China: Mit dem Bau einer Raumstation beginnt China das bisher größte Vorhaben seines Weltraumprogramms

josef

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#1
Start der chinesischen Raumstation Tiangong 3 steht offenbar bevor
Noch hält sich China bedeckt, doch die Hinweise verdichten sich, dass am Donnerstag das Kernmodul der Raumstation Tiangong 3 ins All gebracht werden soll

Im Lauf des nächsten Jahres soll Tiangong 3 fertig sein, schon im Juni könnten die ersten Raumfahrer zum Kernmodul fliegen.
Illustration: CNSA

Mit dem Bau einer neuen Raumstation beginnt China das bisher größte Vorhaben seines Weltraumprogramms. Das Land hält sich zwar mit genauen Informationen bedeckt, der erste Start des ambitionierten Projekts steht aber offenbar unmittelbar bevor: Die Polizei hat Beschränkungen für den Verkehr um den Raumfahrtbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan angeordnet, die von Mittwochabend bis Donnerstagabend dauern. Die Anweisungen sind internationalen Experten zufolge ein Indiz für ein Startfenster am Donnersteg. Eine offizielle Bestätigung gibt es aber nicht.

Fest steht: In einem ersten Schritt soll eine Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 5B das Kernmodul mit dem Namen Tianhe ins All bringen. Das 22 Tonnen schwere Modul bildet das Herzstück der Station, die nach der Fertigstellung Tiangong 3 (Himmelspalast) heißen soll: Es soll für Strom und Antrieb sorgen und Unterkünfte für drei Astronauten bieten, die bis zu sechs Monate an Bord bleiben können.

Elf Flüge bis 2022
In den kommenden Wochen sollen zwei weitere Raumflüge stattfinden. Im Mai könnte das Cargo-Raumschiff Tianzhou 2 mit Treibstoff und Versorgungsgütern starten, möglicherweise schon im Juni sollen dann erstmals drei Astronauten zu Tianhe zu fliegen. Die Bauphase erfordert einen dichten Flugplan: Insgesamt sind elf Flüge geplant – drei Flüge mit Bauteilen, vier Frachtmissionen und vier bemannte Raumflüge. Fertig soll die Raumstation im Lauf des Jahres 2022 werden.
Mit rund 90 Tonnen wird Chinas Raumstation deutlich kleiner als die 240 Tonnen schwere ISS sein und im Aufbau eher an die einstige russische Station Mir erinnern. Das Kernmodul Tianhe ist 16,6 Meter lang und hat einen Durchmesser von 4,2 Metern. Zwei weitere Teile, die T-förmig angebaut werden, sollen Platz für wissenschaftliche Experimente bieten.

Chinesische Aufholjagd
Mit seinen beiden vorherigen kleinen Raumlaboren Tiangong 1 und Tiangong 2 hat sich China bereits Expertise für das komplexe Vorhaben erarbeitet. Es wurden Rendezvous und Auftankmanöver sowie Außenbordeinsätze geübt. Eigentlich hätte der Bau der Raumstation schon früher starten sollen, aber Probleme mit der neuen Trägerrakete sorgten für Verzögerungen. Die Bauphase wurde dafür jetzt verdichtet. "Wir werden an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen", sagte Zhou Jianping, Chefdesigner des astronautischen Raumfahrtprogramms Chinas (CMS), kürzlich laut chinesischem Staatsfernsehen. "Wir müssen Erfolg, Qualität, Sicherheit und Verlässlichkeit wahren."

Wenn die in die Jahre gekommene Internationale Raumstation (ISS) in den kommenden Jahren ihren Dienst einstellt, wäre China zumindest vorübergehend die einzige Nation, die einen Außenposten im Erdorbit betreibt. An der ISS war das Land auf Betreiben der USA nicht beteiligt.

Nach großen neuen Gemeinschaftsprojekten der ISS-Partner sieht es indes nicht aus: Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hätte gerne 2030 wieder eine eigene Station in einer Erdumlaufbahn, während die US-Weltraumbehörde Nasa den Mond im Blick hat. Die Lunar Gateway genannte US-Station soll den Erdtrabanten umrunden und Unterstützung für eine "langfristige Rückkehr von Menschen auf die Oberfläche des Mondes" sowie eine Basis für die Erkundung des tieferen Weltraums bieten. Frühestens 2024 könnten erste Komponenten ins All gebracht werden, heißt es von der Nasa.
(dare, APA, dpa, 28.4.2021)
Start der chinesischen Raumstation Tiangong 3 steht offenbar bevor
 

