China: Neue Kampfpanzer

josef

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#1
Hoppala
Neuer chinesischer Kampfpanzer bleibt bei Leistungsschau liegen
Eigentlich sollte die Werbetrommel für den VT-4 gerührt werden. Doch stattdessen gab es eine Panne

Der VT-4 blieb während einer Leistungsschau einfach stehen.
Screenshot / X

Chinas neuer Kampfpanzer, der VT4, sollte bei einer Leistungsschau während der Zhuhai Air Show eigentlich seine Leistungsfähigkeit demonstrieren. Doch das neueste Prunkstück in Sachen gepanzerte Kriegsführung blieb nach nur wenigen Metern liegen und ließ sich bis zum Ende der Demonstration nicht mehr in Gang setzen.

Der Panzer blieb laut einem Bericht von Defense Express während der gesamten Show auf dem Feld, nachdem er wegen einer mechanischen Panne einfach stehen geblieben war. Der peinliche Vorfall wirft darüber hinaus Fragen nach der Zuverlässigkeit chinesischer Ausrüstung auf. Werbung für den VT-4 war die Panne während der Vorführung bestimmt keine. Der von Norinco hergestellte Panzer ist für den Export bestimmt, mit der Demonstration sollten eigentlich Kunden aus dem Ausland gewonnen werden. Bisher war der Erfolg eher überschaubar: Laut dem International Institute for Strategic Studies haben aktuell Pakistan, Thailand und Nigeria den chinesischen Kampfpanzer angeschafft.

Der VT-4 hat erst im September Erprobungen in Algerien absolviert, wo er deutlich besser abgeschnitten hat als der russische T-90. Unter anderem umfasste die Erprobung einen Marsch über 500 Kilometer und diverse Feuerübungen, bei denen der VT-4 eine Trefferquote von 100 Prozent aufwies.

Nicht im Heimtatland eingesetzt
Chinesische Panzer waren in der Vergangenheit immer wieder für Pannen gut. Ein ganz ähnlicher Vorfall ereignete sich während des 2016 abgehaltenen Panzer-Biathlons im russischen Alabino. Ein Typ 96-B blieb dort infolge eines mechanischen Defekts liegen. Ein Laufrad war einfach abgebrochen.

Der VT-4 oder MBT-3000 wird seit 2017 produziert, kommt bei der chinesischen Armee selbst aber nicht zum Einsatz. Dort sind die Typen 96 und 99 im Einsatz, die im Grunde auf sowjetische Konzepte wie den T-72 zurückgehen. Bewaffnet ist der Panzer mit einer Variante jener 125-mm-Kanone, die schon in den T-62-Panzern der Sowjetunion eingesetzt wurde.

Massenweise Ausfälle
Es ist aber nicht nur chinesisches Militärmaterial, das zu öffentlichkeitswirksamen Ausfällen neigt. 2015 sollte der russische T-14 die Welt beeindrucken und den Westen das Früchten lehren. Stattdessen gab es einen peinlichen Auftritt des Wunderpanzers bei der Siegesparade in Moskau. Der laut russischer Propaganda "tödlichste Panzer der Welt" blieb einfach am Straßenrand liegen und widerstand auch Abschleppversuchen beharrlich. Später hieß es, der Fahrer habe vergessen, wie man die Bremse löst.

Das heißt nicht, dass westliches Kriegsgerät nicht auch zu Pannen neigt. Der schwerste und teuerste Schützenpanzer der Welt, der Puma der deutschen Bundeswehr, hat nicht nur wegen der zahllosen Verschiebungen und massiven Kostensteigerungen Schlagzeilen gemacht. Bei einer Übung im Jahr 2022 blieben alle 18 eingesetzten Puma liegen, sodass am Ende keines der Fahrzeuge mehr einsatzfähig war. Der Massenausfall ließ sich zum Teil auf elektrische Defekte in den Türmen und Wartungsmängel zurückführen.
(pez, 25.11.2024)
Neuer chinesischer Kampfpanzer bleibt bei Leistungsschau liegen
 

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#2
Was versteckt sich da?
Online-Ermittler rätseln über mysteriösen chinesischen Panzerkonvoi
Unter eigenartigen Hauben soll sich ein neuer Panzertyp verstecken, war man sich in chinesischen sozialen Medien sicher – bis die Videos verschwanden

