Israel - Gazastreifen, Libanon und Syrien: Berichte zum aktuellen Nahostkonflikt

josef

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#81
„Puffer“ und Zerstörung
Israel setzt im Südlibanon auf Gaza-Taktik
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Im Zuge der Bodenoffensive im Südlibanon wendet Israel eigenen Angaben zufolge eine Taktik aus dem Gaza-Krieg an. In einer von Israel definierten „Pufferzone“ werden zivile Gebäude wie Wohnhäuser, Schulen und religiöse Stätten systematisch zerstört und Grenzdörfer quasi von der Landkarte gelöscht. Währenddessen setzt die proiranische Hisbollah-Miliz bei ihren Angriffen vermehrt auf durch Glasfaserkabel gesteuerte Kampfdrohnen, die die israelische Abwehr umgehen können.
Online seit gestern 16.05.2026, 23.41 Uhr
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Am Freitag fanden in Washington neue Gespräche zwischen Vertretern aus Israel und dem Libanon statt. Dabei wurde vom US-Außenministerium die Verlängerung der derzeit geltenden, aber brüchigen Waffenruhe um 45 Tage verkündet. Dennoch setzten sowohl Israel als auch die mit dem Iran verbündete Hisbollah, die bei den Gesprächen nicht am Tisch sitzt, ihre gegenseitigen Angriffe fort.

Erst am Donnerstag wurden israelischen Angaben zufolge bei einem Hisbollah-Drohnenangriff im Norden Israels vier Zivilisten verletzt, einer davon schwer. Libanesische Behörden berichteten am Dienstag von 13 Toten nach einem israelischen Angriff auf eine Autobahn, die die libanesische Hauptstadt Beirut mit dem Süden des Landes verbindet.

Reuters
Libanesische Rettungskräfte im Einsatz nach einem israelischen Luftangriff in Kfar Dschaus im Südlibanon

Nach der Tötung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei Ende Februar hatte die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon wieder Drohnen auf den Norden Israels abgefeuert. Israel erklärte wenig später den Beginn einer Bodenoffensive im Südlibanon und rief Tausende Menschen im Süden des Libanon dazu auf, ihre Häuser zu verlassen.

1,2 Millionen Menschen aus Südlibanon vertrieben
Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtete, sind seit Beginn der israelischen Bodenoffensive 1,2 Millionen Menschen aus dem Südlibanon in Richtung Norden geflohen. Viele ihrer Häuser liegen mittlerweile in Trümmern, zerstört durch Bombardierungen und kontrollierte Sprengungen. Nach dem Waffenstillstand Mitte April richtete Israel eine Sperrzone im Südlibanon ein, wer aus Gebieten südlich der „Gelben Linie“ geflohen ist, darf nicht mehr zurück.

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Das Gebiet entlang der libanesisch-israelischen Grenze umfasst mehr als 50 libanesische Dörfer und Städte, die jetzt von israelischen Soldaten okkupiert sind. Die Gebiete südlich der „Gelben Linie“ umfassen etwa 608 Quadratkilometer, das entspricht ungefähr sechs Prozent des libanesischen Staatsgebiets. Das Einziehen einer „Gelben Linie“, also einer Sperrzone, sei eine Militärtaktik, die Israel bereits im Gaza-Krieg angewendet habe und in der ganzen Region „konsequent verfolge“, hieß es von Amnesty International gegenüber der „New York Times“.

„Grenzdörfer nach Vorbild von Rafah zerstören“
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte bereits im März, dass alle Häuser in den libanesischen Grenzdörfern „nach dem Vorbild von Rafah und Beit Hanun im Gazastreifen“ zerstört werden sollen. Zudem kündigte Katz an, die Gebiete so lange zu besetzen, bis die Bedrohung für die israelische Bevölkerung durch die Hisbollah-Miliz „dauerhaft beseitigt“ sei.

Die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon führte zwar nicht zu einem Ende der Kampfhandlungen, die Intensität der Angriffe auf beiden Seiten verringerte sich laut „Guardian“-Bericht jedoch. Die Zahl der kontrollierten Gebäudesprengungen im Südlibanon durch die israelische Armee ist seitdem stark gestiegen, wie Daten der Konflikt- und Kriegsbeobachtungsorganisation ACLED zeigen.

Human Rights Watch: „Mögliches Kriegsverbrechen“
Zudem beauftragte das israelische Militär laut Berichten von „Guardian“ und „New York Times“ private Firmen damit, Gebäude entlang der Grenze etwa mit Hilfe von Baggern abzureißen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte, Israels Zerstörung von Grenzdörfern könne einer mutwilligen Zerstörung gleichkommen, das sei ein Kriegsverbrechen.

AP/Ariel Schalit
Mehr und mehr Grenzdörfer im Süden des Libanon werden von Israel dem Erdboden gleichgemacht

Die israelische Armee begründete ihr Vorgehen mit dem Ziel, die militärische Infrastruktur der Hisbollah-Miliz zu beseitigen – Kämpfer und Ausrüstung würden sich unter anderem in zivilen Gebäuden befinden. Dass die Hisbollah einige zivile Gebäude militärisch nutze, würde die großflächige Zerstörung der Dörfer allerdings nicht rechtfertigen, so Human Rights Watch.

Laut einer Satellitenbilderanalyse der „New York Times“, die Anfang Mai veröffentlicht wurde, hat Israels Armee seit dem Wiederaufflammen des Krieges mehr als zwei Dutzend libanesische Grenzstädte und Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Schiitische Dörfer wurden demzufolge am schwersten getroffen. Die Schiiten, zu denen auch die Hisbollah gehört, stellen die Bevölkerungsmehrheit im Südlibanon.

