Krieg der Zukunft
Hightech im Wüstenstaub: Britische Armee rechnet mit Kampfrobotern ab
Die KI-gestützte Kriegsführung scheitert noch an praktischen Hürden. Doch Roboter haben ihre Nischen, wenn es für Menschen zu gefährlich wird
Britische Soldaten testeten unbemannte Bodenfahrzeuge und legen deren Schwächen offen. Roboter haben aber in der Nische ihren Zweck.
Corpral Vincent Price/ British Army
Kampfroboter oder ferngesteuerte Bodendrohnen sind im Ukrainekrieg längst zur Realität geworden. Die ukrainischen Streitkräfte haben sogar zuletzt eine Militärparade nur mit unbemannten Fahrzeugen abgehalten. Die Erfolgsgeschichten sind zahlreich: Drohnen liefern Nachschub, bewaffnete Mini-Panzer halten Frontstellungen ganz alleine und sprengstoffgefüllte Maschinen zwingen russische Angreifer zur Aufgabe. Diese Informationen lassen sich oft nicht unabhängig bestätigen und sind deshalb häufig mit Vorsicht zu genießen.
Einen seltenen unabhängigen Blick auf die hochtechnisierte Kriegsführung der Zukunft gibt nun die britische Armee. In der kalifornischen Mojave-Wüste trainierten im Rahmen des riesigen Manövers "Project Convergence" kürzlich rund 10.000 Soldaten aus den USA, Großbritannien und weiteren verbündeten Nationen den Krieg der Zukunft. Doch im Zentrum der gigantischen Wüsten-Simulation standen nicht nur die Truppen, sondern vor allem ihre neuen mechanischen Begleiter: fliegende Drohnenschwärme und unbemannte Bodenfahrzeuge, sogenannte Unmanned Ground Vehicles oder UGVs.
Druck der modernen Kriegsführung
Wie der Telegraph berichtet, wirft der Krieg in der Ukraine einen langen Schatten auf diese Wüstenspiele. Die Lebenserwartung eines Soldaten in der sogenannten "Kill Zone" an der ukrainischen Front beträgt oft nur 30 Minuten, dominiert von tödlichen Drohnen und präziser Artillerie. "Es ist nicht mehr wie vor 40 Jahren mit Panzern", wird Colonel Jim Howard, Leiter der britischen Experimentier- und Versuchsgruppe, im Telegraph zitiert. Das Schlachtfeld ändere sich "fast täglich".
Um menschliche Truppen in diesen lebensfeindlichen Zonen zu schützen, rücken autonome Systeme in den Fokus. Erfolge ließen sich in der Wüste durchaus verbuchen: Verbündete Truppen testeten Kamikaze-Drohnen wie die Altius-600 von Anduril. Dabei handelt es sich um eine Drohne, die aus leicht transportierbaren Röhren gestartet wird. Auch die AAI RQ-7 Shadow stand auf dem Prüfstand. Diese Aufklärungsdrohne soll feindliche Störsender und elektronische Kriegsführung durch Frequenzsprünge erfolgreich widerstehen.
Zu schwer, zu durstig, zu starr
Während Drohnen den Luftraum revolutionieren, sieht die Realität für Roboter am Boden deutlich nüchterner aus. Gegenüber Business Insider zog Lieutenant Colonel John Black, Kommandeur des 2. Bataillons des britischen Yorkshire-Regiments, eine durchwachsene Bilanz. Seine Einheit hat Dutzende Bodenroboter unter extremen Bedingungen getestet – und stieß auf gravierende Schwachstellen.
Wie immer geht es um Logistik. Viele der mittleren und großen UGVs erfordern eigene Anhänger oder Pritschenwagen, um überhaupt ans Ziel zu gelangen. Dadurch entsteht eine massive neue logistische Belastung für die Truppe. Bodenroboter zwingen die Soldaten dazu, schwere Zusatzbatterien, Generatoren oder Treibstoffmengen ins Gefecht mitzuschleppen.
Dazu kommen technische Einschränkungen. Laut Black versagten Lithium-Ionen-Akkus in der brutalen Wüstenhitze – es herrschten bis zu 50 Grad – völlig, und einige Fluggeräte fielen als Blindgänger aus. Dazu kommen die Einschränkungen einer noch jungen Technologie. Während Hersteller oft zuverlässige Wegfindung bewerben, schaut die Realität anders aus. Viele Roboter scheitern in der Praxis des (simulierten) Schlachtfeldes an Hindernissen. Dazu kommen häufig noch unzuverlässige Funkverbindungen bei der Fernsteuerung, was im Ernstfall erst wieder Menschen gefährdet.