Auf den Straßen Pekings wurden mysteriöse Fahrzeuge unter blauen Hauben gesichtet. Markiert waren die Gefährte als "Fahrzeuge zur Straßeninspektion".
Chinesische Soziale Medien /Xiaohongshu / Screenshot

Eine Kolonne auffallend großer Fahrzeuge mit kastenartigen Aufbauten rollte jüngst durch die chinesische Hauptstadt Peking. Dass es sich dabei um Aufbauten zur Tarnung der Fahrzeuge handelt, gilt mittlerweile als gesichert. Aber was genau verbirgt sich unter den improvisiert wirkenden Konstruktionen?

Westliche Beobachter gehen davon aus, dass die Fahrzeuge bei der kommenden Militärparade eine Rolle spielen werden. Es gibt die Vermutung, dass es sich um einen neuen Typ von Panzer oder ein anderes gepanzertes Fahrzeug handeln könnte.

Wie The War Zone berichtet, tauchten die Fahrzeuge in einem Video auf der chinesischen Social-Media-Plattform Xiaohongshu auf. Im Westen ist die Plattform unter dem Namen Rednote bekannt. Schauplatz ist die Chang'an-Straße in Peking, nahe dem Tiananmen-Platz. Das Datum der Aufnahmen ist unbekannt, sie dürften aber aktuell sein.

China Uncut

Die Originalvideos wurden mittlerweile von der Plattform entfernt, als Reposts sind sie aber nun in westliche soziale Medien herübergeschwappt.

Seltsamer Konvoi
Mindestens vier der seltsam aussehenden Fahrzeuge bewegen sich nachts über einen Teil einer offenbar gesperrten Straße. Jedes der Fahrzeuge mit ihren blau lackierten Abdeckungen wird von einem gewöhnlichen Lkw begleitet.

Es ist möglich, dass diese weißen Lastwagen dazu dienen, die Fahrzeuge gegenüber neugierigen Blicken von Passanten zu verbergen. Das würde erklären, warum die seltsamen Panzer auf der mittleren Spur fahren und die Lkws ganz rechts. Außerdem dürften die ungewöhnlichen Begleitfahrzeuge als Scheinwerferersatz dienen, denn die getarnten Vehikel haben keinerlei Beleuchtung.

Die Strukturen auf den Fahrzeugen sind so groß, dass man nicht erkennen kann, was sich darunter verbirgt. Obendrein verbergen Gummischürzen die Unterseite der Strukturen. Man kann also nicht sagen, ob es sich um Rad- oder Kettenfahrzeuge handelt. Laut The War Zone ist aber anhand der Geräusche von einem schweren Militärfahrzeug auszugehen. Die Größe und die Position der Sichtfenster deuten ebenfalls auf ein gepanzertes Fahrzeug hin – jedenfalls befinden sich die Fenster der Tarnung genau dort, wo üblicherweise der Fahrer eines gepanzerten Armeefahrzeugs sitzen würde.

Der Schriftzug an den Seiten der mysteriösen Fahrzeuge bedeutet "Fahrzeug zur Straßeninspektion", obwohl laut dem Bericht keines der gesichteten Fahrzeuge bekanntem Gerät der chinesischen Straßenmeisterei ähnelt.

Spekulationen
In den chinesischen sozialen Medien ist man sich jedenfalls sicher, dass es sich um Panzer handelt. Beweise für diese Behauptung gibt es natürlich nicht. Als Indiz für diesen Verdacht dient eine Militärparade, die am 3. September auf dem Platz des Himmlischen Friedens stattfinden soll. Hier wird die Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg gefeiert.

Wu Zeke, stellvertretender Generaldirektor des Operationsbüros der Abteilung für den Gemeinsamen Stab der Zentralen Militärkommission Chinas, erklärte, dass diese Parade "neuartige Kampffähigkeiten" umfassen wird, was die Spekulationen über neue Panzer zusätzlich anfeuerte.

Militärparaden werden in China und Russland gern genutzt, um zuvor nicht gezeigte Waffensysteme vorzustellen. Zuletzt waren das große Trägerschiffe und bislang geheimgehaltene Stealthjets wie die J-50 oder die J-36.

