Horrorszenario bewaffnete Auseinandersetzung auf der Koreanischen Halbinsel

josef

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#41
Raketentechnik
So stark wie eine Atomwaffe: Südkorea macht "Monsterrakete" Hyunmoo-5 einsatzbereit
Seoul möchte die Hyunmoo-5 nun massenhaft produzieren. Sie gilt der Abschreckung des atomar bewaffneten Nachbarn im Norden und als Signal für die eigenen nuklearen Möglichkeiten

Beim 77. Tag der Armee in Gyeyong-City wurde das Trägersystem für die Hyunmoo-5 Anfang Oktober, wie auch schon im Jahr zuvor, öffentlich präsentiert.
EPA/JEON HEON-KYUN

Sie ist die südkoreanische Antwort, um eine "Balance des Terrors" zu erreichen, wie es Verteidigungsminister Ahn Gyu-back formuliert. 16 Meter lang, zwei Meter Durchmesser, Gesamtgewicht 36 Tonnen, montiert auf einem gigantischen Startfahrzeug mit 18 Rädern. Bis zu acht Tonnen des Gesamtgewichts entfallen allein auf den mit Sprengstoff gefüllten Gefechtskopf. Zum Vergleich: US-amerikanische Atacms-Raketen, die im Ukrainekrieg eingesetzt werden, verfügen über etwa 500 Kilogramm schwere Gefechtsköpfe.

Die Reichweite liegt je nach Nutzlast zwischen 300 Kilometern bei Vollbeladung bis zu 5000 Kilometern bei entsprechend leichterer Beladung. Aufgrund ihrer beeindruckenden Kennzahlen nennt man die Hyunmoo-5 in lokalen Medien auch "Monsterrakete". Sie ist jedenfalls eine der schlagkräftigsten konventionellen, also nicht nuklear bestückten Raketen und soll die Schlagkraft "kleinerer", taktischer Atomwaffen erreichen. Und nun soll sie offenbar gefechtsbereit in den Einsatz gestellt werden.

Als primäres Einsatzgebiet könnten nordkoreanische Kommandozentralen dienen, die in bis zu 100 Metern Tiefe vermutet werden. Bunkerbrechende Technologie mit mehrstufigen Gefechtsköpfen ist deshalb essenzieller Kern der Boden-Boden-Rakete, die bei ihrem Wiedereintritt in die Atmosphäre bis zu zehnfache Schallgeschwindigkeit erreichen soll.

S. Korea unveils its most powerful missile 'Hyunmoo-5' on Armed Forces Day ceremony
Arirang News

Sie dürfte als integraler Teil ins südkoreanische Drei-Achsen-System eingebettet werden. Dieses besteht aus Achse eins, der Tötungskette, die nordkoreanische Raketenstarts früh erkennen und mögliche Atomschläge unterbinden soll; Achse zwei ist das südkoreanische Flugabwehrsystem; Achse drei dient der Vergeltung. Einsatzgebiete eröffnen sich für die Rakete also sowohl in Achse eins als auch drei. Südkorea gibt jährlich das 1,4-fache des gesamten Bruttoinlandsprodukts Nordkoreas für die eigene Sicherheit aus. Nach tödlichen Angriffen Nordkoreas im Süden 2010 wurde die Idee zur Hyunmoo-5 geboren. 2016 startete die Entwicklung.

Südkorea nukleares Schwellenland
Der Bau der Rakete war auch dank Donald Trump überhaupt erst möglich. Denn zuvor hatten die USA ihrem strategischen Alliierten, der sich auch unter dem US-Atomschirm befindet, jahrzehntelang Beschränkungen in Bezug auf Reichweite und Nutzlast auferlegt. Diese fielen in Trumps erster Amtszeit, nachdem Nordkoreas Diktator Kim Jong-un eine Wasserstoffbombe testen ließ.

Und auch beim jüngsten Treffen diese Woche hatte Südkoreas Präsident Lee Jae Myung wieder eine Bitte an den US-Präsidenten. Diesmal ging es um die Lieferung von Brennstoffen für nukleargetriebene U-Boote. Trump soll grundsätzlich zugestimmt, aber weitere Gespräche gefordert haben. Der Export der Brennstoffe gilt politisch deshalb als heikel, da für atomgetriebene U-Boote auch hochangereichertes Uran verwendet wird, welches je nach Anreicherungsgrad theoretisch für Atombomben genutzt werden kann. Südkorea reichert in den Atomkraftwerken des Landes auch Uran an, aber nicht so hoch, dass es für Nuklearsprengköpfe reichen würde.


