China: Sonde soll Mondgestein auf die Erde zurückbringen

josef

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#1
China will Mondgestein vom "Ozean der Stürme" bergen und zur Erde bringen
Rakete vom Typ Langer Marsch 5 machte sich Montagabend auf den Weg zum Erdtrabanten. Lander soll auch bis zu zwei Meter tief in den Mondboden bohren
24. November 2020

Die chinesische Rakete Langer Marsch 5 ist am Montagabend abgehoben.
Foto: imago images/Xinhua/Guo Cheng

China hat am Montagabend (MEZ) ein Raumschiff zum Mond gestartet, das Material von dort zur Erde bringen soll. Gelingt das ehrgeizige Vorhaben, wäre es der erste Transport von Mondgestein seit mehr als vier Jahrzehnten, und zwar aus einer relativen jungen Region, von der es noch überhaupt keine Proben gibt. Die Rakete vom Typ Langer Marsch 5 hob am Dienstag in der Früh Ortszeit (Montagabend MEZ) mit der Sonde Chang'e 5 vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan ab.

Eineinhalb Stunden später faltete Chang'e 5 seine Sonnensegel für die Stromversorgung aus. Wenig später verkündete der Kommandant des Kontrollzentrums, Zhang Xueyu, den "vollen Erfolg des Starts von Chang'e 5". Der Wissenschaftsdirektor der US-Raumfahrtbehörde Nasa, Thomas Zurbuchen, gratulierte China zum erfolgreichen Start. "Der Mond ist ein aufregender Ort!", schrieb Zurbuchen auf Twitter. "Wir freuen uns darauf zu sehen, wie das Einholen der Proben die internationale Wissenschaftsgemeinschaft voranbringen wird."

Die nach der chinesischen Mondgöttin benannte Sonde soll voraussichtlich am Sonntag einen Lander auf die Mondoberfläche bringen, der dann Gestein einsammelt und Bohrproben entnimmt. Bei einer erfolgreichen Rückkehr wäre China nach den USA und der Sowjetunion in den 60er und 70er Jahren erst die dritte Raumfahrtnation, der eine solche Mission gelingt. Das Raumschiff soll in dem nach dem deutschen Astronomen Karl Rümker (1788-1862) genannten Vulkangebiet landen. Es liegt im Oceanus Procellarum, dem "Ozean der Stürme", im oberen, linken Teil der erdzugewandten Seite des Mondes.

Esa unterstützt chinesische Mission
Die Europäische Weltraumorganisation Esa unterstützt die Chang'e-5-Mission, indem sie Signale des Raumfahrzeugs mit ihrem Bodenstationsnetz weiterleitet. Das Estrack-Netzwerk der Esa ist ein globales System von Bodenstationen, die die Kommunikation zwischen Raumfahrzeugen und dem ESOC-Missionskontrollzentrum der Esa in Darmstadt ermöglicht. Für die chinesische Mission wird die Esa Stationen in Französisch-Guayana und Spanien nutzen.

Komplizierte Mission
Die Mission gilt als eine der aufwendigsten, die Chinas Raumfahrt jemals unternommen hat: Erstmals würde eine chinesische Aufstiegsstufe wieder vom Mond starten, die Gesteinsproben mitnehmen und ein Docking-Manöver im Orbit des Erdtrabanten vornehmen, bevor die Rückkehrkapsel zur Erde zurückfliegt.
Das 8.200 Kilogramm schwere Raumschiff besteht aus vier Modulen: Dem Orbiter mit der Rückkehrkapsel sowie dem Lander mit der Aufstiegsstufe. Nach dem Aufsetzen auf der Mondoberfläche soll das Landegerät mit einem langen Arm rund zwei Kilogramm Mondgestein und auch Proben aus Bohrungen bis zu zwei Meter Tiefe zusammentragen und in einer Kammer verstauen.

