China: Erfolgreicher Test eines "fliegenden Kraftwerks"

josef

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#1
Über den Wolken
China testet erfolgreich riesiges fliegendes Kraftwerk
Chinesisches Unternehmen ließ eine 60 Meter lange heliumgefüllte Windturbine in 2000 Meter Höhe aufsteigen. Das System lieferte 385 Kilowattstunden Strom und hat zahlreiche Vorteile

Helium statt Fundament: Das AWES-System der Firma Linyi Yunchuan Energy Technology lässt sich laut Entwicklern in Standard-Containern transportieren und in weniger als acht Stunden befüllen und starten.
Tsinghua University

Der Wind ist eine launische Ressource – zumindest dort, wo wir ihn bislang ernten. In Bodennähe wird die Strömung von Bäumen, Häusern und Hügeln zerzaust. Die klassische Antwort der Energiewirtschaft bestand lange darin, immer größere Rotoren auf immer höhere Türme zu setzen. Doch ein beträchtlicher Teil der wirklich schnellen, gleichmäßigen Luftströme zieht weit darüber vorbei – in Höhen, die mit keinem Stahlmast mehr zu erreichen sind.

In einer abgelegenen Gegend nahe Yibin in der chinesischen Provinz Sichuan zeigt nun ein System, wie man dieses Problem umgeht: nicht mit einem Wolkenkratzer aus Metall, sondern mit einem Flugkörper an einer sehr langen Leine.

Fliegendes Kraftwerk
Das S2000-System ist eine großskalige Anlage zur Nutzung von Höhenwindenergie, ein sogenanntes Airborne Wind Energy System (AWES). Entwickelt wurde es von der Beijinger Firma Linyi Yunchuan Energy Technology in Kooperation mit der Tsinghua-Universität. Bei einem Testflug im Jänner schwebte die heliumgefüllte "fliegende Kraftwerksstation" in rund 2000 Metern Höhe und speiste 385 Kilowattstunden Strom direkt in das lokale Stromnetz ein.

In nur 30 Minuten habe die Einheit damit genug Energie erzeugt, um ein durchschnittliches amerikanisches Einfamilienhaus fast zwei Wochen lang zu versorgen, heißt es vonseiten des Unternehmens. Der Testlauf soll vor allem illustrieren, wie viel Leistung in diesen hoch gelegenen Luftschichten steckt.


Der 60 Meter lange Höhenwind-Generator trägt zwölf Leichtbauturbinen in einem luftschiffartigen Rahmen – gehalten von einem Hochlastseil, das zugleich als Stromleitung dient.
Tsinghua University

Sechsfache Windleistungsdichte
Warum die Höhe so attraktiv ist, lässt sich physikalisch recht simpel erklären: Je weiter man sich vom Boden entfernt, desto weniger Hindernisse stören die Strömung – und desto schneller wird sie im Durchschnitt. In Höhen zwischen etwa 100 und 2500 Metern steigt die Windleistungsdichte, also die tatsächlich verfügbare Energie pro Fläche, um ungefähr das Sechsfache.

Das S2000-System ist gezielt dafür ausgelegt, in diesem "hochenergetischen Bereich" zu arbeiten. "Traditionelle Windturbinen funktionieren durch die Rotation ihrer Blätter, wenn Wind auf sie trifft, und erzeugen so Elektrizität", erklärte Weng Hanke, Mitbegründer und CTO von Beijing Linyi Yunchuan Energy Technology. "Dieser Generator arbeitet ähnlich, mit dem Unterschied, dass die Stromerzeugung nicht auf Bodenniveau, sondern in der Luft stattfindet."