Ein weiter Weg zur völligen Autonomie
"Jeder Anwendungsfall, den man sich vorstellen kann, wurde von uns erprobt. Es geht nicht nur darum, den Roboter herumzufahren, sondern ihn in einem taktischen Szenario einzusetzen", so der Kommandeur.
Ein besonders heikles Thema ist die viel beschworene Autonomie der Maschinen. Während Tech-Firmen oft vollautonome Systeme für die Logistik oder Aufklärung anpreisen, geht die Praxis laut Black in eine ganz andere Richtung: Einige Hersteller bieten inzwischen gar keine autonomen Funktionen für ihre UGVs mehr an. Der Grund? Sie seien schlicht "nicht praktikabel", treiben die Kosten in die Höhe und seien für Soldaten im Feld zu kompliziert zu bedienen, so der Offizier.
Roboter glänzen in Nischen
Bedeutet dies das Ende für die Bodenroboter der Armeen? Keineswegs. Ihre Vorzüge kommen in ganz spezifischen Nischen voll zur Geltung. Roboter sind dort wirkungsvoll, wo es für den Menschen zu gefährlich wird. Etwa bei der Minenräumung, beim Durchbrechen stark befestigter Stellungen und die logistische Versorgung direkt in der "Kill Zone" als wichtigste Beispiele. Letzteres wird von Ukraine bereits höchst erfolgreich praktiziert und unbemannte Bodendrohnen liefern Proviant, Wasser sowie Munition und transportieren Verwundete ab.
Eine Bodendrohne liefert Nachschub.
AFP/The 93rd Kholodnyi Yar Separ
Hervorgehoben werden unter anderem der selbstfahrende 20-Tonnen-Lkw HX3 von Rheinmetall oder der Rover Gereon von Arx Robotics, ebenfalls aus Deutschland. Dabei handelt es sich um ein kleines Bodenfahrzeug, das Lasten bis etwa 500 Kilo transportieren, als Plattform für leichte Waffen wie Maschinengewehre und Granatwerfer oder als Aufklärungsfahrzeug dienen kann.
(Peter Zellinger, 26.8.2026)
Hightech im Wüstenstaub: Britische Armee rechnet mit Kampfrobotern ab
Hightech im Wüstenstaub: Britische Armee rechnet mit Kampfrobotern ab
Die KI-gestützte Kriegsführung scheitert noch an praktischen Hürden. Doch Roboter haben ihre Nischen, wenn es für Menschen zu gefährlich wird
Britische Soldaten testeten unbemannte Bodenfahrzeuge und legen deren Schwächen offen. Roboter haben aber in der Nische ihren Zweck.
Corpral Vincent Price/ British Army
Kampfroboter oder ferngesteuerte Bodendrohnen sind im Ukrainekrieg längst zur Realität geworden. Die ukrainischen Streitkräfte haben sogar zuletzt eine Militärparade nur mit unbemannten Fahrzeugen abgehalten. Die Erfolgsgeschichten sind zahlreich: Drohnen liefern Nachschub, bewaffnete Mini-Panzer halten Frontstellungen ganz alleine und sprengstoffgefüllte Maschinen zwingen russische Angreifer zur Aufgabe. Diese Informationen lassen sich oft nicht unabhängig bestätigen und sind deshalb häufig mit Vorsicht zu genießen.
Einen seltenen unabhängigen Blick auf die hochtechnisierte Kriegsführung der Zukunft gibt nun die britische Armee. In der kalifornischen Mojave-Wüste trainierten im Rahmen des riesigen Manövers "Project Convergence" kürzlich rund 10.000 Soldaten aus den USA, Großbritannien und weiteren verbündeten Nationen den Krieg der Zukunft. Doch im Zentrum der gigantischen Wüsten-Simulation standen nicht nur die Truppen, sondern vor allem ihre neuen mechanischen Begleiter: fliegende Drohnenschwärme und unbemannte Bodenfahrzeuge, sogenannte Unmanned Ground Vehicles oder UGVs.
Druck der modernen Kriegsführung
Wie der Telegraph berichtet, wirft der Krieg in der Ukraine einen langen Schatten auf diese Wüstenspiele. Die Lebenserwartung eines Soldaten in der sogenannten "Kill Zone" an der ukrainischen Front beträgt oft nur 30 Minuten, dominiert von tödlichen Drohnen und präziser Artillerie. "Es ist nicht mehr wie vor 40 Jahren mit Panzern", wird Colonel Jim Howard, Leiter der britischen Experimentier- und Versuchsgruppe, im Telegraph zitiert. Das Schlachtfeld ändere sich "fast täglich".