Die vier Module der Chang'e-5-Mission.
Illustr.: Regnart

Begehrtes Material aus der jüngeren Mondgeschichte
Nach dem Aufstieg und dem Docking-Manöver mit dem Orbiter sollen die Gesteinsproben in die Kapsel verladen werden, die dann zur Erde zurückkehrt. Das Raumschiff soll am 16. oder 17. Dezember im Siziwang Banner in der Inneren Mongolei landen. Wissenschafter warten gespannt auf die Proben, denn bisher wurde noch kein Gestein aus der jüngeren Mondgeschichte zu Untersuchungen zur Erde gebracht.

Der Oceanus Procellarum ist nur 1,2 Milliarden Jahre alt. Mondgestein, das die USA und die Sowjetunion eingesammelt hatten, ist hingegen mit 3,1 und 4,4 Millionen Jahren deutlich älter. Die größte Mondebene erhielt ihren Namen von der früheren Annahme, dass ihr Erscheinen mit dem abnehmenden Halbmond stürmisches Wetter bedeute.

China will Früchte der Mission teilen
Wie der Pei Zhaoyu, der Vizedirektor des chinesischen Mondprogramms mitteilte, will China bei einem Erfolg der Mission das mitgebrachte Material international zugänglich machen. "Chinesische Wissenschafter und Forscher aus anderen Ländern werden die Möglichkeit haben, die Mondproben von Chang'e-5 zu untersuchen", sagte Pei Zhaoyu laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua.


Die Esa unterstützt die chinesische Mission mit ihrem Netz aus Bodenstationen.
Illustr.: Esa

Forscher erhoffen sich von den Proben wichtige neue Erkenntnisse über die vulkanische Aktivität und die Geschichte des Mondes. Die Apollo-Missionen der USA hatten rund 380 Kilogramm Mondgestein mitgebracht. Die Sowjetunion sammelte insgesamt 300 Gramm ein – zuletzt mit der unbemannten Luna 24-Mission 1976, als rund 170 Gramm Mondstaub zur Erde gebracht wurden.

Neue Schwerlastrakete
Der chinesische Mondflug erfolgt 51 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung der USA am 21. Juli 1969, bei der Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin als erste Menschen die Oberfläche des Erdtrabanten betraten. Die USA haben sechs Mal Astronauten auf den Mond gebracht – zuletzt mit Apollo 17 im Dezember 1972.
Es ist erst der zweite reguläre Flug der mehr als 800 Tonnen schweren chinesischen Rakete Langer Marsch 5, nachdem ein solcher Typ im Juli die Marssonde Tianwen-1 auf den Weg gebracht hatte. Anfangs gab es Probleme mit dem Triebwerk der neuen Schwerlastrakete, die zu einer Verschiebung der Mondmission um drei Jahre geführt hatten.

Vorbereitung auf bemannte Missionen
Chang'e 5 soll beim Sonnenaufgang auf dem Mond landen und einen Mondtag – zwei Wochen auf der Erde – bleiben. So muss das Raumschiff nicht mit besonderen Heizgeräten ausgestattet sein, um die extrem kalten Temperaturen der Mondnacht aushalten. Die Komplexität des dreiwöchigen Fluges gilt auch als Vorbereitung auf mögliche bemannte Mondlandungen in der Zukunft.

China verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm mit Missionen zum Mond und Mars sowie dem Aufbau einer eigenen Raumstation. Im Jänner 2019 landete China als erste Raumfahrtnation mit Chang'e 4 auf der relativ unerforschten erdabgewandten Seite des Mondes. Es wurde ein Rover ausgesetzt, der weiter die Oberfläche erforscht. (red, APA, 24.11.2020)

Update um 9:13 Uhr: Die Rakete ist gestartet. Plus: Details zur Mission
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#2
CHINESISCHE SONDE
Chang'e-5 mit Bodenproben an Bord hat den Mond wieder verlassen
Als Nächstes steht das Koppeln mit dem Rückkehrmodul im Mondorbit an. Ankunft auf der Erde ist für Mitte Dezember geplant
3. Dezember 2020

