Konkurrenz für US-Marine
Chinas Rekordmethode für Kriegsschiffbau
Bei der Militärparade am Mittwoch hat China auch seine im Eiltempo aufgerüstete Marine präsentiert. Diese soll der Volksrepublik langfristig die Machtposition im Süd- und Ostchinesischen Meer sichern. China macht damit auch der US-Marine zunehmend Konkurrenz. Peking setzt bei dem rasanten Aufbau der Marine auf konstante Investitionen in den Schiffsbau und die doppelte Nutzung von Werften.
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Konkurrenz für US-Marine: Chinas Rekordmethode für Kriegsschiffbau
Chinas Rekordmethode für Kriegsschiffbau
Bei der Militärparade am Mittwoch hat China auch seine im Eiltempo aufgerüstete Marine präsentiert. Diese soll der Volksrepublik langfristig die Machtposition im Süd- und Ostchinesischen Meer sichern. China macht damit auch der US-Marine zunehmend Konkurrenz. Peking setzt bei dem rasanten Aufbau der Marine auf konstante Investitionen in den Schiffsbau und die doppelte Nutzung von Werften.
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Viele der Produktionsstätten, die normalerweise kommerziell genutzt werden, können bei Bedarf von der Regierung rasch zur Herstellung von Kriegsschiffen für die Marine umfunktioniert werden, wie die BBC schreibt. Militärische und zivile Werften arbeiten nach Angaben der BBC bereits in Städten wie Dalian Hand in Hand.
Diese Kooperation wird von den staatlichen chinesischen Medien auch als „zivilmilitärische Fusion“ bezeichnet, ein Konzept, das der chinesische Präsident Xi Jinping mit Nachdruck vorantreibt. In Ausnahmesituationen soll damit die Produktion von Kriegsschiffen maßgeblich beschleunigt werden, um die ununterbrochene Versorgung des chinesischen Militärs zu gewährleisten.
APA/AFP
Ein chinesischer Flugzeugträger wird aus dem Trockendock der Werft in Dalian ins Meer gezogen
China in Reichweite der USA
Durch die stetige Errichtung bzw. den Ausbau zahlreicher Werften baute die chinesische Marine nach Angaben der BBC ihre Flotte auf eine Größe von 234 Kriegsschiffen aus und überholte damit auch die US-Marine, die aktuell 219 Schiffe betreibt.
Doch obwohl China damit einen Vorsprung bei der Gesamtanzahl an verfügbaren Schiffen hat, besitzen die USA noch immer mehr Flugzeugträger und U-Boote, die der Volksrepublik sowohl in Reichweite als auch Bewaffnung überlegen sind. Ein großer Teil der chinesischen U-Boote ist laut BBC für die seichteren Gewässer des Südchinesischen Meeres konstruiert, was deren Einsatzgebiet stark eingeschränkt.
Neue Unterwasserdrohnen präsentiert
Trotz der jahrzehntelangen Überlegenheit der USA im Bereich der maritimen Waffensysteme arbeitet die chinesische Marine zunehmend daran, auch diese Lücke zu schließen. Bei der Militärparade am Mittwoch wurde unter anderem eine neue Generation von Unterwasserdrohnen präsentiert.
Laut einem Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins „Spiegel“ handelt es sich dabei um über zehn Meter lange, unbemannte Unterwasserfahrzeuge in Form eines Torpedos. Sie sollen in der Lage sein, fremde U-Boote aufzuspüren und diese dann auszuspionieren.
Dominanz in der Schiffsbauindustrie
Auch in der zivilen Schifffahrt zieht China nach vorne. Umfangreiche staatliche Investitionen über die letzten zwei Jahrzehnte machten chinesische Werften zu Marktführern in der Schiffsproduktion. Laut BBC gehen bereits mehr als 60 Prozent der globalen Bestellungen für neue Schiffe an chinesische Produzenten. Grund dafür ist vor allem die schnelle Fertigung, wie es heißt.