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#2
TIANGONG 3
Erstes Modul der neuen chinesischen Raumstation ins All gestartet
Am Donnerstag hob das Herzstück der Station Tiangong 3 vom chinesischen Weltraumbahnhof Wenchang ab. Die ersten Astronauten sollen bald folgen
China hat das erste Modul seiner neuen Raumstation gestartet. Wie im chinesischen Staatsfernsehen zu sehen war, hob das Tianhe genannte Kernmodul am Donnerstag mit einer Trägerrakete des Typs Langer Marsch 5B vom Weltraumbahnhof Wenchang auf der Insel Hainan ab. Der Bau einer eigenen Raumstation ist zentraler Bestandteil von Chinas ehrgeizigem Weltraumprogramm.


Tianhe startete am Donnerstag von der südchinesischen Insel Hainan aus ins All.
Foto: AFP

Das Kernmodul Tianhe ist das Herzstück der im Bau befindlichen chinesischen Raumstation Tiangong 3 und bietet Unterkünfte für drei Astronauten. In Vollbetrieb gehen soll die Raumstation im kommenden Jahr. Zuvor sind noch weitere Transport- und Montageflüge erforderlich.

Dichtes Programm
Schon in den kommenden Wochen sollen zwei weitere Raumflüge stattfinden. Im Mai könnte das Cargo-Raumschiff Tianzhou 2 mit Treibstoff und Versorgungsgütern starten, möglicherweise im Juni sollen dann erstmals drei Astronauten zu Tianhe zu fliegen. Die Bauphase erfordert einen dichten Flugplan: Insgesamt sind elf Flüge vorgesehen – drei Flüge mit Bauteilen, vier Frachtmissionen und vier bemannte Raumflüge.


Rendering des Moduls Tianhe in einem undatierten Bildausschnitt des chinesischen Staatssenders CCTV.
Foto: AP

Geplant ist, dass die chinesische Raumstation nach ihrer Inbetriebnahme im niedrigen Erdorbit auf rund 400 bis 450 Kilometern Höhe verbleibt. Eine internationaler Betrieb wie bei der Internationalen Raumstation ISS ist nicht vorgesehen. Peking hat jedoch erklärt, offen für ausländische Kooperation in der Weltraumforschung zu sein.

Mit rund 90 Tonnen wird Chinas Raumstation deutlich kleiner als die 240 Tonnen schwere ISS sein und im Aufbau eher an die einstige russische Station Mir erinnern. Das Kernmodul Tianhe ist 16,6 Meter lang und hat einen Durchmesser von 4,2 Metern. Zwei weitere Teile, die T-förmig angebaut werden, sollen Platz für wissenschaftliche Experimente bieten.

Getrennte Wege
Wenn die in die Jahre gekommene Internationale Raumstation (ISS) in den kommenden Jahren ihren Dienst einstellt, wäre China zumindest vorübergehend die einzige Nation, die eine Wohn- und Forschungsgemeinschaft in einer Erdumlaufbahn betreibt. Die Hauptbetreiber der ISS, Nasa und Roskosmos, wollen diesbezüglich künftig wieder getrennte Wege beschreiten: Während Russland in den kommenden Jahren wieder eine eigene Raumstation im Erdorbit haben will, planen die USA den Bau einer Station im Mondorbit.
(red, APA, 29.4.2021)
Erstes Modul der neuen chinesischen Raumstation ins All gestartet
 

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#3
Absturzort ungewiss
Chinesische Raketentrümmer fallen auf Erde
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Der Start der chinesischen Trägerrakte vom Typ „Langer Marsch 5B“ Ende April war für die Raumfahrtnation ein Erfolg. Sie brachte das erste Modul der neuen chinesischen Raumstation ins All. Zum Problem könnten aber die Nachwehen des Raketenstarts werden. Die Hauptstufe der Rakete stürzt derzeit unkontrolliert zurück zur Erde. Wo mögliche Trümmerteile landen könnten, weiß niemand.
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Die Saturn-Reihe war es für die USA, die Sojus-Raketen bildeten es für die Sowjetunion und sind es noch immer für Russland: das Rückgrat des eigenen Weltraumprogramms. In China trägt die Raketenreihe seit den 1970er den Namen „Langer Marsch“ – benannt nach dem Ursprungsmythos der Kommunistischen Partei Chinas.

