Israel - Gazastreifen, Libanon und Syrien: Berichte zum aktuellen Nahostkonflikt

josef

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#61
Nach Monaten
Zehntausende kehren in Norden Gazas zurück
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Erstmals seit Monaten können vor dem Krieg geflüchtete Bewohnerinnen und Bewohner in ihre Städte im Norden des Gazastreifens zurückkehren. Wie im Zug des Waffenruheabkommens vereinbart, öffnete die israelische Armee entlang des Mittelmeeres den „Nezarim-Korridor“, der den Norden vom Süden trennt.
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Zehntausende Palästinenser kehrten am Montag in den am schwersten zerstörten Teil des Gazastreifens zurück. Der von der israelischen Armee – nach dem Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 – eingerichtete Sicherheitsstreifen war von Israel wenige Wochen nach Kriegsbeginn völlig abgeriegelt worden. Der „Korridor“ trennt das nördliche Drittel Gazas inklusive Gaza-Stadt, Dschabalija, Beit Hanun und Beit Lahija.

Eine riesige Menschenmenge bewegte sich seit den frühen Morgenstunden entlang des Strandes in Richtung Norden, die meisten zu Fuß und wenige Habseligkeiten mit sich tragend.

Fotostrecke
APA/AFP
In behelfsmäßigen Zeltstädten wie dieser bei Chan Junis leben seit mehr als einem Jahr Hunderttausende Palästinenser
Reuters/Ramadan Abed
Viele von ihnen machten sich am Montag auf, um in ihre Heimatstädte im Norden zurückzukehren, die kurz nach Beginn des Gaza-Krieges von Israel abgeriegelt wurden

Reuters/Mohammed Salem
Entlang des Mittelmeers wanderten die Menschen zurück in Richtung Norden

Reuters/Hatem Khaled
Jene, die mit Autos – und wenigen Habseligkeiten auf dem Dach – zurückkehrten, standen im Stau. Die Autos wurden von der israelischen Armee unter anderem auf Waffen durchsucht.

Reuters/Mahmoud Al-Basos
Aufnahme einer Drohne von den zurückkehrenden Menschen – und den Zerstörungen im Vorder- und Hintergrund

Reuters/Mahmoud Issa
Vielen ist an Habseligkeiten nur geblieben, was sie mit den eigenen Händen tragen können

Reuters/Ramadan Abed
Ein Bild, das das Ausmaß der Zerstörung insbesondere im Norden Gazas erahnen lässt. Die Binnenflüchtlinge kehren nahe Gaza-Stadt zwischen Ruinen in ihre Heimat zurück.

Die Bilder von den rückkehrenden Menschen ähneln jenen von der Flucht der Bewohnerinnen und Bewohner in den Süden zu Beginn des Krieges. Erst zwei Stunden nach Öffnung des „Korridors“ wurde die Passage auch für Fahrzeuge erlaubt. Viele Palästinenser hatten befürchtet, Israel würde sie nie mehr zurücklassen.

Rückkehr in Ruinen
Rund eine Million Menschen war nach Warnungen der israelischen Armee zu Kriegsbeginn aus dem Norden geflüchtet. Die Menschen mussten mehr als ein Jahr in Zelten und zu Notlagern umfunktionierten Schulen leben – mit teils katastrophalen sanitären Zuständen und einer mangelhaften Versorgung mit den wichtigsten Dingen des Alltags. Viele von ihnen wollten daher diese erste sich bietende Gelegenheit zur Rückkehr nützen – auch wenn die meisten von ihnen nur Ruinen ihrer einstigen Häuser und Wohnungen vorfinden werden.
Ein Vater von drei Kindern sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AP trotz der schweren Zerstörungen von der „Freude der Rückkehr“. Er habe mit seiner Familie drei Tage am Übergang gewartet. Auf der Nordseite der Sperre brachen die Menschen teils in Jubel und Tränen aus – insbesondere jene, die erstmals seit langer Zeit wieder Verwandte, die im Norden ausgeharrt hatten, sahen.
Reuters/Mohammed Salem
Mehr als ein Jahr zuvor waren die Menschen auf der gleichen Route Richtung Süden geflüchtet – hier ein Bild vom 9. November 2023

Verzögerung nach Zwist über Geiselfreilassung
Die Öffnung des „Korridors“ hatte sich wegen eines Streits zwischen der Terrororganisation Hamas und Israel um zwei Tage verzögert, da beim zweiten Austausch von Geiseln und Gefangenen eine der vereinbarten Geiseln von der Hamas nicht freigelassen wurde. Die Vermittlerstaaten konnten den Konflikt bereinigen. Die deutsch-israelische Geisel Arbel Yehud soll nun vor dem nächsten Austausch freikommen.
Die Hamas bezeichnete die Öffnung des „Korridors“ als „Sieg für unser Volk und einen Beweis für das Versagen und die Niederlage (israelischer, Anm.) Besatzung und Verteidigungspläne“. Israel erwartet nun die Freilassung von sechs weiteren Geiseln in dieser Woche. Am Donnerstag sollen drei Geiseln freikommen und am Samstag drei weitere, erklärte das Büro von Regierungschef Benjamin Netanjahu am Sonntagabend.

Scharfe Reaktion auf Trump-Aussagen
Ein Vorschlag von US-Präsident Donald Trump zur „Räumung“ des Gazastreifens sorgte indes weiter für Empörung und Kritik – und stärkte den Drang der Binnenflüchtlinge, in den Norden zurückzukehren. Trump hatte das kriegsverwüstete Palästinensergebiet am Samstag als „Abrissgebiet“ bezeichnet, das für einen Frieden im Nahen Osten „zu räumen“ sei.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas brachte am Sonntag seine „starke Ablehnung und Verurteilung jeglicher Projekte zur Vertreibung unseres Volkes aus dem Gazastreifen zum Ausdruck“, erklärte sein Büro am Sonntag. Auch Jordanien wies entschieden jede Form der Vertreibung von Palästinensern zurück. Ägypten erklärte, es unterstütze das „unerschütterliche Bestehen des palästinensischen Volkes auf sein Land“.

Reuters/Mohammed Salem
Zehntausende kehren entlang einer zerstörten Küstenautobahn in den Norden zurück

Erinnerungen an Nakba
Auch die Arabische Liga warnte vor „Versuchen, das palästinensische Volk von seinem Land zu vertreiben“. Die Zwangsumsiedlung und Vertreibung von Menschen von ihrem Land könne nur als „ethnische Säuberung“ bezeichnet werden, hieß es in einer Erklärung des Generalsekretariats des Bündnisses, dem 22 Staaten aus Afrika und Asien angehören.

Trumps Vorschlag rührt tief am palästinensischen Trauma der Nakba („Katastrophe“) – der Flucht und Vertreibung Hunderttausender Palästinenser im Zuge des von arabischen Staaten begonnenen Krieges von 1948/49 nach der Ausrufung des Staates Israel.

Zwei Drittel aller Gebäude zerstört oder beschädigt
Die Mehrheit der 2,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des Gazastreifens ist seit dem Beginn des innerhalb des Gazastreifens vertrieben worden, viele von ihnen bereits mehrfach. Durch die Luftangriffe und Kämpfe im Gaza-Krieg wurden große Teile der Infrastruktur des Küstenstreifens dem Erdboden gleichgemacht. Laut einer UNO-Analyse waren am 1. Dezember etwa 69 Prozent der Gebäude im Gazastreifen zerstört oder beschädigt. Die Hälfte der Krankenhäuser und ein Großteil der Schulen sind nicht mehr in Betrieb.
27.01.2025, red, ORF.at/Agenturen

Nach Monaten: Zehntausende kehren in Norden Gazas zurück
 

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#62
Hamas stoppt Geiselübergaben
Sorge um Waffenstillstandsabkommen
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Die Terrororganisation Hamas hat angekündigt, die vereinbarte Freilassung weiterer israelischer Geiseln auszusetzen. Die radikalislamische Palästinenserorganisation warf der israelischen Armee vor, sich nicht an die Vereinbarung zur Waffenruhe zu halten. Israel wies die Vorwürfe seinerseits zurück und beschuldigte die Hamas, gegen das Abkommen zu verstoßen. Dass unterdessen US-Präsident Donald Trump seine Vorschläge zur Umsiedlung von Palästinensern bekräftigte, trug nicht zu einer Entspannung bei.
Online seit gestern, 23.27 Uhr (Update: heute, 6.56 Uhr)
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Die ohnehin brüchige Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel im Gazastreifen steht auf der Kippe. Eigentlich hätte die Terrororganisation am Samstag die nächsten drei israelischen Geiseln freilassen sollen. Das sei nun aber auf unbestimmte Zeit verschoben, hieß es von der Hamas.

Eine weitere Freilassung sei erst möglich, wenn sich Israel wieder an die Vereinbarungen halte, sagte Hamas-Sprecher Abu Obeida. Die Hamas stehe aber grundsätzlich zu den Vereinbarungen der seit 19. Jänner für zunächst sechs Wochen geltenden Waffenruhe und den Austausch von Geiseln gegen inhaftierte Palästinenser, so Obeida. Er warf Israel vor, die Rückkehr von Vertriebenen in den nördlichen Gazastreifen verzögert, das Feuer an verschiedenen Stellen des Küstenstreifens eröffnet und die Einfuhr von Hilfsgütern behindert zu haben.

Israel wies die Vorwürfe der Hamas zurück und hielt den Islamisten seinerseits Verstöße vor. Der israelische Regierungssprecher David Mencer widersprach insbesondere dem Vorhalt, dass Israel Hilfslieferungen für die mehr als zwei Millionen Bewohnerinnen und Bewohner des Gazastreifens blockiere. Nach Angaben von Hilfsorganisationen nahmen die Lieferungen von Hilfsgütern in den Gazastreifen zu.

Israelische Armee verstärkt Präsenz
Montagabend teilte die israelische Armee mit, „das Gebiet mit zusätzlichen Kräften für Verteidigungsmissionen erheblich zu verstärken“. Zudem sei beschlossen worden, „die Einsatzbereitschaft zu erhöhen“. Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte zuvor erklärt, er habe die Streitkräfte seines Landes angewiesen, „sich mit höchster Alarmbereitschaft auf jedes mögliche Szenario im Gazastreifen vorzubereiten“. Er warf der islamistischen Hamas einen „kompletten Verstoß“ gegen das Waffenruheabkommen vor.

Israelische Soldaten hatten auch während der Waffenruhe wiederholt auf Palästinenser und Palästinenserinnen geschossen. Dabei gab es mehrere Tote und Verletzte. Zur Begründung teilte die Armee mit, Verdächtige hätten sich israelischen Stellungen genähert und nicht auf Warnschüsse reagiert.
AP/Mohammad Abu Samra
Die Hamas inszenierte die bisherigen Geiselfreilassungen als Machtdemonstration

Seit Beginn der Waffenruhe im Gaza-Krieg am 19. Jänner hat die Hamas bisher bei fünf Freilassungsaktionen 16 von insgesamt 33 israelischen Geiseln freigelassen, die während der ersten Phase der dreistufigen Vereinbarung von der Hamas übergeben werden sollen. Außerdem ließ die Terrororganisation fünf Thailänder frei, das aber nicht als Teil der Vereinbarung mit Israel. Im Gegenzug entließ Israel 583 inhaftierte Palästinenser der insgesamt 1.904 vorgesehenen Häftlinge.

Israel warf der Hamas allerdings vor, sich nicht an die Reihenfolge zu halten, in der die Geiseln freigelassen werden sollten. Zudem kritisierte Israel, dass die Übergaben der Geiseln vor einer großen Menschenmenge inszeniert wurden. Für – auch internationale – Bestürzung sorgte zudem der körperliche Zustand der am vergangenen Wochenende freigelassenen drei männlichen Geiseln.

Israelische Delegation aus Katar abgereist
Vergangene Woche begannen in Katar die Verhandlungen über eine zweite Phase der Waffenruhe. Ihr Ziel ist die Freilassung der verbleibenden Geiseln sowie die Vereinbarung eines vollständigen Abzugs der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen als Vorbereitung auf ein endgültiges Ende des Krieges. Am Montag waren die israelischen Unterhändler allerdings aus Katar zurückgekehrt, ohne dass Gründe für die Abreise genannt worden waren.

Das israelische Forum der Angehörigen bat am Montag die in dem Konflikt vermittelnden Länder um Unterstützung. Die Umsetzung des Abkommens zur Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas müsse ermöglicht werden, teilte die Organisation mit. „Wir stehen an der Seite der israelischen Regierung und setzen uns für die Aufrechterhaltung der Bedingungen ein, die eine erfolgreiche Fortsetzung des Abkommens und damit die sichere Rückkehr unserer 76 Brüder und Schwestern gewährleisten“, hieß es.

35 der noch 76 Verschleppten sind nach israelischen Angaben nicht mehr am Leben. Auf der Liste der verbleibenden Geiseln, die noch freigelassen werden sollen, ist auch der österreichisch-israelische Doppelstaatsbürger Tal Shoham.

Ägypten und Katar wollen weiter vermitteln
Ägypten und Katar kündigten inzwischen an, sie wollten als Vermittler die gefährdete Waffenruhe retten. Beide Länder seien sehr besorgt und würden ihr Bestes tun, um den Waffenstillstand zu erhalten, sagte ein ägyptischer Beamter der dpa. Aber Israel müsse sich an die Vereinbarungen zur Waffenruhe und zum Austausch halten, fügte der Beamte hinzu, der seinen Namen nicht genannt haben wollte. Aus den USA, die ebenfalls als Vermittler tätig sind, gab es keine offizielle Reaktion.

Die Palästinensische Autonomiebehörde kündigte indes an, per Dekret ihre vielkritisierten Zahlungen an Familien von Häftlingen in israelischen Gefängnissen zu stoppen. Diese Praxis war von Israel und anderen Ländern kritisiert worden. Die Einzelheiten zur Umsetzung des Dekrets blieben aber unklar.

Trump bekräftigt Aussagen zu Umsiedlung und droht
Neue "Trump-Idee": Gazastreifen von den dort wohnenden Menschen zu leeren und unter "US-Besitz" vollkommen neu aufzubauen

Belastet werden die Bemühungen um einen Waffenstillstand im Gazastreifen allerdings nicht zuletzt durch Äußerungen des US-Präsidenten. In einem am Montag auszugsweise veröffentlichten Interview mit dem Sender Fox News sagte Trump auf die Frage, ob die Palästinenser nach dem Wiederaufbau des Gazastreifens das Recht auf eine Rückkehr hätten: „Nein, das hätten sie nicht.“

Trump erneuerte seinen Vorschlag, Ägypten und Jordanien könnten die Palästinenser aufnehmen. Beide Staaten haben das bereits ebenso abgelehnt wie andere arabische Staaten, aber auch westliche Verbündete Israels. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte den Vorstoß Trumps hingegen begrüßt.

In einer Rede vor Journalisten im Weißen Haus drohte Trump überdies der Hamas. Sollten bis Samstagmittag nicht sämtliche Geiseln den Gazastreifen verlassen können, werde er sich für ein Ende der derzeit geltenden Waffenruhe einsetzen. Dann werde „die Hölle losbrechen“, so Trump. Überdies könne er Jordanien und Ägypten Hilfen verweigern, wenn diese keine palästinensischen Flüchtlinge aus dem Gazastreifen aufnehmen, so Trump

AP/Mark Schiefelbein
Der ägyptische Außenminister Abdellaty (li.) traf am Montag seinen US-amerikanischen Amtskollegen Rubio

Erst am Montag war Ägyptens Außenminister Badr Abdellaty zu Gesprächen in Washington, wo er sich unter anderen mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Marco Rubio traf. Während des Treffens betonte Abdellaty laut einer Mitteilung des ägyptischen Außenministeriums die Notwendigkeit, bei dem Beginn des Wiederaufbauprozesses, der Beseitigung der Trümmer und dem Wiederaufbau mit den Palästinensern in Gaza Tempo zu machen. Zugleich habe er erneut die Umsiedlung von Palästinensern vehement abgelehnt.
11.02.2025, red, ORF.at/Agenturen
Hamas stoppt Geiselübergaben: Sorge um Waffenstillstandsabkommen
 

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#63
Israel bricht Waffenruhe
Mehr als 250 Tote bei Angriffen auf Gaza
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Israel hat in der Nacht auf Dienstag die Waffenruhe mit der palästinensischen Terrororganisation Hamas beendet und Dutzende Ziele im Gazastreifen bombardiert. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde starben dabei mehr als 250 Menschen. Israels Premier Benjamin Netanjahu hatte ein Vorgehen „mit Wucht“ angekündigt.
Online seit heute, 7.17 Uhr (Update: 8.34 Uhr)
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Wie das Büro Netanjahus sagte, sei das Militär angewiesen worden, „energisch“ gegen die Hamas vorzugehen. „Das folgt auf die wiederholte Weigerung der Hamas, unsere Geiseln freizulassen, sowie auf ihre Ablehnung aller Vorschläge, die sie vom Gesandten des US-Präsidenten Steve Witkoff und von den Vermittlern erhalten hat“, hieß es in der Erklärung weiter. Israel werde von nun an wieder mit zunehmender militärischer Stärke gegen die Hamas vorgehen.

