Chinesischer Gigant
Eines der größten Landtiere aller Zeiten entdeckt
In China wurden Knochen einer bemerkenswerten neuen Gattung und Art von Sauropoden aus dem späten Jura freigelegt. Der Fund stützt die Vermutung einer weltweiten Verbreitung dieser Dinosauriergruppe
Eines der größten Landtiere aller Zeiten entdeckt
Eines der größten Landtiere aller Zeiten entdeckt
In China wurden Knochen einer bemerkenswerten neuen Gattung und Art von Sauropoden aus dem späten Jura freigelegt. Der Fund stützt die Vermutung einer weltweiten Verbreitung dieser Dinosauriergruppe
Die Sauropoden brachten die größten am Land lebenden Tiere der Erdgeschichte hervor, darunter auch einige Dino-Superstars unserer Kindheit: Brachiosaurus, Brontosaurus oder Titanosaurus erreichten allesamt Dimensionen, die moderne Elefanten oder Giraffen geradezu zwergenhaft erscheinen lassen. Dass sich die bis zu 30 Meter langen und womöglich über 60 Tonnen schweren Reptilien einen so gewaltigen Körper leisten konnten, liegt vor allem an ihren im Vergleich zu Säugetieren niedrigeren Stoffwechselraten, die weniger Nahrungsaufnahme erforderten.
Bei allen Nachteilen, die diese massiven Leiber mit sich brachten – Behäbigkeit, niedrige Reproduktionsraten, Überhitzungsgefahr und fortwährenden Hunger –, muss der Riesenwuchs den Tieren auch handfeste Vorteile verschafft haben, immerhin wuchsen Sauropoden im Verlauf ihrer Evolution mehrmals unabhängig voneinander zu riesenhafter Größe heran.
Vertreter aus der Sauropodengruppe der Mamenchisauridae waren imposante Erscheinungen mit den längsten Hälsen im Dinosaurierreich.
Illustr.: Stony Brook University
Chinesischer Gigant
Einen solchen Giganten haben nun Paläontologinnen und Paläontologen in China entdeckt. Die Forschenden gruben die Überreste einer bislang unbekannten Gattung und Art eines Sauropoden aus der späten Jurazeit aus, der zu Lebzeiten vermutlich zu den größten Spezies dieser Dinosauriergruppe zählte. Der neu beschriebene Dinosaurier mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Tongnanlong zhimingi lebte vor etwa 147 Millionen Jahren im heutigen Südwesten Chinas.
Der pflanzenfressende Gigant aus der Familie der Mamenchisauridae erreichte eine Länge von bis 28 Metern und wird damit wohl nur von einigen Vertretern der Titanosaurier in den Schatten gestellt. "Sauropoden waren gigantische, vierbeinige Pflanzenfresser und die größten landbewohnenden Dinosaurier, die je existierten", erklärt Xuefang Wei vom Chengdu Center des Chinesischen Geologischen Dienstes, der gemeinsam mit seinem Team im Fachjournal Scientific Reports über den Fund berichtet.
Weiter verbreitet als gedacht
Mehr als 150 Sauropodengattungen sind mittlerweile bekannt – darunter über 20 aus der Jurazeit Chinas. Vor allem der Südwesten des Landes, insbesondere das Sichuan-Becken, zählt zu den wichtigsten Fundregionen für Sauropoden dieser Epoche. "Die Sauropodenfauna des mittleren bis späten Jura im Sichuan-Becken wurde bislang als endemisch betrachtet, also als deutlich verschieden von gleichzeitigen Faunen auf dem einstigen Superkontinent Pangaea", erklärte Wei.
Diese geografische Abgrenzung wurde häufig mit der Theorie der "ostasiatischen Isolation" erklärt, einer angenommenen geologischen Trennung während des Jura bis in die frühe Kreidezeit. Neuere phylogenetische Untersuchungen an Neosauropoden aus China sowie Funde von Mamenchisauriden in Afrika stellen diese Annahme jedoch infrage.