„Langer Marsch 5B“ heißt der jüngste Spross des chinesischen Raketenprogramms. Mit 53 Metern reiht sich die „CZ-5B“ abgekürzte Trägerrakte in die Gruppe der wenigen derzeit im Betrieb befindlichen Großraketen ein. Am 29. April war erst zum zweiten Mal eine Rakete von diesem Typ gestartet und hatte das erste Modul der neuen chinesischen Raumstation in den Orbit gebracht. In der Erdumlaufbahn ist nun aber auch die 30 Meter hohe Antriebsstufe der Rakete – also jener Teil aus Treibstofftanks und Raketendüsen, mit dessen Hilfe die Rakete die Erdanziehung überwindet. Dieser Raketenteil ist es, den Raumfahrtexperten nun mit Sorge beobachten.

AP/Xinhua/Guo Wenbin
Raketen vom Typ „Langer Marsch 5“ werden nur von einer Antriebsstufe in den Orbit befördert

Im Unterschied zu anderen aktuellen Großraketen besitzt „CZ-5B“ keine weitere Raketenstufe. Die Triebwerke, die bereits beim Start zünden, bringen die Fracht der Rakete direkt in die Erdumlaufbahn. Erst dort wird die Hauptstufe abgetrennt. Das hat zur Folge, dass auch sie selbst sich erst einmal in einer niedrigen Umlaufbahn befindet. Dort wird sie von den obersten Schichten der Atmosphäre langsam gebremst und beginnt schließlich in Richtung Erde zu fallen. Eine Steuerung der Flugbahn ist allerdings nicht mehr möglich – der Wiedereintritt in die Atmosphäre erfolgt also unkontrolliert.

Breiter Korridor für möglichen Absturz
Der Großteil des 20 Tonnen schweren Raketenteils wird dabei zwar in der Atmosphäre verglühen. Einzelne hitzebeständige Teile dürften den Fall aber überstehen – und schließlich auf der Erdoberfläche aufschlagen. Wo das passieren wird, bleibt die große Frage. Da die Hauptraketenstufe etwa alle 90 Minuten um die Erde kreist, lässt sich nicht berechnen, wann und wo genau sie in die Atmosphäre eintreten und dort zumindest teilweise verglühen wird.

Das US-Militär gab dem Raketenteil mittlerweile den Namen 2021-035B. Seine Flugbahn lässt sich auf Tracking-Websites verfolgen. Ausgehend von ihrer derzeitigen Umlaufbahn überquert die Rakete die Erde im Norden bis nach New York, Madrid und Peking und im Süden bis nach Südchile und Wellington in Neuseeland. Sie könnte an jedem beliebigen Punkt innerhalb dieses Gebietes wieder eintreten.

Genaue Prognose (noch) nicht möglich
Aufgrund der hohen Geschwindigkeit könnte bereits eine kleine Änderung der Flugbahn einen Unterschied machen, wo die Trümmer am Ende landen. „Wir wissen nicht, wo“, sagte der Astrophysiker Jonathan McDowell am Dienstag gegenüber Medien. „Im schlimmsten Fall wird es wie der Absturz eines kleinen Flugzeugs, der sich aber über Hunderte Kilometer verteilt.“ Es sei ungewiss, wie viele Bruchstücke nach dem Wiedereintritt übrig bleiben. „Aber genug, um Schaden anzurichten“, so der Experte vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts.

Freilich ist der größte Teil der Erde von Ozeanen bedeckt. Auch ein Großteil der Landmasse stellt unbewohntes Gebiet dar. „Der wahrscheinlichste Vorgang sieht so aus, dass Trümmer, die die starke Hitze des Wiedereintritts überstehen, ins Meer oder auf unbewohnte Gegenden fallen“, schrieb Andrew Jones auf Spacenews.com. Doch es lasse sich nicht ausschließen, dass auch Menschen oder Eigentum zu Schaden kommen könnten, so der Kenner des chinesischen Raumfahrtprogramms.

Offen ist auch noch, wann genau sich der Absturz ereignet. Die Prognosen gehen vom 10. Mai aus – mit einer Unsicherheit von immerhin plus/minus zwei Tagen. Sobald der Tag feststehe, könnten Experten die Landezeit innerhalb eines Sechsstundenfensters voraussagen, so McDowell.

Bewusstes Risiko Chinas
McDowell kritisierte überdies, dass China das Risiko mit der Raketenkonstruktion bewusst in Kauf nehme. „Nach dem Skylab-Wiedereintritt entschied sich jeder andere, dass vermieden werden sollte, dass so etwas passiert“, so der Astrophysiker. Die von den Amerikanern in den Orbit gebrachte Raumstation war im Juli 1979 weitgehend unkontrolliert zum Absturz gebracht worden. Die 90 Tonnen schwere Station zerbrach dabei erst später als angenommen, die Trümmer gingen weiter östlich nieder als geplant.

