Es gab sie einmal - die Saurier...

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#61
Chinesischer Gigant
Eines der größten Landtiere aller Zeiten entdeckt
In China wurden Knochen einer bemerkenswerten neuen Gattung und Art von Sauropoden aus dem späten Jura freigelegt. Der Fund stützt die Vermutung einer weltweiten Verbreitung dieser Dinosauriergruppe
Die Sauropoden brachten die größten am Land lebenden Tiere der Erdgeschichte hervor, darunter auch einige Dino-Superstars unserer Kindheit: Brachiosaurus, Brontosaurus oder Titanosaurus erreichten allesamt Dimensionen, die moderne Elefanten oder Giraffen geradezu zwergenhaft erscheinen lassen. Dass sich die bis zu 30 Meter langen und womöglich über 60 Tonnen schweren Reptilien einen so gewaltigen Körper leisten konnten, liegt vor allem an ihren im Vergleich zu Säugetieren niedrigeren Stoffwechselraten, die weniger Nahrungsaufnahme erforderten.

Bei allen Nachteilen, die diese massiven Leiber mit sich brachten – Behäbigkeit, niedrige Reproduktionsraten, Überhitzungsgefahr und fortwährenden Hunger –, muss der Riesenwuchs den Tieren auch handfeste Vorteile verschafft haben, immerhin wuchsen Sauropoden im Verlauf ihrer Evolution mehrmals unabhängig voneinander zu riesenhafter Größe heran.


Vertreter aus der Sauropodengruppe der Mamenchisauridae waren imposante Erscheinungen mit den längsten Hälsen im Dinosaurierreich.
Illustr.: Stony Brook University

Chinesischer Gigant
Einen solchen Giganten haben nun Paläontologinnen und Paläontologen in China entdeckt. Die Forschenden gruben die Überreste einer bislang unbekannten Gattung und Art eines Sauropoden aus der späten Jurazeit aus, der zu Lebzeiten vermutlich zu den größten Spezies dieser Dinosauriergruppe zählte. Der neu beschriebene Dinosaurier mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Tongnanlong zhimingi lebte vor etwa 147 Millionen Jahren im heutigen Südwesten Chinas.

Der pflanzenfressende Gigant aus der Familie der Mamenchisauridae erreichte eine Länge von bis 28 Metern und wird damit wohl nur von einigen Vertretern der Titanosaurier in den Schatten gestellt. "Sauropoden waren gigantische, vierbeinige Pflanzenfresser und die größten landbewohnenden Dinosaurier, die je existierten", erklärt Xuefang Wei vom Chengdu Center des Chinesischen Geologischen Dienstes, der gemeinsam mit seinem Team im Fachjournal Scientific Reports über den Fund berichtet.

Weiter verbreitet als gedacht
Mehr als 150 Sauropodengattungen sind mittlerweile bekannt – darunter über 20 aus der Jurazeit Chinas. Vor allem der Südwesten des Landes, insbesondere das Sichuan-Becken, zählt zu den wichtigsten Fundregionen für Sauropoden dieser Epoche. "Die Sauropodenfauna des mittleren bis späten Jura im Sichuan-Becken wurde bislang als endemisch betrachtet, also als deutlich verschieden von gleichzeitigen Faunen auf dem einstigen Superkontinent Pangaea", erklärte Wei.

Diese geografische Abgrenzung wurde häufig mit der Theorie der "ostasiatischen Isolation" erklärt, einer angenommenen geologischen Trennung während des Jura bis in die frühe Kreidezeit. Neuere phylogenetische Untersuchungen an Neosauropoden aus China sowie Funde von Mamenchisauriden in Afrika stellen diese Annahme jedoch infrage.

Die jüngsten Funde stützen stattdessen die Vermutung einer weltweiten Verbreitung dieser Dinosauriergruppe bereits während des mittleren Jura. Das Holotyp-Exemplar von Tongnanlong zhimingi wurde bei Bauarbeiten im Stadtbezirk Tongnan in der Region Chongqing entdeckt, am Rand des Sichuan-Beckens.


Die entdeckten Knochen reichten aus, um Tongnanlong zhimingi einigermaßen gut zu rekonstruieren.
Grafik: Wei et al.

Wirbelknochen, Schulterblatt und Hinterbein
Die Funde umfassen drei Rücken- und sechs Schwanzwirbel, ein Schulterblatt, einen Teil des Schultergürtels sowie Teile der Hinterbeine. Das mag wenig erscheinen, doch für einen derartigen Fund ist das erfreulich viel; die Knochen erlauben eine einigermaßen plausible Rekonstruktion dieses Giganten. Und sie zeigen komplexe anatomische Merkmale, die Tongnanlong zhimingi klar von anderen Mamenchisauriden unterscheiden.

"Unsere Grabungen zeigen, dass die Fossilienfundstelle zur unteren Schicht der Oberjura-Suining-Formation gehört, überlagert von quartären Ablagerungen", berichten die Forschenden in ihrer Studie. Die Suining-Formation besteht überwiegend aus rötlich-violettem Schluffstein und Sandstein.

Diese Gesteinsschichten sind reich an wirbellosen Fossilien – darunter vor allem Muschelkrebse (Ostrakoden), Armleuchteralgen (Charophyten), einige Süßwassermuscheln und Conchostracen. Vereinzelt wurden auch Wirbeltiere nachgewiesen, etwa der Fisch Ceratodus szechuanensis, die Schildkröte Plesiochelys tatsuensis oder der Dinosaurier Mamenchisaurus anyuensis.

Auf dem Weg zur maximalen Größe
Die anatomischen und stammesgeschichtlichen Analysen des Teams belegen, dass Tongnanlong zhimingi zur Familie der Mamenchisauridae gehört. Deren weltweite Verbreitung im späten Jura lässt sich durch diesen Fund weiter untermauern – entgegen der früheren Vorstellung, sie seien auf Ostasien beschränkt gewesen.

"Tongnanlong zhimingi liefert neue Erkenntnisse über die Entwicklung und Ausbreitung der Sauropoden zwischen mittlerem und spätem Jura – in einer Phase, in der ihre Körpergröße weiter zunahm", sagte Wei. Die Spezies lebte in einem Zeitfenster, in dem Sauropoden wahrscheinlich ihre maximale Körpergröße erreichten und sich über große geografische Flächen ausbreiteten, so der Forscher.
(Thomas Bergmayr, 14.7.2025)
Eines der größten Landtiere aller Zeiten entdeckt
 

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#62
Frühschwimmer
Urtümliches Meeresreptil aus Dino-Zeit in Deutschland entdeckt
Forscher identifizierten eine neue Plesiosaurier-Art, die einst durch Europas Jurameer schwamm. Der Fund öffnet ein Fenster in das prähistorische Ökosystem unter Wasser

So oder so ähnlich muss Plesionectes longicollum ausgesehen haben.
Artist: Peter Nickolaus

Vor rund 183 Millionen Jahren erstreckte sich das Jurameer über weite Teile des heutigen Mitteleuropas und Teile Englands. Es war nicht besonders tief, das Klima rundum warm und subtropisch – ein idealer Lebensraum für unzählige Organismen. Das Jurameer, ein Nebenmeer der großen Tethys, war voll von Knochenfischen, Haien, Ammoniten, Muscheln und Meeresreptilien wie Ichthyosaurier und Plesiosaurier.

Durch den schwankenden Sauerstoffgehalt im Meerwasser zersetzte sich totes Gewebe nur langsam, durch Ablagerungen von Ton und Kalk wurde es rasch und gut konserviert. Im Laufe von Jahrmillionen verfestigte sich der Schlamm in den Meeresbecken zu versteinerten Schichten. Die bekannteste ist der Posidonienschiefer in Südwestdeutschland – eine der bedeutendsten Fossilfundstellen Europas. Nun haben Paläontologen im reichen Fundus der bereits ausgegrabenen Fossilien eine neue Art eines urtümlichen Meeresreptils identifiziert.