Wie aus israelischen Regierungskreisen verlautete, würden sich die Angriffe gegen die zivile und militärische Infrastruktur der Hamas sowie ihre Führungsebene richten. Ein Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, damit solle die Hamas daran gehindert werden, „ihre Kräfte wieder aufzubauen und sich zu bewaffnen“.

Der Einsatz werde „so lange wie nötig fortgesetzt und über Luftangriffe hinaus ausgeweitet“, hieß es. Das für den Zivilschutz zuständige Heimatfrontkommando der israelischen Armee kündigte indes für Dienstag die Schließung der Schulen in den an den Gazastreifen angrenzenden Orten an.

Mehrere Hamas-Funktionäre getötet
Der palästinensische zivile Rettungsdienst berichtete von mindestens 35 Luftangriffen auf den Gazastreifen. Laut Hamas wurden dabei 254 Menschen getötet, darunter auch Kinder. Zuvor hatte es Berichte von mindestens 330 Toten gegeben. Mehr als 440 Menschen seien verletzt worden.

Insidern zufolge wurden mindestens fünf Hamas-Funktionäre und ihre Angehörigen getötet, darunter Mohammed al-Dschamasi, der dem Politbüro der Hamas angehörte, und Mahmud Abu Watfa, der die Polizei und die Sicherheitsdienste im Gazastreifen anführte. Die Angaben ließen sich unabhängig nicht überprüfen.

APA/AFP/Omar al-Qattaa
Menschen durchsuchen die Trümmer einer ehemaligen Schule nach dem nächtlichen Angriff in Gaza-Stadt

Noch 59 Geiseln in Hand der Hamas
Netanjahu und seine „extremistische Regierung“ hätten beschlossen, das Waffenruheabkommen „zu brechen“, hieß es in einer Erklärung der Hamas. Sie forderte die Vermittler Ägypten, Katar und USA auf, Israel „für den Bruch“ des Abkommens zur Verantwortung zu ziehen. Ein hochrangiger Hamas-Vertreter fügte hinzu, das Schicksal der 59 Geiseln, die noch im Gazastreifen festgehalten werden, sei nun ungewiss. Netanjahu hatte wiederholt erklärt, Israel werde alle seine Kriegsziele erreichen. Dazu gehört die Freilassung aller Geiseln und die komplette Zerschlagung der Hamas. Die Hamas und andere Islamistengruppen im Gazastreifen haben nach israelischen Informationen noch 24 Geiseln und die Leichen von 35 Verschleppten in ihrer Gewalt.

Sprecher: Trump gab Israel grünes Licht
Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses, Brian Hughes, sagte der US-Nachrichtenseite Axios: „Die Hamas hätte Geiseln freilassen können, um die Waffenruhe zu verlängern, hat sich aber stattdessen für Verweigerung und Krieg entschieden.“ US-Präsident Donald Trump habe Israel grünes Licht für die Wiederaufnahme der Angriffe auf die Hamas gegeben, zitierte das „Wall Street Journal“ einen israelischen Beamten. Israel habe danach die USA über den Beginn der Angriffe vorab informiert.

„Die Hölle wird losbrechen, und alle Terroristen im Nahen Osten – die Huthis, die (libanesische) Hisbollah, die Hamas, vom Iran unterstützte Terrorstellvertreter und der Iran selbst – sollten Präsident Trump sehr ernst nehmen“, zitierten US-Medien die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. Wie der US-Präsident deutlich gemacht habe, würden „all jene, die nicht nur Israel, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika terrorisieren wollen, einen Preis zu zahlen haben“, sagte Leavitt dem US-Sender Fox News.

Trump erhöht Druck auf Huthis
Die Trump-Regierung erhöhte unterdessen den Druck auf die mit dem Iran ebenfalls verbündete Huthi-Miliz im Jemen. Jeder Schuss, der von den Huthis abgefeuert werde, werde von nun an als ein Schuss angesehen, der von den Waffen und der Führung des Iran abgefeuert worden sei, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Zuvor hatte der Iran mit heftigen Gegenmaßnahmen gedroht.

Auf Trumps Befehl hin greift das US-Militär die Miliz seit Samstag aus der Luft an. Arabische Medien berichteten in der Nacht von erneuten Luftangriffen im Raum der Hafenstadt Hudaida sowie der Hauptstadt Sanaa. Nach früheren Huthi-Angaben wurden mindestens 53 Menschen getötet. Die USA wollen die Angriffe nach Worten von Verteidigungsminister Pete Hegseth erst einstellen, wenn die Miliz ihrerseits die Attacken auf die Schifffahrt beendet.

Die Huthis hatten vor wenigen Tagen angekündigt, diese Angriffe auf Schiffe im Roten Meer wieder aufzunehmen. Sie wollen damit nach eigenen Angaben ein Ende der Blockade des Gazastreifens durch Israel erreichen. Die Vereinten Nationen riefen zu äußerster Zurückhaltung und zur Einstellung aller militärischen Aktivitäten auf. Jede weitere Eskalation könne Vergeltungsmaßnahmen auslösen und die Region weiter destabilisieren.

Keine Einigkeit bei Verhandlungen
Im Jänner war zwischen Israel und der Hamas eine zunächst sechswöchige Waffenruhe vereinbart worden. Bisher konnten sich beide Seiten nicht auf die Konditionen für eine Verlängerung einigen. Israel drängt auf die Rückgabe der restlichen 59 Geiseln und hat im Gegenzug eine längerfristige Waffenruhe angeboten, bei der die Kämpfe bis nach dem muslimischen Fastenmonat Ramadan und dem jüdischen Pessachfest im April eingestellt worden wären.

Die Hamas hatte jedoch darauf bestanden, Verhandlungen über eine dauerhafte Beendigung des Krieges und einen vollständigen Rückzug der israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen aufzunehmen, wie es im ursprünglichen Waffenruheabkommen vorgesehen war. Jede Seite hat der anderen jedoch fortlaufend vorgeworfen, die Bedingungen des Waffenruheabkommens vom Jänner nicht eingehalten zu haben. Israel hatte beispielsweise Hilfslieferungen in den Gazastreifen blockiert.
18.03.2025, red, ORF.at/Agenturen

Israel bricht Waffenruhe: Mehr als 250 Tote bei Angriffen auf Gaza
 

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#64
Gazastreifen
Israel startet neue Bodeneinsätze
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Nach den schwersten israelischen Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen seit Jänner hat die israelische Armee am Mittwoch den Beginn eines erneuten Bodeneinsatzes in dem Palästinensergebiet bestätigt. Die israelischen Luftangriffe, bei denen nach Angaben der radikalislamischen Terrororganisation Hamas Hunderte Menschen starben, stießen international auf Kritik.
Online seit heute, 18.21 Uhr (Update: 21.07 Uhr)
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„In den vergangenen 24 Stunden“ habe die Armee „gezielte Bodeneinsätze“ im Zentrum und im Süden des Gazastreifens gestartet, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Ziel sei es, eine „teilweise Pufferzone“ zwischen dem Süden und dem Norden des Palästinensergebiets zu schaffen. Das Militär habe die Kontrolle über den Nezarim-Korridor im Zentrum des Gazastreifens übernommen, wurde mitgeteilt.

Neue Fluchtaufforderungen angekündigt
Die israelische Regierung hatte die Angriffe am Dienstag, bei denen laut Hamas über 400 Menschen getötet worden waren, als eine Reaktion auf „die wiederholte Weigerung der Hamas bezeichnet, unsere Geiseln freizulassen“. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu drohte damit, die Angriffe fortzusetzen und zu verstärken.

Israels Verteidigungsminister Israel Katz kündigte neue Fluchtaufforderungen für die Bewohnerinnen und Bewohner Gazas an. Die Luftangriffe auf Ziele der Hamas seien nur der erste Schritt gewesen. Was nun folge, sei viel schlimmer, sagte Katz, ohne Einzelheiten zu nennen. Israel werde mit einer Kraft vorgehen, die die Menschen im Gazastreifen noch nicht erlebt hätten.

Hamas: Tür zu Verhandlungen nicht zu
Die Hamas erklärte, sie habe „die Tür zu Verhandlungen nicht geschlossen“. Ein ranghoher Vertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Hamas verlange, „dass (Israel) gezwungen wird, sofort (die Angriffe) einzustellen und die zweite Phase der Verhandlungen zu beginnen“.

Reuters/Dawoud Abu Alkas
Bild aus Gaza-Stadt: Bei den Luftangriffen am Dienstag sollen Hunderte Menschen getötet worden sein

Die erste Phase der Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas war am 1. März ausgelaufen, eine Einigung über die zweite Phase konnte bisher nicht erzielt werden.

Gewalt bei Protesten in Jerusalem
In Jerusalem versammelten sich am Mittwoch unterdessen mehrere tausend Menschen, um gegen die Politik Netanjahus zu protestieren. Die Teilnehmenden warfen dem Ministerpräsidenten einen demokratiefeindlichen Kurs vor sowie die Fortsetzung des Krieges im Gazastreifen ohne Rücksicht auf die dort immer noch festgehaltenen israelischen Geiseln.

Am Rande der Kundgebung kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Teilnehmende einer Kundgebung hätten versucht, Kontrollpunkte zu durchbrechen, meldete die Nachrichtenseite Ynet. Medien zufolge gab es mehrere Festnahmen.

Ein Taxifahrer habe in Jerusalem wahrscheinlich absichtlich einen Demonstranten angefahren, meldete die Times of Israel. Die israelische Zeitung „Haaretz“ meldete Fälle von Polizeigewalt gegen Demonstrierende. Die Polizei teilte mit, Dutzende Menschen hätten Straßen blockiert und seien den Aufforderungen der Einsatzkräfte nicht nachgekommen.

Scharfe Kritik an neuen Angriffen
Die Wiederaufnahme der Angriffe löste international scharfe Kritik aus. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, sie habe den israelischen Außenminister Gideon Saar gefragt: „Warum tut ihr das?“ Am Vortag habe sie ihm gegenüber auch die hohe Zahl der zivilen Opfer und die „Politisierung“ der Nothilfe für Palästinenserinnen und Palästinenser durch Israel bedauert.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron betonte, eine militärische Lösung sei nicht möglich. Er forderte ein Ende der Kämpfe und die Wiederaufnahme von Verhandlungen. Der jordanische König Abdullah II. nannte die israelischen Angriffe einen „extrem gefährlichen Schritt“.
Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock forderte „größte Zurückhaltung“ von allen Seiten, die Einhaltung des humanitären Völkerrechts und die Wiederaufnahme von Gesprächen. Der britische Premierminister Keir Starmer zeigte sich „zutiefst besorgt“ angesichts der jüngsten Luftangriffe. Die „Bilder von Eltern, die ihre Kinder ins Krankenhaus tragen“, sowie die Zahl der Toten seien „schockierend“.

IKRK warnt vor Überlastung der Spitäler
Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörden starben am Mittwoch mindestens 20 Menschen bei neuerlichen israelischen Luftangriffen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) warnte vor einer Überlastung der Spitäler. Die Zahl der Verletzten sei in den vergangenen 36 Stunden stark gestiegen.

„Aufgrund der kürzlichen Aussetzung der humanitären Hilfe für den Gazastreifen sind die Vorräte an medizinischen Hilfsgütern erheblich gesunken, und darüber hinaus hat das Krankenhauspersonal Schwierigkeiten, den starken Anstieg der Opferzahlen zu bewältigen“, teilte die Organisation mit.

UNO: Mitarbeiter in Gaza getötet
Bei einem Angriff auf eine UNO-Einrichtung in Gaza wurde nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens einer ihrer Mitarbeiter getötet. Mindestens fünf weitere Menschen seien verletzt worden, einige davon schwer, sagte der Exekutivdirektor des Büros für Projektdienste (UNOPS), Jorge Moreira da Silva.

Bereits in den vergangenen Tagen habe es Einschläge in der Nähe und auf dem Gelände gegeben, weshalb die Organisation den Kontakt zu den israelischen Streitkräften aufgenommen habe. „Das kann kein Unfall sein“, sagte Moreira da Silva. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich „zutiefst traurig und schockiert“ über den Vorfall.

Israel bestreitet Angriff
Moreira da Silva zufolge handelt es sich um eine frei stehende Anlage, die beim israelischen Militär gut bekannt ist. Was für eine Art Geschoß sie getroffen habe, sei noch unklar. UNOPS ist in Gaza unter anderem für die Beseitigung von Minen im Einsatz. Einen Unfall in diesem Zusammenhang schloss Moreira da Silva aus.

Die israelische Armee dementierte die Berichte. „Entgegen den Berichten hat die israelische Armee kein UNO-Gebäude in Deir al-Balah angegriffen.“ Israel untersuche die Umstände des Vorfalls, der nach ersten Erkenntnissen in keinerlei Zusammenhang mit den Aktivitäten der israelischen Armee stehe, hieß es aus dem Außenministerium. Man bedauere den Tod des UNO-Mitarbeiters.
19.03.2025, red, ORF.at/Agenturen

Gazastreifen: Israel startet neue Bodeneinsätze
 

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#65
Israel weitet Einsatz aus
Fast ganz Gaza zu „Kampfgebiet“ erklärt
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Israel hat die Kontrolle über ein weiteres Gebiet im Gazastreifen übernommen und will seine Militäroffensive beinahe auf den gesamten Küstenstreifen ausweiten. Die Stadt Rafah ist nach Armeeangaben vollständig umzingelt. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, die „Kampfgebiete“ zu verlassen.
Online seit gestern 12.04.2025, 22.23 Uhr (Update: heute, 7.47 Uhr)
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Israelische Truppen begannen nach Angaben eines Militärsprechers neue Einsätze in Gaza-Stadt. Ziel sei es, die Kontrolle über das Gebiet zu stärken, Infrastruktur der Terrororganisation Hamas zu zerstören und die „Sicherheitszone“ auszubauen, gab ein Armeesprecher bekannt. Seit Beginn des Einsatzes am Vorabend seien Dutzende Terroristen getötet und Beobachtungsposten zerstört worden.

Zivilschutz berichtet über Angriff auf Spital
Palästinensischen Angaben zufolge ist am Sonntag ein Krankenhaus Ziel eines israelischen Luftangriffs geworden. Ein Gebäude des Al-Ahli-Krankenhauses in Gaza-Stadt sei nach Mitternacht angegriffen worden, erklärte die dortige Zivilschutzbehörde. Über mögliche Opfer machte sie keine Angaben. Die israelische Armee teilte mit, den Vorfall zu untersuchen.

Der Luftangriff erfolgte „nur wenige Minuten nach der Warnung der (israelischen) Armee, das Gebäude zu evakuieren, in dem sich Patienten, Verletzte und ihre Begleiter befanden“, erklärte der palästinensische Zivilschutz weiter. Die israelische Armee beschuldigt die Hamas seit Längerem, in Tunneln unter den Krankenhäusern Kommandozentralen eingerichtet zu haben.

Kontrolle über Morag-Achse
Zuvor erklärte Verteidigungsminister Israel Katz, die israelischen Streitkräfte hätten im Süden die Einnahme der zwischen den Städten Rafah und Chan Junis gelegenen Morag-Achse abgeschlossen. Die Stadt Rafah ist nach israelischen Militärangaben vollständig umzingelt. Damit sind die Städte Rafah und Chan Junis im Süden voneinander getrennt.

