Rüsten im Weltraum
Das Bundesheer will 2027 eigene Militärsatelliten starten
Drei Projekte sollen Navigation, Aufklärung und Kommunikation aus dem All absichern
Das Bundesheer will 2027 eigene Militärsatelliten starten
Das Bundesheer will 2027 eigene Militärsatelliten starten
Drei Projekte sollen Navigation, Aufklärung und Kommunikation aus dem All absichern
Österreich rüstet auf – nicht nur am Boden. 2027 sollen zum ersten Mal in der Geschichte der Republik eigene Militärsatelliten gestartet werden. Gleich drei Projekte befinden sich in Vorbereitung, wie dem STANDARD vom Verteidigungsministerium bestätigt wurde.
Die österreichischen Militärsatelliten sollen im Frühjahr 2027 von Space X ins All befördert werden.
IMAGO/JOE MARINO
Nun wurden neue Details zum Projekt Beaconsat bekannt. Der Satellit soll Störsignale globaler Navigationssysteme wie GPS oder Galileo aus dem All detektieren – sogenanntes Jamming und Spoofing. Solche Störmaßnahmen gelten in aktuellen Konflikten als zentrales Mittel elektronischer Kriegsführung. Werden Navigationssignale manipuliert, verlieren Drohnen die Orientierung, Transporte verzögern sich, kritische Infrastruktur wird verwundbar.
Start Anfang 2027
Umgesetzt wird Beaconsat vom Wiener Raumfahrtunternehmen Gate Space, einem Spin-off der TU Wien, das als Hauptauftragnehmer die Gesamtverantwortung für das Projekt trägt. Das Unternehmen liefert unter anderem das Antriebssystem sowie zentrale Komponenten der Satellitenstruktur. Der Start ist für Anfang 2027 vorgesehen. Geplant ist der Transport ins All mit einer Falcon-9-Rakete des US-Unternehmens Space X.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner spricht von einem strategischen Schritt hin zu größerer Eigenständigkeit: "Es ist wichtig, dass wir im Bedarfsfall in der Kommunikation und Navigation eigenständig agieren können. Das ist eine Frage der Resilienz und der militärischen Fähigkeiten. Der Weltraum ist ein wesentlicher Teil der militärischen Handlungsfähigkeit."
Beaconsat ist jedoch nur ein Teil einer umfassenderen Initiative. Insgesamt drei militärische Satellitenprojekte befinden sich derzeit in Umsetzung, wie Friedrich Teichmann, Leiter des Instituts Militärisches Geowesen und Space Services im Verteidigungsministerium, im Gespräch mit dem STANDARD bestätigt.
Der Satellit Beaconsat soll Störsignale globaler Navigationssysteme erkennen und Daten darüber liefern, woher sie stammen.
GATE Space
Flexibler Orbit
Parallel zu Beaconsat läuft das Projekt Leo2VLeo, eine Kooperation mit dem niederländischen Militär unter dem Dach der European Defence Agency. Dabei handelt es sich um eine Vierer-Konstellation, von der drei Satelliten ebenfalls Anfang 2027 in den Orbit gebracht werden sollen. Sie verfügen über Kameras zur optischen Aufklärung sowie über Sensorik zur Frequenzdetektion im Gigahertz-Bereich.
Bemerkenswert ist die Fähigkeit zur Orbitänderung: "Leo2VLeo kann aus einem Low Earth Orbit in rund 500 Kilometern bei Bedarf auf etwa 250 Kilometer hinuntergehen, dort schärfere Bilder machen – und dann wieder in eine höhere Umlaufbahn zurückkehren", sagt Teichmann. Das ermögliche flexible militärische Aufklärung, erhöhe aber auch den technischen Aufwand.