Das Urtier war mehr als drei Meter groß, hatte einen langen Hals und bewegte sich im Unterjura vor etwa 183 Millionen Jahren mit paddelartigen Gliedmaßen durch das Wasser. Die neu klassifizierte Art wurde mit dem Namen Plesionectes longicollum ("Früher Schwimmer mit langem Hals") getauft und repräsentiert einen bisher unbekannten Typ von Plesiosauriern, jener Gruppe langhalsiger Meeresreptilien, die während des Zeitalters der Dinosaurier die Ozeane der Erde bevölkerten. Die Plesiosaurier starben vor 66 Millionen Jahren zusammen mit den Dinos aus. "Plesionectes war, wie alle Plesiosaurier, ein sehr guter Schwimmer, der sich wahrscheinlich primär von Fischen ernährt hat", sagt Sven Sachs, einer der Entdecker von Plesionectes longicollum.

Seit Jahrzehnten in Sammlung
Die gut erhaltenen Überreste des nun präsentierten Reptils wurden bereits 1978 in einem Steinbruch in Holzmaden, etwa 35 Kilometer südöstlich von Stuttgart in Baden-Württemberg, entdeckt. Seit Jahrzehnten befindet es sich im Depot des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart. Doch Sven Sachs vom Bielefelder Naturkunde-Museum und Daniel Madzia von der Polnischen Akademie der Wissenschaften haben das Fossil noch einmal genauer analysiert. Die Ergebnisse wurden nun im Journal Peer J veröffentlicht.

"Dieses Exemplar befindet sich seit Jahrzehnten in Sammlungen, aber frühere Studien haben seine besondere Anatomie nie vollständig untersucht", sagt Sachs. Die Neubetrachtung habe eine "ungewöhnliche Kombination von Skelettmerkmalen" zutage gebracht, die das Exemplar deutlich von allen bisher bekannten Plesiosauriern unterscheide. Daher sei eine Klassifizierung nicht nur als neue Art, sondern sogar als neue Gattung gerechtfertigt.


Das Skelett von Plesionecteslongicollum befindet sich seit vielen Jahren im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.
Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart

"Ich kannte den Fund schon lange", sagt Sven Sachs. Ihm sei von Anfang an der lange Hals aufgefallen. Das gut erhaltene Skelett misst laut Studie 295 Zentimeter – 125 davon entfallen auf den Hals und 81 auf den Schwanz. "Das Skelett ist aber etwas zusammengeschoben, und der Kopf ist nicht ganz vollständig. Das lebende Tier wird also etwa 3,5 Meter lang gewesen sein", schildert der Paläoherpetologe.

Puzzlestück der Evolution
Andere Fachleute hatten das Tier bereits früher untersucht und es für zu jung gehalten, um seine Art bestimmen zu können. Sachs betont jedoch: "In den letzten Jahren hat sich unser Wissen über Wachstumsveränderungen im Skelett der Plesiosaurier vergrößert, sodass wir heute besser beurteilen können, welche anatomischen Merkmale sich eher wenig verändern und daher zur Unterscheidung von anderen Plesiosauriern herangezogen werden können." Das Plesionectes-Exemplar sei besonders bedeutend, da es den ältesten bekannten Plesiosaurier aus der Region Holzmaden darstellt.

Im Schiefergebiet bei Holzmaden wurden bereits etliche Fossilien gefunden, darunter fünf andere Plesiosaurier-Arten. "Diese Entdeckung fügt ein weiteres Puzzlestück zur Entwicklungsgeschichte der marinen Ökosysteme in einer entscheidenden Phase der Erdgeschichte hinzu", erklärt Daniel Madzia. "Die frühe Toarcium-Periode, in der dieses Tier lebte, war von bedeutenden Umweltveränderungen geprägt, darunter ein großes ozeanisches Anoxieereignis (Sauerstoffmangel, Anm.), das das Leben im Meer weltweit beeinträchtigte."

Der Neuzugang unter den Plesiosaurier-Arten zeige, dass der Posidonienschiefer eine noch größere Vielfalt an Meeresreptilien beherbergt als bisher angenommen – und könnte neue Einblicke in das marine Leben im Jura geben.
(kri, 4.8.2025)
Urtümliches Meeresreptil aus Dino-Zeit in Deutschland entdeckt
 

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#63
Gewichtiger Einfluss
Die Dinosaurier veränderten womöglich mit ihren Körpern Flussläufe
Nach dem Aussterben der Dinosaurier kam es zu weitreichenden geologischen Veränderungen. Manche davon könnten auf das Fehlen der riesigen Tiere selbst zurückgehen

Diese künstlerische Darstellung veranschaulicht die Veränderung eines Landstrichs in den heutigen USA vor und nach dem Aussterben der Dinosaurier.
Julius Csotonyi

Das Aussterben der Dinosaurier war ein tiefer Einschnitt in der Erdgeschichte, der letztlich den Aufschwung der Säugetiere und damit auch die Entwicklung von uns Menschen ermöglichte. Neben den biologischen Veränderungen, die sich mittels Knochenfunden gut dokumentieren lassen, gab es zeitgleich auch geologische Umbrüche.

Überraschend ist das nicht, der Einschlag eines riesigen Meteoriten auf der Halbinsel Yucatán im heutigen Mexiko war so heftig, dass er auch zu geologischen Veränderungen führte. So sind die Spuren dieses Einschlags gut in geologischen Schichten nachweisbar. Doch nicht alle Effekte auf der Erdoberfläche lassen sich auf den Einfluss des Meteoritenimpakts zurückführen.

Markante Gesteinsschicht
Das zeigt sich etwa an der Fort-Union-Formation im Nordwesten der USA. Es handelt sich dabei um Gestein aus unterschiedlich gefärbten Ablagerungen. Man hielt die hellen Felsschichten bisher für Reste von Seen, die von einer ganz anderen Landschaft zeugten als vor dem Aussterben der Dinosaurier, wo Überschwemmungsgebiete vorherrschend waren. Manche Forschenden glaubten auch, Spuren des damals steigenden Meeresspiegels zu erkennen. Was die Veränderung angestoßen hatte, blieb aber unklar.

Eine neue Studie, die soeben im Fachjournal Communications Earth & Environment erschienen ist, zeichnet nun ein neues Szenario, das eine Erklärung dafür liefert. Ein Team um Luke Weaver von der US-amerikanischen University of Michigan kam zum Schluss, dass die hellen Ablagerungen nicht von Seen stammten, sondern von mäandernden Flüssen.

Deren Auftreten fällt tatsächlich exakt mit dem Aussterben der Dinosaurier zusammen, wie das Team zeigen konnte. An der Grenze zwischen den Ablagerungen des Schwemmlands zur Zeit der Dinosaurier und der Flusslandschaft aus der Zeit danach fand man hohe Konzentrationen von Iridium, das vom Chixulub-Meteoriten stammte, der das Aussterben der Dinosaurier besiegelte.

Verhinderter Wald
Doch was verursachte diese plötzliche Veränderung? Dafür liefert Weavers Team eine ungewöhnliche Erklärung. "Wenn wir darüber nachdenken, wie sich das Leben auf der Erde oder Umgebungen mit der Zeit verändern, gehen wir beispielsweise von Klimaveränderungen oder neuen Gebirgen aus, die Einfluss auf Lebewesen haben", sagt Weaver. "Nur selten kommt uns in den Sinn, dass das Leben selbst das Klima und die Landschaft verändern kann. Die Entwicklung kann nicht nur in die eine Richtung verlaufen."

Bekannt ist das Phänomen etwa von Herden großer Wiederkäuer. Sie verhindern das Aufkommen von Wald, indem sie den Pflanzenbewuchs kurz halten. Das Bild, das Weaver und sein Team zeichnen, ist aber nicht jenes grasender Rinder. Sie ziehen als Vergleich Elefanten heran, die ebenfalls großen Einfluss auf ihren Lebensraum haben. "Dinosaurier waren riesig", sagt Weaver. "Sie müssen Einfluss auf die damalige Vegetation gehabt haben."