Eines ist fix: Der Aufwand der Tarnung ist beträchtlich.
(pez, 11.7.2025)
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#3
Typ 100
Kampf über die Sichtweite hinaus: Peking präsentiert den vernetzten Super-Panzer
Chinas neuer Kampfpanzer Typ 100 ist leichter, leiser und vernetzter als alles zuvor. Er kämpft nicht mehr im Nahkampf, sondern als digitaler Knotenpunkt

Auf der Militärparade im September wurde im Einsatz befindliches, hier der Typ 99 Kampfpanzer, und neues Kriegsgerät präsentiert.
AFP/PEDRO PARDO

Jahrzehntelang galten Kampfpanzer als wichtige Akteure der Landkriegsführung, eingesetzt zum Geländegewinn. Das Design musste deshalb auch vor allem dem Kampf Panzer gegen Panzer untergeordnet sein. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der neue Typ 100 Panzer der chinesischen Armee hat einen anderen Fokus: Er kämpft über seine Sichtweite hinaus – ein Konzept, das als Beyond-Visual-Range (BVR)-Gefecht bekannt ist.

Der neue Panzer ist primär eine Plattform zur vernetzten Langstrecken-Kriegsführung, die in der Lage ist, Luft-, Boden- und Cyber-Warfare übergreifend zu verbinden. So kann das Gefährt Zieldaten von vernetzten Drohnen oder Satelliten erhalten, um anschließend die Feuerunterstützung von Langstreckenraketen anzufordern. Das Ziel muss der Panzer selbst nicht sehen oder in Reichweite haben.

Vorteile im Gefecht
Über die neue Kriegswaffe berichtet zunächst die chinesische PLA Daily. Zu Wort kommt dort ein Panzerkommandant, der das neue Gefährt selbstredend lobt. Der Typ 100 würde die Operationsweise der Panzertruppen neu gestalten, erklärt er. "Mit der Indienststellung der Kampfpanzer der neuen Generation haben sich Panzereinsätze von Nahkampf-Raufereien zu Gefechten jenseits der Sichtweite entwickelt".

Die Einsatzkoordinaten hätte sich durch diese technologische Weiterentwicklung von einer "zweidimensionalen Ebene" in einen "höherdimensionalen Bereich" verschoben, der "Luft, Land, Cyberspace und elektromagnetischen Raum" integriere. Diese Möglichkeiten, das wird betont, würden China wichtige Vorteile in zukünftigen Gefechten sichern.

Präsentiert wurde der Typ 100 bereits Anfang September auf einer Militärparade in Peking. Auch dort hieß es schon, dass man mit der fahrbaren Plattform hohe Mobilität, vernetzte Zielerfassung und koordinierte Operationen verbindet. Der Typ 100 sei für die schnelle Einnahme von Positionen und das Durchbrechen mehrschichtiger Verteidigungsanlagen ausgelegt.

Grundlegend neu
In seiner Berichterstattung rund um den Typ 100 hob die PLA Daily auch die Integration von Armee-Hubschraubern, elektronischen Kampfeinheiten, neuer Raketenartillerie und unbemannten Flugsystemen hervor. Das bedeutet, dass der Panzer nicht mehr als isoliertes Kampfmittel betrachtet wird, sondern als "zentraler Knotenpunkt innerhalb einer umfassenderen, gemeinsamen Einsatzarchitektur".

Im Defence Blog wird zur Thematik der Panzerfahrzeug-Experte und leitende Analyst Serhiy Berezutskiy vom Ukrainian Strategic Initiative Center zitiert. Der Typ 100 unterscheide sich "grundlegend" von seinen Vorgängern, die sich schrittweise vom mittleren Panzer Typ 59 (eine Kopie des sowjetischen T-55) zum Kampfpanzer Typ 99 (MBT) weiterentwickelt hätten. Auffallend seien vor allem Gewicht und Größe des neuen Modells.
Auf die Waage bringt der Typ 100 nur noch rund 40 Tonnen, eine deutliche Reduktion im Vergleich zu den 55 Tonnen des Vorgängers. Das würde laut Experten darauf hinweisen, dass der Panzer sowohl in seiner Mobilität gewinnen soll, als auch der mögliche Einsatz im Hochland, etwa an der chinesisch-indischen Grenze, ein Grund dafür sein könnte. Das Design, auch mit Schwerpunkt auf Drohnen-Abwehr und die Fähigkeit, eigene Drohnen zu steuern, deute zudem darauf hin, dass China die Schwachstellen konventioneller Panzer gegen moderne Aufklärungs- und Angriffsdrohnen (wie etwa in der Ukraine) aktiv adressiert hat.