Ein Gigant mit Stromleitung
Statt eines einzelnen Rotors auf einem Mast nutzt das System einen luftschiffähnlichen Rahmen, an dem zwölf Leichtbauturbinen montiert sind. Diese sollen in den beständigeren Strömungen in großer Höhe kontinuierlich rotieren. Der Flugkörper selbst ist ein Gigant: 60 Meter lang und 40 Meter breit. Weil ihn Helium trägt, braucht es kein massives Fundament und keine tonnenschweren Turmsegmente. Am Boden genügt ein hochbelastbares Halteseil. Dieses Seil ist zugleich Teil der elektrischen Infrastruktur: Es fungiert auch als Stromleitung.

Diese Konstruktion hat zwei praktische Konsequenzen: Während klassische Windparks ortsgebunden sind, ließe sich ein solches System grundsätzlich dorthin bringen, wo gerade Bedarf ist – zumindest innerhalb der Grenzen, die Wetter, Luftraum und Logistik setzen. Darüber hinaus ermöglicht das fliegende Kraftwerk ein deutlich anderes Einsatzprofil.


Beim Test in rund 2000 Metern Höhe speiste das S2000-System 385 Kilowattstunden direkt ins lokale Netz – dort oben ist die Windleistungsdichte etwa sechsmal höher als nahe dem Boden.
Tsinghua University

"Plug-and-Play"-Versorgung
"Bei der derzeitigen Leistung kann eine Betriebsstunde genug Strom erzeugen, um etwa 30 Elektrofahrzeuge der Spitzenklasse von null auf hundert Prozent aufzuladen, rechnete Dun Tianrui, Chefdesigner des Systems, gegenüber dem chinesischen Staatsmedium Global Times vor. Zudem soll die Anlage in Standard-Seecontainer passen und in weniger als acht Stunden befüllt und gestartet werden. Für abgelegene Grenzposten oder Inseln, auf denen der Bau eines herkömmlichen Kraftwerks kaum möglich ist, skizzieren die Entwickler eine Art "Plug-and-Play"-Versorgung aus der Luft.

Ganz neu ist die Idee nicht. Schon 2014 demonstrierte Altaeros Energies über Alaska eine erste "fliegende Windturbine". Das S2000-System steht in dieser Linie, ist aber deutlich größer als frühe Prototypen. Es ist der Nachfolger von S1500, einer kleineren Einheit, die zuletzt in Xinjiang getestet wurde. Es soll das erste seiner Art gewesen sein, das die Ein-Megawatt-Marke erreichte. Das neue S2000-Modell wird nun mit einer Leistungskapazität von drei Megawatt beschrieben.

Überwundene Hürden...
Hinter dem Projekt steht eine Partnerschaft, die 2018 begann: Weng Hanke und Dun Tianrui, ehemalige Schulkameraden, arbeiteten sich über Jahre in atmosphärische Physik und Leichtbaumaterialien ein. Eine zentrale Hürde lag in der Elektrik – Hochspannungsstrom über ein kilometerlanges Kabel zu leiten, ohne dass dessen Gewicht den Flugkörper buchstäblich zu Boden zieht. Dass der aktuelle Test in Sichuan überhaupt Netzstrom lieferte, ist auch ein Hinweis darauf, dass diese Balance aus Auftrieb, Material und Leitungstechnik zumindest im Demonstrationsbetrieb funktioniert.

Ein großer Vorteil sei vor allem der geringere Materialeinsatz im Vergleich zu herkömmlichen Windkraftanlagen. "Unser Ziel ist es, die Höhenwindkraft zu einem Schlüsselelement erschwinglicher, sauberer Energie zu machen und eine chinesische Lösung zum weltweiten Energiewandel beizutragen", sagte Dun Tianrui vor einigen Wochen gegenüber der South China Morning Post.