Hisbollah setzt vermehrt auf Drohen mit Glasfaserkabeln
Mittlerweile nahmen die Kampfhandlungen auf beiden Seiten wieder zu, die Hisbollah verstärkte ihre Angriffe auf israelische Soldaten im Südlibanon und setzt dabei vor allem auf den Einsatz von FPV-Kampfdrohnen („First Person View“, dt. etwa: „Ich-Perspektive“). Anders als herkömmliche Drohnen, die auf Funkfrequenzen bzw. Satellitensignale angewiesen sind, werden diese Fluggeräte über ein Glasfaserkabel durch den Bediener gesteuert.

AP/Efrem Lukatsky (Archivbild)
Eine FPV-Drohne im Einsatz in der Ukraine, auffällig ist das dünne Glasfaserkabel, über das sie gesteuert wird

Das Kabel kann zwischen zehn und 50 Kilometer lang sein, dadurch kann die Drohne auch weit entfernte Ziele erreichen. Immer wieder können Israels hoch entwickelte Abwehrsysteme die Drohnen nicht abfangen, da die Fluggeräte kein Funksignal aussenden. Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Hisbollah etwa ein Video, das einen FPV-Drohnenangriff der Hisbollah auf einen israelischen Panzer zeigt, dabei sollen ein Soldat getötet und sechs weitere verletzt worden sein.

Auch im russischen Angriffskrieg in der Ukraine setzen beide Seiten vermehrt Glasfaserdrohnen ein. Laut einem israelischen Militärsprecher habe Israel die Bedrohung durch unbemannte Luftfahrzeuge erkannt und arbeite an der Entwicklung von Fähigkeiten zur Erkennung und Abwehr dieser Waffen.
17.05.2026, ascm, ORF.at/Agenturen

„Puffer“ und Zerstörung: Israel setzt im Südlibanon auf Gaza-Taktik
 

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#82
Neue Eskalation
„Angriff nach Angriff“ im Südlibanon
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Die israelische Armee hat im Libanon nach eigenen Angaben erneut Stellungen der proiranischen Hisbollah-Miliz angegriffen. Es sei Infrastruktur der Schiitenmiliz in der Stadt Tyros attackiert worden, teilte die Armee am Donnerstag mit. Die Angriffe erfolgten nach einem Evakuierungsaufruf, mit dem Israel einen Großteil des Südlibanon zur „Kampfzone“ erklärte. Was folgte, sei „Angriff nach Angriff“ gewesen, wie ein Bewohner von Tyros einem Agenturbericht zufolge sagte.
Online seit heute, 12.33 Uhr (Update: 13.43 Uhr)
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Erstmals seit mehr als drei Wochen folgte am Donnerstag auch ein israelischer Angriff auf ein Ziel im Großraum der Hauptstadt Beirut. Das berichtete das Nachrichtenportal Times of Israel mit Verweis auf Armeeangaben. Ziel des Angriffs war den Angaben zufolge ein Anführer der iranischen Imam-Hussein-Division, die im Libanon an der Seite der Hisbollah operiert.

Die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah verschärften sich zuletzt deutlich. Israel und die libanesische Regierung hatten Mitte April zwar eine Waffenruhe geschlossen. Die Hisbollah lehnt Verhandlungen mit Israel jedoch ab. Der Krieg geht seitdem weiter. Beide Seiten greifen einander täglich an. Dabei kam es vor allem im Libanon zu zahlreichen Opfern.

Auch bei den jüngsten Angriffen wurden laut libanesischen Angaben erneut mehrere Menschen getötet. Allein bei einem Angriff südlich der Küstenstadt Sidon starben nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens sechs Menschen. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA hatte zuvor berichtet, bei den Getöteten habe es sich um eine Familie gehandelt, die aus dem Süden geflohen sei.

„Schreckliche Nacht“ in Tyros
Auch in Sidon habe es bei einem weiteren Angriff Tote und Verletzte gegeben. NNA meldete darüber hinaus, dass bei einem israelischen Drohnenangriff auf ein Motorrad nahe Tyros zwei Menschen getötet worden sein. Die libanesische Armee meldete am Vormittag zudem den Tod eines Soldaten. Er sei bei einem israelischen Luftangriff in der Provinz Nabatija getötet worden. Das libanesische Militär ist in dem aktuellen Konflikt keine Kriegspartei.

APA/AFP/Kawnat
Zerstörter Häuserblock in Tyros
„Es war eine schreckliche Nacht“, sagte am Donnerstag ein Bewohner aus Tyros laut dpa. „Angriff nach Angriff“ sei erfolgt, sagte er. Vielerorts sei der Strom ausgefallen. Viele Menschen hätten die Nacht am Strand verbracht.

Große Teile vom Südlibanon zur „Kampfzone“ erklärt
Israels Armee (IDF) hatte am Mittwochabend große Teile des Südlibanon zur „Kampfzone“ erklärt. Für Tyros und die Stadt Nabatija sowie umliegende Gebiete wurden großflächige Fluchtaufrufe an die Bewohner und Bewohnerinnen gerichtet.

Die IDF kündigte an, „mit äußerster Härte“ vorzugehen, und warf der Hisbollah wiederholte Verstöße gegen den Waffenstillstand vor. Die Hisbollah, die Israel ihrerseits Verstöße gegen den Waffenstillstand vorwirft, erklärte, ihre Kämpfer seien am Mittwoch mit israelischen Truppen zusammengestoßen.