Domänenübergreifend
Die Fähigkeit, außerhalb der Sichtweite zu agieren, war zuvor Marine- und Luftfahrtplattformen vorbehalten. Das liegt laut einem chinesischen Bataillonskommandeur vor allem daran, da Bodeneinheiten in der Vergangenheit nicht über die Leistung und Technologie verfügten, um derart fortschrittliche Ziel- und Sensorsysteme zu unterstützen. "China ist mit seinen technologischen Durchbrüchen zu einem weltweit führenden Land geworden", erklärt er der PLA Daily.

Bodenzentrierte Kriegsführung würde sich immer mehr zu einer gemeinsamen, domänenübergreifenden Struktur verändern, also einer vernetzten Plattform, die Informationen und Feuerkraft über Bereiche wie Land, See oder Cyberspace hinweg koordiniert. Dies würde der T100 verkörpern, heißt es auf chinesischer Seite. Dank externer Kameras, Radars und optischer Sensoren hat die Besatzung mit Augmented-Reality-Headsets vom Panzer aus eine 360-Grad-Übersicht. Die am Panzer angebrachten Geschütze werden durch Blickfokussierung oder Kopfbewegungen auf Ziele gerichtet.

Offen ist die Frage, wie anfällig der neue Panzer gegenüber elektronischer Kriegsführung, also beispielsweise Störsendern, ist. Da das Gefährt eine ständige und sichere Datenverbindung benötigt, um aktiv seine Stärken auszuspielen, birgt natürlich genauso Möglichkeiten für feindliche Streitkräfte, den T100 via Störsender unbrauchbar zu machen.

Zumindest was die angesprochenen Vernetzungsmöglichkeiten betrifft. Als klassischer Panzer kann der T100 zusätzlich fungieren. Mit einer automatisch ladenden 105-mm-Hauptkanone, kann panzerbrechende Geschosse mit etwa 1700 Metern pro Sekunde abfeuern. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 80 km/h auf Straßen, etwa 50 km/h im Gelände. Drei bis vier Personen können in dem Fahrzeug Platz nehmen, ein Hilfsstromversorgungsgerät soll für die Aufrechterhaltung der Bordelektronik sorgen, auch wenn das Fahrzeug abgeschaltet ist.


Drohnen nehmen einen immer wichtigeren Teil der Kriegsführung ein. Auch, was die Entwicklung von Gegenmaßnahmen und technischer Vernetzung betrifft.
U.S. Marine Corps Training and Education Command

Robotisierung
Auch andere Länder rüsten technologisch nach. In Deutschland sorgte zuletzt das Start-Up Arx Robotics für Aufsehen, als es das autonome, elektrisch angetriebene Unmanned Ground Vehicle (UGV) vorstellte, welches in der Ukraine bereits zur Aufklärung und Überwachung eingesetzt werden. Im August wurde von einer anderen deutschen FIrma, FFG, ein neuer Anti-Drohnen-Panzer auf Basis des Leopard 1 vorgestellt.

Die Relevanz von Drohnen und dazu passenden Abwehrmaßnahmen hat in den vergangenen drei Jahren die Entwicklung von Kriegsgerät maßgeblich mitbestimmt. In der Ukraine wurden 60 bis 70 Prozent aller Ausfälle beziehungsweise Zerstörungen von Kampffahrzeugen durch feindliche Drohnen verursacht – eine massive Asymmetrie in Sachen Kosten/Nutzen. Deshalb hat auch die Störung von Funkverbindungen an Wichtigkeit gewonnen, doch auch hier wird bereits an Kontern gearbeitet.