Der neuen Studie nach dürften Dinosaurier die vorhandene Vegetation laufend so beschädigt haben, dass sie das Aufkommen von Wäldern verhinderten. Als sie verschwanden, stand der Bildung von Wäldern nichts mehr im Weg. Dadurch wurde der Boden befestigt, und es bildeten sich definierte Flussläufe und damit die heute beobachteten hellen Ablagerungen.
(Reinhard Kleindl, 16.9.2025)
Die Dinosaurier veränderten womöglich mit ihren Körpern Flussläufe
 

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#64
"Nano-Tyrannus"
Tyrannosaurus-"Teenager" gehörten zu einer eigenen Gattung
Seit vielen Jahren wird über einige überraschend kleine Tyrannosaurus-Funde debattiert. Eine neue Studie zeigt, dass eines der vermeintlichen Jungtiere ausgewachsen war

Dieses Fossil eines Raubsauriers befindet sich im North Corolina Museum of Natural Sciences.
NC Museum of Natural Sciences

Tyrannosaurus rex, der vor rund 70 Millionen Jahren lebte, ist eines der größten Raubtiere, die je den Planeten bewohnten. Die größten bekannten Exemplare wogen fast neun Tonnen, mit Schädeln von 1,5 Metern Länge. Seit dem Hollywood-Blockbuster Jurassic Park von Stephen Spielberg aus den 1990er-Jahren und den zahlreichen Fortsetzungen ist der "T. rex", wie er genannt wird, ein Star.

Doch auch das größte Tier muss irgendwann klein anfangen. Ab dem Schlüpfen dauerte es etwa 18 Jahre, bis ein T. rex seine volle Größe erreichte. Es musste also irgendwo Fossilien von Jungtieren geben.

Mini-Tyrann
Im Jahr 1946 wurde im US-Bundesstaat Montana ein Schädel entdeckt, der einem Tyrannosaurus ähnelte, aber viel kleiner war. Nach einigem Hin und Her identifizierte man das Individuum im Jahr 1988 als Vertreterin einer neuen Gattung, die Nanotyrannus genannt wurde. Doch nicht alle Forschenden folgten dieser Interpretation. Manche glaubten, darin ein Jungtier eines Tyrannosaurus rex zu sehen. Ein 2001 entdecktes, vollständigeres Fossil, das Jane genannt wurde und dem Nanotyrannus-Schädel ähnelte, zeigte tatsächlich jugendliche Züge.


In dieser künstlerischen Darstellung greift eine Gruppe Nanotyrannus-Exemplare einen jungen Tyrannosaurus rex an.
Anthony Hutchings

Doch ob es sich um ein Jungtier eines T. rex oder um das einer eigenständigen Art handelte, war damit streng genommen nicht klar. Nun kommt eine neue, im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie zum Schluss, dass Nanotyrannus tatsächlich kein Tyrannosaurus rex gewesen sein dürfte.

Dinosaurier-Duell
Das Fossil, auf dessen Untersuchung die Studie basiert, wurde 2006 entdeckt und erregte große Aufmerksamkeit, weil die Knochen des Raubsauriers neben denen eines pflanzenfressenden Triceratops liegen, als hätten sich die beiden duelliert.

Die außergewöhnliche Fossilengruppe sollte versteigert werden, landete aber schließlich im North Carolina Museum of Natural Sciences. Schon damals gab es Spekulationen um das Raubsaurierfossil, das zu einem Tyrannosaurus rex mittlerer Größe zu gehören schien. Lindsay Zanno arbeitet am North Carolina Museum of Natural Sciences und begann gemeinsam mit ihrem Kollegen James Napoli von der Stony Brook University, das Fossil zu untersuchen.

Sie zeigen in der neuen Studie, dass es sich bei dem kleinen Raubsaurier von 2006 um ein ausgewachsenes Tier handelt. Sie hatten also keinen jungen Tyrannosaurus rex, sondern einen erwachsenen Nanotyrannus vor sich. Zwar handelte es sich offenbar um einen jungen Erwachsenen, dessen Wachstum noch nicht vollständig beendet war. Die Forschenden konnten aber zeigen, dass das Individuum unmöglich die Größe eines Tyrannosaurus rex hätte erreichen können. Das gilt laut der neuen Studie auch für andere Nanotyrannus-Fossilien.


Lindsay Zanno vom North Carolina Museum of Natural Sciences und der North Carolina State University mit dem Fossil, auf dessen Untersuchung die neue Studie basiert.
NC State University

Die Forschenden schließen, dass aus heutiger Sicht unverständlich sei, warum die These, es könne sich bei den Nanotyrannus-Exemplaren um junge Tyrannosaurus-rex-Exemplare handeln, überhaupt so lange verfolgt wurde. Zumindest drei der Nanotyrannus-Individuen besitzen beispielsweise deutlich mehr Zähne als Tyrannosaurus rex. Das ließe sich nur erklären, wenn die Tiere beim Heranwachsen mehr Zähne verloren hätten als fast alle anderen Wirbeltiere.

Kritik an Diskussion
Der nicht an der Studie beteiligte Paläontologe Lawrence M. Witmer von der US-amerikanischen Ohio University nimmt in einem begleitenden Artikel für Science die neuen Erkenntnisse zum Anlass, den bisherigen Streit um die Nanotyrannus-Fossilien zu kritisieren. Er fragt, warum überhaupt so schnell Einigkeit darüber entstand, dass es sich bei den Fossilien um junge Tyrannosaurier handelte. Zu viele offene Fragen hätten mehr Vorsicht verlangt. Die Kritik ähnelt spiegelbildlich der vor nur wenigen Jahren geäußerten Kritik an der Vorstellung, dass Nanotyrannus eine eigene Art gewesen sein könnte.

Nach den neuen Erkenntnissen dürfte es Nanotyrannus also tatsächlich gegeben haben, und zwar zur gleichen Zeit wie Tyrannosaurus rex. Damit existierte der größte Raubsaurier wohl neben zwei weiteren Raubsaurier-Arten – ein Hinweis auf die Artenvielfalt in der Kreidezeit kurz vor dem Aussterben der Dinosaurier. Die Suche nach jungen Exemplaren des mächtigen Tyrannosaurus rex geht unterdessen weiter.
(Reinhard Kleindl, 30.10.2025)
Es gab sie einmal - die Saurier...
 

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#65
Langsames Wachstum
T. Rex war erst mit 40 ausgewachsen
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Der Tyrannosaurus Rex ist ein echter Gigant unter den Landraubtieren der Kreidezeit gewesen. Bis er ausgewachsen war und seine volle Körpergröße erreichte, dauerte es laut neuen Studiendaten aber deutlich länger als bisher vermutet: Wirklich ausgewachsen waren die Tiere erst in ihren 40ern.
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Mit seinen scharfen Zähnen, einer Körperlänge von bis zu 13 Metern und einem Gewicht von acht Tonnen hatte der Tyrannosaurus Rex in der Kreidezeit keine natürlichen Feinde – er stand klar an der Spitze der Nahrungskette. In der Wissenschaft ging man bisher davon aus, dass die bekannten Dinosaurier rund 25 Jahre brauchten, bis sie ihre volle Größe erreichten.

Eine neue Studie im Fachjournal „PeerJ“ zeigt nun aber, dass ihr Wachstumsprozess wohl deutlich länger dauerte. „Wir haben herausgefunden, dass der Tyrannosaurus Rex etwa 40 bis 45 Jahre benötigt hat, um seine ausgewachsene Größe zu erreichen. Also etwa 15 Jahre länger als bisher angenommen“, so die Paläontologin Holly Woodward Ballard von der staatlichen Universität Oklahoma (USA) gegenüber dem Fachjournal.

Knochen verraten Wachstum
Um zu diesem Ergebnis zu kommen, analysierte das Forschungsteam fossile Beinknochen von insgesamt 17 T. Rex-Exemplaren, die vom frühen Jugendstadium bis hin zu ausgewachsenen Erwachsenen reichten. Durch den Einsatz modernster Lichttechniken gelang es, das bis heute erhaltene Knochengewebe detailliert zu durchleuchten. Die Fachleute waren dabei auf der Suche nach Merkmalen, die man sonst eher von Bäumen kennt.

Dr. Holly Woodward Ballard
Die Wachstumskurve eines T. Rex

„Um das Alter eines Dinosauriers zu bestimmen und zu untersuchen, wie schnell er gewachsen ist, betrachtet man die Wachstumsringe im Knochengewebe“, so Woodward Ballard. Auch wenn die fossilen Knochen schon in der Vergangenheit mehrmals untersucht wurden, fand das Forschungsteam nun bisher noch unbekannte Wachstumsringe. Diese Entdeckung lasse darauf schließen, dass ein T. Rex deutlich länger als 25 Jahre brauchte, um erwachsen zu werden.