Luftalarm im Norden Israels
Israel meldete indes neue Hisbollah-Angriffe auf Ziele im Norden Israels. Bei einem Drohnenangriff nahe der libanesischen Grenze seien israelischen Medienberichten zufolge Donnerstagfrüh eine Soldatin getötet und zwei weitere Soldaten verletzt worden. Die israelische Armee fing in der Früh eigenen Angaben zufolge zudem „ein verdächtiges Flugobjekt“ ab, das in der Nähe israelischer Soldaten im Südlibanon registriert worden sei.
28.05.2026, red, ORF.at/Agenturen

Neue Eskalation: „Angriff nach Angriff“ im Südlibanon
 

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#83
Libanon
Israel meldet Einnahme von Burg Beaufort
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Im Kampf gegen die mit dem Iran verbündete Schiitenmiliz Hisbollah dringt die israelische Armee zunehmend tiefer in den Libanon ein. Am Sonntag nahmen Einheiten die Kreuzritterfestung Beaufort im Süden des Landes ein. Es ist der tiefste israelische Vorstoß ins Nachbarland seit 26 Jahren. Israels Premier Benjamin Netanjahu sprach von einer „entscheidenden Wendung“, aus Frankreich kam Kritik.
Online seit heute, 10.49 Uhr (Update: 16.51 Uhr)
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Die mittelalterliche Kreuzritterburg gilt wegen ihrer Lage mit Blick über weite Teile des Südlibanon als strategisch wichtiger Punkt. Israels Armee hatte die mittelalterliche Burg bereits während des Libanon-Krieges 1982 besetzt und bis zu ihrem Rückzug im Jahr 2000 als Stützpunkt genutzt.

44 Jahre später seien israelische Einheiten „auf den Gipfel von Beaufort zurückgekehrt“ und hätten dort erneut die israelische Flagge gehisst, schrieb Verteidigungsminister Israel Katz am Sonntag auf Telegram.

Strategisch bedeutende Lage
Die Burg Beaufort ist aufgrund ihrer Lage mit Blick über den Südlibanon und den Norden Israels ein strategisch wichtiger Punkt. Rund um die Festung war am Sonntag Artilleriefeuer zu hören, Rauch stieg auf.

Die israelische Nachrichtensite Walla schrieb, Israels Armee könne von der Burg Beaufort aus schnell Bewegungen der Hisbollah erkennen und die Miliz in dem Fall angreifen. Israels militärische Präsenz in der Gegend werde für die Hisbollah den Transport von Kämpfern, Munition und anderen Gütern erheblich erschweren.

Netanjahu: „Entscheidende Wendung“
Israels Regierungschef Netanjahu nannte die Einnahme der Burg eine „entscheidende Wendung“ im Kampf gegen die Hisbollah. Israel sei „vereint, entschlossen und stärker als jemals zuvor“ auf die Burg zurückgekehrt, sagte Netanjahu in einem am Sonntag veröffentlichten Video. „Wir haben die Schranken der Angst durchbrochen“, sagte der israelische Regierungschef: „Wir ergreifen die Initiative, wir operieren an allen Fronten – in Syrien, im Gazastreifen, im Libanon.“

Netanjahu habe das Militär angewiesen, das Bodenmanöver auszuweiten, um den Druck auf die ehemals von der Hisbollah beherrschten Gebiete zu erhöhen. Unterdessen wurden bei einem israelischen Luftangriff in der Nähe eines Spitals in Tyros im Südlibanon 13 Mitarbeiter verletzt. Das meldete das libanesische Gesundheitsministerium.

Kritik aus Frankreich
Nach der Ausweitung der israelischen Militäreinsätze im Libanon forderte Frankreich eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats. „Nichts kann die Fortsetzung der israelischen Militäroperationen im Libanon und eine immer tiefere Besetzung libanesischen Territoriums rechtfertigen“, kritisierte Außenminister Jean-Noel Barrot am Sonntag.

Fluss Litani überquert
Verteidigungsminister Katz sagte, die israelische Armee habe unter Führung von Regierungschef Benjamin Netanjahu „ihren Einsatz im Libanon ausgeweitet, den Fluss Litani überquert und die Beaufort-Höhe eingenommen“. Das diene der Verteidigung der Ortschaften in Galiläa im Norden Israels und der Sicherheit israelischer Soldaten.

Reuters/Israelisches Militär
Die israelische Armee veröffentlichte ein Foto von israelischen Soldaten bei der Burg Beaufort

Zugleich rief die israelische Armee die Bewohnerinnen und Bewohner aller libanesischen Gebiete südlich des Flusses Sahrani dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Israels Armee verstärke sein Vorgehen gegen die Hisbollah. „Bewohner des südlichen Libanon, Sie müssen sich sofort nördlich des Sahrani begeben“, schrieb der arabischsprachige Armeesprecher Avichay Adraee auf der Plattform X. Eine solch umfassende Fluchtaufforderung hatte es zuletzt kurz vor Beginn der Waffenruhe Mitte April gegeben.

Hisbollah beschoss Nordisrael
Die israelische Armee meldete unterdessen erneut Beschuss aus dem Libanon und den Tod eines weiteren Soldaten im Südlibanon. In Nordisrael heulten mehrfach die Warnsirenen. Ein 21-jähriger Unteroffizier sei am Samstag von einer Sprengstoffdrohne der Hisbollah getötet worden.

Seit Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zwischen Israel und der Hisbollah am 2. März wurden nach israelischen Angaben 25 Israelis getötet, darunter 24 Soldaten und ein ziviler Auftragnehmer. Auf libanesischer Seite wurden laut Behördenangaben bereits mehr als 3.000 Menschen getötet. Die Hisbollah wird von mehreren Ländern als Terrororganisation eingestuft. In Österreich ist sie seit 2021 verboten.