Reuters/Tingshu Wang
Das Ende April in den Orbit gebrachte Modul bildet den Grundstein für Chinas neue Raumstation

Seit 1990 sei nichts über zehn Tonnen absichtlich in der Umlaufbahn gelassen worden, um unkontrolliert wiedereinzutreten, so McDowell. Das Ende der 19 Tonnen schweren Saljut 7 ein Jahr später war der letzte unkontrollierte Absturz eines solch großen Objektes. Der Wiedereintritt der russischen Raumstation MIR erfolgte 2001 durch den Einsatz der Schubdüsen kontrolliert.
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Bei den aktuell im Einsatz befindlichen Großraketen gelangen Hauptstufen gar nicht in den Orbit, sondern werden zuvor abgetrennt. Sie stürzen dann in einer berechenbaren Kurve auf die Erde zurück – die Trümmer gehen in einer im Vorfeld definierten Wiedereintrittszone nieder. Größere zweite Raketenstufen, die einen niedrigen Erdorbit erreichen, werden durch gezielte Zündungen der Triebwerke – „Deorbit-Burns“ genannt – in eine niedrige Flugbahn gebracht. Damit soll der Absturz so weit wie möglich kontrolliert werden.

„Mit der ‚Langer Marsch 5B‘ hat China keinen dieser Ansätze verfolgt“, sagte McDowell. Sie sei so gebaut, dass sie etwa eine Woche später durch die Anziehungskraft an einem „willkürlichen Ort“ wieder in die Atmosphäre der Erde eintrete. „Das Design ist fahrlässig im Vergleich zu gegenwärtigen Standards anderer Länder.“

Beschädigte Gebäude in der Elfenbeinküste
Im Vorfeld war sehr wohl darüber spekuliert worden, dass auch die Hauptstufe der „CZ-5B“ diesmal ein aktives Manöver durchführen und so aus dem Orbit geholt werden könnte. Das blieb aber offensichtlich aus. Auf einer Pressekonferenz in Wenchang sprach Wang Jue, Oberbefehlshaber des Raketenprogramms „Langer Marsch 5“, am Donnerstag von Verbesserungen gegenüber dem ersten Start der „CZ-5B“ vor einem Jahr. Ein mögliches Deorbit-Manöver erwähnte er aber nicht.

Bereits infolge des Raketenstarts im Mai 2020 war der Absturz der Hauptstufe nicht ganz glattgegangen. „Das letzte Mal, als sie eine ‚Langer Marsch 5B‘-Rakete starteten, endete es mit großen langen Metallstäben, die durch den Himmel flogen und mehrere Gebäude in der Elfenbeinküste beschädigten“, sagte McDowell. „Das meiste davon ist verglüht, aber es gab diese riesigen Metallstücke, die auf dem Boden aufschlugen. Wir hatten großes Glück, dass niemand verletzt wurde.“

Weitere Raketenstarts für Raumstation nötig
Fest steht bereits jetzt: Es wird nicht der letzte Start eine Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ gewesen sein. Für Chinas neue Raumstation müssen zwei weitere Module ins All gebracht und angebaut werden. Die T-förmige Station soll „um 2022“ fertiggestellt werden und dann „Tiangong“ (Himmelspalast) heißen. Mit rund 60 Tonnen Gewicht fällt sie deutlich kleiner aus als die Internationale Raumstation (ISS).

Die ISS, deren erstes Modul 1998 gestartet wurde, kommt nach zahlreichen Ausbaustufen auf eine Masse von etwa 408 Tonnen. Die Station nähert sich aber dem Ende ihrer Lebenszeit. Spätestens 2030 soll sie nach den derzeitigen Plänen zum kontrollierten Absturz gebracht werden. Dann wäre China die einzige Nation, die eine ständig besetzte Station im Weltraum betriebe.
04.05.2021, mars, ORF.at/Agenturen

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#4
Trümmer chinesischer Raketenstufe in Indischen Ozean gestürzt
Seit Tagen wurde vor der Gefahr durch den "unkontrollierten" Wiedereintritt der Rakete in die Atmosphäre gewarnt

Die chinesische Rakete beim Start am 29. April.
Foto: AFP/STR

Peking – Die Überreste einer für den Bau der chinesischen Raumstation genutzten Rakete sind nahe der Inselgruppe der Malediven in den Indischen Ozean gestürzt. "Der größte Teil" sei beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht und zerstört worden, teilte Chinas Raumfahrtprogramm am Sonntag mit. Zuvor war die Rakete noch über dem Nahen Osten am Himmel gesehen worden und dann über der Arabischen Halbinsel in die Erdatmosphäre eingetreten.