Anpassungsfähige Raubtiere
Die Analyse der Ringe ergab außerdem, dass das Wachstum der Raubtiere stark variierte. Manche Ringe lagen enger beieinander, zwischen anderen gab es größere Abstände. „Beim T. Rex verlief das Wachstum sehr unregelmäßig. Die Schwankungen bei den Wachstumsringen deuten darauf hin, dass der Dinosaurier in einem Jahr, in dem es wenig zu fressen gegeben hat, möglicherweise nicht besonders viel gewachsen ist. In anderen Jahren mit genügend Nahrung, konnte er dann jedoch entsprechend stark zulegen“, erklärte die Paläontologin.

Diese Variabilität unterstreiche die gute Anpassungsfähigkeit der Tiere und könnte ein weiterer Grund dafür gewesen sein, dass die Dinosaurier im Laufe ihrer Entwicklung an die Spitze der Nahrungskette klettern konnten.

Neue Fragen zur Artenvielfalt
Die Erkenntnisse aus der Studie ermöglichen neue Einblicke in das Leben des Tyrannosaurus Rex in der Kreidezeit. Sie werfen aber auch ein paar neue Fragen auf, etwa, ob alle Fossilien, die bisher als T. Rex-Knochen klassifiziert wurden, auch tatsächlich von den Riesenreptilien stammen.
Ein paar der untersuchten Knochen wiesen im Labor Merkmale auf, die statistisch nicht zu den anderen passten. Woodward Ballard schließt nicht aus, dass diese Knochen in Wirklichkeit zu einer anderen, bisher vielleicht noch unbekannten Dinosaurierart gehören. Um das zu bestätigen seien aber noch weitere Untersuchungen nötig.
15.01.2026, Raphael Krapscha, ORF Wissen
T. Rex war erst mit 40 ausgewachsen
 

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#66
„DinoTracker“ erkennt Dinosaurierspuren
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Immer wieder werden Millionen Jahre alte tierische Fußabdrücke entdeckt. Ob die Spuren von Dinosauriern stammen und zu welcher Art sie gehörten, ist selbst für Fachleute oft nicht leicht zu entscheiden. Eine neu KI-basierte App soll nun dabei helfen.
Online seit heute, 13.55 Uhr
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Erst im vergangenen Herbst wurden im italienischen Nationalpark Stilfserjoch an den Wänden der Dolomiten Tausende Fußabdrücke von einem Naturfotografen zufällig entdeckt. Laut anschließenden Analysen von Fachleuten stammen die 210 Millionen Jahre alten Spuren wahrscheinlich von Prosauropoden – das sind pflanzenfressende Dinosaurier mit langem Hals und kleinem Kopf.

Nicht immer ist es ganz einfach, solche fossilen Fußspuren dem richtigen Tier zuzuordnen, wenn es keine Skelettreste oder Ähnliches gibt. Wie die Forscher und Forscherinnen um Gregor Hartmann vom deutschen Helmholtz-Zentrum in ihrer soeben im Fachmagazin „PNAS“ erschienenen Studie schreiben, hat nicht jeder Dinosaurierfuß klar erkennbare und eindeutig zuordenbare Merkmale. Hinzu kommen Einflüsse wie Bewegungsmuster und Bodenbeschaffenheit. Meist braucht es ganze Expertengruppen, um zu einer relativ klaren Einordnung zu kommen. Zuletzt kamen auch immer häufiger automatisierte Methoden zum Einsatz, maschinelles Lernen hilft derzeit vor allem bei der Vorsortierung der Abdrücke.

Hohe Treffsicherheit
Die nun entwickelte DinoTracker-App soll die Klassifizierung weiter erleichtern. Wie Hartmann gegenüber ORF Wissen erklärt, wurde das Projekt durch seinen Sohn inspiriert, der wie viele Kinder als Dreijähriger zum „Dinofanatiker“ wurde. Trainiert wurde das zugrundeliegende KI-Modell mit 2.000 fossilen Fußabdrücken, erfasst wurden außerdem Millionen von möglichen Variationen bei der Form.


Tone Blakesley
Digitale Kartierung einer Dinospur von der schottischen Isle of Skye

Am Ende wurden acht zentrale Merkmale identifiziert: unter anderem die Spreizung der Zehen, die Position der Fersen, die Größe des Bodenkontakts und die Gewichtsverteilung. Laut den Forschenden erzielt der Algorithmus eine Treffsicherheit von 90 Prozent – gemessen an menschlichen Fachleuten.

Die neue App brachte auch schon neue Erkenntnisse, wie das Team in der Studie berichtet, etwa dass bestimmte 200 Millionen Jahre alte Fußabdrücke von Dinosauriern einige Gemeinsamkeiten mit heutigen und ausgestorbenen Vögeln haben. Das lege nahe, dass es womöglich schon Millionen Jahre früher als derzeit angenommen Vögel gab, oder aber, dass die Füße von manchen Dinosauriern den Krallen von Vögeln sehr ähnlich waren.

Frei verfügbar
Die technische Innovation eröffne neue Möglichkeiten, das Leben und die Wanderungen von Dinosauriern zu erforschen. Alle können damit zu Dinoforschern und -forscherinnen werden. Über die Plattform Github ist der Code für alle zugänglich und kann mit der dortigen Anleitung auf Windows, Mac und Linux installiert werden, erklärt Hartmann. Für die Feldforschung eigne sich derzeit am besten ein Windows-Tablet mit Kamera. „Wir arbeiten gerade auch aktiv an einer Version für Smartphones“, so der Forscher.


AFP/Elio Della Ferrera
Tausende Dinosaurierspuren an den Hängen der italienischen Alpen in der Lombardei

Es erfordere noch einiges an Detailarbeit, damit die Anwendung auch mit dem kleineren Bildschirm funktioniert. „Aber wir werden alles kostenlos zur Verfügung stellen. Ebenfalls denken wir über eine ‚Gamification‘ nach, weil viele Wissenschaftler Riesenspaß daran hatten, die Features so zu verändern, um einen vorgegebenen Zielfußabdruck zu erreichen“, so Hartmann zu möglichen Weiterentwicklungen.

Spielerei für Laien
Primär solle die App natürlich Forscherinnen und Forschern helfen. Für Laien sei die Wahrscheinlichkeit, einen echten fossilisierten Dinoabdruck zu finden, auch sehr gering. Man müsste sich zuallererst an einem Ort befinden, wo entsprechend alte Steine zum Vorschein kommen, wie eben zuletzt in den Dolomiten.
Es gebe aber auch eine spielerische Anwendung für jeden und jede: nach dem Regen rausgehen und Vogelspuren suchen, beschreibt Hartmann. Hat man einen Fußabdruck gefunden, könne man ihn mittels App analysieren und auch herumprobieren, „was am Fußabdruck verändert werden muss, um aus einer Taube einen T-Rex zu machen.“
27.01.2026, Eva Obermüller, ORF Wissen

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#67
Kreidezeitliches Einhorn
Ungewöhnliches Fossil belebt alte Debatte über den Urzeitriesen Spinosaurus
Neue Spinosaurus-Art aus der Sahara trug einen "Krummsäbel" auf dem Kopf. Weitere fossile Fragmente sprechen einmal mehr eher für eine watende als eine schwimmende Lebensweise

Die Gattung Spinosaurus aus der Kreidezeit brachte einige der größten Raubsaurier aller Zeiten hervor. Die nun entdeckte Spezies trug einen beeindruckenden Kopfschmuck.
Illustr.: Dani Navarro/University of Chicago

Unter der Sonne der zentralen Sahara liegt Jenguebi. In der Region inmitten der kargen Weiten des Niger entdeckte der US-Paläontologe Daniel Vidal einen Knochen, der zunächst wie ein Wirbel wirkte – bis sich beim weiteren Freilegen ein gebogener Schädelkamm zeigte. Es war ein anatomisches Merkmal, das einst den Kopf eines Spinosaurus schmückte – jenes riesigen, segelrückigen Theropoden, der die Wissenschaft seit über einem Jahrhundert vor ein Rätsel stellt.

"Es war erstaunlich", sagte Vidal. "Es war wie ein Einhorn." Die Entdeckung datiert aus dem Jahr 2022, als Vidal Teil einer Expedition unter der Leitung von Paul Sereno war, einem renommierten Paläontologen an der University of Chicago. Wie das Team nun im Fachjournal Science berichtet, gehören diese Überreste zu einer bisher unbekannten Spezies, die sie Spinosaurus mirabilis nannten. Vor rund 95 Millionen Jahren, in der späten Kreidezeit, herrschte in der Fundregion ein dynamisches Fluss-Ökosystem, in dem dieser Gigant lebte.