Die jüngsten Funde stützen stattdessen die Vermutung einer weltweiten Verbreitung dieser Dinosauriergruppe bereits während des mittleren Jura. Das Holotyp-Exemplar von Tongnanlong zhimingi wurde bei Bauarbeiten im Stadtbezirk Tongnan in der Region Chongqing entdeckt, am Rand des Sichuan-Beckens.
Die entdeckten Knochen reichten aus, um Tongnanlong zhimingi einigermaßen gut zu rekonstruieren.
Grafik: Wei et al.
Wirbelknochen, Schulterblatt und Hinterbein
Die Funde umfassen drei Rücken- und sechs Schwanzwirbel, ein Schulterblatt, einen Teil des Schultergürtels sowie Teile der Hinterbeine. Das mag wenig erscheinen, doch für einen derartigen Fund ist das erfreulich viel; die Knochen erlauben eine einigermaßen plausible Rekonstruktion dieses Giganten. Und sie zeigen komplexe anatomische Merkmale, die Tongnanlong zhimingi klar von anderen Mamenchisauriden unterscheiden.
"Unsere Grabungen zeigen, dass die Fossilienfundstelle zur unteren Schicht der Oberjura-Suining-Formation gehört, überlagert von quartären Ablagerungen", berichten die Forschenden in ihrer Studie. Die Suining-Formation besteht überwiegend aus rötlich-violettem Schluffstein und Sandstein.
Diese Gesteinsschichten sind reich an wirbellosen Fossilien – darunter vor allem Muschelkrebse (Ostrakoden), Armleuchteralgen (Charophyten), einige Süßwassermuscheln und Conchostracen. Vereinzelt wurden auch Wirbeltiere nachgewiesen, etwa der Fisch Ceratodus szechuanensis, die Schildkröte Plesiochelys tatsuensis oder der Dinosaurier Mamenchisaurus anyuensis.
Auf dem Weg zur maximalen Größe
Die anatomischen und stammesgeschichtlichen Analysen des Teams belegen, dass Tongnanlong zhimingi zur Familie der Mamenchisauridae gehört. Deren weltweite Verbreitung im späten Jura lässt sich durch diesen Fund weiter untermauern – entgegen der früheren Vorstellung, sie seien auf Ostasien beschränkt gewesen.
"Tongnanlong zhimingi liefert neue Erkenntnisse über die Entwicklung und Ausbreitung der Sauropoden zwischen mittlerem und spätem Jura – in einer Phase, in der ihre Körpergröße weiter zunahm", sagte Wei. Die Spezies lebte in einem Zeitfenster, in dem Sauropoden wahrscheinlich ihre maximale Körpergröße erreichten und sich über große geografische Flächen ausbreiteten, so der Forscher.
(Thomas Bergmayr, 14.7.2025)
Bei allen Nachteilen, die diese massiven Leiber mit sich brachten – Behäbigkeit, niedrige Reproduktionsraten, Überhitzungsgefahr und fortwährenden Hunger –, muss der Riesenwuchs den Tieren auch handfeste Vorteile verschafft haben, immerhin wuchsen Sauropoden im Verlauf ihrer Evolution mehrmals unabhängig voneinander zu riesenhafter Größe heran.
Vertreter aus der Sauropodengruppe der Mamenchisauridae waren imposante Erscheinungen mit den längsten Hälsen im Dinosaurierreich.
Illustr.: Stony Brook University
Chinesischer Gigant
Einen solchen Giganten haben nun Paläontologinnen und Paläontologen in China entdeckt. Die Forschenden gruben die Überreste einer bislang unbekannten Gattung und Art eines Sauropoden aus der späten Jurazeit aus, der zu Lebzeiten vermutlich zu den größten Spezies dieser Dinosauriergruppe zählte. Der neu beschriebene Dinosaurier mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Tongnanlong zhimingi lebte vor etwa 147 Millionen Jahren im heutigen Südwesten Chinas.