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Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte Anfang April die Schaffung einer israelisch kontrollierten Morag-Achse – auch bekannt als Morag-Korridor – angekündigt. Der Korridor durchquert den Gazastreifen und trennt dabei Rafah und Chan Junis. Benannt ist der Korridor nach der früheren israelischen Siedlung Morag, die während des israelischen Rückzugs aus dem Gazastreifen 2005 aufgelöst worden war. Zusammen mit dem weiter nördlich gelegenen Nezarim-Korridor entsteht so faktisch eine Dreiteilung des Gazastreifens.

Katz: Einsatz wird ausgeweitet
Katz sprach von eroberten Gebieten, die als israelische „Sicherheitszonen“ dienen sollen. „Bald werden die Operationen der Armee intensiviert und auf andere Gebiete über fast den gesamten Gazastreifen ausgeweitet – und Sie werden die Kampfgebiete räumen müssen“, hieß es in einer an die Bewohnerinnen und Bewohner des Küstengebietes gerichteten Erklärung von Katz weiter.

Reuters/Israeli Army
Seit der Wiederaufnahme der Kämpfe kontrolliert Israel zunehmend größere Gebiete des Gazastreifens

Auch im Norden des Gazastreifens werde eine eingerichtete „Sicherheitszone“ ausgeweitet. Israel hatte Mitte März seine starken Luftangriffe auf Hamas-Ziele im Gazastreifen wieder aufgenommen, wo seit dem 19. Jänner eine zwischen beiden Seiten vereinbarte Waffenruhe galt. Außerdem startete Israel eine neue Bodenoffensive und übernahm die Kontrolle über zunehmend größere Teile des Gazastreifens.

Warnung an Menschen in Chan Junis
Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Erklärtes Ziel der israelischen Regierung ist es, den Druck auf die radikalislamische Hamas für eine Freilassung der in ihrer Gewalt verbliebenen israelischen Geiseln zu erhöhen. Am Samstag rief die israelische Armee die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Chan Junis auf, sich in Sicherheit zu bringen.
Israelische Soldaten seien in der Gegend mit großer Truppenstärke im Einsatz und würden jeden Ort angreifen, von dem aus Raketen abgefeuert würden, erklärte ein israelischer Armeesprecher im Onlinedienst X. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Chan Junis sollten sich sofort in Schutzunterkünfte in die weiter westlich gelegene Ortschaft al-Mawasi begeben. Zuvor hatte die israelische Armee erklärt, drei aus dem Süden des Gazastreifens abgefeuerte „Projektile“ abgefangen zu haben.

Hamas zu Verhandlungen in Kairo
Derweil wollte eine hochrangige Hamas-Delegation in Kairo mit ägyptischen Vermittlern neue Verhandlungen zu einer Waffenruhe für den Gazastreifen führen. „Wir hoffen, dass das Treffen zu echten Fortschritten führt“, sagte ein mit den Verhandlungen vertrauter Hamas-Vertreter. Die Hamas wolle eine Beendigung des Krieges und „den vollständigen Abzug“ der israelischen Armee aus dem Gazastreifen.
Ägypten vermittelt neben anderen Ländern zwischen Israel und der Hamas. Israelischen Medienberichten zufolge hatten zuletzt Israel und Ägypten Entwürfe für einen möglichen Waffenstillstand und eine Geiselfreilassung ausgetauscht. Die Hamas habe aber noch keine neuen Vorschläge erhalten, sagte ihr Vertreter.

Neues Video von israelischer Geisel
Die Hamas veröffentlichte am Samstag erneut ein Video von einer israelischen Geisel. Das Forum der Geiselfamilien erklärte, bei der Geisel handle es sich um den US-Israeli Edan Alexander, der als Soldat an der Grenze zum Gazastreifen eingesetzt war und beim Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 verschleppt wurde.

In dem mehr als dreiminütigen Video sagt der 21-Jährige, er wolle für das jüdische Pessachfest nach Hause zurückkehren. Außerdem wirft Alexander Netanjahu vor, ihn nicht freibekommen zu haben. Unklar war, wann das Video aufgenommen wurde. Veröffentlicht wurde es vom bewaffneten Arm der Hamas, den Essedin-al-Kassam-Brigaden.
13.04.2025, red, ORF.at/Agenturen
Israel weitet Einsatz aus: Fast ganz Gaza zu „Kampfgebiet“ erklärt
 

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#66
Nahost-Meldungen
Israel beschloss laut Medienberichten Ausweitung der Angriffe im Gazastreifen
Die Vereinten Nationen wollen den Plan Israels für eine Hilfsgüterlieferung in den Gazastreifen aufgrund großer humanitärer Bedenken nicht unterstützen

Israelische Panzer an der Grenze zum Gazastreifen.
AFP/MENAHEM KAHANA

Jerusalem – Israel will seine Offensive im Gazastreifen gegen die islamistische Hamas noch weiter verschärfen. Dies sei bei einer Sitzung des Sicherheitskabinetts um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einstimmig beschlossen worden, berichteten verschiedene israelische Medien in der Nacht auf Montag unter Berufung auf hochrangige Beamte. Ziel ist es, den Druck auf die Terrororganisation Hamas weiter zu erhöhen, um die Freilassung weiterer Geiseln zu erzwingen.

Es werde erwartet, dass dieser Plan erst nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in der Region in der nächsten Woche umgesetzt werde, berichtete die Times of Israel. Bis dahin würden Anstrengungen unternommen, um eine Vereinbarung mit der Hamas über eine Waffenruhe und ein Geiselabkommen zu erreichen.

Zudem habe das Sicherheitskabinett einen Plan zur Wiederaufnahme von Hilfslieferungen in den Gazastreifen gebilligt, hieß es weiter. Zugleich sei der Mechanismus überarbeitet worden, um die Abzweigung von Gütern durch die Hamas zu minimieren.

Laut israelischen Medienberichten hatte Netanjahu bereits zuvor grünes Licht für die Vorbereitungen einer verstärkten Militäroffensive gegeben. Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir bestätigte die bereits beschlossene massive Mobilisierung von Reservisten für eine Ausweitung der Angriffe im Gazakrieg. "Diese Woche versenden wir zehntausende Einberufungsbefehle an unsere Reservisten, um unsere Operation im Gazastreifen zu verstärken und auszuweiten", sagte der Militärchef bei einem Besuch in einer Marinebasis südlich von Haifa.

Reservisten sollen reguläre Truppen ablösen
Nach Angaben des Nachrichtenportals Ynet sollen einige Reservisten reguläre Truppen ablösen, die aktuell an der Nordgrenze oder im Westjordanland stationiert sind. Diese Einheiten sollen dann in den Gazastreifen verlegt werden. Für manche Reservisten ist es bereits der siebente Einsatz seit Beginn des Krieges.

Nach einer fast zweimonatigen Waffenruhe hatte die israelische Armee ihre Angriffe im Gazastreifen am 18. März wiederaufgenommen. Gleichzeitig lässt das Militär seit rund zwei Monaten keine humanitären Hilfslieferungen mehr in das abgeriegelte Gebiet zu, in dem etwa zwei Millionen Menschen leben. Hilfsorganisationen sprechen von katastrophalen Zuständen. Die Armee wirft der Hamas vor, die Hilfsgüter gewinnbringend weiterzuverkaufen, um ihre Kämpfer und Waffen zu finanzieren. Das Nachrichtenportal Axios berichtete zuletzt, die USA und Israel planten, mithilfe einer privaten US-Firma Hilfsgüter an der Hamas vorbei in den Gazastreifen zu bringen.

Die indirekten Verhandlungen über eine erneute Waffenruhe – vermittelt von den USA, Ägypten und Katar – blieben bisher ohne Durchbruch.

Nach israelischen Angaben befinden sich weiterhin 24 Geiseln und die Leichen von 35 Verschleppten in der Gewalt der Hamas. Ehemalige Geiseln berichten von unmenschlichen Bedingungen. Trump erklärte kürzlich, die Zahl der Überlebenden sei womöglich geringer als bisher angenommen. Am Samstagabend demonstrierten Angehörige der Geiseln in Tel Aviv erneut für eine Waffenruhe.

UN lehnen Israels Hilfsgüterplan ab
Die Vereinten Nationen wollen den Plan Israels für eine Hilfsgüterlieferung in den Gazastreifen aufgrund großer humanitärer Bedenken nicht unterstützen. Er verstoße gegen grundlegende humanitäre Prinzipien und scheine darauf ausgelegt zu sein, die Kontrolle über lebenswichtige Güter als Druckmittel und Teil einer Militärstrategie zu verstärken, hieß es am Sonntag. Das internationale Völkerrecht verbiete zudem eine kollektive Bestrafung der Zivilbevölkerung.

Israel wolle die Zustimmung der UN, um Hilfsgüter über israelische Ausgabestellen unter Bedingungen zu verteilen, die das israelische Militär festlegt. Diese Strategie sei gefährlich, weil sie die Zivilbevölkerung in militarisierte Zonen treibe, um Rationen zu erhalten. Das könne für die Menschen und die Helfer lebensbedrohlich sein. Weniger mobile Menschen könnten so nicht erreicht werden, die Zwangsvertreibung werde vorangetrieben.


Seit Anfang März kommen weder Nahrungsmittel noch Trinkwasser oder Medikamente in den Gazastreifen.
IMAGO/Omar Ashtawy \ apaimages

Die Vereinten Nationen könnten sich nur auf Pläne einlassen, die die humanitären Prinzipien der Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und Neutralität garantierten, teilte das humanitäre UN-Team im Gazastreifen mit.

Israel blockiert seit Anfang März alle Hilfsgüterlieferungen. Es kommen weder Nahrungsmittel noch Trinkwasser oder Medikamente in das Gebiet. Menschen hungern dort nach UN-Angaben, Krankenhäuser können Verwundete und Kranke nicht mehr versorgen.

Huthis machen USA für Luftangriffe im Jemen verantwortlich
Die Huthis im Jemen haben die USA indes für rund zehn Angriffe in der Hauptstadt Sanaa und deren Umgebung verantwortlich gemacht. Die von der proiranischen Miliz geführte Nachrichtenagentur Saba meldete am Montag, dass zwei US-Angriffe auf eine Straße in Sanaa gezielt hätten, ein weiterer habe der Route zum Flughafen gegolten. Zuvor hatte Saba mehrere Luftangriffe auf Sanaa gemeldet sowie zwei weitere Angriffe, die sie der "amerikanischen Aggression" zuschrieb.

In Sanaa hörte ein AFP-Journalist Montagfrüh heftige Explosionen. In dem Stadtviertel Sawan seien 14 Menschen verletzt worden, meldete Saba unter Berufung auf das Huthi-Gesundheitsministerium. Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz kontrolliert neben der Hauptstadt Sanaa einen Großteil des Jemen. Von dort aus hatten die Huthis am Sonntag eine Rakete auf Israel abgefeuert, die auf dem Gelände des Flughafens Ben Gurion einschlug. Sechs Menschen wurden dabei verletzt. Später drohten die Huthis mit weiteren Angriffen auf Flughäfen in Israel.

Die Huthi-Miliz gehört neben der Hisbollah im Libanon und der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Palästinenserorganisation Hamas zu der vom Iran angeführten und gegen Israel und die USA gerichteten "Achse des Widerstands". Seit Beginn des Gazakriegs feuerten die Huthis mehrfach Raketen auf Israel ab – nach eigener Darstellung "aus Solidarität" mit der Hamas.

Zudem greifen sie seit Beginn des Gazakrieges immer wieder Schiffe im Roten Meer und im Golf von Aden sowie Ziele in Israel mit Drohnen und Raketen an. Die USA und ihre Verbündeten reagierten darauf seit Anfang 2024 immer wieder mit Angriffen auf Huthi-Ziele im Jemen. Am 15. März begannen die US-Streitkräfte zudem eine neue Luftoffensive gegen die islamistische Miliz.
(APA, 5.5.2025)
Israel verabschiedet Plan zur "Eroberung" des Gazastreifens
 

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Israel
Plan zur „Eroberung“ des Gazastreifens
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Vorzeichen einer neuen Bodenoffensive Israels im Gazastreifen hat es schon am Wochenende gegeben. Israelische Medien berichteten, dass Zehntausende Reservisten für die Ausweitung der Angriffe im Gazastreifen mobilisiert werden sollen. In der Nacht auf Montag beschloss das Sicherheitskabinett von Premier Benjamin Netanjahu laut Beamten, die Offensive gegen die islamistische Hamas zu verschärfen. Dieser Plan sehe eine „Eroberung“ und dauerhafte Besetzung des Gazastreifens vor.
Online seit heute, 10.58 Uhr (Update: 14.27 Uhr)
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Am Montag hieß es, dass die Bevölkerung im Gazastreifen „zu ihrem Schutz“ in den Süden des Gebiets umgesiedelt werden solle. Netanjahu befürworte weiterhin den Plan von US-Präsident Donald Trump, die Palästinenser und Palästinenserinnen „freiwillig“ in Nachbarländer wie Jordanien und Ägypten umzusiedeln. Die Regierungen der beiden Länder lehnten die Umsiedlungen bisher kategorisch ab.

Netanjahu sagte, die Armee werde von Razzien zur Eroberung von Gebieten und einer fortwährenden Präsenz im Gazastreifen übergehen. Es wird erwartet, dass die Ausweitung der Offensive nach dem für kommende Woche geplanten Besuch Trumps in der Region umgesetzt werde, berichtete die Onlinezeitung Times of Israel. Bis dahin soll es noch Bemühungen geben, mit der Hamas eine Einigung auf eine Waffenruhe und ein Geiselabkommen zu erreichen. Die Hoffnungen seien aber gering, so die Times of Israel.

Reuters/Amir Cohen
Seit rund zwei Monaten kommen keine Hilfsgüter mehr in den Gazastreifen

Mobilisierung bestätigt
Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir hatte laut einem Bericht des TV-Senders Channel 13 in den vergangenen Tagen gewarnt, dass Israel die Geiseln im Gazastreifen „verlieren“ könne, wenn es eine größere Operation startet. Die Minister in Netanjahus Kabinett ließen sich davon nicht beeindrucken. Inzwischen bestätigte auch Zamir die große Mobilisierung von Reservisten: „Diese Woche versenden wir Zehntausende Einberufungsbefehle an unsere Reservisten, um unsere Operation im Gazastreifen zu verstärken und auszuweiten.“

Nach Angaben des Nachrichtenportals ynet sollen einige Reservisten reguläre Truppen ablösen, die aktuell an der Nordgrenze oder im Westjordanland stationiert sind. Diese Einheiten sollen dann in den Gazastreifen verlegt werden. Für manche Reservisten ist es bereits der siebente Einsatz seit Beginn des Krieges.

„Können Gazastreifen nicht aushungern“
Heftig diskutiert wurde im Sicherheitskabinett laut Times of Israel über die Wiederaufnahme der Verteilung von Hilfsgütern. Der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir hielt dem Bericht zufolge die Aufnahme von Hilfslieferungen für „nicht nötig“. Militärchef Zamir verwies hingegen auf internationales Recht, dem Israel verpflichtet sei: „Wir können den Gazastreifen nicht aushungern.“

Das Kabinett beschloss – nicht einstimmig – einen neuen Plan für die Wiederaufnahme der Verteilung von Hilfsgütern. Es sei nun der Mechanismus überarbeitet worden, um eine Abzweigung von Gütern durch die Hamas zu minimieren. Internationale Organisationen und private Sicherheitsfirmen sollen die Hilfe verteilen.


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Verzweifelte Appelle ob Lage in Gaza


Das US-Nachrichtenportal Axios berichtete zuletzt, die USA und Israel planten, mit Hilfe einer privaten US-Firma Hilfsgüter an der Hamas vorbei in den Gazastreifen zu bringen. Das israelische Militär lässt seit etwa zwei Monaten keine humanitären Hilfsgüter mehr in den Gazastreifen. Eine Ausweitung der Angriffe dürfte die ohnehin prekäre humanitäre Lage im Gazastreifen weiter verschärfen. Erst kürzlich gab das Welternährungsprogramm bekannt, dass all seine Lebensmittelvorräte im Gazastreifen aufgebraucht seien.