"Kein Wasser, keine Ziege"
Heute bietet Jenguebi ein völlig anderes Bild: Die Landschaft ist trocken, von Sand dominiert und nahezu baumlos. Die lokale Gemeinschaft der Tuareg bezeichnet das Gebiet als "Sirig Taghat", was treffend mit "Kein Wasser, keine Ziege" übersetzt wird. Dass Sereno genau hier fündig wurde, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Hartnäckigkeit. Bereits in den 1950er-Jahren hatte der französische Geologe Hugues Faure über einen in Niger gefundenen Dinosaurierzahn berichtet. Diese Information diente Sereno als Kompass für seine Suche nach weiteren Relikten.

"Ich wusste, dass es die Stecknadel im Heuhaufen war", sagte Sereno über die abgelegene Stätte. "Sie hätte leicht vom Sand verschluckt werden können." Gemeinsam mit dem lokalen Guide Abdul Nasser, der die Forscher auf einem Moped durch die Dünen navigierte, erkundeten Sereno und Vidal das Areal bereits 2019. Schon damals stießen sie auf einen Kieferknochen eines Spinosaurus. Bei ihrer Rückkehr drei Jahre später konnten sie die Knochen von insgesamt drei Individuen der neuen Art Spinosaurus mirabilis identifizieren.

Das Ökosystem der Fundstelle erwies sich als erstaunlich divers: Neben den Spinosauriern fanden sich Überreste des Fleischfressers Carcharodontosaurus, zwei Arten langhalsiger Sauropoden sowie Fossilien von Krokodilen, Schildkröten und einem Süßwasserfisch, der eine Körperlänge von fast vier Metern erreichte.


Der schwertförmige Scheitelkamm von Spinosaurus mirabilis wurde in der Region Jenguebi der Zentralsahara freigelegt.
Daniel Vidal/University of Chicago

Krummsäbel mit Signalfunktion
Für die Paläontologie ist die Entdeckung mehrerer Teilskelette aus dieser Epoche auf dem afrikanischen Kontinent ein seltener Glücksfall. Besonders der Kopfkamm von Spinosaurus mirabilis fasziniert die Fachwelt: Zwar besaßen auch verwandte Arten ähnliche Strukturen, doch keine war so ausgeprägt wie diese, die das Team mit einem Krummsäbel vergleicht. Rekonstruktionen legen nahe, dass der Kamm von einer Keratinschicht überzogen war und somit noch markanter aus dem Schädel ragte, als es der reine Knochen vermuten lässt. In Kombination mit dem Rückensegel ergab dies eine Silhouette, die weithin sichtbar gewesen sein muss.

Sereno vermutet eine kommunikative Funktion hinter diesem Merkmal. "Die Uferlinie ist ein ungewöhnlicher Ort, an dem man nach unten blicken und eine Viertelmeile weit sehen kann", erklärte er. Ähnlich wie beim Helmperlhuhn könnte der Kamm als Signal für Artgenossen gedient haben – etwa zur Partnerwahl oder zur Reviermarkierung. Ob es dabei geschlechtsspezifische Unterschiede gab, bleibt vorerst spekulativ.

Rätselhafte Lebensweise
Darüber hinaus lieferten die Fragmente des Ober- und Unterkiefers handfeste Belege für die spezialisierte Lebensweise. Der Spinosaurus verfügte über konische, ineinandergreifende Zähne, die jenen heutiger Krokodile oder längst ausgestorbener Meeresreptilien wie den Plesiosauriern ähnelten. Dieses Gebiss fungierte als mechanisches Präzisionswerkzeug: Sobald ein Fisch gepackt wurde, bohrten sich die Zähne durch die glitschige Haut und hielten die Beute fest. "Unter den Dinosauriern besitzt nur der Spinosaurus eine 'Fischfalle'", so Vidal über diese hochgradig spezialisierte Anpassung.

Trotz dieser Erkenntnisse bleibt die Frage nach dem exakten Lebensraum des Spinosaurus Gegenstand einer der intensivsten Debatten der modernen Paläontologie. Lange Zeit galten Dinosaurier als reine Landtiere. Als jedoch 2014 unter der Leitung von Nizar Ibrahim Fossilien von Spinosaurus aegyptiacus in Marokko beschrieben wurden, änderte sich die Perspektive: Ibrahim argumentierte, der Spinosaurus sei als erster bekannter Dinosaurier aktiv im Wasser geschwommen.


Trotz der neuen Funde bleibt die Frage nach dem exakten Lebensraum des Spinosaurus Gegenstand paläontologischer Debatten. Haben sich diese Dinosaurier bevorzugt im Wasser aufgehalten oder sind sie in den Uferzonen umher gewatet?
Illustr.: Dani Navarro/University of Chicago

Die nun in Niger entdeckte Art liefert der Gegenthese neue Nahrung. Der Fundort Jenguebi lag hunderte Kilometer vom nächsten Ozean entfernt tief im Binnenland. Die Forscher fanden die Knochen in Flusssedimenten, was darauf hindeutet, dass das Tier in bewaldeten Uferzonen lebte und dort, ähnlich wie heutige Reiher, im flachen Wasser auf Beutezug ging.

Parallelen zu modernen Reihern
Sereno und sein Team verglichen die Biomechanik von Hals, Schädel und Hinterbeinen mit einer Vielzahl von Tieren. Ihre Analyse sieht den Spinosaurus funktional näher bei watenden Vögeln als bei Krokodilen. "Ich denke, die Argumente fügen sich sowohl funktionell als auch durch die Feldarbeit zusammen: Dies waren riesige, reiherähnliche Tiere, die sich zur Schau stellten und Fische packten", sagte Sereno.

Ibrahim hingegen zeigt sich skeptisch. Er weist darauf hin, dass Watvögel leichte Körper und extrem lange Beine besitzen – das Gegenteil dessen, was die Osteologie des Spinosaurus mit einer Länge von bis zu 18 Metern, seinem enormen Gewicht von über sechs Tonnen und den dichten Knochen nahelegt. Für Ibrahim bleibt die hohe Knochendichte "sozusagen der Dinosaurier im Raum". Er vermutet weiterhin, dass das Tier für den Auftrieb und die Fortbewegung unter Wasser optimiert war.


Weitere Schädelfragmente lieferten Belege für die spezialisierte Lebensweise des Urzeitriesen: Die konischen, ineinandergreifenden Zähne gleichen jenen heutiger Krokodile und weisen darauf hin, dass vor allem Fisch auf dem Speiseplan von Spinosaurus stand.
Keith Ladzinski/University of Chicago

Flexibler Opportunist?
Möglicherweise liegt die Wahrheit in der ökologischen Flexibilität. Andere Fachleute geben nämlich zu bedenken, dass ein Tier dieser Größenordnung ein Opportunist sein musste, um seinen Energiebedarf zu decken. Chemische Analysen der Zähne bestätigen zwar eine primäre Ernährung durch Fisch, belegen aber auch den Verzehr anderer Dinosaurier. Dies könnte darauf hindeuten, dass der Spinosaurus an Wasserstellen lauerte, um Landtiere beim Trinken oder Überqueren des Flusses zu schlagen.

Das unvollständige Bild des Spinosaurus hat historische Gründe. Die ersten 1910 entdeckten Fossilien wurden während der alliierten Bombardierung Münchens im Zweiten Weltkrieg zerstört, was die Forschung um Jahrzehnte zurückwarf. Neue Funde in Brasilien und weitere Analysen von Ibrahims Team lassen auf weitere Puzzleteile zur Lösung des Mysteriums hoffen. Bis ein vollständiges Skelett freigelegt wird, bleibt der Spinosaurus jedoch wohl weiterhin eines der faszinierendsten Phantome der Urzeit.
(Thomas Bergmayr, 23.2.2026)
Ungewöhnliches Fossil belebt alte Debatte über den Urzeitriesen Spinosaurus
 

josef

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#68
Zurückgebildet
Kurze Arme des T. rex könnten mit großem Schädel zusammenhängen
Einige fleischfressende Dinosaurier weisen erstaunlich kurze Arme auf, manche sind noch kürzer als die des Tyrannosaurus. Die Robustheit des Schädels dürfte verantwortlich sein

So könnte Tyrannosaurus rex vor mehr als 66 Millionen Jahren ausgesehen haben.
IMAGO/StockTrek Images/Sergey Krasovskiy

Die kurzen Arme des Tyrannosaurus rex haben längst Legendenstatus erreicht. Ahmt man sie nach, dann weiß fast jeder, dass man sich auf den ausgestorbenen Dinosaurier bezieht – ein Erkennungsmerkmal, das für einen Spitzenprädator seiner Zeit einigermaßen amüsant ist.