Libanesischer Premier kritisiert Israel
Der Ministerpräsident des Libanon, Nawaf Salam, warf Israel vor, den südlichen Libanon weitreichend zu zerstören. Israels Angriffe seien ein „Versuch, die Geschichte auszuradieren“, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur NNA zufolge. Die Kosten des Krieges seien für die Libanesen immens. Das Land dürfe nicht zum „Faustpfand“ in regionalen Konflikten werden.

Reuters/Raghed Waked
Zerstörtes Gebäude nach einem israelischen Luftangriff auf die libanesische Hauptstadt Beirut

Die Lage zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon spitzte sich zuletzt deutlich zu. Israel und die libanesische Regierung, die keine Konfliktpartei ist, hatten Mitte April zwar eine Waffenruhe geschlossen. Die Hisbollah selbst lehnt Verhandlungen mit Israel jedoch ab. Der Krieg geht seitdem weiter.
31.05.2026, red, ORF.at/Agenturen
Libanon: Israel meldet Einnahme von Burg Beaufort
 

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#84
Existenzen in Trümmern: Dokumentation der Zerstörung im Libanon
Trotz Waffenruhe bleibt die israelische Armee im Südlibanon. Satellitenbilder, internationale Organisationen und Augenzeuginnen zeigen das Ausmaß der Verwüstung und Vertreibung

Zerstörung in der Stadt Tyros, die immer wieder Ziel israelischer Angriffe war. Immer mehr Menschen kehren in den Südlibanon zurück – auch wenn die Situation ungewiss ist.
REUTERS/Zohra Bensemra

Wafaa weiß, wie es sich anfühlt, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Als sie nach wochenlanger Flucht und israelischen Bombardements zum ersten Mal wieder in ihr Dorf im Südlibanon zurückkehren konnte, schlotterten ihre Knie beim Anblick der Zerstörung so sehr, dass sie keinen Schritt mehr gehen konnte – und zusammenbrach.

Ihre Existenz liegt heute in Trümmern, erzählt sie dem STANDARD per Telefon aus der libanesischen Hauptstadt Beirut. Acht Jahre lang hatte die alleinerziehende Mutter von drei Kindern (8, 12 und 14 Jahre alt) ihre Garage in Zrariyeh in ein Kulturzentrum mit Kaffeehaus, Bibliothek, Möbelwerkstatt, offenem Atelier und dem ersten Töpferstudio im Landessüden verwandelt – auch um dort Workshops zu geben. Die Wände hat sie selbst bunt gestrichen und auch Regale für die Kunstwerke lokaler Kunstschaffender gebaut: wertvolle Tassen, Vasen und Schalen. Und es gab einen Plattenspieler, aus dem stets die ikonischen Klänge der libanesischen Sängerin Fairuz ertönten.

All das ist jetzt kaputt, sagt sie. Auf Fotos sieht man eingestürzte Wände, Risse im Mauerwerk, zerstörte Möbel, Schutt und Scherben auf dem Boden. Dazwischen liegen Bilder, Lampen und Musikinstrumente. Inmitten der Trümmer der Werkstatt, die direkt an ihr Haus grenzt, fand sie auch Überreste einer US-amerikanischen Mk-83-Freifallbombe, wie sie dem STANDARD erzählt.

Brücken gesprengt
Zrariyeh liegt wenige Kilometer nördlich des bekannten Litani-Flusses. Israel hatte im Verlauf des Krieges alle Brücken über den Fluss gesprengt, unweit von Wafaas Dorf hatten israelische Soldaten diesen gar zwischenzeitlich überquert.

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Der Krieg war am 2. März wieder eskaliert, als die Hisbollah nach US-israelischen Angriffen auf den Iran aus Loyalität gegenüber dem Teheran ihre Raketenangriffe auf Israel wieder aufnahm. Israel, das mit der Sicherheit der eigenen Bevölkerung im Norden argumentiert, auf eine Entwaffnung der Hisbollah drängt und seit 2024 quasi täglich Ziele im Nachbarland angriff, begann daraufhin neuerlich einen brutalen Krieg im Libanon: Mehr als 4200 Menschen sind nach Angaben des UN-Nothilfebüros Ocha seit Anfang März im Libanon getötet worden, 253 davon Kinder. Besonders fatal war der 8. April in der libanesischen Hauptstadt: Laut Gesundheitsministerium wurden bei 100 Luftangriffen in weniger als zehn Minuten mehr als 357 Menschen getötet, darunter 30 Kinder.

"Ich habe sofort gewusst, dass es jetzt losgeht und viel schlimmer wird als beim letzten Mal", erinnert sich Wafaa an den ersten Bombeneinschlag. Die noch frischen Erinnerungen an den letzten Krieg 2024 lösten in ihr eine Panikattacke aus. Schon damals war sie mit ihren Kindern wochenlang auf der Flucht. "Trotzdem musste ich für meine Familie stark bleiben. Ich weckte meine Kinder, und mein jüngstes fing an zu weinen, weil es nicht verstand, was geschah oder wohin wir gingen," sagt Wafaa. Dann hätten sie hastig ein paar Sachen zusammengepackt und seien losgefahren – ohne ein klares Ziel.

Die erste Nacht verbrachte sie mit ihren Kindern, dem Bruder und seinen Hunden und Katzen im Auto. Anschließend fand die ganze Familie in einer Beiruter Zwei-Zimmer-Mietwohnung zu horrenden Preisen Unterschlupf. Leisten können sie sich das nicht, aber ihnen bleibt nichts anderes übrig. Bis heute mietet sie die Wohnung, falls sie wieder vertrieben werden.