Dank KI-gesteuerten Drohnenschwärmen, die ihre Aktionen eigenständig planen und untereinander koordinieren, ist der Bedarf an menschlicher Steuerung bei manchen Systemen mittlerweile auf ein Minimum reduziert. Auch die schiere Masse – allein Russland soll laut Schätzungen im Jahr rund zwei Millionen Drohnen bauen – veränderte die Kriegsführung in den vergangenen Jahren dramatisch. Mit neuen Technologien, etwa vernetzten Plattformen wie dem Typ 100, wird sich das Schlachtfeld von morgen auch weiter stark verändern.
(Alexander Amon, 20.10.2025)
Kampf über die Sichtweite hinaus: Peking präsentiert den vernetzten Super-Panzer
 

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#4
Kriegs-Innovationen
Vom Roboterhund bis zum Drohnenschwarm: Chinas Armee auf KI-Kurs
Neue Patente und Ausschreibungen belegen Pekings Fokus auf algorithmische Souveränität und die Verkürzung der Planungszeit auf dem Schlachtfeld

Stolz weht die Flagge der staatsnahen Norinco auf einem chinesischen Kampfpanzer. Die Innovationsschmiede soll den technischen Vorsprung bringen.
REUTERS/Tingshu Wang

Peking/Washington – Chinas staatlicher Rüstungskonzern Norinco hat im Februar ein Militärfahrzeug vorgestellt, das autonom Kampfunterstützungsoperationen mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde durchführen kann. Angetrieben wurde es von DeepSeek, jenem Unternehmen, dessen Künstliche-Intelligenz-Modell der Stolz von Chinas Technologiesektor ist.

Die Veröffentlichung des Norinco P60 wurde von Funktionären der Kommunistischen Partei in Presseerklärungen als frühes Beispiel dafür angepriesen, wie Peking DeepSeek und KI nutzt, um im Wettrüsten mit den Vereinigten Staaten aufzuholen – zu einer Zeit, in der die Staats- und Regierungschefs beider Länder ihre Streitkräfte zur Vorbereitung auf einen Konflikt aufgefordert haben.

Eine Reuters-Überprüfung von Hunderten von Forschungsarbeiten, Patenten und Beschaffungsunterlagen liefert eine Momentaufnahme der systematischen Bemühungen Pekings, KI für militärische Vorteile zu nutzen.

Die Einzelheiten darüber, wie die Systeme hinter Chinas Waffen der nächsten Generation funktionieren und in welchem Umfang sie eingesetzt wurden, sind Staatsgeheimnis. Beschaffungsunterlagen und Patente geben jedoch Hinweise auf Pekings Fortschritte hin zu Fähigkeiten wie autonomer Zielerkennung und Echtzeit-Entscheidungsunterstützung auf dem Schlachtfeld, was den Bemühungen der USA ähnelt.

Reuters konnte nicht feststellen, ob alle Produkte gebaut wurden, und Patente deuten nicht notwendigerweise auf einsatzbereite Technologie hin.

Chips und Inlandsentwicklung
Die Volksbefreiungsarmee (VBA) und ihre Partner nutzen und suchen weiterhin nach Nvidia-Chips, einschließlich Modellen, die unter US-Exportkontrollen stehen, wie aus den Papieren, Ausschreibungen und Patenten hervorgeht.

Reuters konnte nicht feststellen, ob diese Chips vor der Verhängung der Beschränkungen durch Washington eingelagert wurden, da die Dokumente nicht detailliert angeben, wann die verwendete Hardware exportiert wurde. Bis in den Juni hinein eingereichte Patente zeigen deren Nutzung durch militärnahe Forschungsinstitute. Im September 2022 hatte das US-Handelsministerium den Export der beliebten Nvidia-Chips A100 und H100 nach China verboten.

Nvidia-Sprecher John Rizzo erklärte in einer Stellungnahme gegenüber Reuters, dass das Unternehmen zwar keine einzelnen Wiederverkäufe bereits im Umlauf befindlicher Produkte nachverfolgen könne, "das Recycling kleiner Mengen alter, gebrauchter Produkte jedoch nichts Neues ermöglicht oder Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit aufwirft. Die Verwendung solcher Produkte für militärische Anwendungen wäre ohne Software-Support oder generelle Wartung ein No-Go."

Das US-Finanz- und Handelsministerium reagierte nicht auf Fragen zu den Erkenntnissen von Reuters.

Das chinesische Militär hat im Jahr 2025 verstärkt Unternehmen beauftragt, vor allem im Inland hergestellte Hardware wie die KI-Chips von Huawei zu verwenden. Das erklärt Sunny Cheung, ein Mitglied bei der in Washington ansässigen Denkfabrik für Verteidigungspolitik Jamestown Foundation, der in diesem Jahr Hunderte von Ausschreibungen des VBA-Beschaffungsnetzwerks über einen Zeitraum von sechs Monaten analysierte.

