegenschlag an
Die iranischen Streitkräfte kündigten eine „starke Reaktion“ an. Israel bereitet sich nach den Angaben zweier Behördenvertreter auf einen Gegenangriff des Iran in den nächsten Stunden vor. Teil eines Vergeltungsschlags könnten Hunderte ballistische Raketen sein, sagten sie. Netanjahu warnte die Bevölkerung, dass die Menschen möglicherweise längere Zeit in Schutzräumen verbringen müssten. Sie sollten sich nach den Vorgaben des Militärs richten. Laut Israel starteten mittlerweile rund 100 Drohnen vom Iran aus. Der Irak und Jordanien schlossen ihren Luftraum.
Ein israelischer Militärvertreter sagte im regierungsnahen TV-Sender Kanal 14: „Wir sind im Krieg.“ Israel habe einen „breit angelegten Angriffsplan für die kommenden Tage“.
Israel ruft Ausnahmezustand aus
Israel hatte gleich nach Beginn seines Großangriffs wegen erwarteter Gegenangriffe aus dem Iran den Ausnahmezustand verhängt. „Diese Operation wird so viele Tage andauern, wie es braucht, um diese Bedrohung zu beseitigen“, so Netanjahu in einer aufgezeichneten Rede. „Wir haben das Herz der iranischen Kernwaffenanreicherung getroffen.“ Israelische Piloten hätten die iranische Hauptanreicherungsanlage Natans beschossen. Der Schlag gegen den Iran werde der Atominfrastruktur und der militärischen Stärke des Landes schaden, so Netanjahu weiter.
Verteidigungsminister Katz: „Präventivschlag“
Israels Generalstabschef Ejal Samir beschrieb den Großangriff als Notwendigkeit. „Wir haben diese Operation begonnen, weil die Zeit gekommen ist – wir befinden uns an einem Punkt ohne Wiederkehr“, sagte Samir nach Angaben der Armee. Verteidigungsminister Israel Katz sprach zuvor von einem „Präventivschlag“. Laut Geheimdienst sei der Iran im Atomprogramm nahe einer unumkehrbaren Schwelle, hieß es in Israel.
Dutzende von Kampfflugzeugen hätten „die erste Phase“ des Einsatzes abgeschlossen, teilte das israelische Militär auf Telegram mit. Es seien Dutzende militärische Ziele, darunter auch nukleare Ziele in verschiedenen Regionen des Iran, attackiert worden, hieß es.
Ein vom israelischen Angriff beschädigtes Wohngebäude in Teheran
Laut Teheran auch Wohngebiete getroffen
Das iranische Staatsfernsehen berichtete, dass Israel bei seinen Angriffen auch Wohngebiete in Teheran und anderen Städten getroffen habe. Dabei seien auch Kinder getötet worden. Außerdem sei das Hauptquartier der Revolutionsgarde getroffen worden. Iranische Medien zeigten Bilder zerstörter Häuserfassaden in Teheran. In Videos war zu sehen, wie Rettungskräfte unter Trümmern nach Verschütteten suchen. Der Luftraum des Landes wurde gesperrt. Bereits zuvor war der Betrieb im Hauptstadtflughafen in Teheran eingestellt worden.
UNO ruft beide Seiten zu Mäßigung auf
UNO-Generalsekretär Antonio Guterres forderte sowohl Israel als auch den Iran zu äußerster Mäßigung auf. Es müsse um jeden Preis verhindert werden, dass die Lage in der Region in einen noch heftigeren Konflikt abgleite, sagte Guterres laut einem Sprecher. US-Präsident Donald Trump betonte in einer erste Reaktion, er hoffe, dass der Iran nach den israelischen Angriffen an den Verhandlungstisch zurückkehren werde. Die sunnitischen Länder Saudi-Arabien und Oman verurteilten die israelischen Angriffe.
USA laut Regierung nicht an Angriff beteiligt
Die USA sind Regierungsangaben zufolge nicht an dem israelischen Angriff beteiligt. Es handle sich um eine unilaterale Aktion, sagte Außenminister Marco Rubio. Israel habe die USA darüber informiert, dass es diese Aktion für seine Selbstverteidigung für notwendig halte. Die oberste Priorität der USA sei der Schutz der eigenen Truppen und Einrichtungen in der Region, sagte Rubio – verbunden mit einer Warnung an Teheran, keine US-Ziele anzugreifen.
Iran macht USA verantwortlich
Der Iran hat den USA vorgeworfen, von den israelischen Angriffen auf sein Staatsgebiet gewusst zu haben. Die Angriffe hätten „nicht ohne die Koordinierung und Genehmigung der Vereinigten Staaten ausgeführt worden sein“ können, erklärte das Außenministerium in Teheran. Das Ministerium machte die USA direkt „für die gefährlichen Auswirkungen und Folgen des Abenteurertums des zionistischen Regimes verantwortlich“, hieß es unter Verwendung der iranischen Bezeichnung für den Staat Israel.
Trump warnte Iran
Fachleute gehen davon aus, dass Israel ohne stillschweigende Zustimmmung der USA, seines wichtigsten Verbündeten, nicht angegriffen hätte. Die USA hatten am Donnerstag unter Verweis auf erhöhte Spannungen in der Region Teile ihres Botschaftspersonals abgezogen. Trump hatte von einem möglichen unmittelbar bevorstehenden Angriff Israels auf den Iran gesprochen. Für das Wochenende war bis zuletzt eine weitere Verhandlungsrunde im Atomstreit der USA mit dem Iran geplant.
Der Westen will seit Jahrzehnten verhindern, dass der Iran Atomsprengköpfe produziert und zur Atommacht wird. Teheran bestreitet eine solche Absicht – hat aber als einzige Nichtatommacht Uran in einem Maß angereichert, dass es mittlerweile beinahe waffentauglich ist. Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hatte am Donnerstag auf Betreiben der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands auf Basis eines IAEA-Berichts in einer Resolution festgestellt, Teheran verletze seine Verpflichtungen. Der Iran reagierte und kündigte eine weitere Urananreicherungsanlage an.
Direkte Angriffe nach 7. Oktober
Teil der iranischen Staatsideologie ist die Zerstörung Israels, weshalb dieses in Teheran eine existenzielle Bedrohung sieht. Der beispiellose Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wurde rasch zum Stellvertreterkrieg zwischen den beiden Staaten, da sämtliche mit dem Iran verbündeten Milizen Israel angriffen.
In einem Mehrfrontenkrieg fügte Israel den Huthis, irakischen schiitischen Milizen und vor allem der Hisbollah im Libanon schwere Schläge zu. Der Iran selbst griff Israel in zwei Angriffswellen mit Hunderten Raketen und Drohnen an, zugleich gab es israelische Luftschläge auch direkt im Iran. Dabei sollen laut dem Militärexperten der liberalen israelischen Tageszeitung „Haaretz“, Amos Harel, die Luftabwehrfähigkeiten des Iran schwer getroffen worden sein.
13.06.2025, Guido Tiefenthaler, ORF.at/Agenturen
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