Die Aufstiegsstufe hat sich vom Lander getrennt und ist wieder in den Mondorbit eingeschwenkt.
Illustr.: CNSA

Peking – China hat einen wesentlich Teil seiner schwierigen Mission zur Bergung von Mongestein hinter sich: Nach dem erfolgreichen Sammeln von Bodenproben, bei dem die Oberfläche auch angebohrt worden sein soll, hat die chinesische Mondsonde Chang'e-5 am Donnerstag wieder den Erdtrabanten verlassen, wie Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Man erwartet, dass das Aufstiegsmodul als nächstes automatisch an das Raumschiff im Mondorbit koppelt, was als besonders heikles Manöver gilt. Chang'e 5 ist mit 8.200 Kilogramm das bisher größte Raumschiff der Chang'e-Flotte und besteht aus vier Modulen: dem Orbiter mit der Rückkehrkapsel sowie dem Lander mit der Aufstiegsstufe.


Der Roboterarm von Chang'e-5 sammelt Bodenproben ein.
Foto: AP/China National Space Administration/Xinhua

Heikle Phase
Beim Abheben vom Lander schleuderte zunächst ein Federmechanismus die Aufstiegsstufe mit den Proben hoch, ehe ihr Drei-Kilonewton-Triebwerk für sechs Minuten feuerte. Nachdem der Lander keine reguläre Startrampe ist, war auch diese Phase äußerst kritisch, zumal ihre genaue Neigung zur Horizontalen erst bestimmt werden musste. Nach dem senkrechten Flug eruierte die Aufstiegsstufe mithilfe des Chinesischen Tiefraum-Netzwerks und ihrer eigenen Sensoren ihre Position. Danach schwenkte sie in einen niederen Orbit ein. Zwei Minuten nach dem Start entfalteten sich die Solarmodule der Aufstiegsstufe.

Nach insgesamt vier Bahnkorrekturmanövern soll die Aufstiegsstufe gut zwei Tage später in einer Höhe von 200 Kilometer am Orbiter ankoppeln. Für dieses Manöver steht ein Zeitfenster von dreieinhalb Stunden zur Verfügung.


Scharfe Aufnahme: Das Panoramabild zeigt die unmittelbare Umgebung der Chang'e-5-Sonde nach der Landung im Oceanus Procellarum.
Foto: AFP/China National Space Administration (CNSA) /CNS

44 Jahre ist es her
Der Lander ist vergangenen Dienstag nördlich des Vulkanberges Mons Rümker im Oceanus Procellarum, dem "Ozean der Stürme" am westlichen Rand der erdzugewandten Seite des Mondes erfolgreich aufgesetzt. Ziel der mittlerweile dritten chinesischen Mondmission ist es, weltweit erstmals seit 44 Jahren wieder Gesteinsproben vom Mond zur Erde zurückzubringen. Bei einer erfolgreichen Rückkehr zur Erde wäre China nach den USA und der Sowjetunion in den 60er- und 70er-Jahren erst die dritte Nation, der ein solches Vorhaben gelungen ist. Chang'e-5 war am 23. November (MEZ) vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan gestartet.


Der Lander ging nördlich des Mondvulkans Mons Rümke nieder.
Fotos: Nasa

Das Raumschiff soll am 16. oder 17. Dezember im Siziwang Banner in der Inneren Mongolei landen. Wissenschafter warten gespannt auf die Proben, denn bisher wurde noch kein Gestein aus der jüngeren Mondgeschichte zu Untersuchungen zur Erde gebracht. Der Oceanus Procellarum ist nur 1,2 Milliarden Jahre alt. Mondgestein, das die USA und die Sowjetunion eingesammelt hatten, ist hingegen mit 3,1 und 4,4 Milliarden Jahren deutlich älter.