Wafaa ist eine von rund 600.000 Libanesinnen und Libanesen, die laut offiziellen Angaben wieder heimkehren konnten. Im Krieg waren zeitweise mehr als 1,3 Millionen Menschen auf der Flucht. Davon gelten immer noch rund 500.000 Menschen als vertrieben. Viele müssen weiter in Notunterkünften ausharren – weil Israel im Krieg gegen die Hisbollah laut Berichten mehr als 90.000 Häuser zerstört hat und 600 Quadratkilometer des Landes besetzt, und damit die Bewohner an einer Rückkehr hindert. Das ist mehr als die Fläche des Bodensees.

Derzeit gilt eigentlich wieder eine Waffenruhe. Zum einen wurde ein Ende der Kämpfe im Libanon als Bedingung im "Memorandum of Understanding" (MoU) zwischen dem Iran und den USA festgehalten, das derzeit auf der Kippe steht. Außerdem wurde unter US-Vermittlung Ende Juni ein Rahmenabkommen zwischen Israel und dem Libanon unterzeichnet. Ab Mittwoch wird erneut zwischen Israel und dem Libanon verhandelt, dieses Mal in Rom.

Doch beide Vereinbarungen gelten im Land als umstritten: Einerseits, weil das MoU das Schicksal des Libanon auch in die Hände Teherans lege, dessen Einfluss jedoch unbestritten ist. Andererseits, weil im bilateralen Abkommen Israels Einfluss zementiert und kein Zeitplan für den Abzug israelischer Truppen vereinbart wurde – sondern lediglich die Übergabe zwei kleiner, Hisbollah-freier "Pilotzonen" an die libanesische Armee. Vor allem aber, weil sich die Konfliktparteien nicht daran halten.

Allein in der vergangenen Woche gab es laut Medienberichten mindestens zehn israelische Angriffe. Bewohner berichten vom ständigen Surren von Drohnen, und der Angst außer Haus zu gehen. Immer wieder hört Wafaa Feuergefechte. "Niemand kann sich hier sicher fühlen", sagt die dreifache Mutter, die versucht, schrittweise ihren Lebensmittelpunkt wieder ins Dorf zurückzuverlegen.

Wafaa hat aufgehört, mitzuzählen, wie oft sie in den vergangenen Monaten zur Evakuierung aufgefordert wurde. Jedes Mal, wenn es eine Waffenruhe gab, sei sie in ihr Dorf zurückgekehrt – um dann sogleich wieder vor israelischen Angriffen fliehen zu müssen. Sie fürchtet, dass sich das alles wiederholt. Evakuierungsbefehle Israels aus den ersten Märztagen hatten erst das Gebiet bis zum Litani-Fluss, anschließend bis zum Zahrani-Fluss zur Kampfzone erklärt, die umgehend zu verlassen sei, inklusive der Großstädte Tyros und Nabatieh.

"In weiten Teilen des Südlibanon folgte auf Israels 'Evakuierungsbefehle' der Befehl, nicht zurückzukommen", heißt es von Amnesty International. Die NGO spricht von Zwangsumsiedlungen, "was ein schwerwiegender Verstoß gegen die Vierte Genfer Konvention und somit ein Kriegsverbrechen ist".

Kein Zurück
Israel hat unterschiedliche Namen für das Gebiet im Südlibanon, das die Armee seit Monaten besetzt hält: "Sicherheitszone", "Pufferzone" oder "Vordere Verteidigungszone". Vor allem handelt es sich um ein Gebiet verbrannter Erde, in dem Lebensgrundlagen zerstört und Rückkehrende getötet werden. Ganze Straßenzüge und Dorfkerne werden vermint und gesprengt. Gebäude dem Erdboden gleichgemacht, Olivenhaine niedergebrannt, Ackerflächen des vor allem im Südlibanon wichtigen Tabakanbaus mittels hoch konzentriertem Glyphosat temporär vergiftet.

Israelische Minister haben offen gesagt, dass dort alle Häuser zerstört würden und es kein Zurück für die Bevölkerung gebe – zumindest nicht, bis die Hisbollah aufgelöst wurde, ein quasi unmögliches Unterfangen für den libanesischen Staat. "Es ist keine terroristische Infrastruktur; wir zerstören alles", bekannte ein Kommandant Ende April der israelischen Haaretz. Laut Public Works, Partnerorganisation der NGO Medico International, wurden "ganze bewohnte Strukturen ausgelöscht, die Landschaft bis zur Unkenntlichkeit geschliffen und dabei Massensprengungen, Phosphorbomben und Bulldozer eingesetzt". Die Organisation zählte 54 Fälle, in denen ganze Gemeinden vermint und gesprengt wurden.

Den Angaben zufolge hat Israel in den vergangenen zweieinhalb Jahren fast 400 Phosphorgeschosse auf Gemeinden und Städte im Südlibanon abgefeuert, die "sowohl Menschen als auch Umwelt langfristige Schäden zufügen". Bereits Anfang Juni hatte die New York Times Bildmaterial aus dem Libanon auswerten lassen und den Einsatz von Weißem Phosphor verifiziert. Israels Armee betont, dass laut den internen Richtlinien Phosphorgranaten "nicht in dicht besiedeltem Gebiet verwendet werden" (was völkerrechtswidrig wäre) – abgesehen von ganz bestimmten Ausnahmefällen, die allerdings nicht näher definiert werden.

