Horrorszenario bewaffnete Auseinandersetzung auf der Koreanischen Halbinsel

josef

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Raketentechnik
So stark wie eine Atomwaffe: Südkorea macht "Monsterrakete" Hyunmoo-5 einsatzbereit
Seoul möchte die Hyunmoo-5 nun massenhaft produzieren. Sie gilt der Abschreckung des atomar bewaffneten Nachbarn im Norden und als Signal für die eigenen nuklearen Möglichkeiten

Beim 77. Tag der Armee in Gyeyong-City wurde das Trägersystem für die Hyunmoo-5 Anfang Oktober, wie auch schon im Jahr zuvor, öffentlich präsentiert.
EPA/JEON HEON-KYUN

Sie ist die südkoreanische Antwort, um eine "Balance des Terrors" zu erreichen, wie es Verteidigungsminister Ahn Gyu-back formuliert. 16 Meter lang, zwei Meter Durchmesser, Gesamtgewicht 36 Tonnen, montiert auf einem gigantischen Startfahrzeug mit 18 Rädern. Bis zu acht Tonnen des Gesamtgewichts entfallen allein auf den mit Sprengstoff gefüllten Gefechtskopf. Zum Vergleich: US-amerikanische Atacms-Raketen, die im Ukrainekrieg eingesetzt werden, verfügen über etwa 500 Kilogramm schwere Gefechtsköpfe.

Die Reichweite liegt je nach Nutzlast zwischen 300 Kilometern bei Vollbeladung bis zu 5000 Kilometern bei entsprechend leichterer Beladung. Aufgrund ihrer beeindruckenden Kennzahlen nennt man die Hyunmoo-5 in lokalen Medien auch "Monsterrakete". Sie ist jedenfalls eine der schlagkräftigsten konventionellen, also nicht nuklear bestückten Raketen und soll die Schlagkraft "kleinerer", taktischer Atomwaffen erreichen. Und nun soll sie offenbar gefechtsbereit in den Einsatz gestellt werden.

Als primäres Einsatzgebiet könnten nordkoreanische Kommandozentralen dienen, die in bis zu 100 Metern Tiefe vermutet werden. Bunkerbrechende Technologie mit mehrstufigen Gefechtsköpfen ist deshalb essenzieller Kern der Boden-Boden-Rakete, die bei ihrem Wiedereintritt in die Atmosphäre bis zu zehnfache Schallgeschwindigkeit erreichen soll.

S. Korea unveils its most powerful missile 'Hyunmoo-5' on Armed Forces Day ceremony
Arirang News

Sie dürfte als integraler Teil ins südkoreanische Drei-Achsen-System eingebettet werden. Dieses besteht aus Achse eins, der Tötungskette, die nordkoreanische Raketenstarts früh erkennen und mögliche Atomschläge unterbinden soll; Achse zwei ist das südkoreanische Flugabwehrsystem; Achse drei dient der Vergeltung. Einsatzgebiete eröffnen sich für die Rakete also sowohl in Achse eins als auch drei. Südkorea gibt jährlich das 1,4-fache des gesamten Bruttoinlandsprodukts Nordkoreas für die eigene Sicherheit aus. Nach tödlichen Angriffen Nordkoreas im Süden 2010 wurde die Idee zur Hyunmoo-5 geboren. 2016 startete die Entwicklung.

Südkorea nukleares Schwellenland
Der Bau der Rakete war auch dank Donald Trump überhaupt erst möglich. Denn zuvor hatten die USA ihrem strategischen Alliierten, der sich auch unter dem US-Atomschirm befindet, jahrzehntelang Beschränkungen in Bezug auf Reichweite und Nutzlast auferlegt. Diese fielen in Trumps erster Amtszeit, nachdem Nordkoreas Diktator Kim Jong-un eine Wasserstoffbombe testen ließ.

Und auch beim jüngsten Treffen diese Woche hatte Südkoreas Präsident Lee Jae Myung wieder eine Bitte an den US-Präsidenten. Diesmal ging es um die Lieferung von Brennstoffen für nukleargetriebene U-Boote. Trump soll grundsätzlich zugestimmt, aber weitere Gespräche gefordert haben. Der Export der Brennstoffe gilt politisch deshalb als heikel, da für atomgetriebene U-Boote auch hochangereichertes Uran verwendet wird, welches je nach Anreicherungsgrad theoretisch für Atombomben genutzt werden kann. Südkorea reichert in den Atomkraftwerken des Landes auch Uran an, aber nicht so hoch, dass es für Nuklearsprengköpfe reichen würde.


Der Truck kann sich auch diagonal bewegen.
IMAGO/Kim Jae-Hwan / SOPA Images

Ganz allgemein ist Südkorea ein nukleares Schwellenland. Es könnte vom Know-how her Atomwaffen bauen, es ist im Grunde nur eine politische Entscheidung, es zu tun oder eben nicht. Dabei geht es um die Frage, ob man mit der erwartbaren internationalen Ächtung und möglichen Präventivschlägen des Nordens umgehen kann und will. Schon 2023 hieß es aber aus Seoul, man werde eigene Atomwaffen entwickeln, so die Abschreckung durch die USA nicht mehr ausreiche.

Die Hyunmoo-5 gilt jedenfalls als weiterer Beweis, dass man auch die Fähigkeiten besitzt, die notwendigen Trägersysteme zu bauen. Experten gehen davon aus, dass Südkorea die Rakete vergleichsweise einfach zu einer atomar bestückbaren Rakete umbauen könnte. Und solange man Südkorea den Bau nuklearer Raketen verwehrt, baut man eben maximal schlagkräftige konventionelle Raketen, so die Logik in Seoul. Verteidigungsminister Ahn Gyu-back will jedenfalls in Massenproduktion gehen, um eine "beträchtliche Zahl" an Hyunmoo-5-Raketen zu bauen.

Weil auch chinesische kritische Infrastruktur innerhalb der Reichweite der Hyunmoo-5 fällt, dürfte nicht nur Pjöngjang, sondern auch Peking leicht verschnupft auf die Pläne Südkoreas reagieren.
(Fabian Sommavilla, 30.10.2025)
So stark wie eine Atomwaffe: Südkorea macht "Monsterrakete" Hyunmoo-5 einsatzbereit
 
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