Der Wiedereintritt der 21 Tonnen schweren Hauptraketenstufe war "unkontrolliert", wie westliche Experten sagten. So war vor dem Risiko gewarnt worden, dass Überreste über bewohnten Gebieten niedergehen und Schäden anrichten könnten. Die neue, besonders tragfähige Rakete vom Typ "Langer Marsch 5B" hatte am 29. April das 22 Tonnen schwere Modul "Tianhe" (Himmlische Harmonie) ins All gebracht. Es soll den Hauptteil der chinesischen Raumstation bilden.

NASA: Verantwortliche Standards nicht erfüllt
Der Chef der US-Raumfahrtbehörde NASA, Bill Nelson, übte deutliche Kritik an China. Raumfahrtnationen müssten die Gefahren für Menschen und Eigentum auf der Erde durch den Wiedereintritt von Raumfahrtobjekten minimieren und möglichst große Offenheit hinsichtlich solcher Operationen demonstrieren. "Es ist eindeutig, dass China verantwortliche Standards hinsichtlich seines Raumfahrtmülls nicht erfüllt hat", hieß es in seiner Erklärung.

Dass die Trümmer in den Ozean stürzen würden, sei "statistisch immer am wahrscheinlichsten" gewesen, schrieb der Experte Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) auf Twitter. "Es scheint, als wenn China das Spiel gewonnen hat (es sei denn, wir bekommen Nachrichten über Trümmer auf den Malediven). Aber es ist nach wie vor rücksichtslos."
Raumfahrtbehörden und Experten hatten die Flugbahn in den letzten Stunden genau verfolgt. Die Raketenstufe war demnach noch mit hoher Geschwindigkeit über Portugal, Sardinien und Teile Griechenlands geflogen, bevor sie den Nahen Osten überquerte und nach Angaben des US-Raumfahrtkommandos gegen 4.15 Uhr MESZ über der Arabischen Halbinsel in die Atmosphäre eintauchte.

"Deorbit-Manöver" keine Pflicht
Als Ursache für den ungesteuerten Wiedereintritt gilt Experten das Design der neuen Rakete, die auch keine Flugbahn gehabt habe, um kurz nach dem Start ins Meer zu stürzen. Vielmehr habe sie eine Umlaufbahn erreicht. Heute würden Raketen so gebaut, dass sie in diesem Fall mit Triebwerken ein "Deorbit-Manöver" machen könnten, um an einem vorbestimmten Punkt in die Erdatmosphäre einzutreten, so dass etwaige Trümmer gezielt ins Meer fallen könnten, wurde geschildert.

Auch wenn dieses Vorgehen heute der Trend in der Raumfahrt sei, handle es sich nicht um feste Normen, wie Brian Weeden von der Secure World Foundation sagte, die sich für eine friedliche und nachhaltige Nutzung des Weltalls einsetzt. Der Webseite "Space News" sagte Weeden: "Es ist kein hartes Gesetz, das Länder bindet – nur eine freiwillige Richtschnur." Der Grund sei, dass Länder wie die USA kein verpflichtendes Gesetz haben wollten, weil sie manchmal selbst davon abweichen müssten, schilderte der Raumfahrtexperte.
Schon beim ersten Flug des schweren Typs "Langer Marsch 5B" waren im Mai 2019 Reste in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen und hatten lokalen Berichten zufolge Häuser beschädigt. Die Raketenstufe gehört zu den größten Objekten, die jemals wieder zur Erde gestürzt sind.

China: "Schaden sehr unwahrscheinlich"
China hatte sein Vorgehen als "internationale Praxis" verteidigt. Der Sprecher des Außenministeriums, Wang Wenbin, beteuerte, dass es "sehr unwahrscheinlich" sei, dass die Reste der Raketenstufe Schaden anrichten würde, weil sie bei Wiedereintritt verglühen werde. Staatsmedien sahen "nichts Anderes als westlichen Rummel um eine 'Bedrohung durch China'" in der Raumfahrttechnologie.