Kritik der UNO
Schon vor der Verabschiedung dieses neuen Hilfsplans durch das Sicherheitskabinett kündigte die UNO an, diese Vorhaben aufgrund großer humanitärer Bedenken nicht zu unterstützen. Dieser Plan verstoße gegen grundlegende humanitäre Prinzipien und scheine darauf ausgelegt zu sein, die Kontrolle über lebenswichtige Güter als Druckmittel zu verstärken – als Teil einer militärischen Strategie, kritisierte das humanitäre UNO-Team im Gazastreifen.

Diese Strategie treibe die Zivilbevölkerung in militarisierte Zonen, um Rationen zu erhalten. Das könne für Menschen wie für Helfende lebensbedrohlich sein. Weniger mobile Menschen könnten so nicht erreicht werden, die Zwangsvertreibung werde vorangetrieben.
Die radikalislamische Terrororganisation Hamas bezeichnete den neuen israelischen Rahmen für die Bereitstellung von Hilfsgütern in Gaza als „politische Erpressung“. Man mache Israel für die humanitäre Katastrophe im Gazastreifen verantwortlich und stelle sich hinter die Haltung der UNO und damit gegen jegliche Vereinbarungen, die humanitäre Grundsätze verletzten, hieß es in der Erklärung der Hamas.

Wiederaufnahme der Angriffe Mitte März
Der Gaza-Krieg begann nach dem beispiellosen Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober 2023. Damals wurden rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden seither mehr als 52.500 Menschen im Gazastreifen getötet, mehr als 2.400 davon allein seit Wiederaufnahme der Angriffe am 18. März. Laut Israel befinden sich weiterhin 24 Geiseln und die Leichen von 35 Verschleppten in der Gewalt der Hamas. Ehemalige Geiseln berichten von unmenschlichen Bedingungen.
Angehörige: Regierung will Geiseln „opfern“
Das Forum der Geiseln und deren Angehörige kritisierten die Pläne des Sicherheitskabinetts. Diese würden jede Geisel in Gefahr bringen. Die Regierung wolle die Geiseln „opfern“. Die Vorhaben zeigten, dass es der Regierung wichtiger sei, Land zu erobern, als Geiseln zu befreien. Netanjahu hatte erst vergangene Woche gesagt, dass die Freilassung der Geiseln zwar „sehr wichtig“, das „oberste Ziel“ des Krieges jedoch der Sieg sei.
Angesichts der Warnungen Zamirs vor einer Offensive hieß es vonseiten des Forums der Geiseln, dass sich die überwältigende Mehrheit der Nation einig sei, dass ein israelischer Sieg nicht möglich sei, ohne die Geiseln nach Hause zu bringen. Die EU reagierte am Montag besorgt auf den „Eroberungsplan“ Israels und mahnte "höchste Zurückhaltung ein.

APA/AFP/Jack Guez
Eine aus dem Jemen abgefeuerte Rakete schlug am Sonntag in der Nähe des Flughafens von Tel Aviv ein

Huthis drohen mit „umfassender Luftblockade“
Mit der Wiederaufnahme der israelischen Angriffe im Gazastreifen nahm auch der Beschuss der Huthi-Miliz aus dem Jemen auf Israel wieder zu. Am Sonntag wurde ein Einschlag in der Nähe des internationalen Flughafens Ben Gurion bei Tel Aviv identifiziert. Acht Menschen wurden laut einem Rettungsdienst verletzt.

Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz drohte am späten Sonntagabend mit einer „umfassenden Luftblockade“ Israels und kündigte weitere Angriffe auf den Flughafen an. Das iranische Außenministerium wies am Montag eine Beteiligung an den Huthi-Angriffen zurück. Die Huthi-Miliz meldete indes am Montag mindestens 16 Verletzte nach einem Dutzend US-Luftangriffen im Jemen.
05.05.2025, red, ORF.at/Agenturen
Israel: Plan zur „Eroberung“ des Gazastreifens
 

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Krieg in Gaza
Israel beginnt neue Großoffensive
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Was sich bereits durch schwere Luftangriffe abgezeichnet hat, ist in der Nacht auf Samstag eingetreten: Die israelische Armee begann ihre neue Großoffensive im Gazastreifen. Das teilte das Militär in der Nacht mit. Für die Bevölkerung in dem kriegsgebeutelten Küstenstreifen dürfte sich die ohnehin bereits verheerende Situation noch weiter verschärfen.
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Im Laufe des vergangenen Tages habe die Armee damit begonnen, „umfangreiche Angriffe durchzuführen und Truppen zu mobilisieren, um die operative Kontrolle in Gebieten des Gazastreifens zu erlangen“. Das sei Auftakt zur „Erreichung der Kriegsziele“ – einschließlich der Freilassung von Geiseln und der Zerschlagung der islamistischen Terrororganisation Hamas, schrieb die Armee in der Nacht auf Samstag im sozialen Netzwerk X.

Die israelische Nachrichtenseite Ynet berichtete in der Nacht unter Berufung auf Quellen im Gazastreifen von neuen heftigen Explosionen im Norden des abgeriegelten Küstengebiets. Östlich der Stadt Gaza gebe es Berichte über Artilleriebeschuss durch die israelische Armee, hieß es. Demnach würden Wohngebäude bombardiert.

Starke Luftangriffe
Dem Beginn der neuen Offensive, die auch den weitreichenden Einsatz von Bodentruppen beinhalten dürfte, waren in den vergangenen Tagen starke Luftangriffe vorausgegangen. Dabei kamen laut der von der Terrororganisation Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen bereits Dutzende Menschen ums Leben.
Reuters/Ammar Awad
Die israelische Armee setzte vor dem Wochenende die verstärkten Luftangriffe auf den Gazastreifen fort

Allein von Donnerstag auf Freitag seien fast hundert Menschen getötet worden, hieß es. Die Angaben, die nicht zwischen Kombattanten und Zivilisten unterscheiden, lassen sich kaum unabhängig überprüfen.

Mehrfach angekündigt
Bereits vor der offiziellen Mitteilung der Armee hatte Ynet unter Berufung auf Sicherheitsbeamte gemeldet, die Luftangriffe seien eine Vorbereitung auf den Einmarsch weiterer Truppen. Die israelische Regierung hatte in den vergangenen Tagen und Wochen mehrfach eine solche neue Großoffensive angekündigt.
AP/Maya Alleruzzo
Mit der neuen Offensive rücken auch wieder verstärkt israelische Bodentruppen in den Gazastreifen vor

Mitte der Woche sagte Premier Netanjahu, Israel werde in den kommenden Tagen „mit voller Kraft“ im Gazastreifen vorrücken, „um den Einsatz abzuschließen“. Das bedeute die „Zerschlagung“ und „Zerstörung“ der Hamas. Bereits am 5. Mai hatte Netanjahu eine erweiterte Offensive in Aussicht gestellt. Das israelische Sicherheitskabinett billigte überdies Pläne, die die Besetzung des gesamten Gazastreifens ermöglichen könnten.

Offensive nach Ende von Trump-Reise in Region
Dabei dürfte die israelische Führung mit dem Beginn der Offensive bewusst das Ende der Nahost-Reise von US-Präsident Donald Trump abgewartet haben. Dieser hatte am Freitag seinen mehrtägigen Besuch in der Golfregion beendet und sich wieder auf den Rückweg in die USA gemacht.
Kurz vor seiner Abreise hatte der US-Präsident auf die Lage der Menschen im Gazastreifen Bezug genommen. Er sprach Freitagfrüh von einer „sehr ernsten Situation“. „Wir müssen uns darum kümmern. Viele Menschen hungern. Viele Menschen leiden unter der schlimmen Situation.“ Noch einen Tag zuvor hatte Trump freilich auch von einer Einnahme des Gazastreifens durch die USA gesprochen und das Vorhaben als „sehr gutes Konzept“ bezeichnet.

Bericht über neue Umsiedlungspläne der USA
NBC News berichtet am Freitag überdies, dass die US-Regierung an einem Plan zur dauerhaften Umsiedlung von bis zu einer Million Menschen aus dem Gazastreifen nach Libyen arbeiten würde. Die USA hätten bereits entsprechende Gespräche mit der libyschen Führung aufgenommen, so der US-Nachrichtensender, der sich auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen berief.

Im Gegenzug für die Umsiedlung der Menschen würde die US-Regierung Milliarden Dollar freigeben, die von den USA vor mehr als einem Jahrzehnt eingefroren worden waren, so NBC. In Libyen herrschen seit Jahren Chaos und Gewalt. Die Regierung in Tripolis im Westen ringt um die Macht mit einer Gegenregierung im Osten.

In den vergangenen Wochen hatten sowohl Trump als auch die israelische Regierung mehrfach laut über die Umsiedlung von Palästinensern nachgedacht, was teils scharfe internationale Kritik ausgelöst hatte.

Drohende Hungersnot
Die neue israelische Militäroffensive unter dem Namen „Gideons Streitwagen“ dürfte jedenfalls die Notlage der Menschen in dem dicht besiedelten und nach mehr als eineinhalb Jahren Krieg großflächig zerstörten Gazastreifen weiter verschärfen. Seit Anfang März lässt Israel keine Hilfslieferungen mehr in den Gazastreifen. Das Land wirft der Hamas vor, die Hilfsgüter weiterzuverkaufen, um ihre Kämpfer und Waffen zu finanzieren.
AP/Abdel Kareem Hana
Zahlreiche Organisationen warnen vor einer Hungersnot im Gazastreifen

Seit Wochen warnen die Vereinten Nationen ebenso wie zahlreiche Hilfsorganisationen davor, das Ausbleiben der Hilfe werde in dem kriegsgebeutelten Gebiet zu einer Hungersnot führen. Erst am Freitag sprach der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, angesichts der Angriffe und möglicher Umsiedelungen von Palästinensern von einer ethnischen Säuberung.

Israel arbeitet an neuen Verteilungszentren
Kürzlich beschloss Israels Sicherheitskabinett, künftig wieder Lieferungen in den Gazastreifen zu erlauben – jedoch mit einem neuen Mechanismus. Berichten zufolge sollen Güter dann nur noch von wenigen Standorten im Gazastreifen aus verteilt werden. In einem Bericht der BBC hieß es am Donnerstag, Satellitenbilder zeigten die Vorbereitung von zumindest vier Standorten. Laut der Times of Israel sollen 5.000 bis 6.000 geprüfte Personen alle ein bis zwei Wochen zu Fuß zu den Hilfszentren gehen dürfen, um dort eine etwa 18 Kilogramm schwere Kiste mit Lebensmitteln für ihre Familien abzuholen. US-Sicherheitsfirmen sollen den Vorgang absichern.

UNO-Kritik an Hilfsplänen
Die UNO hatte den neuen Mechanismus für die Hilfslieferungen bereits scharf kritisiert, unter anderem weil Zivilisten auf dem Weg zu den Verteilungszentren ins Kreuzfeuer des Krieges geraten und etwa alte und kranke Menschen diese erst gar nicht erreichen könnten.
Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor mehr als eineinhalb Jahren wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 53.100 Menschen im Gazastreifen getötet. Die Angaben, die sich derzeit nicht verifizieren lassen, unterscheiden nicht zwischen Kämpfern und Zivilbevölkerung.
17.05.2025 red, ORF.at/Agenturen

Krieg in Gaza: Israel beginnt neue Großoffensive
 

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ORF - Liveticker und diverse sonstige Beiträge zur Situation - Teil 1/2025:

2025:

09.06.: Israels Militär: Leiche von Hamas-Militärchef identifiziert
25.06.: Humanitäre Krise: Iran-Konflikt drängt Gaza in den Hintergrund

27.06.: Gaza-Hilfe wieder ausgesetzt: Suche nach Nahrung als „Todesfalle“

12.07.: Gaza-Krieg: Hamas setzt auf neue Taktiken
16.07.: Damaskus als Ziel: Israel weitet Angriffe in Syrien aus
22.07.: Gaza-Krieg: Internationaler Druck auf Israel wächst
28.07.: Gaza: Deutschland kündigt Luftbrücke an


04.08.: Geiselversorgung: Hamas stellt Bedingungen für IKRK-Einsatz
08.08.: Kritik an Gaza-Plänen: Berlin schränkt Waffenexport nach Israel ein
16.08.: Gaza-Stadt: Israels Militär rückt vor
20.08.: Israel will Gaza-Stadt bis zum Frühjahr 2026 unter Kontrolle haben
21.08.: Israel beginnt mit Offensive um Gaza-Stadt die "nächste Phase des Krieges"


16.09.: Ziel ist Besetzung: Berichte über Bodenoffensive in Gaza-Stadt
19.09.: „Beispiellose Gewalt“ gegen Hamas: Israels Armee drängt zu Flucht aus Gaza-Stadt

20.09.: "Ring aus Feuer": Berichte über heftige israelische Angriffe in Gaza-Stadt

10.10.: „Riesige Aufgabe“: Dringende Hilfe für Gaza soll wieder anlaufen
12.10.: Zerstörung immens: Hilfslieferungen treffen im Gazastreifen ein
15.10.: Bericht: Israel will Grenzübergang Rafah öffnen
20.10.: Angriffe und Tote: Bangen um Waffenruhe in Gaza
29.10.: Israel und Hamas: Beide Seiten testen Gaza-Waffenruhe


06.11.: Israels Armee weitet Angriffe im Südlibanon aus
10.11.: Gazastreifen: Soldaten erheben in Doku schwere Vorwürfe
14.11.: Trotz Waffenruhe Tote durch israelische Armee im Gazastreifen
22.11.: Mehrere Tote bei israelischen Angriffen und gewaltsamen Vorfällen in Gaza


06.12.: Hamas erklärt unter Bedingungen Bereitschaft zur Entwaffnung
20.12.: Vergeltungsschläge: US-Angriffe auf IS-Ziele in Syrien
 
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#70
UNO-Hilfsorgansisationen
„Neues Ausmaß der Verzweiflung“ in Gaza
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UNO-Hilfsorganisationen üben scharfe Kritik an Israels Armee in Gaza und der sich dort verschärfenden humanitären Lage. Die Hungerkrise habe „ein neues Ausmaß an Verzweiflung“ erreicht, so das Welternährungsprogramm (WFP) auf X. Die Armee habe am Sonntag zudem auf eine große Menschenmenge nahe einem WFP-Hilfskonvoi geschossen, zahlreiche Menschen seien getötet worden.
Online seit heute, 7.45 Uhr
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Der WFP-Konvoi aus 25 Lastwagen sei für die hungernden Menschen im nördlichen Gazastreifen bestimmt gewesen, so die UNO-Organisation. Als sich der Konvoi am Sonntag kurz nach Überqueren des Grenzübergangs Sikim einer wartenden Menschenmenge genähert habe, sei diese unter israelischen Beschuss geraten.

Zahlreiche Menschen seien getötet worden, viele weitere lebensbedrohlich verletzt worden. Man sei traurig und betroffen über den Vorfall. Die Menschen hätten lediglich versucht, an Nahrungsmittel zu gelangen, um sich und ihre Familien zu ernähren, „die kurz vor dem Verhungern stehen“, so das WFP weiter. Jede dritte Person bekomme tagelang nichts zu essen, die Hilfslieferungen seien die einzige Möglichkeit für die Menschen, an Nahrung zu kommen.

Der Vorfall mit dem Hilfskonvoi habe sich trotz der Zusicherung der israelischen Behörden ereignet, dass sich die Bedingungen für humanitäre Einsätze verbessern und bewaffnete Kräfte zu keinem Zeitpunkt entlang der Routen humanitärer Konvois präsent sein und eingreifen würden. Es sollten „niemals“ bewaffnete Gruppen in der Nähe von Hilfslieferungen sein, so die UNO-Organisation weiter.