Wie es zur Skurrilität der Evolution kam, ist nicht restlos geklärt. Es gibt unterschiedliche Erklärungsversuche. Unter anderem äußerte der US-amerikanische Paläontologe Kevin Padian die Vermutung, als Rudeljäger könnten die Arme des T. rex beim gemeinschaftlichen Zerfleischen der Beute den Artgenossen gefährlich nahe kommen. Individuen mit kürzeren Armen hätten daher einen Überlebensvorteil genossen, da sie den scharfen Zähnen der Fressnachbarn entgingen.

Nutzen oder verlieren
Eine andere These vertritt ein Team um die Paläontologin Elizabeth Steell von der Universität Cambridge in England. Auch ihrer Ansicht nach boten die kürzeren Arme wohl eine evolutionär vorteilhafte Strategie, wie sie im Fachjournal Proceedings of the Royal Society B ausführt. Und T. rex war damit nicht alleine: Es gibt mehrere Gruppen fleischfressender Dinosaurier, die durch kurze Vorderextremitäten auffallen. Als "lächerlich winzig" bezeichnet Studienautor Charlie Roger Scherer vom University College London den Carnotaurus, der in Argentinien vorkam und noch kleinere Arme hatte als T. rex.

In der Studie wurden Daten von 82 Theropoden-Arten mit fleischlastiger Ernährung untersucht. Die Verkürzung der Vordergliedmaßen trat in fünf Gruppen auf, darunter bei den Tyrannosauriden, also jener Familie, zu der auch Tyrannosaurus rex gehört. Die Forschenden fanden heraus, dass kleinere Arme eng mit der Entwicklung großer, kräftiger Schädel und Kiefer zusammenhingen – stärker als mit einer insgesamt größeren Körpergröße. Dies deutet darauf hin, dass winzige Arme nicht bloß ein Nebenprodukt des allgemeinen Körperwachstums waren.

Als mögliche Ursache vermuten die Forschenden, dass die zunehmende Größe der Beute – in Form riesiger Sauropoden und anderer großer Pflanzenfresser – zu einem Wechsel der Jagdstrategie führte. Demnach wurden Kiefer und Kopf verstärkt als Waffen eingesetzt. Der Kopf übernahm die Rolle der Arme als Angriffswerkzeug, kräftige Muskulatur und robuste Schädel wurden beim Angriff auf Beute besonders nützlich. Nach dem Prinzip "use it or lose it" bildeten sich im Gegenzug die Arme im Laufe der Zeit immer mehr zurück.

Ursache und Wirkung
Für die Studie entwickelten die Forschenden eine neue Methode zur Messung der Schädelrobustheit, basierend auf Faktoren wie der Verbindung der Schädelknochen, den Dimensionen des Schädels und der Beißkraft. Den höchsten Wert erzielte dabei der T. rex, gefolgt vom Tyrannotitan. Konkret hing die Verkürzung der Arme enger mit der Schädelrobustheit zusammen als mit der Schädelgröße oder der Gesamtkörpergröße.

Die Forschenden stellten zudem fest, dass die Vordergliedmaßen in verschiedenen Gruppen auf unterschiedliche Weise kleiner wurden – bei Abelisauriden verkürzten sich vor allem Hände und Unterarme, während bei Tyrannosauriden jedes Element gleichmäßig reduziert wurde. Die Schlussfolgerung des Forschungsteams: Dasselbe Ergebnis, also winzige Vordergliedmaßen, wurde durch unterschiedliche Entwicklungswege erreicht.

"Einen 30 Meter langen Sauropoden mit den Klauen zu packen und zu ziehen, ist nicht gerade ideal", sagt Scherer. Effektiver dürfte es gewesen sein, die große Beute mit den Kiefern anzugreifen und festzuhalten. "Obwohl unsere Studie Zusammenhänge aufzeigt und daher keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen herstellen kann, ist es sehr wahrscheinlich, dass die kräftigen Schädel vor den kürzeren Vordergliedmaßen entstanden sind. Es wäre evolutionär nicht sinnvoll, wenn es umgekehrt gewesen wäre und diese Raubtiere ihren Angriffsmechanismus aufgeben würden, ohne über eine Alternative zu verfügen."
(sic, 20.5.2026)
Kurze Arme des T. rex könnten mit großem Schädel zusammenhängen
 

josef

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#69
In jeder Größe gefährlich
T.-rex-Babys waren klein wie Hauskatzen, aber bereits bemerkenswert bissig
Neue Analysen von raren Fossilien zeigen, dass schon die Jungtiere Knochenbrecher waren – und elterliche Brutpflege noch nicht allzu ausgeprägt war

Künstlerische Darstellung eines frisch geschlüpften Tyrannosaurus rex, der bereits sehr früh mit dem eigenständigen Jagen begonnen haben dürfte – und gewiss kein Kuscheltier war.
Raul Martin

Tiere, die vor gut 66 Millionen Jahren einem frisch geschlüpften Tyrannosaurus rex begegneten, sollten sich besser nicht von dessen Zwergenhaftigkeit täuschen lassen. Zwar wogen die Jungtiere kaum mehr als zweieinhalb Kilogramm und waren ungefähr so groß wie eine Hauskatze – harmlos waren sie deshalb aber keineswegs. Neue Fossilanalysen zeigen: Bereits kurz nach dem Schlüpfen jagten sie eigenständig Beute und zerbissen dabei sogar Knochen. "Tyrannosaurier waren in jeder Größe gefährlich", resümiert der Anatom Eric Snively (Oklahoma State University) auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse.

Die im Fachjournal Biology veröffentlichte Studie liefert erstmals detaillierte Einblicke in die früheste Lebensphase des berühmtesten Raubsauriers. Das internationale Forschungsteam um den Paläontologen Nicholas Longrich (University of Bath) nahm die bislang ältesten bekannten Fossilien von T.-rex-Jungtieren unter die Lupe und rekonstruierte aus diesen Funden nicht nur deren Lebensweise, sondern auch die Fortpflanzungsstrategie der Giganten der Kreidezeit.

Frisch geschlüpfte Jäger
Ausgewachsene Tyrannosaurier konnten bis zu zwölf Meter lang werden und mehrere Tonnen wiegen. Das ist längst bekannt und steht in jedem Dinobuch für Kinder. Über ihre ersten Lebensmonate wusste die Wissenschaft bisher dagegen erstaunlich wenig. Fossilien frisch geschlüpfter Raubsaurier sind extrem selten, weil ihre zarten Knochen nur in Ausnahmefällen erhalten blieben. Dazu zählen die nun untersuchten Überreste, die aus dem T. rex Discovery Centre des Royal Saskatchewan Museum in Kanada stammen.

Mithilfe hochauflösender Computertomografie analysierten die Forschenden einen Mittelfußknochen eines sehr jungen Tieres. Das Knochengewebe war von zahlreichen Blutgefäßen durchzogen. Das ist ein Hinweis auf extrem schnelles Wachstum. Gleichzeitig fehlten sogenannte Wachstumsringe, die bei Dinosauriern ähnlich wie Jahresringe bei Bäumen entstehen. Das Tier dürfte deshalb jünger als ein Jahr gewesen sein.


Digitale Rekonstruktion von einem ausgewachsenen T. rex im Größenvergleich zu einem frisch geschlüpften Artvertreter. Die Jungtiere machten im Laufe ihres Lebens ein erstaunliches Wachstum durch.
Ji Zhongqiu

Noch aufschlussreicher erwiesen sich winzige Zähne, die ebenfalls frisch geschlüpften Tyrannosauriern zugeordnet werden konnten. Ihre Spitzen zeigen deutliche Abnutzungsspuren, die dadurch entstanden, dass die Zähne regelmäßig auf Knochen trafen. "Die Babys zerbissen die Knochen ihrer Beutetiere genauso wie ausgewachsene Tyrannosaurier", sagt Snively in einer Presseaussendung seiner Universität. Das spricht dafür, dass die Jungtiere bereits kurz nach dem Schlüpfen Wirbeltiere jagten und keineswegs nur Insekten oder Aas fraßen.