Um menschliche Truppen in diesen lebensfeindlichen Zonen zu schützen, rücken autonome Systeme in den Fokus. Erfolge ließen sich in der Wüste durchaus verbuchen: Verbündete Truppen testeten Kamikaze-Drohnen wie die Altius-600 von Anduril. Dabei handelt es sich um eine Drohne, die aus leicht transportierbaren Röhren gestartet wird. Auch die AAI RQ-7 Shadow stand auf dem Prüfstand. Diese Aufklärungsdrohne soll feindliche Störsender und elektronische Kriegsführung durch Frequenzsprünge erfolgreich widerstehen.
Zu schwer, zu durstig, zu starr
Während Drohnen den Luftraum revolutionieren, sieht die Realität für Roboter am Boden deutlich nüchterner aus. Gegenüber Business Insider zog Lieutenant Colonel John Black, Kommandeur des 2. Bataillons des britischen Yorkshire-Regiments, eine durchwachsene Bilanz. Seine Einheit hat Dutzende Bodenroboter unter extremen Bedingungen getestet – und stieß auf gravierende Schwachstellen.
Wie immer geht es um Logistik. Viele der mittleren und großen UGVs erfordern eigene Anhänger oder Pritschenwagen, um überhaupt ans Ziel zu gelangen. Dadurch entsteht eine massive neue logistische Belastung für die Truppe. Bodenroboter zwingen die Soldaten dazu, schwere Zusatzbatterien, Generatoren oder Treibstoffmengen ins Gefecht mitzuschleppen.
Dazu kommen technische Einschränkungen. Laut Black versagten Lithium-Ionen-Akkus in der brutalen Wüstenhitze – es herrschten bis zu 50 Grad – völlig, und einige Fluggeräte fielen als Blindgänger aus. Dazu kommen die Einschränkungen einer noch jungen Technologie. Während Hersteller oft zuverlässige Wegfindung bewerben, schaut die Realität anders aus. Viele Roboter scheitern in der Praxis des (simulierten) Schlachtfeldes an Hindernissen. Dazu kommen häufig noch unzuverlässige Funkverbindungen bei der Fernsteuerung, was im Ernstfall erst wieder Menschen gefährdet.
Ein weiter Weg zur völligen Autonomie
"Jeder Anwendungsfall, den man sich vorstellen kann, wurde von uns erprobt. Es geht nicht nur darum, den Roboter herumzufahren, sondern ihn in einem taktischen Szenario einzusetzen", so der Kommandeur.
Ein besonders heikles Thema ist die viel beschworene Autonomie der Maschinen. Während Tech-Firmen oft vollautonome Systeme für die Logistik oder Aufklärung anpreisen, geht die Praxis laut Black in eine ganz andere Richtung: Einige Hersteller bieten inzwischen gar keine autonomen Funktionen für ihre UGVs mehr an. Der Grund? Sie seien schlicht "nicht praktikabel", treiben die Kosten in die Höhe und seien für Soldaten im Feld zu kompliziert zu bedienen, so der Offizier.
Roboter glänzen in Nischen
Bedeutet dies das Ende für die Bodenroboter der Armeen? Keineswegs. Ihre Vorzüge kommen in ganz spezifischen Nischen voll zur Geltung. Roboter sind dort wirkungsvoll, wo es für den Menschen zu gefährlich wird. Etwa bei der Minenräumung, beim Durchbrechen stark befestigter Stellungen und die logistische Versorgung direkt in der "Kill Zone" als wichtigste Beispiele. Letzteres wird von Ukraine bereits höchst erfolgreich praktiziert und unbemannte Bodendrohnen liefern Proviant, Wasser sowie Munition und transportieren Verwundete ab.
Eine Bodendrohne liefert Nachschub.
AFP/The 93rd Kholodnyi Yar Separ
Hervorgehoben werden unter anderem der selbstfahrende 20-Tonnen-Lkw HX3 von Rheinmetall oder der Rover Gereon von Arx Robotics, ebenfalls aus Deutschland. Dabei handelt es sich um ein kleines Bodenfahrzeug, das Lasten bis etwa 500 Kilo transportieren, als Plattform für leichte Waffen wie Maschinengewehre und Granatwerfer oder als Aufklärungsfahrzeug dienen kann.
(Peter Zellinger, 26.8.2026)