Test für bemannte Missionen
Geplant ist, rund zwei Kilogramm Material auf die Erde zurückzubringen. Wissenschafter erhoffen sich von den Proben neuen Aufschluss über die jüngere vulkanische Aktivität des Mondes. Die Apollo-Missionen der USA hatten rund 380 Kilogramm Mondgestein mitgebracht. Die Sowjetunion sammelte mit unbemannten Missionen etwa 300 Gramm ein.

In dieser Mond-Mission der Chinesen sehen Raumfahrtexperten nicht nur eine geologische Mission, sondern einen wichtigen Technologietest, etwa für künftige bemannte Flüge zum Mond.

Video: Aufzeichnung der Live-Übertragung der Landephase.RocketGyan

Auch unterwegs zum Mars
China verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm. Geplant ist so mittelfristig nicht nur, wieder Menschen zum Mond zu schicken. Derzeit ist auch die chinesische Sonde Tianwen-1 zum Mars unterwegs. Zudem soll kommendes Jahr der Bau einer Raumstation beginnen.

Video: Die Animation zeigt, wie die Chang'e-5-Mission ablaufe soll.CGTN

Chang'e-5 ist die zweite Mond-Mission der Chinesen innerhalb von zwei Jahren. Im Jänner 2019 landete China als erste Raumfahrtnation mit Chang'e-4 auf der relativ unerforschten erdabgewandten Seite des Mondes. Es wurde ein Rover ausgesetzt, der weiter die Oberfläche erforscht.

Mit Chang'e-3 hatten die Chinesen 2013 eine Sonde auf der Vorderseite des Erdtrabanten gelandet – weit später als Russen und Amerikaner. Die USA hatten nach unbemannten Sonden zwischen 1969 und 1972 auch zwölf Astronauten auf den Mond gebracht.
(red, APA, 3.12.2020)

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#3
CHANG'E 5-MISSION
Chinas Flagge auf dem Mond ist haltbarer als die US-Fahnen der Apollomissionen
Chinesische Mondmission zur Bergung von Gestein vom Erdtrabanten entwickelt sich zu einem großen Erfolg. Rückkehr für Mitte Dezember erwartet

Die Orbiter-Rückkehrkapsel-Kombination kurz vor dem Andocken aus Sicht der Aufstiegsstufe. Links im Hintergrund ist die Erdsichel zu sehen.
Foto: EPA/CNSA

Peking – Der chinesischen Mondsonde Chang'e 5 ist am Sonntag eines der schwierigsten Manöver ihrer Mission gelungen: Die Aufstiegsstufe mit dem von der Mondoberfläche geborgenen Material an Bord dockte in der Umlaufbahn des Erdtrabanten automatisch erfolgreich an den Orbiter an, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Es war das erste Roboter-Koppelmanöver im Mondorbit in der Geschichte der Raumfahrt. Rund zwei Kilogramm Mondgestein sind demnach im Anschluss sicher in der Rückkehrkapsel verstaut worden.

Chinesische Fahne gehisst
Bevor die Austiegsstufe am Donnerstag wieder abgeflogen ist, pflanzte sie auf dem Lander noch eine zwei Meter breite und 90 Zentimeter hohe chinesische Flagge auf, was Begeisterung im Milliardenvolk ausgelöst hat. Rund 440 Millionen Nutzer haben die Nachricht vom Hissen der roten Flagge mit den fünf Sternen auf dem Erdtrabanten bis Montag im Kurznachrichtendienst Weibo gelesen.

Anders als die Fahnen der Apollo-Missionen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre, deren Stangen die Astronauten in den Mondstaub gesteckt hatten, steht der Flaggenmast auf einem ausgeklappten Arm des zurückgelassenen Landers. Eine Kamera zeigte die rote Fahne vor dem Mondhorizont. Schon bei den beiden vorhergegangenen Mondlandungen Chinas 2013 und 2019 zeigten die Lander aufgedruckte Nationalflaggen – aber es ist jetzt die erste, die tatsächlich auf dem Mond "weht".