Kein Durchschnaufen
Nour Boutine vom Team der Caritas Österreich im Libanon berichtet im Gespräch mit dem STANDARD von einer nach wie vor verheerenden Situation im Land: "Für viele Libanesen ist diese Waffenruhe keine Pause zum Durchschnaufen". Immer noch müssten rund 50.000 Menschen in 480 überfüllten Notunterkünften ausharren und hätten etwa keine ordentlichen sanitären Anlagen. Das bedeute manchmal stundenlanges Anstehen für den Toilettengang, mangelnde Hygiene und Privatsphäre. In einer Notunterkunft habe ihr ein Mann erzählt: "Ich bin 50 Jahre alt und habe ein Kind mit Down-Syndrom, aber ich kann es nicht versorgen". Nach dem Krieg 2024 habe er Haus und Laden wieder aufgebaut – und nun wurde erneut alles zerstört. "Wir brauchen Geld, wir brauchen Essen, wir haben nichts."

2024 musste auch Boutine selbst vor dem Krieg fliehen, dieses Mal gehöre sie zu den "Glücklichen", die bleiben konnten, wie sie mit einem Anflug Ironie sagt. So sehe man das im Libanon, die Menschen hier seien sehr mit ihrem Grund und Boden eng verbunden. Vor allem alte Menschen hätten sich geweigert, ihre Dörfer im Krieg zu verlassen. Ihre Lage sei besonders dramatisch, auch weil so viele medizinische Einrichtungen getroffen worden seien, insgesamt 211 Mal, so Boutine. Sie spricht von 35 geschlossenen Gesundheitszentren, mehreren geschlossenen und 17 beschädigten Spitälern im Süden. Libanesisches Gesundheitspersonal beklagte bereits Mitte März gezielte Angriffe Israels, unter anderem nach dem "Double-Tap"-Prinzip, bei dem kurz nach einer Bombardierung eine weitere folgt, um Rettungskräfte zu treffen. Das UN-Nothilfebüro Ocha zählte seit Anfang März 135 Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die getötet wurden, während sie im Dienst waren.

Schon vor dem aktuellen Krieg sei die Bevölkerung im Südlibanon leidgeplagt gewesen, erinnert Boutine an die Zerstörung nach dem Krieg 2024. Die jüngste Eskalation habe die Verzweiflung der Menschen im Süden massiv gesteigert. "Die Menschen hier leben in einem ständigen Zustand der Unsicherheit, des Stresses und der Sorge um die Liebsten", so Boutine, die von einer traumatisierten Bevölkerung spricht. Kinder, die seit Monaten im Online-Learning sind und viel Unterricht wegen des Krieges verpassen mussten, wissen nicht, ob sie ab Herbst wieder in die Schule können. Es gebe für die Menschen im Libanon keine klare Aussicht auf eine Rückkehr zur Normalität, so Boutine: "Alles ist ungewiss".
(Text: Noura Maan, Flora Mory, Grafiken: Robin Kohrs, 13.7.2026)


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Gazastreifen
Israel errichtet kilometerlange Erdwälle
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Israels Armee hat in den vergangenen Monaten kilometerlange Erdwälle im Gazastreifen errichtet. Das berichtete die Nachrichtenagentur AP am Dienstag unter Berufung auf Satellitenbilder. Die Armee bestätigte den Bau gegenüber Medien. Palästinenserinnen und Palästinenser fürchten einen dauerhaften Verlust des Gebiets.
Online seit heute, 14.39 Uhr
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Die Barrieren haben laut AP mittlerweile eine Gesamtlänge von 23 Kilometern. Der Gazastreifen erstreckt sich über eine Länge von rund 40 Kilometern, an seiner breitesten Stelle misst er elf Kilometer. Die Anlagen verlaufen durch zahlreiche palästinensische Ortschaften, die Israels Armee während des Gaza-Krieges zerstörte. Wie hoch die Anlage an den einzelnen Abschnitten ist, ist der AP zufolge unklar.

Die Armee bestätigte den Bau gegenüber der AP und der „Jerusalem Post“. Nach Angaben des Militärs verläuft die Anlage entlang der gelben Linie. Nach dem im Oktober 2025 geschlossenen Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der islamistischen Terrororganisation Hamas hatten sich die israelischen Truppen hinter besagte Linie zurückgezogen. An einigen Stellen scheinen die Wälle allerdings außerhalb der gelben Linie zu verlaufen, schrieb die AP unter Berufung auf die von ihr herangezogenen Satellitenaufnahmen der Firma Planet Labs PBC.

Auch „Sicherheitszone“ eingerichtet
Weiters teilte die Armee der AP mit, man habe neben der Sperranlage eine „Sicherheitszone“ um die Grenze eingerichtet, die mit nachrichtendienstlichen und technischen Mitteln ausgestattet sei. Zweck der Anlage ist es laut Armee, das Eindringen von Personen zu verhindern und israelische Truppen sowie israelische Siedlungen in der Nähe des Gazastreifens zu schützen.

Das Militär teilte der Nachrichtenagentur zudem mit, dass es daran arbeite, den Verlauf der gelben Linie deutlich zu kennzeichnen, um „Reibereien zu verringern und Schäden für unbeteiligte Personen zu verhindern“. In der Vergangenheit waren zahlreiche Palästinenserinnen und Palästinenser, die sich der Linie genähert hatten, von israelischen Soldaten getötet worden. Das israelische Militär sagte, es schieße auf Personen, bei denen der Verdacht bestehe, dass es sich um Militante handelt. Unter den Getöteten befanden sich laut AP jedoch auch Kinder und andere Zivilistinnen und Zivilisten, denen der Verlauf der Linie nicht bewusst gewesen sein dürfte.