Keine Nesthocker
Die Ergebnisse zeichnen das Bild eines erstaunlich selbstständigen Nachwuchses. Statt über längere Zeit im Nest versorgt zu werden, dürften die Jungtiere dieses rasch verlassen haben. Ihre geringe Körpergröße könnte dabei sogar ein Vorteil gewesen sein: Während ausgewachsene Tyrannosaurier riesige Pflanzenfresser erlegen mussten, konnten die Jungen kleine Dinosaurier und andere Wirbeltiere jagen und so eine ökologische Nische besetzen, die den Erwachsenen verschlossen blieb.


Anschaulicher Größenvergleich mit einer Hauskatze: Frisch geschlüpfte Babys von Tyrannosaurus rex wogen nur rund zwei Kilogramm.
Nicholas Longrich et al., Biology 2026

Die Forschenden vermuten daher, dass verschiedene Altersstufen derselben Art kaum miteinander konkurrierten. Dieses Phänomen ist auch von anderen Dinosauriern bekannt und könnte ein wichtiger Erfolgsfaktor der Tyrannosaurier gewesen sein.

Zwischen Schildkröte und Vogel
Aus den Fossilien leiten Longrich und sein Team zudem spannende Rückschlüsse auf die Fortpflanzungsstrategien von T. rex ab. Demnach legten Tyrannosaurier wahrscheinlich deutlich mehr Eier als heutige Vögel, aber weniger als viele Reptilien. Kleinere Weibchen dürften rund 20 Eier produziert haben, große Tiere bis zu 30. Das liegt weit unter den mehr als hundert Eiern, die manche Schildkröten ablegen, aber deutlich über den Gelegen großer Vögel.

Dahinter steckt ein grundlegendes evolutionäres Prinzip: Tiere können entweder viele Nachkommen hervorbringen oder vergleichsweise viel Energie in deren Betreuung investieren – beides gleichzeitig ist kaum möglich. Schildkröten setzen auf Masse und überlassen ihren Nachwuchs sich selbst. Vögel legen meist wenige Eier, kümmern sich dafür intensiv um ihre Jungen.

Tyrannosaurus rex scheint evolutionär zwischen diesen beiden Strategien gelegen zu haben. Die Forschenden schließen daraus auf eine eher begrenzte Brutpflege: Die Eltern könnten ihre Nester bewacht oder die Jungtiere anfangs geschützt haben, eine längere Versorgung erscheint jedoch unwahrscheinlich.

Gefährliches Leben von Beginn an
Dass T.-rex-Weibchen so viele Eier legten, deutet zugleich auf eine hohe Sterblichkeit unter den Jungtieren hin. Viele dürften Raubtieren zum Opfer gefallen sein – möglicherweise sogar älteren Tyrannosauriern. Kannibalismus ist bei mehreren großen Theropoden nachgewiesen und könnte auch bei T. rex vorgekommen sein.

Die neue Studie liefert damit nicht nur neue Erkenntnisse über den "König der Dinosaurier", sondern auch über die Evolution der Brutpflege insgesamt. Im Verlauf der Erdgeschichte investierten Dinosaurier offenbar zunehmend mehr in ihre Nachkommen. Die Tyrannosaurier markieren dabei eine Zwischenstufe: Sie brachten noch relativ viele Junge hervor, diese waren aber bereits größer und besser entwickelt als die Nachkommen früherer Dinosaurier.

Dieser Trend setzte sich nach dem Aussterben der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren fort. Sowohl Vögel – die letzten überlebenden Dinosaurier – als auch Säugetiere entwickelten Strategien mit weniger Nachkommen und intensiverer Fürsorge. Beim Tyrannosaurus hingegen galt offenbar schon unmittelbar nach dem Schlüpfen das Recht des Stärkeren. Selbst ein Raubsaurier von der Größe einer Hauskatze war bereits ein perfekt ausgestatteter Jäger – und definitiv kein Kuscheltier.
(tasch, 26.7.2026)
T.-rex-Babys waren klein wie Hauskatzen, aber bereits bemerkenswert bissig
 

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#70
Ende einer Ära
Die verhängnisvolle Hitzedecke des Dinosaurier-Killers
Vor 66 Millionen Jahren starben drei Viertel der bekannten Arten aus. Der Meteorit brachte feinen Staub in die Luft, der wohl die Erde in Brand setzte


Zeitgenössische Darstellung kurz vor dem Massenaussterben, wenn "Velociraptoren" digitale Illustrationen hätten anfertigen können.
lassedesignen - stock.adobe.com

Man kann sich die Erde wie eine Feuerhölle vorstellen, wenn man an den Meteoriteneinschlag vor 66 Millionen Jahren denkt: Um den Impaktkrater stieg die Lufttemperatur rapide an, in vielen Regionen wurden Brände entfacht. Das machte nicht nur den meisten Dinosauriern den Garaus, sondern auch vielen anderen Arten, die bei diesem Ereignis – dem Massenaussterben an der Kreide-Paläogen-Grenze – für immer verschwanden.

Welcher Teil der Ereigniskaskade, den der Chicxulub-Einschlag in Mexiko auslöste, nun wie tödlich war, ist Gegenstand von Fachdiskussionen. Immerhin wurde infolge des Impakts des Meteoriten mit rund zwölf Kilometern Durchmesser nicht nur alles, was unmittelbar in Kraternähe lag, in seine Bestandteile zerlegt, es entstanden auch Erdbeben, Tsunamis, Brände. Unglaubliche Massen an Gestein wurden teils pulverisiert oder sogar in Gas umgewandelt und in die Luft geschleudert, wie Gesteinsproben rund um den Globus bis heute nachweisen. Staub und Ruß in der Atmosphäre verdunkelten die Sonne für mehr als ein Jahr, was die Erde wiederum abkühlte und Pflanzen die Photosynthese erschwerte. Rund drei Viertel der Tiere und Pflanzen, die damals lebten, starben aus. Nur manche Spezies, die etwa in Höhlen oder seichten Gewässern Schutz fanden, sollen davongekommen sein.

Einer neuen Studie zufolge wurde die Hitze intensiviert durch die Trümmer, die erst in die Luft geschleudert wurden und dann mit hoher Geschwindigkeit und Reibungsenergie zurück auf die Erdoberfläche fielen. Wie ein Forschungsteam um Planetenwissenschafter Brandon Johnson von der Purdue University schreibt, entstand eine dicke Staubdecke in der Atmosphäre, die die Hitze an der Erdoberfläche hielt, was weltweit Waldbrände ausgelöst und selbst dickhäutige Tiere verbrannt habe. Die Ergebnisse wurden im Journal of Geophysical Research: Biogeosciences veröffentlicht.

Intensivere Hitze
"In diesem Szenario hätte im Grunde alles innerhalb der ersten ein bis zwei Stunden ausgelöscht werden können", wird Johnson in einer Aussendung zitiert. Wie aus Funden und Simulationen bekannt ist, wurde eine riesige Wolke aus Staub und Gesteinsdampf hoch in die Atmosphäre geschleudert. Ein Teil des Gesteinsdampfs kühlte ab und kondensierte gewissermaßen zu kleinsten "Gesteinströpfchen". Im Englischen nennt man sie spherules, eine fixe deutsche Übersetzung gibt es nicht, aber man könnte sie als Sphärulen bezeichnen, sagt Impaktforscher Christian Köberl von der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), der nicht an der Studie beteiligt war. Diese winzigen Strukturen flogen vom Einschlagkrater weg und dann wie Mini-Meteoriten zurück zur Oberfläche. Auf ihrem Weg nach unten erzeugte die Reibung zwischen der Luft und den herabfallenden Sphärulen einen intensiven Hitzeschub.

Frühere Studien legten nahe, dass die Sphärulen viel Wärme abstrahlten, die vor allem dünnhäutige Tiere verbrannte, während viele Organismen – auch Pflanzen – der Hitze jedoch noch relativ gut standhalten konnten. Doch vor einigen Jahren stieß man in Nordamerika auf eine Schicht aus extrem feinem Staub aus der Zeit nach dem Einschlag, der sich aus Gesteinsdampf gebildet haben könnte, welcher nicht zu Sphärulen wurde.