An seinem Landeplatz nördlich des Vulkanberges Mons Rümker hisste der Lander eine zwei Meter breite chinesische Flagge.
Foto: AFP/ CNSA/CNS

Die sechs Fahnen, die die US-Astronauten auf dem Mond gelassen haben, dürften nach Nasa-Angaben nicht überdauert haben. Die Fahne von Apollo 11 bei der ersten bemannten Mondlandung wurde nach Angaben des Astronauten Edwin "Buzz" Aldrin von den Raketendüsen umgeweht, als er mit Neil Armstrong vom Mond abgehoben hat. "Ich schaute lange genug, um zu sehen, wie die Flagge umfiel", schrieb er in seinem Buch.

US-Flaggen in traurigem Zustand
Alle anderen Fahnen dürften vom ultravioletten Licht und den extremen Temperaturen auf dem Mond zwischen minus 150 Grad und plus 150 Grad ausgeblichen worden sein und dürften sich aufgelöst haben. Die Nylon-Flagge von Apollo 1 war 1969 für 5,50 US-Dollar in einem Kaufhaus besorgt worden. Bei späteren Beobachtungen einer Mondsonde 2009 wurde festgestellt, das zumindest die Flaggenmasten von Apollo 12, Apollo 16 und Apollo 17 wohl noch stehen.

Chinas Flagge wurde speziell entwickelt. Material und Farben sollen die widrigen Umstände viel länger überdauern. "Eine gewöhnliche Fahne von der Erde würde das harsche Mondklima nicht überleben", sagte Cheng Chang vom Entwicklungsteam laut Staatsmedien. China zeige seine Flagge als "Anerkennung der Errungenschaften und der Durchbrüche, die wir gemacht haben, was die wertvollste Sache sein wird", wurde der Raumfahrtexperte Song Zhongping zitiert.

Komplexes Rendezvous
Dem Andocken in 200 Kilometern Höhe über der Mondoberfläche, für das das Zeitfenster nur dreieinhalb Stunden offen stand, waren insgesamt vier Bahnkorrekturen vorausgegangen. Der obere Abschnitt des torusförmigen Orbiters mit seiner Wiedereintrittskapsel war bis kurz vor dem Rendezvous mit der Aufstiegsstufe von einer Druckübertragungs- und Schutzhülle umgeben, die in den letzten Minuten vor dem Kontakt abgeworfen wurde. Während die Annäherung zunächst noch ferngesteuert ablief, erfolgte ab einer Distanz von 100 Kilometern das Manöver automatisch.

Video: Das Dockingmanöver und der Transfer der Gesteinsproben.SciNews

Als die Aufstiegsstufe nahe genug war, erfasste sie der Orbiter mit neun, in drei Dreiergruppen angeordneten Greifklauen an drei sternförmig angeordneten, waagrechten Griffstangen auf der Oberseite der Aufstiegsstufe. Kurz nach dem 21 Sekunden dauernden Koppelmanöver transferierte ein am Orbiter montierte Greifer die Behälter mit den Bodenproben in die Wiedereintrittskapsel und versiegelte diese, was eine Kontamination mit irdischem Material verhindern soll. Wenige Stunden später koppelte die Aufstiegsstufe vom Orbiter ab, der bis zum optimalen Zeitpunkt für die Rückkehr zur Erde in einer Mondumlaufbahn blieb.

Das Manöver galt als einer der komplexesten Schritte auf dem Flug zurück zur Erde. Zwar hat China mit seinen Raumschiffen bereits mehrere automatische Rendezvous in der Erdumlaufbahn vorgenommen, aber nie zuvor in 380.000 Kilometer Entfernung. Nach den bemannten Mondlandungen der USA in den 1960er- und 1970er-Jahren ist es auch das erste Mal, dass im Mondorbit ein Dockingmanöver ohne Astronauten gelungen ist.