Reuters/Dawoud Abu Alkas
Die Versorgung der Menschen in Gaza sei katastrophal, sagen Hilfsorganisationen

Dutzende Tote
Das israelische Nachrichtenportal Times of Israel berichtete, es sei nicht sofort klar gewesen, ob sie Opfer der israelischen Armee oder bewaffneter Banden oder von beiden wurden. Laut der von der Terrororganisation Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden mindestens 67 Menschen getötet. Insgesamt sollen am Sonntag mehr als 90 Hilfesuchende von israelischen Soldaten erschossen worden seien.
Die Zeitung zitierte die Armee mit der Aussage, dass Warnschüsse abgefeuert worden seien, „um eine unmittelbare Bedrohung für die Truppen zu beseitigen“. Israels Armee bestreitet laut Bericht die hohe Zahl an Opfern. Die jeweiligen Angaben können nicht unabhängig verifiziert werden.

Reuters/ReutersTV
Die Zerstörungen in Gaza sind gewaltig

Kritik an Hilfsgüterverteilung
Um die Verteilung von Lebensmitteln kümmert sich in weiten Teilen Gazas die umstrittene Gaza Humanitarian Foundation (GHF). Israel hatte den neuen Verteilmechanismus nach eigenen Angaben eingeführt, um zu verhindern, dass die Hamas Hilfsgüter abzweigt. Die UNO kritisiert, dass die Stiftung zu wenige Verteilzentren betreibt und dass Menschen dort und auf dem Weg dahin großen Gefahren ausgesetzt sind. Immer wieder gibt es Berichte über tödliche Zwischenfälle in der Nähe der GHF-Verteilstellen. Der Vorfall am Sonntag unterstreiche die zunehmend gefährlichen Bedingungen für humanitäre Maßnahmen, so das WFP. Vor Einführung des neuen Verteilmechanismus hatte die UNO für die rund zwei Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser in Gaza rund 400 Verteilstationen betrieben. Diese funktionieren weiterhin kaum, weil Israel deren Belieferung so gut wie gar nicht zulässt.

„Massenvertreibungsbefehl verheerend“
Das UNO-Nothilfebüro (OCHA) sprach weiters von einem „verheerenden Schlag“ für die humanitären Bemühungen durch einen neuen „Massenvertreibungsbefehl“ der israelischen Armee für Menschen in der Stadt Deir al-Balah im Zentrum Gazas. Die Armee kündigte am Wochenende an, die Einsätze in Deir al-Balah auszuweiten, und rief die Menschen in mehreren Vierteln auf, sich in den Südwesten zu begeben.

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Nach ersten Schätzungen hätten sich zum Zeitpunkt der Anordnung zwischen 50.000 und 80.000 Menschen in dem betroffenen Gebiet aufgehalten, erklärte OCHA. Darunter seien viele Menschen, die in Zelten untergebracht sind. Mindestens 1.000 Familien seien in den vergangenen Stunden aus dem Gebiet geflohen.

Warnung vor Folgen von neuem Einsatz
In dem neu ausgewiesenen Einsatzgebiet befinden sich nach Angaben von OCHA unter anderem mehrere Lagerhäuser für humanitäre Hilfe, vier Kliniken, ein Wasserreservoir sowie eine Pumpstation für Abwasser. „Jede Beschädigung dieser Infrastruktur wird lebensbedrohliche Folgen haben“, warnte OCHA.

Die BBC berichtete am Sonntag unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters, dass die israelische Armee in diesen Gebieten bisher nicht angegriffen habe, weil sie dort von der Hamas verschleppte Geiseln vermute. 20 der noch 50 im Gazastreifen vermuteten israelischen Geiseln sollen noch am Leben sein.

Am Montag drangen israelische Panzer in südliche und östliche Teile von Deir al-Balah vor. Dabei wurden nach Angaben von palästinensischen Sanitätern mindestens drei Menschen getötet. Dutzende Familien flohen in Richtung Küste und zur nahe gelegenen Stadt Chan Junis. Das Militär teilte mit, es gehe weiterhin „mit großer Härte vor, um die Fähigkeiten des Feindes und die terroristische Infrastruktur in dem Gebiet zu zerstören“.

Geiselangehörige drängen Regierung
Die Angehörigen der Geiseln reagierten besorgt auf die Mitteilung der Armee. Sie forderten die israelische Regierung in einer Erklärung dazu auf, „den israelischen Bürgern und Familien dringend zu erklären, wie der Kampfplan aussieht und wie genau dieser die Entführten schützt, die immer noch im Gazastreifen sind“.

Angehörige der Geiseln und ihre Unterstützer hatten sich am Samstag erneut zu Tausenden in Tel Aviv versammelt, um für ein Ende des Krieges und die Freilassung der Geiseln durch die Hamas zu demonstrieren. Israel und die Hamas führen derzeit in Katar indirekte Verhandlungen über ein neues Abkommen über eine Waffenruhe und die Geiselfreilassung.

Israels Generalstabschef: Abkommen möglich
Israels Generalstabschef Ejal Samir hält eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und ein Abkommen zur Freilassung von Geiseln aus der Gewalt der Hamas für zunehmend möglich. „Eure Erfolge im Feld (…) lassen die Niederlage der Hamas näher rücken und erzeugen das Potenzial für einen Geiseldeal“, sagte er nach Militärangaben am Sonntag bei einem Truppenbesuch im Gazastreifen.

Papst Leo XIV. drängte unterdessen am Sonntag auf ein „sofortiges Ende der Barbarei des Gaza-Krieges“. In der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom forderte er eine friedliche Lösung des Konflikts.

Hamas-Angriff am 7. Oktober
Der Gaza-Krieg wurde durch den Großangriff der Hamas und mit ihr verbündeter Gruppen auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst, bei dem nach israelischen Angaben rund 1.200 Menschen getötet worden waren. 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. In Gaza wurden laut Hamas-Gesundheitsbehörde fast 59.000 Menschen getötet. Diese unterscheidet nicht zwischen Kämpfern und Zivilbevölkerung. Israel bestreitet die Höhe der zivilen Opfer.
21.07.2025, red, ORF.at/Agenturen

UNO-Hilfsorgansisationen: „Neues Ausmaß der Verzweiflung“ in Gaza
 

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#71
Radartechnologie
Kriegskartografen Scher und Van Den Hoek: "Zerstörung in Gaza schlimmer als in Dresden 1945"
Ein Forscherteam kartiert mittels öffentlicher Satellitendaten und Radarwellen die Schäden in Kriegsgebieten. Europas Weltraumbehörde hat das Team jetzt in Wien ausgezeichnet

Ein Satellitenbild von Gaza-Stadt mit den laut Scher und Van Den Hoek wahrscheinlich zerstörten Gebäuden in Orange. Während optische Satellitenbilder mit den Wolken Probleme hätten, können Radarsatelliten durch sie hindurchschauen.
Planet Labs PBC, Schadensanalyse von Copernicus Sentinel-1 Satellitendaten durch Corey Scher und Jamon Van Den Hoek vom Conflict Ecology Lab der Oregon State Universität

Wie misst man das Ausmaß einer Katastrophe in einem Kriegsgebiet, das für Helfer und Journalisten kaum zugänglich ist? Spätestens seit dem Bürgerkrieg in Syrien versuchen immer mehr NGOs und Forscher, sich mit öffentlich verfügbaren Daten ein Bild von der Lage an kaum zugänglichen Orten zu machen: So werden etwa Satellitenbilder verglichen und Flug- oder Marinedatentracker verfolgt. Osint – kurz für Open Source Intelligence – nennt man das.

Zwei US-Forscher von der Oregon State Universität fallen auf dem Gebiet derzeit besonders auf: der Radarexperte Corey Scher und der Geograf Jamon Van Den Hoek. Sie sind Teil eines internationalen Teams für Konfliktforschung, der Decentralized Damage Mapping Group (DDMG), und wenden Methoden aus der Erdbeben- und Umweltforschung in Kriegsgebieten an.

Und das mit Erfolg: Ihre Auswertungen auf Basis öffentlich verfügbarer Satellitenradardaten werden vielfach zitiert. In Wien wurde ihr Team jüngst von der europäischen Weltraumbehörde Esa ausgezeichnet –

DER STANDARD traf sie zum Interview:

STANDARD: Wie würden Sie das Ausmaß der Zerstörung im Gazastreifen beschreiben?

Van Den Hoek: Gaza ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Zerstörung könnten historisch beispiellos sein. Der Großteil der Schäden, die wir heute sehen, entstand schon in den ersten drei Monaten des Krieges – mit Ausnahme von Rafah. Die Stadt im Süden wurde zwar bereits im Vorjahr beschädigt, aber erst in den vergangenen Monaten dem Erdboden gleichgemacht.

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Scher: Unsere letzte Schätzung zeigt, dass über 60 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen beschädigt oder zerstört sind. Um das in einen Kontext zu setzen: Das ist ein Ausmaß, das selbst jenes in den am schlimmsten betroffenen Städten in der Ukraine wie Bachmut übersteigt. Um einen historischen Vergleich zu finden, müssen wir bis zum Zweiten Weltkrieg zurückgehen. Selbst die Bombardierung von Dresden, die oft als Inbegriff der Zerstörung gilt, lag mit 54 Prozent beschädigter Gebäude unter dem, was wir heute flächendeckend in Gaza sehen.

Van Den Hoek: Darüber lagen da nur Warschau (mit rund 85 Prozent) und Hamburg (rund 75 Prozent).

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12. Oktober 2023:

25. Oktober 2023:

05. November 2023:

17. November 2023:


22. November 2023:

04. Dezember 2023:

16. Dezember 2023:

Gebäudedaten: The Humanitarian Data Exchange (HDX) - Zerstörungsdaten: Schadensanalyse von Copernicus Sentinel-1 Satellitendaten durch Corey Scher und Jamon Van Den Hoek vom Conflict Ecology Lab der Oregon State Universität

STANDARD: Sie blicken aus dem Weltraum auf Kriegsgebiete wie Gaza, aber nutzen dafür keine Satellitenfotos, sondern Radartechnologie. Wie kann man Zerstörung anhand von Mikrowellenstrahlung sichtbar machen?

Scher: Stellen Sie sich das wie eine normale Kamera vor. Der Blitz der Kamera beleuchtet ein Gebiet, und das Licht wird von den Objekten zurück zum Sensor reflektiert. Das Signal erzeugt ein Foto. Die Radartechnologie funktioniert ähnlich, nur dass sie kein fotografisches Bild erzeugt. Stattdessen sendet der Radarsatellit einen Impuls aus Radiowellen, der von der Erde zurückgeworfen wird – dabei werden dreidimensionale Objekte in dem gescannten Gebiet erfasst. Wenn ein Gebäude beschädigt ist, verändert sich seine Struktur im Vergleich zu der Zeit vor dem Krieg – und damit auch das Radarsignal. So können wir erkennen, wo sich etwas verändert hat. Die Methode wurde ursprünglich entwickelt, um Schäden nach einem Erdbeben zu erfassen. Wir haben sie für die langfristige Beobachtung von Kriegsauswirkungen in bebauten Gebieten angepasst. Gaza, anders als beispielsweise die Ukraine, hat ein recht trockenes, schneefreies Klima und keine großflächigen Gebiete mit sich bewegender Vegetation wie Ästen oder Sträuchern. Das ist für die Anwendung unserer Methode vorteilhaft, da es die Erkennung von Veränderungen im Radarsignal einfacher macht.

STANDARD: Immer mehr NGOs und Forscher versuchen, aus der Ferne die Schäden in Kriegsgebieten zu erfassen. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch zum Teil erheblich.

Van Den Hoek: Ja, leider. Wir sehen immer mehr Menschen, die – um es überspitzt zu sagen – eine Pause von ihrem Job im Aktienhandel einlegen, um am Wochenende einen "Kriegskartierungs-Hackathon" zu veranstalten. Sie erstellen dann schnell eine Karte, die zwar solide aussieht, aber auf wackeligen Methoden beruht. Plötzlich gibt es für eine Region sieben verschiedene Schadensanalysen, die sich massiv widersprechen. Das trägt nur zur Verwirrung bei. Außerdem kann man nicht einfach eine Methode, die in der Ukraine funktioniert, auf Gaza oder den Sudan übertragen. Jeder Konflikt hat seine eigene Dynamik, die man verstehen muss.

STANDARD: Sie spielen auf die Problematik der Zelte an?

Van Den Hoek: Genau, das ist eine der größten Herausforderungen in Gaza. Denn neue Gebäudestrukturen wie Zelte oder Wiederaufbau beeinflussen die Daten natürlich. Das muss man einkalkulieren. Auch innerhalb Gazas und der Ukraine gibt es Unterschiede: Der Krieg wird nicht überall gleich geführt.

Scher: Kriegsanalyse unterscheidet sich auch erheblich von der Erdbebenforschung. Wir müssen landschaftliche Veränderungen berücksichtigen, die mit dem Krieg zusammenhängen. Eine in Gaza häufig eingesetzte Bombe, die Mark 82, zerstört oder beschädigt zum Beispiel alles im Umkreis von 30 Metern. Ein einzelner Punkt auf einer Karte stellt das Ausmaß dieser Zerstörung nicht angemessen dar. Die Darstellung von Schäden durch Punktkoordinaten – wie es oft bei anderen Forschungsgruppen und humanitären Organisationen geschieht – vermittelt ein falsches Gefühl von Genauigkeit und bildet die geografische Dimension kriegsbedingter Prozesse nicht angemessen ab.

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Van Den Hoek: Wir können nur allgemeine Muster der Landschaftsveränderung betrachten, ohne zu wissen, was in den einzelnen Gebäuden geschieht. Das spiegelt jedoch nicht die alltägliche Realität des Krieges wider. Unsere Karten können die Erfahrungen oder Schicksale einzelner Menschen nicht erfassen. Häufig werden Karten fälschlicherweise als eindeutige Wahrheit dargestellt, ohne mögliche Abweichungen kenntlich zu machen – was besonders in Regionen wie Gaza problematisch ist, wo eine unabhängige Validierung kaum möglich ist.

Scher: Das kann tragische Folgen haben. Wir kennen den Fall einer Familie in Gaza, die aufgrund einer Karte dachte, ihr Haus stünde noch. Bei ihrer Rückkehr fanden sie nur Trümmer vor. Das Problem ist nicht unbedingt ein Fehler in den Daten, sondern die Illusion von hundertprozentiger Sicherheit, die beim Nutzer entstehen kann, wenn die Grenzen einer Methode nicht klar kommuniziert werden. Wenn wir satellitengestützte Daten nicht vor Ort überprüfen können – was in Kriegsgebieten oft der Fall ist –, müssen wir unser Bestes tun, um die wahrscheinlichen Schäden realistisch abzuschätzen.

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STANDARD: Ihre Zahlen und jene der Uno liegen sehr nah beieinander, obwohl unterschiedliche Methoden verwendet werden: rund 174.000 beschädigte oder zerstörte Gebäude in Gaza. Wie unterscheiden sich die Ansätze?

Van Den Hoek: Etablierte Organisationen wie das Satellitenzentrum der Vereinten Nationen (Unosat) verwenden in der Regel hochauflösende kommerzielle Satellitenbilder, die sehr detaillierte manuelle Auswertungen ermöglichen. Allerdings dürfen sie diese Bilddaten nicht veröffentlichen, was es schwierig macht, ihre Ergebnisse zu überprüfen. Wir hingegen setzen auf automatisierte, nachvollziehbare Methoden mit frei zugänglichen Radardaten der europäischen Sentinel-1-Satelliten.

STANDARD: Merken Sie als Forschende in den USA Einschränkungen durch die Trump-Regierung?

Van Den Hoek: Schon vor dem Amtsantritt der Trump-Regierung war der Zugang zu hochauflösenden Satellitenbildern stark eingeschränkt. Nun hat das Außenministerium jedoch die Weitergabe kommerzieller US-Daten durch US-Betreiber praktisch verboten. Und das, obwohl humanitäre Organisationen und die Uno stark darauf angewiesen sind. Bisher konnten sie Satellitenbilder beim Außenministerium anfordern. Das ist jetzt vorbei. Da jedoch scharfe Satellitenbilder von Gaza und Israel schon seit einiger Zeit nur begrenzt verfügbar sind, verwenden wir sie ohnehin kaum für Schadensanalysen – nur zur Überprüfung. Unser Team benötigt sie jedoch für die Untersuchung der Zerstörung von landwirtschaftlichen Flächen. Planet Labs ist eines der wenigen Unternehmen, die Journalisten und humanitären Helfern eine Fülle von Bildmaterial zur Verfügung gestellt haben.