Der Truck kann sich auch diagonal bewegen.
IMAGO/Kim Jae-Hwan / SOPA Images

Ganz allgemein ist Südkorea ein nukleares Schwellenland. Es könnte vom Know-how her Atomwaffen bauen, es ist im Grunde nur eine politische Entscheidung, es zu tun oder eben nicht. Dabei geht es um die Frage, ob man mit der erwartbaren internationalen Ächtung und möglichen Präventivschlägen des Nordens umgehen kann und will. Schon 2023 hieß es aber aus Seoul, man werde eigene Atomwaffen entwickeln, so die Abschreckung durch die USA nicht mehr ausreiche.

Die Hyunmoo-5 gilt jedenfalls als weiterer Beweis, dass man auch die Fähigkeiten besitzt, die notwendigen Trägersysteme zu bauen. Experten gehen davon aus, dass Südkorea die Rakete vergleichsweise einfach zu einer atomar bestückbaren Rakete umbauen könnte. Und solange man Südkorea den Bau nuklearer Raketen verwehrt, baut man eben maximal schlagkräftige konventionelle Raketen, so die Logik in Seoul. Verteidigungsminister Ahn Gyu-back will jedenfalls in Massenproduktion gehen, um eine "beträchtliche Zahl" an Hyunmoo-5-Raketen zu bauen.

Weil auch chinesische kritische Infrastruktur innerhalb der Reichweite der Hyunmoo-5 fällt, dürfte nicht nur Pjöngjang, sondern auch Peking leicht verschnupft auf die Pläne Südkoreas reagieren.
(Fabian Sommavilla, 30.10.2025)
So stark wie eine Atomwaffe: Südkorea macht "Monsterrakete" Hyunmoo-5 einsatzbereit
 

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#42
Nordkorea testet zwei Langstrecken-Marschflugkörper
Die nordkoreanischen Tests von Raketen und Marschflugkörpern wurden in den letzten Jahren deutlich verstärkt

Dieses Propagandafoto hat Nordkorea in Zusammenhang mit den Waffentests veröffentlicht.
EPA/KCNA

Seoul – Nordkorea hat zwei Langstrecken-Marschflugkörper zu Testzwecken abgefeuert. Wie die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Montag mitteilte, sollen damit die "Gefechtsfähigkeit" und die Abwehrfähigkeiten überprüft werden. Die über dem Gelben Meer im Westen der koreanischen Halbinsel abgefeuerten Marschflugkörper blieben demnach über zwei Stunden in der Luft. Von KCNA veröffentlichte Fotos zeigten, wie die Marschflugkörper gestartet wurden und einschlugen.

Kim Jong un droht
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un überwachte die Übung nach Angaben von KCNA. Das Land werde "alle seine Kräfte auf die unbegrenzte und dauerhafte Entwicklung der nuklearen Kampfstreitkräfte des Staates konzentrieren", sagte er demnach.

Nach Angaben des südkoreanischen Militärs feuerte Nordkorea die Marschflugkörper am Sonntagmorgen (Ortszeit) von Sunan nördlich von Pjöngjang ab.


In Südkorea beobachtet man die Tests in Nordkorea genau.
EPA/JEON HEON-KYUN

Nordkorea hat in den vergangenen Jahren seine Tests von Raketen und Marschflugkörpern deutlich verstärkt. Analysten zufolge zielt Pjöngjang darauf ab, seine Präzisionsfähigkeiten zu verbessern, die USA und Südkorea herauszufordern - und Waffen zu testen, bevor diese an den Verbündeten Russland geliefert werden.

Land mit nuklearen Sprengköpfen
Kim hatte diese Woche bereits eine Produktionsanlage für U-Boote mit Atomantrieb besucht. Die nordkoreanische Führung hatte zuvor empört auf südkoreanische Pläne zum Bau eines Atom-U-Boots mit Billigung der USA reagiert.

Nordkorea selbst verfügt Experten zufolge über dutzende nukleare Sprengköpfe und hat in der Vergangenheit wiederholt bekräftigt, diese trotz internationaler Sanktionen zu behalten. 2006 führte Pjöngjang seinen ersten Atomtest aus. Das weitgehend isolierte Land argumentiert, dass es Atomwaffen zur Abschreckung gegen eine angebliche militärische Bedrohung durch die USA und mit ihr verbündeter Staaten benötige.
(APA, red, 29.12.2025)
Nordkorea testet zwei Langstrecken-Marschflugkörper
 