Bau schreitet rasch voran
Der Bau der Anlage schreitet rasch voran. Das Netzwerk der Barrieren im Süden Gazas sei im Juli innerhalb von zwei Wochen um zwei Kilometer gewachsen, meldete die AP. Werde in diesem Tempo weitergebaut, könnte schon bald die Verbindung zum derzeit längsten Wall in Gaza geschlossen werden.

Dieser Wall verläuft in etwa parallel zur israelischen Grenze auf einer Länge von 17 Kilometern zwischen Chan Junis und Gaza-Stadt. Laut AP starteten die Arbeiten an diesem Abschnitt im Februar. Im Norden Gazas sind auf den Satellitenaufnahmen mehrere nicht zusammenhängende Wälle nahe der fast vollständig zerstörten Stadt Beit Lahija zu sehen.

Auf der anderen Seite der Grenze zeigen die Bilder laut AP, dass die israelische Armee den Großteil der Gebäude dem Erdboden gleichgemacht hat. Mehrere Städte, darunter Rafah mit einst 25.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, seien „praktisch ausgelöscht worden“, schrieb die Nachrichtenagentur. Auch landwirtschaftliche Flächen seien vernichtet worden. Auf den Trümmern habe die israelische Armee neue Straßen angelegt und Stützpunkte eingerichtet. Das israelische Militär gab an, von der Hamas genutzte Infrastruktur zu zerstören.

Zeitung: Israel kontrolliert 70 Prozent von Gaza
Die gelbe Linie war als Übergangslösung bis zu einem Ende des Krieges gedacht. Israel kontrollierte damals 53 Prozent des Gaza-Streifens, die Hamas die verbleibenden 47 Prozent. Im israelisch besetzten Teil befinden sich Angaben der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ zufolge nur noch etwa 1.000 Palästinenserinnen und Palästinenser. Die zwei Millionen Bewohnerinnen und Bewohner leben fast ausschließlich im von der Hamas kontrollierten Teil westlich der gelben Linie. Die humanitäre Lage ist prekär.

APA/AFP/Planet Labs
Satellitenbild des Gazastreifens

Israels Premier Benjamin Netanjahu hatte die Armee im Frühjahr angewiesen, die Kontrolle über den Gazastreifen auf 70 Prozent auszuweiten. In den vergangenen Monaten hätten Israels Streitkräfte die Hamas nach und nach fast kampflos auf eine Fläche von 30 Prozent des Gazastreifens zurückgedrängt, schrieb die „Jerusalem Post“. Die Besetzung zusätzlicher Gebiete sei „Vergeltung“ dafür, dass die Hamas ihre vertraglich zugesicherte Entwaffnung noch nicht begonnen habe, schrieb das Blatt. Die Hamas habe im Gegensatz dazu erklärt, sie sei erst dann verpflichtet, einen teilweisen Entwaffnungsprozess einzuleiten, wenn Israel zumindest einen teilweisen Wiederaufbau des Gazastreifens zulasse.

Brüchige Waffenruhe
Die für Gaza vereinbarte Waffenruhe ist brüchig. Beide Seiten warfen einander wiederholt Verstöße vor. Nach UNO-Angaben starben seit Oktober 2025 rund 1.100 Palästinenserinnen und Palästinenser bei israelischen Angriffen.

Auslöser des Gaza-Krieges war der Überfall der Hamas und anderer Gruppen auf Israel, bei dem am 7. Oktober 2023 offiziellen Angaben zufolge 1.221 Menschen getötet und 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Israel startete daraufhin eine Militäroffensive im Gazastreifen. In Gaza wurden dabei laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bis April 72.000 Menschen getötet. Die Behörde unterscheidet in ihrer Zählung nicht zwischen Kämpfern und Zivilbevölkerung.
22.07.2026, cppp, ORF.at/Agenturen

Gazastreifen: Israel errichtet kilometerlange Erdwälle
 

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#86
Verbrannte Erde
Waldbrände, Bagger und Chemikalien: Wie Israel ganze Landstriche im Südlibanon unbewohnbar macht
Bewohner und die Feuerwehr werfen Israel vor, unter anderem jahrhundertealte Olivenhaine und Anbaufelder in Brand zu setzen
Verbrannte Erde im Südlibanon.AFP/-
Seit Ende Juni herrscht im Libanon eine wackelige Waffenruhe, dennoch brennt das Land lichterloh: im übertragenen Sinn, aber auch im wortwörtlichen. "Jeden Tag höre ich ein lautes Donnern", sagt Marc Achkar*. Als der STANDARD ihn erreicht, befindet er sich gerade bei Verwandten im Südosten des Landes nahe der syrischen Grenze. Das Dorf ist nur rund 15 Kilometer Luftlinie von der israelischen Besatzungszone, die sich ganz im Süden über rund 600 Quadratkilometer erstreckt, entfernt. "Die israelische Armee jagt Tag für Tag ein Haus nach dem anderen in die Luft", sagt Achkar über die in regelmäßigen Abständen ertönenden Explosionen.


Verbrannte Erde im Südlibanon.
AFP/-

Seit Ende Juni herrscht im Libanon eine wackelige Waffenruhe, dennoch brennt das Land lichterloh: im übertragenen Sinn, aber auch im wortwörtlichen. "Jeden Tag höre ich ein lautes Donnern", sagt Marc Achkar*. Als der STANDARD ihn erreicht, befindet er sich gerade bei Verwandten im Südosten des Landes nahe der syrischen Grenze. Das Dorf ist nur rund 15 Kilometer Luftlinie von der israelischen Besatzungszone, die sich ganz im Süden über rund 600 Quadratkilometer erstreckt, entfernt. "Die israelische Armee jagt Tag für Tag ein Haus nach dem anderen in die Luft", sagt Achkar über die in regelmäßigen Abständen ertönenden Explosionen.