APA/AFP/Maxar Technologies
Konstruktion des dritten chinesischen Flugzeugträgers in der Werft in Jiangnan
Laut dem Center for Strategic and International Studies (CSIS) haben die größten chinesischen Werften – Dalian, Guangzhou, Jiangnan und Hudong-Zhonghua – zwischen 2019 und 2023 39 Kriegsschiffe mit einer Gesamtverdrängung von 550.000 Tonnen gebaut.
Dieser Tonnenwert bezieht sich auf das Volumen des von dem Schiff verdrängten Meerwassers und wird für die Angabe der Größe eines Schiffes bis hin zu einer Flotte verwendet. Im Vergleich dazu gibt „Forbes“ die Verdrängung der gesamten US-Flotte mit rund 4,5 Millionen Tonnen an.
Auch Marinestützpunkte werden ausgebaut
Von der BBC verifizierte Satellitenaufnahmen deuten ebenfalls auf den umfangreichen Ausbau mehrerer chinesischer Marinestützpunkte hin. Bilder des strategisch wichtigen Militärhafens in Yulin zeigen die Erweiterung von Trockendocks und die Konstruktion vieler zusätzlicher Anlegestellen.
Währenddessen nahm die US-amerikanische Schiffsbauindustrie in den letzten Jahrzehnten stark ab. Laut dem Marineexperten Nick Childs ist die Schiffsbaukapazität Chinas aktuell „etwa 200-mal“ so groß wie die der USA, wie er der BBC sagte.
IMAGO/VCG
Chinesische Flotte während eines Übungsmanövers
Säbelrasseln vor Taiwan
Die chinesische Marine verwendet ihre Flotte regelmäßig für abschreckende Manöver in umstrittenen Hoheitsgebieten im Ost- und Südchinesischen Meer, wie dem Scarborough-Riff und den Gewässern um Taiwan. Die Volksrepublik betrachtet Taiwan nicht als unabhängigen Staat, sondern als Teil Chinas und schloss in der Vergangenheit auch eine gewaltsame „Wiedervereinigung“ nicht aus.
Reuters
Der chinesische Flugzeugträger „Liaoning“ bei einer Übung im Westpazifik
Der ehemalige US-Präsident Joe Biden hatte Taiwan mehrfach die militärische Unterstützung der USA im Fall einer Eskalation des Konfliktes zugesagt. Unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump geriet dieses Bekenntnis zunehmend in Zweifel. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth warnte erst im Sommer, dass China eine „unmittelbare“ Bedrohung für Taiwan darstelle und rief Nachbarländer dazu auf, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen, um eine Auseinandersetzung zu verhindern.
04.09.2025, Ben Röttger, ORF.at
Diese Kooperation wird von den staatlichen chinesischen Medien auch als „zivilmilitärische Fusion“ bezeichnet, ein Konzept, das der chinesische Präsident Xi Jinping mit Nachdruck vorantreibt. In Ausnahmesituationen soll damit die Produktion von Kriegsschiffen maßgeblich beschleunigt werden, um die ununterbrochene Versorgung des chinesischen Militärs zu gewährleisten.
Ein chinesischer Flugzeugträger wird aus dem Trockendock der Werft in Dalian ins Meer gezogen
China in Reichweite der USA
Durch die stetige Errichtung bzw. den Ausbau zahlreicher Werften baute die chinesische Marine nach Angaben der BBC ihre Flotte auf eine Größe von 234 Kriegsschiffen aus und überholte damit auch die US-Marine, die aktuell 219 Schiffe betreibt.
Doch obwohl China damit einen Vorsprung bei der Gesamtanzahl an verfügbaren Schiffen hat, besitzen die USA noch immer mehr Flugzeugträger und U-Boote, die der Volksrepublik sowohl in Reichweite als auch Bewaffnung überlegen sind. Ein großer Teil der chinesischen U-Boote ist laut BBC für die seichteren Gewässer des Südchinesischen Meeres konstruiert, was deren Einsatzgebiet stark eingeschränkt.