Die Bildkombination aus dem Raumfahrtkontrollzentrum Peking zeigt eine Animation des Koppelmanövers (oben) und die erfolgreich an der Rückkehrkapsel angedockte Aufstiegsstufe (unten).
Foto: EPA/CNSA

Vorarbeiten für bemannte chinesische Mondmission
Die Mond-Mission gilt als weiterer wichtiger Schritt in Chinas ambitioniertem Weltraumprogramm. Die junge Raumfahrtnation will Erfahrungen sammeln, mit denen in Zukunft auch eine bemannte Landung auf dem Mond gelingen kann.

Es ist das erste Mal seit 44 Jahren, dass wieder Gesteinsproben auf dem Mond gesammelt wurden und zur Untersuchung auf die Erde gebracht werden sollen. Bei einer erfolgreichen Rückkehr wäre China nach den USA und der Sowjetunion erst die dritte Nation, der ein solches Vorhaben gelungen ist.

Video: Landung aus Sicht des Landers.SciNews

Forscher warten nun mit Spannung auf die Mondproben, die jünger sind als alles, was die USA und die Sowjetunion an Gestein eingesammelt hatten. Die Untersuchungen könnten neue Erkenntnisse über die vulkanische Phase der Mondgeschichte liefern. Die Apollo-Missionen der USA hatten rund 380 Kilogramm Mondgestein mitgebracht. Die Sowjetunion sammelte mit unbemannten Missionen etwa 300 Gramm ein.

Rückkehr für Mitte Dezember geplant
Im nächsten Schritt der chinesischen Mondmission wird sich die Rückkehrkapsel von der Aufstiegsstufe trennen und auf den richtigen Zeitpunkt für die Rückkehr zur Erde warten, wie Xinhua berichtete. Die Landung wird Mitte Dezember in der Inneren Mongolei erwartet.

Die Mondmission Chinas erfolgt 51 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung der USA am 21. Juli 1969, bei der Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin als erste Menschen die Oberfläche des Erdtrabanten betraten. Die USA haben sechs Mal Astronauten auf den Mond gebracht. Mit Apollo 17 im Dezember 1972 stellten die USA ihre bemannten Mondlandungen ein.

Chang'e 5 war am 23. November mitteleuropäischer Zeit vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan gestartet. Am 1. Dezember setzte der Lander in einem nach dem deutschen Astronomen Carl Rümker (1788-1862) genannten Vulkangebiet auf. Es liegt im Oceanus Procellarum, dem "Ozean der Stürme", am westlichen Rand der erdzugewandten Seite des Mondes.

,(red, APA, 6.12.2020)
Update, 7.12., 11.18 Uhr: Chinas Flagge auf dem Mond

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#4
Kapsel vom Mond soll in der Inneren Mongolei landen
Bergung ist ein kniffliges Unterfangen: Kleine Kapsel wird irgendwo in einem riesigen Gebiet aufsetzen

Lieferkette: Nachdem das Aufstiegsmodul die Proben des Landers zur Muttersonde gebracht hatte, machte sich diese auf den Weg zur Erde.
Foto: STR / China National Space Administration (CNSA) via CNS / AFP

Bald ist es so weit: Zum ersten Mal seit 44 Jahren wird ein Raumfahrzeug wieder Gesteinsproben vom Mond zur Erde bringen und China damit in einem weiteren Punkt mit den alten Weltraummächten gleichziehen. Der Lander der nach der chinesischen Mondgöttin benannten Sonde Chang'e 5 hatte am 1. Dezember auf dem Mond aufgesetzt und insgesamt zwei Kilogramm Material eingesammelt. Das Rückkehr-Modul der Sonde soll es nun zur Erde bringen.