Wären in Wien 60% der Gebäude zerstört...
...gäbe es die Bezirke 1 bis 20 sowie Teile des 23. Bezirks nicht mehr.

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STANDARD: Ihre Analysen werden weltweit zitiert. Was treibt Sie an?

Scher: Dringlichkeit und Verantwortung. Wir haben das lange Zeit ohne jegliche Finanzierung gemacht und Dinge wie Cloud-Speicher aus eigener Tasche bezahlt.

Van Den Hoek: Unser Ziel mit DDMG ist es, systematisch mehr Konflikte zu kartieren, die weniger im Rampenlicht stehen – Sudan, Äthiopien und so weiter –, damit die betroffenen Menschen eines Tages die Daten für gute Zwecke nutzen können.
(Interview: Robin Kohrs, Flora Mory, Daten und Grafiken: Robin Kohrs, 2.8.2025)

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Das "Rafah-Modell": Wie Israel die Karte Gazas neu zeichnet

Zu den Personen: Der US-Amerikaner Jamon Van Den Hoek (44) ist außerordentlicher Professor an der Oregon State University. Auch sein Kollege, der ebenfalls aus den USA stammende Postdoktorand Corey Scher (34), forscht und unterrichtet an der öffentlichen Forschungseinrichtung im US-Bundesstaat Oregon. Ihre Karten und Grafiken über Konflikte und Katastrophen sind bereits in der New York Times und diversen anderen Medien erschienen.


Wie misst man Schäden in einem Kriegsgebiet? DER STANDARD sprach mit zwei US-Forschern, die genau das tun: Corey Scher (links unten) von der City University of New York und Jamon Van Den Hoek (links oben) von der Oregon State University. Sie sind Teil der Decentralized Damage Mapping Group, zu der auch Lina Eklund (Mitte) von der Universität Lund, Eoghan Darbyshire (rechts unten) vom Conflict and Environment Observatory, Marie Schellens (rechts oben) vom Pax for Peace sowie zehn weitere internationale Forscher gehören.
DDMG
Kriegskartografen Scher und Van Den Hoek: "Zerstörung in Gaza schlimmer als in Dresden 1945"
 

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#72
„Übernahme“ von Gaza-Stadt
Auf mehrere Monate ausgelegter Plan
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Mit dem vom Sicherheitskabinett genehmigten Plan zur „Übernahme“ von Gaza-Stadt weitet Israel den seit rund 22 Monaten geführten Krieg gegen die Terrororganisation Hamas ein weiteres Mal aus. Wie am Freitag kolportiert, sei die großangelegte Militäroperation auf mehrere Monate ausgelegt und umfasst in einer ersten Stufe die vollständige Räumung der im Norden des Gazatreifens gelegenen Stadt.
Online seit heute, 11.08 Uhr
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Die israelische Armee wartet laut Medienberichten noch auf den endgültigen Operationsplan. Nach dem grünen Licht im Sicherheitskabinett werde dessen Genehmigung durch Premier Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz nach Angaben vom Nachrichtenportal Axios „in den kommenden Wochen“ erwartet.

Das Ziel sei es, bis 7. Oktober alle palästinensischen Zivilisten und Zivilistinnen aus Gaza-Stadt in die zentralen Lager und andere Gebiete zu bringen, so ein namentlich nicht genannter, laut Axios mit der Sache vertrauter, israelischer Beamter. Erneut stünden damit Hunderttausende vor einer Umsiedlung. Über die Zahl der in Gaza-Stadt befindlichen Palästinenser und Palästinenserinnen gibt es nur Schätzungen – zuletzt genannte Zahlen reichten von um die 700.000 bis zu einer Million.

Nach erfolgter Räumung der Stadt sollen die in Gaza-Stadt verbliebenen Hamas-Kämpfer belagert werden, gleichzeitig soll eine Bodenoffensive durchgeführt werden, so der von Axios zitierte Beamte. Erklärtes Ziel sei die vollständige Kontrolle von Gaza-Stadt. In der Folge stehe laut dem Nachrichtenportal Times of Israel dann auch ein Vorrücken „in die verbleibenden, noch nicht eingenommenen Gebiete des Gazastreifens“ im Raum.

Die gesamte Operation könnte sich israelischen Berichten zufolge über rund ein halbes Jahr ziehen. Die Zeitung „Israel Haymon“ nannte einen Zeitrahmen von sieben Monaten. Dazu komme die Einberufung von schätzungsweise 200.000 Reservisten.

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Großteil von Gazastreifen unter Israels Kontrolle
Mit der Umsetzung dieses Plans würde Israel nun auch Bodentruppen auch in die wenigen verbliebenen Gebiete des Gazastreifens entsenden, die noch nicht vollständig zerstört sind. Israel kontrolliert gegenwärtig bereits rund drei Viertel des weitgehend zerstörten Küstenstreifens, in dem insgesamt etwa zwei Millionen Palästinenser und Palästinenserinnen leben. Seit Anfang der Woche war über eine komplette Einnahme des Gazastreifens durch Israel spekuliert worden.

Auch Netanjahu sprach unmittelbar vor der Sitzung des Sicherheitskabinetts am Donnerstag gegenüber dem US-Sender Fox noch von einer vollständigen Übernahme des Gazastreifens. Israel wolle den Küstenstreifen nicht dauerhaft übernehmen, sondern diesen von der Hamas befreien und dann an arabische Kräfte übergeben, „die ihn ordnungsgemäß regieren werden, ohne uns zu bedrohen“.

Times of Israel verweist dazu auf fünf vom Sicherheitskabinett nun beschlossene Voraussetzungen zur Beendigung des Gazakrieges. Diese umfassen demnach „die Entwaffnung der Hamas, die Rückkehr aller Geiseln, die Entmilitarisierung des Gazastreifens, die fortgesetzte Sicherheitskontrolle Israels über den Gazastreifen und eine zivile Nachkriegsregierung, die die Hamas und die Palästinensische Autonomiebehörde ausschließt“.

IMAGO/Anadolu Agency/Salahedd in Mohamad
Luftaufnahme von Gaza-Stadt

Hitzige Debatte im Sicherheitskabinett
Im Vorfeld der Sitzung des Sicherheitskabinetts hatte es Spekulationen über Meinungsverschiedenheiten zwischen Netanjahu und dem israelischen Armeechef Ejal Samir gegeben. Der Generalstabschef soll unter anderem eingewandt haben, dass ein ausgeweiteter Militäreinsatz das Leben der von der Hamas noch immer festgehaltenen Geiseln gefährde.

Laut CNN habe er zudem vor der Gefahr einer Verschärfung der humanitären Krise in Gaza sowie den den internationalen Auswirkungen einer solchen Eskalation gewarnt. „Seine Bedenken wurden jedoch in der hitzigen Sitzung des Sicherheitskabinetts beiseite gewischt“, so CNN mit Verweis auf einen Beamten.

AP/Jehad Alshrafi
Armeechef Samir warnte laut CNN vor einer Verschärfung der humanitären Lage

Spekulationen über Verhandlungstaktik
Diverse Medien spekulieren in diesem Zusammenhang, dass die nun erfolgte Ankündigung einer Ausweitung der Kämpfe auch Teil einer Verhandlungstaktik sein könnte, um die Hamas in den festgefahrenen Verhandlungen um eine Waffenruhe unter Druck zu setzen. Israelische Politiker deuteten eine solche Strategie an. Der N12-Sender berichtete, Katar und Ägypten sowie die Türkei würden bereits Druck auf die Hamas ausüben, rasch an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Monatelange indirekte Verhandlungen zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas über eine neue Waffenruhe und die Freilassung weiterer Geiseln waren zuvor ergebnislos geblieben. Nach israelischer Einschätzung befinden sich noch 50 Geiseln in Gaza, davon sollen 20 noch am Leben sein.

7. Oktober 2023
Ausgelöst wurde der Gaza-Krieg durch den Überfall der Hamas und weiterer islamistischer Terrororganisationen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem etwa 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Seither wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 61.000 Menschen getötet.
09.08.2025, pepr, ORF.at/Agenturen

„Übernahme“ von Gaza-Stadt: Auf mehrere Monate ausgelegter Plan
 

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#73
Fachleute zu Gaza
Kriterien für Genozid durch Israel erfüllt
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Die weltweit führende Vereinigung von Völkermordforscherinnen und -forschern sieht die rechtlichen Kriterien für einen Genozid durch Israel im Gazastreifen als erfüllt an, wie am Montag bekanntwurde. Kurz zuvor hatte die „Washington Post“ über einen Nachkriegsplan der US-Regierung für Gaza berichtet, der eine Umsiedelung der Bevölkerung vorsieht.
Online seit heute, 14.20 Uhr
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In einer am Montag verabschiedeten Resolution der Vereinigung International Association of Genocide Scholars (IAGS) heißt es, Israels Politik und Vorgehen in Gaza erfüllten die rechtliche Definition von Völkermord gemäß der UNO-Konvention von 1948.

Die Resolution sei mit einer Mehrheit von 86 Prozent der abstimmenden Mitglieder verabschiedet worden, teilte IAGS-Präsidentin Melanie O’Brien mit. Eine Stellungnahme des israelischen Außenministeriums liegt noch nicht vor.

APA/AFP/Bashar Taleb
Gemäß UNO-Konvention von 1948 begehe Israel in Gaza Völkermord, so die Resolution

Israel wies Vorwurf zurück
Israel hat den Vorwurf des Völkermordes stets zurückgewiesen, sein Vorgehen als Selbstverteidigung gerechtfertigt und wehrt sich vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag gegen eine entsprechende Klage.

Die im Gazastreifen agierende und von Israel bekämpfte radikalislamische Hamas begrüßte die Resolution. „Diese angesehene wissenschaftliche Haltung untermauert die dokumentierten Beweise und Fakten, die vor internationalen Gerichten vorgelegt wurden“, sagte Ismail al-Thawabta, Direktor des Medienbüros der Hamas-Regierung.

„Endgültige Aussage von Experten“
Die UNO-Völkermordkonvention von 1948 definiert Völkermord als Verbrechen, die „in der Absicht begangen werden, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zerstören“. Völkerrechtsprofessorin O’Brien sagte der Nachrichtenagentur Reuters: „Es ist eine endgültige Aussage von Experten auf dem Gebiet der Völkermordforschung, dass das, was in Gaza geschieht, Völkermord ist.“
In der Resolution heißt es zudem, dass auch der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, der den Krieg auslöste, internationale Verbrechen darstelle. Nach israelischen Angaben wurden dabei rund 1.200 Menschen getötet. 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. In Gaza wurden laut Hamas-Gesundheitsbehörde rund 63.000 Menschen getötet. Sie unterscheidet nicht zwischen Kämpfern und Zivilbevölkerung. Israel bestreitet die Höhe der zivilen Opferzahlen.

Eine von den Vereinten Nationen herangezogene Beobachtungsstelle für Hunger gibt an, dass Teile des Gebiets unter einer von Menschen verursachten Hungersnot leiden, was Israel jedoch bestreitet.

Reuters/Dawoud Abu Alkas
Die israelische Regierung bestreitet Berichte über eine Hungersnot in Gaza

Bericht: US-Plan sieht Umsiedlung vor
Zuvor war am Wochenende ein innerhalb der US-Regierung kursierender Nachkriegsplan für den Gazastreifen bekanntgeworden. Die „Washington Post“ berief sich am Sonntag auf ein 38-seitiges Konzeptpapier, das ihr vorliege. Dieses sieht eine Umsiedlung der Bevölkerung, eine mindestens zehnjährige Verwaltung des Gebiets durch die USA und den Wiederaufbau als Tourismusort sowie als Industriezentrum vor.

Der Plan mit dem Namen „Gaza Reconstitution, Economic Acceleration and Transformation Trust“ (GREAT Trust) sei von der umstrittenen, von den USA unterstützten Hilfsgruppe Gaza Humanitarian Foundation (GHF) ausgearbeitet worden. Die GHF koordiniert ihre Arbeit mit dem israelischen Militär und setzt private US-Sicherheits- und -Logistikunternehmen ein, um Lebensmittel in den Gazastreifen zu liefern.

APA/AFP
Ein neuer US-Plan für Gaza sieht laut Medienbericht die Umsiedlung aller Bewohnerinnen und Bewohner vor

„Digitaler Token“ als Entschädigung vorgesehen
Dem „Washington Post“-Bericht zufolge sollen die zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des Gazastreifens das Gebiet zumindest vorübergehend verlassen, entweder durch freiwillige Ausreisen in ein anderes Land oder durch den Umzug in dortige Sperrgebiete. Grundbesitzer sollen im Gegenzug für die Freigabe ihrer Grundstücke zur Neuentwicklung einen „digitalen Token“ erhalten. Jeder Palästinenser, der das Gebiet verlasse, solle zudem 5.000 Dollar in bar, Mietzuschüsse für vier Jahre und Lebensmittel für ein Jahr erhalten, hieß es weiter.

Keine Stellungnahme des Weißen Hauses
Eine Stellungnahme des Weißen Hauses und des US-Außenministeriums liegt nicht vor. Der Plan scheint mit früheren Äußerungen von US-Präsident Donald Trump übereinzustimmen. Dieser hatte am 4. Februar erstmals öffentlich gesagt, die USA sollten das kriegszerstörte Gebiet „übernehmen“ und es nach der Umsiedlung der palästinensischen Bevölkerung als „Riviera des Nahen Ostens“ wiederaufbauen.

Trumps Äußerungen über eine angeblich freiwillige Umsiedlung aus dem Gazastreifen hatten bei vielen Palästinensern und humanitären Organisationen für Empörung gesorgt.
01.09.2025, red, ORF.at/Agenturen

Fachleute zu Gaza: Kriterien für Genozid durch Israel erfüllt
 

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#74
Gaza-Stadt-Offensive
Israel rückt „Richtung Zentrum vor“
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Die israelische Armee hat am Dienstag den Auftakt einer großangelegten Offensive mit Bodentruppen in Gaza-Stadt bestätigt. „Wir rücken Richtung Zentrum vor“, hieß es dazu vonseiten des israelischen Militärs. Die seit Wochen angekündigte und international scharf kritisierte Bodenoffensive sei in der Nacht angelaufen. Mit einher ging der neuerliche Aufruf für die noch in der Stadt verbliebenen Menschen, diese Richtung Süden zu verlassen.
Online seit heute, 14.37 Uhr
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An der vom israelischen Militär als „neue Phase“ im Kampf gegen die islamistische Terrororganisation Hamas bezeichnete Operation seien zwei Divisionen, bestehend aus Zehntausenden Soldaten, beteiligt. In den kommenden Tagen soll eine weitere Division dazukommen, wie das Nachrichtenportal Times of Israel mit Verweis auf israelische Medien berichtete.

Israel vermutet in Gaza-Stadt noch bis zu 3.000 kampfbereite Hamas-Mitglieder. Die Militäroffensive wurde bereits Anfang August vom israelischen Sicherheitskabinett abgesegnet. In Folge verschärfte die israelische Armee zunächst ihre Luftangriffe und brachte am Stadtrand und in einigen Außenbezirken von Gaza Stadt Bodentruppen in Stellung.

Reuters/Amir Cohen
Israel verschärfte zuletzt Angriffe auf Ziele in und um Gaza-Stadt

Augenzeugen berichteten gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von heftigen Angriffen auf die Stadt. Häuser seien zerstört, Menschen unter den Trümmern verschüttet. Die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA sprach mit Verweis auf der von der Hamas geführten Zivilschutzbehörde vom Gazastreifen von Dutzenden Toten.

Militär erwartet „komplexen Häuserkampf“
In der nun angelaufenen Bodenoffensive will das israelische Militär die Kontrolle über das gesamte Stadtgebiet erlangen. „In den kommenden Tagen und Wochen sollen die Bodentruppen tiefer in die Stadt vordringen und sie umzingeln, um die dortigen Kräfte der Hamas zu besiegen“, zitierte Times of Israel einen Militärsprecher.