China plant nächstes Jahr zwei weitere Starts mit diesem Raketentyp, wenn zwei Module ins All gebracht werden sollen, um an das Hauptteil der Raumstation montiert zu werden. In diesem Monat ist der Start einer Rakete vom Typ "Langer Marsch 7" mit dem unbemannten Frachtschiff "Tianzhou 2" geplant. Voraussichtlich im Juni soll zudem ein Flug von drei Astronauten mit "Shenzhou 12" zum Kernmodul "Tianhe" folgen. Nach Expertenangaben wird keinem dieser beiden direkt bevorstehenden Flüge ein unkontrollierter Wiedereintritt in die Erdatmosphäre folgen.
(APA, 9.5.2021)
Trümmer chinesischer Raketenstufe in Indischen Ozean gestürzt
 

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#5
ERFOLGREICHE ANKUNFT
Chinesischer Weltraumtransporter an künftiger Station angedockt
Der besatzungslose Transporter hat Treibstoff, Material und Lebensmittel an Bord und bereitet die für Juni geplante Ankunft von drei Taikonauten vor

Die chinesische Raumstation – hier als Projektion des Tianhe-Kernmoduls im Wissenschafts- und Technologiemuseum Peking – ist mit der Ankunft einer Transportmission nun einen Schritt weiter.
Foto: Reuters/Tingshu Wang

Nach einer Verzögerung aus technischen Gründen wenige Minuten vor dem ursprünglich geplanten Abflug vor zehn Tagen konnte nun eine Transportmission starten: Sie bestand aus dem Cargo-Raumschiff Tianzhou 2 und einer "Langer Marsch 7"-Trägerrakete, die auf der südchinesischen Insel Hainan den Erdboden verließen. Der Transporter erreichte im All das Kernmodul der zukünftigen chinesischen Raumstation Tiangong ("Himmlischer Palast"). Dies berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf die Raumfahrtbehörde CMSA.

Nach zentraleuropäischer Uhrzeit gelang das "Computer-orchestrierte Rendezvous" zwischen Transporter und Kernmodul um 23 Uhr (Samstag). Nach dem Andocken des Raumschiffs wird nun die etwa sechs Tonnen schwere Fracht, bestehend aus Treibstoff, Nahrungsversorgung und weiteren Materialien für die Raumstation, automatisch verladen. Dieser wichtige Schritt bereitet die Ankunft von drei Taikonauten, also chinesischen Raumfahrern, vor: Mit dem Raumflug Shenzhou 12 sollen im Juni die ersten Menschen zur Raumstation kommen und für drei Monate bleiben.

2022 voll betriebsbereit
China hatte Ende April das Modul Tianhe, das erste und zentrale Modul der neuen Raumstation, in die Erdumlaufbahn gebracht. Es umkreist die Erde im Abstand von 350 bis 390 Kilometern. Nach der Bauphase soll die Raumstation im kommenden Jahr voll betriebsbereit sein.

Inwiefern der Zeitplan eingehalten werden kann, ist noch nicht ganz klar. Nach der Ankunft der drei ersten Taikonauten auf der Raumstation soll im September eine weitere Frachtmission starten, im Oktober drei weitere Crewmitglieder dazustoßen. Im Jahr 2022 könnten dann zusätzliche Fracht- und Personenflüge erfolgen sowie die Erweiterung der Station um zwei Labormodule.

Bald einziger Außenposten
Eine internationale Nutzung wie bei der Internationalen Raumstation ISS ist nicht geplant. Man sei jedoch offen für ausländische Kooperation in der Weltraumforschung. Die ISS selbst wird in den nächsten Jahren ihren Dienst einstellen – dann wäre China das einzige Land mit einem ständig besetzten Außenposten im All.

Zuletzt gelang der Volksrepublik bereits eine erfolgreiche Mars-Mission, der Rover Zhurong landete vor zwei Wochen auf dem Roten Planeten und schickte erste Bilder. Im Dezember war eine ehrgeizige Mondmission beendet worden; eine Kapsel mit zwei Kilogramm Proben kehrte sicher auf die Erde zurück.
(red, APA, 30.5.2021)

Link
Xinhua: China's cargo craft successfully docks with space station module

Chinesischer Weltraumtransporter an künftiger Station angedockt
 

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#6
China schickt erstmals Astronauten zu neuer Raumstation
Drei Astronauten sollen zur im Bau befindlichen Raumstation gebracht werden. Sie sollen dort drei Monate verweilen

Am Donnerstag soll die Mission mit drei Astronauten an Bord gestartet werden.
Foto: AP

Peking – China will am Donnerstag erstmals ein Raumschiff mit drei Astronauten zu seiner im Bau befindlichen Raumstation schicken. Der Start sei für 9.22 Uhr (3.22 Uhr MEZ) geplant, gab die chinesische Raumfahrtbehörde am Mittwoch bekannt. Teil der Mission sind demnach die chinesischen Astronauten Nie Haisheng, Liu Boming und Tang Hongbo. Das erste Modul der Raumstation "Tiangong", die bis Ende 2022 fertig sein soll, war Anfang Mai ins All geschickt worden.