Testfeld für Quantenkryptografie
Das dritte Projekt trägt den Namen Aurora und ist ein rein österreichischer Satellit mit einer Kommunikations-Payload auf Laserbasis. Ziel ist es, optische Datenübertragung im Orbit zu testen. "Die Frequenzbänder sind schon sehr voll", sagt Teichmann. Klassische Funkfrequenzen für Satellitenkommunikation sind zunehmend ausgelastet und störanfällig. "Die moderne Technologie geht Richtung optische Datenübertragung. Aber wir müssen testen, ob wir durch die Wolkendecke kommen und wie die exakte Ausrichtung zwischen Bodenstation und Satellit funktioniert."
Der Satellit dient dabei als Relaisstation zwischen Bodenstationen. Gleichzeitig ist das System laut Teichmann auch für künftige Anwendungen im Bereich Quantenkryptografie ausgelegt. "Aurora ist quantum-crypto-fähig, das könnte auch gleich mitgetestet werden", sagt Teichmann. Damit könnten also besonders abhörsichere Kommunikationsverfahren erprobt werden.
Offiziell handelt es sich bei allen drei Projekten um Demonstrationssatelliten. Strategisch gedacht wird jedoch weiter. "Wir wollen damit lernen, wie wir diese Daten generieren", sagt Teichmann. "Aber gleichzeitig arbeiten wir an der Folgekonstellation, die dann wirklich operationell sein soll." Diese werde nicht mehr aus Einzelsatelliten bestehen, sondern aus Konstellationen aus drei, fünf oder zehn Satelliten, um eine vollständige Abdeckung zu gewährleisten.
"Verlängerung des Gefechtsfeldes"
Die strategische Bedeutung des Vorhabens beschreibt Teichmann so: "In Wirklichkeit ist der Weltraum eine Verlängerung des Gefechtsfeldes. Ohne Weltraum geht keine Kommunikation mehr, ohne Weltraum geht keine Aufklärung über die Grenzen hinweg. Und ohne Weltraum gibt es keine Navigation der Truppen, der Verbände und der Drohnen." Moderne Streitkräfte seien von diesen drei Diensten – Kommunikation, Navigation und Aufklärung – vollständig abhängig. "Ohne diese Services ist ein moderner Krieg nicht einmal zu führen, geschweige denn zu gewinnen."
Mit den drei Projekten will das Bundesheer diese Bereiche abdecken: optische Aufklärung mit Leo2VLeo, elektronische Detektion von Navigationsstörungen mit Beaconsat sowie gesicherte Satellitenkommunikation mit Aurora. Zusammen ergeben sie erstmals eine eigenständige militärische Weltraumarchitektur – wenn auch vorerst im Demonstrationsstadium.
"Wir müssen auch datenunabhängig werden", sagt Teichmann. "Wir wollen ja nicht immer von irgendjemand anderem abhängig sein, der uns dann Daten gibt. Da sind wir in den letzten Jahren als Europäer sehr gebrannte Kinder gewesen. Das muss aufhören. Wir müssen erwachsen werden."
Die Satellitenbilder aus dem Kooperationsprojekt mit den Niederlanden sollen grundsätzlich beiden Partnern gehören. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist vorgesehen, sie im Rahmen von EU-Missionen als österreichischen Beitrag zur Verfügung zu stellen. Details zur Weitergabe an andere nationale Behörden oder internationale Organisationen werden noch ausgearbeitet.
Zehn bis zwölf Millionen Euro
Die Kosten für die drei Projekte dürften sich für das Verteidigungsministerium insgesamt auf zehn bis zwölf Millionen Euro belaufen – abhängig von der endgültigen Betriebsdauer. Für Beaconsat und Aurora liegt der jeweilige Beitrag des Verteidigungsministeriums laut Teichmann im niedrigen einstelligen Millionenbereich – jeweils ein bis zwei Millionen Euro für Bau und weitere Mittel für den Betrieb. Das Kooperationsprojekt Leo2VLeo ist größer dimensioniert: Das Projekt kostet in Summe zehn Millionen Euro, wobei der österreichische Beitrag bei sechs Millionen liegt.