Der pflanzenfressende Gigant aus der Familie der Mamenchisauridae erreichte eine Länge von bis 28 Metern und wird damit wohl nur von einigen Vertretern der Titanosaurier in den Schatten gestellt. "Sauropoden waren gigantische, vierbeinige Pflanzenfresser und die größten landbewohnenden Dinosaurier, die je existierten", erklärt Xuefang Wei vom Chengdu Center des Chinesischen Geologischen Dienstes, der gemeinsam mit seinem Team im Fachjournal Scientific Reports über den Fund berichtet.
Weiter verbreitet als gedacht
Mehr als 150 Sauropodengattungen sind mittlerweile bekannt – darunter über 20 aus der Jurazeit Chinas. Vor allem der Südwesten des Landes, insbesondere das Sichuan-Becken, zählt zu den wichtigsten Fundregionen für Sauropoden dieser Epoche. "Die Sauropodenfauna des mittleren bis späten Jura im Sichuan-Becken wurde bislang als endemisch betrachtet, also als deutlich verschieden von gleichzeitigen Faunen auf dem einstigen Superkontinent Pangaea", erklärte Wei.
Diese geografische Abgrenzung wurde häufig mit der Theorie der "ostasiatischen Isolation" erklärt, einer angenommenen geologischen Trennung während des Jura bis in die frühe Kreidezeit. Neuere phylogenetische Untersuchungen an Neosauropoden aus China sowie Funde von Mamenchisauriden in Afrika stellen diese Annahme jedoch infrage.
Die jüngsten Funde stützen stattdessen die Vermutung einer weltweiten Verbreitung dieser Dinosauriergruppe bereits während des mittleren Jura. Das Holotyp-Exemplar von Tongnanlong zhimingi wurde bei Bauarbeiten im Stadtbezirk Tongnan in der Region Chongqing entdeckt, am Rand des Sichuan-Beckens.
Die entdeckten Knochen reichten aus, um Tongnanlong zhimingi einigermaßen gut zu rekonstruieren.
Grafik: Wei et al.
Wirbelknochen, Schulterblatt und Hinterbein
Die Funde umfassen drei Rücken- und sechs Schwanzwirbel, ein Schulterblatt, einen Teil des Schultergürtels sowie Teile der Hinterbeine. Das mag wenig erscheinen, doch für einen derartigen Fund ist das erfreulich viel; die Knochen erlauben eine einigermaßen plausible Rekonstruktion dieses Giganten. Und sie zeigen komplexe anatomische Merkmale, die Tongnanlong zhimingi klar von anderen Mamenchisauriden unterscheiden.
"Unsere Grabungen zeigen, dass die Fossilienfundstelle zur unteren Schicht der Oberjura-Suining-Formation gehört, überlagert von quartären Ablagerungen", berichten die Forschenden in ihrer Studie. Die Suining-Formation besteht überwiegend aus rötlich-violettem Schluffstein und Sandstein.
Diese Gesteinsschichten sind reich an wirbellosen Fossilien – darunter vor allem Muschelkrebse (Ostrakoden), Armleuchteralgen (Charophyten), einige Süßwassermuscheln und Conchostracen. Vereinzelt wurden auch Wirbeltiere nachgewiesen, etwa der Fisch Ceratodus szechuanensis, die Schildkröte Plesiochelys tatsuensis oder der Dinosaurier Mamenchisaurus anyuensis.
Auf dem Weg zur maximalen Größe
Die anatomischen und stammesgeschichtlichen Analysen des Teams belegen, dass Tongnanlong zhimingi zur Familie der Mamenchisauridae gehört. Deren weltweite Verbreitung im späten Jura lässt sich durch diesen Fund weiter untermauern – entgegen der früheren Vorstellung, sie seien auf Ostasien beschränkt gewesen.
"Tongnanlong zhimingi liefert neue Erkenntnisse über die Entwicklung und Ausbreitung der Sauropoden zwischen mittlerem und spätem Jura – in einer Phase, in der ihre Körpergröße weiter zunahm", sagte Wei. Die Spezies lebte in einem Zeitfenster, in dem Sauropoden wahrscheinlich ihre maximale Körpergröße erreichten und sich über große geografische Flächen ausbreiteten, so der Forscher.
(Thomas Bergmayr, 14.7.2025)