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#43
Raketenprogramm
Nordkorea testet im Beisein von Machthaber Kim neuen Raketenantrieb
Der Versuch ist laut der Staatsagentur KCNA ein "Teil des nationalen Verteidigungsentwicklungsplans". Wann und wo der Test durchgeführt wurde, ist nicht bekannt


Dieses undatierte Bild von Nordkoreas staatlicher Nachrichtenagentur Korean Central News Agency (KCNA) zeigt Staatschef Kim Jong-un (Mitte) bei der Besichtigung einer Übung.
AFP/KCNA VIA KNS/STR

Pjöngjang/Seoul – Im Beisein von Machthaber Kim Jong-un hat Nordkorea einen neuen Raketenantrieb getestet. Der Versuch sei "Teil des nationalen Verteidigungsentwicklungsplans im Zeitraum des neuen Fünfjahresplans", meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag. Es war der erste bestätigte Test eines antriebsstarken Feststoffraketenantriebs seit vergangenem September. Laut KCNA wurde bei dem neuen Test die Schubkraft im Vergleich zum September deutlich übertroffen.

Wann und wo der Test ausgeführt wurde, wurde nicht angegeben. Experten vermuten, dass Nordkorea die Antriebe für ballistische Interkontinentalraketen nutzen will. Der Nordkorea-Spezialist Hong -min sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Führung in Pjöngjang wolle Raketen entwickeln, die Ziele auf der ganzen Erde treffen und Luftabwehrsysteme überwinden könnten.

Isoliertes Land
Lee Ho-ryung vom Koreanischen Institut für Verteidigungsanalysen sagte, Nordkorea verfüge bereits über die Fähigkeiten, eine Rakete abzufeuern, die das US-Festland erreichen könnte. Die Frage sei nun, ob eine solche Rakete auch mehrere Sprengköpfe transportieren könne. Denn damit könnten mit einem Raketenstart mehrere Ziele getroffen und Abwehrsysteme überlistet werden. "Eine Rakete mit mehreren Sprengköpfen benötigt eine größere Schubkraft, weil sie schwerer ist", sagte die Expertin.

Nordkorea ist international weitgehend isoliert. Wegen seines Raketen- und Atomprogramms wurden zahlreiche internationale Sanktionen gegen das Land verhängt.
(APA, 29.3.2026)

Nordkorea testet im Beisein von Machthaber Kim neuen Raketenantrieb
 

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#44
Militärtechnik
Nordkoreanische Raketen bieten Einblick in die Fertigungstechnik der 70er-Jahre
Laboranalysen zeigen krude Fertigung mit alten Methoden aus der Sowjetunion. Die Elektronik ist modern, sie wird unter Umgehung der Sanktionen im Westen beschafft

Rund die Hälfte aller nordkoreanischen Raketen versagten oder explodierten in der Luft. Der Bericht einer forensischen Untersuchung gibt Einblick in die Fertigungsmethoden Pjöngjangs.
IMAGO/EyePress News

Im Ukrainekrieg gilt technologische Überlegenheit als Mittel zum Erfolg, um den russischen Angriffen standzuhalten. Der Kreml hingegen greift auch gerne in die Werkzeugkiste seines Partners in Pjöngjang, um die eigenen Raketenbestände zu schonen. Doch wie sie nun zeigt, sind die nordkoreanischen Raketen für die eigenen Truppen fast so gefährlich wie für ihre Ziele. Gleichzeitig haben ukrainische Experten bei der Untersuchung der Geschosse vom Typ KN-23 und KN-24 (Hwasong-11A und 11B) fast schon museales Handwerk zutage gefördert.

Eines der auffälligsten Merkmale, das die Raketen sofort von russischen Modellen unterscheidet, ist ihre physische Beschaffenheit. Bislang wurde angenommen, dass Nordkorea russische Raketen vom Typ Iskander in Lizenz fertigt. Das stimmt nur teilweise, denn Nordkorea muss offensichtlich tief in die Trickkiste greifen, weil es offenbar keine modernen Fertigungskapazitäten hat.

Eigenentwicklung aus Pjöngjang
So unterscheiden sich die nordkoreanischen Typen von russischen Gegenparts doch deutlich: Die KN-23 besitzt einen Durchmesser von exakt 110 cm im hinteren Bereich, der sich nach vorne auf 90 cm verjüngt. Diese Maße sind weltweit einzigartig und wurden bislang nur in Nordkorea beobachtet, wie Militarnyi unter Berufung auf das ukrainische Verteidigungsministerium berichtet.

Die KN-24 mit einem Durchmesser von 100 Zentimeter erinnert sie zwar optisch an das US-amerikanische ATACMS-System, ist aber eine eigenständige Entwicklung.