Noch geht es also um Demonstrationssatelliten mit begrenzter Lebensdauer. Doch sie markieren einen sicherheitspolitischen Kurswechsel. Erstmals baut Österreich militärische Fähigkeiten im All auf – als eigene Infrastruktur. Ob daraus eine dauerhafte Konstellation entsteht, wird weniger eine technische als eine politische Frage sein. (David Rennert, 2.3.2026)
Die österreichischen Militärsatelliten sollen im Frühjahr 2027 von Space X ins All befördert werden.
IMAGO/JOE MARINO
Nun wurden neue Details zum Projekt Beaconsat bekannt. Der Satellit soll Störsignale globaler Navigationssysteme wie GPS oder Galileo aus dem All detektieren – sogenanntes Jamming und Spoofing. Solche Störmaßnahmen gelten in aktuellen Konflikten als zentrales Mittel elektronischer Kriegsführung. Werden Navigationssignale manipuliert, verlieren Drohnen die Orientierung, Transporte verzögern sich, kritische Infrastruktur wird verwundbar.
Start Anfang 2027
Umgesetzt wird Beaconsat vom Wiener Raumfahrtunternehmen Gate Space, einem Spin-off der TU Wien, das als Hauptauftragnehmer die Gesamtverantwortung für das Projekt trägt. Das Unternehmen liefert unter anderem das Antriebssystem sowie zentrale Komponenten der Satellitenstruktur. Der Start ist für Anfang 2027 vorgesehen. Geplant ist der Transport ins All mit einer Falcon-9-Rakete des US-Unternehmens Space X.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner spricht von einem strategischen Schritt hin zu größerer Eigenständigkeit: "Es ist wichtig, dass wir im Bedarfsfall in der Kommunikation und Navigation eigenständig agieren können. Das ist eine Frage der Resilienz und der militärischen Fähigkeiten. Der Weltraum ist ein wesentlicher Teil der militärischen Handlungsfähigkeit."
Beaconsat ist jedoch nur ein Teil einer umfassenderen Initiative. Insgesamt drei militärische Satellitenprojekte befinden sich derzeit in Umsetzung, wie Friedrich Teichmann, Leiter des Instituts Militärisches Geowesen und Space Services im Verteidigungsministerium, im Gespräch mit dem STANDARD bestätigt.
Der Satellit Beaconsat soll Störsignale globaler Navigationssysteme erkennen und Daten darüber liefern, woher sie stammen.
GATE Space
Flexibler Orbit
Parallel zu Beaconsat läuft das Projekt Leo2VLeo, eine Kooperation mit dem niederländischen Militär unter dem Dach der European Defence Agency. Dabei handelt es sich um eine Vierer-Konstellation, von der drei Satelliten ebenfalls Anfang 2027 in den Orbit gebracht werden sollen. Sie verfügen über Kameras zur optischen Aufklärung sowie über Sensorik zur Frequenzdetektion im Gigahertz-Bereich.
Bemerkenswert ist die Fähigkeit zur Orbitänderung: "Leo2VLeo kann aus einem Low Earth Orbit in rund 500 Kilometern bei Bedarf auf etwa 250 Kilometer hinuntergehen, dort schärfere Bilder machen – und dann wieder in eine höhere Umlaufbahn zurückkehren", sagt Teichmann. Das ermögliche flexible militärische Aufklärung, erhöhe aber auch den technischen Aufwand.
Testfeld für Quantenkryptografie
Das dritte Projekt trägt den Namen Aurora und ist ein rein österreichischer Satellit mit einer Kommunikations-Payload auf Laserbasis. Ziel ist es, optische Datenübertragung im Orbit zu testen. "Die Frequenzbänder sind schon sehr voll", sagt Teichmann. Klassische Funkfrequenzen für Satellitenkommunikation sind zunehmend ausgelastet und störanfällig. "Die moderne Technologie geht Richtung optische Datenübertragung. Aber wir müssen testen, ob wir durch die Wolkendecke kommen und wie die exakte Ausrichtung zwischen Bodenstation und Satellit funktioniert."