Man stelle sich auf einen „komplexen Häuserkampf“ mit „vielen Herausforderungen“ ein. Es handle sich um ein „schrittweises Manöver“, an dem Luft- und Bodenstreitkräfte beteiligt seien. Ziel sei es, die Hamas-Kräfte in diesem Gebiet auszuschalten. Unter der Stadt vermutet das Militär ein ausgedehntes, unterirdisches Tunnelnetzwerk der Hamas.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte zuletzt erklärt, die israelische Armee gehe „mit eiserner Faust“ gegen „terroristische Infrastruktur“ in Gaza-Stadt vor. „Gaza brennt“, fügte er im Onlinedienst X hinzu.

Geschätzte 600.000 Menschen in der Stadt
Man werde alles unternehmen, um die Sicherheit der 48 verbliebenen Geiseln und der Zivilisten in Gaza zu gewährleisten, sagte der Militärsprecher weiter. Rund 40 Prozent der Zivilbevölkerung – mehr als 350.000 Menschen – hätten die Stadt nach israelischen Militärinformationen bereits verlassen. Schätzungen zufolge befinden sich noch 600.000 Zivilisten in der Stadt. Die Armee hat die Menschen dazu aufgerufen, sich in eine humanitäre Zone im Süden des Küstenstreifens zu begeben.

IMAGO/Anadolu Agency/Salaheddin Mohamad
Weite Teile von Gaza-Stadt sind zerstört

Nach Angaben der Zeitung „Haaretz“ hätten viele in der Stadt verbliebenen Menschen gar nicht die Möglichkeit, die Stadt zu verlassen, selbst wenn sie wollten. Das liege auch an den Kosten. Sechs Kilometer Fahrt würden rund 1.500 Dollar (1.280 Euro) kosten, wenn man zumindest ein wenig von seinem Hab und Gut mitnehmen wolle, zitiert die Zeitung einen Mann, der offenbar Fluchtfahrten aus Gaza-Stadt durchführt.

Angehörige der Geiseln protestieren
In Jerusalem versammelten sich laut „Haaretz" indes Angehörige der israelischen Geiseln vor dem Privatsitz von Israels Premier Benjamin Netanjahu. Das Forum der Angehörigen äußerte große Besorgnis aus Angst um deren Leben. Nach 710 Nächten in der Gewalt von Terroristen „könnte heute Nacht die letzte Nacht für die Geiseln sein“, hieß es in einer Erklärung des Angehörigenforums.

Netanjahu entscheide sich bewusst dafür, „sie aus politischen Erwägungen zu opfern“. Er ignoriere dabei völlig die Einschätzungen des Generalstabschefs und der Sicherheitsbehörden, hieß es in der Mitteilung weiter. Israelische Medien berichteten unter Berufung auf palästinensische Quellen, die Hamas habe Geiseln aus unterirdischen Tunneln geholt und in Häuser und Zelte der Stadt gebracht, um die israelische Armee an Einsätzen in bestimmten Gebieten zu hindern.

UNO-Kommission: Genozid
Gaza-Stadt ist nach israelischen Angaben eine der letzten Hochburgen der Hamas im Gazastreifen. International wird die Ausweitung der israelischen Offensive in Gaza scharf kritisiert. Die Europäische Union forderte angesichts der angelaufenen Offensive am Dienstag ein Ende des „Kreislaufs von Gewalt, Zerstörung und Leiden“. „Eine militärische Intervention wird zu mehr Zerstörung, mehr Tod und mehr Vertreibung führen“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Zudem werde das auch „die bereits katastrophale humanitäre Lage verschärfen und die Leben der Geiseln gefährden“.

Der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, forderte Israel nach Bestätigung der Gaza-Stadt-Bodenoffensive auf, diese unverzüglich wieder einzustellen. Eine von der UNO eingesetzte unabhängige Untersuchungskommission warf Israel am Dienstag vor, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen.

7. Oktober 2023
Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas und ihre Verbündeten hatten mit ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 den Gaza-Krieg ausgelöst. Bei dem Großangriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1.200 Menschen getötet, 251 weitere wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bisher mehr als 64.900 Menschen getötet.
16.09.2025, red, ORF.at/Agenturen

Gaza-Stadt-Offensive: Israel rückt „Richtung Zentrum vor“
 

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#75
Hamas-Antwort noch offen
Hürden für Trumps Gaza-Friedensplan
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International wird der am Montag vorgestellte Friedensplan von US-Präsident Donald Trump für den Gaza-Krieg als wichtiger diplomatischer Schritt gewürdigt. Trump sagte bei seinem Treffen mit Israels Premier Benjamin Netanjahu in Washington, es sei „wahrscheinlich einer der größten Tage in der Zivilisation“. Ihm selbst würde eine Führungsrolle bei der Umsetzung seiner Vorschläge zukommen. Der 20-Punkte-Plan bleibt in vielem vage und umfasst einige Hürden.
30. September 2025, 19.56 Uhr
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Der Plan wurde von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff und seinem Schwiegersohn Jared Kushner erarbeitet. Gehört wurden auch Vertreter Israels, europäischer und arabischer Länder. Die radikalislamische Terrororganisation Hamas war in die Erarbeitung des Plans nicht involviert. Eine Antwort der Hamas steht noch aus und wird erst in den nächsten Tagen erwartet.

Ein Hamas-Vertreter sagte gegenüber der BBC, dass die Bedingungen die Interessen der Palästinenser weitgehend nicht wahren würden. Eine andere Quelle aus dem Umfeld der Hamas kritisierte, dass der Plan „völlig parteiisch zugunsten Israels“ sei und „unmögliche Bedingungen“ stelle. Mit der geforderten Freilassung der noch in ihrer Gewalt verbliebenen Geiseln würde die Hamas ein für sie wichtiges Druckmittel gegenüber Israel aus der Hand geben. Zudem reagierte die Hamas bisher immer mit Widerstand auf Forderungen nach ihrer Entwaffnung und Entmachtung.

Bericht: Netanjahu sicherte sich Änderungen zu
Auch in Israel ist eine Umsetzung nicht garantiert. Netanjahu stimmte dem Plan bei seinem Treffen mit Trump zwar zu. Innenpolitisch könnte es dennoch schwierig für ihn werden, das durchzusetzen. Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotritsch bezeichnete Trumps Plan als „eklatanten diplomatischen Fehlschlag“. Seiner Einschätzung nach werde „auch das in Tränen enden“. Smotritsch und auch der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, hatten sich schon in der Vergangenheit gegen Vorschläge zur Beendigung des Krieges gestellt und mit dem Sturz der Regierung gedroht.

Reuters/Jonathan Ernst
Netanjahu (l.) bemühte sich um Änderungen von Trumps Friedensplan zugunsten Israels

Entsprechend versuchte der israelische Premier offenbar noch vor seinem Gespräch mit Trump über Witkoff und Kushner auf den Plan Einfluss zu nehmen, berichtete die Times of Israel. Netanjahu habe sich bei Trumps Plan in letzter Minute wichtige Änderungen gesichert. So habe er etwa den geforderten Rückzug der Armee aus dem Gazastreifen verlangsamt und eingeschränkt.

„Jetzt übt die ganze Welt einschließlich der arabischen und muslimischen Welt Druck auf die Hamas aus, die Bedingungen zu akzeptieren, die wir gemeinsam mit Trump ausgearbeitet haben, um alle Geiseln – die Lebenden und die Toten – zurückzuholen, während die israelische Armee im größten Teil des Gazastreifens bleibt“, sagte Netanjahu in einem Video, das er in sozialen Netzwerken veröffentlichte.


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„Moderater Rückzug“ Israels
Eine der zentralen Forderungen der Hamas war bisher der vollständige Rückzug Israels aus dem Gazastreifen. Es werde schwierig sein für die Hamas, den US-Vorschlag in seiner jetzigen Form zu akzeptieren, sagte ein arabischer Diplomat gegenüber der Times of Israel. Denn während die Hamas laut Plan innerhalb von 72 Stunden nach Zustimmung beider Seiten zum Friedensplan die Geiseln freilassen müsste, wäre der Spielraum beim Abzug der israelischen Armee größer.

Derzeit heißt es in Trumps Plan, dass sich die Armee auf die vereinbarte Linie zurückziehen werde, ohne diese näher zu erläutern. Netanjahu sprach von einem „moderaten Rückzug“ aus dem Gazastreifen vor der Freilassung der Geiseln, auch danach solle die israelische Armee „auf absehbare Zeit“ in einem Sicherheitskorridor bleiben.

„Ultimatum an Hamas“
Netanjahu ließ bereits wissen, dass er entscheide, ob die Hamas die Vereinbarungen einhalte oder nicht. Wenn sie den Plan nur angeblich akzeptiere und alles tue, um den Plan zu unterlaufen, werde Israel die „Aufgabe“ im Gazastreifen selbst zu Ende bringen, warnte er. Sollte die Hamas dem Vorschlag nicht zustimmen, hätte Israel die „volle Unterstützung“ der USA, „um die Bedrohung durch die Hamas endgültig zu beseitigen“.
Die „New York Times“ („NYT“) sprach von einem „Ultimatum an die Hamas“. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass Israel seine Militäraktion im Gazastreifen mit US-Unterstützung intensivieren könnte.

Plan bleibt vage
Viele Aspekte in Trumps Friedensplan sind vage formuliert und würden neue Verhandlungen über die Details notwendig machen. Neben Details dazu, wie weit sich Israel zurückziehen muss, sind etwa auch die Details zur Freilassung der Geiseln und die Bedingungen für die Nachkriegsregierung unkonkret. „Jeder einzelne Punkt wird bis zum Umfallen verhandelt werden“, so der Nahost-Experte des Carnegie Endowment for International Peace, Aaron David Miller, gegenüber der „New York Times"("NYT“).

Vage bleiben auch die Formulierungen zu einem Staat Palästina. Der Plan schließt diesen nicht grundsätzlich aus. Es heißt, dass im Zuge einer Reform der Palästinensischen Autonomiebehörde „endlich die Voraussetzungen für einen glaubwürdigen Weg zur Selbstbestimmung und Staatlichkeit der Palästinenser geschaffen werden könnten“.

Netanjahu hatte vergangene Woche in seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung einen eigenen Palästinenserstaat als „puren Wahnsinn“ bezeichnet. In einem Video, das er nach dem Gespräch mit Trump veröffentlichte, teilte er ebenfalls mit, dass es in dem Plan keine Klausel für einen palästinensischen Staat gebe und dass sich Israel „mit aller Kraft“ dagegen wehren werde.

„Niemand wird gezwungen, Gaza zu verlassen“
Eine lokale, technokratische Übergangsregierung soll dem Plan zufolge zunächst den Gazastreifen verwalten, unter Aufsicht eines Friedensrats, dem Trump vorstehen will. Beteiligen sollen sich auch der britische Ex-Premier Tony Blair sowie andere Staats- und Regierungschefs. Die Palästinensische Autonomiebehörde soll, sobald sie so weit ist, die Kontrolle übernehmen.

Die USA würden jedenfalls stark zum Einsatz kommen, sagte Miller gegenüber der „NYT“. Trump habe sich zu etwas verpflichtet, das ein außerordentliches Maß an amerikanischem Engagement und Überwachung erfordern werde. Trump „hat sich selbst zum wichtigsten Überwacher gemacht“.

Offen bleibt, welche wirtschaftlichen Pläne Trump im Gazastreifen hat. Seinen im Februar vorgestellten und heftig kritisierten „Riviera“-Plan, laut dem er die palästinensische Bevölkerung absiedeln wollte, um aus der Küste des Gazastreifens eine „Riviera des Nahen Ostens“ zu machen, legte er offenbar beiseite. Vielmehr sollen die Palästinenser mit seinem Plan ermutigt werden, im Gazastreifen zu bleiben: „Niemand wird gezwungen, Gaza zu verlassen.“
sile, ORF.at/Agenturen

Hamas-Antwort noch offen: Hürden für Trumps Gaza-Friedensplan
 

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#76
Vor Ultimatum
Hamas will „alle Fragen“ zu US-Plan klären
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Die Terrororganisation Hamas signalisiert weiterhin Verhandlungsbereitschaft über den von US-Präsident Donald Trump vorgelegten Friedensplan mit Israel samt Ultimatum bis Sonntag. Sie sei zur Klärung „aller Fragen“ bereit, hieß es am Samstag. Zuvor hatte sie erklärt, alle noch im Gazastreifen verbliebenen Geiseln freilassen zu wollen. Deren Angehörige sprachen von „entscheidenden Tagen“, Medien berichteten von Gesprächen in Kairo. Trump fordert Israel indes auf, den Beschuss von Gaza-Stadt einzustellen. Israel setzt seine Offensive dort aber weiter fort.
4. Oktober 2025, 12.26 Uhr (Update: 4. Oktober 2025, 18.25 Uhr)
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Die Hamas erklärte am Freitag und Samstag, sie sei nach Vorlage von Trumps Friedensplan letzten Montag damit einverstanden, „unverzüglich Verhandlungen aufzunehmen, um alle Fragen zu klären“, wie die französische Nachrichtenagentur AFP zitierte. Die radikalislamische Gruppe habe Vermittlern entsprechend mitgeteilt, dass sie bereit sei, „sofort mit der Umsetzung des Austauschs“ der Geiseln gegen palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen zu beginnen, „sobald eine Vereinbarung zur Vorbereitung der Bedingungen vor Ort getroffen“ worden sei.

Die Hamas hatte zuvor mitgeteilt, sie sei zur „Freilassung aller Geiseln“ bereit. Außerdem wolle sie die sterblichen Überreste toter Geiseln an Israel übergeben, wie in dem US-Plan vorgeschlagen. Ihrer ebenfalls vorgesehenen Entwaffnung stimmte die Hamas bisher jedoch nicht ausdrücklich zu. Trump hatte allerdings erklärt, dass die Hamas offenbar „zu einem dauerhaften Frieden bereit“ sei.

Auch Islamischer Dschihad stimmt zu
Israels Regierung erklärte daraufhin, dass sie die „sofortige Umsetzung“ des Trump-Plans zur Befreiung der israelischen Geiseln aus dem Gazastreifen plane. „Nach der Reaktion der Hamas bereitet sich Israel auf die sofortige Umsetzung der ersten Phase des Trump-Plans zur Freilassung aller Geiseln vor“, erklärte das Büro von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Samstag.

„Wir werden weiterhin eng mit dem Präsidenten und seinem Team zusammenarbeiten, um den Krieg im Einklang mit den von Israel festgelegten Grundsätzen zu beenden, die mit der Vision von Präsident Trump übereinstimmen“, hieß es weiter. International wurden die jüngsten Entwicklungen begrüßt.

in Gaza-StadtEbrahim Hajjaj
Nach Angaben aus Israel ist bereits mehr als eine halbe Million Menschen aus Gaza-Stadt geflohen

Nicht unwesentlich: Auch die palästinensische Extremistengruppe Islamischer Dschihad unterstützte die Entscheidung der Hamas. „Die Reaktion der Hamas auf Trumps Plan stellt die Position der palästinensischen Widerstandsfraktionen dar, und der Islamische Dschihad hat verantwortungsvoll an den Konsultationen teilgenommen, die zu dieser Entscheidung geführt haben“, hieß es in der Erklärung.

Israelische Delegation soll nach Ägypten reisen
Laut Medienberichten vom Samstagvormittag wollen sowohl Israel als auch die Hamas eine Delegation zu Gesprächen über den Friedensplan in das benachbarte Ägypten schicken. Der israelische Sender Channel 12 berichtete, dass die Verhandlungen schon am Sonntag beginnen könnten. Eine offizielle Bestätigung aus Israel gab es dazu nicht. Ägypten fungiert als einer der Vermittler in dem Konflikt.

AP/Abdel Kareem Hana
Gaza-Stadt ist nach den israelischen Angriffen inzwischen ein Trümmerfeld

Mehrere israelische Medien berichteten außerdem, dass auch der US-Sondergesandte Steve Witkoff in die Region kommen werde, um an den Gesprächen teilzunehmen. Auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner soll dabei sein. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul will unterdessen für Gespräche nach Kuwait und in die Emirate reisen.