Dies habe bei Studienautor Johnson die Frage aufgeworfen, was mit dem übrig gebliebenen Dampf passiert war. Sein Forschungsteam berechnete die Staubmenge in der Atmosphäre nach dem Einschlag und simulierte, wie diese Staubschicht die Speicherung und Abgabe von Wärmeenergie durch die herabfallenden Kügelchen auf der Erde verstärken würde. Demnach hätte die Staubdecke die Hitze an der Oberfläche um mehr als das Dreifache intensiviert im Vergleich zur Hitze, die lediglich von den Kügelchen ausgegangen wäre. Dies sei genug, um Tiere zu töten und spontane Waldbrände auszulösen. "Unsere Arbeit stützt die These, dass es tatsächlich der Einschlag war, der verheerende Auswirkungen auf das Leben auf der Erde hatte und das Massensterben verursachte", sagt Johnson.

Isoliert und abgekühlt
Der österreichische Impaktforscher Köberl bewertet die Studie als "deutlichen Fortschritt" bei der Einschätzung, wie sich die heißen Auswurfmaterialien tatsächlich auswirkten. Zwar seien die Hinweise auf Waldbrände als Folge bereits seit 20 Jahren bekannt, "aber diese Arbeit gibt deutlich detailliertere Abschätzungen und engt die Mechanismen sehr gut ein", sagt der Experte.

Interessanterweise spricht die Analyse gleichzeitig für die ebenfalls verbreitete These, dass der anhaltende Winter nach dem Einschlag Dinosaurier und andere Arten verhungern ließ. "Es erscheint kontraintuitiv", sagte Johnson, "aber eigentlich handelt es sich um denselben Effekt." Immerhin geht es um den Faktor der Isolierung, und ein isolierter Becher kann einerseits Suppe warm als auch Eiskaffee kalt halten, heißt es anschaulich in der Aussendung der American Geophysical Union.

Auf die gleiche Art und Weise könnten massive Staubwolken nach den Bränden die Wärme der Sonne über Jahre oder Jahrzehnte abgehalten haben. Johnson und seine Mitautoren nehmen an, dass die weltweiten Brände die größere Todesursache waren, doch für diese Aussage braucht es weitere Nachweise. Bislang ließen sich Waldbrände an Fundstätten in Nordamerika belegen, doch in größerer Entfernung zum Impaktkrater dürften die Konsequenzen anders ausgesehen haben.

Welche Tiere überlebten?
"Es könnte sein, dass wir irgendwann Nachweise über weltweit auftretende Waldbrände finden werden", sagt Alfio Alessandro Chiarenza, Paläontologe am University College London, der nicht an dieser Studie beteiligt war. Bislang liegen diese allerdings noch nicht vor. "Es wäre großartig, herauszufinden, welche Tiere den Einschlag direkt überlebt haben und welche biologischen Merkmale sie aufwiesen", ergänzt der Paläontologe. "Das könnte uns endlich Aufschluss darüber geben, warum manche Tiere überlebten, während andere, wie die Dinosaurier, untergingen."

Solche Ergebnisse sind nützlich, um einzuschätzen, welche Folgen andere Meteoriteneinschläge in der Erdgeschichte haben oder künftig haben könnten, auch für die Evolution und die Erholung von Ökosystemen. Das Ende der Dinosaurier machte jedenfalls die Bühne frei für einen ganz anderen Akteur: Das Zeitalter der Säugetiere begann.
(red, sic, 29.7.2026)
Die verhängnisvolle Hitzedecke des Dinosaurier-Killers
 

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#71
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Warum Dinosaurier nie mäuseklein waren
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Manche Dinosaurier waren größer, andere kleiner und einige waren riesengroß, zum Beispiel die Sauropoden. Warum Dinosaurier aber nie sehr klein waren, wie eine Maus etwa, untersuchte nun ein Forschungsteam.
Online seit heute, 16.02 Uhr
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Giganten der Urzeit werden Dinosaurier gerne genannt – doch nicht alle von ihnen erreichten gewaltige Ausmaße. Manche Arten waren so groß wie ein heutiges Rind, andere sogar nur so groß wie ein Fuchs. Doch immer wieder entwickelte sich daraus Riesenwuchs, bei den Sauropoden etwa in Dutzenden Linien, etwa beim Brontosaurus, Brachiosaurus und Diplodocus. Warum aber wurden Dinosaurier dann nie richtig klein, so klein wie eine Maus?

Dieser Frage geht ein Forschungsduo des American Museum of Natural History und der Princeton University im Fachjournal „Evolution“ nach. Mithilfe eines mathematischen Modells untersucht das Team die Evolution der Körpergröße bei Wirbeltieren. Demnach kann so die Größe von heutigen Säugetieren und Vögeln gut erklärt werden, nicht aber, warum selbst die kleinsten Dinosaurier mit etwa 400 Gramm relativ groß blieben – so groß wie Tauben.

200 Mal schwerer als Winzlinge von heute
Zu den kleinsten bisher bekannten Dinosauriern gehören Microraptoren („kleine Räuber“). Diese gefiederten Dinosaurier lebten in der frühen Kreidezeit, die vor rund 145 Millionen Jahren begann. Der Studie zufolge waren diese Tiere mindestens 200 Mal so schwer wie der kleinste moderne Vogel der Welt, die Bienenelfe (Mellisuga helenae), die nur 1,75 Gramm wiegt, und das kleinste moderne Säugetier, die Etruskerspitzmaus (Suncus etruscus), die etwa 1,8 Gramm auf die Waage bringt.

Das Forschungsteam vermutet, dass es vor allem die Konkurrenz mit kleinen Säugetieren um Ressourcen war, die verhinderte, dass die Dinosaurier diese ökologische Nische besetzten. Denn aus ihrem Modell heraus könne die nach oben verschobene Körpergrößenverteilung nicht erklärt werden.

fotokitas – stock.adobe.com
Einer der bekanntesten Dinosaurier: Der Tyrannosaurus rex gehörte zu den größten seiner Art

„Wir wussten bereits, dass Dinosaurier die Entwicklung von Säugetieren zu großen Tieren vor dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit verhinderten. Hier legen wir nahe, dass Säugetiere wiederum die Entwicklung von Dinosauriern zu kleinen Tieren verhinderten“, so Mitautor Roger Benson.

Häufigstes Dino-Gewicht: Drei Kilogramm
Das Modell, welches das Forschungsduo zugrunde legt, basiert auf energetischen Faktoren. Es beschreibt, bei welcher Körpergröße sich ein Tier am energieeffizientesten fortpflanzen kann. Während das Modell bei modernen Säugetieren, Vögeln und auch Schildkröten passt, die vorhergesagten Größen also mit den tatsächlich beobachteten Größen übereinstimmen, funktioniert es bei heutigen Eidechsen und flugunfähigen Vögeln auf Inseln nicht. Auch bei diesen könnten ökologische Zwänge die veränderte Größenverteilung erklären, schreiben die Autoren.

Den Berechnungen zufolge beträgt die optimale Modalgröße, also der Wert, der in einer Gruppe am häufigsten vorkommen sollte, bei Dinosauriern nur etwa drei Kilogramm. Die tatsächlich bei Dinosauriern beobachtete Modalgröße liegt hingegen bei etwa 180 Kilogramm – wobei der tatsächliche Wert durch die Art der Fossilfunde verzerrt sein könne, weil größere Fossilien häufiger gefunden werden dürften. Allerdings fehlen Mini-Dinosaurierknochen vollständig.

Andere winzige fossile Knochen wurden entdeckt
Heutzutage dominieren kleine Tiere alle Lebensräume auf dem Planeten. „Wenn wir verstehen wollen, wie die heutige Artenvielfalt entstanden ist, müssen wir verstehen, warum winzige Dinosaurier offenbar fehlten“, so Hauptautorin Stephanie Lechki.

Lechki und Benson halten es zwar theoretisch für möglich, dass einfach noch keine so kleinen Fossilien gefunden worden sind, aber für unwahrscheinlich. Denn in Fossilienlagerstätten, in denen Dinosaurier erhalten sind, würden regelmäßig auch viel kleinere Tiere entdeckt, darunter Eidechsen und Amphibien. Hätte es tatsächlich Mini-Dinosaurier gegeben, hätten diese auch irgendwo einmal auftauchen müssen.
05.08.2026, red, science.ORF.at/Agenturen

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