Ende Mai folgte ein weiterer Frachtflug mit Material und Treibstoff. Die Astronauten sollen vom Raumfahrtbahnhof "Jiuquan" in der Wüste Gobi starten und drei Monate an Bord des Kernmoduls der neuen Station bleiben. Das Flugprogramm ist eng getaktet: Im September soll ein weiterer Versorgungsflug starten. Im Oktober werden drei weitere Astronauten folgen.

Um die Raumstation fertigzubauen, werden noch zwei jeweils gut 20 Tonnen schwere Labormodule ins All gebracht. Im nächsten Jahr sind zusätzlich noch zwei weitere Frachtflüge sowie zwei bemannte Missionen geplant. Wenn die internationale Raumstation ISS in den nächsten Jahren wie geplant ihren Dienst einstellen wird, wäre China das einzige Land, das noch einen ständigen Außenposten im All betreibt.
(APA, 16.6.2021)
China schickt erstmals Astronauten zu neuer Raumstation
 

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#7
Drei chinesische Astronauten zu neuer Raumstation gestartet
Die Reise zur Station Tiangong ist die erste bemannte chinesische Raumfahrtmission seit fünf Jahren

"Start geglückt", heißt es aus China.
Foto: Imago

Drei chinesische Astronauten haben sich auf den Weg zu Chinas im Bau befindlicher Raumstation Tiangong gemacht. Das Raumschiff hob am Donnerstagfrüh vom Raumfahrtbahnhof Jiuquan in der Wüste Gobi ab. Die Reise ist die erste bemannte chinesische Raumfahrtmission seit fünf Jahren. Wenn die Internationale Raumstation (ISS) in den nächsten Jahren wie geplant außer Betrieb geht, wäre China das einzige Land, das noch einen ständigen Außenposten im All betreibt.

Arbeiten an der Raumstation "Tiangong"
Das chinesische Staatsfernsehen zeigte Livebilder vom Start und vom Raumschiff, als es etwa 15 Minuten später in der Erdumlaufbahn seine Sonnenflügel ausklappte. Die Astronauten Nie Haisheng, Liu Boming und Tang Hongbo öffneten ihre Helmvisiere und winkten in die Kamera. Im nächsten Schritt wird die Kopplung mit dem Kernmodul der neuen Raumstation erwartet.


Die Gefühlslage der Astronauten lässt sich an den veröffentlichten Bildern nicht ablesen.
Foto: REUTERS

Während ihres Aufenthalts im All sollen die Astronauten, die vom 56-jährigen Kommandanten Nie Haisheng angeführt werden, Arbeiten an der Station ausführen, wichtige Funktionen des Kernmoduls testen und zudem wissenschaftliche Experimente machen. Während Nie Haisheng und der 54-jährige Lio Boming zu den erfahrensten Astronauten Chinas gehören, ist es für den 45-jährigen Tang Hongbo der erste Flug. Bleiben sie wie geplant drei Monate auf der Station, währe es der bisher längste Aufenthalt chinesischer Astronauten im All. 2016 hatten Chen Dong und Jing Haipeng einen Monat im Weltraum verbracht.

Weitere Tonnen Material benötigt
Das erste Modul der Raumstation, die Ende 2022 fertig sein soll, war Anfang Mai ins All geschickt worden. Ende Mai folgte ein weiterer Frachtflug mit Material und Treibstoff. Um die Raumstation fertigzubauen, werden noch zwei jeweils gut 20 Tonnen schwere Labormodule ins All gebracht. Im nächsten Jahr sind zwei weitere Frachtflüge und zwei bemannte Missionen geplant.
(APA, 17.6.2021)
Drei chinesische Astronauten zu neuer Raumstation gestartet
 

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#8
Taikonauten starteten bislang längsten Aufenthalt auf chinesischer Raumstation
Dreiköpfiges Team soll sechs Monate im All verbringen
Peking – Auf dem Weg zu einem weiteren Meilenstein der chinesischen Raumfahrthistorie haben drei Taikonauten die bisher längste bemannte Mission an Bord der Raumstation "Tiangong" ("Himmlischer Palast") begonnen. Nach Angaben der chinesischen Raumfahrtbehörde dockte das Raumschiff "Shenzhou 13" am Samstag erfolgreich an der Station an. Das Team soll dort sechs Monate verbringen.