Reuters konnte seine Behauptung nicht unabhängig bestätigen, aber die Verschiebung würde mit dem öffentlichen Druck Pekings auf inländische Unternehmen zur Nutzung chinesischer Technologie zusammenfallen.

Die Überprüfung von Beschaffungsmitteilungen und Patenten, die beim chinesischen Patentamt eingereicht wurden, ergab eine verstärkte Nachfrage nach der Verwendung von Huawei-Chips durch VBA-nahe Unternehmen. Es war jedoch nicht möglich, alle von Jamestown eingesehenen Ausschreibungen zu überprüfen. Die Denkfabrik veröffentlicht diese Woche einen Bericht, den sie Reuters vorab zur Verfügung gestellt hat.

Huawei lehnte eine Stellungnahme zum militärischen Einsatz seiner Chips ab. Das chinesische Verteidigungsministerium, DeepSeek und Norinco beantworteten Anfragen zu ihrer Nutzung von KI für militärische Anwendungen nicht. Die Universitäten und Rüstungsfirmen, die die von Reuters eingesehenen Patente und Forschungsarbeiten eingereicht hatten, reagierten ebenfalls nicht auf ähnliche Anfragen.


Modernes Militärgerät benötigt auch Chips und Software. Auch hier will China den USA keinen Vorsprung lassen.
REUTERS/Tingshu Wang

DeepSeek-Abhängigkeit
Die Nutzung von DeepSeek-Modellen wurde in einem Dutzend Ausschreibungen von VBA-Einheiten erwähnt, die dieses Jahr eingereicht und von Reuters eingesehen wurden, während nur eine davon Alibabas Qwen – einen großen inländischen Konkurrenten – erwähnte. Alibaba beantwortete eine Anfrage zum militärischen Einsatz von Qwen nicht.

Die DeepSeek-bezogenen Anfragen haben sich im Laufe des Jahres 2025 beschleunigt, wobei regelmäßig neue militärische Anwendungen im VBA-Netzwerk auftauchen, so die Jamestown Foundation.

Die Popularität von DeepSeek bei der VBA spiegelt auch Chinas Streben nach der "algorithmischen Souveränität", wie es Peking bezeichnet. Damit gemeint ist die Verringerung der Abhängigkeit von westlicher Technologie bei gleichzeitiger Stärkung der Kontrolle über kritische digitale Infrastruktur.

Das US-Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme zum Einsatz von KI durch die VBA ab.

KI-gestützte Planung und Anwendungen
China setzt laut den Dokumenten auf KI-gestützte Roboterhunde, die in Rudeln auf Erkundung gehen, und Drohnenschwärme, die Ziele autonom verfolgen, sowie auf fortschrittliche Kriegsspielsimulationen.

Im November 2024 veröffentlichte die VBA eine Ausschreibung im Science-Fiction-Stil für KI-gestützte Roboterhunde, die gemeinsam nach Bedrohungen suchen und zum Beispiel Minen beseitigen sollen. Reuters konnte nicht feststellen, ob die Ausschreibung erfüllt wurde. China hat bereits in der Vergangenheit bewaffnete Roboterhunde des KI-Robotikherstellers Unitree bei Militärübungen eingesetzt, wie aus Bildern staatlicher Medien hervorgeht. Unitree reagierte nicht auf Anfragen zu seiner Arbeit für die VBA.

Die Überprüfung von Patenten, Ausschreibungen und Forschungsarbeiten, die in den letzten zwei Jahren veröffentlicht wurden, zeigt, wie die VBA und angeschlossene Einheiten KI zur Verbesserung der militärischen Planung nutzen möchten, einschließlich der Entwicklung von Technologien zur schnellen Analyse von Bildern, die von Satelliten und Drohnen aufgenommen wurden.

Forscher von Landship Information Technology, einem chinesischen Unternehmen, das KI-Systeme in Militärfahrzeuge, darunter die von Norinco, integriert, erklärten in einem Whitepaper vom Februar zur Bewerbung ihrer Dienste: Die auf Huawei-Chips basierende Technologie kann schnell Ziele aus Satellitenbildern identifizieren, während sie sich gleichzeitig mit Radaren und Flugzeugen zur Durchführung von Operationen abstimmt.