Etliche der 62 libanesischen Dörfer im besetzten Gebiet sind in den vergangenen Monaten dem Erdboden gleichgemacht worden, wie jüngst die Financial Times berichtet. Nach den US-israelischen Angriffen auf den Iran Ende Februar waren die Kämpfe zwischen der proiranischen Hisbollah und Israel wiederaufgeflammt. Doch mit der großflächigen Zerstörung ging es erst nach den diversen Waffenruhen so richtig los – als israelische Soldaten damit begannen, systematisch die Dörfer im besetzten Gebiet mit Luftangriffen, kontrollierten Sprengungen, Baggern und Bulldozern in Schutt und Asche zu legen.

Etliche Videos zeigen, wie die Schaufelarme von Baggern auf Ziegeldächer einhämmern und wie ganze Häuserblocks durch Sprengungen innerhalb von Sekunden zu Staubwolken werden. Israel, das nicht auf entsprechende Anfragen der Financial Times und des Guardian reagiert hat, verneint das nicht. Verteidigungsminister Israel Katz, der im Frühjahr angekündigt hatte, das Gaza-Modell im Libanon anwenden zu wollen, prahlte im Juli: In "24 Dörfern, die je hunderte Jahre alt sind, haben wir alle Gebäude zerstört". Die israelische Armee werde nicht wieder aus dem Gebiet abziehen, sagte Katz überdies jüngst. Die mehr als 270.000 Vertriebenen könnten nicht mehr nach Hause zurückkehren.

Beschwerde wegen Umweltverbrechen
Israel hat in den vergangenen Monaten auch systematisch Grünflächen, also Wälder und Anbauflächen, zerstört. So ist der Einsatz von weißem Phosphor, einem hochgiftigen und selbstentzündlichen Nebelkampfstoff mit fatalen Umweltfolgen, gut dokumentiert. Und gab es Berichte, wonach israelische Flugzeuge zu Jahresbeginn mit tonnenweise Glyphosat Anbaufelder unfruchtbar gemacht haben. Libanons Präsident Joseph Aoun hat im Juni wegen "Umwelt- und Gesundheitsverbrechen" offizielle Beschwerde bei der Uno eingereicht.

Seither hat sich die Lage weiter zugespitzt: Denn in den vergangenen Wochen haben etliche Waldbrände große Gebiete im Süden zerstört. Israel soll die Vegetation regelmäßig unter anderem mit Drohnen, die mit brennbarem Material beladen sein sollen, anzünden, berichtet der Guardian aus dem Libanon unter Berufung auf zwei örtliche Zivilschutzleiter. So haben Flammen vergangene Woche einen rund 120 Hektar großen Olivenhain, samt den jahrhundertealten, knorrige Bäumen, die über Generationen weitervererbt worden sind, in Yaroun verschlugen. Das Dorf liegt weniger als einen Kilometer von der israelischen Grenze entfernt und befindet sich mitten im besetzten Gebiet. Deshalb konnte die libanesische Feuerwehr nicht ausrücken, um den Brand zu löschen. Alle Einsatzkräfte im Süden müssen ihre Bewegungen mit der israelischen Armee abstimmen. Doch sie bekommen nur selten eine Genehmigung.


Kontrollierte Sprengungen stehen auf der Tagesordnung der israelischen Soldaten im Libanon.
AFP/JOSEPH EID

All das ist nicht neu: Fotos des Wall Street Journals zeigten 2024, wie israelische Soldaten brennendes Zündmaterial mit Katapulten über die Grenze in den Südlibanon schleuderten. Und die libanesische Armee warf Israel einst vor, mit Schläuchen hoch brennbares Material über libanesisches Gelände zu gießen.

Israel hat in der Vergangenheit immer wieder auf angebliche Tunnel verwiesen, die die Hisbollah unter bewaldeten Gebieten errichtet haben soll. Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten verweisen dagegen auf die dramatischen Folgen für die Zivilbevölkerung durch die Zerstörung des Ökosystems und auch von Trinkwasserinfrastruktur. So sieht das etwa Amnesty International: "Wenn man alles dem Erdboden gleichmacht – die kritische Infrastruktur und das Gesundheitswesen – und verbrannte Erde hinterlässt, schafft man faktisch unbewohnbare Ödlandschaften und macht es den Menschen sehr schwer, in den Südlibanon zurückzukehren."

Wie Haaretz jüngst unter Verweis auf Satellitenbilder berichtete, hat die israelische Armee im besetzten Gebiet bereits mindestens sieben neue Stützpunkte und viele Kilometer Straßen errichtet. Indes wissen viele der Vertriebenen nicht, wie es um ihre Häuser und um ihr Land im besetzten Gebiet steht: Auch sie sind auf immer neue Satellitendaten angewiesen, und die verheißen meist nichts Gutes. Die schöne geschwungene Hügellandschaft im Süden, die einst mit Pinien, einigen wenigen Zedern, Zypressen, Eichen und Olivenhainen und jahrhundertealten Steinhäusern übersät war, gleicht in großen Teilen einer ausgetrockneten, dystopischen Mondlandschaft.
(Flora Mory, Daten: Robin Kohrs, 12.8.2026)
Waldbrände, Bagger und Chemikalien: Wie Israel ganze Landstriche im Südlibanon unbewohnbar macht
 
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