Experten glichen die Trümmer mit Fotos aus nordkoreansichen Fabriken ab und fanden sieben spezifische Ähnlichkeiten. von der Anzahl der Bolzenlöcher an der Düse bis hin zu den speziellen Nischen für Satellitennavigations-Empfänger, was wiederum den Ursprung in nordkoreanischer Fertigung bestätigen soll.

Ineffiziente Antriebe
Der vielleicht deutlichste Unterschied zwischen der russischen Iskander-9M723 und ihren nordkoreanischen Verwandten liegt im Antrieb. Nordkorea scheint nicht über den hochenergetischen Feststoffbrennstoff zu verfügen, den Russland nutzt. Deshalb haben die nordkoreanischen Ingenieure zu einer naheliegenden Lösung gegriffen: Um in etwa die gleiche Reichweite wie eine Iskander (etwa 500 Kilometer) zu erzielen, wurden die Motoren einfach vergrößert.

Die Triebwerke der KN-23 und KN-24 sind etwa 1,5-mal größer und länger als ihre russischen Gegenstücke.

Lötkolben aus den 70ern
Noch spannender ist ein Blick ins Innere der Steuereinheit, denn hier prallen zwei Welten aufeinander. Einerseits finden sich hier moderne westliche und asiatische Elektronik und fast schon vergessene Fertigungsmethoden.


Über Charkiw gingen die meisten nordkoreanischen Raketen nieder.
REUTERS/Stringer

Die ukrainischen Forscher stellten fest, dass die Fertigungstechnik in den Fabriken Pjöngjangs weit hinter modernen Standards zurückbleibt. Die Qualität der Lötarbeiten wird auf einen Stand geschätzt, der vor etwa 50 Jahren in der Sowjetunion üblich war. Es ist eine handwerkliche Zeitreise in die 1970er Jahre.

Sanktionssalat bei der Elektronik
Trotz der veralteten Verarbeitung ist das Gehirn der Rakete überraschend modern. In den Trümmern fanden sich Mikrochips und Komponenten führender globaler Marken aus: China, Japan, der Schweiz, Großbritannien und den USA.

Diese zivilen Bauteile gelangen offensichtlich über komplexe Schmuggelrouten in das sanktionierte Nordkorea. Auch viele russische Raketen fliegen nur dank westlicher Bauteile.

Um die Rakete beim Wiedereintritt in die Atmosphäre vor der enormen Reibungshitze zu schützen, nutzt Nordkorea eine Low-Budget-Lösung. Anstatt moderner, teurer Verbundwerkstoffe wird eine Nase aus Graphit verwendet. Das ist billig, schwerer, aber für die Zwecke des Regimes ausreichend funktional – solange die Rakete nicht in der Luft auseinanderbricht.

Zuverlässigkeit: Ein russisches Roulette
Die Qualität der nordkoreanischen Importe ist selbst für russische Standards schlecht. Berichte aus dem Jahr 2024 (via Reuters) deuten darauf hin, dass etwa die Hälfte der nordkoreanischen Raketen ihr Ziel nicht erreichte oder bereits in der Luft explodierte. Die mangelhafte Fertigungsqualität und die ungenaue Elektronik machen sie zu einer unberechenbaren Gefahr – auch für die eigene Truppe.


Die Trümmerteile wurden mit Fotos aus nordkoreanischen Fabriken vergliche, was ihre Herkunft bestätigte.
REUTERS/Stringer

Dennoch warnt das ukrainische Verteidigungsministerium davor, die Waffen aus Nordkorea zu unterschätzen: "Trotz der Verwendung veralteter Technologien sind diese Raketen, wie alle ballistischen Mittel, für die Luftverteidigung extrem schwierig abzufangen und stellen eine tödliche Gefahr dar."

Testgelände Ukraine
Für Nordkorea ist die Lieferung von schätzungsweise 148 ballistischen Raketen (Stand Anfang 2025) mehr als nur ein Geschäft. Die Ukraine dient als gigantisches Testgelände. Pjöngjang erhält wertvolle Telemetriedaten darüber, wie sich seine Waffen gegen westliche Abwehrsysteme wie das Patriot-System schlagen.

Die forensische Arbeit der ukrainischen Ingenieure dient als Beweismaterial für Kriegsverbrechen und soll eine Grundlage für eine Verschärfung der Sanktionen gegen jene Netzwerke sein, die die westlichen Chips erst in die Hände der nordkoreanischen Waffenbauer spielen.
(pez, 17.4.2026)
Nordkoreanische Raketen bieten Einblick in die Fertigungstechnik der 70er-Jahre
 
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