Auch die Zeit, die Militärplaner für den Übergang vom Finden und Identifizieren eines Ziels benötigen, wurde durch KI verkürzt, so die Xi'an Technological University. Forscher dieses Instituts gaben in einer im Mai veröffentlichten Zusammenfassung ihrer Ergebnisse an, dass ihr DeepSeek-gestütztes System in der Lage war, 10.000 Schlachtfeldszenarien – jedes mit unterschiedlichen Variablen, Gelände und Truppenstationierungen – in 48 Sekunden zu bewerten. Eine solche Aufgabe hätte ein herkömmliches Team von Militärplanern 48 Stunden gekostet, sagten sie. Reuters konnte die Behauptungen der Forscher nicht unabhängig überprüfen.

Autonome Waffen
Zwei Dutzend der von Reuters eingesehenen Ausschreibungen und Patente zeigen, dass das Militär versucht, KI in Drohnen zu integrieren, damit diese Ziele erkennen und verfolgen sowie in Formationen mit geringer menschlicher Intervention zusammenarbeiten können.

Die Beihang-Universität, bekannt für ihre militärische Luftfahrtforschung, nutzt DeepSeek, um die Entscheidungsfindung von Drohnenschwärmen beim Anvisieren von "niedrigen, langsamen, kleinen" Bedrohungen zu verbessern – der militärischen Kurzbezeichnung für Drohnen und Leichtflugzeuge – so ein Patentantrag dieses Jahres.

Chinesische Militärs haben sich öffentlich dazu bekannt, die menschliche Kontrolle über Waffensysteme aufrechtzuerhalten, inmitten wachsender Besorgnis, dass ein Konflikt zwischen Peking und Washington zur ungeprüften Stationierung von KI-gestützter Munition führen könnte.

Das US-Militär, das ebenfalls in KI investiert, strebt an, bis Ende 2025 Tausende autonomer Drohnen einzusetzen, was nach Angaben von Beamten ein Versuch ist, Chinas numerischem Vorteil bei unbemannten Luftfahrzeugen entgegenzuwirken.

US-Chips, chinesische Modelle
Chinesische Rüstungsunternehmen wie Shanxi 100 Trust Information Technology haben in Marketingmaterialien ihre Abhängigkeit von im Inland hergestellten Komponenten wie den Ascend-Chips von Huawei erklärt, die den Betrieb von KI-Modellen ermöglichen. Die Firma reagierte nicht auf Fragen zu ihrer Beziehung zu Huawei und der VBA.

Trotz der Umstellung auf inländische Prozessoren wird Nvidia-Hardware laut einer Überprüfung von Patentanmeldungen aus den letzten zwei Jahren weiterhin häufig in Forschungsarbeiten von militärnahen Wissenschaftlern zitiert. Reuters identifizierte 35 Anwendungen, die die Verwendung von Nvidias A100-Chips durch Wissenschaftler der National University of Defense Technology (NUDT) der VBA und der "Sieben Söhne" – einer Gruppe chinesischer Universitäten, die unter US-Sanktionen stehen und in der Vergangenheit verteidigungsbezogene Forschung für Peking betrieben haben – erwähnen.

Dieselbe Gruppe reichte im gleichen Zeitraum 15 Patente im Zusammenhang mit KI-Anwendungen ein, die Huawei Ascend-Hardware zitierten, die als Ersatz für Nvidia-Chips konzipiert wurde. Erst im Juni reichte die PLA Rocket Force University of Engineering separat ein Patent für ein Fernerkundungs-Zielerkennungssystem ein, das laut Angaben A100-Chips für das Modelltraining verwendete.

Oberst Zhu Qichao, der ein NUDT-Forschungszentrum leitet, sagte Reuters letztes Jahr, dass US-Beschränkungen ihre KI-Forschung "in gewissem Maße" beeinträchtigt hätten, obwohl sie entschlossen seien, den technologischen Rückstand aufzuholen.

Nvidias Rizzo spielte die Nachfrage der VBA nach Nvidia-Hardware herunter und sagte, dass China "mehr als genug inländische Chips für alle seine militärischen Anwendungen" habe.
(Reuters, red, 27.10.2025)
Vom Roboterhund bis zum Drohnenschwarm: Chinas Armee auf KI-Kurs
 
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