Video: Fliegende Windturbine steigt in 2000 Meter Höhe auf
ET Digital

... und bleibende Stolpersteine
Doch selbst wenn das Konzept technisch überzeugt, bleibt eine unangenehme Nebenbedingung: Helium ist nicht erneuerbar – und schon heute in Medizin und Forschung knapp. Ausgerechnet eine Technologie, die erneuerbare Energie erschließen soll, hängt damit an einem Rohstoff, der nicht beliebig verfügbar ist. Diese Abhängigkeit sei ein strukturelles Risiko, so das Unternehmen: Je größer die Flotten solcher Flugkraftwerke würden, desto stärker drängt sich die Frage nach Versorgung, Recycling und Alternativen auf. Trotzdem peilt das Team die Serienproduktion in den kommenden Monaten an.
(Thomas Bergmayr, 24.2.2026)
China testet erfolgreich riesiges fliegendes Kraftwerk
 

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#2
Luftige Höhen
China führt erfolgreiche Tests mit fliegendem Windkraftwerk durch
Das Flugobjekt produzierte in 4000 Metern Höhe Strom


Künftig sollen Windräder nicht mehr nur vom Boden aus operieren.
APA/HANS KLAUS TECHT

Es war bei Weitem nicht der erste Vorstoß in diese Richtung, wohl aber der größte seiner Art: Wie lokale Medien berichten, hat eine chinesische Firma einen erfolgreichen Test mit einem mit Helium befüllten Luftschiff durchgeführt, das hoch in der Luft Strom erzeugt.

S4000
Das Windkraftsystem wurde in eine Höhe von 4000 Metern über dem Meeresspiegel befördert. Dort erzeugte es Energie und wurde dann wieder zurück auf den Boden gebracht, wie die South China Morning Post (SCMP) berichtet. Laut dem staatlichen Fernsehsender CCTV handelt es sich dabei um eine Weltpremiere.

Der Flugkörper mit dem Namen S4000 (nach seiner Flughöhe) soll in etwa die Länge einer Boeing 747 aufweisen – was zwischen 55 und 75 Metern entspricht – und auch in seiner Form einem Flugzeug ähneln.

Gleichmäßig stark
Ziel der Konstruktion ist es, sich die starken Winde in solchen Höhen zunutze zu machen. Hierfür sind an beiden Seiten seines Rumpfes Turbinen platziert. Der oben erzeugte Strom wird über ein Verbindungskabel zum Boden geleitet.

In 4000 Meter Höhe sind die Winde nicht nur stärker, sondern auch gleichmäßiger. Zudem kommen weitere Vorteile gegenüber herkömmlichen Windrädern zum Tragen: So ist das Flugobjekt beweglich und kann dadurch je nach aktuellen Bedingungen an den bestmöglichen Standort verlegt werden. Oder dort zum Einsatz kommen, wo es gerade am dringendsten benötigt wird. Außerdem wird weniger Fläche am Boden beansprucht – ein Argument, das oft gegen herkömmliche Windparks vorgebracht wird.

Staatlich vorangetrieben
Wie die SCMP berichtet, wurde das Pionierprojekt vom chinesischen Unternehmen Sawes Energy Technology entwickelt. Dabei habe man mit der Tsinghua-Universität in Beijing und dem Institut für Luft- und Raumfahrtforschung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften zusammengearbeitet. Die Erforschung von neuen Formen der Wind-Stromerzeugung ist auch im derzeitigen Fünfjahresplan der chinesischen Regierung vorgeschrieben.

Die Kooperation brachte bereits zwei Vorgängermodelle hervor. Ein weiteres Modell, das in 6000 Metern Höhe fliegen soll, soll noch dieses Jahr in den Testbetrieb gehen.

Laut Schätzungen der Entwickler sollen die Kosten für auf diese Weise erzeugten Strom derzeit in etwa denen von Windparks am Boden entsprechen. In 9000 Metern Höhe könne die Anlage dann mehr als 8000 Stunden pro Jahr in Betrieb sein und Strom für weniger als 0,03 Yuan, also umgerechnet rund 0,4 Eurocent, pro Kilowattstunde liefern.
(hlk, 28.8.2026)
China führt erfolgreiche Tests mit fliegendem Windkraftwerk durch
 
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