Die Raumfähre mit den Taikonauten war am Samstag kurz nach Mitternacht (Ortszeit, Freitag 18.00 Uhr MESZ) vom Raumfahrtbahnhof Jiuquan im Nordwesten der Wüste Gobi aus ins All gestartet. Die Crew sei "in guter Verfassung", teilte die Behörde nach dem Start mit.


Die drei chinesischen Raumfahrer Ye Guangfu, Zhai Zhigang und Wang Yaping nach der Ankunft auf der Raumstation.
Foto: Tian Dingyu /imago images/Xinhua

Ein Halbes Jahr im All
Zu den drei Raumfahrern gehört die Militärpilotin Wang Yaping. Die 41-Jährige ist die erste Frau auf der chinesischen Raumstation. Geleitet wird die Mission vom 55-jährigen Zhai Zhihang, der im Jahr 2008 als erster Chinese einen Weltraumspaziergang absolviert hatte. Zum Team gehört ferner der 41-jährige Militärpilot Ye Guangfu. Das Team soll das halbe Jahr im Kernmodul der noch im Bau befindlichen "Tiangong" verbringen.

Die Raumfahrtbehörde veröffentlichte Fotos der drei Taikonauten bei ihrer Verabschiedungszeremonie. Dabei winkten sie zahlreichen Zuschauern, die ermutigende Botschaften in die Höhe hielten. Im September war die Vorgängerbesatzung zur Erde zurückgekehrt, die drei Monate auf der Raumstation verbracht hatte.

Die Volksrepublik hat in den vergangenen Jahren Milliardensummen in seine Raumfahrtprogramme gesteckt, um zu den Raumfahrtnationen USA und Russland aufzuschließen. Das Kernmodul der Raumstation war erst Ende April in seine Erdumlaufbahn gebracht worden. Vollständig in Betrieb gehen soll die "Tiangong" nach den chinesischen Plänen im kommenden Jahr.

Elf Missionen bis 2022
Insgesamt plant die chinesische Raumfahrtbehörde elf Missionen zu der Station bis Ende 2022. Dabei sollen unter anderem zwei Besatzungen sowie zwei neue Labor-Einheiten zur Erweiterung der Station in den Orbit gebracht werden.

Chinas Raumfahrtambitionen wurden zum Teil durch ein US-Verbot für chinesische Raumfahrer auf der Internationalen Raumstation ISS befeuert. Die ISS wird in Kollaboration von den USA, Russland, Kanada, europäischen Staaten und Japan betrieben. Sie soll noch bis 2024 betrieben werden. Die US-Raumfahrtbehörde NASA hatte jedoch mitgeteilt, dass die ISS auch über 2028 hinaus noch funktionsfähig sei.


Das Shenzhou 13 während des Dockingmanövers.
Foto: Tian Dingyu /imago images/Xinhua

Die jüngste Mission solle "Chinas technologische Grenze" verschieben, sagte der unabhängige Raumfahrtexperte der Website "Go Taikonauts", Chen Lan. Darüber hinaus sollten die Systeme der chinesischen Raumstation für eine längerfristige Bewohnbarkeit getestet werden. "Ich denke nicht, dass es sehr schwierig ist. Chinas Technologien sind sehr ausgereift", erläuterte Chen. Andererseits sei im Weltraum "alles schwierig".

Neue Hyperschallrakete
Unterdessen macht China auf einem weiterem im Zusammenhang mit dem Weltall stehenden Forschungsfeld auf sich aufmerksam: Wie die "Financial Times" unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, testete China bereits im August eine neue Hyperschallrakete. Demnach schickte China das atomwaffenfähige Geschoß mit einer Rakete des Typs "Langer Marsch" ins All, wo es die Erde auf einer niedrigen Umlaufbahn umkreiste, bevor es Kurs auf sein Ziel nahm.

Drei verschiedenen Quellen zufolge habe das Geschoß sein Ziel allerdings um mehr als 30 Kilometer verfehlt, berichtete die Zeitung. Dem Bericht zufolge zeigten sich US-Geheimdienste von den neuen militärischen Fähigkeiten China allerdings überrascht.
Neben China arbeiten auch die USA, Russland, Nordkorea und mindestens vier weitere Länder an der Hyperschalltechnologie. Wie ballistische Raketen können diese Atomwaffen tragen und mehr als fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen, sind aber deutlich schwerer abzuschießen.
(APA, 17.10.2021)

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