7000 Jahre alte Mauer im Meer vor der bretonischen Küste gefunden

josef

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Rätselhaftes Gemäuer
7000 Jahre alte Mauer im Atlantik vor der Küste Frankreichs entdeckt
Das 120 Meter lange Bauwerk könnte als Wall gegen den Ozean errichtet worden sein. Es zeugt von hohem technischem Know-how – und könnte Ursprung von Legenden versunkener Städte sein


Die 7000 Jahre alte Mauer ist erstaunlich robust.
Société d’Archéologie et de Mémoire Maritime

Es ist das größte Unterwasserbauwerk, das jemals in Frankreich gefunden wurde – und gibt einige Rätsel auf. Im Meer vor der bretonischen Küste haben französische Wissenschafter eine etwa 7000 Jahre alte und 120 Meter lange Granitmauer entdeckt. "Die Archäologen hätten nicht damit gerechnet, in einem so extremen Umfeld, das von Stürmen, Wellen und Strömung geprägt ist, so gut erhaltene Strukturen zu finden", sagte der Geologe Yves Fouquet der Nachrichtenagentur AFP.

Fouquet, pensionierter Geologe und gebürtig von der Insel Sein vor der Westspitze der Bretagne, hatte die Mauer und etwa zehn kleinere Baustrukturen 2017 auf dem Meeresgrund zunächst auf einer Karte entdeckt, die mit einem sogenannten Lidar-System erstellt worden war. Dabei werden Laserstrahlen genutzt, um präzise dreidimensionale Scans zu machen. "Zuerst dachte ich, dass es sich um Fehler in der Karte handeln müsse", sagte Fouquet.

Daher beauftragte er Taucher der Société d'archéologie et de mémoire maritime (SAMM) damit, die Strukturen zu erkunden. Bei rund 60 Tauchgängen in den vergangenen Jahren konnten die Taucher belegen, dass die Granitbauwerke, die sich in neun Metern Tiefe befinden, von Menschen errichtet wurden.

Tonnenschwere Blöcke
Fachleute datierten die Mauer auf die Zeit zwischen 5800 und 5300 vor unserer Zeitrechnung. Sie wurden zu einer Zeit erbaut, als der Meeresspiegel deutlich niedriger war. Damals befand sich das Bauwerk vermutlich an der Küstenlinie – zwischen der Hoch- und Niedrigwasserlinie. Heute ist die Insel auf einen Bruchteil ihrer früheren Größe geschrumpft.

Nach Ansicht der Forschenden könnte es sich um einen Deich gegen den Anstieg des Meeresspiegels handeln, oder auch um Fischfallen beziehungsweise Fallen für die Jagd, wie das Forschungsteam in der Fachzeitschrift International Journal of Nautical Archaeology berichtet. In ihrem Artikel betonen die Forschenden, dass diese Strukturen für diesen Zeitraum "einzigartig in Frankreich" seien. Die Konstruktionen zeugen von "elaborierten technischen Fähigkeiten und einer ausreichenden sozialen Organisation, um mehrere Tonnen schwere Blöcke zu brechen, zu transportieren und zu verbauen".

Die Mauer ist durchschnittlich 20 Meter breit und zwei Meter hoch. In regelmäßigen Abständen fanden Taucher große Granitsteine – oder Monolithen –, die in zwei parallelen Reihen aus der Mauer herausragten. Diese könnten ursprünglich auf dem Felsgestein platziert worden sein, um dann die Mauer aus Platten und kleineren Steinen um sie herum zu bauen. Die hervorstehenden Monolithen könnten andererseits auch ein Netz aus Stöcken und Ästen gestützt haben, um bei Ebbe Fische zu fangen.

Älter als Menhire
Die Monolithen, die das Fundament der Mauer bilden, ähneln den berühmten Menhiren, die die Landschaft der Bretagne prägen. Diese stammen allerdings aus der Jungsteinzeit um etwa 4500 vor Christus und sind damit deutlich jünger als die jetzt gefundenen Bauwerke. Selbst die ältesten erreichen nicht mehr als 6500 Jahre.

Mit einer Gesamtmasse von 3300 Tonnen muss die Mauer das Werk einer bedeutenden sesshaften Gemeinschaft gewesen sein, sind die Forschenden überzeugt. Dass sie 7000 Jahre später noch steht, zeugt von einer äußerst soliden Konstruktion. "Sie wurde von einer stark strukturierten Gesellschaft von Jägern und Sammlern erbaut, die sich niederließen, sobald die Ressourcen dies zuließen. Oder sie wurde von einem der neolithischen Völker errichtet, die um 5000 v. Chr. hierherkamen", sagte der Archäologe Yvan Pailler von der Université de Bretagne Occidentale und Mitautor der Studie.

Laut Pailler könnte es eine Weitergabe von Know-how über die Gewinnung, das Schneiden und den Transport der Steine zwischen älteren mesolithischen Jägern und Sammlern und den neu hinzukommenden neolithischen Bauern gegeben haben.

Bretonische Legenden
Eine Stätte wie diese könnte auch den Ursprung lokaler bretonischer Legenden über versunkene Städte bilden, spekuliert das Forschungsteam. Die verlorene Stadt Ys etwa soll in der Bucht von Douarnenez, nur wenige Kilometer östlich, gelegen haben. Die Legende wurde vielfach aufgegriffen, unter anderem im Computerspiel The Witcher.

"Es ist wahrscheinlich, dass das Aufgeben eines von einer hoch strukturierten Gesellschaft entwickelten Territoriums tief in der Erinnerung der Menschen verwurzelt ist", heißt es in der Studie. "Die durch den raschen Anstieg des Meeresspiegels verursachte Überflutung, gefolgt von der Aufgabe von Fischereianlagen, Schutzbauten und Siedlungsstätten, muss einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben."

Die Entdeckung wird die Archäologie jedenfalls noch weiter beschäftigen. Yvan Pailler ist sicher, dass sie "neue Perspektiven in der Unterwasserarchäologie eröffnet und hilft, besser zu verstehen, wie die Küstenbevölkerung organisiert war".
(kri, APA, AFP, 12.12.2025)
7000 Jahre alte Mauer im Atlantik vor der Küste Frankreichs entdeckt
 
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