Die Vorbereitungen zur Bergung laufen
Raumfahrtexperten rechnen wegen chinesischer Warnungen für den Flugverkehr damit, dass die Kapsel zwischen 18.32 und 19.07 Uhr MEZ landen könnte – auch wenn es von chinesischer Seite zunächst keine Bestätigung dafür gab. Der kolportierte Landepunkt soll irgendwo im Banner Siziwang liegen. "Banner" heißen die Verwaltungseinheiten, in die sich die große autonome Region Innere Mongolei im Norden Chinas gliedert.
Das harsche Winterwetter mit Schnee, die kleine Größe der Kapsel und ein besonders großflächiges Landegebiet dürften die Bergung erschweren, die noch dazu wahrscheinlich in der Dunkelheit erfolgen wird. Die Suchteams mit Hubschraubern und Fahrzeugen haben bereits mehrere Übungen absolviert, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Hintergrund
Die Mission gilt als eine der schwierigsten in Chinas Raumfahrtgeschichte und ist zugleich eine Vorbereitung für eine geplante bemannte chinesische Mondlandung. Bemannte chinesische Raumschiffe sind allerdings siebenmal größer als die Kapsel. Auch ist das Landegebiet diesmal 16-mal größer als sonst, weil die Kapsel eine besondere Methode für den gefährlichen Eintritt in die Erdatmosphäre mit einer langgezogenen Flugbahn verwendet, um Hitze und Materialschäden zu vermeiden.

Der Lander von Chang'e 5 hatte in einem nach dem deutschen Astronomen Karl Rümker (1788-1862) benannten Vulkangebiet aufgesetzt, das im Ozean der Stürme liegt. Diese Region ist erst 1,2 Milliarden Jahre alt. Dagegen wird das Alter des Mondgesteins, das die USA und die Sowjetunion seinerzeit gesammelt hatten, auf 3,1 und 4,4 Milliarden Jahren geschätzt. Forscher warten daher gespannt auf dieses vergleichsweise junge Mondgestein, das neue Erkenntnisse über die vulkanische Aktivität und die Geschichte des Mondes liefern könnte.
(red, APA, 16. 12. 2020)
Kapsel vom Mond soll in der Inneren Mongolei landen - derStandard.at
 

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#5
Kapsel vom Mond in der Inneren Mongolei gelandet
Suchteams mit Hubschraubern und Fahrzeugen sollen nun die aus rund zwei Kilogramm Mondproben bestehende Ladung bergen

Etwas angesengt aber ansonsten wohlbehalten erreichte die Rückkehrkapsel von Chang'e 5 nach einem feurigen Ritt durch die Atmosphäre den Erdboden.
Foto: EPA/REN JUNCHUAN/XINHUA

Am Mittwoch war es so weit: Zum ersten Mal seit 44 Jahren hat ein Raumfahrzeug wieder Gesteinsproben vom Mond zur Erde gebracht – China ist damit in einem weiteren Punkt mit den alten Weltraummächten gleichgezogen. Der Lander der nach der chinesischen Mondgöttin benannten Sonde Chang'e 5 hatte am 1. Dezember auf dem Mond aufgesetzt und gut zwei Kilogramm Material eingesammelt – sechsmal mehr als die Sowjetunion in den 1970er-Jahren. Das Rückkehr-Modul der Sonde brachte es nun zur Erde, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Schwierige Suche
Um 19:07 meldete die Nachrichtenagentur Reuters, unter Berufung auf chinesische Staatsmedien, dass die Kapsel sicher gelandet sei. Der Landepunkt liegt im Banner Siziwang, auch Dorbod genannt. "Banner" heißen die Verwaltungseinheiten, in die sich die große autonome Region Innere Mongolei im Norden Chinas gliedert.

Bergungstrupps mit Hubschraubern und Fahrzeugen, die mit starken Suchscheinwerfern ausgerüstet waren, starteten, um die Kapsel zu finden. Die Suche wurde durch die nächtliche Dunkelheit und harsches Winterwetter mit Schnee, Wind und Temperaturen von mehr als Minus 20 Grad erschwert. Die Kapsel ist auch nur ein Siebentel so groß wie bemannte chinesische Raumschiffe.
Zugleich war das Landegebiet 16-mal größer als sonst, weil man für die Kapsel die Methode des "hüpfenden Wiedereintritts" in die Erdatmosphäre verwendet hatte, um übermäßige Hitze und Schäden zu vermeiden. Die langgezogene Flugbahn erinnert dabei an einen im flachen Winkel über eine Wasseroberfläche geworfenen, hüpfenden Stein. Dadurch ist der Landepunkt schwerer vorherzusagen. Die Landezone war mit 21.000 Quadratkilometer.