„Entscheidende Tage“ für Geiseln
Das Forum der Angehörigen der Geiseln und in Gaza Vermissten appellierte laut einem Bericht aus einem Liveticker der BBC an Israel, nun „zusammenzustehen“, um deren Rückkehr gewährleisten zu können. „Wir befinden uns in den entscheidenden Tagen für ein Abkommen“, hieß es in einer Erklärung. Diese Tage würden darüber entscheiden, ob die Lebenden lebend zurückkehrten und die Toten würdig bestattet werden könnten. Die Angehörigen riefen zu Demonstrationen in Israel auf.

AP/Ohad Zwigenberg
Bilder der Geiseln und „Vergesst uns nicht“: Angehörige fordern sichere Rückkehr durch Verhandlungen

Trump fordert Stopp der Offensive
Die Hamas sei offenbar „zu einem dauerhaften Frieden bereit“, hatte US-Präsident Trump am Freitag in seinem Onlinedienst Truth Social geschrieben. Israel müsse nun „sofort“ die Angriffe auf Gaza stoppen, „damit wir die Geiseln sicher und schnell herausholen können“, forderte er. Es gehe nicht nur um den Gazastreifen, sondern „um den lange ersehnten Frieden im Nahen Osten“. „Ich werde keine Verzögerung tolerieren“, unterstrich er nochmals am Samstag. „Lasst uns das hinter uns bringen – schnell.“

Trump hatte der Hamas am Freitag eine Frist bis Sonntag gesetzt, um seinem Friedensplan zuzustimmen. Der 20-Punkte-Plan sieht unter anderem eine Freilassung der verbliebenen Geiseln und einen schrittweisen Abzug der israelischen Armee aus dem Palästinensergebiet vor. Israel soll 250 palästinensische Gefangene sowie 1.700 inhaftierte Gaza-Bewohner freilassen. Die radikalislamische Hamas soll entmachtet werden und ihre Waffen abgeben. Ein „Friedensrat“ soll die Verwaltung übernehmen.

Zuvor hatte Trump geschrieben, das sei die „letzte Chance“. Konkret schrieb Trump: „Wenn diese LETZTE-CHANCE-Einigung nicht genutzt wird, wird die HÖLLE für die Hamas ausbrechen, wie es noch niemand zuvor gesehen hat.“ Warnend fügte er komplett in Großbuchstaben hinzu: „Im Nahen Osten wird es Frieden geben, so oder so.“

Israels Armee setzt Offensive nach Warnung fort
Von der israelischen Armee gab es Samstagvormittag eine weitere Stellungnahme. Der Generalstab sei von der politischen Führung angewiesen worden, die erste Phase des Trump-Plans umzusetzen, hieß es in einer Mitteilung auf der Plattform X. Allerdings habe die Sicherheit der Streitkräfte in Gaza „oberste Priorität“, und der Schutz der Truppe müsse gewährleistet bleiben. „Der Stabschef wies darauf hin, dass (…) alle Truppen höchste Wachsamkeit und Alarmbereitschaft wahren müssen“, jegliche Bedrohung müsse in einer schnellen Reaktion abgewehrt werden können.

Die israelische Armee setzt inzwischen nach eigenen Angaben ihre Offensive in der Stadt Gaza fort – trotz der Aufforderung Trumps. Die Einheiten der israelischen Streitkräfte (IDF) seien „weiterhin in der Stadt Gaza im Einsatz“, schrieb Armeesprecher Avichay Adraee am Samstag auf X. In die Stadt zurückzukehren sei „extrem gefährlich“. An die Bewohner gerichtet erklärte er auf Arabisch: „Zu Ihrer eigenen Sicherheit sollten Sie es vermeiden, in den Norden zurückzukehren oder sich Gebieten zu nähern, in denen IDF-Truppen im Einsatz sind – einschließlich des südlichen Gazastreifens.“
red, ORF.at/Agenturen

Vor Ultimatum: Hamas will „alle Fragen“ zu US-Plan klären
 

josef

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#77
Geiselfreilassung, Ende der Kämpfe
Einigung auf erste Schritte für Gaza
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Israel und die Terrororganisation Hamas haben der ersten Phase des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump zugestimmt. „Das bedeutet, dass alle Geiseln sehr bald freigelassen werden und Israel seine Truppen auf eine vereinbarte Linie zurückziehen wird, als erster Schritt hin zu einem starken, dauerhaften und ewigen Frieden“, schrieb Trump in der Nacht auf Donnerstag auf seiner Onlineplattform Truth Social. Israel und die Hamas hatten in Ägypten indirekt über den Friedensplan verhandelt. In Israel herrscht Erleichterung.
9. Oktober 2025, 2.29 Uhr (Update: 9. Oktober 2025, 11.46 Uhr)
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Damit gelang zwei Jahre nach Beginn des Gaza-Krieges ein Durchbruch. Man sei sich über die erste Phase des US-Friedensplans einig geworden, schrieb Trump. Er dankte weiteren Vermittlerländern in dem Konflikt: Katar, Ägypten und der Türkei.

Die USA würden nach den Worten Trumps eine Rolle beim Wiederaufbau des Gazastreifens und der Wahrung von Frieden und Sicherheit spielen. „Wir werden darin involviert sein, ihnen zum Erfolg zu verhelfen und dafür zu sorgen, dass es friedlich bleibt“, sagte Trump in einem Interview mit dem Sender Fox News. Er sei „sehr zuversichtlich, dass es Frieden im Nahen Osten geben wird“.

Israel, Hamas kündigen Unterzeichnung an
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte erleichtert auf die angekündigte Freilassung der in der Gewalt der radikalislamischen Hamas befindlichen Geiseln. „Mit Gottes Hilfe werden wir sie alle nach Hause bringen“, teilte er via X mit. Er kündigte für Donnerstagmittag eine Regierungssitzung zur Bestätigung des Gaza-Abkommens an.

Die Waffenruhe soll nach der Ratifizierung beginnen, wie es aus Netanjahus Büro hieß. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi sagte, es gebe ein Abkommen für eine Waffenruhe und ein Ende des Krieges im Gazastreifen. „Die Welt wird Zeuge eines historischen Moments.“

Israels Finanzminister Bezalel Smotritsch wird nach eigenen Angaben nicht für das Abkommen stimmen. Sobald die Geiseln frei seien, müsse die Hamas zerstört werden, sagte er.

Die Hamas bestätigte in der Nacht auf Donnerstag, dass beide Seiten eine „Vereinbarung zur Beendigung des Krieges im Gazastreifen“ erzielt hätten, auch sie will am Vormittag ein Abkommen unterschreiben. Ein Insider nannte Reuters zudem Details: Schon am Samstag könnten Geiseln freikommen.

Familien von Geiseln begrüßen Durchbruch
Trumps Friedensplan sieht vor, dass alle israelischen und ausländischen Geiseln in der Gewalt der Hamas und anderer Terrororganisationen freikommen. Im Gegenzug soll Israel rund 250 zu lebenslanger Haft verurteilte palästinensische Häftlinge freilassen sowie etwa 1.700 nach dem 7. Oktober 2023 Inhaftierte.

Reuters/Ammar Awad
Nach der verkündigten Einigung gab es weiter Angriffe auf Gaza

Die Familien der Geiseln begrüßten den Durchbruch. „Das ist ein wichtiger und bedeutender Schritt auf dem Weg, alle nach Hause zu bringen, aber unser Kampf ist noch nicht vorbei und wird erst enden, wenn die letzte Geisel zurückgekehrt ist“, hieß es in einer Mitteilung des Forums der Familien der Geiseln.

Militär bereitet sich vor
Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln. Von ihnen sind nach israelischen Informationen noch 20 am Leben. In von Terrororganisationen veröffentlichten Videos waren Geiseln zuletzt stark abgemagert zu sehen. Israels Armee soll sich laut Trumps Plan auf eine vereinbarte Linie zurückziehen, um Freilassungen vorzubereiten.

Der Generalstabschef der israelischen Armee wies alle Streitkräfte an, „starke Verteidigungsmaßnahmen vorzubereiten und auf jedes Szenario vorbereitet zu sein“. Der Einsatz der Streitkräfte erfolge gemäß den Anweisungen der politischen Führung und den Phasen des Abkommens. Das Militär werde „weiterhin daran arbeiten, die Ziele des Krieges zu erreichen und die Bürger des Staates Israel an allen Fronten zu verteidigen“.

Reuters/Ronen Zvulun
In Israel haben die Menschen große Hoffnung, dass bald alle Geiseln freigelassen werden

Herzog: Friedensnobelpreis für Trump
Der israelische Staatschef Jizchak Herzog dankte dem US-Präsidenten. „Es besteht kein Zweifel, dass er dafür den Friedensnobelpreis verdient hat“, schrieb Herzog auf der Plattform X. „Dieses Abkommen bietet eine Chance zur Versöhnung und zur Heilung und eröffnet neue Perspektiven der Hoffnung für unsere Region.“

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas reagierte ebenfalls positiv. Die Vereinbarung mache ihm „Hoffnung, dass diese Bemühungen ein Auftakt zu einer dauerhaften politischen Lösung“ sein werden, so Abbas. Eine solche Lösung müsse „ein Ende der israelischen Besatzung“ beinhalten und zur „Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates“ führen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte die Vereinbarung. Alle Seiten müssten die Bedingungen vollständig einhalten, forderte sie auf X. Eine dauerhafte Waffenruhe muss erreicht werden. Die EU werde weiterhin Hilfslieferungen in den Gazastreifen unterstützen und sei bereit, beim Wiederaufbau zu helfen. Als „große diplomatische Errungenschaft“ bezeichnete die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas die Einigung.

UNO: „Einmalige Gelegenheit“ für Zweistaatenlösung
Ähnlich UNO-Generalsekretär Antonio Guterres: „Alle Geiseln müssen in würdevoller Weise freigelassen werden.“ Außerdem forderte er eine dauerhafte Waffenruhe und ein Ende der Kämpfe. Zugleich forderte Guterres alle Beteiligten auf, die „einmalige Gelegenheit“ für den Weg hin zu einer Zweistaatenlösung zu nutzen. Der UNO-Nothilfekoordinator Tom Fletcher rief dazu auf, so bald wie möglich im Gazastreifen aktiv zu werden. Man sei bereit, aber benötige einen sicheren Zugang. Das UNO-Nothilfebüro (OCHA) steht mit rund 170.000 Tonnen Hilfsgütern in der Nähe des Gazastreifens bereit.

Reuters/Video Obtained By Reuters
Auch in Gaza zeigen sich die Menschen hoffnungsvoll

Aus weiteren Ländern der Welt kam Zuspruch, etwa aus Australien, Neuseeland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland, Jordanien und aus dem Vermittlerland Türkei. Unterdessen wollen die Außenminister und Außenministerinnen mehrerer europäischer und arabischer Staaten am Donnerstag in Paris über die Umsetzung des Gaza-Planes beraten. Ziel sei es, in Abstimmung mit den USA den „Tag danach“ vorzubereiten, hieß es in diplomatischen Kreisen.

Indirekte Verhandlungen in Ägypten
Die indirekten Verhandlungen hatten am Montag mit dem Ziel begonnen, den seit zwei Jahren gehenden Gaza-Krieg schrittweise zu einem Ende zu führen. Unter anderen der US-Sondergesandte Steve Witkoff, Israels Minister Ron Dermer und Chalil al-Hajja, der höchste Vertreter der Hamas im Ausland, reisten dafür nach Scharm al-Scheich. Dergleichen Versuche waren zuvor mehrfach gescheitert.

Der Gaza-Krieg begann vor zwei Jahren. Auslöser war der Überfall der Hamas und anderer islamistischer Terrororganisationen auf Israel am 7. Oktober 2023. Rund 1.200 Menschen wurden dabei getötet und mehr als 250 als Geiseln nach Gaza verschleppt. Seither kamen laut der Hamas-Gesundheitsbehörde mehr als 67.000 Palästinenser ums Leben, sehr viele davon Zivilistinnen und Zivilisten.
red, ORF.at/Agenturen

Geiselfreilassung, Ende der Kämpfe: Einigung auf erste Schritte für Gaza
 

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#78
Sofort und intensiv“
Netanjahu ordnet Angriffe auf Gaza an
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Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Armee angewiesen, sofort „intensive Angriffe“ im Gazastreifen auszuführen. Das teilte das Büro von Netanjahu am Dienstag nach einer Sicherheitsberatung des Regierungschefs mit. Netanjahau warf der Terrororganisation Hamas Verstöße gegen die Waffenruhe im Gazastreifen vor.
Online seit heute, 18.05 Uhr (Update: 19.05 Uhr)
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Israelische Kampfflugzeuge greifen Augenzeugen zufolge Gaza-Stadt an, die im Norden des Gazastreifens liegt. Im südlichen Gazastreifen war es zuvor nach einem Medienbericht ungeachtet der Waffenruhe zu einem Feuergefecht gekommen.

Der israelische Armeesender meldete, bewaffnete Mitglieder der Terrororganisation Hamas hätten auf israelische Soldaten geschossen. Nach Angaben palästinensischer Augenzeugen kam es anschließend zu Artilleriebeschuss mehrerer Gebiete im Bereich von Rafah. Alle Angaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.

Drohung von Verteidigungsminister
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz drohte, die Hamas werde einen „hohen Preis zahlen für den Angriff auf israelische Soldaten in Gaza und für die Verletzung des Abkommens über die Rückgabe der getöteten Geiseln“, sagte Katz nach Angaben seines Büros. Mit dem Angriff habe die Hamas eine „rote Linie“ überschritten. Die israelische Armee werde darauf mit großer Härte reagieren. Die Hamas werde doppelt und dreifach zahlen, sagte Katz demnach.

Reuters/Dawoud Abu Alkas
Drohnenaufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörung in Gaza

Hamas: Übergabe von Geiselleiche verschoben
Unterdessen kündigte die Terrororganisation Hamas an, die zunächst für heute Abend geplante Übergabe einer weiteren Leiche einer Geisel verschieben zu wollen. Der militärische Hamas-Arm, die Kassam-Brigaden, teilte auf Telegram mit, es handle sich um eine Reaktion auf „Verstöße der Besatzung (Israel)“. Bei Suchaktionen in einem Tunnel im Süden des Gazastreifens sei zuvor eine Leiche gefunden worden. Neue Angriffe Israels würden die Sucharbeiten behindern und die Rückgabe verzögern.

Die Übergabe der sterblichen Überreste von Geiseln erfolgte bisher stets über Repräsentanten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Am Montagabend hatte die Hamas erneut sterbliche Überreste übergeben. Forensische Untersuchungen in Israel brachten jedoch ans Licht, dass diese zu einem Israeli gehörten, dessen Leiche die Armee bereits im Herbst 2023 nach Israel gebracht hatte. Das löste in Israel großen Zorn und Empörung aus und war der Anlass für die Sicherheitsberatung Netanjahus, bei der über das weitere Vorgehen beraten werden sollte.

Reuters/Haseeb Alwazeer
Israel wirft der Hamas die absichtliche Verzögerung bei der Herausgabe der Geisel-Leichen vor, die Hamas dementiert

Verzögerung bei Übergabe von Geiselleichen
Im Rahmen des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump hätte die Hamas bereits vor mehr als zwei Wochen insgesamt 28 Leichen von Geiseln übergeben müssen. Die Terrororganisation übermittelte bis jetzt jedoch 13 Leichen nicht und erklärte das mit den schwierigen Bedingungen an Ort und Stelle. Israel wirft der Hamas vor, die vereinbarte Übergabe von insgesamt 28 Leichen von Geiseln absichtlich herauszuzögern.
Die israelische Armee veröffentlichte ein Video, das zeigen soll, wie Hamas-Mitglieder eine Leiche aus einem Gebäude holen, sie dann in der Erde vergraben und dann Vertreter des Roten Kreuzes herbeirufen für die „Bergung“.

Seit Beginn einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas am 10. Oktober im Rahmen des Friedensplans gab es regelmäßig tödliche Zwischenfälle. Dabei wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bereits mehr als 90 Palästinenser getötet. Vor gut einer Woche wurden zwei israelische Soldaten bei einem Angriff mit einer Panzerfaust getötet.
28.10.2025, red, ORF.at/Agenturen

„Sofort und intensiv“: Netanjahu ordnet Angriffe auf Gaza an
 
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