Der Satellit dient dabei als Relaisstation zwischen Bodenstationen. Gleichzeitig ist das System laut Teichmann auch für künftige Anwendungen im Bereich Quantenkryptografie ausgelegt. "Aurora ist quantum-crypto-fähig, das könnte auch gleich mitgetestet werden", sagt Teichmann. Damit könnten also besonders abhörsichere Kommunikationsverfahren erprobt werden.
Offiziell handelt es sich bei allen drei Projekten um Demonstrationssatelliten. Strategisch gedacht wird jedoch weiter. "Wir wollen damit lernen, wie wir diese Daten generieren", sagt Teichmann. "Aber gleichzeitig arbeiten wir an der Folgekonstellation, die dann wirklich operationell sein soll." Diese werde nicht mehr aus Einzelsatelliten bestehen, sondern aus Konstellationen aus drei, fünf oder zehn Satelliten, um eine vollständige Abdeckung zu gewährleisten.
"Verlängerung des Gefechtsfeldes"
Die strategische Bedeutung des Vorhabens beschreibt Teichmann so: "In Wirklichkeit ist der Weltraum eine Verlängerung des Gefechtsfeldes. Ohne Weltraum geht keine Kommunikation mehr, ohne Weltraum geht keine Aufklärung über die Grenzen hinweg. Und ohne Weltraum gibt es keine Navigation der Truppen, der Verbände und der Drohnen." Moderne Streitkräfte seien von diesen drei Diensten – Kommunikation, Navigation und Aufklärung – vollständig abhängig. "Ohne diese Services ist ein moderner Krieg nicht einmal zu führen, geschweige denn zu gewinnen."
Mit den drei Projekten will das Bundesheer diese Bereiche abdecken: optische Aufklärung mit Leo2VLeo, elektronische Detektion von Navigationsstörungen mit Beaconsat sowie gesicherte Satellitenkommunikation mit Aurora. Zusammen ergeben sie erstmals eine eigenständige militärische Weltraumarchitektur – wenn auch vorerst im Demonstrationsstadium.
"Wir müssen auch datenunabhängig werden", sagt Teichmann. "Wir wollen ja nicht immer von irgendjemand anderem abhängig sein, der uns dann Daten gibt. Da sind wir in den letzten Jahren als Europäer sehr gebrannte Kinder gewesen. Das muss aufhören. Wir müssen erwachsen werden."
Die Satellitenbilder aus dem Kooperationsprojekt mit den Niederlanden sollen grundsätzlich beiden Partnern gehören. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist vorgesehen, sie im Rahmen von EU-Missionen als österreichischen Beitrag zur Verfügung zu stellen. Details zur Weitergabe an andere nationale Behörden oder internationale Organisationen werden noch ausgearbeitet.
Zehn bis zwölf Millionen Euro
Die Kosten für die drei Projekte dürften sich für das Verteidigungsministerium insgesamt auf zehn bis zwölf Millionen Euro belaufen – abhängig von der endgültigen Betriebsdauer. Für Beaconsat und Aurora liegt der jeweilige Beitrag des Verteidigungsministeriums laut Teichmann im niedrigen einstelligen Millionenbereich – jeweils ein bis zwei Millionen Euro für Bau und weitere Mittel für den Betrieb. Das Kooperationsprojekt Leo2VLeo ist größer dimensioniert: Das Projekt kostet in Summe zehn Millionen Euro, wobei der österreichische Beitrag bei sechs Millionen liegt.
Noch geht es also um Demonstrationssatelliten mit begrenzter Lebensdauer. Doch sie markieren einen sicherheitspolitischen Kurswechsel. Erstmals baut Österreich militärische Fähigkeiten im All auf – als eigene Infrastruktur. Ob daraus eine dauerhafte Konstellation entsteht, wird weniger eine technische als eine politische Frage sein. (David Rennert, 2.3.2026)
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