Wenn alles nach Plan geklappt hat – und bisher sieht es danach aus – hat die Rückkehrkapsel rund zwei Kilogramm Mondgestein geladen.
Foto: EPA/REN JUNCHUAN/XINHUA

Update
Um 19:13 wurde die erfolgte Landung hinzugefügt. Donnerstag früh um 8.30 Uhr kamen Bilder der Rückkehrkapsel dazu.

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#6
WISSENSCHAFTLICHER AUSTAUSCH
Internationale Fachwelt soll Zugang zu chinesischem Mondgestein erhalten
Im Dezember brachte eine Sonde die bisher jüngsten Proben vom Mond zurück. Nun legte Peking ein Regelwerk zum wissenschaftlichen Austausch
China will sein kürzlich zur Erde gebrachtes Mondgestein auch ausländischen Forschern zugänglich machen. Gut vier Wochen nach der Rückkehr der chinesischen Mondsonde Chang'e 5 veröffentlichte die Raumfahrtbehörde CNSA am Montag in Peking die Regeln für die gemeinsame Forschung mit ausländischen Wissenschaftern. Es geht um die Vergabe und Rückgabe, den Umgang mit den Gesteinsproben und auch den Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.


Ingenieure der chinesischen Raumfahrtbehörde entnehmen die kostbare Fracht aus der Rückkehrkapsel der Mission Chang'e 5.
Foto: AP/Xinhua/Jin Liwang

Zur Veröffentlichung wurden Diplomaten unter anderem aus der Europäischen Union in das Zentrum in Peking eingeladen, wo die Mondproben lagern und untersucht werden. "Wir sind noch bei der Vorverarbeitung der Proben", sagte der Vizedirektor des Mondprogramms, Pei Zhaoyu, laut Xinhua. Die nach der chinesischen Mondgöttin benannte Sonde Chang'e 5 war am 1. Dezember auf dem Erdtrabanten gelandet, hatte 1.731 Gramm Gestein gesammelt und am 17. Dezember zurück zur Erde gebracht.

"Junges" Mondgestein
Es war das erste Mal seit mehr als vier Jahrzehnten, dass wieder Mondproben zur Erde gebracht wurden. Nach den USA und der Sowjetunion in den 1960er und 1970er Jahren wurde China damit die dritte Raumfahrtnation, der dies gelungen ist.


Die Kapsel war Mitte Dezember in der Mongolei gelandet.
Foto: AP/Xinhua/Jin Liwang

Das Mondgestein ist deutlich jünger als alle Proben, die bisher gesammelt wurden: Chang'e 5 sammelte es in einer Region, die erst 1,2 Milliarden Jahre alt ist. Das Gestein, das die USA und die Sowjetunion seinerzeit zur Erde brachten, datiert hingegen auf 3,1 bis 4,4 Milliarden Jahre. Forscher erhoffen sich von dem vergleichsweise jungen Material neue Erkenntnisse über die vulkanische Aktivität und die Geschichte des Mondes.

Nächste Station: Mars
Für das ambitionierte chinesische Raumfahrtprogramm war die Mission ein wichtiger Meilenstein. Das nächste Highlight steht demnächst bevor: Im Februar soll die vergangenen Juli gestartete Sonde Tianwen-1 beim Mars eintreffen, in den darauffolgenden Wochen soll dann ein Landemodul mit einem Rover auf dem Roten landen. Das Manöver ist auf dem Mars allerdings viel schwieriger als auf dem Mond. Von 18 Landeversuchen auf dem Mars waren bisher nur zehn erfolgreich – neun davon gelangen der US-Weltraumbehörde Nasa.
(red, APA, 18.1.2021)
Internationale Fachwelt soll Zugang zu chinesischem Mondgestein erhalten - derStandard.at
 
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