Neue Unterwasserdrohnen präsentiert
Trotz der jahrzehntelangen Überlegenheit der USA im Bereich der maritimen Waffensysteme arbeitet die chinesische Marine zunehmend daran, auch diese Lücke zu schließen. Bei der Militärparade am Mittwoch wurde unter anderem eine neue Generation von Unterwasserdrohnen präsentiert.
Laut einem Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins „Spiegel“ handelt es sich dabei um über zehn Meter lange, unbemannte Unterwasserfahrzeuge in Form eines Torpedos. Sie sollen in der Lage sein, fremde U-Boote aufzuspüren und diese dann auszuspionieren.
Dominanz in der Schiffsbauindustrie
Auch in der zivilen Schifffahrt zieht China nach vorne. Umfangreiche staatliche Investitionen über die letzten zwei Jahrzehnte machten chinesische Werften zu Marktführern in der Schiffsproduktion. Laut BBC gehen bereits mehr als 60 Prozent der globalen Bestellungen für neue Schiffe an chinesische Produzenten. Grund dafür ist vor allem die schnelle Fertigung, wie es heißt.
Konstruktion des dritten chinesischen Flugzeugträgers in der Werft in Jiangnan
Laut dem Center for Strategic and International Studies (CSIS) haben die größten chinesischen Werften – Dalian, Guangzhou, Jiangnan und Hudong-Zhonghua – zwischen 2019 und 2023 39 Kriegsschiffe mit einer Gesamtverdrängung von 550.000 Tonnen gebaut.
Dieser Tonnenwert bezieht sich auf das Volumen des von dem Schiff verdrängten Meerwassers und wird für die Angabe der Größe eines Schiffes bis hin zu einer Flotte verwendet. Im Vergleich dazu gibt „Forbes“ die Verdrängung der gesamten US-Flotte mit rund 4,5 Millionen Tonnen an.
Auch Marinestützpunkte werden ausgebaut
Von der BBC verifizierte Satellitenaufnahmen deuten ebenfalls auf den umfangreichen Ausbau mehrerer chinesischer Marinestützpunkte hin. Bilder des strategisch wichtigen Militärhafens in Yulin zeigen die Erweiterung von Trockendocks und die Konstruktion vieler zusätzlicher Anlegestellen.
Währenddessen nahm die US-amerikanische Schiffsbauindustrie in den letzten Jahrzehnten stark ab. Laut dem Marineexperten Nick Childs ist die Schiffsbaukapazität Chinas aktuell „etwa 200-mal“ so groß wie die der USA, wie er der BBC sagte.
Chinesische Flotte während eines Übungsmanövers
Säbelrasseln vor Taiwan
Die chinesische Marine verwendet ihre Flotte regelmäßig für abschreckende Manöver in umstrittenen Hoheitsgebieten im Ost- und Südchinesischen Meer, wie dem Scarborough-Riff und den Gewässern um Taiwan. Die Volksrepublik betrachtet Taiwan nicht als unabhängigen Staat, sondern als Teil Chinas und schloss in der Vergangenheit auch eine gewaltsame „Wiedervereinigung“ nicht aus.
Der chinesische Flugzeugträger „Liaoning“ bei einer Übung im Westpazifik
Der ehemalige US-Präsident Joe Biden hatte Taiwan mehrfach die militärische Unterstützung der USA im Fall einer Eskalation des Konfliktes zugesagt. Unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump geriet dieses Bekenntnis zunehmend in Zweifel. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth warnte erst im Sommer, dass China eine „unmittelbare“ Bedrohung für Taiwan darstelle und rief Nachbarländer dazu auf, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen, um eine Auseinandersetzung zu verhindern.
04.09.2025, Ben Röttger, ORF.at